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Jüdische Presse · 1921-11-25 · 41 (25.11.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
41 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 JÜDISCHE PRESSE Seite 291 Kind redlicher Eltern zu beschließen gedachten und Mäßigkeitsapostel zu Schlemmern, da eine schnöde Preßburger Zehnkronennote bei Wienea alle Wunder des Tischlein-Deck-Dich hervorzuzaubern imstande ist. So zogen wir auch vorige Woche, ein Haufen staunend genießender neu - tschechoslowakischer Provinzbürger, plündernd und jubilierend durch Stadt und Umgebung. Zuletzt kam der Prater dran, dessen Freuden die großen Kinder aus der Provinz noch unblasiert auskosten konnten. Sie hatten nicht Deu!$cltf$terrekl>. Die Wiener Kultusgemeinde erläßt einen Aufruf, worin sie alle in Wien ansässigen Burgenländer auffordert, bei der Abstimmung in Oedenburg ihr Stimmrecht zugunsten Oesterreichs auszuüben. Der Verein „Ahawas Chessed" zeigt an, daß seine Mitglieder bereit sind, Kranke zu besuchen und persönliche Hilfsdienste zu leisten. Anmeldungen sind zu richten an Selcherei G. Fischer, IL, Große Schiffgasse 16 (Telephon 40747), und H. Weidler, IL, Floßgasse 9 (Telephon 46651). Eine neue Talmud-Thora-Schnle in Wien. Auf Anregung des Herrn Wolf Pappenheim und Dank der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Rabbiner Benedikt, Elias Schön, Alexander Adler, konstituierte sich dieser Tage ein Komitee zur Gründung einer Talmud-Thora-Schule im IX. Bezirk. Herr B. Kolb hat für diesen Zweck ein dreistockhohes Haus in der Nähe der Aiserbachstraße gespendet und es dürfte somit bereits in kurzer Zeit mit der Lehrtätigkeit begonnen werden. Mit dieser Schule, die unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates des Adaß Jisroel stehen wird, ist wieder ein Punkt im Programme der Ghinuch-Sektion der Agudas Jisroel verwirklicht worden. Das Komitee amtiert bis auf weiteres im Bethausverein „Adaß Jeschurun", IX., Pfluggasse 5. Allgemeine österreichische Boden-Credit-Anstalt. In Ausführung der in der ordentlichen Generalversammlung vom 21. Mai 1921 gefaßten Beschlüsse gelangen 200.000 Aktien der Allgemeinen österreichischen Boden-Gredit-Anstalt mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1921 neu zur Ausgabe. Den Inhabern der derzeit im Umlaufe befindlichen Aktien wird das Bezugsrecht auf 150.000 Stück dieser neuen Aktien zum Preise von K 3500 tel que pro Aktie in der Weise eingeräumt, daß auf je zehn alte Aktien drei neue Aktien entfallen. Auf weniger als je zehn Aktien wird kein Bezugsrecht gewährt. Der größte Teil der restlichen 50.000 Stück neuen Aktien dient im Sinne der Beschlüsse der erwähnten Generalversammlung zur Ablieferung an die - Union-Bank. Behufs Geltendmachung des Bezugsrechtes sind die alten Aktien (ohne Gouponbogen) in der Zeit vom 8. bis einschließlich 18. November 1921 bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes bei der Allgemeinen österreichischen Boden-Gredit-Anstalt in Wien, bei der Schweizerischen " Kreditanstalt, Zürich, und deren Filialen,. bei der Basler Handelsbank, Basel, und deren Filialen und bei der Zivnostenskä banka v Praze, Prag, und deren Filialen zur Abstempelung einzureichen. Gegen gleichzeitigen Erlag von K 3500 pro Aktie erhalten die Einreicher ein Bestätigungsschreiben, gegen dessen Rückstellung von einem noch bekanntzumachenden späteren Zeitpunkte an die entfallenden neuen Aktien bei der betreffenden Anmeldestelle behoben werden können. Nähere Mitteilungen enthalten die ausführlichen Kundmachungen, welche bei den obigen Stellen kostenlos erhältlich sind. Ungarn. Verlobung. Vorige Woche hat in Bonyhäd eine echt jüdische Simcho schel mizwo stattgefunden. Herr Abraham J. Kohn, Sohn des bekannten gelehrten R. Ghajem Kohn aus Balassa-Gyarmat, verlobte sich mit Fräulein Gisela Schwartz, Enkelin unseres G. s. Oberrabbiners Eliezer Deutsch. Bei der Verlobung waren die vornehmsten Mitglieder der Gemeinde anwesend. An diwre Thora hat es natürlich nicht gemangelt. Als Erster sprach der Vater der Braut, Herr Rabbiner Josef Schwartz, Redakteur des „Wajlaket Joosef, und dann der Bräutigam selbst. Es herrschte eine feierlich gehobene Stimmung. (Wir gratulieren herzlichst.) Captain Pedlow. In Budapest gibt es wohl niemanden, der den Namen Captain Pedlow nicht kennt. Er ist in den Jahren der Not und der tiefsten Erniedrigung zu einem Begriffe geworden: zum Inbegriff der Hilfsbereitschaft, der großangelegten menschenfreundlichen Aktionen Amerikas, zum Inbegriff der menschlichen Hilfsbereitschaft überhaupt. Wo es in Budapest, in Ungarn Not zu lindern galt, wo es sich darum handelte, hungernden ungarischen Kindern beizustehen, der herabgekommenen, verelendeten ungarischen Intelligenz und Mittelklasse die Freundeshand zu reichen: überall stand Gaptain Pedlow in den letsten Jahren an der Spitze, überall war er der Vermittler der menschenfreundlichen Spenden Amerikas. In welchem Geiste Pedlow seine selbstgewählte Aufgabe erfüllte, ist auch daraus ersichtlich, daß die jüdische Gesellschaft der ungarischen Hauptstadt keine Gelegenheit vorübergehen läßt, diesem wackeren Manne und dadurch mittelbar auch dem amerikanischen Volke ihre aufrichtige Dankbarkeit zum Ausdrucke zu bringen. So veranstaltete in den jüngsten Tagen die Judenschaft der Nachbargemeinde Kispest im Tempel ein Kulturfest, das sich zu einer herzlichen, innigen Ovation für Gaptain Pedlow gestaltete. Bei dieser Gelegen- | einmal noch den Irrgarten gesehen! Wir führten sie in die Wunderbude hinein. Ein kleines Gemach, dessen sechs Wände aus lauter Spiegeln bestehen. Wenn da drei oder vier Leute eintreten, so sehen sie ihr Bild hundertfach wiedergespiegelt, rechts und links starrt einem so eine endlose Volksmenge entgegen. Da gabs ein Lachen und Staunen! Nur ein Preßburger Israelite blieb ruhig mit einer niladmirari-Miene stehen. „Bah", sagte er, „das können sie in Bratislava gratis sehen. Da gibt es eine solche NACHRICHTEN. heit hielt der unermüdliche Philantrop vor den Stufen des Altares eine Ansprache an die Gesellschaft, in deren sich auch zahlreiche Christen befanden. „Meine Damen und Herren, sagte Gaptain Pedlow unter anderem, es ist der erste Fall, daß ich mich in letzterer Zeit vor der Oefifentlichkeit weitschweifiger äußere und auch zur Judenfrage spreche. Ich sage es Ihnen: Sie können stolz auf Ihre Vergangenheit, auf Ihre Traditionen, auf Ihre Religion, auf die jüdische Ethik sein. Halten Sie strenge die Gebote Ihrer Religion ein, denn wenn man irgendwo die Juden zu verfolgen beginnt, so geschieht dies, weil die Juden sich von den Gesetzen ihrer Vorväter entfernt haben. Halten Sie die zehn Gebote. Beten Sie keine fremden Götter an. Umtanzen Sie nicht das goldene Kalb. Sie können in Ihrer Vergangenheit auf Persönlichkeiten zurückblicken, wie Moses, den großen Gesetzgeber, David, den Psalmensänger, und Salamon, den großen Monarchen und Politiker. Seien Sie stolz auf sie und folgen Sie ihrem Beispiele. Auch im Namen der Vereinigten Staaten danke ich für die mir erwiesene Ehrung, denn mir und den Vereinigten Staaten schweben nicht Rasse, Konfession oder Nationalität vor Augen, wenn wir gutes tun, wenn wir das Elend lindern müssen. Seien Sie gottesfürchtig, religiös, lieben Sie Ihr Vaterland und seien Sie auch fernerhin gute Ungarn!" Stürmischer, unbeschreiblicher Beifall folgte diesen von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten des amerikanischen Philantropen, dessen Name für ewige Zeiten im Herzen eines jeden Ungarn, im Herzen eines jeden ungarischen Juden fortleben wird. Der Tod eines jüdischen Politikers. Vor einigen Tagen ist der Abgeordnete der Nationalversammlung Dr. Alexander Petö, einer der Hauptstützen der "ungarischen demokratischen Partei und ein Intimus des früheren Justizministers Dr. Wilhelm Väzsonyi, gestorden. Dr. Petö hat sich besonders durch seinen energischen Kampf gegen den Hallerschen Gesetzentwurf über den numerus clausus den Dank des ungarischen Judentums erworben. Auch sonst war Dr. Petö' ein unentwegter Kämpfer der Sache des ungarischen Judentums. Die Oedenburger Judengemeinde für Ungarn. „Egyenlöseg" berichtet, daß in einer Sitzung der Oedenburger Gemeinde, bei welcher Herr Dezsö Korein aus Budapest eine Rede hielt, eine Kundgebung für die Abstimmung zugunsten Ungarns beschlossen wurde. Die Budapester Delegation in Paris. Die nach Amerika reisende Delegation der Pester israelitischen Gemeinde, Hofrat Franz Szekely, Oberrabbiner Dr. Adler und Dr. Zahler, ist in Paris angelangt. Sie wurden im Gebäude der Alliance von Baron Edmund Rothschild empfangen. Nachmittags gab Grandrabbiner Lewy ein Diner zu Ehren der Gäste, an welchem die Leiter der Alliance und des Konsistoriums teilnahmen. ^Jugoslawien. Selbständigkeit der Orthodoxie in Jugoslawien. Man berichtet uns aus Jugoslawien: Wie wir erfahren, hat die serbische Regierung die Statuten der Suboticaer (Szabadka) orthodoxen Betgenossenschaft als selbständige orthodoxe Gemeinde genehmigt. Es ist dies der erste Fall, daß in Jugoslawien eine selbständige orthodoxe Gemeinde bewilligt wurde. Die orthodoxe Judenschaft in ganz Jugoslawien wird nunmehr ihre Selbständigkeit erlangen. Den Löwenanteil an der Erreichung dieses Zieles, hat Herr Grandrabbiner Dr. Alkalay — der erst kürzlich eine - der größten , Auszeichnungen vom serbischen König erhielt — welcher der Regierung klarlegte, daß es auch im Interesse des Staates gelegen sei, daß ein Jeder, so auch die konservativen Juden, gemäß den Traditionen ihrer Religion leben können. Die orthodoxen Juden der ganzen Welt werden diese loyale Haltung des Rabbiner Doktor Alkalay zu würdigen wissen. Polen. Die Greueltat in Pinsk. (JPZ) In Erledigung der Sejm-Resolution vom 24. März bezüglich der bekannten Vorfälle in Pinsk richtete Ministerpräsident Bude in der Turnergasse Nr. 3, sie heißt Volksverband oder Vereinigte Jüdische Parteien. Sie kommen da in ein kleines Zimmer, darinnen sitzen nicht mehr als drei Leute, aber durch ähnliche Vorspiegelungen gelingt es ihnen, eine unabsehbare Volksmenge vorzumachen, daß sie schwören würden, es gäbe 40.000 jüdisch-nationalistische Wähler in der Slowakei, während es im Grunde genommen immer nur dieselben drei Leute sind!" Da war die Reihe des Staunens an uns Wiener! Ponikowski ein Schreiben an den Sejm-Präsidenten, wonach;in der Angelegenheit der Erschießung von 34 Juden und der damit verbundenen Uebergriffe von den Militärbehörden eine Untersnchung eingeleitet wurde, von deren Ergebnis der Sejm seinerzeit verständigt werden wird. Unabhängig davon hat das Kriegsministerium angeordnet, die seinerzeit erhobene Kontribution von 100.000 Rubel wieder zurückzuerstatten. Das Kriegsministerium habe, ohne den Entscheid der anderen mitgebeteiligten Ministerien abzuwarten, bereits die Familien der Geschädigten aufgefordert, schriftlich ihre Schadenersatzansprüche anzumelden. Pole ist Pole. (JPZ) Auf der letzten Sitzung der Sejm-Kommission für Militärwesen wurde das Projekt des Kriegsministeriunis wegen der Grundrechte und -pflichten der Offiziere behandelt. Nach Antrag des Abg. Anusz wurde der Regierungsantrag, wonach jeder polnische Bürger Offizier werden könne, dahin abgeändert, daß in Polen nur ein polnischer Bürger, der Pole ist, Offizier werden könne, obwohl der sozialistische Abg. Liebermann darauf hingewiesen hat, daß Polen von gegen 40 Prozent Nichtpolen bewohnt werde und daß dieser Antrag den Grundbestimmungen der Konstitution widerspreche. Dem Plenum des Sejm wird in dieser Angelegenheit ein Minderheitsantrag unterbreitet werden. „ v Ukraine. Traurige Ziffern. „Jewish Chronicle" meldet aus Riga: Es wird konstatiert, daß in der Ukraine 2000 Pogrome stattgefunden haben. Getötet wurden 150.000 Juden, 200.000 sind verletzt worden. Man zählt bei 50.000 Witwen und 170,000 Waisen. Mehr als 500.000 sind geflüchtet und 40 Prozent der Flüchtlinge gingen an Not und Epidemien zugrunde. Es wird berichtet, daß im Distrikt der Wolga 25 Prozent der jüdischen Bevölkerung an Not gestorben sind. Amerika. Die Arbeit der Brandeis-Partei. (JPZ) Dr. Benderli, der Vertreter der American Palestine Company, ist am 1. November nach Amerika zurückgekehrt. Er berichtet, daß die American Palestine Co. bereits zwei Banken in Palästin organisiert habe, die „Urban Mortgage Bank of Palestinedie hauptsächlich Baukredit erteilen werde — Pläne für die mit Hilfe dieser Bank in Jaffa zu bauenden 400 Häuser liegen bereits vor — und eine „Industrial Credit Bank of Palestine". Ein Zentralbureau in Jaffa wurde errichtet, das beide Banken kontrollieren wird. Fremdengesetze. (JPZ) Senator Harys hat am 19. Oktober im Senat eine Bill eingebracht, wonach die Einwanderung nach Amerika gänzlich eingestellt werden soll. Nach dieser Bill soll die Einreise nur gewissen Klassen von Immigranten erlaubt werden, denen die Einreise auch unter dem jetzt, existierenden Gesetz gestattet ist. — Kongreßmitglied Johnson unterbreitete dem Repräsentantenhaus einen Antrag, wonach Ausländer, die sich um Einbürgerung bewerben, während der Zeit bis zur Bestätigung ihres Aufnahmegesuches zu jährlicher Registrierung bei Beamten öffentlicher Schulen .verhalten werden, wobei sie zu beweisen haben, daß sie eine Schule besuchen und englisch lernen. Beide Bills wurden Komitees überwiesen. Die Föderation der ungarischen Juden in Amerika hat eine Gampagne zur Sammlung von 500.000 Dollar für jüdische Kriegsnotleidende in Ungarn eröffnet. Beim ersten Meeting sprach auch der Mayor Hylan, der Worte der Sympathie für die ungarischen Juden In New York, die er auf 60.000 schätzt, gefunden hat und auch dem Präsidenten Dr. Büchier Anerkennung zollte. Der erste Hilfstag der ungarischen Föderation soll schon 45.000 Dollar gebracht haben. Gebet für die Abrüstungskonferenz. „Hadoar" in New York meldet, daß die orthodoxen Rabbiner Amerikas ein spezielles Gebet für das Gelingen der Abrüstungskonferenz verfaßt haben, das Samstag, den 11. Cheschwan, dem Tag der Eröffnung der Konferenz, in allen Synagogen gebetet wurde. Das Gebet ist im biblischen Stile gehalten, zitiert die schönsten Sätze aus der Bibel, die sich auf den künftigen Weltfrieden beziehen. Ein Delegierter des „Peoples Relief" in Europa. (J.C.B.) Der Paolezionistische Führer Mr. Barnach

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