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Jüdische Presse · 1921-11-04 · 38 (4.11.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
38 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 272 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 stünde natürlich im Gegensatze zu unserer Auffassung und falls es uns aufgezwungen werden sollte, so würde es katastrophal für die zionistische Sache in unserem Lande werden. So'weit es mich persönlich berührt — wenn es auch wenig oder nichts für die Sache bedeutet — würde ich es ablehnen, mich mit einer solchen Bewegung zu identifizieren, oder mit welcher Sache immer, bei welcher eine solche Auffassung ein integrierender Teil wäre. Mir scheint eine solche Richtung als unpatriotisch und ich kann mir nicht vorstellen, daß irgend ein amerikanischer oder englischer Bürger, der sein Vaterland und dessen Verfassung liebt, soll einverstanden sein, sich mit einer Bewegung zu identifizieren, die ihn täglich zu einer Absonderung bringt und in einen Konflikt mit den Ideen und Gefühlen zwischen seiner Loyalität zu seinem Lande und dessen Bestrebungen. Ich glaube auch keine Minute daran, daß Sie ein solches Unding von einer Theorie unterstützen, welche nur eine Spaltung der Kräfte und miteinander kämpfende bitter feindliche Lager schaffen würde und keinesfalls wichtig ist für unser Bestreben, den unterdrückten Juden ein Heim in Palästina zu schaffen, das mit der Zeit zu einem nationalen werden kann. Wenn der Kongreß das Thema eines solchen Nationalismus berühren wird, so wird — meiner Ansicht nach die Bewegung in so viel Teile zerfallen, daß sie Niemand mehr zusammenstellen können wird." Darauf hat Weizmann folgende Antwort in einem Brief an Mr. Untermeyer gesendet: „Es ist kein Schatten von Wahrheit daran, daß der Nationalismus auf der Tagesordnung des Kongresses stand, das ist bloß ein Hirngespinst, das unglücklicherweise in Amerika entstanden ist und ins Ausland herumgetragen wird. Es ist wahr, daß gewisse zionistische Gruppen, besonders die polnische, an lokalen politischen Fragen in Polen teilnehmen, das haben sie aber nicht als Z ionisten, sondern als polnische Juden geta n (!?), die Zionisten waren (II); wie denn es öfters, besonders in europäischen Ländern vorkommt, sind die Zionisten die aktivsten Mitglieder der jüdischen Gemeinden und sie nehmen daher Anteil an allen jüdischen Gemeinden. Di e zionistischeOrganisation hatjedoch stets streng vermieden, in die innerpolitischen Fragen hineingezerrt zu werden, indem sie stets der Tatsache bewußt war, daß dies die Zerstörung des Zionismus bedeuten würde (!!). Vor drei Jahren, in 1918, als in Paris die Versammlungen von jüdischen Delegationen aller Länder unter dem Vorsitze Macks stattgefunden haben und Bemühungen gemacht wurden, mich in ihre politischen Fragen hineinzuzerren und ich von ihnen, einschließlich Mack, gezwungen werden sollte, meinen politischen Einfluß (kein ajin hora) zugunsten der politischen Forderungen, welche von den jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen neuen Staaten gemacht wurden, zu verwenden, habe ich es entschieden abgelehnt, dies zu tun, mit der Motivierung, das jedes bischen Energie, das uns zu Verfügung steht, muß zugunsten Palästinas ausgenützt werden und daß die politischen Kämpfe einer jeden Gemeinschaft, nur diese Gemeinschaft belasten darf und nicht die zionistische Organisation. Seither ist diese Linie eingehalten worden und ich weiß nichts davon, daß von ihr abgewichen worden wäre." Palästina und die Orthodoxie. Die im Frühjahr von der Wiener Konferenz der Aguda Jisroel beschlossene politische Aktion, die auf eine Umbildung der Jewish Agency nach Artikel 4 des Palästinamandates im Sinne gleichberechtigter Heranziehung der Orthodoxie gerichtet war, hat einen unmittelbaren Erfolg nicht erzielt. Die seit dem Juni dieses Jahres mit dem Colonial Office in London geführten mündlichen und schriftlichen Verhandlungen ergaben zwar, daß die englische Regierung den gerechten Forderungen der Orthodoxie nicht ohne Verständnis gegenübersteht, indessen erklärte sich Mr. Churchill schließlich durch Schreiben vom 2L Oktober außerstande, unter den gegenwärtigen Umständen (in present circumstances) die der Zionistischen Organisation durch den Mandatentwurf bereits eingeräumten Rechte däneben noch auf eine andere Körperschaft auszudehnen. Agudas Jisroel wird sich durch diese vorläufige Ablehnung ihres in erster Linie gestellten Antrages von Nagy Källö und der Szabolcs gewählt. Vierzig Jahre lang wirkte der alte Källewer unter Tausenden und Abertausenden von Gläubigern. Noch heute werden in der ganzen Szabolcs Wunder aus dem Leben des Heiligen erzählt. Nicht nur Juden, sondern auch zahllose Christen haben sich an ihm um Rat oder werktätige Hilfe gewendet. In einem jetzt in London erscheinenden Buche des Dr. M. Wisehnitzer weiß Ber Bolechower, der in jenen Zeiten sich in Ungarn befunden hat, sehr fesselnde Tatsachen aus dem Leben des alten Källewer zu erzählen, woraus hervorgeht, welches Ansehen der verehrte Rabbi und „Rebbe" auch bei Andersgläubigen genossen hat. Neben allen Tugenden und Fähigkeiten, war er auch mit einer prachtvollen Stimme begnadet. Er sang herrlich, verfaßte selbst viele Lieder, zu denen er auch die Melodie komponierte und was fast überraschend klingen wird, er hat auch in ungarischer Sprache, die er vollkommen beherrschte, manches Lied verfaßt. Eines davon hat sich einer besonderen Bewunderung erfreut und bildet noch heute die Repertoir-Nummer chassidischer Hochzeiten und Freudenmalen jener Gegend, das tiefempfundeneLied nationaler Sehnsucht: „Szöl a kakas mär.. Wer von uns hat noch nicht, ohne zu wissen, aus welcher heiligen Seele Text und Melodie entströmt ist, das leidenschaftlich schöne Lied gehört: „Jibone hamikdosch, weir Zion temalle akkor lesz az dm!" Im 70. Jahre seines Lebens rief ihn der Herr zu sich, am 7. Adar des Jahres 5582. Sein Andenken ist noch heute ein gesegnetes. weder in ihrer praktischen Erez Jisroel-Arbeit beirren, noch von der energischen Fortsetzung ihres Kampfes um die politische Geltung der Orthodoxie in und für Erez Jisroel abhalten lassen. Durch drungen von der Ueberzeugung, daß eine lediglich durch die zionistische Partei dargestellte Jewish Agency keinerlei Recht zur Vertretung der jüdischen Volksgesamtheit besitzt, wird Agudas Jisroel vielmehr vor allen maßgebenden Instanzen weiterhin gegen die Monopolisierung der politischen Einflußnahme Erez Jisroel durch eine einzelne, der Thora neutral gegenüberstehende Partei Verwahrung einlegen und die unveräußerlichen Rechte des Volkes der Bibel gegenüber jener einseitigen Parteiherrschaft nachdrücklich vertreten. Sie ist sicher, dabei auf die kraftvolle Unterstützung der thoratreuen jüdischen Massen auf dem Erdenrunde zählen zu dürfen. M unsere Cesen Die enorme Steigerung der Herstellungskosten der Zeitung, die wir bisher nur zum geringen Teil auF unsere Abonnenten übertragen haben, nötigen uns, die Abonnementgebühr für Deutschösterreich und Polen auf K 800, bezw. pol. Mk. und der Einzelnummer auf K 15, bezw. pol. Mk. zu erhöhen. Wie alle anderen Blätter müssen auch wir unsere Leser bitten, diese Erhöhung als rückwirkend zu betrachten. Wir legen zu diesem Zwecke einen Postschein bei und bitten, das Abonnement zu ergänzen. Die Verwaltung der „Jüdischen Presse". H Kritische Rundschau. )£$ Ku-klux klan. Das Lexikon der Demütigungen und der Leiden unseres Volkes ist um ein neues Schlagwort bereichert worden: seine Bedeutung ist nicht weniger unheimlich als der gespenstische Klang: Ku-klux klan. Diejenigen, die ihre Weisheit aus Büchern schöpfen, haben leicht zu urteilen. Ku-klux klan ist eine Art Maffia, die nach 1867 in North-Carolina gegründet wurde. Ueberreste der Anhänger des Sklavenhandels, die gegen die Neger mit Schwert und Feuer wüteten bis der Kongreß 1871 ein Anti-Ku-klux'^lan-Gesetz eingebracht hat, daß dem gesetzlosen Treiben der Ku-klux klan- Banden kein Ende setzen konnte, bis 1872 dem Präsidenten eine diktatorische Gewalt zur Unterdrückung der Ku-klux klan eingeräumt wurde. Diese Bewegung ist nun wieder mächtig aufgeflammt. Es soll 200.000 Ku-klux klan-Mitglieder geben, die dem latenten Haß der Amerikaner gegen die Neger furchtbaren Ausdruck geben. Leider hat diesmal diese nicht zu unterschätzende Gefahr auch die Juden in ihrem Haße miteingeschlossen und hat sich zu einem veritablen weißen Terror ausgebildet. Die K. K. K. hat auch seither sich durch weiße Abzeichen, weiße Kleidung und weiße Masken kenntlich gemacht. Es wäre töricht, in dem von uns des Oefteren gegeißelten Fehler zu verfallen und die Gefahr zu verkennen. Die K. K. K. besitzt große Sympathien bei der Masse und besonders im Süden. Ein Kolossalfilm, der monatelang über sämtliche Lichtbildertheater Amerikas ging „the birth of a nation", hat die Ku-klux klan-Bewegung glorifiziert, und wer die große agitatorische Wirkimg des Films in Amerika kennt, wird es nicht für übertrieben halten, wenn wir behaupten, daß dieser Film die Ku-klux klan-Bewegung aus dem Grabe heraufbeschworen hat. So schwer uns die Feststellung fällt, muß konstatiert werden, Amerika hat seine weiße Terrororganisation. Den Führern obliegt eine große Pflicht, die nicht, mehr mit den spielerischen Methoden der Meetings, Proteste usw. zu lösen ist. In unserer Artikelserie: „Die Krise des amerikanischen Judentums" haben wir dieses Problem ausführlich genug entwickelt, auch hier gilt unser ceterum censeo. Zurück zu den Methoden der Eltern! Bublik über die neue zionistische Exekutive. Der bekannte Misrachist Gedalja Bublik schreibt im New Yorker „Tagblatt" über die neue zionistische Exekutive: In die Exekutive sind Personen gewählt worden, die wohl in der zionistischen Welt als gute Zionisten bekannt sind, aber keine aufbauenden Kräfte darstellen. Abgesehen von den zwei Führern, Weizmann und Sokolow, die sich doch ausschließlich nur mit der zionistischen Politik abgeben, besteht die zionistische Exekutive unter anderem aus folgenden Personen: Dr. Eder, der auch kein starker Mann ist. . . Dr. Motzkin ist eine bekannte Persönlichkeit in der zionistischen Bewegung, er ist idealistisch veranlagt... ein guter Vorsitzender ... er hat aber nicht den mindesten Begriff von den Arbeiten, die Palästina heute erfordert. Jabotinsky hat auf dem Kongreß jedem bewiesen, daß er nicht das Verantwortlichkeitsgefühl besitzt, das ein Führer einer solchen Bewegung benötigt. Jabotinsky ist ein guter Agitator, ist durch und durch Patriot, aber in der Exekutive ist für ihn kein Platz. Lichtheim ist ein guter Beamter, arbeitet mit deutscher Pünktlichkeit, aber von Mitgliedern der Exekutive müßte mehr verlangt werden. Dr. Ruppin war eine Hauptperson im Regime, das in Palästina gar nichts geleistet hat, ist ein schöner Mann. Das Unglück der zionistischen Bewegung ist, daß viele die aufbauenden Kräfte sein sollten, schöne Männer sind. Trotzdem gehört er zu den Besseren in der Exekutive. Prof. Pick wäre ja ein ganz netter Vorsteher im Misrachi und ein ganz nettes Exekutivmitglied, aber als Erbauer ist er denn doch eine zu schwache Kraft. Sprinzak ist auch nicht von dem Kaliber eines Ministers eines Kabinetts und vielleicht wird er sich am meisten wundern, wie er in die Exekutive gekommen ist. Rosenblatt aus Amerika ist unseren Lesern bekannt und sie können sich selbst ihre Meinung %über seinen Anteil an der Aufbauarbeit in Palästina bilden. Man hat ja eigentlich Amerika zu Ehren gewählt. Ich will auch die Tatsache feststellen, daß der Kongreß nicht mit den palästinensischen Stimmen gerechnet hat. Wenn die palästinensischen Juden eine Stimme gehabt hätten, wäre das Ergebnis des Kongresses ein anderes gewesen. Wenn ich sage Erez Israel, so meine ich nicht die Beamten, sondern die Kolonisten und Stadtbewohner. Doch keiner kümmert sich um ihre Meinung. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Vertreter der sogenannten Westjuden fast gänzlich gefehlt haben. Auf dem Kongreß ist es klar geworden, daß trotz der Balfour-Deklaration und San Remo, der Zionismus sich nicht über seine Grenzen hinaus ausgebreitet hat und die außerhalb des Zionismus stehenden Parteien noch immer nicht für sich gewinnen konnte." iiü NACHRICHTEN. ücutsctiöstcrrcicfc. Mitgliederversammlung der Wiener Aguda. Am 1. November fand im großen Saale des Hotel Continental eine überaus glänzend verlaufene Mitgliederversammlung der Aguda statt. Obmann Pappenheim eröffnet dieselbe und berichtet über die allgemeine Tätigkeit, geißelt jene jüdischen Blätter, welche jüdische Wohltätigkeitsanstalten aus Parteiinteresse zu diskreditieren suchen. Er habe die Verwaltung des Joint trotz der Mißstände nie angegriffen, weil man die Spender entmutigt. Hierauf referiert Rabbi Thum im über die Aufgaben der Leitungen des Chinuch. Sehr wirkungsvoll spricht nun Dr. Poll ak über Erez Jisroel. Infolge Unwohlsein des Präsidenten Thum im blieb das Referat über Kriegswaisenfürsorge aus und wurde dieses Referat im Rahmen des allgemeinen Berichtes gehalten. Es folgte das beifällig aufgenommene Referat des Herrn Alfred Stroh, das ein reiches Ge: biet der Tätigkeit zeigte. Generalsekretär Jakob Joel Braun referierte über Propaganda und Organisation und schließt mit einem wirkungsvollen Appell. An Stelle des abwesenden Sch. Schönfeld referierte Gustav Pappenheirn über die Tätigkeit der Jugendgruppe. Nach der Tagesordnung sprach Rabbiner Dr. Kohn und erhob in machtvollen Akzenten dagegen Protest, daß das Thorajudentum in welcher jüdischen Sache immer perhorresziert würde. Auf stürmischen Zuruf erhob sich man Herr Jakob Rosenheim und hielt die Versammlung im Banne seiner glänzenden Rhetorik und brillanten Diktion, die von echter Empfindung durchglüht war. Es sprachen noch die Herren Mosche Porges und Dr. Neumann. Ein ausführlicher Bericht folgt. Aguda-Heim in Wien. Einen neuen Impuls wird das gesellschaftliche Leben der Aguda in Wien durch die nunmehrige Realisierung des langgehegten Wunsches erhalten, indem nunmehr entsprechende Lokalitäten für ein Aguda-Heim gesichert sind, wo sich die Mitglieder in zwangloser geselliger Weise zusammentreffen können. Wir werden demnächst Näheres darüber mitteilen. Die Agudas Jisroel für die jüdischen Flüchtlinge aus dem Burgenlande. Die Invasion der Banden in Eisenstadt trieb einen großen Teil der dortigen Bevölkerung aus der Heimat, um hier in Wien Zuflucht zu suchen. Dank einer Aktion des Ministeriums für Inneres, sind diese Flüchtlinge mit dem Notdürftigsten versorgt worden: Das Ministerium erteilt jedem dieser Flüchtlinge eine, Barunterstützung von K 100 täglich und überdies eine Anweisung an eine Mittelstandsküche auf Mittag- und Nachtmahl. Die auf rituelle Kost reflektierenden Juden hatten selbstverständlich von dieser letzteren Unterstützung keinen Gebrauch machen können und wendeten sich an die

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