Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 24 (15.7.1921)
- Date
- 1921-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629931--0313-2631926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE Seite 181 Rußland. Verhinderter Pogrom. Die Sowjetregiorung hat in Swenigorodka eine Verschwörung entdeckt, die den Zweck hatte, an einem einzigen Tage alle Juden der Stadt zu ermorden. 200 Personen, hauptsachlich ans den Kreisen der Inieiligen/., wurden verhaftet. Gegenrevolutionärer Rabbiner. Laut der Petersburger „Prawda" fand vor kurzem in Smolensk eine Verhandlung gegen Geistliche der rechtgläubigen, katholischen und jüdischen Konfessionen wegen antirevolutionärer Umtriebe stalt. Das Gericht nahm die gegenrevolutionüre Betätigung der Rabbiner im Wege der Gesellschaft zur Hilfeleistung an arme Juden als erwiesen an und verurteilte die Rabbiner Ginster und Friedland, sowie den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu zweijähriger Kerkerstrafe. Die Synagoge wurde von den jüdischen Kommunisten beschlagnahmt. Schreckensnachrichen aus Reval. Wie den letzten Rigaer Berichten zu entnehmen ist, soll , im ganzen Minsker Gouvernement ein großer Aufstand ausgebrochen sein. Bewaffnete Banditenscharen stürzen sich auf die hilflose jüdische Bevölkerung. Tausende Menschenleben sind zu beklagen. Die Welle der wildesten, aufreizenden Pogromagitation nimmt zu, ' eine Flut von unflätigen Proklamationen überschwemmt die Stadt. Kowel ist in Brand gesteckt. Ein Teil von Baku steht in Flammen. Jüdisches Hab und Gut wird vernichtet. €nglanl Sir Rob ert Natan. In Engl an d ve rs ch i e d j e tz t i m AI t er von 55 Jahren der bekannte englische Staatsbeamte Sir Robert Natan. Der Hingeschiedene war ein Bruder von dem berühmten Sir Matthew Natan, Gouverneur von Queensland. Er war von Beruf Rechtsanwalt und stand seit dem Jahre 1888, das heißt seit seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahre, im Dienste des englischen Staates, Als Staatsmann war er mit Indien engverbunden und bekleidete stets hohe Stellen. Im Jahre 1895 wurde er Hilfssekretär bei der indischen Regierung, 1002 Sekretär bei der Kommission für die Erhaltung und Förderung der Universitäten in Indien. Im Jahre 1005 avancierte er zum Privatsejtretür des Vizekönigs von Indien und 1010 war er als Hauptsekretär bei der Regierung von Ostbengalien tätig. Sir Robert Natan war Autor einiger Bücher. Er hat die „Offizielle Geschichte der Epidemie in Indien" verfaßt, ferner „Das System der Bildung in Indien" und andere kleinere Werke. Seine sterblichen Ueberreste wurden auf dem jüdischen Friedhofe bestattet. Belgien, Emigrantennot. In Antwerpen herrscht unter den polnischen und rumänischen Immigranten eine große Panik infolge der überraschenden Meldung, daß die Zahl der Einwanderer nach Amerika auch für den Monat Juli bereits überschritten sei und daß die Einwanderer trotz ihrer visierten Pässe nicht nach Amerika gelangen können. Bloß bei einer Schiffsgesellschaft allein sind mehr als 1000 Emigranten stecken geblieben, deren Lage verzweifelt ist, größtenteils Ukrainer, die auch nicht heimkehren können. Jimerika. Der Verband der ungarischen Juden in Amerika hat jüngstens seine zweite Jahreskonvention abgehalten. Es wurde beschlossen, sich vornehmlich mit Hilfsaktionen zu beschäftigen; ein sehr rühmlicher Beschluß, der eine Ab.schwenkung von der Methode lärmender Politik bedeutet. Die ungarische Föderation dürfte um so weniger Straßenpolitik reiben, als sie noch beinahe alle aus Altungarn stammende Juden in sich schließt. Die Mitgliedsbücher der ungarischen Föderation enthalten noch den genauen Wortlaut des Progrummes und die Umschreibung des Arbeitsfeldes, wie es von dem Gründer und ersten Präsidenten der Föderation Samuel Bettelheim entworfen wurde. Nach diesem hat die Föderation sich ausschließlich mit philantropischer und volkswirtschaftlicher Förderung innerhalb ihres Wirkungskreises zu beschäftigen, besonders mit der Versorgung und religiös-sittlicher Erziehung der eingewanderten Jugend. Die Rettungsaktion, welche einige Vorstandsmitglieder der ungarischen Föderation für die „Wiener Morgenzeitung" unternommen haben, lag nicht nur außerhalb der geographischen Grenze der Befugnisse der Föderation, sondern auch jenseits der Grenzen des vorgeschriebenen Programmes. Die für die „W. M.u aufgebrachten Dollars wären wohl den Notleidenden in der Slowakei, Ungarn und Jugoslawien, besonders aber in Karpatho-Russia bedeutend besser und berechtigter gekommen, als der geehrten Kollegin in der Taborstraße, wenn es auch gestanden werden muß, daß vom Standpunkte der Publizität dankbarer ist, der „Wiener Morgenzeitung" edle Gaben zu widmen, als einem stillen jüdischem Heime in der Ostslowakei oder in der Dob-utca. Die Tätigkeit der „Aguda Isroel" in Amerika. Die „Aguda Jisroel"-Delegation hat in New York ein Massenmeeting, an dem dreitausend Personen teilgenommen haben, veranstaltet. Alle Schichten der Bevölkerung, darunter viele New Yorkei Rabbiner, waren vorfreien. vPen Vorsitz führte Rabbiner Dr. Kloin. Im Namen der amerikanischen Orthodoxie begrüßten die Delegation der Misrachist Bublik, ferner Tobias Horovitz und Kanner. Oberrabbiner Spitzer, Dr. Hildesheimer und Dr. N. Birnbaum haben in ihren Beden an die amerikanischen Juden appelliert, sich der Aguda-Organisation anzuschließen, die darauf bedacht ist, den religiösen Geisl im europäischen Judentum wieder zu wecken, Fürsorgeanstalteu für die unglücklichen Pogroniwaisen ins Leben zu rufen und in der Kolonisation Palästinas mitzuwirken. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: Alle Anwesenden erklären sich bereit, sich der „Aguda" anzuschließen und der Organisation beizustehen. Es wurde dem Bedauern über die letzten traurigen Ereignisse in Jaffa Ausdruck verliehen und beschlossen, die englische Regierung aufzufordern, sie möge in Zukunft die Wiederholung ähnlicher Zustände unmöglich machen. Auch die Lösung der verworrenen Emigrationsfragc wurde in Betracht gezogen. Palästina. Araber schießen auf englisches Militär. Der „Zeit" wird von Jerusalem berichtet: Der offizielle Bericht über die Vorfälle im Hafen von Jaffa lautot: In der letzten Zeit hat es bei der Landung eingewanderter Juden große Schwierigkeiten gegeben. Die arabischen Bootsleute haben verschiedene Schwierigkeiten gemacht, damit die Juden nicht landen können sollen. Dasselbe geschah auch, als es schon gelungen war, einen Juden zu landen, weil sich im Hafen jedesmal eine große Anzahl Araber versammelt haben, welche die Landenden bedrohten. — Am 30. Juni kam ein Schilt' von Beirut mit zehn palästinensischen Juden. Die Passagiere landeten ohne Zwischenfall. Als die englischen Truppen aber in die Kaserne zurückkehrten, wurden sie von arabischen Truppen attackiert. Von dem Dache eines Hauses wurde ein Schuß abgegeben, der aber statt eines englischen Soldaten einen Araber tötete. Ein anderer Araber, der einem Soldaten das Gewehr zu entreißen suchte, wurde schwer verwundet. Die Soldaten schössen auf die Araber, von welchen ein »Mann verwundet wurde, ein anderer wurde verwundet, als er eine englische Wache attackierte. Jetzt ist es still und ruhig in Jaffa. Die arabische Delegation nach Europa. Die Delegation von arabischen Führern, welche Europa im Interesse der Araber in Palästina bereisen wird, besteht aus Käsern Pascha Hussini, Fuad ßey Saad, Sain Bey Mahdi, Ruhi Bey Abdul Hadi, Tewfis Efendi Hamad, Amin Bey Tamimi, Ibrahim Eftendi Schamas, Schiwli Effendi Jamal. "Nur gegen Bolschewiken. Der Oberkommissär für Palästina feilt mit, daß es in der letzten Zeit, gelungen sei, eine beträchtliche Anzahl von Bolschewiken nach Palästina mit den Einwanderern einzuschmuggeln und daß daher Maßnahmen ergriffen wurden, um eine weitere Zuwanderung unerwünschter Elemente zu verhindern. Syrien, Antizionismus. Wie der Damaszener „Alif-Ba." meldet, hat die syrische Regierung eine Verordnung erlassen, wonach Zionisten die Einreise nach Syrien verboten ist. Die Polizei von Beirut habe die von den dortigen Zionisten veranstalteten Sammlungen für den Nalionalfonds untersagt. Algier, Unruhen in Konstantine. Zufolge der Hetze der „Konstantiner Tribüne" hat die Bevölkerung Ausschreitungen gegen die Juden begonnen und viele Geschäfte geplündert. „Malin" behauptet, daß die Juden die Redaktion dieses Blattes erstürmt und die Druckerei verwüstet hatten. Die Lage ist ernsL. Australien. Verschlossene Türen. Der Arbeiterkongreß in Melbourne hat beschlossen, an die Regierung eine Zuschrift zu richten, worin gegen die Erlaubnis der Emigration nach Australien Stellung genommen wird. Die Regierung wird aufgefordert, sich in der Einwanderungsfrage mit. dem Arbeiforverbande in Verbindung zu setzen. Japan. Auch Japan. In Jokohama erscheint seit kurzem in englischer Sprache eine antisemitische Zeitung, die den merkwürdigen Titel „Die Juden und die Revolution" führt. Herausgeber ist der bekannte russische Pogromorganisator Uralelz. ßeKrolog. R. David Halberstamm s. 1. Einen schweren Verlust hat die glaubens treue Jugend Polens durch den allzu frühen Tod des 26jährigen R. David Hallierstainm, Sohn des R. Moses (Ihrzanow und Enkel des Zanser Gaon, Diwre Chaim s. j. o., erlitten. Eine außerordentlich fruchtbare Tätigkeit auf dem Gebiete der Organisation des Limud hatora hat dieses junge Leben ausgefüllt. Durch seine vorbildlichen Tugenden des Zidkus und Lamdonus konnte er eine außerordentliche Wirkung erzielen. Sein Verlust, ist ein unersetzlicher und sein Angedenken wird ein gesegnetes bleiben. rniEJn Isak Grodzinski s. 1. Freitag, um halb 3 Uhr nachmittags, ist in Warschau der bekannte Talmid chochom und Wohltäter „Isak Grodzinski" s. 1. verschieden. — Er halte das Alfer von 75 Jahren erreicht und bis zuletzt in geistiger Frische segensreich gewirkt. Sein Denken und Fühlen war der leidenden Menschheit geweiht, allen Armen und Hilfsbedürftigen hat er seinen Beistand verliehen. Er war der Gründer vieler human-religiöser Vereine. Auf dem Gebiete der Jugendfürsorge war der Verblichene geradezu epochemachend. Er hat sich Zeit seines Lebens einer außerordentlich großen Beliebtheit erfreut und sein Tod hat eine allgemeine Erschütterung hervorgerufen. Seine zahlreichen Verehrer aus nah und fern sind herbeigeeilt, ihm die letzte Ehre zu, erweisen. Die Lewajo, an welcher eine riesige Volksmenge teilgenommen hat, war imposant. Die Pferde wurden ausgespannt und Schüler der Jeschiba trugen den Oron. Warme, tief empfundene Nachrufe, in denen die Verdienste des Verstorbenen gewürdigt wurden, wurden gehalten. Der Bialyslocker Maggie! Rabb. M. Rappaport und andere Redner schilderten den Verlust, den das Judentum erlitten hat. Auf dem Besolom selbst wurde ein großer Betrag für Lomde Thora gesammelt, um den heißen Wunsch des Toten zu ehren. Der Tod „Isak Grodzinskis" bedeutet für das thoratreue Judentum einen großen Verlust. Jfguda. mmmm Die Aguda-Delegation in London. Wie bereits mitgeteilt, ist die von der am 31. März stattgehabten Sitzung des Zentralratcs beschlossene Delegation nach London gereist und ist am 4. Juli nachmittags im Kolonialamle cmfangen worden. Die Delegation bestand aus den Herren Rabbiner Dr. Pinchas Kohn (Wien), Oberrabbiner Weber, Präsident der Ortho, doxen Zenlralkanzlei der Slowakei, Rechtsanwalt Mr. J. Landau, Präses der Aguda-Zentrale London, Rab. Dr. Jung (Clcveland), W. Schiff (London) und Dr. Breuer (Frankfurt). Nach Erörterung der Immigrationsfragen, wurde auch die Frage der Teilnahme der Aguda-Organisation an dem Autbau Palästinas ventiliert und wurden im Sinne des Be* Schlusses des Zentralratcs die Vorschläge der Aguda mit. den nötigen Erläuterungen überreicht. Es steht zu hoffen, daß es auf diesem Wege gelingen werde, der organisierten Orthodoxie die von ihr . erstrebte Mitarbeit am Aufbau Erez Israels im legalen Rahmen, in reibungsloser Mitarbeit mit allen in Betracht kommenden Faktoren zu sichern. Großes Begrüßungsmeeting der Aguda-Delegation. In der Riesenhalle des Gooper-Union-Gebäudes fand am 20. Juni in New-York ein Begrüßungsabend statt, an welchem etwa 5000 Personen teilgenommen haben. Die Redner, welche stürmisch akklamiert wurden, waren Oberrabbiner Meier Don Plotzki (Polen), Oberrabbiner L. Spitzer-Kirchdrauf (Slowakei), Rabbi Dr. Meier-Hildesheimer (Berlin), Dr. Nathan Birnbaum (Wien), Rabbi Jakob Hübscher (Rumänien). Der Eindruck der Reden war ein ungemein günstiger. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Dr. Philipp Klein (New York). Aguda-Bewegung in M. Sziget. Herr Ascher Schwarz hat erfolgreiche Bemühungen um die Verbreitung der Aguda-Idee gemacht. Die Ausgaben -des Aguda-Bureaus werden verbreitet. „Haderech" und die „Jüdische Presse" finden gute Verbreitung. Aguda-Deputation beim Bildungsminister. Der polnische Bildlingsminister hat eine Deputation der „Aguda" empfangen, bestehend aus folgenden Mitgliedern: Der Radzinor Rabbi, Sejmdeputierter Rabbiner Perlmutter, Rab Löbl Mizberg (Lodz) und Sekretär des orthodoxen Sejmklubs Rab. Eekermann. Die Deputation hat dem Minister ein Memorandum überreicht, in dem sie aufmerksam macht, daß die Existenz der traditioneilen „Gheder"-Schulen infolge der Einführung des Schulzwanges, der in der Provinz schon in Kraft getreten ist, bedroht ist. Der Minister hat in überaus freundlichen Worten versichert, daß er bestrebt sein werde, die Angelegenheit im Sinne der Petenten zu erledigen. Aguda in Igdrzejöv. Vor einiger Zeit weilte in unserer Stiult der bekannte Redner Herr Friedmann. Die Aguda berief eine gruüe Versammlung ein, in der der Redner über „die. Stellung der Aguda zu Palästina" referierte. Die Zire Zion haben durch Zwischenrufe gestört, nichtsdestoweniger wurde eine Resolution, die der Aguda ihre Anerkennung und den zionistischen Ränken ihr Mißtrauen ausdrückte, angenommen. Es hat sich ein Komitee aus den Herren S. Bernstein, M. J. Werdinger, L Eisenberg, Moses Weinreb, Juda Hammes, Osias Temkin u. a. gebildet. %