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Jüdische Presse · 1921-08-06 · 27 (6.8.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
27 (6.8.1921)
Date
1921-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 198 JÜDISCHE PRESSE Nr. 27 schluß an die Aguda als Pflicht eines jeden Juden bezeichnet wird. Von der Behörde war der Präfekt- Stellvertreter und andere anwesend. Die Versammlung wurde von Herrn Franz Ordentlich eröffnet. Redner führt aus, daß das Judentum mit der Thora steht und fällt und begrüßt die Aguda, welche die Thora wieder zum Mittelpunkte des jüdischen Lebens macht. Hierauf entwickelte Obmann Pappenheim in gewohnter Routine und Meisterschaft das Programm der Aguda, verbunden mit einem eingehenden Referate über Palästina. Die Ausführungen des greisen Agudaführers riefen große .Applausstürme hervor. Es folgte die Rede des Dr. Joel Pollak, der in sehr eindrucksvoller Weise die Ziele der Aguda darlegte. Die Rede war von minutenlangem Applaus unterbrochen. Zum Schlüsse hielt Herr Meisl aus Oradeamare eine schöne mit homiletischen Ausführungen geschmückte Rede. Hierauf unterbreitete Vorsitzender Ordentlich die Resolution, daß die Versammlung sich der Aguda anschließe. Die Resolution wurde mit unbeschreiblichem Enthusiasmus angenommen. Zahlreiche Unterschriften als Mitglieder wurden an Ort und Stelle gesammelt. Hierauf fand im Hause des Gemeindepräsidenten Ordentlich eine Konferenz statt, bei welcher das Komitee mit Herrn Jakob Majrowitsch als Präses konstituiert wurde. Zum (Uicdcraufbauwerk des Joint. (Interview der „J. P. Z." mit Morris Engelmati, New-York.) Auf der Reise nach Ungarn und der Slowakei weilte das Exekutivmitglied des „Joint Distribution Committee", das im Oktober von neuem eine 14 Millionen Dollar-Sammlung für Wiederaufbauzweckc in Europa vornehmen wird, und Finanzsekretär des „Central-Relief Committee", Mr. Morris Engelman, einige Tage in Zürich, wo er bez. der Art der Weiterführung der amerikanischen Hilfsaktion in Europa, wie sie von ihm gedacht ist, dem Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" nachstehende Mitteilungen machte. Der Zweck seiner Reise nach Ungarn und der Slowakei sei vornehmlich die Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen. Der Grundsatz, daß die von Amerika gespendete Hilfe nicht mehr wie bisher auschließlich zur Linderung momentaner Not, sondern hauptsächlich zu wirtschaftlichen Wiederaufbauzwecken und zur Schaffung von Ezistenzmöglichkeiten für die durch den Krieg und seine Nachwehen in Not Geratenen Verwendung finde, bricht sich immer mehr Bahn. Was nun die einzelnen Lokal-Komitees in Europa anbelangt, so ist es wünschenswert, daß endlich ein für allemal davon Abstand genommen wird, bei der Bildung dieser Komitees auf die Zugehörigkeit der einzelnen Personen zu den verschiedenen jüdischen Parteien zu achten, respektive Parteiorganisationen als solchen Ver* fügungsrechte über die Verteilungsgelder einzuräumen. Die Gefahr liegt da nahe, daß entweder die Gelder zilm Teil zu parteipolitischen Zwecken verwendet werden oder zumindest bei der Verteilung eine gewisse politische Pression ausgeübt wird. Die Kontrolle dieser einzelnen Verteilungskomitees durch Delegierte aus Amerika hat sich auch nicht immer bewährt, insofern man nicht auch auf das Abstammungsland dieser einzelnen Delegierten geachtet hat. Nicht nur sind diese Delegierten zum Teil psychologisch anders eingestellt als die Massen in denjenigen Ländern, wo sie die Verteilung beaufsichtigen oder selbst vornehmen sollten, sondern auch in Fällen, wo man solche Amerikaner, die selbst aus Europa stammen, nach Europa entsandt hat, hat man nicht genügend darauf geachtet, daß sie gerade in jene Länder entsandt werden, aus denen sie selbst stammen. Die Psyche der Masse ist eben ein feines Instrument, auf dem man zu spielen verstehen muß und mit einer einfachen, schablonenhaften Verwendung der Gelder ist noch längst nicht alles getan. Wenn auch ein allgemeiner großer Wiederaufbauplan im großen und ganzen' für Zentral- und Osteuropa sich eignen kaün, so muß er doch in den einzelnen Ländern mehr oder weniger den dort herrschenden Verhältnissen angepaßt werden. Diese Verhältnisse sind keineswegs nur äußere, die ein begabter Mensch, stamme er. auch aus der Ferne, nach kurzem Studium richtig einzuschätzen erlernt, sondern vielfach so sehr mit der Psyche der einzelnen Juden' in den verschiedenen Ländern verbunden — und wer würde es leugnen, daß bei all dem Gemeinsamen, das die Juden, speziell die Ostjuden, eint, doch so viele Verschiedenheiten in den inneren und äußeren Verhältnissen vorhanden sind — daß nur jemand, der selbst aus dieser Masse hervorgegangen ist, im-- stände ist, das einzig Richtige zu treffen und die Mentalität der betreffenden Landesbewohner richtig einzuschätzen und als wichtigen Posten in sein Kalkül einzusetzen. Es wäre daher angebracht, daß in Amerika die Spender sich nach ihren betreffenden Ursprungsländern organisieren, z. B. die aus Polen stammenden Amerikaner, die aus Ungarn stammenden Amerikaner, die aus Rumänien stammenden Amerikaner usw. Alle gesammelten Gelder werden an eine gemeinsame Kasse, die des J. D. G. abgeführt. Das ,, Joint Distribution Committee" beschließt auf Grund der Berichte seiner Delegierten über die den einzelnen Ländern in Europa zuzuweisenden Subsidien. Eben diese erwähnten Delegierten haben womöglicb nur über ein Land zu berichten, aus dem sie selbst hervorgegangen sind, dessen Verhältnisse sie also genau kennen, resp. leicht kennen lernen können. Ebenso soll mit der Beaufsichtigung der einzelnen europäischen Lokal- resp. Territorial-Komitees wieder nur ein Delegierter betraut werden, der diesem Territorium entstammt. Ich hoffe, daß bei dieser Ordnung der Dinge ein Teil der1 Kritiken, die aus Europa gegen die Arbeit des Joint erhoben worden sind, zum Schweigen kommen werden. Aber mit dieser von Amerika zu leistenden Hilfe ist noch lange nicht alles getan. Wir müssen endlich energisch verlangen, daß alle diejenigen in den notleidenden Ländern Europas, die dazu imstande sind, sich auch selbst an dem zu leistenden Wiederaufbauwerke beteiligen. So, aber auch hur scr, wird Amerika auch fernerhin in seinem Hilfswerke nicht erlahmen. Ein für allemal muß aber dem ein Ende gemacht werden, daß Ost- und Zentral:Europa sich ausschließlich auf die Hilfe von Amerika verlassen, während die dortigen Reichen — und es gibt deren wahrlich genug — mit verschränkten Armen zusehen, wie ihre Brüder in Not und Elend vegetieren oder sogar zugrunde gehen. Außerdem werden dann die wohlhabenden Juden Ost-u. Zentral-Europas, wenn sie selbst größere Mittel dem Hilfswerke zum Verfügung gestellt haben werden, mit ganz anderem Interesse sich auch an der Verteilung und Verwendung der Gelder beteiligen, und da sie wohl am besten die lokalen Verhältnisse kennen, mit dazu beitragen, daß dieser bisher wundeste Punkt des ganzen Hilfswerkes sich wesentlich bessere. Damit wären zwei überaus wichtige Probleme berührt. Als drittes kommt noch hinzu, daß die andern europäischen Länder, die keineswegs der Hilfe bedürfen, jedoch selbst solche gewähren können endlich aufhören, sich auf Amerika als den reichen Onkel von jenseits des Ozeans zu verlassen und auch ihrerseits daran gehen, nach Kräften ihren in Not geratenen Brüdern Beistand zu leisten. Auch in diesen Ländern, wie z. B. in England, Frankreich, Holland, Schweiz usw. müßten ehestens Komitees gebildet werden, die in ihrer Sammeltätigkeit die ganze dortige Judenheit, die zu spenden in der Lage ist, erfassen, und so auch ihrerseits für das im Osten so notwendige Wiederaufbau-Hilfswerk beträchtliche Mittel zur Verfügung stellen. Wenn einmal dies der Fall ist, glaube ich,, wird sich auch leicht ein Modus finden für eine Verständigung dieser Länder mit Amerika, resp. dem Joint über eine gemeinschaftliche Verwendung der Gelder, um auf diese Weise einer Doppelspurigkeit zu entgehen und einen weiteren kostspieligen und so schwer aus den entsprechenden Persönlichkeiten sich zusammenzusetzenden Apparat zu ersparen. Selbstverständlich müßte erwartet werden, daß diese europäischen Länder nicht nur mit Geldmitteln aushelfen, sondern auch geeignete Persönlichkeiten für das Hilfswerk stellen; diese genießen übrigens den Vorzug, daß sie den notleidenden Ländern näher und also mit deren Verhältnisse genauer vertraut sind. Nur bei Berücksichtigung dieser drei erwähnten Hauptpunkte wird es möglich sein, die rekonstruktive Hilfe erfolgreich durchzuführen und unseren so sehr in Not geratenen Brüdern wieder zu einer halbwegs menschenwürdigen Existenz zu verhelfen. Daß dies ehestens geschehe, ist unser aller sehnlichster Wunsch. Kritische Rundschau. Gang zum Grabe Herzls. Den Zionistenführern, die ihre Getreuen diesmal zum Grabe Herzls geführt haben, wäre kein passenderes Gebet am Grabe Herzls zu empfehlen gewesen, als die* Stelle im Jomkippurkoton, die da lautet: „Was du geliebt hast, haßten wir, was du haßtest,, liebten wir. Was du heilig gehalten hast, gilt uns als unrein, war dir unrein war, gilt uns als rein. Was du genähert hast, haben wir entfernt, was du entfernt hast, haben wir genähert; als ob wir alles nur um dich zu kränken getan hatten, und nun treten wir noch mit kecker Stirne vor dich hin!" Die lachenden Erben der von Herzl mit seinem Herzblute, gebauten Organisation stehen seinein Geiste so weit als möglieh ferne. Es gab keinen erbitterteren Feind der jüdisch-nationalen Landespolitik als Theodor Herzl. „Wer jüdischnationale Landespolitik macht," hat Herzl gesagt, „hat keinen Verstand oder keinen Charakter." Am Ostermontag 1903 fand die erste Sitzung des Landeskomitees der ungarischen Zionisten unter dem Vorsitze Herzls in der Wohnung Oskar Marmoreks statt. Alle waren erstaunt, mit welcher Schärfe da Herzl gegen den damaligen Versuch, in Oesterreich eine jüdisch-nationale Parlamentspartei zu etablieren, aufgetreten ist. Herzl sagte da wortlautend: „Eine potzdumme Partei gibt es im Judentum, das ist die Jüdische Voikspartei'. (Die damalige jüdisch-nationalistische Partei.) Ich will mit Zionismus die Judenfrage lösen und sie verwickeln sie noch mehr. Man wird diese Kerle noch einmal mit Knütteln totschlagen!" Wie wagen sie noch an diesem Grabe Huldigung zu heucheln, sie, die Macher der „potzdummen" jüdischen Politik, die im verhängnisvollsten Jahre für Palästina, v/o es galt, die ganze Kraft des Judentums auf ein Ziel zu konzentrieren, mit ihrem Programme das Judentum gespalten haben, und Geld und Zeit für ihre Wahlen ins Parlament\ oder in den Stadtrat vergeudet haben! Die jüdische Legion. Während die englische Föderation der Zionisten an ihrer Tagung die friedliche Verständigung mit den Arabern gefordert und damit nichts anderes als einen Wunsch der jüdischen Gesamtheit zum Ausdruck gebracht hat, erbrachte die Aktionskomiteesitzung in Prag den verblüffenden Beschluß, eine jüdische Legion aufzustellen. Es ist klar, daß hier nicht die Gewissenhaftigkeit und die Verantwortlichkeit mitberaten haben. Es ist auch klar, daß die armen Mitglieder des großen zionistischen Aktionskomitees von dem Antrage zur Bildung einer jüdischen Legion ganz konsterniert gewesen sein mußten, und daß — wie es der wackere Herrmann so naiv gestanden hat (siehe vorige Nummer) — Weizmann und Jabotinsky „es vermocht haben, das A—G gegen seinen Willen zu beherrschen und ihre Richtung aufzuzwingen". Unter solchen Umständen muß auch der wahnwitzige Beschluß der Bildung einer jüdischen Legion zur Welt gekommen sein. Es gibt nichts Unjüdischeres als diese jüdische Legion. Sie bedeutet nicht bloß die Ueberschreitung des Schwures: „Schelo jaalu bechoma", daß Palästina nie durch Waffengewalt erobert werden darf, sondern widerspricht der Vorstellung der Freunde der jüdischen Renaissance aller Lager. Schmachvoll ist die Haltung der Misrachisten gewesen, die, wenn sie nur von einem Funken wahren jüdischen Gefühles beseelt wären, gegen die Legion stimmen mußten. Der Bericht hebt aber triumphierend hervor, daß Pick und Farbstein für die jüdische Legion gestimmt haben. Man hat deutlich das Gefühl, daß sogar die ganze zionistische Oeffentlichkeit unangenehm überrascht von dieser erbärmlichen Parodie des Militarismus ist. Religiös bedeutet sie eine gröbliche Ueberschreitung; politisch ist sie ein Abderitenstreich. In dem gleichen Momente, wo Harding zur Abrüstung ladet und die Massen der europäischen Hauptstädte „Niemals wieder Krieg!" schreien, mobilisiert Chaim Weizmann. Er wird wohl auch keine Einladung zur Abrüstungskonferenz annehmen wollen. Mobilisierungen pflegen aufs Geheimste bewerkstelligt zu werden. Weizmann aber mobilisiert laut, ehe er noch einen einzigen Soldaten hat. — Wie die „Zeit" meldet, hat Weizmann eine „wichtige" Audienz gehabt, bei welcher er die „Forderungen" der Zionisten überbracht hat. 1. Die rasche Bestätigung des Mandates durch den Völkerbund und offizielle Publizierung desselben. (Das ist eine englische und keine jüdische Forderung.) 2. Die Schaffung einer jüdischen Legion unter britischer Fahne (das heißt auf jüdische Kosten). 3. Konkreter zu bestimmen die jüdische Agentur, das heißt die zionistische Organisation (?) in bezug auf das Mandat. Die „Zeit" begleitet diese Nachricht mit dem in der Weizmannsehen Aera üblichen Gusma-Styl, will diese Audienz, eine der 20.000 Empfänge von politischen Werkzeugen, wie sie im britischen Außenamt täglich zu Dutzenden abgefertigt werden, zu7 einem „first-time-in-history-event" aufblähen, und behauptet, daß das ganze jüdische Volk auf die Antwort der englischen Regierung gespannt sei. A.\a±t*xjl1 . Die unterzeichneten Korporationen wenden sich an ihre Glaubensgenossen ohne Unterschied der religiösen Anschauung mit folgender Bitte: Die Verfolgungen in der Ukraine haben Tausende von Kindern elternlos gemacht. Wir betrachten es als eine Pflicht gegen die Gemordeten, nicht bloß für das leibliche Wohl ihrer Kinder Sorge zu tragen, sondern auch dahin zu streben, daß die Erziehung der. Waisen dieselben, zu frommen und braven Menschen ertüchtigt. Deshalb hat Agudas Jisroel beschlossen, ihr Waisenhilfswerk dahin zu erweitern, daß mit aller Beschleunigung ein neues Waisenhaus für die ukrainischen Kinder errichtet werde. Wir sind ferner bereit und in der Lage, solchen edlen Menschen, welche ukrainische Kinder in ihr Haus aufnehmen oder an Kindesstatt annehmen wollen, als Vermittlungsstelle zu dienen. Wir ersuchen und bitten, uns bei der Fürsorge für die ukrainischen Waisen behilflich zu sein und unseren Beauftragten, die in der nächsten Zeit an Sie herantreten werden, mit offenem Herzen und offener Hand entgegenzukommen. Spenden wolle man an den Wiener Bankverein, Konto Agudas Jisroel, überweisen. Die Ortsgruppe der Wiener Agudas Jisroel. Die Jugendgruppe der Wiener Agudas Jisroel. Der Kriegswaisenfonda der Wiener Agudas Jisroel. Detmchösterreicb. Herr Louis Borgenicht, das verdienstvolle Mitglied des Joint in New York, weilte dieser Tage in Wien und stattete der Aguda einen Besuch ab, wobei eine Reihe wichtiger Angelegenheiten zur Aussprache kam. Er spendete an anderer Stelle ausgewiesene Beträge für verschiedene soziale Zwecke und bezeugte als guter Agudist und frommer Jude regstes Interesse für alle Aguda-Institutionen. Aguda-Ortsgruppe Wr.-Neustadt. Sonntag, den 30. Juli, fanden mit drei Delegierten des Zentralrates, bezvv. der Wiener Orts- und Jugendgruppe in Wr.-Neustadt wichtige Besprechungen betreffs der Organisierung der von dort an über die ganze „Bucklige Welt" verstreuten Jereim statt und findet Sonntag, den 7. August, vormittags, die formelle Konstituierung der Orts- und Jugendgruppe Wr.- Neustadt statt. Im Anschluß daran wird sich auch eine Neunkirchner Orts- und Jugendgruppe gründen. Eine neue Mikwa. Der Bethausverein Tomehe-

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