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Jüdische Presse · 1921-12-09 · 43 (9.12.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
43 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 306 JÜDISCHE PRESSE Nr. 43 pagandakomitee trifft jetzt Vorbereitungen zum Empfang der arabischen Palästinadelegation, und bemüht sich, für dieselbe in Regierungskreisen einen Empfang zu erwirken wie auch Ford zu veranlassen, seine antijüdische Tätigkeit auch auf die Palästinafrage auszudehnen. Große Spende Felix Warburgs für die Verewigung des Andenkens Jakob Schiffs. (J. G. B.) Felix Warburg spendete eine Summe von 100.000 Dollar zur Errichtung einer Katheder im Lehrerinstitut der Universität „Columbia" zur Verewigung des Andenkens des verstorbenen jüdischen Philantropen Jacob H. Schiff. Belgien. Hohe belgische Auszeichnung für einen ukrainischen Juden. (J. C. B.) König Albert ernannte den medizinischen Vorsteher der Federation der ukrainischen Juden in England, Dr. N. Pines, in Anerkennung seiner medizinischen Hilfe für die armen Durchwanderer zum Chevalier und Ordenträger der belgischen Krone. Dr. Pines war während des Krieges dem bei der russischen Armee tätigen belgischen Autokanonenkorps als Mediziner zugeteilt. England. Die Sch'ehitefrage in England. In der letzten Sitzung des „Board of Deputies" meldete der Verband der Schochtim, daß vom englischen „Tierschutzverein u ein Brief eingelaufen sei, worin die Anwendung einer Guillotine, ein mechanisches Instrument, womit dem Tiere der Kopf ganz abgehackt wird, statt der jüdischen Schächtmethode, gefordert wird. Der Verband der Schochtim antwortete hierauf, daß sie diese Angelegenheit dem Rabbinate vorlegen werde. Dr. Daiches und$Herwald protestierten gegen die Antwort des Verbandes, weil sie den Anschein erwecke, als ob eine Aenderung der jüdischen Schächtmethode möglich wäre. Der Bericht mit dem Beschluß wurde daher mit 38 gegen 36 Stimmen abgelehnt. „Haolom" bis 1. Jänner sistiert. Wie uns aus London mitgeteilt wird, ist das offizielle zionistische Wochenblatt „Haolom" zufolge des Beschlusses des Exekutivkomitees bis auf weiteres sistiert worden. „Haolom" soll am 1. Jänner wieder erscheinen. Italien. (JPZ) Senator Ludovico Mortara, Präsident des Obersten Gerichtshofes in Italien, wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste . zum Staatsminister ernannt, was so viel wie Mitglied des Kronrates bedeutet. Dieser höchsten Auszeichnung wurden bisher in Italien bloß vier Staatsmänner teilhaftig. Neben Luzzatti ist Mortara der zweite Jude, dem diese höchste italienische Auszeichnung zuteil wird. Rußland. Die russische Auswanderung nach Palästina erlaubt. (J. C. B.) Das russische Volkskommissariat für Aeußeres teilt mit, daß den die Auswanderung nach Palästina anstrebenden Juden keine Hindernisse in den Weg gelegt würden, insofern sie sich direkt beim Kommissariat mit den nötige Reisedokumenten versehen. Ankunft der ausgewiesenen Kommunisten aus Palästina in Odessa. (J. C. B.) Die aus 17 Mann bestehende Kommunistengruppe, welche nach den Mai- Unruhen von der pal. Regierung ausgewiesen wurden, sind in Odessa eingetroffen und von den russischen Bohörden übernommen worden. Einen Pressevertreter gegenüber erzählten sie, daß die Mai-Unruhen ihre Ursache darin hatten, daß der Gouverneur von Jaffa die jüdischen Polizisten entwaffnete und deren Waffen den arabischen Polizisten übergab, er selbst jedoch sich auf eine Reise außerhalb Jaffas begeben hat, um den aufgehetzten Arabern freie Hand zu geben. Palästina. Samuel Goldmann s. A. Im Alter von 55 Jahren ist nach langem Leiden der in den Kreisen der Wiener Gesellschaft bestbekannte und hochgeschätzte Philanthrop Samuel Goldmann gestorben. Mit dem Dahingeschiedenen verliert die Orthodoxie Wiens einen guten Freund und Gönner. Zur Beerdigung, welche Sonntag, den 4. Dezember, stattfand, hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum und insbesondere Vertreter der vielen Vereine, welchen er tätig und fördernd angehört hatte, eingefunden. Seitens des Kriegswaisenhauses in Baden war außer dem Vorstande der Direktor der Anstalt mit zehn Waisenkindern erschienen. Die ebrwürdigen Herren Oberrabbiner Siegmund Fürst und Josef Baumgarten wie auch die Herren Dr. Pappenheim und Moses Porges hielten ergreifende Trauerreden. i"D5Un Oberrabbiner B. Duschinsky b'WI Am 8. Cheschwan verschied in Rakospalota Oberrabbiner Bernhard Duschinsky aus Namesto (Slowakei) im Alter von 84 Jahren. Der Dahingeschiedene war ein Lieblingssohüler des Ksaw Sofer und einer der geachtetsten Gedolim im alten Ungarn. Sein immenses Thorawissen und seine gediegene moderne Bildung veranlaßte größere Gemeinden, ihn zur Annahme ihres Rabbinates zu. bewegen, er wollte jedoch seine kleine Gemeinde nicht verlassen. Sein Lebensabend gestaltete sich tragisch. Das Kriegsende im November 1918, das an vielen Grenzorten in Plünderungen ausartete, vertrieb seine ganze Gemeinde. Er selbst wurde ausgeraubt und mußte mit seiner kranken Gattin, der einzigen Schwester des Budapester Oberrabbiners R. Koppel Reich, die Stätte seines segensreichen Wirkens verlassen und bei seinen Kindern in Budapest Zuflucht nehmen. Nach dem bald darauf erfolgten Tode seiner Gattin zog er zu seinem Sohne Oberrabbiner M. Duschinsky in Rakospalota. Die sterbliche Hülle wurde, dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, nach Budapest überführt, iTMün. m Aguda. m im® Aguda-Klub. Wiener und auswärtige Agudisten treffen sich jeden Donnerstag, abends halb 8 Uhr, zu freier Aussprache im separaten Raum des Restaurants „Wienea" (Obere Dönaustraße 91). Jugendgruppe der Agudas Jisroel in Zürich. Letzten Mauzei Schabbos, den 26. November, hielt unsere Gruppe eine außerordentliche Generalversammlung ab. Herr D. Rosenzweig, Vertreter unserer Jugendgruppe am letzten Delegiertentag in Basel, referierte über den Verlauf der Tagung. In der darauf folgenden Diskussion waren hauptsächlich die die Jugendgruppe betreffenden Arbeitsfragen, Stoff längerer Pebatten. Um die in Basel gefaßten Beschlüsse, betreffend Jeschiwaus, Keren Hajischuw und Kriegswaisenfonds bald hier in Zürich durchzuführen, wurde folgende Kommission, deren Aufgabe es ist, die Vorarbeiten für die vorgenannten Aktionen auszuführen, ernannt: Die Vorstände der Jugend- und Mädchengruppe, die Rausch-Chaudesch- Spende-Kommission, die Herren Krauß, D. Rosenzweig und F. Eisenmann. Die Neuwahl ergab folgendes Ergebnis: Herr Lehrer Lieber, Präsident; Herr Lehrer M. Antmann, Vizepräsident. Der Vorstand wurde gleichzeitig in Anbetracht der vielen Arbeiten von fünf auf sieben Mitglieder erhöht, und als weitere Beisitzende die' Herren M. Rubinfeld und R. Goldschmidt gewählt. Unter dem letzten Traktandum „Diverses" brachte unser Mitglied Herr M. D. Lewenstein den Antrag ein, gleich wie die bereits bestehende und mit Erfolg arbeitende Klein- Mädchengruppe, eine Klein-Jugendgruppe ins Leben zu rufen. Infolge vorgerückter Stunde wurde nach einer kurzen Debatte beschlossen, gemeinsam mit dem „Chewras Bachurim" über diese Angelegenheit zu verhandeln. Um die Frage, ob eine Klein-Jugendgruppe gegründet werden soll, näher zu erörtern, wurde nachstehende Konimission gewählt: Die Herren Dr. T. Lewenstein, Rabbiner A. Kornfein, Lehrer Lieber, Lehrer Antmann, Fräulein F. Lewenstein, Fräulein D. Wurm und ein vom „Chewras Bachurim" zu wählender Beisitzender. Um 12 Uhr schloß unser neuer Präsident, Herr Lieber, den sehr lebhaften Abend. Agudaversammlung in Zürich. Im großen Saale efes Volkshauses in Zürich sprach am letzten Samstag abend in öffentlicher Versammlung der Aguda Dr. Ehrmann aus Frankfurt a. M., über seine Eindrücke in Palästina. Der Redner ging davon aus, daß die Aguda die politische Betätigung nicht liebe und von den bisherigen politischen Erfolgen nicht viel halte; die Balfourdeklaration und die daran anschließende Entwicklung bedeute im Grunde Fassadenpolitik. Die im tieferen Sinne jüdische Arbeit für Palästina, die von der Orthodoxie seit jeher gepflegt worden sei, sei noch in den Anfangen. Wirtschaftlich und geistig harren in Palästina noch große Aufgaben. Das wirtschaftliche Leben sei noch unentwickelt; jedoch lägen große industrielle Möglichkeiten vor. Erstaunlicherweise sei nicht einmal die naheliegende Möglichkeit einer Papierfabrik ausgenutzt. Gute Erfolge verspreche auch der Tabakbau, an dem man sich yon der Diaspora aus beteiligen könne. Die geeignetsten Arbeitselemente seien gelernte Einwanderer mit kleinem Kapital. Namentlich seien verschiedene Handwerker, wie Maler, Wagenmacher, Bäcker, Konditoren gesucht. Die Aguda habe ein wirtschaftliches Informationsbureau errichtet; sie sei prinzipiell für private Initiative. Der Redner schilderte die verhängnisvollen Folgen der Einwanderung ungelernter Elemente und befürwortet berufliche Vorbildung in der Diaspora durch geeignete Vorkehrungen seitens der Aguda. Auf das Schulwesen übergehend, sprach Dr. Ehrmann den Schulen der zionistischen Organisation jüdisch-religiöses Leben ab. Er wies dann auf die Schwierigkeiten der Aguda hin, gegenüber der um Ch. Sonnenfeld sich scharenden, Rabbinergruppe den von ihr sonst überall geförderten „Reformcheder* durchzusetzen. Es gehe dies zur Zeit nur auf dem Umwege über die sephardische Orthodoxie, die sich dem Cherem der Aschkenasim gegen das moderne Schulwesen nicht angeschlossen hat und in der Dorsche-Zion- Schule eine Art „Reformcheder" besitzt. Die Errichtung von Mädchenschulen ist mit geringerer Schwierigkeit verbunden. Ueber den geistigen und organisatorischen Zustand der Jerusalemer Kehilloth sprach sich Dr. Ehrmann nicht günstig aus; ihr Chalukacharakter sei noch nicht genügend geschwunden. Es bedürfe des Zuzugs jüdischer Führerpersönlichkeiten; man müsse das „Ferment der westeuropäischen Orthodoxie" nach Palästina verpflanzen. Man solle in Agudahkreisen die Schuld an der ungenügenden Entwicklung und den religiös unzureichenden Zuständen in Palästina nicht den Zionisten zuschieben, sondern sich selbst, da man in keiner Weise genügend getan habe und auch noch nicht genügend tue, um die Zustände zu ändern. — In der Diskussion bemängelte Herr A. J. Rom, daß Dr. Ehrmann die misrachistische Tätigkeit in Palästina nicht erwähnt habe; es seien dort 130 mis- Schadenersatzleistnng arabischer Dörfer für die zerstörten jüdischen Kolonien. Die palästinensische Regierung belegte sechs arabische Dörfer, deren Anteilnahme an den Ueberfällen auf die jüdischen Kolonien im Mai dieses Jahres erwiesen wurde, mit einer Geldstrafe von 6000 Pf. St. Organisation amerikanischer Juden in Palästina. (J. G. B.) Vor einigen Tagen fand in Jerusalem eine Versammlung statt, in welcher die Grundlage zu einer Organisation der aus Amerika stammenden Juden gelegt wurde. Die Organisation soll der Information und gegenseitigen Hilfe dienen. An der Spitze der Organisation steht ein Ausschuß, bestehend aus den Herren Guttier, Goldstein, Freidnin, Mahr und Lewenson. Erez-Jisroel-Delegation. Die Herren Moses Wojdislawski, Tobias Bialer und Abraham Eisner aus Lodz begeben sich demnächst im Auftrage der polnischen Aguda-Landesorganisation nach Erez Jisroel, um die bereits begonnenen Arbeiten abzuschließen. Schwere Bestrafung von Jnden in Jerusalem. (J. G. B.) Das Gericht verhandelte die Anklage gegen drei Juden, die des Bombenwurfes gegen die arabischen Angreifer am 2. November beschuldigt wurden und verurteilte sie zu 11, 10 und 6 Jahren Zwangsarbeit mit der Begründung, daß diese Handlung, durch welche ein Araber getötet und einer verwundet wurde, nicht als Notwehr angesehen werden könne. Die Verurteilten sind der jüdische Polizist Jakob Jeschaja, Dawid Ganan und Ahron Nekusa. Die überaus strengen Urteile riefen unter der hiesigen Judenschaft tiefste Erbitterung hervor. Das Gerichtsgebäude war während der Verhandlung von Juden überfüllt und viele brachen nach Verkündung des Urteiles weinend zusammen. rachistische Schulen errichtet worden. Ein Widerspruch liege in der offen politischen Betätigung der Aguda und der Einschätzung, welche der Referent der Politik zolle. Bedauerlich sei der viel zu geringe Wert, den er der Balfourdeklaration beimesse. Die Balfourdeklaration, eine Errungenschalt der zionistischen Führer, habe auch der Aguda-Tätigkeit erst die Tore geöffnet (!). Herr Rom sprach sich für ein wirkliches Zusammengehen mit der Aguda aus. Für gemeinsame Arbeit sprach ferner vonseiten des Misrachi Rabbiner Goldenhirsch aus Wien, während vonseiten der allgemeinen Zionisten Herr Färber getrenntes Arbeiten, aber gegenseitige Achtung befürwortete. Beide Redner erkannten den guten Willen Dr. Ehrmanns an, worauf der Vorsitzende, Herr Ettling er, wiederum ihnen für ihren entgegenkommenden Ton dankte. Im Schlußwort erklärte Dr. Ehrmann, daß die Aguda die politische Betätigung eröffnet habe, nachdem der politische Weg von anderer Seite beschritten worden sei., Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Basel. Herr Dr. Pinchas Kohh, der anläßlich des Delegiertentages der schweizer. Agudas Jisroel, Sonntag, den 13. November, in Basel weilte, referierte im Bernoullianum vor einem Auditorium von zirka 300 Personen in einstündigem Vortrag über die Aufgaben der Aguda. — Dr. J. Ehr mann aus Frankfurt a, M. hielt hier Sonntag, abends 8 Uhr, im dichtgefüllten Schaumrei-Thoralokal einen Vortrag über seine persönlichen Eindrücke in Erez Jisroel. Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Luzern. Herr Dr. Ehrmann ans Frankfurt a. M. hielt hier am Sonntag, den 20. November, mittags, einen Vortrag. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Luzern hielt eine außerordentliche Generalversammlung ab. Nach Verlesung des Protokolls erfolgten die Berichte der Delegierten über den Delegiertentag des Schweizerischen Landesverbandes der Aguda. Im Anschluß daran fand eine allgemeine Aussprache statt. Einige Resolutionen wurden gefaßt und dem geschäftsleitenden Ausschuß des Zentralrates der Agudas Jisroel das Vertrauensvotum ausgesprochen. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurde der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Josef Erlanger, Präsident; Moritz Benjamin, Aktuar und Bela Grünwald, Kassier, für ein neues Amtsjahr bestätigt. Die Palä$tina»Bro$cbiirc der Wiener Jtgudaüugendgruppe. Die Aguda-Jugend in Wien liefert, abermals einen Beweis für den Ernst, mit dem* sie an die Aufgaben schreitet, die ihr im Rahmen der Gesamtorganisation zufällt. Sie hat auf dem Gebiete der praktischen Palästina-Arbeit auch bisher sehr Wertvolles geleistet. Sie hat mit Unterstützung der Aguda-Ortsgruppe an der Repatriierung einer größeren Anzahl von palästinensischen Flüchtlingen Anteil genommen und überdies einen eigenen Fonds — Keren Ole Erez Jisroel — ins Leben gerufen, der ihr die Möglichkeit geben soll, eine bereits theoretisch und praktisch in der Landwirtschaft ausgebildete Gruppe ihrer Mitglieder nach Erez Jisroel zu schicken. Nun unternimmt es die Palästina-Sektion der Jugendgruppe, die breitere Oeffentlichkeit darüber aufzuklären, nach welchen Gesichtspunkten und in welchem Geiste die Agudas Jisroel ihre Palästina-Arbeit geleitet wissen will. Eines ihrer rührigsten Mitglieder, Herr Lewi Kahane, selber ein Palästinenser, beschreibt in einer soeben von der Palästina-Sektion herausgegebenen hebräischen Broschüre nTJK» "bK-W pKl fww die Lage der jüdischen Siedlung im heiligen Lande und den Anteil, den das gesetzestreue Judentum bis auf den heutigen Tag an der Gründung und Erhaltung der städtischen

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