Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 44 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 JÜDISCHE PRESSE Seite 311 IE 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PrePurg) Erstklassige Heilanstalt für innere und Nervenkranke. Spezialbehandlung der Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-, Darm-, Herzu, Blutgefaßkrankheiten, Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe. Unlogie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Ken Ikopfkranke. Zimmer, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Behandlung u. 5 Mahlzeiten pro Tag von 100 Kc aufwärts. Leitender Chefarzt DR. SIGMUND ARANYI. Streng rituelle run Küche unter Aufsicht d.PreÖD.Orth. Rabbihates Es wurde beschlossen, die zweite Tagung der Landesorganisation im Monat Schewath abzuhalten. Eine Kommission wurde gewählt, welcher es obliegt, die Tagesordnung festzusetzen und die Vorbereitungen für die Tagung zu treffen. Man erwartet von dieser Tagung, daß sie eine grandiose Kundgebung der polnischen Orthodoxie für die Gemeinschaft aller Thoratreuen der Welt bedeuten werde. Zur Durchführung der Wahl der polnischen Mitglieder in'den großen Rabbinischen Rat der Agudas Jisroel werden entsprechende Maßnahmen getroffen. Es sollen von sämtlichen Rabbinern Polens 50 Rabbiner designiert werden, die aus ihrer Mitte die auf Polen entfallenden Mitglieder in den Rabbinischen Rat entsenden. Ferner wurde beschlossen, in jeder Ortsgruppe der Aguda einen „Rat der Talmide Ghachomim" zu wählen, an dessen Spitze die Ortsrabbiner stehen sollen und der in allen Agudatragen zur Meinungsäußerung aufgefordert werden soll, Unmittelbar vor der Tagung der Landeskonferenz soll die konstituierende Sitzung des Rabbinischen Rates der Landesorganisation stattfinden. Für diese Sitzung wurde die Tagesordnung festgesetzt. Während der Chanukatage sollen in allen Ortsgruppen Neuwahlen der Vorstände vorgenommen werden. Einen breiten Raum nahm in den Verhandlungen die praktische Arbeit der Aguda in Erez Jisroel ein. Es wurde konstatiert, daß die Sammlung für den Keren Hajischuw einen sehr günstigen Verlauf nimmt. Für die Verwaltung des Keren Hajischuw bis zur Landeskonferenz wurde ein Direktorium gewählt, dem folgende Herren angehören: David Weidenfeld (Warschau), Tobias Bialer (Lodz), Jakob Trockenheim (Warschau), Mendel Priewes (Warschau), Moses Schzeransky (Lublin), Moses Wojdyslawski (Lodz), Schachne Awrach (Warschau). Zwei Mitglieder des Direktoriums, die Herren Bialer und Wojdyslawski, begeben sich sofort nach Erez Jisroel, um die beschlossenen Aktionen durchzuführen. Für diese Arbeit wurden ihnen bestimmte Direktiven erteilt. Zum Schlüsse wurde zu dem neuen Gemeindestatut Stellung genommen, eine Kommission wurde gewählt, die die Gesichtspunkte der Aguda in dieser Frage zu einem der Regierung zu überreichendem Memorandum zusammenfassen soll. Berichtigung. In der vorigen Nummer der „Jüdischen Presse" wurde ein einem Schweizer jüdischen Blatte entnommener Bericht über einen Vortrag veröffentlicht, den Herr Dr. Ehrmann in Zürich gehalten hat. In dem Bericht werden Herrn Ehrmann Aeußerungen über das Erziehungswesen in Erez Jisroel in den Mund gelegt, die mit den Anschauungen der Agudas Jisroel in Gegensatz stehen. Herr Dr. Ehrmann ersucht uns, festzustellen, daß er das Gegenteil von dem gesprochen, was in dem Schweizer Blatte berichtet wurde. Er habe wö'der von einem Reformcheder, . noch davon gesprochen, daß die Autorität der rabbinischen Führer irgendwie umgangen werden soll. Er habe im Gegenteil ausdrücklich erklärt, daß die Agudas Jisroel ohne die Zustimmung der zuständigen Rabbiner niemals in Erziehungsfragen etwas unternehmen werde. NACHRICHTEN. Deut$cbo$terreicb. Emanuel Baruch — österreichisch-amerikanischer Gesandter? Die „J. G. B." meldet:PräsidentHarding empfing eine Abordnung von Deutsch-Amerikanern, die ihm unter anderem die Ernennung Dr. Emanuel Baruchs aus New York zum amerikanischen Gesandten in Oesterreich empfohlen haben. (Dr. Baruch ist ein ob seiner Menschenfreundlichkeit allgemein verehrter Arzt. Er ist Assimilant. Dr. Baruch hat Hervorragendes auf dem Gebiete der Hilfstätigkeit für Deutschland und Oesterreich geleistet. Seine Wirksamkeit als Gesandter für Oesterreich würde voraussichtlich einen gewaltigen Aufschwung der ( Hilfstätigkeit Amerikas für Oesterreich bedeuten und wäre daher von Jedermann» ohne Parteiunterschied zu wünschen. Die Red.) Talmud Thora. In die Leitung des Elternvereines der Vereins-Volksschule mit dem Oeffentlichkeitsrecht (Talmud Thora-Volkschule) Wien, IL, Malzgasse 16, wurden gewählt die Herren: Religionslehrer Wilhelm Oberlehrer Toch, Obmann; Jakob Hohn, Obmann- Stellvertreter; Julius Gruber, Kassier; Lehrer Leo Hersch, Schriftführer. Die Mittelstands- und Krankenküche in Gefahr! Der •„Vienna Jewish Relief Fund" hatte die ihm zur Verfügung stehenden reichlichen Mittel zur Hilfe für diese beiden Kategorien verwendet, und wir hatten schon oft Gelegenheit, jede einzelne seiner Aktionen als mustergültig rühmen zu können. Allseits konnte man die große Wohltat der Mittelstandsküche mit Anerkennung besprechen hören, deren Gründung und Erhaltung seit nahezu zwei Jahren der „Einheit* durch Subventionen des erwähnten englischen Komitees ermöglicht wurde. Wer zur Mittagszeit in die Speisehalle kam und sah wie 4—500 Mittelstandspersonen an schön gedeckten Tischen saßen und Von sauber gekleideten Kellnern mit wirklich guter Hausmannskost bedient wurden, für das sie ein ihrem Stande entsprechend hohes Entgelt zu leisten hatten, wußte Notwendigkeit und Bedeutung solch wunderbarer Leistung genügend einzuschätzen. Wer andererseits einmal einen jüdischen Patienten im Spitale liegen sah, der, wie es bis vor zwei Jahren möglich war, keine Koscherkost bekam, weil keine Essenausträger wegen der zu hohen Regiekosten waren, die die Speisen von der Küche im Allgemeinen Krankenhaus in die anderen entfernt liegenden Spitäler befördern sollten, oder wer den häufigeren Fall beobachtete, daß die Patienten infolge finanzieller Not ausschließlich dritte Diät, will sagen selbst für Gesunde kaum genießbare Gerichte, vorgesetzt erhielten, ahnte leise, was in den Worten „aschre maskil eldolM liegt. Die behandelnden jüdischen und christlichen Aerzte sahen den ungeheuren Jammer, der in der Tatsache liegt, daß Kranke trotz ihrer Hilflosigkeit die Aufnahme der vorgeschriebenen Kost aus rituellen Gründen kategorisch verweigerten, und appellierten in beherzigenswerten Worten an die Oeffentlichkeit. Der „Verein kranker Israeliten" war bemüht, die nötigen Mittel aufzubringen, doch waren die Anforderungen viel zu groß, ist ja Wien noch immer die Spitalsstadt für den ganzen Osten, somit für die Länder der niederen Valuta und der größeren Armut. Als vor etwa zwei Jahren Mr. Sidney Strowe aus London kam und das „Vienna Relief Committeeu ins Leben rief, war die erste Arbeit die Sanierung der Krankenküche. Seither hatte man das beruhigende Bewußtsein, alle Patienten bekämen ihre vorgeschriebene, streng koschere Kost. Sie erhielten Geflügel, Milch, Eier und andere notwendige Leckerbissen in beliebiger Menge und an beliebigem Orte. Nun erfahren wir plötzlich, daß all die Herrlichkeit ein Ende nimmt, weil das Relief Committee die Subventionen einstellt. Wir setzen voraus, daß wir es hier wieder mit einem der vielen unkontrollierbaren Gerüchte, die aller Wirklichkeit entbehren, zu tun haben, weil wir weder annehmen wollen noch können, daß zwei so segensreiche Institutionen gerade jetzt, da die Not bedrohlicher denn je zu werden scheint, eingestellt werden. ' Ungarn. Rabbinerwahl. Die orthodoxe Gemeinde in Kunszentmarton wählte am 20. November Rabbiner Emanuel Grosz, einen Sohn des Omer Oberrabbiner Josef Groß, einstimmig zu ihrem Oberabbiner. Deutschland. Idelson gestorben. (J. C. B.) Der Chefredakteur des zionistischen Zentralorganes „Haolam" in London und ehemaliger Redakteur des „Raßwist" in Petersburg, ist hier gestorben. (Idelson war einer der sympatischesten Personen der^zionistischen Bewegung.) Polen. Zur Konferenz der jüdischen Gemeinden, die der Jüdische Nationalrat für Polen für anfangs Dezember einberufen hat, erläßt das Zentralkomitee der „Schlome Emune Jisroel" einen Aufruf, worin es gegen die Abhaltung dieser Konferenz Stellung nimmt und die Orthodoxie auffordert, an der Konferenz nicht teilzunehmen. Die Konferenz, welche vom Jüdischen Nationalrat, ohne vorerst auch mit den anderen Parteien Fühlung zu nehmen, einberufen wurde, ist nicht berechtigt, über die wichtigen Gemeindeangelegenheiten zu verhandeln. Die Einberufer dieser Konferenz sind nur Vertreter einer Partei im Judentum und haben keinesfalls das Recht, im Namen der Gesamt] udenheit Polens' zu sprechen oder gar Beschlüsse zu fassen. Daher muß die Abhaltung dieser Konferenz als ein Versuch, dfe jüdische Einheit zu stören, angesehen werden, wogegen die „Schlome EmuneJisroel" auf das schärfste protestiert. Der Antisemitenkongreß in Polen. (J. G. B.) (Verspätet.) Der hier zusammengetretene polnische Antisemitenkongreß hat unter der jüdischen Bevölkerung begreifliche Angst hervorgerufen. Der Kongreß findet im Warschauer Gemeinderate statt und ist von 1000 Delegierten zum größten Teile aus Polen beschickt. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Vizebürgermeister von Warschau, Brzinski, welcher in seiner Hetzrede am Kongreß ausführte, daß die Juden die Erfinder des Bolschewismus seien und die Vernichtung der christlichen Zivilisation sich zum Ziele gesetzt haben. Die polnischen Studentenorganisationen bilden die Ehrenwache vor dem Konferenzsaale. Der Antisemitenmarsch durch das Judenviertel. (J. G. B.) Die Delegierten des Antisemitenkongresses durchzogen gestern demonstativ die jüdischen Gassen, um sich die Auslieferung Polens in jüdische Hände von der Nähe anzuschauen. Die weiteren Kongreßberatungen nahmen bereits auf Grund dieser im Judenviertel gewonnenen Eindrücke ihren Fortgang. Die Delegierten treten mit verschiedenen Vorschlägen vor, auf welche Weise die Säuberung Warschaus von den Juden vorzunehmen wäre. Eine jüdische Interpellation im Stadtrate. (J. G. B.) Die jüdischen Stadtverordneten richteten in der letzten Sitzung des Stadtrates eine scharfe Anfrage an den Stadtpräsidenten, wie es möglich war, einer ausgesprochenen antisemitischen Konferenz die Erlaubnis zur Abhaltung ihrer Beratungen im Gemeinderate zu erteilen. Jimerika. Verfilmung der jüdischen Anteilnahme an der Entwicklung Amerikas. (J. G. B.) Dieser Tage soll ein großer amerikanischer Film angefertigt werden, der auf Grund historischer Daten die Entwicklung Amerikas und seine wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung verfaßt wurde. Die Hundert-Millionen- Bevölkerung Amerikas wird Gelegenheit haben, sich durch diesen Film <jlie kolossalen Leistungen der amerikanischen Judenheit' für diese Entwicklung wieder in Erinnerung zu rufen. Ein neues jüdisches Krankenhaus. In New York wurde dieser Tage der Grundstein des jüdischen Krankenhauses, Beth-Jisroel, gelegt, das 3 Millionen Dollar kosten wird. Das Gebäude wird 15 Stock hoch sein und 500 Zimmer zur Aufnahme von 500 Kranken und zehn Ordinations- und Operationssäle enthalten. Das' Krankenhaus wird in einem Jahr fertiggestellt und soll das schönste Spital der Welt werden. TranKreicft. Polnisch-antisemitische Propaganda in Frankreich. Der berüchtigte Antisemit Pater Lutoslawski, hielt sich einige Zeit hier auf und entwickelte bei dieser Gelegenheit eine umfangreiche, antisemitische Propaganda, indem er in einer Reihe von Vorträgen die jüdische Frage in Polen behandelte. Die Warschauer Presse erfährt dazu, daß der ersten Versammlung auch der .polnische Geschäftsträger in Frankreich beiwohnte und die antisemitische Kampagne wärmstens unterstützte. Der Zionismus in Frankreich befindet sich wie der „Doar Hajom" vom 28. November berichtet, in einem fortschreitenden Niedergang. Das Zentralbureau mußte fast alle Beamten entlassen und ist nicht einmal imstande, die Miete für Bureaulokalitäten zu bezahlen. Das zionistische Organ „Le peuple juif", das früher wöchentlich erschienen ist, erscheint gegenwärtig nur einmal im Monat und droht, das Erscheinen gänzlich einstellen zu müssen, da es nicht in der Lage ist, den Buchdrucker, dem es 30.000 Franks schuldet, zu bezahlen. England. Das neue Testament in der Religionsschule. Der bekannte Rav. A. A. Grenn hat in seiner Religionsschule an der Hampstead - Synagoge im Laufe des vorigen Semesters als Lehrgegenstand das Neue Testament eingeführt. Die Bereicherung des Lehrplanes einer jüdischen Schule mit dem Neuen Testament ist zwar genug seltsam, befremdend mußte '£ Wasserdichte Regenmäntel \ GUMMI-INDUSTRIE ien, II., TaborstraBe 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324