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Jüdische Presse · 1921-11-04 · 38 (4.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
38 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Turnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 800*—, Ungarn K 250«-, Tschechoslowakei Kö. 70«-, Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800«—. Einzelnummer d.-ö. K 15 Kö. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10*- Fürs Ausland 100 Prozent Touerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 38 Wien-Bratislava, 4. November 1921 osnn;wn : rrnDDjna - m rryz | 7. Jahrg. DagaiKa. Nagaika heißt die Peitsche, heißt im übertragenen Sinne die Aufpeitschung der Stumpfen dadurch, daß man ihnen die äußeren Verhältnisse unerträglich macht, um sie bis zum äußersten zu treiben, um sie vor eine Situation zu stellen, in welcher sie gar nichts mehr zu verlieren haben und alsdann willenlös irgend einem Gefolgschaft leisten, der mit dem Anspruch auf Führerschaft bewußt diese Lage herbeigeführt hat. Man weiß, welche Rolle diese Nagaika in dem alten zaristischen Rußland bei den Zaristen und bei den Revolutionären gespielt hat. Auch in der jüdischen Geschichte der jüngsten Jahrzehnte gab es die verruchte Idee, daß die Aermsten der Nagaika bedurften, um zu dem Aufschwung „nationaler Selbstbesinnung" zu gelangen. So man mit einem blutenden Herzen voll ehrlicher Liebe davor warnte, war alsbald eine Meute bezahlter, feiler Journalisten zur Hand, um den Warner zum Volksverräter zu stempeln. Die Ansteckungsgefahr einer solchen Nagaikaperiode ist so gewaltig, daß selbst ehrliche Menschen es als ein inneres Bedürfnis empfanden, von diesen „Volksverrätern " ziemlich hörbar, zum mindesten aber sichtbar abzurücken. Man kann nicht wissen. .. . Furchtbarer jedoch als diese Isolation Einzelner, die immerhin eben nur dem Einzelnen schwere Stunden bereitet, ist der Tag des Erwachens. Zwar sind die „Führer" meistens geschickt genug, um sich zur rechten Stunde einen guten Abgang zu sichern und die gerechte Entrüstung der Enttäuschten abermals auf ein falsches Geleise zu schieben, allein den Verführten ist damit wahrlich '-^'^^^ Das .Jüdische Correspondenshureau* meldet: Wir haben i^«^©bt<N^g^^ wahren Gesicht nach zu kennzeichnen, mit heißem Schmerz einen letzten Versuch zu wagen, auf die grimme Enttäuschung vorzubereiten und die Schuldigen vor das Tribunal der Wahrheit zu rufen. Nicht um sie zu strafen, denn den Juden, „die von Juda essen8, ist gewiß ein höherer Richter. Wir gehören wirklieh nicht in die Klasse der Allerkleinsten, denen es post festum eine billige Freude bereitet, Recht behalten zu haben. Allein Hand aufs Herz, wenn wir auch nur vor drei Wochen mit derselben Form gegen den Nationalismus aufgetreten wären, welche jetzt Weizmann in seinem Brief an Untermeyer über den Diaspora- Nationalismus an den Tag legt. (Vgl. „Jüdische Presse", Nr. 37, S. 267.) Man muß es tatsächlich miterlebt haben, wie trotz aller Abmahnungen Herzls von unverantwortlichen Westjuden und ebenso unverantwortlichen Ostjuden der nationalistische Gedanke aufgepeitscht wurde, um zunächst einmal in den politischen Umwegen der armen und enterbten Massen ein Vacuum zu schaffen, um zu begreifen, was diese Erklärung Weizmanns bedeutet. Glaubt man vielleicht, daß die politische Verzweiflungsstimmung ihren Höhepunkt erreicht hat und sieht man vielleicht ein, was eigentlich diese Desperado- Politik tatsächlich erreicht hat, oder fürchten die Herren, die in gemächlichen Regierungsstellen in den Westländern sitzen, daß die zehrende Flamme, die sie in den Massen des Ostens entfacht haben, in nicht allzu ferner Zeit auch auf ihre Heimatländer übergreifen könnte? Sieht man endlich vielleicht auch ein, welch ein tragischer Irrtum es war, — wir wählen absichtlich diese allermildeste Kennzeichnung — die politische Lage der Juden im Dienst einer ziemlich klar zutage tretenden Politik in ein Trümmerfeld verwandelt zu haben? Denn sie ist ein Trümmerfeld, darüber täuschen alle Nationalräte und alle Klauseln über Minoritätsrechte nicht hinweg. Zwar mag geschichtsphilosophisch dieser Schritt nicht anderes bedeutet haben als einen grotesken Versuch einer Assimilation der Gesamt) f. und es stimmt sehr wohl damit überein, daß 4 Faiseure dieser Politik auf allerhöchstem Kothui gegen die Assimilation gedonnert haben, jedenfa ist jetzt einwandfrei klare Situation geschaffen ui man wird sich schon dazu bequemen müssen, d, die Lage der Juden in ihren jeweiligen Heimä_^ ländern eine Sache der Verhandlung zwisch.. diesem Lande und seinen Juden sein wird'. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß daraus rffancher Segen sprießen kann und allen Verleumdungen zum Trotz behaupten wir, daß fast überall trotz der vielfachen Versuche nationalistischer; Verhetzung" das Verhältnis zwischen den Juden und ihren Heimatstaaten ein Verhältnis der Treue geblieben istr Wenn erst einmal die Enttäuschten und Verführten erwacht sind, werden sie die Gestaltung ihres Schiksals selber in die Hand nehmen. Auch in anderer Richtung hat Weizmann durch seine Erklärung Klarheit geschaffen. Es muß sich jetzt zeigen, wieviel am Zionismus wirkliche Zionsliebe und wieviel politische Mache ist. Palästina hat damit aufgehört, in die Rolle eines Nachtasyls sich gedrängt zu sehen. Damit ist viel Ruhe in die ganze Erez Jisroel-Frage getragen, damit ist in die innere Politik eines jeweiligen Landes hoffentlich die alte Ruhe eingekehrt und es ist Aufgabe aller Besonnenen sehr-, behutsam das wieder aufzubauen, was die Nagaika zerstört hat. Hoffentlich hat Weizmann nicht zu spät gesprochen. _ P. K. Cext des Briefes (UefzinattNS a* Untertueyer in Dero Vork. (der Leiter des Keren-hajessod in Amerika. D. R.) hei einem Bankette, das zu Ehren des „Jüdischen Correspondenzbureaus" abgehalten wurde, seine sensationelle Erklärung in der Frage des Diaspora-Nationalismus (Jüdisch-nationalistische Landespolitik. D. R.) gemacht hat. Er stützte sich in seiner Rede auf eine Korrespondenz, welche in dieser Frage zwischen ihm und Wejzmann stattgefunden hat. Wir sind nun in der Lage — meldet das »Jüdische Correspondenzbureau" weiter — diese wichtige Korrespondenz, welche noch vor dem Kongress stattgefunden hat, zu veröffentlichen. Mr. Untermeyer hat in seinem Brief unter anderem geschrieben: pich bin sehr überrascht za erfahren, daß irr den Östlichen Ländern und im Zentrum Europas ejn großer. Teil der öffentlichen Meinung (der Zionisten. D. R) bis zum Extrem geht und den Zionismus als eine einfache Nationalitätenbewegung betrachtet, so weit, daß sie gar fordern und dafür kämpfen, daß die Juden in verschiedenen Ländern sich absondern sollen zu eigenen Gemeinschaften und sich als eine Art Pscudo-Nationalität konstituieren. Es wird gesagt, daß auf dem Kongreß gefordert werden wird, daß diese Richtung als eines der Prinzipien des Zionismus anerkannt werden soll, andere glauben gar, daß er ein herrschender werden soll. Das Der alte Källewer. Zu seinem 100. Todestage. Yon Leopold Grünwald (Budapest). (Schluß.) Rabbi Leb Sores freute sich sehr darüber, eine „große Seele" entdeckt zu haben, dessen Fittiche zu entfalten er helfen konnte; der kleine Eisikl war seinerseits davon entzückt, daß er nun auch Thora lernen und sich dem G-tte nähern könne, den er „so lieb hatte". Sie reisten ab und langten nach wochenlanger Reise in der berühmten Judengemeinde Nikolsburg an, dort saß dazumal der gefeierte fromme Rabbi Schmelke Horowitz im Rabbinatsstuhle. Schon auf dem Wege begann Rabbi Leb Sores den Knaben in der Bibel zu unterrichten und schon in dieser kurzen Zeit machte Eisikl zufolge seines großen Scharfsinnes glänzende Fortschritte. Als sie in Nikolsburg angelangt waren, nahm der Rabbi Abschied, der Knabe brach in Tränen aus und wollte vom Rabbi nicht lassen, der war aber plötzlich verschwunden und der Knabe fand sich allein auf der Straße. Eisikl kam ins Haus des Rabbi Schmelke, der ihn aufs freundlichste behandelte und ihn selbst unterrichtete. Der Knabe erwies sich als ganz außerordentlich fähig, von spielender Auffassung, verbunden mit einem unermüdlichen Fleiße und unersättlicher Wißbegierde und ward Gegenstand der Aufmerksamkeit der ganzen'Stadt. Ganze zehn Jahre lang befand er sich unter der Schulung des großen Rabbi Schmelke und hatte den ganzen Talmud mit allen Poskim durchgenommen. Da sprach sein Meister zu ihm: „Siehe, mein Sohn, Thora hast du genug bei mir erlernt; jetzt aber fahre zu Rabbi Elimelech nach Lizsensz, von ihm wirst du ,Jira' lernen. Ich gebe dir einen Brief an ihn mit, da wird er dich wie seinen eigenen Sohn behandeln; bei ihm wirst du dein Wissen und deine Tugenden vervollkommnen. Nach fünf Jahren aber kehre zu deiner Mutter zurück, die sehnsüchtig deiner harrt." Nicht leicht ward dem zum Jüngling herangereiften Eisik der Abschied vom verehrten Meister. Gedrückten Mutes begab er sich, natürlich zu Fuß, auf den Weg nach Lizsensz. Er sog eine Zeitlang die Straße entlang, da blieb er plötzlich wie angewurzelt mitten in der Straße stehen. Von dem Wagen, der ihm entgegenkam, stieg die wohlbekannte Gestalt eines würdigen Greises herab, der ihm freundlich die Hand entgegenstreckte. Es war Rabbi Leb Sores! j,Eisikltt, sagte dieser milde,, „besteige den Wagen; er trug dich von Källö nach Nikolsburg, er wird dich auch nach Lizsensz führen." Der Jüngling beugte sich außer sich vor Freude über die Hände des Rabbi und küßte sie unter Freudentränen. „Komm, eilen wir", sagte jener, „denn der Lizsenszer Zaddik wartet schon lange auf dich." Später erzählte der alte Kallewer seiner Umgebung oft: „Die Tage, an den es mir vergönnt war, mit ihm zusammen nach Lizsensz zu fahren, war die schönste und kostbarste Zeit meines Lebens. Als ich das erste Mal auf seinem Wagen fuhr, wußte ich nicht wie er sei und was er sei, damals aber konnte ich schon seinen Wert abschätzen". Im Hause des Lizsenszer Rabbi entwickelte unser | Held seine Fähigkeiten und Tugenden außerordentlich. Der Rabbi zeichnete ihn besonders aus und behandelte ihn wahrhaftig wie den eigenen Sohn. Die fünf Jahre verflogen rasch im Eifer des Studiums. •Aber eines Abends sagte der Lizsenszer zu seinem Schüler: „Mein Sohn! Die Zeit ist da, daß du zu deiner Mutter wiederkehrst, wie es dir Rabbi Leb Sores geheißen hat. Kehre daher zu deiner Mutter zurück, nimm du ein Weib, daß deine Mutter sich deiner freue. Nun weihe ich dich zum Rabbi und segne dich mit dem Spruch: Wem du segnest, der sei gesegnet." Er legte ihm segnend die Hände auf das Haupt und sagte: „Wenn du 30 Jahre alt geworden sein wirst, nehme ein Rabbinat an. Sei besonders bestrebt dir anzueignen und zu betätigen große Ahawas Jisroel, Viel Ungemach wird dir begegnen, aber deine Gerechtigkeit wird klar wie der Tag hervorgehen. Geh, sei mazliach! Zwei Monate lange währte die Heimreise. Eisik zweifelte keinen Augenblick daran, daß er seine Mutter wohlbehalten antreffen werde, da es ja der Rabbi versichert hatte. Groß war die Freude des Wiedersehens und es gab viel Erlebtes zu erzählen. Natürlich strömte der ganze Ort zusammen, um den zum anerkannten Raw gewordenen Sohn Reiseis zu sehen. Wie viele hofften damals darauf, daß wieder einmal ein fremder Zaddik bei'ihnen erscheinen werde, um eine „große Seele" zu entdecken, Leider aber, kam nur einmal ein Rabbi Sores nach Nagy Källö und ein Rabbi Eisik Taub lebte nur einmal in der Szabolcs. Wie es Rabbi EJlimelech voraus gesagt hatte, wurde R. Eisik Taub im 30. Lebensjahre zum Rabbi Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Flei«pliWI»rMJ51Telephon 67.302 Große Auswahl in Damennelzmänteln, Füph&en, Herrenpelzen, Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte. Schiff* Felzwarenhaus

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