Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 42 (2.12.1921)
- Date
- 1921-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 300 JÜDISCHE PBESSE . Nr. 48 Die Zionisten verteilen ihre Aemter. Der Karlsbader Zionistenkongreß hat bekanntlich seine Exekutive zum Teil nach Palästina verlegt und die Herren Ussischkin, Dr. Eder, Prof. Pick, Dr. Ruppin und Sprinzak zu Lenkern der Geschicke des jüdischen Palästina eingesetzt. Am 3. November konstituierte sich diese Exekutive folgendermaßen: Ussischkin: Erziehungswesen, Kultur und ist Gouverneur des zionistischen „Nationalfonds" und der Anglo Palestine Comp.; Dr. Eder verhandelt mit der Regierung, Medizin und Sanitätswesen; Doktor Ruppin: Kolonisation, ist Gouverneur der Palest. Dev. Comp, und der Arbeiter-Bank. Für den misrachistischen Prof. Pick und den sozialistischen Sprinzak hat man bis jetzt keine Aemter gefunden, wo sie unschädlich genug wären. Namensänderung-. In der am 3. November in Jerusalem stattgefundenen Sitzung der Zionistischen Exekutive wurde beschlossen, den Namen des amosen „Komitees der Delegiertenwaad Hazirim" umzuändern. In Zukunft soll es unter dem Namen „Palestine Zionist Exekutive — Hahanholoh Hazijonith b'Erez Jisroel" die Erlösung des jüdischen Volkes aus geistiger und materieller Not herbeiführen. Bekanntlich war es dieses Komitee, das — ähnlich wie jetzt der „Keren Hajesod" —- sich als nicht parteizionistische, sondern allgemein-jüdische Vertretung ausgab und hauptsächlich dazu diente, die aus allen, also auch aus nichtzionistischen, orthodoxen Kreisen stammenden Hiifsgelder in Empfang zu nehmen und dann »bestimmungsgemäß" zu verwenden. Das neue, aufrichtige Bekenntnis bedeutet immerhin einen Fortschritt in der Sanierung der moralischen Verhältnisse im Zionismus und ebnet einem friedlichen Nebeneinanderwirken der verschiedenen Organisationen die Wege. Die „Times" über die Jerusalemer Ausschreitungen. (J. C. B.) Die „Times" veröffentlichten von ihrem Jerusalemer Korrespondenten eine Schilderung der Ausschreitungen am 2. November, von denen der Schreiber selbst zu leiden hatte. „Als Englände — schreibt der Korrespordent — empfand ich eine brennende Schande und Zorn angesichts der Gleichgültigkeit der verantwortlichen Behörden gegenüber dem Schicksal dieses unglücklichen Volkes und ich entschloß mich, in das Gouvernement zu gehen, um die apathischen Beamten zur Erfüllung ihrer Pflicht zu verhalten." Auf dem Wege zum Gouvernement wurde er von Arabern verprügelt und in den Nacken mit einem Messer gestochen. In fast bewußtlosem Zustande wurde er dann von einer heldenmütigen Jüdin, Judith Wittenberg, in des Gouvernementsgebäude gebracht. „Als ich die militärische Wache am Tor passierte, sah ich die Soldaten ruhig stehen. Sie hatten keinen Befehl sich zu rühren oder einzuschreiten." Spendet für den tehiüflfonds! Präses* Oberrabbiner Weber und Vizepräses Oberrabbiner Hirschler haben sich vorige Woche nach Prag begeben, um einige laufende Angelegenheiten persönlich bei der Regierung zü besprechen. Zuerst wurden sie vom Kultusminister Srobar auf das Entgegenkommendste empfangen, um die Frage der Religionsschulen zu besprechen. Die Herren Rabbiner sprachen noch in anderen Ministerien behufs Erledigung einiger Angelegenheiten vor und reisten Mittwoch abends nach Bratislawa zurück. Die Angelegenheit der Galantaer Gemeinden ist zu einem befriedigenden Abschluß gelangt. Durch die Wahl des Oberrabbiners Duschinsky rlach Huszt drohte der alte Konflikt wieder aufzuflammen, es ist aber der Kanzlei gelungen, durch längere Verhandlungen mit den Gemeinden und im Ministerium, den Modus der Gleichberechtigung beider Gemeinden und deren Rabbiner zur beiderseitigen Zufriedenheit durchzuführen. Rabbiner-Installation in FelsÖ-Yisö. Oberrabbiner Mendel Hager, Rabbiner in Wischnitz, ist bereits vor Monaten in FelsörVis6 als Nachfolger des jetzigen Szatmärer Rabbiners Grünwald' gewählt worden und hat seinen Einzug in Felsö-Visö 'gehalten. Vorstandswahl in Munkaöevo. Kommenden Sonntag findet in Munkäcs die Präses- und Vorstandswahl statt, zu welcher eine ungewöhnlich starke Agitation entfaltet wird. Die eine Partei kandidiert Herrn J. W. Grünfeld, die andere Herrn Osias Seidmann. Der erstere, welcher die Unterstützung des Oberrabbiners Spira zur Verfügung hat, scheint mehr Aussicht auf Erfolg zu haben. Der Wahlkampf hat leider solche Formen angenommen, daß die Behörde intervenieren mußte. Rabbinerversammlun^ in Podkarpatsko - Euss. Vorige Woche hat auf Einberufung des Herrn Oberrabbiners Klein, Nagyszöllös, in Kirälyhäza eine Rabbinerkonferenz stattgefunden. Anwesend waren: Oberrabbiner Schreiber, Beregszäsz, Oberrabbiner Grüriwald, Uzhorod (Ungvar), Oberrabbiner Duschinsky, Hust, Oberrabbiner Teitelbaum, Tecsö, Oberrabbiner Kornitzer, Nagyszöllös, Oberrabbiner Liebermann, Büke, Oberrabbiner Friedmann, Raho, Oberrabbiner Weisz, Benedek, Oberrabbiner Grünwald, Oer, Oberrabbiner Grünwald, Viso, u. a. Unter dem Vorsitze des Oberraabiners Schreiber, Beregszäsz, als Alterspräsident wurde die Dringlichkeit der orthodoxen Organisation erörtert. Es wurde daher einhellig zum Beschluß erhoben, die Kultusgemeinden in Podkarpatsko-Russ auf Basis der seit dem Jahre 1871 bestehenden orthodoxen Landesorganisationsstatuten aufs neue zu organisieren. Mit den Vorarbeiten und der Durchführung dieser Aktion wurde ein sechsgliedriges Komite betraut, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Schreiber, Beregszäsz, Spira, Munkaöevo, Grünwald, Uzhorod, Duschinsky, Hust, Kornitzer, Nagyszöllös, und Liebermann, Büke. Auf der Tagesordnung stand noch die Kongruafrage wie auch die Stellungnahme zur konservativen jüdischen Partei. Beide Fragen wurden der genannten Kommission behufs Erörterung und eventuellen Durchführung übermittelt, jedoch'der Wunsch ausgesprochen«, daß mit der slowakisch-orthodoxen Organisation eine Einheitsfront gegen die Feinde der Orthodoxie hergestellt werde. R. Die Installierung des Galantaer Baws. Wie es in der „Jüdischen Presse" bereits erwähnt wurde, ist der Galantaer Raw Rab. Josef Duschinsky schl. zum Oberrabbiner in Huszt gewählt worden. Diese Rabbinervvahl erinnerte an die alten guten Zeiten, wo Gemeinden miteinander wetteiferten, um eine talmudische Autorität sich eigen nennen zu können. In der sogenannten „oberen Gegend" betrachtete man den Galantaer Raw schl. als „Gaon Medinah", daher, hat man nichts unterlassen, ihn zum Hierbleiben zu gewinnen. Sabbat Bereschisz hielt er seine Abschiedsrede, wobei er aller seiner Freunde gedachte und der Gemeinde seinen Dank darüber aussprach, daß sie ihm stets mit Liebe und Aufopferung zur Seite stand, wodurch es möglich wurde, daß in Galanta eine große Jeschiwa sich entfalten konnte. Er erklärte ferner in seiner Rede, daß er mit allen Fasern seines Herzens an Galanta hänge, nur die Pflicht „Marbitz Thauro" zu sein, ihn nach Huszt rufe. Die klassischen Worte: „das Herz zieht nach Galanta; der Kopf jedoch nach Huszt, bei einem Jehudi aber sich das Herz dem Kopfe unterwerfen müsse" dürfen sich den *«©* JIgtnia. mmmm TW» *W* Aguda-Freunde in Munkaöevo. Die Aguda-Leitung unterläßt es bekanntlich, in einer Gemeinde, deren Oberrabbiner sich der Agudasache noch ferne hält, eine Agitation für eine Aguda-Organisation zu entfalten. So hat die Leitung noch nicht versucht, in Munkaöevo selbst eine Aguda-Tä*tigkeit zu entfalten. Um so erfreulicher ist es, daß einige für unsere Sache begeisterte Männer informative Arbeit beginnen und ein besseres Verständnis für die Agudasache vorbereiten. Herr Mayer Ehrenfeld, Sohn des Mattersdorfer Raw n. j., der zu den angesehensten Familien Munkaöevos zählt und der als Talmid chochom und Jere schomaim das nötige Vertrauen besitzt, bemüht sich, in Munkäcs und Umgebung das Verständnis für die Notwendigkeit der Agudasache zu wecken. Hflttda-Üuflgndflmppe. ~ ÄDrtHe der JestHtoo-Kinfkr. Das Defizit, mit dem das gemeinsame Jeschivo-Komitee das verflossene Halbjahr abschloß, und die inzwischen eingetretene immense Steigerung der ausländischen Zahlungsmittel ließen an dem Gelingen der „Jeschivo-Aktiou" für das erste Halbjahr allzu berechtigte Zweifel aufkommen. Um so erfreulicher ist es, wenn wir bereits heute melden kOnnen, daß dank der aufopferungsvollen und durch die Umstände der Zeit unbeirrte Tätigkeit der Herren des „Tiferes Bachurim" und der Jeschivo-Sektion der „Aguda*Jugendgruppe Wien* die Abreise einer staatlichen Anzahl Wiener Kinder nach slowakischen und westungarischen Jeschivos bereits erfolgt ist und die Versorgung des durch die westungarischen Verhältnisse noch hier gebliebenen kleinen Teiles sichergestellt ist. Daß dies möglich war, ist nicht nur dem Arbeitseifer unserer Herren, sondern der viel größeren und fast "unbegrenzten Opferfreudigkeit des engen, für die Jeschivo-Sache begeisterten Kreises zu verdanken. Um nicht durch unvorhergesehene Ereignisse, wie im Vorjahre, die getroffenen Maßnahmen als unzulänglich zu finden, mußte an viele unserer Bale batim die Bitte gestellt werden, ihre Verpflichtungen im erforderlichen Ausmaße und in der erforderlichen Valuta zu leisten. Und wir können mit Stolz berichten, daß auf diese Art allein zirka 20 Kinder in der Slowakei versorgt wurden. (Durchschnittlicher Kostenaufwand pro Kopf und Monat zirka 300 K8.) Nicht unbedeutend ist die Anzahl der monatlichen Verpflichtungen in österreichischen Kronen und schließlich die einmaligen großen Zeichnungen und Spenden für Jeschivo- Zwecke. Alles in allem ist zu hoffen, daß die Jeschivo-Sektion nicht nur in dem beschränktem Ausmaße des Vorjahres ihre Verpflichtungen erfüllen, sondern den Bedürfnissen und Anforderungen entsprechend, immer weitere Kreise um sich ziehen wird, um so der durch die Zeitverhältnisse stark herabgekommenen Wiener Jugend die Möglichkeit zu bieten, sich jenes Ausmaß von Thorakenntnissen anzueignen, welche zur Stärkung und gedeihlichen Entwicklung einer guten Kehillo unerläßlich ist. * S. St. flgudas 3i$roel'3ugendgruppe. Heim: Obere Donaustraße 69 (Eingang Floßgasse). Unterricht: Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Teichner hat sich verpflichtet, in der Jugendgruppe allwöchentlich Samstag um 3 Uhr nachmittags Dinim vorzutragen. Geselligkeit: In der letzten Vorstandssitzung wurde unter anderem beschlossen, die Jugendgruppe auch am Freitag abends ab 6 Uhr zu öffnen, um unserin Mitgliedern und fremden jungen Leuten die Möglichkeit zu bieten, Thauro zu lernen oder dergleichen. Sämtliche Lokalitäten sind geheizt. Galantaern tief ins Empfinden eingeprägt haben. Montag früh von der ganzen Gemeinde zum Bahnhofe begleitet, verließ er Galanta. Ein Empfangskomitee aus Huszt, war ihm nach Galanta entgegen gekommen, und ein Begleitkomitee aus Galanta ist mitgefahren. Bei jeder größeren Station, schlössen sich ihm Talmidim und Verehrer an, die dem Einzug beiwohnen wollten. Unterdessen wurden in Huszt alle Vorbereitungen getroffen, um den Empfang würdevoll und erhebend zu gestalten. Der Wochenmarkt wurde verschoben, alle Geschäfte gesperrt und die ganze Gemeinde, an der Spitze der Geü^eindevorsteher, so auch weltliche Notabilitäten seitens der Behörden, waren beim Bahnhof zum Empfang eingetroffen. Der Zug rollte ein und ein brausender „Jechi" begrüßte den mit Sehnsucht erwarteten Rabbi. Nach der offiziellen Begrüßung, ging alles zur Schul, wo die Antrittsrede gehalten wurde. Nachher arrangierte man eine „Sudan Micwoh", wo chassidischer Enthusiasmus die Fesseln der kalten Formen sprengte und die spontan losbrechende Volksbegeisterung den Rabbi zum Mittelpunkt großer Ovationen machte. —k. Sitzung zur Hebung des orthodoxen Pressewesens. Am 14. Marcheschwan fand eine Sitzung in Neutra zur Hebung des orthodoxen Pressewesens unter dem Vorsitz des Präses der Agudas Jisroel-Jugendgruppe H. Julius Neuwalder statt. Der Präses wies mit beredten Worten auf die Notwendigkeit einer orthodoxen Presse hin, besonders heute, wo das Kesseltreiben gegen die Orthodoxie in skrupellosester Weise betrieben wird, den nur eine im echt jüdischem Geist geschriebene Presse entgegentreten kann. Er erklärte ferner, daß die „Jüdische Presse" all den. Aufforderungen einer orthodoxen Presse entspräche, daher sei es auch Pflicht eines jeden ehrlichen Jehudis, diese Presse mit Leib und Seele zu unterstützen. Den Vorsitz übernahm nachher Vizepräses H. Lipmann Kohn, der enunzierte, daß er bei mehreren Verhandlungen zugegen war, wo die Gedolim der Slowakei, die .Jüdische Presse* in ihrer heutigen Form beste Anerkennung gezollt haben. Es wurde einstimmig beschlossen, für die „Jüdische Presse* in Neutra und Umgebung, eine eifrige Propaganda zu entfalten. --ck. Bibliothek: Die Bibliothek ist ab 8 Uhr abends und Sonntag nachmittags den Mitgliedern der Jugendgruppe frei zugänglich. Wir bitten um zahlreiche Bücherspenden. Chanukafeier: Die Jugendgruppe hat beschlossen, heuer eine Chanukafeier zu veranstalten, welche s. G. w. am letzten Chanukaabend stattfinden soll. _ Sckiurim-Einteilung. Samstag: 11 Uhr vorm., Mögen Awrohom; 9 Uhr nachm., Dinim: 4 Uhr nachm., Vortrag. Sonntag: 7 Uhr abends, Chumisch, Raschi, Ramban; 8 Uhr abends, Gemoroh (Brocheus). Montag: Siehe Sonntag. Dienstag: Siehe Sonntag. Mittwoch: 7 Uhr abends, Samuel II; 8 Uhr abends, Gemoroh (Brocheus). Donnerstag: Siehe Mittwoch. Freitag: 6 Uhr abends, gesellige Zusammenkunft. Außerdem täglich 6 Uhr abends, Gemoroh-Schiur füi Kaufleute. Statistik Die Juden in Lemberg. Bei der letzten Volkszählung ist die Bevölkerung von Lemberg von 175.000 im Jahre 1910 auf 218.915 gestiegen. 77.000 Juden haben in die Rubrik Nationalität .jüdisch* eingetragen. Bankhaus A. u. B. Friedmann & Co. Wien I., Wipplingerstraße Nr. 16 (Eingang Schwertg. 3) Tel. Nr. 61-6-22 internrban übernimmt <ur kulantesten Besorgung all« bankmäßigen Transaktionen.