Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 35 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 248 JÜDISCHE PRESSE Nr. 35 Mizwah, die höher bewertet werden kann, als das Thoralernen für Hunderte von Kindern zu ermöglichen. Spenden werden täglich von 10 bis 12 Uhr in der Kanzlei der „Jesod Hathora", II., Nestroygasse 11, und in der Kanzlei, der »Adas Jisroel", II., Große Schiffgasse 1 a, entgegengenommen. Aufruf i Fünfzehn Jahre wirkt der Verein .Einheit", Volksspeisehallen in Wien, II., Malzgasse 12. Schwer war unser Anfang, drückend waren die Jahre des Krieges, keine Zeit war aber sorgenvoller und lastenreicher als die jetzige, das dritte Jahr des sogenannten Umsturzes. Wer weiß nicht, wie die Teuerung taglich wächst, wie Löhne und Gehalte steigen, weil Brot und Mehl, Fleisch und Fett, Gemüse und Hülsenfrüchte Preise erzielten, die wir vor sieben Jahren nicht für möglich gehalten haben. Aber unsere Küchen müssen weiter den Hungrigen dienen, den Arbeiter und Handelsangestellten, den kleinen Geschäftsmann und den geistigen Arbeiter nähren. Neben unserer bisherigen Ausspeisung haben wir seit Beginn des heurigen Jahres eine Mittelstandsküche errichtet, die derart besucht ist, daß wir nicht alle Bewerber aufnehmen können. Wir hatten im Halbjahre 1921 über ein und ein Viertel Millionen Kronen Abgang in der Küchengebarung! Wir müssen daher an das Wohlwollen und die Güte unserer Glaubensbrüder appellieren und innigst bitten, daß sie in den kommenden Tagen, da aller, Herzen und Sinne der inneren Weihe zugewendet sind, der „Einheit* auch gedenken und sie mit Spenden erfreuen, auf daß die Festesfreude- und die innere Einkehr auch den Hungernden zugute kommen. Denket, Gläubige, an Rosch haschanoh und Jörn Kipur der »Einheit*! Der Vorstand des Vereines „Einheit". Dir. Dr. S. Krenberger, Schriftführer. Bernhard Hofbauer, Obmann. Aufruf! Heuer trat das „Allgemeine österreichische israelitische Taub8tummeninstistut" in Wien, III., Juchgasse 22, in sein 77. Schuljahr. Es ist das älteste jüdische Humanitätsinstitut in , Wien. Jährlich werden und wurden durchschnittlich, neunzig taubstumme Zöglinge beider GeschlecHter aufgenommen, jährlich traten und treten durchschnittlich fünfzehn Zöglinge aus, um sich einem Berufe zu widmen. Hunderte unserer Zöglinge stehen als Beamte, Meister und Arbeiter im Leben. Hunderte sind Gründer von Familien und Erhalter ihrer armen Angehörigen geworden. Was früher Sorge und Kummer der Eltern gewesen ist, wurde durch die erziehliche und unterrichtliche Tätigkeit des Wiener israelitischen Taubstummeninstituts ein Segen und eine Freude. Aus dem ganzen Osten Europas und selbst aus Palästina strömen die armen taubstummen Kinder dem Wiener israelitischen Taubstummeninstitute zu. Hier lernen sie sprechen und von den Lippen lesen, hier werden sie so ertüchtigt, daß . sie als gleichberechtigte Menschen wirken und schaffen können. Vor dem unseligen Kriege war unser Institut durch seine Fonde und Stiftungen von iy2 Milionen ein reiches Institut. Jetzt ist es trotz mancher Spenden und Unterstützungen settf arm geworden. Wir haben jetzt einen Jahresaufwand von mehr mehr als 4' Milionen Kronen und zittern vor der stetig steigenden Teuerung. Die vierundvierzigfache Erhöhung der Ausgaben von jährlichen 90.000 Kronen im Jahre 1914 auf 4 Millionen im Jahre 1921 ist gegenüber der mehrhundertfachen Steigerung aller Gehalte und Preise sicher niedrig. >• Wir nehmen jetzt auch von Zöglingen Verpflegungsgebühren, aber dreißig Zöglinge, also ein Drittel derselben, zahlt gar nichts, ein Drittel unter und ein Drittel über der Hälfte der " festgesetzten, verhältnismäßig nicht großen Jahresgebühr. Das israelitische Taubstummeninstitut steht also vor einer großen, unbedeckten Summe, die fast die Größe unserer Stiftungen ausmacht. In dieser Not und Sorge wenden wir uns in den Tagen der innern Einkehr, da unsere Glaubensbrüder opfern uud spenden, an alle, alle mit der Bitte, daß sie der armen jüdischen Taubstummen des Wiener Instituts mit Gaben gedenken. Der Allmächtige wird die Wohltäter und Gönner unseres Instituts in ihren Kindern'segnen! Der Vorstand des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstituts. Dr. S. Krenberger, Direktor. Dr. Moritz Weiß, Präsident. Polen. Großer Brand in Lodz. Im polnischen Theater brach nach der Vorstellung ein Brand aus, der im umliegenden jüdischen Viertel großen Schaden angerichtet hat. Wir haben bereits auf die große Feuergefährlichkeit des jüdischen Ghettos hingewiesen, die jeden entstandenen Brand zu einer Katastrophe entwickeln läßt. Neben dem lärmenden Getue der zahllosen Judentumsretter wäre einmal auch eine Aktion am Pla'tze, die Judenviertel, be- - sonders im Osten, einer Prüfung zu unterziehen, und alle Maßregeln zur Beseitigung der Feuergefährlichkeit der Judenviertel zu ergreifen. England. Die arabische Delegation hat telegraphisch bei Präsident Harding um moralische Unterstützung gegen die Bestimmungen des Palästinamandats ersucht, besonders bezüglich des jüdischen Heims. Im Telegramm hei&t es u. a.: „Rettet uns vor der jüdischen Gefahr." Amerika. Die „Hias" veranstaltet am 15. September zwei Wochen hindurch eine Kampagne für einen Fonds von 1 Million Dollar zum Ausbau der Tätigkeit der „Hias" in Europa, um den dortigen Auswanderern größere Hilfe leisten zu können und um neue Zentren für jüdische Emigranten, besonders die Flüchtlinge aus der Ukraine, zu finden. Cürkei. Das Einwanderungsverbot für Juden. Die in Konstantinopel weilenden Palästinafahrer begegnen immer wieder neuen Schwierigkeiten. Der britische Paßkontrolloffizier erhielt aus Palästina neue Instruktionen, nur fsolchen Auswanderern Visa zu erteilen, deren Zertifikate noch vor dem 1. Juli ausgestellt wurden. Emigranten, die im Besitz von später ausgestellten Zertifikaten sind, können daher ihre Reise nicht fortsetzen. Die Mehrheit dieser Auswanderer, die aller Mittel entblößt sind, befindet sich in großer Not, da das Joint ihnen jetzt nicht helfen kann und auch das Palästinaamt mangels entsprechender Fonds noch nicht in der Lage war, die notwendige .Hilfarbeit zu organisieren. Syrien. Zionistenfeindschaft in Syrien. Der Zionismus unterliegt in letzter Zeit in Syrien großen Vexationen. So wurden drei sephardische Juden als der zionistischen Zugehörigkeit verdächtig vor den Gouverneur von Beirut zitiert und ihnen erklärt, sie liefen Gefahr, deportiert zu werden, da zionistische Betätigung in Syrien verboten sei. — Der Leiter des Erziehungsdepartements der Zionist Gommission erhielt keine Erlaubnis zur Inspektion der von der Zionist Gommission in Syrien unterhaltenen hebräischen Schulen. Laut J.G.B, wird angenommen, diese Politik sei eine Folge der unaufhörlichen Beschuldigung der -Araber, daß die palästinensischen Juden Bolschewisten seien. Palästina. Gegen die Religioneschänder. Im Municipial-Pavk in Jeruscholajim haben orthodoxe junge Leute einige Sabbatschänder attakiert. Die Polizei verhaftete die Angreifer, ließ sie aber gegen Bürgschaft des Rabbi Jakob Meir frei. Eine Untersuchung findet' statt. — Wir glauben, daß einen Ghilul- Schabbos in Jerusalem zumindest als „öffentliches Aergernis8 betrachtet werden kann. Weitere Demonstrationen der Religiösen. Vor ungefähr zwei Wochen wurde es bekannt, daß in Jerusalem am Sabbat ein Theater eröffnet werden sollte. Die fromme Judenschaft hat sofort in allen Straßen Plakate affichieren lassen, , in welchen die gesamte jüdische Einwohnerschaft aufgefordert wurde, sofort nach dem Abendgebete sich auf den Theaterplatz zu begeben und jeden Juden, der es wagen sollte, am Sabbat ins Theater zu gehen, mit Gewalt daran zu hindern. Dieser Aufforderung hat fast die ganze religiöse Einwohnerschaft Folge geleistet. Es kam am Theaterplatze zu Straßenkämpfen, wobei ein ganzes Wach- und Soldatenaufgebot einschreiten mußte. Derjenige Teil der jüdischen Bevölkerung, der in das Theater gehen wollte, wurde von der Menge daran gehindert, während man die übrige Bevölkerung, Türken und Araber, ungehindert ins Theater ziehen ließ. Bei diesem Anlasse 'i_ . '__ wurde eine ganze Zahl von Juden verhaftet und ins Gefängnis überstellt. Die Menschenmenge verlangte die Entlassung der an 100 Verhafteten. Dies geschah auch. Agndas Jisroel und Zeire Jisroel in Zefath (Saffed). Der Agudagedanke gewinnt immer mehr an Boden und die Agudas Jisroel Orts- und Jugendgruppe weist bereits eine beträchtliche Mitgliederzahl auf. Es wird an den Vorarbeiten zur Gründung einer Kolonie intensiv gearbeitet. Vorläufig sind 150 Dunam Boden in der Nähe der Stadt in Aussicht genommen, doch ist geplant, durch Verarbeitung der Produkte innerhalb der Kolonie selbst, Beschäftigungsmöglichkeit für 200 Familien zu bieten. Es sei bemerkt, daß der in Betracht kommende Boden zu den besten Plätzen in Obergalilea gehört. Beträchtliche Summen sind dort für diesen Zweck bereits aufgebracht worden. Um die Teilnahme von Ghuz loorez zu ermöglichen, wird eine Aktiengesellschaft gegründet werden. Die Palästina-Sektion der Agudas Jisroel Jugendgruppe Wien ist gerne bereit Auskünfte zu erteilen. Bezalel. Jeschiwoh „Beth Ghassam Sofer" in Zefath (Saffed). Die Jeschiwoh erläßt einen von vielen palästinensischen Rabbinern gezeichneten Aufruf, in dem einerseits auf die besonderen Leistungen der Jeschiwoh, auf die vielen Talrnide Chachomim, die aus dieser Anstalt hervorgegangen sind, hingewiesen wird. Hervorgehoben wird jedoch andererseits die schlechte finanzielle Lage durch Versiegen der Unterstützungen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern infolge der schlechten Valuta. Der Bestand der Jeschiwoh sei gefährdet. In Anbetracht der besonderen Bedeutung der Jeschiwoh für die gesamte Orthodoxie, wendet sich der Aufruf in eindringlichen Worten an alle gesetzestreuen Juden um sofortige und möglichst reichliche Hilfe; damit die Anstalt aufrecht erhalten werden kann. Bezalel. Mandat und Verfassung. „Times" erfahren, daß der volle Text des Palästinamandates anfangs September offiziell veröffentlicht werden wird. Ferner soll gleichzeitig ein zweites Dokument, das die Verfassung für Palästina enthält, dem Völkerbunde vorgelegt werden, damit auch dieses Dokument die Sanktion und die Autorität des Völkerbundes erhalte und gleichzeittg mit dem Mandatstexte verlautbar t. werden kann. (J. ,G. B.) Verbot des Zirkusbesuches. Das Rabbinat in Jerusalem hat verkünden lassen, daß der Besuch des Zirkus, besonders an Sabbaten, verboten sei. Tötlicher Unfall eines Cnaluz. Auf der Straße nach Bethlehem wurde der 24jährige aus Galizien stammende Ghaluz Friedrich Braun von einem Auto überfahren und getötet. Die Leiche lag einen Tag im Regierungsgebäude. Als Rabbi Jakob Meir davon hörte, ließ *er die Ghewra Kadischa verstänv digen, die das Begräbnis vornahm. Hebräisch-arabische Schule. Herr Kluriski hat in Tewarje (Tiberias) auf eigene Kosten eine hebräisch-arabische Schule errichtet. Sie wird von Djarusch geleitet, hat 110 Schüler, zumeist Christen und Mohammedaner. Die Unterrichtssprache ist arabisch. Man lernt aber auch hebräisch und englisch-. Die Bewohner Tewarjes sympathisieren mit der Schule. v Nur nicht die Aguda! Professor Pick, der um die Ehreder Thora stets das Opfer bringt, sich wählen zu lassen, wird von dem Interviewer der „Zeit" befragt, wozu er eine besondere misrachische Arbeitsorganisation schaffen wolle, ob er denn nicht die Unzukömmlichkeiten „gelber" Arbeitsorganisationen kenne. Der Wackere antwortete darauf, daß sonst die Aguda die religiösen Arbeiter organisieren würde! (Pickklug, aber nicht nobel!) Anuud Verkauf von Effekten, Valuten und Devisen sowie sonstige bankmäßige Transaktionen übernimmt Bankhaus A. u. B. Friedmann & Co. Wien I., Wipplingerstraße Nr. 16 (EingangSchwertg. 3) Tel. Nr. 61-6-22 interurban TSCHECHOSLOWAKEI. Präsident Iflasaryk und die Orthodoxie. Auf Einladung des Ministers Dr. Micura erschienen zum feierlichen Empfange des Präsidenten Masaryk am Bratislavaer Bahnhofe in Vertretung der Judenheit von der orthodoxen Landeskanzlei: Präses Oberrabbiner Weber und Vizepräses Oberrabbiner Hirschler. Dieselben nahmen auch an dem zu Ehren des Herrn Presidenten im Prunksaale des Regierungsgebäudes veranstalteten Rout teil, bei welcher Gelegenheit sie der Präsident durch eine längere Aussprache auszeichnete. Präsident Masaryk erkundigte sich zunächst eingehend über die kulturelle und wirtschaftliehe Lage der Juden in der Slowakei und stellte die Frage, ob sie nicht etwaige Wünsche oder Beschwerden vorzubringen hätten. Oberrabbiner Weber informierte über die wirtschaftliche Benachteiligung gewisser Kreise der Juden Slovenskos, besonders in der Lizenzfrage und schilderte deren arge wirtschaftliche Lage. Der Präsident hörte sehr aufmerksam zu und beauftragte den Oberrabbiner Weber, diese Beschwerden ausführlich in Form eines Memorandums zu unterbreiten. Noch am selben Abend hatten die Leiter der orthodoxen Kanzlei Gelegenheit, über diese Angelegenheit auch mit dem Ministerpräsidenten Dr. Cerny eingehend zu sprechen. Am nächsten Tage wurden die beregter* Memoranden in Prag überreicht. Die Sitzung der Eanüesrepräscntanz der flpdas Jisroel in der Slowakei (Vorläufiger Bericht.) Montag, den 17. Elul, fand im Sitzungssaale der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde Preßburg' eine Plenarsitzung der Landesrepräsentanz der Agudas Jisroel statt. Es waren eine größere Anzahl von Rabbinern und anderen leitenden Persönlichkeiten anwesend. Den Vorsitz führte Rabbiner Aron Katz aus Neutra. Er erstattete den Tätigkeitsbericht und begrüßte die Erschienenen, besonders Se. Ew. Herrn Oberrabbiner Schreiber, Herrn Oberraobiner Weber, den Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei und Herrn Oberrabbiner Spitzer aus Kirchdrauf, der auf dem Heimwege aus Amerika der Sitzung anwohnte. Herr Oberrabbiner Weber berichtete über die politischen Aktionen der Agudas