Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 41 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 JÜDISCHE PRESSE Seite 293 dem sie alle Araber zu einem Generalstreik für den 2. November, als Protest für die an die an diesem Tag erlassene Balfour-Deklaration, auffordert. Dieser Tag soll von den Arabern als Trauertag begangen werden. Chaluzirn arbeiten an einem englischen Militärfriedhof. (J. G. B.) In Beer Schevva arbeiten fünfzig Chaluzirn am englischen Militärfriedhof. Die Arbeit ist von der allgemeinen Arbeiterorganisation über-: nommen worden. Die Arbeiter verdienen durchschnittlich 40 Grusch täglich. Die Beziehungen mit den Arabern der Umgebung sind gut. Auch die englischen Soldaten in Beer Schewa pflegen gute Beziehungen mit den Chaluzirn und besuchen ihre Veranstaltungen. Das arabisch-jüdische Uebereinkommen im Orangenexport. (J. C. B.) Zwischen den jüdischen und arabischen Orangenhändlern wurde ein Ueber-, einkommen über die Benützung der Tonnage für den Orangenexport nach England abgeschlossen, demzufolge die Juden 40 Prozent der Tonnage und die Araber 60 Prozent zu Exportzwecken erhalten. Das Ueberwachungskomitee besteht aus vier Juden und vier Arabern mit einem fünften Araber als Vorsitzenden. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". Kriegszustand in Jerusalem. (JPZ) Laut aus Jerusalem eingetroffenen Privatmeldungen wurde dort infolge der letzten Vorfälle der Kriegszustand erklärt. Starke militärische Abteilungen patrouillieren in den Straßen. In Jaffa ist ein englisches Kriegsschiff eingetroffen. Die Regierung, sie vor den bevorstehenden Unruhen gewarnt worden war, hatte energische Abwehrmaßregeln getroffen und auch in den Kolonien einen Sicherheitsdienst organisiert. Trotzdem ist bis jetzt nicht klar, ob nicht dennoch der Regierung irgendwelche Vernachlässigungen vorgeworfen werden können. In .jüdischen Kreisen Jerusalems herrscht vor allem Erbitterung gegen den Jerusalemer Militärgouverneur, der seit jeher den Juden sich nicht besonders geneigt erwiesen hat und dessen sofortige vorläufige Dispensierung vom Amte allgemein gefordert wird. Die Regierung hat sofort Spezialgerichte zur Aburteilung der verhafteten Schuldigen eingesetzt. Die Namen der Verhafteten sind vorläufig noch nicht bekannt. Freitag Mittag fand die Beerdigung der jüdischen Toten statt, die ohne irgendwelche Zwischenfälle vor sich ging. Laut einem weiteren Bericht herrscht im Lande überall Ruhe. Die Liste der Opfer weist 6 Tote, 5 Juden und einen Araber auf. 32 Juden und 6 Araber sind verwundet, darunter mehrere schwer. 40 Verhaftungen wurden vorgenommen und begannen die Gerichtsverhandlungen gegen diese bereits am 3. November. Verurteilung von Arabern. (JPZ) Das eingesetzte Spezialgericht hat drei Araber zu neun Monaten Gefängnis verurteilt; über vier wurde eine Geldstrafe verhängt, acht wurden freigesprochen, da keine genügenden Beweise für ihre Mitschuld erbracht werden konnten. Gegen fünf wurde der Prozeß vertagt. Osfjjordanien. (JPZ) Laut „Doar Hajom" vom 27. Oktober hat die britische Regierung Emir Abdullah mitgeteilt, daß ganz Ostjordanien vollständige Autonomie erteilt wurde, ohne irgendwelche Einschränkungen von auswärts und daß es keine Verbindungen mehr mit der palästinensischen Regierung habe, außer den Banden der Freundschaft, die zwischen diesen beiden benachbarten Ländern herrschen. Diese Aenderung hat die offizielle Approbation der palästinensischen Regierung erhalten, die den britischen Vertreter in Ostjordanien, Abramson, zurückgerufen habe. Sie werde auch all ihre anderen Vertreter aus Tranajordanien zurückziehen und an ihrer Stelle nur ein Schiedsoberhaupt einsetzen. Der Polizeioberkommissär Bik-Bik wird in Ostjordanien von nun an nur mehr als Lokalbeamter fungieren. Anläßlich des Abschiedes Abramsons (Nichtjude) drückte Emir Abdullah diesem seinen wärmsten Dank für seine diesem Lande geleisteten Dienste aus. Abramson und Bik-Bik langten am 20. Oktober in Jerusalem ein. Diese Meldung, bemerkt „JPZ", steht allerdings im Widerspruch zu den neu hinzugefügten Mandatsbestimmungen und den AeußerungenWeizmanns auf dem Kongresse. Bankhaus A. u. B. Friedmann & Co. Wien I., Wipplingcrstraße Nr. 16 (Eingang Schwertg. 3) Tel. Nr. 61-6-22 internrban übernimmt zur kulantesten Besorgung alle bankmäßigen Transaktionen. TSCHECHOSLOWAKEI. Der Dekgierteittag der flgudas 1i$rocl\jugen(l» gruppcn in der $Scvvakci. Von Siegfried Frommer (Bratislava). Des öfteren bereits war auf die bewährten Kräfte der Orthodoxie der Slowakei von maßgebenden Faktoren hingewiesen worden. Die Leitung der Agudas Jisroel selbst hatte die besondere Wichtigkeit, den Anschluß der offiziellen Orthodoxie der Slovakei an der Aguda, wohl einzuschätzen verstanden. Für die Jugend ergibt sich durch diese Tatsache die Konsequenz, ihren Mann zu stellen, und den in sie gesetzten Hoffnungen zu entsprechen. Sie hat diese Erwartung bis nun nicht getäuscht, vielmehr mit •jugendlichem' Eifer sofort die sich ihr gebotene Gelegenheit den Anschluß an den Weltverband der Agudas Jisroel ergriffen; sich in einem separaten Landesverbände — der eine reiche Anzahl Jugendgruppen vereinigt — zusammengetan und bereits auf verschiedenen Gebieten ganz Großes geleistet. Sie hat den „Daas Hatauro" in jeden ihren Handlungen respektiert, ihm in der Weise Geltung verschafft, daß sie in jeder Tat und Handlungsweise sich den „Geone Medinah" bedingungslos unterordnete. Wir wollen hier den unerschüttlichen Standpunkt der Agudajugend kennzeichnen, er lautet dahin, daß sie die Polemik vom Grunde verpönt In jenem Augenblick, als es unsere geistigen Leiter und Lenker (und das sind ja zweifellos unsere Geonim und.Gedolim) für richtig und für notwendig erkannten, daß die Jugend geeint in Agudas Jisroel sich zusammenschließe, war jeder „hajore es dewar haschem" sofort zur Stelle. Wir wollen somit diesen unseren Standpunkt auch für unsere weitere Entwicklung als Leitmotiv betrachten und wenn wir daher vor dem Delegiertentage der Jugendgruppen, der ppK am 24. Kislew 5682 (25. Dezember 1921) in Bratislava stattfindet, an die noch fernstehende oder passiv verharrende orthodoxe Jugend mit der Forderung herantreten, Mitglieder der Agudas Jisroel zu werden, so streiten wir nicht darüber, ob die Jugend ihre Ideale in Agudas Jisroel bestätigt findet, vielmehr geschieht dies ausschließlich deshalb, weil es der entschiedene Wunsch unserer Leiter und Führer ist. Das Unwesen des „Volkäverbandes". Die drei, vier Herren, die sich Volksverband nennen, entwickeln sich zur Kalamität des jüdischen Lebens in Bratislava. Der „Volksverband" verfällt täglich und macht verzweifelte Anstrengungen, sich noch über Wasser zu halten. Mit der Entziehung der Jointverwaltung, die unberufene Elemente des Volksverbandes an sich reißen konnten, indem man nach Amerika vorgespiegelt hat, daß der Volksverband die Vertretung alier Parteien darstelle, hat der Verband jede Anziehungskraft verloren und dieses traurige Kapitel der Geschichte des Bratislaver Judentums geht zu Ende. In der Sabbalfrage zeigte sich diese Spottgeburt einer jüdischen Organisation in ihrer ganzen Paradoxie. Die Unterstellung, als ob das energische Eintreten der Orthodoxie der Sache „geschadet" hätte, ist inzwischen in ihrer ganzen Unwahrheit dargestellt worden. Es hat eine neue Enquete stattgefunden, in welcher die fakultative Sonntagsruhe verlangt wurde; diese Forderung wurde ebenso abgelehnt. Das Organ des Volksverbandes, ein an Inhalt, Form, Geist und Jüdischkeit gleich inferiores Machwerk, macht die letzten verzweifelten Ausfälle gegen die Orthodoxie. Wir wissen, daß man nun alle Minen springen lassen will und die Autonomie der Orthodoxie zu unterwühlen beginnt. Die Herren sind zu jedem Mittel fähig und rechnen dabei sicher auf unsere Großmut, daß wir aus der ihnen unbekannten Furcht vor Chilul haschem nicht zu gleichen Mitteln greifen werden. Wir haben über die ganze unerhörte Art der Jointverwaltung lange geschwiegen: wir kennen die Affäre der verschwundenen 10.000 tschechischen Kronen wohl und wissen von langen Schiedsgerichtsverhandlungen, die endlich den Ersatz der fehlenden 10.000 Kronen erzwingen konnten. Wir dürfen wohl verlangen, daß die dabei genannten Herren sich ins Privatleben zürückziehen mögen. Uebergangsklasse in Bratislava. Auf Initiative Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Schreiber wurde in Preßburg für die Absolventen der Jessoda Thora, die mangels nötiger Mittel auswärtige Jeschiwot nicht besuchen können und zufolge ihrer Jugend und ihrer minderen Befähigung in die Preßburger Jeschiwo noch keine Aufnahme finden können, eine Uebergangsklasse unter Leitung des R. Baruch Löbl gegründet. Das bereits stattgefundene erste Verhör bestätigte die in dem Leiter gesetzten großen Hoffnungen aufs beste, da ein völliger Erfolg zu konstatieren war. Wir bitten das Publikum, diese neue Thora-Institution finanziell zu unterstützen und so zu dessen Gedeihen beizutragen. SDT) tfax Rabbi Jakob Lipschitz b"Xl Das Judentum hat den Verlust eines Mannes zu beklagen, der es wie selten jemand verdient, daß sein Name in der Zeitgeschichte des jüdischen Volkes auf eine Ehrentafel verzeichnet wird; dem besonders das Judentum in Litauen, Rußland und Polen ungemein viel zu danken hat, der für die jüdischen Wahrheiten gekämpft und gestritten, für 'die Erhaltung unverfälschter Treue zu den jüdischen Lebensidealen mit allen Mächten der Verderbnis und des Abfalls gerungen hat. Rabbi Jakob Lipschitz ist tot. Wenige von den Lesern dieser Zeitung in den westeuropäischen Ländern werden wissen, was dieser Name bedeutet. Aber viele von denen, die an den Kämpfen der letzten sechs Jahrzehnte Anteil genommen und besonders die Geschichte des orthodoxen Judentums im zaristischen Rußland zu verfolgen Gelegenheit hatten, wissen, daß es in Kowno einem stillen, bescheidenen, sich stets im Hintergrunde haltenden Mann gegeben hat, der nimmer rastete und nimmer ruhte, so oft es galt, für das einzig wahre, thoratreue Judentum in die Bresche zu treten. Sein Name wurde fast niemals genannt, aber seine Arbeit, die Erfolge seiner Tätigkeit wurden selbst in den verborgensten kleinsten Gemeinden des Judentums gespürt. Es war Rabbi Jakob Lipschitz. Man blättere einmal in den streitbaren hebräischen, jüdischen und russischen Zeitschriften der „Reformer", dann der „Maskilim" und später in. denen der „Nationalisten" und man wird fast auf jeder Seite die bittersten Wutausbrüche gegen die bescheidene Beschützerin der orthodoxen Interessen, die sie geschmackvoll nie anders als die „Lischchoh schechauroh" (Schwarzes Kabinett) in Kowno nannten, begegnen. Unter „Lischchoh schechauroh" verstand man aber nichts anderes, als die scharfe, unerbittlich für die Wahrheit und Reinheit des Judentums eintretende Feder des Rabbi Jakob Lipschitz. Seit sechzig Jahren stand er im Brennpunkt des jüdischen Lebens in Rußland. Selbst ein Talmid Ghochom ersten Ranges begann er seine Tätigkeit an der Seite des großen Rabbi Jizchok lElchanan Spektor. Er vertrat seit jener Zeit fast ganz allein in Büchern und in unzähligen Zeitungsaufsätzen den Standpunkt der Orthodoxie gegenüber hunderten von Journalisten und anderen Wortführern des Abfalls. Mit fast allen bedeutenden rabbinischen Führern des In- und Auslandes stand er in reger Korrespondenz. Und alles was er unternahm, geschah im Einvernehmen mit ihnen und nach ihren Intentionen. Bei den traurigen Anlässen, die in Rußland stets auf der Tagesordnung waren, war er es, der großangelegte Hilfsaktionen leitete. Die Jeschiwos und Thora-Anstaiten fanden in ihm einen begeisterten Sachwalter. Dabei hing er mit kindlicher Liebe an den rabbinischen Autoritäten, selbst wenn sie jünger und weniger erfahren waren, als er. Seine organisatorische Arbeit während der „Petersburger Konferenz* bleibt in dankbarer Erinnerung allen denen, die eine Ahnung davon hatten, wie sehr das Schicksal des orthodoxen Judentums in Rußland von den Entscheidungen jener Konferenz abhing. Die Agudas Jisroel fand ihn bei ihrer Gründung selbstverständlich auf dem Posten. Nachdem er sich bei den Rabbinern Litauens und Polens Instruktionen geholt hatte, stellte er sich in den Dienst der großen Sache. Er nahm an der Kattowitzer Konferenz teil. Er schrieb Briefe, veröffentlichte Artikel und machte Reisen bis ausnahmslos alle, die damals in öffentlichen Dingen entscheidend waren, in die Reihe der Agudaführer eintraten. Die Kriegsereignisse zwangen ihn ins Innere Rußlands zu flüchten. Dort schrieb er seine Memoiren in zwei starken Bänden und mehrere andere Werke. Kurz vor Rosch>Haschonoh kehrte er aus dem Exil nach seinem geliebten I£owno zurück. Aber der mehr als achzigjährige Mann fand ein anderes Kowno vor, als er es verlassen; ein anderer Geist als der jener großen Männer, zu deren Füßen er gesessen, waltet im heutigen jüdischen Kowno. Seine Seele fand sich in diesem Kowno nicht mehr zurecht und sehnte sich hinauf in den Kreis derer, unter denen sie sechs Jahrzehnte hindurch auf Erden segensreich gewirkt hat. Am Erew Rosch Haschonoh verließ sie ihre irdische Hülle.. Sein Andenken sei gesegnet. J. J. ß. Rabbi Professor Dr. D. H. Hofmann. Das Judentum in Deutschland und mit ihm die gesamte gesetzestreue Judenheit trauert abermals um den Veri lust eines seiner Größten. Rabbi David Zwi Hofmann, Rektor des Berliner orthodoxen Rabbiner-