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Jüdische Presse · 1921-11-25 · 41 (25.11.1921) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
41 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 294 JÜDISCHE PRESSE Nr. 41 seminars, der berühmte Godaul bathauro, der erfolgreiche Forscher, der beliebte Führer, der tiefinnig verehrte Lehrer und Meister, dieser große Mann, dessen Edelmut und Bescheidenheit fast unerreicht dastehen, er ist sanft, entschlafen. Noch ist es nicht an der Zeit, mitten im Schmerze über den Verlust eines solchen Mannes seine ganze Persönlichkeit gebührend würdigen zu können. Zu gering ist die Zahl der Männer seines Ranges in unserer Zeit, als daß wir es vermöchten, schon jetzt die ganze Größe und die Folgenschwere eines solchen Verlustes in seiner vollen Tragweite zu ermessen. Die Männer, die berufen sein werden, die Lücke, die ,er hinterlassen hat, auszufüllen, werden an der Bahre des Verblichenen erscheinen und werden versuchen, dem Schmerze Ausdruck zu geben, den Klal Jisroel an diesem Tage empfindet. Auch in diesen Blättern wird eine ausführliche Schilderung der Taten und Werke des persönlichen und öffentlichen Wirkens Dr. Hofmanns gegeben werden. Eine große Zahl von Schülern, eine Menge von wissenschaftlichen Werken, die fast alle Gebiete jüdischen Denkens und Wissens umfassen, und seine allgemeine Beliebtheit legen Zeugnis am heutigen Tage für ihn ab. Der Agudas Jisroel gehörte er vom ersten Tage ihrer Gründung an. Er nahm trotz seines hohen Alters und seiner körperlichen Schwäche zu verschiedenen Malen an Konferenzen und Sitzungen Anteil und verfolgte alle ihre Angelegenheiten mit dem regsten Interesse. Dem Rabbinischen Rate gehörte er seit der Kattowitzer Versammlung an. Secher Zadik liwrocho. mmmm JjSiSfäKj® Revue. mmmm In der Nummer 5 des Organs der zionistischen Föderation „Binjan-Haarez" schreibt Dr. Max Kolenscher in einer Kritik des Karlsbader Kongresses: Innerlich zeigte der XII. Kongreß ein Bild von .Krankheit und Zerfall. Die Chance von St. Remo hat die Leitung nicht auszunutzen verstanden. Politisch ist unsere Situation nicht besser, sondern schlechter geworden. Das Begrüßungstelegramm der englischen Regierung, in dem nicht einmal mehr von einem jüdischen Heim, sondern nur noch von dem Lande gesprochen wird, in dem Juden und Araber glücklich nebeneinander leben sollen, beweist genug. Die Mandatarmacht beginnt die Konsequenz aus dem Versagen der zionistischen Leistung zu ziehen. Darüber kann auch die von Weizmann mit Geschick und Eifer vorgetragene Mitteilung nichts ändern, daß das Ostjordanland in das Mandatsgebiet Palästinas eingeschlossen werden soll. Das englische Mandat bedeutet gewiß noch nicht eine Erweiterung der jüdischen Rechte auf Ostjordanien. (Inzwischen ist es bekannt geworden, daß Ostjordanien seine eigene Autonomie erhält.) Aber auch hier ist ein Rückschritt zu sehen. Zwar hat der Kongreß einen Appell an das jüdische Volk gerichtet und alle zur Mitarbeit aufgerufen. Aber leider hat man von offizieller Seite während der Generaldebatte wohl noch nicht an diesen Schlußappell gedacht und sie so geführt, daß der größte Teil des jüdischen Volkes sich nicht herangezogen, sondern abgestoßen fühlen muß. Immer wieder hat man den nationalen Willen und die nationale Tat aller derjenigen herabgesetzt oder gar nicht gelten lassen wollen, die an dem Aufbau von Palästina mitzuarbeiten bereit sind, ohne sonst die ausgeklügelten Theorien eines für die Diaspora erdachten Pseudonationalismus mitzumachen. Das „Kopenhagener Manifest", das von unzuständiger Seite während des Krieges erlassen, die Verbindung nationaler Landespolitik mit dem Zionismus ganz im Gegensatz zu den Lehren Herzls gebracht hat, ist auf dem Kongreß stark angegriffen worden. Nationale Landespolitik ist in den Ländern des Ostens gewiß nötig. Sie soll von den Judenschaften der Länder, die sich hierzu in eigenen Nationalräten organisieren können und organisiert haben, betrieben werden. Der Zionismus als solcher aber hat nur auf Palästina gerichtete Politik zu treiben und darf sich nicht jetzt, wo es darauf ankommen muß, alle Juden zu sammeln, mit der Verantwortlichkeit für Politik belasten, die nicht einmal alle Zionisten geschweige denn alle Juden gutheißen. Die sachliche und persönliche Verquickunj von Zionismus und Landespolitik bedeutet für beide Teile eine Gefahr. Daß alle diese Beschlüsse gefaßt werden konnten, trotzdem es an Warnern vor und auf dem Kongreß nicht gefehlt hat, ist vielleicht die traurigste Erscheinung. Es wird kaum jemanden geben, den der Kongreß befriedigt hat. Mit der Mehrheit des jüdischen Volkes innerhalb und außerhalb des Zionismus wird wohl auch die Mehrheit der Delegierten des XII. Kongresses darin einig sein, daß seine Beschlüsse uns in Erez Israel nicht vorwärts bringen, daß eine andere Politik und andere Wirtschaftsmethoden eingeschlagen werden müssen. Uortrag Jakob Rosenbeint. Ueber Einladung der Aguda-Jugendgruppe hielt Herr Jakob Rosenheim am zweitvergangenen Sabbat in dem dichtgedrängtvollen Saale der Jugendgruppe einen einstündigen Vortrag. Wenn man über Vorträge Rosenheims berichtet, so könnte man sich eigentlich darauf beschränken, die Gedankengänge Rosenheims wiederzugeben. Denn jeder, der Rosenheim jemals sprechen hörte, weiß, daß er es immer wieder versteht, durch seine, man möchte fast sagen, unübertreffliche Meisterschaft der Rhetorik,- durch den Aufbau und die logische Gliederung der Rede, durch seine kristallklare Gedankenschärfe seine Zuhörer im Banne zu halten, einem Banne, dem man sich um so eher hingibt, als man ja weiß und fühlt, daß Rhetorik und Aufbau und Gedankenschärfe bei . Rosenheim nur Mittel sind, um die in ihm lebende und lodernde jüdische Begeisterung auf andere zu übertragen und die anderen in die reinen Sphären ' vergeistigter jüdischer Gesetzestreue emporzuheben. Vom Vers des Wochenabschnittes DB^ 71 nS^ ausgehend, entwickelte Redner die klaren, vom tiefsten Wissen zeugenden Gedankengänge unserer Weisen über das Verhältnis der Ethik zur Aesthetik innerhalb des Judentums und die rangmäßige Rückstellung der letzteren hinter die erstere. Uns ist Aesthetik, Schönheitssinn und Schönheitsfreude nicht nur tiefstes, in der jüdischen Psyche verankertes Bedürfnis, sondern auch und vor allem klares G-ttesgebot. Unsere Weisen, die uns auf dem dornigen Wege unserer Geschichte unsere herrlichen Gebete mitgaben, waren nicht nur tiefgründliche Psychologen, sondern auch große Aestheten, indem sie das tägliche Schachrith gewissermaßen in zwei Teile gliederten: in den mit Boruch Scheomar beginnenden und mit Jischtabach abschließenden ersten Teil, des P'suke Desimroh, in denen wir auf der Stufenleiter des rein gefühlmäßigen, durch „gesprochene Lieder" uns täglich aufs neue zu jenen klaren Höhen des Schauens emporheben sollen, die den zweiten Teil des Schachrith ausmachen. Mit dem erhabenen Segensspruch, „der das Licht schaffet und die Finsternis hervorruft, den Frieden und das Weltall schafft" beginnt der zweite Teil, der eigentliche Teil des „Gebetes", der, ohne die starken gefühlsmäßigen Momente zu verkennen (Ahawo Rabbo) vor allem an unsere Besinnung, an unser jüdisches Pflichtbewußtsein sich hauptsächlich wendet. (In diesem Zusammenhange gestatte ich mir, eine persönliche Ansicht einzuflechten: Der Gipfel jüdischer Psychologie und jüdischer Demut in unseren Gebeten, ist m. E. die Stelle unserer Jörn Kippur, Tefilla, an welcher dem Jozer Or vorangeschickt wird: „Der uns die Tore der Barmherzigkeit öffnet und die Augen der seiner Vergebung harrenden erleuchtet." Kein Beethoven in seiner Neunten Symphonie und kein Michelangelo in seinen Gemälden hat die endlose Gnade G-ttes so ausgedrückt, wie sie dieser Satz und noch mehr die Satzstellung involviert. G-tt durchbricht hier sozusagen die Naturgesetze und stellt das ganze Weltall zurück, um seinem Volke mit seiner Gnade am heiligsten Tage entgegenzukommen!) Rosenheim stellte uns bei dieser Gelegenheit das Zeugnis aus, daß wir in diesem Punkte dem Westen voraus sind, da wir nicht diese „gesprochenen Lieder", die Psuke D'simroh lispeln, sondern singend laut rezitieren. Nun liegt aber eben im Wesen der Schönheit oder besser gesagt, im Wesen der Kunst, welcher der Schönheit geweiht ist, eine verborgene, aber um so tiefere Gefahr: die Gefahr, daß die große jüdische Wahrheit, die ja in erster Linie die vollkommenste Schönheit ist, verdunkelt werden könne in unserem Innern eben durch unsere schwache Menschennatur, die ihrem Wesen nach nur zu geneigt ist, die Schönheit als Selbstzweck zu feiern. Deshalb hat das Judentum allmählich, und zwar bewußt, die Künste, welche allzusehr an der Materie hängen, vernachlässigt und hat nur die Musik und die Poesie, diese beiden -allerdings intensiv, gepflegt und ihnen ihren richtigen Platz im Judentum: als Stützen der Wahrheitserkenntnis angewiesen. Rosenheim verwies auf die tiefsinnige Brocho, die unsere Weisen für besonders schöne Naturerscheinungen festsetzten: IfcblJD lb ITÜIP! Unser Schönheitssinn ist eben innig verknüpft mit jüdischer Wahrheitslehre, mit jüdischer G-ttes Verehrung. Aber so hoch auch die Weisen die Aesthetik in diesem Sinne stellten, so schroff lehnten sie ihn ab, wenn er die Wahrheit trüben oder zurückstellen sollte. In diesem Sinne ist auch der Ausspruch zu verstehen, daß derjenige sein jüdisches Leben verwirkt hätte, der sich vom Lernen stört, um sich der Naturbetrachtung hinzugeben. Die Aesthetik, der Schönheitssinn der Hellenen, hat also nur in den Zelten Scherns ihre g-ttgefällige Stätte. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den lichtvollen Ausführungen Rosenheims, der im Kreise der Gesetzestreuen Wiens ein lieber Gast, jedoch kein Fremder ist. Die-tiefe Befriedigung über einen so erlesenen Genuß spiegelte sich auf den Gesichtern und das geistige Ohr vernahm den Applaus, welcher durch den Sabbat unterbleiben mußte. __ L. Gr. Aufruf! Der Aufruf, mit dem sich die Jeschivo-Sektion" der Agudas Jisroel-Jugendgruppe vor kurzem an die Oeffentlichkeit gewandt hatte, ist nicht ungehört verhallt. Lau almon Jisroel! Noch gibt es in unserer Mitte jüdisch gesinnte Männer, die trotz der ungeheuren Lebensschwierigkeiten, der furchtbaren Teuerung und des schweren Verdienstes ihre Pflicht erfaßt und erkannt haben, welche dringende Notwendigkeit in der Förderung der „Jeschivo-Sektion" liegt. Nachstehend finden unsere geschätzten Leser das Verzeichnis der eingegangenen Beträge. Aber noch lange reichen die vorhandenen Mittel nicht, um die Aktion fortzuführen und die Namen der Spender stellen nur einen kleinen Bruchteil jener dar, die verpflichtet sind, für diesen fundamentalen Zweck ihr Schärflein beizutragen. Darum ergeht neuerdings der Mahnruf an alle Jene, die es bis heute versäumt haben, ihre Spende zu überweisen. Wik» roöini m «vi o^n yy Der heutigen Nummer liegt ein Erlagschein zur gefl. Benützung bei. Jeschivo-Sektion der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Es ist besonders erfreulich, wenn sich in unserer Zeit noch Menschen finden, welche sich zur Aufgabe machten, die in der Zeit der materiellen Notlage doppelt schwere Situation der ideellen Institutionen in Betracht zu ziehen. Eine solche Aufgabe ist es, welche sich die Jeschivo-Sektion der Agudas Jisroel-Jugendgruppe gestellt hat. Seit mehr als zwei Jahren bemüht sie sich mit großem Erfolg, die Wiener Kinder und Kinder aus Flüchtlingsfamilien nach den Jeschivos in der Tschechoslowakei zu entsenden und sie kann sich sagen, daß* ihre Tätigkeit ein schöner Erfolg geworden ist. Die Sektion erstreckt ihre Fürsorge auch auf die Ueberwachung des leiblichen Wohles ihrer Pflegebefohlenen. Die Opfer hiezu sind enorm groß und angesichts des Valutaelends steigt auch die Anforderung täglich. Wir legen diese Art der Kinderfürsorge, die nicht bloß auf das Alltägliche denkt, sondern aus den Kindern brauchbare Menschen schafft, unseren- Lesern wärmstens ans Herz.......... Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Heim: Obere Donaustraße 69 (Eingang Floßgasse). Vorläufige Schiurim-Einteiluiig. Sonntag*: 7 Uhr, Chumisch und Raschi mit Ramban. Montag1: Siehe Sonntag. Dienstag: Siehe Sonntag. Mittwoch: 7 Uhr, Samuel II. Donnerstag: Siehe Mittwoch. Samstag: 7a 3 Mussar, 72 4 Vortrag. Ferner täglich an Wochentagen um 8 Uhr Gemoroh (Brochos). Die Frage der Ansiedlung der Juden in Mexiko. Dem J. G. B. wird aus New York gemeldet: in hiesigen interessierten Kreisen werden gegenwärtig zwei Vorschläge, betreffend die Ansiedlung jüdischer Auswanderer in landwirtschaftlichen Kolonien, erwogen. Einem Vorschlage gemäß, soll nach Abschluß eines Uebereinkommens mit der mexikanischen Regierung, anbaufähiger Boden von der Staatsdomäne oder von Privatbesitzern erworben und jüdische Kolonisten aus Europa zur Ansiedlung eingeladen werden. Der zweite Vorschlag verlangt den Ankauf von Boden in Kalifornien, um bei dem nach Aufhebung der gesetzlichen Einwanderungsbeschränkungen zu erwartenden Einwanderungsstrom Aufnahms- und Arbeitsstätten für jüdische Kolonisten vorzubereiten. Ueber die Emigrationsmöglichkeiten nach Mexiko erhielt die Agudas Jisroel von einem Gesinnungsgenossen, der das Land vor kurzem bereiste, folgende Auskunft: „Ihre Anfrage betreffend Mexiko kann ich in sehr empfehlenswerten Sinne beantworten. Es ist ein sehr, sehr reiches Land und momentan in vollem Aufschwung begriffen. Es dürfte unseren Brüdern nicht schwer sein, sich der spanischen Sprache einigermaßen anzupassen und obwohl eine größere Gemeinde (türkisch) sich nur in der Hauptstadt Mexiko befindet, trifft man Landsleute allerorts an. Besonders viel Betrieb ist außer Mexiko City in Tampico, Monterrey, Chihuahua, Guadalajara, Puebla, Veracruz usw. zu bemerken und nicht nur findet ein guter Handwerker sofortige Arbeit bei

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