Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 43 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 304 JÜDISCHE PRESSE Nr. 43 Erklärung nicht sonst von zionistischen Blättern zitiert?!) Wir unsererseits sind von dieser Affaire nicht überrascht. Sie bestätigt vielmehr unsere bösen Ahnungen über die geradezu rätselhaft hartnäckige Weise, mit welcher man die Wahl und das Verbleiben Jabotinskys forciert hat. Diese Forcierung geschah durch Weizmann und Sokoiow. Auch die Mitglieder des A.-C, Oberrabbiner Ghajes und Stricker, haben sich für Jabotinsky exponiert. Man hat ihm eine heidenmäßige Reklame gemacht, um den Widerwillen, den alle verantwortlichen Elemente in und außerhalb des Zionismus zeigten, zu überwinden. Wir haben schon gelegentlich des Wiener Jabotinsky-Meetings dagegen Einspruch erhoben, daß das Wiener Oberrabbinat. zur Unterstützung dieses unverantwortlichen Abenteurers herabgewürdigt werde. Wir können nicht umhin, auf den Umstand hinzuweisen, daß die ostentative Ueberweisung einer Spende seitens des Prätendenten auf den ukraini- Oberrabbiner Weber, Präses der Zentralkanzlei der orth. Gemeinden in der Slowakei, weilte diese Woche in Wien und äußerte sich in Angelegenheit der Ablehnung meiner zweiten jewish agency seitens der englischen Regierung in folgender Weise: Ich weiß es doch wohl aus praktischer Erfahrung, daßjede jüdische Organisation und sei sie auch die kleinste, nur dann mit Erfolg ihrer Aufgabe entsprechen kann, wenn sie mit der Autorität des Staates ausgerüstet ist; dies gilt in erhöhtem Maße von einer Landesorganisation und in potenziertem Maße von einer Weltorganisation wie die Aguda. Diese Erwägungen haben mich bestimmt, an der Londoner Delegation teilzunehmen als die einzige Möglichkeit, däs Arbeitsprogramm der Aguda für Palästina erfüllen zu können. Nun, da unser Anerbieten abgelehnt wurde, bin ich der Meinung, daß wir zu der alten traditionellen flpda-Zcifscbriftcn. Der Chronist der letzten Jahre hatte in allen Ländern auf allen Gebieten des jüdischen geistigen und "sozialen Lebens fast nur Zeichen des Niedergangs und des Verfalls zu vermerken. Um so erfreulicher muß es erscheinen, daß in den letzten Monaten — endlich — bald in dem einen, bald in dem anderen Lande ein Lichtstrahl auftaucht, der die Morgenröte einer neuen Zeit ankündigt. Ganz schmale Lichtstreifen zwar, die sich schüchtern aus der Finsternis hervorragen, aber dem, der weiß, daß der Nacht die Tageshelle folgt, deuten sie den Zeitpunkt des neuen Aufblühens an. Vor uns liegen abermals einige Hefte und Ankündigungen neuer Erscheinungen der periodischen Zeitliteratur aus verschiedenen Ländern, die aufs Klarste beweisen, daß die Ideenwelt des gesetzestreuen Judentums sich langsam aber mit sicherem Griff aus den Banden der Unterdrückung herauszuwinden beginnt. Die jungen Kräfte, die jahrelang von den heraustürmenden Wogen fremder Geisteswellen überflutet und zurückgehalten waren, lösen sich allmählich und fangen an, im öffentlichen jüdischen Leben im Zeichen der Agudas Jisroel wirksam zu werden. •* Das litauische Judentum war in den jüngstverflossenen Jahren der Tummelplatz der verschiedenartigsten Bewegungen. Sie strebten jeder nach einer anderen Richtung und verfolgten ihre Tendenz mit der gerade die literarischen Juden auszeichnenden Geistesschärfe bis zur äußersten Konsequenz. Das alte einzig wahre Thorajudentum schien völlig aus- und Voreltern, daß man auch ihre Namen begräbt und aus der Gegenwart ausmerzt? Ich weiß sehr wohl, daß Deine Mutterliebe Dich verführt und verleitet haben dürfte, einen unpersönlichen Namen zu wählen. Du willst Dein Kind nicht noch mehr belasten' mit der Bürde des Judentums, ohne vielleicht zu ahnen, daß Du damit gegen seine Würde verstößt. Dein Sohn soll es leichter haben. Um seines Namens willen nicht in der Schule, im Gymnasium und im öffentlichen Leben dem Hohn der Lehrer, dem Spott der Kameraden und der Anfeindung der Außenwelt preisgegeben zu sein. Doch gerade durch diesen unbegründeten Haß, der unseren Kindern entgegenlodert," der sich oft nur an Aeußerlichkeiten entzündet, soll schon der junge Jude in den Jahren früher Kindheit lernen, zu kämpfen und sich zu verteidigen. Schon am Morgen seines Lebens alle Kräfte entfalten lernen, um in die Schranken zu treten, um sich für den Kampf zu stählen für seinen Glauben, für seine Gesinnung, für sein Volk. Wenn er dann erst auf der Höhe des Lebens angelangt ist, dann wird es ihm im Spiel der Kräfte nimmer schwer, für seinen Namen mutvoll und kampfesfroh einzustehen. Nomen est omen. Diese Anschauung vertritt auch die heilige Schrift, die auf die Namensgebung ganz besonderen Wert zu legen scheint. Wenn uns das erste Buch der heiligen Lehre in die Ahnengalerie unseres Volkes einführt und uns den Sinn ihrer Namen erklärt und erläutert, so zeigt uns der Anfang des II. Buches Moses, daß auch das Volk in sehen Königsthron an den hiesigen Zionistenfuhrer sowie die auffallenden „Privatberichte" der „ Wiener Morgenzeitung8 aus Rußland jetzt in etwas bedenklichem Lichte erscheinen. Die „Wiener Morgenzeitung", die derartige Geschütze gegen die ungarische Regierung aufführt, zeigt eine merkwürdige Milde gegenüber der konterrevolutionären Strömung in Rußland. Man vergleiche die milde väterliche Mahnung, welche die „W. M." vom 6. Dezember an die Petljura's richtet, mit ihren Attaken gegen die jüdischen Führer in Ungarn. Wir haben hier kein Urteil über die eine oder die andere Partei in Rußland zu fällen. Wir haben stets Protest dagegen erhoben, daß die Einmischung in die Angelegenheit anderer Länder zum System erhoben werde, wie dies das „Komitee der jüdischen Delegationen in Paris" und die Exponenten des in einer bösen Schicksalsstunde des jüdischen Volkes erschaffenen Diaspora-Nationalismus tun. Ihre Drachensaat geht fürchterlich auf. Weise unserer Palästinaliebe, zur Ausgestaltung und Entwicklung der Altkolonisation, des Jischuw hajoschon zurückkehren sollen. Es ist* gewiß sonst nicht die Art der Orthodoxie, oei -der ersten Zurückweisung den Mut zu verlieren. Allein, angesichts der inzwischen offenbar werdenden.Gefahren der jetzigen zionistischen Politik, empfinden wir weder die Pflicht, noch Lust, unsere Mitverantwortung bei diesen unmöglichen Zuständen gar noch aufzudrängen. Hingegen erwächst uns die Pflicht einer sozialen Fürsorge für die großen Massen unserer leidenden Brüder, über deren Art und Weise noch späterhin die Rede sein wird. Präses Oberrabbiner Weber bemerkt zum Schlüsse, daß er diese Haltung noch nicht mit den maßgebenden Faktoren besprochen habe, sondern nur seine eigene Meinung, die sich aus der Situation heraus ergibt, geäußert habe. geschaltet, die geistigen Führer, die Bannerträger der Thora, die Rabbiner ohnmächtig und mundtot und die Jugend samt und sonders entweder direkt oder doch im Wege des Kompromisses (wie unlitauisch und — unjugendlich!) im Banne zionistischer oder sozialistischer Abfallsbewegungen. Wenige nur hielten stand bei der Fahne, die die Geistesheroen des litauischen Judentums der vergangenen Jahrzehnte dem gesamten Judentum leuchtend vorangetragen und bis zu ihrem letzten Atemzuge gegen jeden Angriff von Innen und von Außen beharrlich verteidigt hatten. Aber diese Wenigen, sie blieben fest und wurden — wie es sich nun zeigt — gerade infolge der Schwäche der anderen in ihrem Verantwortungsgefühl noch mehr gestärkt und in ihrer Widerstandskraft zäher noch als zuvor. Dieses geringe Häuflein der Treugebliebenen sammelt sich nun und versucht in einer eigenen Zeitschrift — „Tewunoh" — für den Geist und die überlieferten Ideale des litauischen Judentums ein publizistisches Orgah zu schaffen. Die Zeitschrift atmet in allen Teilen den Geist der Aguda, wie ihr Redakteur, Rabbiner J. S. Dworetz in Komaj, und die meisten Mitarbeiter noch vor dem Weltkriege zu den hingebungsvollsten Anhängern unserer Bewegung gezählt haben. Wie fast alle in hebräischer Sprache erscheinenden Aguda-Zeitschriften, besteht auch die „Tewunoh" aus einem allgemeinen literarischen und einen talmudisch-wissenschaftlichen Teil. Inheiden kommen hervorragende schriftstellerische Vertreter des orthodoxen Judentums in Litauen — wohl zumeist eheseiner Gesamtheit diesen heiligen Namen die Treue und Liebe gehalten hat. „Weele schemauss bene Jisroel!" Das sind die Namen der Söhne Israels. Und unsere Weisen bemerken dazu, zum Lob und Preis, daß sie diese Namen nicht geändert und mit nichten vertauscht haben. Und wenn wir Nachgeborenen unseren Kindern Namen geben, so sollte es nicht in leichtfertiger Weise geschehen, sondern mit dem Namen sollten wir unseren Kindern gleichzeitig ein Lebensprogramm in die Wiege legen, Leben damit Zweck und Ziel, Richtung und Bestimmung geben. Eine solche Erziehung, in unserer Bibel so warm empfohlen, gibt die beste Gewähr für ihr Gelingen. Und wenn dann diese junge Menschenknospe zur reifen Blüte sich entwickelt, in der all die edlen Eigenschaften fortkeimen, die auch schon in Ahnen und Urahnen keimten und sproßten, so mag uns dieser Gedanke um so beglückender sein, daß alles Gute und Schöne, Edle und Erhabene nicht stirbt, sondern fortlebt von Geschlecht zu Geschlecht. So mag das Dichterwort zum Mahnwort werden: „Unaufhaltsam enteilet die Zeit, sie sucht das Beständige, sei getreu und du legst ewige Fesseln ihr an/ Dann darfst auch Du, geliebte Freundin, wenn Deine Erziehung solche Früchte zeitigen wird, mit Fug und Recht, beglückt und stolz, den Titel tragen, wie ihn keinen schöneren unsere Religion verleihen kann, als.Aem bejisroel, als Mutter in Israel gepriesen zu werden. In aufrichtiger Freundschaft Recha. malige Zöglinge der Slobodkauer Jeschiwo — zum Wort. Die Artikel sind durchweg in einem gediegenen, mustergültigen Hebräisch geschrieben und heben die orthodoxe jüdische Publizistik auf ein würdiges Niveau. In dem ersten Heft begegnen wir Arbeiten von Rabbi Salmen Sender Schapiro (z. Zt. Jerusalem), Rabbi Mordchaj Epstein (Slobodka), Rabbi Boruch Jehos. Hurwitz (Aleksot), J. S. Platin, A. M. Wasler, E. S. Luft und dem Redakteur. Wir hoffen, daß die Hefte bald in regelmäßiger Folge erscheinen und, nach dem Wunsche des Herausgebers, zur Erstarkung und zur geistigen und organisatorischen Zusammenfassung, des litauischen Thorajudentums beitragen werden. Das Heft kostet 6 deutsche Mark und ist beim Herausgeber Rabb. J. Z. Dvorecas in Komaij, Aps. Rokiskis (Litauen), zu beziehen. In die Reihe der aktiven Kräfte des orthodoxen Judentums tritt nun auch die transylvanische Judenheit. Die Aufteilung Ungarns fand die Jereim in Siebenbürgen und den angrenzenden Gebieten für die Aufgaben, die ihnen im vergrößerten Rumänien bevorsteht, völlig unvorbereitet und den Wortführern der destruktiven jüdisch-nationalen Bewegung im eigenen Lager und ihren Hilfstruppen aus anderen Lagern schutzlos preisgegeben. Mit Mühe gelang es, den Bestand und die Unabhängigkeit der orthodoxen Gemeinden auch im Rahmen des rumänischen Staates vorläufig zu sichern. Aber viele wertvolle Kräfte gingen dem Judentum verloren, und es wird ernster und zielbewußter Arbeit vieler Jahre bedürfen, bis diese Kräfte der nationalistischzionistischen Bewegung wieder abgerungen und zu erhaltenden und aufbauenden Bestrebungen verwertet werden können. Dieser nicht eben mühelosen Aufgabe unterziehen sich nun die Männer, die jetzt unter Führung der rabbinischen Autoritäten ihres Landes den Anschluß an die Agudas Jisroel und dadurch an die Gesamtheit des thoratreuen Judentums gefunden haben. In wichtiger Erkenntnis der erzieherischen und praktischen Bedeutung, die in unseren Tagen einer gutgeleiteteh Presse zukommt, nahmen sie als erstes die Herausgabe einer Wochenschrift in Angriff. Die erste Nummer dieser Zeitung verläßt dieser Tage die Presse. Sie führt den Namen ,Jes,urun" und erscheint unter der Redaktion des Dr. Pal Blau in Cluj-Klausenburg in ungarischer Sprache. Es ist dem Redakteur gelungen, einen Stab von angesehenen Führern und Vorkämpfern des orthodoxen Judentums des In- und Auslandes zu Mitarbeitern seiner Zeitung zu gewinnen. Aus dem Inhalt der Nummer seien folgende Artikeln erwähnt: Programm. — Zionismus, Misrachismus, Agudismus. — Homiletica. — Das Jubiläum des orthodoxen Organisationsstatuts. — Der Waad Arba Arozoth. — Die Richtprinzigien der Bistritzer orthodoxen Zentralkanzlei. — Die Ziele der Aguda. — Briefe von Klausenburg. — Chronik, Nachrichten usw. — Diese Zeitung wird auch außerhalb Transylvaniens bei dem ungarisch sprechenden Publikum gelesen und freudig begrüßt werden. Der Abonnementspreis beträgt 110 Lei pro Jahr. Adresse des Verlages: Cluj-Klausenburg, Calea Reg. Ferdinand 82. Die hebräische Zeitschrift der Aguda-Jugendorganisation in Polen „Diglenu" schließt ihren ersten Jahrgang ab. Unsere polnische Jugend hat mit der Gründung dieser Zeitschrift den Beweis ihrer Tüchtigkeit erbracht. Das Inhaltsverzeichnis des Jahrganges zeigt eine so reiche Fülle von vorzüglichen Arbeiten über die verschiedensten Themata des jüdischen Wissens und des jüdischen Lebens, daß die Lektüre des „Diglenu" allen denen, die sich in den geistigen Kämpfen der Gegenwart zurechtfinden wollen, aufs wärmste empfohlen werden kann. In dem jetzt erschienenen Heft 9 finden wir von Rabbiner T. J. Guten tag einen Aufsatz, worin er mit gewohnter Meisterschaft Rambam gegen Angriffe verteitigt, die jüngst ein Misrachistenführer („Misrachi" Nr. 30) gegen ihn zu erheben sich erkühnt hat. Benzion Berman beschäftigt sich ebenfalls mit einem Versuch von zionistischer Seite, die litauischen Rabbinen zu einer „Neutralität" der Aguda gegenüber zu bewegen, um so die politisch führerlos gewordenen Massen leichter in die Bahnen des Neonationalismus zu locken. Mehrere weitere Aufsätze und recht hübsche belletristische Skizzen und Gedichte machen das Heft zu einer angenehmen und genußreichen Lektüre. Vorn „Kol Jisroel", dem Organ der Jerusalem er Aguda-Jugendorganisation, liegt das zweite inhaltsreiche und gut ausgestattete, 52 Seiten starke Heft vor. Wer die geradezu trostlose Lage des orthodoxen Judentums im Heiligen Lande kennt, wird dem Idealismus und der beispielgebenden Opferbereitschaft unserer dortigen Agudajugend uneingeschränkte Bewunderung zollen müssen. Die Zeitschrift steht sowohl in ihrem rabbinisch-talmudischen, als auch dem allgemeinen publizistischen Teil auf der Höhe ihrer Aufgäbe. Sie sammelt die besten Kräfte des orthodoxen Erez Isroel um sich und vertritt ihre Interessen mit Umsicht und Würde. Im talmudischen Teil ergreifen in diesem Heft Rabbi Josef Chajm Sonnenfeld, Rabbi Mosche Kliers, Rabbi J. M. Tukazinski, R. Pinchas Epstein, R. J. J. Silbermann und eine Reihe Oberrabbiner Präses (Ueber über die Palästinafrage.