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Jüdische Presse · 1921-10-14 · 36 (14.10.1921) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
36 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 260 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 Die arabische Delegation nach Amerika. Die in London befindliche Delegation will nach Amerika gehen, um dort finanzielle und politische Hilfe zu suchen. In Amerika gibt es sehr viele Araber. (Die Delegation wird schwerlich hinüberfahren, um den dortigen Araberführer zu stürzen, weil er über das VVettef spricht.) Engelman. Das Exekutivmitglied des Joint Distribution Committee und Finanzsekretär des Zentral Relief Committee, Morris Engelman, ist von seiner zweimonatlichen Reise aus Zentraleuropa im September auf der „Aquitania" in New York eingetroffen. Er besuchte Frankreich, Schweiz, Tschechoslowakei, Karpatho-Rußland, Ungarn, Jugoslawien, Siebenbürgen und Deutschland, wo er mit führenden Persönlichkeiten des jüdischen Lebens Besprechungen hatte, und besuchte auch mehrere kleinere Ortschaften, um aus eigener Anschauung sich ein Bild über die Lage machen zu können. Engelman, der sich von New York' nach den,großen Städten Westamerikas begibt, um auch dort die führenden jüdischen Persönlichkeiten für die Ergreifung sofortiger Hilfsmaßnahmen zu interessieren, erklärte einem Pressevertreter unter .anderem', er habe einen gründlichen Bericht nebst zahlreichen photographischen Aufnahmen, die die gegenwärtige Situation der Juden in Zentraleuropa beleuchten, ausgearbeitet, den er demnächst Felix M. Warburg, dem Vorsitzenden des „JDC, Leon Kamaiky, Vorsitzender des Central Relief Commitee und Doktor Cyrus Adler, Vorsitzender des Komitees für Zentraleuropa und am 28. September den Vertretern der ungarischen Judenheit in New York unterbreiten wird. Neben der so nötigen Hilfeleistung für Rußland, sollte die amerikanische Bevölkerung die Tatsache nicht außer acht lassen, daß auch in vielen Teilen Zentraleuropas die Lage eines großen Teiles* der Bevölkerung, besonders der Kinder, gleichfalls eine trostlose ist. Es ist die große Mittelklasse der Bevölkerung in allen Ländern Zentral,europas, die . am härtesten betroffen wird. Der ganz Mittellosen nehmen sich opferfreudig jene Kreise an, die noch etwas besitzen und es gibt überall immer noch eine wohlhabende Klasse, aber die sich selbstrespektierende Mittelklasse, die allgemein keine Almosen akzeptieren kann oder will, hat nicht genügend Mittel, um sich mit den Notwendigkeiten des Lebens zu versehen, zu den heutigen für sie unerschwinglichen Preisen. Hierin liegt die große Gefahr und die Bedrohung Europas. Diese Verhältnisse und die Notwendigkeit, das Leben der Kinder zu erhalten, unter denen zahlreiche Tuberkulose in sehr fortgeschrittenem Stadium sich befinden', sind zwei Probleme, die Amerika und die amerikanische Generosität helfen soll, zu lösen. Ueberau* konnte die Bevölkerung nicht genug Worte der Dankbarkeit für ihre amerikanischen Wohltäter finden, die. sie in ihr Herz geschlossen haben. Nur G-tt kann den Amerikanern die vollbrachte große Hüte vergelten. Dies ist. der Ausdruck aller. Dr. Nathan Birnbaum hat nach drei Monaten eifriger Tätigkeit zugunsten der Aguda am 17. September Amerika verlassen, um nach Europa zurückzukehren. Neue Preßagentur. In New York wurde von den jüdischen Zeitungen eine neue jüdische Preßagentur „National Jewish Preß Association" gegründet, zwecks ehester. Vermittlung aller die jüdischen Zeitungen interessierenden Nachrichten, die von d'en Zeitungen selbst kontrolliert wird. General Manager dieser Presseagentur ist M. F. Seidman und Assistent Manager S. Zuckernian. England. Der harbe Balfour. Kardinal Bourne, das Haupt der englischen Katholiken, hat sich auf der in Leicester stattgefundenen katholischen Konferenz scharf gegen die Balfour-Deklaration geäußert. Er zweifle, ob Balfour über das, was er versprochen hat, sich Rechnung gegeben habe, doch könne man sich nicht vorstellen, daß das englische Kabinett ein Versprechen gemacht habe, ohne dessen tiefe Bedeutung zu begreifen. Dieses Versprechen wurde allerdings von Churchill in Palästina verwässert, aber wenn die Balfour-Deklaration nicht ganz bestimmt formuliert ist, dann solle man sie besser zurückziehen, denn sonst werde sie von Blut weggewischt werden. Sie bringe dem guten Namen Englands großen Schaden. Der Bischof von Jerusalem. Dr, Mack, der bisher als Zionistenfreund galt, hat in der in London stattgefundenen Sitzung unter dem Präsidium des Bischofs von London heftig die Zionisten angegriffen. Er erklärt, daß die Araber aufgeregt seien, weil die Zionisten erklärt haben, daß Palästina „so jüdisch sein werde, wie England englisch". (Weizmanns Kinderbewahranstalts-Stil)). „Times" und die antisemitische „Morning-Post" bringen einen großen Bericht über diese Rede. Rußland. Der neue Kurs. Aus der Ukraine in Polen eingetroffene Flüchtlinge berichten, daß infolge des neuen Wirtschaftskurses der Sowjetregierung der jüdische Kleinhandel wieder aufzuleben beginnt, insbesondere in Städten mit großer jüdischer Bevölkerung. Not der jüdischen Kolonisten. Nach Zeitungsberichten befinden sich die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Südrußland in einer trostlosen Lage, infolge der diesjährigen Dürre. Nach Angaben, die allerdings noch aus dem Jahre 1919 stammen, gab es damals in Südrußland 36 große jüdische Ackerbaukolonien mit über 60.000 jüdischen Kolonisten, die zirka 340j000 Joch bebauten. Die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und Ackerbaues unter den Juden „ORT", erließ deshalb an sämtliche ausländischen Organisationen einen Aufruf, mit der Bitte um eheste Hilfeleistung für diese jüdischen Siedlungen. Nach aus Moskau in Riga eingetroffenen Nachrichten, hat das jüdische Departement im Volkskommissariat für Nationalitäten eine Konferenz der jüdischen Ackerbautreibenden .Sowjetrußlands einberufen, die sich in erster Reihe mit der trostlosen Lage dieser jüdischen Kolonien in Südrußland befassen und Mittel und Wege suchen soll, um sie vor dem Untergang zu bewahren. J. P. Z. Eitauen. Ahasvertum. Der . Kownoer S.F.-Korrespondent der „JPZ" berichtet: Der Strom dei\Rückwanderer aus Rußland wächst von Tag zu Tag. Jeder Zug bringt zahlreiche Familien, obwohl erst jetzt die Reevakuierung aus der Ukraine begonnen hat, wo der größte Teil der litauischen Juden konzentriert ist. Die Ankommenden sind meist Opfer der kommunistischen Wirtschaft und Pogrome und vollständig mittellos. Ihre Hoffnung, in ihrer Heimat bald Arbeit finden zu können, dürfte sich nur schwerlich erfüllen. Besonders schlimm steht es mit der Wohnungsfrage, da die meisten litauischen Städte im Kriege^arg gelitten haben; die meisten Flüchtlinge bleiben obdachlos, da sie keine Mittel haben, um Neubauten zu errichten. Von der so nötigen Wiederaufbauhilfe beginnt man erst jetzt, wo die Lage fast katastrophal ist, zu sprechen. Das Joint hat für diesen Zweck eine bestimmte Summe assigniert, nachdem der Leiter des Wiederaufbaudepartements des Joints-, Landesco, zu einer Verständigung mit dem Jüdischen Nationalrat in Litauen gekommen ist. Zu diesem Zweck ist für den 7. Oktober eine Wiederaüfbaukonferenz nach Kowno einberufen, an der sämtliche Direktoren des Joint in Europa, der Jüdische Nationalrat und die Zentralen der jüdischen ökonomischen Organisationen, die an der Aufbauarbeit interessiert sind, teilnehmen werden. Zu gleicher Zeit tritt der Nationalrat zusammen, um das Wahlstatut für die bevorstehende Tagung der jüdischen Gemeinden (Waad Hakehiloth ) zu bestätigen. Die Tagung der im Frühjahr neugewählten Gemeinden hat zur Aufgabe, die Wahl eines neuen Nationalstes, der für die nächsten zwei Jahre an der Spitze der jüdischen nationalen Autonomie zu stehen haben wird, vorzunehmen. Die Gesetze, die diese Autonomie betreffen, sind bereits durch den Ministerrat, aber noch nicht den Sejm genehmigt. Friedmanns Nachfolger. An Stelle des unlängst verstorbenen Mitgliedes der jüdischen Fraktion im Parlament, N. M. Friedm ann, tritt der Direktor der Poniewiescher jüdischen Volksbank, Landau ins Parlament ein. ( Defraudation von Thora-Rollen. In Noworedek bei Wilna ist man einem empörenden, systematischen Diebstahl von Sifre Thoros auf die Spur gekommen, der vom Gabai des dortigen Beshamidrasch und Helfershelfern begangen worden ist. Ueber 30 Thorarollen sind auf diese Weise verschwunden. Einige sind in Slonim gefunden worden. Die Sache ist dem Gerichte übergeben worden. Palästina. Salmen Barsei, Besitzer einer Tabakfabrik, erwarb käuflich die ganze Hauptstraße Jaffas, die sogenannte Bostrosstraße, wo sich 26 Häuser und 80 Magazine befinden, nebst dem großen Hotel „Kaminitz*. Außerdem beginnt Barsei sofort mit dem Bau von 39 Magazinen mit zehn darüber errichteten Häusern auf dem Platze neben der Bostrosstraße, in den sogenannten „Alleen König Geörgs". Jüdische Handelskammer. Am 26. September wurde in Haifa in Anwesenheit von Vertretern der verschiedenen Regierungsdepartenients in offizieller Weise die jüdische Handelskammer eröffnet. J. P. Z. Die Polizei. Die von der Regierung beschlossene Organisierung einer neuen Musterpolizei (Selectedpolice) ist in vollem Zuge. Die Polizei wird aus Reitereskadronen, einer Kameleskadron und zwei Fußeskadronen bestehen. Juden und Araber werden in gleicher Zahl, zirka 175. aufgenommen, neben einer gewissen Anzahl von Tscherkessen. Bisher haben sich beim Waad Leumi jüdische Kandidaten in gr.oßer Anzahl gemeldet. €iscnfcilspänc. Der Zionismus ist von einein «roßen Unternehmen hinab gesunken zu einer großen Unternehmung. Der Talmud entlieht die Frauen von Mizwos sche-luisman gromö, Gebote, die von der Zeit bedingt, sind. Unsere Frauen huldigen aber nur dem Gebote der Zeit. Wie ein reiner Spiegel den Sonnenstrahl auch auf andere übertrügt, so muß rin edles Merz jeden Glückstrahl, den es empfangt, aul' den Nfie.hsl.eii überstrahlen. Es gibt nichts Undeklarieileres als die Balfour-Deklaration. 'Parddii, ich zitiere bloß die Bibel (Klagelieder, Kap. (j): „Unsere Krone ist gefallen, web uns, wir haben gesiindigl!" TSCHECHOSLOWAKEI. Ptnsions-, Kranken- und Unfer$tiit2ung$fond$ der ortft. Gemeinden der Slowakei. An die orth. isr. Gemeinden der Slowakei! In den ernsten Tagen des. erhaben Elulmonates ergeht an Euch, Führer der glaubenstreuen Gemeinden unseres Landes der Ruf, in diesen der Wohltätigkeit geweihten Wochen mitzuschaffen an einem wahrhaften Werke der „Zedoko" im besten Sinne des Wortes. „Gerechtigkeit" nicht „Almosen" nennt sich in unserer heiligen Sprache die Pflicht des Wohltuns. Dieser idealen Auffassung sozialer Bruderpflicht entspricht der von der orthodoxen Landeskanzlei geschaffene Pensions-, Kranken- und Unterstützungsfonds der Kultusbeamten. Eine alte Ehrenschuld der jüdischen Gemeinden der Slowakei erfährt mit der Schaffung dieser Institution die längst gebotene Austragung. Es ging nicht länger an, daß die Führer der Gemeinden, .-diese verantwortlichen Vollstrecker des heiligen Dreigebotes von Thora, Awoda und Gemilachassodim den schweren Vorwürfen standhalten mußten, mit der Notlage der Kultusbeamten gegen jedes dieser drei Gebote zugleich gefehlt zu haben. Es ging nicht länger an, daß die Kultusbeamten, diese Träger geheiligter Institutionen der Sorge, der Ungewißheit um ihr und der ihrigen Los preisgegeben sein sollten, daß der Lohn eines restlos der Awoda gewidmeten Lebens so nichts anderes als ein ungleich ärmlicheres, zukunftsbanges Dasein bilden sollte. Nicht die Leitung sondern die Verhältnisse der Gemeinden, die stärker als der gute Wille waren, haben diesem traurigen unrühmlichen Zustand erhalten können und nur eine kollektive, zentrale Aktion, wie die der orthodoxen Kanzlei war im Stande, die Möglichkeit der Tilgung dieser Schuld zu bieten. Tut Euer Bestes! Statuten des Pen$ion$- und JHter$ver$orgung$- Tn$titute$ für die Beamten der orth. israel. Hultusgemeinden in der Slowakei. § 1. Sämtliche Angestellte der orth. isr. Kultusgemeinden in der Slowakei, und zwar: Oberrabbiner, Subrabbiner, Schächter, Religionslehrer, Sekretare und Tempeldiener, zirka 1000 (Eintausend) an Zahl, sind Mitglieder des Pensions-- und Altersversorgungs-Institutes und erhalten aus der Kasse desselben nach einer weiter naher bestimmten Reihe von Dienstjahren eine Pension, res]), eine Altersversorgungszulage. § 2. Die Pension resp. Altersversorgungszulage aller erwähnten Angestellten darf die .Höhe von Maximum Kc 6000 (Sechstausend), die der Tempeldiener die Höhe von Maximum Kß 3000 (Dreitausend) nicht übersteigen. § 3. Oberrabbiner können nicht pensioniert werden und erhalten dieselben die Pension in 'Form einer Alterszulage, und zwar:" Nach 15jähriger Dienstzeit 20 Prozent, nach 25 jähriger Dienstzeit 50 Prozent der maximierten Pensionssumrne. Nach 35jähriger Dienstzeit wird den Oberrabbinern der volle Pensionsbetrag von Kc 6000 (Sechstausend) als Alterszulage ausgefolgt. < § 4. Alle anderen oberwdhnten Angestellten erhalten im Falle der Invalidität schon nach 10 Dienstjahren 20 Prozent und nach jedem weiteren Dienstjahre 4 Prozent der maximierten Pensionssumme, so daß dieselben schon nach 30 jähriger Dienstzeit in den Genuß des vollen maximierten Pensionsbetrages gelangen. Die Invalidität hat durch. den Arzt des Pensionsinstitutes festgestellt zu werden. Gekündigten Angestellten kann das Institut eine Pension nur freiwillig zusprechen. § 5. Um allen oberwähnten. Angestellten dieser Wohltat teilhaftig werden lassen zu können, ist jeder einzelne Kultusbeamte, wie auch dessen orth. isr. Kultusgemeinde, nach jedem einzelnen ihrer Angestellten verpflichtet, je .5 Porzent der als Maximum bestimmten 'Pension alljährlich als Prämie

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