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Jüdische Presse · 1921-07-15 · 24 (15.7.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
24 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite ISO JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 fühlen wir uns in der angstvollsten Schicksalsstunde mächtig erfaßt von der Erscheinung G-ttes, die sich allen Seelen mitteilt, minder sinnfällig als in der Wüstenzeit, aber nicht minder erhebend und tröslend. Der Iminerseiende erscheint uns wieder in dem anschwellenden Sehnsuchfsschm nach G-tt. der bald auch den Widerstrebendsten mit sich reißen wird. Die Zukunft lieg! im Ewig-Zukünftigen, im Eheje ascher eheje! ,V Bellelheim. Großer Erfolg der flguda in Siebenbürgen. Wie bereits gemeldet, sind die Herren Wolf Pappenhein), und Dr. Joel Pollak nach Oradeamare gereist, um die Aguda-Sache, welcher in Siebonbürgen eine große Zukunft winkt, zu organisieren. Die Delegierten kamen Freitag, den L. Juli, an und wurden arn Bahnhofe von einer zahlreichen Menge empfangen. Herr F. Friedmann begrüßte die Angekommenen mit herzlichen Worten. Noch arn Freitag fanden Konferenzen beim Oberrabbiner Fuchs und beim Wiznitzer Großrabbiner statt, welche begeisterte Agudisten sind. Samstag nachmittags sprach Dr. Pollak bei der Aguda-Jugendgruppe. Abends fand im Hause des Herrn Mor Ullmann ein Scholosch-sudos zu Ehren der Gäste statt, an welchem etwa 40 Personen teilnahmen. Sonntag vormittags fand im Vigado-Saal das große Meeting statt, an welchem mehr als tausend Personen teilgenommen haben. Vorsitzender Lajos Freund begrüßte den erschienenen Oberrabbiner, die Behörden, die Wiener Gäste und die Versammelten. Hierauf referierte Herr Wolf Pappenheim in eineinviertelstündiger Rede über die Zwecke der Aguda und über Palästina. Nunmehr ergriff der Oberrabbiner das Wort, um in hinreißender Rede die Versammelten zum Anschlüsse an die Aguda aufzufordern. Es folgte die Rede des Herrn Dr. Pollak. Abends fand ein Bankett statt, bei welchem dje Oberrabbiner Fuchs und Fischmann-Telegd, die Herren Pappen- Deutscbösterreicfo. Vom Kriegswaisenhaus. Frau Dr. Schwarz-Hiller hat das Kriegswaisenhaus in Baden besucht und hat bei dieser Gelegenheit allen Knaben ein Ruderleibchen und ein Paar Strümpfe gespendet. Kinderflirsorge der Aguda. Wie berichtet, ist Montag, den 27. Juni, ein Zug mit 71 erholungsbedürftigen Knaben und Mädchen, zum großen Teile Kriegswaisenkinder von Wien, nach 'Straßburg abgegangen. Nach gut absolvierter Nachtreise, nahmen die Kinder das vorher bestellte Frühstück in Salzburg ein. Das herrliche Panorama des ^akkammergutes ward von den glückstrahlenden Kleinen vollauf gewürdigt. Das Mittagmal wurde aus der von mütterlicher oder philantrophisclieV Fürsorge mitgegebenen Wegzehrung bestritten. Abends wurde die .lause am Innsbrucker Bahnhof eingenommen, wo übrigens gerade Bundespräsident Hainisch von den Behörden begrüßt wurde. Auch die zweite Nacht wurde tapfer durchgeschlafen und das Frühstück in Radolt'-Zell absolviert, zu welchem Zwecke die deutsche Bai in Verwaltung fürsorglich den Zug vom sechsten aufs erste Geleise verschieben ließ. An der deutsch-französischen Grenze begrüßten Herr Redakteur Osias Großvogel und die Damen Suzanne Bloch und Estelle Metzger die kleinen Gaste. Am Bahnhof in Straßburg erwartete ein Empfangskomitee den Zug. Ein Sonderwagen der Elektrischen führte die Gesellschaft in das zu einem Rekonvaleszentenheini verwandelte Schloß, wo ein wohlschmeckendes Souper serviert war. Am nächsten Morgen wurden die Kinder gebadet und von Kopf bis Fuß neu bekleidet. Hietauf geschah die Placierung der Kinder bei verschiedenen Familien. Herr Rabbiner Dr. Brunschwik wird den Religionsunterricht der Kinder beaufsichtigen. Die außerordentr liehe ■ liebenswürdige und menschenfreundliche Weise des Komites und der patrouisierenden Familien ist über alles Lob erhaben. Wärmster Dank gebührt der Philantropin Fräulein Lore Weil, Fräulein Uermaine Bloch, Fräuleins B. u. J. Grunewald. Mit. der Leitung und Ueberwachung des Reisezuges waren von der Wiener Aguda die Damen T. Schreiber und E. Stern sowie Herr Nathan Steiner betraut,'welche von dem dortigen Komitee, besonders den Damen Frau Großvogel, Fräulein Kahn, Direktrice des Orphelinals, Fräulein Recha Meyer. Fräulein Fäsa Stein und den Herren Metzger, Grunewald und Beno ' Klein auf das Herzlichste aufgenommen und bewirtet wurden. Im Namen der Eltern und des Inesigen Komitees sei nochmals ein herzlicher Gruß und bester Dank an die edlen jüdischen Brüder und' Schwestern gesendet. Die Kinder sind in folgernden Urion placiert: Hagenau, Obernai, Duttlenheim, Rosheim, Mölsheim. Rosenweilei, Mertzwillor, Soultz, Grusenheim Woerth, Mülhausen. In Straßburg sind 21 Kinder versorgt. Dank gehührt der Misrachi-Vereinigung in Straßburg und vor allem den Redakteur des „Le juif", Herrn Joschua Großvogel. Wenn alle Misrachisten so denken und handeln würden, gäbe es wohl überall dieselbe Harmonie — zum Wohle und Glücke unserer Bedürftigen. „Unser Ruf" nennt sich das Urgan der vereinigten Hapoel uazair und Zeire Zion, welches ab 5. Juli zweimal wöchentlich in Wien in jüdischer Sprache erscheint. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Dr. Gh. Tartakower. Hochzeit. Am 22. Siwan fand die Hochzeit des Fräulein Esther Friedmann, Schwester des Sadagorer Großrabbiners, mit Herrn Hersch Wolf, Sohn des Textilfabrikanten Herrn Markus Wolf, in Bielitz statt. Wie bei allen jüdischen Festen, wurde auch reichlich für wohltätige Zwecke gespendet. Ungarn. 50jähriges Lehrerjubiläum. Sandor Knöpfler in Sätoralja-üjholy feiert mit seinem 75jährigen Geburtstag gleichzeitig sein 50jähriges Lehrerjubiläum. Die heim, Dr. Pollak. Meissner, Kohn, Ullmann und Advokat Dr. Mär ton sprachen. Die praktische Arbeit macht gute Fortschritte. Es wurde ein Zentralbureau für Siebenbürgen errichtet und auch für ein Presseorgan, welches Herr Friedmann leiten wird, die nötigen Beträge aufgebrach!. Die „Jüdische Presse" findet gute Verbreitung. Von allen Gemeinden langen Einladungen an die Delegation ein. Obmann Pappenheim reist vorerst nach Saturnare. Die Aguda-Delegation sprach beim Präfekten Marcus vor, um die Behörde über die Ziele und das Wesen der Aguda zu informieren. Es muß nämlich mit Beschämung erwähnt werden, daß die Aguda in Siebenbürgen seitens des Misrachi als politisch verdächtig denunziert wird, und leider nicht ganz ohne Erfolg. Es bedurfte der Information des Herrn Pappenheim, der in französischer Sprache dem Präfekten ein klares Bild der Aguda entwarf. Der Präfekt versicherte die Delegation seiner Sympathie, nahm auch die Einladung zum Meeting an und versprach, den Besuch gelegentlich seines Aufenthaltes in Wien zu erwidern. Alle Tagesblätter berichten in ausführlicher sympathischer Weise über den Erfolg der Aguda. Blalik über die Juden in Sowjet* rufsland. Die Londoner „Zeit" wiedergibt ein Interview, welches die französisch-jüdische Zeitung in Konstantinopel „La nation" mit Ch. N. Bialik, dem berühmtesten hebräischen Dichter der Neuzeit, hatte. Wie bereits mitgeteilt wurde, hat Bialik von der Sowjetregierung die Erlaubnis zur Ausreise erhalten. Bialik teilt mit, daß er weniger zu Folge der Entbehrungen, als wegen des Unistandes ausgewandert sei, daß die hebräischen Buchdruckereien seit sieben Jahren sukkessive eingegangen sind „und unsere Seelen in Manuskripten schliefen". Schon unter NACHRICHTEN. Gemeinde feiert dieses Jubiläum mit einer Stiftung und läßt das Bild des Jubilars für das Gemeindehaus malen. Resolution des orth. Landesausschusses betreffs der Aguda. Die orth. Zentralkanzlei stellt uns folgenden Wortlaut der Evolutiondes orth. Landesausschusses zur Verfügung: „Die am 21. Juni 1921 in Budapest tagende Landesrepräsentanz der ungarländischen orthodoxen Judenheit zieht, ihrer großen Wichtigkeit halber, ernst in Erwägung die Frage des Anschlusses der ungarischen Orthodoxie an den Agudas Jisroei-Verband, welcher bestrebt ist, sämtliche gesetzestreue Juden der Welt im Zeichen der wahren Religiosität zu konzentrieren. Doch hält sich zurzeit die .Landesrepräsentanz nicht für kompetent, in Angelegenheit des Anschlusses endgültig zu entscheiden, da ihr Mandat bereits abgelaufen ist und die Landesrepräsentanz sich nur berechtigt fühlt, die unbedingt nötigen laufenden Angelegenheiten zu erledigen. Das Entscheidungsrecht'! in dieser hochwichtigen Angelegenheit wünscht sie der demnächst zu wählenden, neuen Landesrepräsentanz zu übei lassen. Doch sie sendet der Aguda schon jetzt den Ausdruck ihrer herzlichen Sympathie und wünscht viel Erfolg zu ihrer Tätigkeit. Gleichzeitig beschließt sie, daß die ungarländische orth. Judenheit auch bis zur endgültigen Stellungnahme moralisch und im nötigen Falle ihren schwachen Kräften gemäß auch materiell die Aguda in ihrer Palästinatätigkeit zu unterstützen beabsichtigt". Altersversorgungshaus in Budapest. Die orth. Chewra-Kadischa wird am 15. Juli ein Altersversorgungshaus im neunten Bezirke. Rezsö-ter 2, eröffnen. Vorerst werden 15 Männer und Frauen aufgenommen. Die Leitung des Institutes untersteht dem Vereinspräses Herrn Josef Herzog. Der Plan und das Budget des Altersheimes ist von Herrn Rabbiner Dr. Herrmann Abrahamsohn, Generalsekretär der Budapester orth. Ghewra Kadischa, ausgearbeitet. Die Petenten um Aufnahme in das Altersheim haben ihr Gesuch an die Kanzlei der orth. Ghewra Kadischa in Budapest (Kazinczy-u. 41) einzusenden. Denkmal jüdischer Helden. In Felegyhäza wurde, unter großer Feierlichkeit eine Gedenktafel zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten und Offiziere dieses Ortes enthüllt. Die Gedenktafel befindet sich an der Wand des Tempels. Der Feierlichkeit wohnten die Vertreter der Budapester isr. Gemeinde und der Kecskemeter Gemeinde bei. Eröffnung eines Gymnasiums in Debrecaen. Die status quo Gemeinde in Dehreczen hat jetzt erst die Erlaubnis zur Denikin versuchten Bialik und seine Kollegen vergeblich die Bewilligung . zur Ausreise zu erhallen. Auch die Sowjetregierung hat erst durch die Vermittlung Maxim Gorkis eingewilligt, der den Volkskormnissären und besonders Lenin nachwies, daß die hebräische Literalur kein Bedürfnis für die Entwicklung der allgemeinen Kultur in Rußland sei und deren Vertreter daher entbehrlich seien. Auf die Frage über die Lage der Juden in Rußland antwortet Bialik; Antisemitismus und Pogrom, die Methoden der früheren Regierung, zählen nicht zum Programme der Sowjetregierung. Die politische Lage der Juden ist daher eine bessere. Die Juden sind aber weder Vorkämpfer noch Bekii.ro.pfer des Bolschewismus. Einerseits denken sie noch mit Entsetzen an die Zeiten Denikins und sie fürchten die Wiederkehr eines solchen Begimes, andererseits aber ist der Handel und die Industrie der Juden durch die Sozialisierung total vernichtet und in den bürgerlichen Kreisen herrscht ein bitteres Elend. Von den 18 Volkskommissären sind bloß dreie Juden: Trotzki, Kameneff und Sinowjew, sind ab'er nur Juden vermöge ihrer Abstammung, aber sie sind weder moralisch rioeh geistig mit dem Judentum verbunden, von welchem sie sich nach Möglichkeit fernhalten. Auf die Frage, wie die Sowjetregierung sich zur jüdischen Religion verhalte, berichtet Bialik, daß die Religion vollständige Freiheit in Synagogen, Kirchen und Moscheen besitzt. Die Sowjetregierung mischt sich in keine religiöse Angelegenheit, insoferne sie sich nur in den Tempeln bewegt. Die hebräische Sprache wird hauptsächlich von der jüdisch-sozialistischen Partei bekämpft, die nur jüdisch unterrichten lassen will. Die Regierung selbst stört die hebräische Kultur nicht. Die zionistische Bewegung wird besonders von dem jüdisch-sozialistischen „Bund" bekämpft, vornehmlich von dessen Präsidenten Meregin. Dieser verhindert die Emigration nach Palästina und die Lage der au der Grenze zurückgehaltenen Emigranten ist eine schreckliche. Eröffnung eines jüdischen Gymnasiums erhalten. Vorerst kann aber nur die erste Klasse eröffnet werden. . Deutschland. Große Spenden für d»n Palästinafonds der Aguda. Die Palästinazentrale der Aguda in Deutschland (Frankfurt, Eschenheimer Anlage 31) teilt mit, daß Frau Di\ Abraham Hirsch und Herr Dr. Emil Hirsch in Halberstadt zum ehrenden Gedächtnis an den leider zu früh verstorbenen Vorsitzenden der Agudas Jisroei Herrn Abraham Hirsch s. A. der Palästinazentrale der Agudas Jisroei in Deutschland einen Betrag von 200.000 deutsche Reichsmark für den Keren Erez Jisroei zur Verfügung gestellt haben. Diese Summe wird als Dr. Abraham Hirsch-Stiftung zum Ankaufe von Land für eine Agudakolonie verwendet werden. Die genannte Zentrale teilt mit, daß von anderer Seite auch weitere Beträge finden gleichen Zweck in Aussicht .stehen. Polen. „Hazefira" — eingestellt. Das erste und bedeutendste hebräische Tageblatt „Hazefira", das besonders unter der Redaktion Sokolows zur Blüte gelangt war, hat sein Erscheinen eingestellt. Prämien für Thorastudium. Bekanntlich befindet sich in Warschau die Jeschiva „Toras Ghaim", die nach dem Pvab. ..Chahu Solovayczik" benannt ist. Das Komitee der obigen Jeschiva entwickelt eine sehr rege Tätigkeit. Um den Fleiß der Jeschivaschüler anzuspornen, hat dieses jetzt eine neue Regel eingeführt. Bei den Mitte Elul bevorstehenden Prüfungen weiden Schüler, die in 50 Blatt Gamoro gut Bescheid wissen, eine Belohnung von Mk. 600 bekommen, in 100 Blatt Mk. 1200, in 200 Blatt Mk. 2000. in iJOO Blatt Mk. 5000, in 400 Blatt Mk. 7000 und in 500 Blatt Mk. 10.000. Ein namhafter Betrag wurde bereits zu diesem Zwecke gesammelt. Die Prüfungskommission besteht aus sieben Mitgliedern.- Einstellung englischer Visen. Das Paßbureau vom englischen Konsulat in Warschau visiert vorläufig nur Pässe englischer Bürger. Die deutsche Grenze gesperrt. Seit einem Monat verweigert auch der deutsche Konsul in Warschau das Visum. Chefez-Chaim in Warschau. Anläßlich des bevorstehenden Besuches des „Bai Chefez-Ghaim" in Warschau, hat sich ein Komitee aus den angesehensten Bürgern der Stadt bestehend gebildet, das Vorbereitungen trifft z,u einem würdigen Empfange des illustren Gastes.

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