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Jüdische Presse · 1921-10-14 · 36 (14.10.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
36 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 258 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 der religiösen Inbrunst der Ostjuden glimmt, den Urgrund des Judentums in die Brust des Einzelnen verlegt und so in engste Beziehung zu dessen individueller Erlebnisfähigkeit gebracht, so sieht Hermahn Cohen, der große Marburger Philosoph, gerade in der Ausschaltung aller rein subjektiven Elemente dessen besonderen Charakter. iSicht der Monotheismus an sich macht die ungeheure Ueberlegenheit des Judentums gegenüber den heidnischen Religionen aus, sondern die Strenge, mit der die jüdische Gottesidee gegen jeden Versuch gewahrt wurde, in die Niederungen des individuellen Vorstellungsvermögen herabgezogen zu werden. G-tt ist Vertreter und Vorbild der Sittlichkeit, und die G-ttesidee muß in letzter Konsequenz zu einem Hilfsbegriff der Ethik verblassen. Und der besondere Vorzug der jüdischen Religion bestünde eben darin, daß sie ihre Bekenner davor bewahrt, sich in Phantasien über Jenseitiges zu verlieren, daß sie sich für alles, was außerhalb des menschlichen Daseins liegt, gar nicht 'sonderlich interessiert, kurz, daß sie mehr Wissenschaft als Religion ist. Es ist hier nicht der Platz, diese Gedankengänge noch genauer darzustellen. Und es würde in diesem Zusammenhange auch zu weit führen, Rosenheims Kritik Punkt für Punkt durchzugehen. Nur so viel sei hier gesagt, daß diese Kritik keineswegs von irgendwelchen Voraussetzungen ausgeht, sondern die Schwäche all dieser Konstruktionen an ihnen selbst nachzuweisen sucht. — Wenn es, wie Buber selbst zugibt, die Forderung des Judentums ist, der Welt den Stempel des G-ttlichen aufzudrücken, dann kann das bloße gefühlsmäßige Aufgehen in einer Idee nicht genügen. Denn diese Forderung kann nur im ständigen Kampf gegen das Ung-ttliche, das allem Irdischen anhaftet, erfüllt werden, bedeutet also die Unterordnung des sinnlichen Trieblebens unter eine höhere Idee. Alles rein Gefühlsmäßige, das sich der reguliei enden Tätigkeit des Intellekts entzieht, hat seine Wurzeln im Triebhaften, auch wenn es sich in der Sphäre des religiösen Erlebens abspielt. — Aber auch Cohens Verdünnung des Judentums zu einer Wissenschaft vom sittlich guten Handeln des Menschen ist nichts weiter als eine künstlich konstruierte Abstraktion. Wenn alles, woran der Jude glaubt, nur Fiktionen sind, um das Gebäude der Ethik zu stützen, wenn auch der G-ttesidee jede Selbständigkeit geraubt wird, dann schwindet die erste und wichtigste Bedingung allen religiösen Lebens: die Gewißheit von der Realität des Zieles. „In dem luftleeren Raum der reihen Erkenntnis, die Welten aus Begriffen gebiert, stirbt alles Lebendige, sterben Begeisterung und Kraft, Märtyrerfreude und Selbstvergessenheit unrettbar dahin." Allen diesen Ausschnitten aus dem lebendigen Leib des Judentums, deren jeder für sich nur ein „Teiljudentum" bedeutet, wird die Synthese von verstandesmäßiger Klarheit und gefühlsmäßiger Innigkeit gegenübergestellt, wie sie das überlieferte Judentum dem unbefangenen Beobachter darbietet. Der Glaube an G-tt und' an die objektive Gültigkeit seiner Gesetze enthebt den jüdischen Menschen der Notwendigkeit, die Grundlagen seiner Weltanschauung erst erfinden zu müssen. Dieser Glaube hemmt nicht den freien Flug des Geistes und tötet nicht die Regungen des Gefühls — die starre Gesetzesreligion, die den Gläubigen erdrückt, ist das Judentum nie gewesen — aber er schützt die sich ins Weite sehnende Seele davor, sich im Nebel des. Unglaubens und des Aherglaubens zu verirren .... Mit einer etwas kürzeren, aber darum nicht minder eindringenden Darstellung von Klatzkins „Probleme des modernen Judentums", in dem die letzten Forderungen des jüdischen Nationalismus aufgestellt werden, und Breuers den gerade entgegengesetzten Standpunkt einnehmenden „Messiasspuren" schließen Rosehheims Ausführungen. Schon aus diesen wenigen Andeutungen mag man den Gedankenreichtum des Buches erkennen. Eine ausführliche Inhaltsangabe war hier weder möglich, noch beabsichtigt. Vielleicht genügt aber schon dieser kurze Hinweis, um in manchem das Verlangen zu erwecken, nach Rosenheims Schrift zu greifen und sich in einer Stunde geistiger Sammlung in seinen Inhalt zu versenken. Die Schönheit der Sprache, die stellenweise pathetischen Schwung erreicht, ohne daß hiedurch die Klarheit der Darstellung beeinträchtigt wurde, die übersichtliche Anordnung des Stoffes, die scharfe Herausarbeitung entgegengesetzter Gedankenreihen — das alles macht die Lektüre des Buches zu einem hohen Genuß. Wer sich im Gestrüpp neujüdischer Probleme nicht allein zurechtfindet, dem wüßten wir keinen besseren Führer. P. S. Spendet für die 3ugendpppe! Das Ende der Geduld. Der Schmerz und der Zorn über das zynische Treiben der Weizmann-Garde auf dem heiligen Boden Erez Isroels hat endlich die Schranken der gebotenen Zurückhaltung durchbrochen und die lange in der Tasche geballte Faust der Frommen fuhr empor und sauste auf die Rücken der „Kulturträger" des Zionismus Weizmann und Sokolowscher Couleur nieder. Die elementar hervorbrechende Volkswut verjagte die g-ttlose Gesellschaft, welche noch alle Leistungen auf dem Gebiete des Ackerbaues, der Industrie, des Handels und der Lösung der Araberfrage schuldig geblieben ist, und — wie jener Afrika-Neger, der nackt mit Zylinder und mit Manschetten, als erste Errungenschaft der europäischen Kultur, herumstolziert — vor allem Zirkusse, Vaudevilles und Kaffeehäuser etablieren, um den Chilul Schabbos be-farhesjo gewiß kräftig ad oculos demonstrieren zu können. In ihrer bekannten Bescheidenheit haben sich die beiden Inhaber der Firma Messias &,Co., Weizmann und Sokolow des Oefteren mit Nehemia verglichen. Aber Nehemia hat in der Affäre der Züchtigung wegen Sabbatschändung eine durchaus aktive Rolle gespielt, während die Weizmänner in Jerusalem bei den Sabbatprügeln Nehmer und nicht Geber waren. Nein, Esra und Nehemia kommen erst. Sie sind auch damals später gekommen. Was da heute im Namen Zion in Erez Isroel kreucht und fleucht, das sind die geistigen Nachkommen jener Pioniere, die auch an Sabbaten — Geschäfte gemacht haben und deren Maßregelung noch die spätesten Generationen mit Genugtuung erfüllt. Der Tempel, den Serubabel erbaut hat, er konnte von feilen Sabbathändlern nicht gehalten werden und wurde eine Beute der Feinde. Die glaubensstarke Garde Esra und Nehemias konnte die Veste G-ttes erbauen und erhalten. Jabotinsky, der „erwachende Jude". Unter Assistenz der Mitglieder des zionistischen A-C, Oberrabbiner Dr. Chajes und Landtagsabgeordneter Robert Stricker, die alles aufgeboten haben, um Jabotinskys Auftreten zu einem Erfolg zu gestalten, betreibt Wladimir Jabotinsky hier eine unerlaubte Agitation. Der XII. Zionistenkongreß, dessen Delegierte ihre Köpfe zu,, nichts anderem als zum Ja-Nicken zu besitzen schienen, war bei aller guter Dressur njcht zu bewegen, das Hindernis der Legion zu nehmen. Die „Wiener Morgen-Zeitung" berichtet darüber, daß Jabotinsky die Aufstellung der Legion durchaus vor den Kongreß bringen wollte, da aber keine Aussicht bestand, daß der Kongreß die Legion bewilligen würde, so begnügte sich Jabotinsky mit derstillschweigendenZurkenntnisnahme seines Projektes. Wäre der spiritus rector der edlen „Morgen-Zeitung" nicht gewesener Reichsratsabgeordneter, so würde man diese beispiellose Hintergehung des Kongresses nicht anders als einen Mangel an Kenntnis des konstitutionellen Lebens betrachten. Mit Herrn Stricker, einem der besten Kenner und Praktiker des Faustrechtes, ist überhaupt nicht mehr über Recht und Gewalt zu diskutieren. Aber an den Oberrabbiner von Wien haben wir denn doch gewisse Ansprüche. Die Aktion Jabotinskys ist in jeder Hinsicht eine unerlaubte! Der XII. Zionistenkongreß wollte die Legion durchaus nicht! Der schmähliche Winkelzug, von dem die „Wiener Morgen-Zeitung" erzählt, daß die Legion stillschweigend genehmigt sei, ist eine.....! Als Vorsitzender des Aktionskomitees hat Dr. Chajes Protest gegen die auch vom Standpunkte der zionistischen Verfassung aus ungesetzliche Handlung Jabotinskys einzulegen, und als Oberrabbiner müßte er sogar dagegen protestieren, wenn der Kongreß das unverantwortliche Abenteuer Jabotinskys legalisiert hätte. Jabotinsky durfte nicht' in die Exekutive gewählt werden. Wenn er durchaus die Rolle des zionistischen Ostenburg spielen will, so darf sich die Leitung nicht mit ihm identifizieren. Jabotinsky mag vielleicht der ehrlichste Mann der Exekutive sein. Er ist aber das rote Tuch für die Araber, und das ganze Judentum will friedliche Verständigung mit den Arabern. Die Herren Weizmann, Sokolow und Jabotinsky wirken in der Araberfrage einfach als agents provocateurs. Es liegt eine unverkennbare Tendenz vor, das ganze Judentum gegen die Araber aufzubringen. Angesichts eines Kongresses, der durchaus eine friedliche Verständigung mit den Ajabern wünscht, haben die Dreie alles aufgeboten, um das Verhältnis zu den Arabern zu vergiften. Der haßvolle Angriff Jabotinskys auf die Araber wurde nicht nur von der Leitung geduldet, sondern Sokolow hat noch einen böseren Zug &etan, der nicht so verstanden wurde, aber von schlimmerer Bedeutung ist als der berüchtigte Passus Jabotinskys von „den moralisch Schwarzen". Der Auch-Präsident Sokolow hat ohne Anlaß sich bewogen gefühlt, den Armeniern die Sympathie des jüdischen Volkes auszudrücken. Das heißt eine Kriegserklärung an die Mohammedaner. Der Waschlappenkongreß hat natürlich applaudiert, wie immer, wenn die verehrten Götzen einen pathetischen Satz gesprochen haben, und wir wollen wetten, daß zumindest die Hälfte nicht einmal ahnte, daß damit Schach den Mohammedanern! gerufen wurde. Jeder humane Mensch wird ja die Leiden der Armenier bedauern, und es ist niemandem benommen, an einer Aktion für die Armenier teilzunehmen. Der Zionistenkongreß durfte aber zu dieser Frage keine Stellung nehmen. Schon im Interesse der Armenier nicht, denn als bei der Völkerbundssitzung ein Antrag auf eine Resolution zugunsten der Autonomie der Armenier gestellt wurde, so wurde dieser Antrag abgelehnt mit der Begründung, daß. den Armeniern, die jetzt unter der Gewalt der Türken stehen, eine solche Kundgebung nur schaden könnte. Das ist Gewissenhaftigkeit! Warum ist das Aktionskomitee nicht von solcher Gewissenhaftigkeit gegenüber seinen eigenen Brüdern in Erez Jisroel erfüllt? Was ist das?! In Karlsbad fand nebst den zahllosen Sitzungen auch die Plenarsitzung des „Komitees der jüdischen Delegation" statt, dessen Daseinsnotwendigkeit ebenso unaufgeklärt ist, wie die des Blinddarmes in der ärztlichen Wissenschaft.'Dieses Komitee ist bekanntlich die Zentrale der jüdischnationalistischen -Politik und dient hauptsächlich dazu, dem Märchen vom „Rate der Weisen von Zion" Nahrung zu geben. Das K. d. J. D. wird von niemandem, als sich selbst ernst genommen. Der sichtbare Erfolg ist bloß das glänzende Repräsentätions-Apparfement Sokolows, sein Auto, und seine ungebetenen Besuche bei diversen Staatsmännern. Wie gesagt, das Komitee hielt in Karlsbad seine Plenarsitzung und kühn gemacht, durch brillante Dressur der Kongreßdelegierten, wagte die Leitung, nach dem Berichte der „Jüdischen Preßzentrale", folgenden Beschluß: „Bei Besprechung des Budgets wurde darauf hingewiesen, daß weitaus die Hälfte der Aktionen des K. d. J. D. in der Bekämpfung der Pogrome (!) und Abwendung von Massenkatastrophen (!), insbesondere von Massenausweisungen (!) beständen (bestünden Kri). Es bestehe daher eine moralische Berechtigung (!) fürdielnanspruchnahme von Geldern der Hilfskomitees (!). Aus diesem Grunde wurde beschlossen, daß die Hälfte der für das Komitee erforderlichen Summen von einer Reihe von Hilfsorgansationen, denen auch in den Plenarsitzungen eine gewsse Kontrolle einzuräumen wäre (d. h. man bietet ihnen für <die Auslieferung des anvertrauten Geldes an das K. d. J. D. ein Mandat an), geleistet werden müssen." Das ist schlanker Mißbrauch anvertrauter Gelder! Wir werden jeden Funktionär, welcher Hilfsorganisation immer, der auch nur den minimalsten Betrag von Geldern einer Hilfsorganisation für Sokolows politische Spiegelfechterei opfert, einen Korruptionisten nennen. Es ist unwahr, daß das K. d.J. D, auch nur den leisesten Einfluß auf irgendwelches Geschehen im Judentume ausübt, geschweige, daß irgend eine wirksame Aktion bei Pogromen und Massenkatastrophen zu verzeichnen wäre. Das K. d. J. D., wird von dem weitaus größten Teile des Judentums als eine ernste Gefahr, geradezu als ein Beleg zu dem Märchen des „Rates der Weisen von Zion" betrachtet. Aber auch gerade die bedeutendsten und verantwortlichen Persönlichkeiten des Zionismus bekämpfen die Methoden, des K. d. J. D. auf das Heftigste. Selbst die ewig Ja-nickenden Pagoden des XII. Zionistenkongresses scheuten vor diesem Hindernis des Gewissens. Der XII. Kongreß, diese große Kinderstube mit den ewig in die Hände klatschenden Eno jodea lischeol's, hat in beispiellosem Leichtsinn dem Herrn eine Macht in die Hände gespielt, die dieser am besten zu mißbrauchen entschlossen ist. Die schändliche Zumutung, daß das Geld Von Hilfsorganisationen zu den politischen Vergnügungsreisen Sokolows und Konsorten verwendet werde, ist die Fortsetzung des bisherigen Mißbrauohes des Jointgeldes seitens der Exposituren in Polen „und in der Tschechoslowakei, welches Manko nun auf diese Weise ersetzt werden muß. Bankhaus Au. B. Friedman?! & Co. Wien I., Wippliiigerstraße Nr. 16 (Einbau}?Schwert*. 3) Tel. Nr. 01-0-22 iiiternrbau Übernimmt zur kulantesten Besorgung alle bankmäßigen Transaktionen. Schiff' Felzwarenhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Große Auswahl in Damenpelzmänf ein, Füchsen, Herrenpe zen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.

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