Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1921-11-25 · 41 (25.11.1921) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
41 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2629891-2629906-2629948--0441-2632071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 292 JÜDISCHE PRESSE Nr. 41 Zuckermann, Sekretär des Peoples Relief Committee, begab sich vor kurzem nach Europa, zwecks Untersuchung der Lage der Juden in den ost- und zentraleuropäischen Ländern, um eine bessere Einsicht in ihre Bedürfnisse zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit wird er auch das Problem der Auswanderung der ukrainischen Flüchtlinge studieren. Wahrscheinlich wird Mr. Zuckermann auch Rußland besuchen, da er neulich zusammen mit Dr. Judah L. Magnes und Mr. B. G. Viadeck in eine Kommission gewählt wurde, die die von* den amerikanischen jüdischen Arbeitern gesammelten Hilfsmittel für Sowjetrußland zu verteilen hat. England. Die Araberdelegation. (JPZ) Auf Anfrage des Abgeordneten Johnson Hicks im Unterhaus, ob der Kolonialminister in der Lage sei, Erklärungen über seine Verhandlungen mit der arabischen Delegation zu machen und wann dem Parlament das Palästinamandat zur Bestätigung vorgelegt werde, erklärte Unterstaatssekretär Wood, daß die arabische Delegation noch immer in England ist und daß er nicht in der Lage sei, Erklärungen über die Verhandlungen abzugeben. Das Palästinamandat in seiner endgültigen Form sei bereits dem Parlament übergeben worden. Rothschild gegen den jetzigen zionistischen Kurs. (JPZ) An der Eröffnung eines jüdischen Wohltätigkeitsbasars in Leeds nahm auch Lord Rothschild Anteil, der in seiner Rede u. a. ausführte: Die Juden sind patriotische Bürger der Länder, in denen sie leben, vergessen aber nicht ihre Pflicht, ihren notleidenden Brüdern in anderen Ländern zu helfen. Wir wollen Geld sammeln, um den Pogromopfern zu helfen, unter besseren Bedingungen ein Heim zu finden. Die Schwierigkeiten bezüglich der Schaffung des iüdischen nationalen Heims sind auf Grund von Mißverständnissen beider Parteien entstanden, sowohl der Zionisten wie auch der Araber. Wenn diejenigen, die ihren unglücklichen Brüdern in Europa helfen wollen, sich in Palästina ansässig zu machen, klar zum Ausdruck bringen würden, daß sie nicht beabsichtigen, sich in innere Angelegenheiten zu mengen, dann, würden die Pläne, Juden in Palästina zu kolonisieren, auf bessere Art verwirklicht werden können und würde wenigstens ein großer Teil unseres Volkes die Möglichkeit haben,- . ein neues Leben zu beginnen, unter Schutz derjenigen Großmacht, unter der wir leben und der wir als Bürger dankbar sind. De Valera kein Jude. (JPZ) Die „Morning Post" und andere gleichgesinnte Blätter hatten in ihrer judenfeindlichen Propaganda auch die Behauptung aufgestellt, de Valera, der Präsident der Sinnfeiner, sei Jude, bezw. Judenstämmling. um so nachweisen zu können, daß fast alle antienglischen Treibereien von Juden inszeniert würden. Muri teilt der „Jewish Guardian" mit, daß vom irischen Staatssekretär O'Connell die Erklärung abgegeben wurde, de Valera sei Urarier und stamme weder väterlichernoch mütterlicherseits von Juden ab. Cassel als Christ gestorben. (JPZ) Wie die englische katholische Zeitung „The Universe" mitteilt, ist der bekannte Finanzier Cassel als Katholik gestorben. Die Tatsache seines Uebertritts zur katholischen Religion sei für viele eine volle Ueberraschung gewesen. Das Begräbnis fand nach römischkatholischem Ritus auf dem Konsul-Green-Friedhof statt. (Bei seiner Kandidatur fürs Parlament in diesem Jahre wurde er als Jude bekämpft. D. R.) Das Bankett der arabischen Delegation in London war Gelegenheit zu antizionistischen resp. antijüdischen Reden."Lord Sydenham protestierte gegen die Balfour-Deklaration. Er sagte, Max Nordau hätte schon vor elf Jahren in einer Rede gesagt, beim herannahenden großen Weltkrieg werden die Juden Palästina bekommen (das hat Nordau und Herzl schon vor 25 Jahren gesagt) und hat stets darauf losgearbeitet. Der Führer der arabischen Delegation Musa Kasim Pascha war gar sentimental, er sagte, daß er beim Grabmal der gefallenen Soldaten gefragt hätte, ob sie gefallen wären, um Palästina zu befreien oder zu versklaven. Er habe eine Stimme gehört: Ich habe gekämpft, um Palästina zu befreien. (Vielleicht war es gerade ein jüdischer Soldat?) Litauen. Sonntagsruhe. (JPZ) Wie die Wilnaer „Unzer Frajnd8 aus sicherer Quelle erfahren will, hat General Zeligowski auf Grund der Intervention einer jüdischen Delegation eine spezielle Kommission bestimmt, um die Frage der Sonntagsruhe nochmals zu studieren und darüber zu berichten. Es sei also Aussicht vorhanden, daß das die Juden so schädigende Gesetz wegen der Sonntagsruhe in Litauen revidiert werden wird. Jekopo. (JPZ) Nach einer Verständigung zwischen der „Hias" und „ Jekopo« in Wilna wurde beschlossen, daß alle aus Amerika einlangenden Gelder für die Verwandten in der Wilnaer Gegend durch die „Jekopo" ausbezahlt werden sollen, um den Emigranten die Fahrt nach Warschau zu ersparen. Die Arbeit der „Hias" wird in Wilna durch die „Jekopo8 geführt werden. Rußland. Jüdische Auswanderung aus Sowjetrnßland. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die Sowjetregierung ihr Versprechen, die Auswanderer gewisser Kategorien zu begünstigen, tatsächlich einlöse. Seit einer gewissen Zeit treffen hier kleine Auswanderertrupps über die Schwarze Meerhäfen, hauptsächlich aber über Batum ein. Laut Aussagen der Betreffenden, beziehe sich die Erlaubnis zum Verlassen des Landes nur auf Frauen, Kinder und Greise, die der Sowjetregierung nachweisen können, daß sie sich zu ihren Verwandten im Auslande begeben. Es ist zu erwarten, daß diese Auswanderung in kurzem größere Ausdehnnng nehmen wird. Iiunatscharsky über die Lage in Rußland. Der hiesige „Vorwärts" veröffentlicht ein Interview mitdem russischen Volkskomissär für Erziehungswesen Lunatscharsky, über die Lage der Juden in Rußland. Lunatscharsky erklärte, daß das Studium der hebräischen Sprache in Rußland wohl erlaubt sei, doch dürfte sie nicht als Unterrichtssprache in den Schulen benützt werden. Die behördliche Anerkennung des hebräischen Theaters „Habimah" habe auf Seiten der jüdischen Kommunisten eine heftige Opposition hervorgerufen, die behaupten, daß es Von einem reaktionären Geist durchdrungen sei. Lunatscharsky äußerte sich sehr beifällig über den Oberrabbiner von Moskau, Dr. Mase, der sich des Ansehens aller Bevölkerungsschichten erfreut. Der Antisemitismus existiere in Sowjetrußland nicht mehr. 2000 jüdische Kolonisten haben sich bei Odessa als Ackerbauern niedergelassen und prosperieren gut. Die Zeitungen lühmen diese Kolonien. .Die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland. (JPZ) Die Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz teilt mit: Das Exekutivkomitee der jüdischen Welthilfskonferenz überreichte dem beim Völkerbund gebildeten Oberkommissariat für Hilfe für russische Heimlose am 5. September ein Memorandum mit folgenden Wünschen bezüglich der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland: Die jüdischen Flüchtlingen sollen den allgemeinen Hilfsfonds gleich allen übrigen genießen. Dabei werden aber die jüdischen Hilfsorganisationen besondere Geldmittel schaffen, um die speziellen Bedürfnisse der jüdischen Heimlosen zu befriedigen. Für die Arbeit unter den jüdischen Heimlosen soll beim High-Gommissioner eine besondere jüdische Kommission gebildet werden. Die jüdische Sektion soll bestehen aus Vertretern der großen jüdischen zentralen Hilfs- und Emigrationsorganisationen. Hierauf, ^antwortete High-Gommissioner Nansen am 22." September: „Es ist selbstverständlich, daß die jüdischen Heimlosen aus Rußland den Hilfsfonds ebenso genießen werden, wie die anderen. Gerade deshalb ist es nicht absolut notwendig, eine besondere jüdische Sektion zu gründen. Die jüdischen Organisationen werden, so oft sie es wünschen, Beziehungen mit dem High- Gommissioner aufnehmen können betreffend der speziellen Angelegenheiten, bei denen sich ihre Intervention als notwendig erweisen könnte. Der High- Gommissioner wird der Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz dankbar sein für die Pläne, die sie ihm unterbreiten wird." Schließung der Talmudschulen. (JPZ) Nach dem „Rul" hat das Volkskommissariat für Bildungswesen auf Ansuchen des Departements für jüdische Angelegenheiten die unverzügliche Schließung aller Ghedorim und Jeschiwoth, die in Sowjetrußland noch existieren, angeordnet. Das Dekret verbietet ferner die Zulassung von Ghedorim- und Jeschiwothlehrern zu den beruflichen Gewerkschaften. Das Hilfswerk in Sowjetrußland. (J. G. B.) Einer Mitteilung des Joint Distribution Gommittees zufolge, werde die Hilfstätigkeit dieser Organisation in Sowjetrußland fortan ausschließlich von der Hoover- Kommission und der Society of Friends ausgeführt werden. Zu diesem Zwecke seien bereits 700.000 Dollar bestimmt worden. Der Hooverschen Kommisssion sei Mr. Joseph Rosen als spezieller Vertreter des „Joint" zugeteilt worden. Derselbe habe sich bereits nach Moskau begeben. Die jüdischen Arbeiter für das hungernde Rußland. (J. G. B.) Das erste Hilfsschiff mit Lebensmitteln für das hungernde Rußland hat bereits den New Yorker Hafen verlassen und soll in 14 Tagen einen baltischen Hafen anlaufen. Die Lebensmittel wurden von der Gewerkschaft der Kleidermacher, die fast ausschließlich aus jüdischen Arbeitern besteht, aufgebracht. Sibirien. Japan schützt Juden. Der Hausgeber des »Israels Messenger" erhielt vom japanischen Außenminister Grafen Uchida die Verständigung, daß er in Berücksichtigung des Appells der sibirischen Juden an die japanische Regierung, allen japanischen Konsulaten und Behörden in Sibirien die strikte Weisung erteilte, den Juden in Sibirien jeglichen Schutz angedeihen zu lassen. Spanien. Die Rückkehr von Juden nach Spanien. „ Manchester Guardian" bespricht die Bemühungen großer angesehener spanischer Kreise, die Juden zur Rückkehr nach Spanien zu bewegen und drückt große Zweifel aus, ob die Juden ohne ausreichende Bürgschaften seitens der spanischen Regierung und des Klerus, solchen Einladungen folgen werden. Die jüngst erschienene Broschüre des spanischen Senators Dr. Angelo Fulido strebt wohl die Wiedergutmachung der von Spanien seinerzeit an die Juden begangenen Verbrechens an und will eine Versöhnung zwischen Spanien und dem jüdisesen Volke herbeiführen, aber die Juden werden sicherlich noch andere Beweise und Garantien (?) verlangen. CtirKei. Das Rote Kreuz für jüdische Flüchtlingskinder in Konstantinopel. In Anbetracht der schrecklichen Lage der jüdischen Flüchtlingskinder in Konstantinopel, entschieß sich das internationale Rote Kreuz in Konstantinopel die Ernährung dieser Kinder zu übernehmen. Wrangel hetzt. Die in Konstantinopel sich aufhaltenden Truppen und Anhänger Wrangeis betreiben letztens eine verstärkte antisemitische Propaganda. Während sie bisher mehr im geheimen wühlten, schrecken sie jetzt auch nicht von einer offenen antisemitischen Pogromhetze - zurück. Bisher ist es den englischen und französischen Vertretern gelungen, sie an der Ausführung ihrer böswilligen Pläne zu verhindern. Hungersnot unter den ukrainisch-jüdischen Flüchtlingen in Konstantinopel. (J. G. B.) Der hiesige Hilfsverband ukrainischer Juden erhielt aus Konstantinopol einen telegraphischen Bericht über die trostlose Lage der dortigen jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine, demzufolge Plünderte Emigranten seit Wochen buchstäblich verhungern, da sie nicht einmal trockenes Brot erhalten. Das Konstantmopeier Joint-Komitee hat aus New York das Oktoberbudget nicht erhalten, ferner müsse die Hilfstätigkeit des Joint bis Ende November gänzlich liquidiert werden. Falls diesen Emigranten nicht sofortige Hilfe von anderer Seite zuteil werden sollte, werden die Folgen einer Hungersnot unvermeidlich werden. Marokko. Tod des Oberrabbiners von Tunis. Rabbi Israel Sertum, der Oberrabbiner von Tunis, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Argentinien. Die spanischen Juden in Argentinien. Einem Artikel einer argentinischen Zeitung entnehmen wir folgende interessante Daten über die spanischen Juden in Argentinien. Die ersten Sphardim, welche nach Argentinien kamen, waren Juden aus Marokko, die im Jahre 1886 zu immigrieren begannen. Im Jahre 1891 biidelen sie bereits eine ansehnliche Gemeinde und konnten eine eigene Synagoge erbauen. Heute gehen sie daran, eine Talmud-Thora- Sehule zu gründen. Die ökonomische Lage ist eine sehr gute. Die spanischen Juden beschäftigen sich ausschließlich mit dem Handel, sie sind fast alle reich und es gibt unter ihnen eine bedeutende Anzahl Millionäre. Sie sind religiös und stolz auf -ihre Abstammung. Dem Zionismus gegenüber nehmen sie eine gleichgültige Haltung ein. Orthodoxes Schulwesen in Jerusalem. Die soeben erschienene Nummer 2 des Jerusalemer „Kol Jisroel" veröffentlicht statistische Daten über diejenigen Schulen, die sich bis auf den heutigen Tag die Selbständigkeit trotz des Dollarstromes, der durch die zionistischen Kulturämter floß, zu bewahren gewußt haben. Demnach besuchen diese Anstalten 2382 Schüler, während die von den Zionisten auf Kosten der amerikanischen Hilfsgelder (und in Zukunft wohl von den Erträgen des zionistischen „Keren Hajesod") erhaltenen Unterrichtsanstalten insgesamt bloß von 1021 Kindern besucht werden. In dieser Zahl sind auch schon die 546 Schüler inbegriffen, die solche zionistische Anstalten besuchen, von denen die Eltern annehmen zu dürfen glauben, ihre Kinder genössen dort eine den religiösen Anforderungen entsprechende Erziehung. Im Gegensatz zu der zionistischen Behauptung, das Erziehungswesen in Jerusalem sei bereits vollständig den zionistischen Kulturträgern überantwortet, beweisen diese Zahlen, daß in Wirklichkeit in den .zionistischen" Anstalten mit ihrem Riesenbudget kaum ein Viertel der jüdischen Kinder Jerusalems unterrichtet werden. Die Daten stammen aus dem Jahre 5680. Im Jahre 5681 hat sich die Schülerzahl in den zionistischen Schulen um nicht mehr als 3 Prozent erhöht. Folgen der Reklamepolitik. (JPZ) Die palästinensisch-arabische Vereinigung in Aegypten hat in Palästina und Aegypten einen Aufruf verbreitet, in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.