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Jüdische Presse · 1921-07-08 · 23 (8.7.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
23 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 JÜDISCHE PRESSE Seite 175 NACHRICHTEN. Deut$cD$$terreicl>. Die Chaluzim-Fragö. Major Mindel, der Beamte der palästinensischen Regierung, ist in Wien angelangt, um den Stand der Palästina-Einwanderer zu überprüfen. Major Mindel hat auch das Bureau der Aguda besucht, behufs Revision der Chaluzim- Listen und hat sich bei dieser Gelegenheit eingehend über die Ziele der Aguda informiert. Ernennungen. Bundespräsident Hainisch hat den außerordentlichen Professor Herrn Dr. Heinrich N e umaiin zum ordentlichen Professor und den Dozenten Herrn Dr. Max E i s 1 e r zum außerordentlichen Professor ernannt. Wir gratulieren beiden Gelehrten, den eifrigen Förderern der Aguda, bestens zur wohlverdienten Auszeichnung. Für unbemittelte Barmizwa-Kinder. Auf Ansuchen des Wiqner Lokalkomitees der Aguda hat. sich die Wiener Kultusgemeinde in einer Zuschrift vom 27. Juni bereit erklärt, für die Beschaffung von Tifillin für unbemittelte Barmizwa-Kinder 50 Prozent der Kosten beizusteuern. Israelitische Kultusgemeinde in Wien. In Gemäßheit des § 92 (neu) des Statutes der israel. Kultusgemeinde Wien wird zur Kenntnis gebracht, daß die Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonds und Anstalten für das Jahr 1920 vom 6. Juli durch 14 Tage im Sekretariate der israel. Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4, HI. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufliegen. Die Gerneindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist ihre Erinnerungen schriftlich einzubringen. Kinderfürsorge der Aguda. Herr Hermann Deutsch, Präsident der orthodoxen Gemeinde in Sobotica (Szabadka), ersuchte die Agudas Jisroel in Wien, 50 erholungsbedürftige Kinder orthodoxer Eltern auszuwählen und dorthin zu befördern. Die Aguda hat bereits Schritte unternommen, um diese Aktion möglichst im Rahmen der allgemeinen Kinderfürsorge durchzuführen. Mißglückte Gegenoffensive. Der Erfolg, den die Aguda in Wiener-Neustadt erzielt hat, wo viele. Zionisten zur Aguda übertraten, veranlaüte die österreichische zionistische Organisation vier Tage später eine Propagandaversammlung in Wiener-Neustadt abzuhalten, die vollständig fehlgeschlagen hat. Nach der Propagandarede des Dr. Kadisch ergriff der Obmann der Aguda-Ortsgruppe, Herr Rosenberger das' Wort, der in dem Kampfe Zionismus contra Aguda die Wiederauflebung des Kampfes der Neolögie gegen die Orthodoxie erblickt. Auf den Zwischenruf: „Und die Misrachi?", antwortete der Redner sehr treffend: „Die Misrachi ist die Status quo-Parteiu, die mit ihrer Haltung die Orthodoxie desavouiert. (Die Status quo- Gemeinden haben aber gar nie gegen die Orthodoxie gekämpft, wie die verräterische Misrachi gegen die Aguda. Die Red.) Kräftigere Wahrheit mußten die Herren von dem Munde eines alten strenggläubigen Herrn hören. Man führ betrübt nach Hause. Die Aguda-Gruppe entwickelt sich gut. Herr Alois Koppel spendete K 6000, Herr Reininger K 2000. Die „Jüdische Presse" findet gute Verbreitung. Zurn vorigen Berichte sind noch die heifällig aufgenommenen Ansprachen der Herren David Friedmann uud David Bondy hinzuzufügen. Deutschland. Der Verband der Ostjuden in Deutschland gibt ein Wochenblatt in jüdischer Sprache „Der Misrach- .Tud" heraus. Der Verband besitzt Ortsgruppen in allen jüdischen Zentren. Jüngstens hat sich „Agudas Achim" in Hannover und der „Hilfsverein für ehemalige österreichisch-ungarische Angehörige" dem Verbände angeschlossen. In Brandenburg fand eine große Versammlung des Verbandes statt. Jeschiba in Hamburg-. Nach vielen Jahrzehnten erhebt sich an der Stätte wo Chacham Zewi, R.. Jonathan Eibenschütz und R. Jakob Emden gelehrt haben, wieder eine Jeschiba. Am 15. Juni wurde die Jeschiba unter der Leitung des Rosch-Jeschiba Dr. Spitzer eröffnet. Polen. Intensive Boykottagitation. Die polnische Hetzpresse „Dwa Grosche" bringt unter dem Titel: „Das heilige Recht Israels" einen Artikel, der im Zusammenhang mit dem Projekt der Einführung des freien Handels mit Getreide steht. Die polnische landwirtschaftliche Organisation plant nämlich, den Getreidehandel zu monopolisieren. Der Zweck ist die Ausschließung der Juden von diesem Berufe. Der „Kuryer Poramy" und der „Robotnik" kämpfen gegen diesen Plan der Gutsbesitzer, und zwar aus dem Grunde, weil sie die Interessen der Bevölkerung wahren wollen. Die Hetzblätter greifen in scharfen Worten das Vorgehen dieser Zeitungen an und schimpfen sie jüdische Versorger. Das Problem ist leicht lösbar, behauptet dieses ehrwürdige Organ: der Getreidenandel war seit jeher in jüdischer Hand und ist die Organisierung desselben als ein Attentat auf das heilige Recht Israels aufzufassen. Dann kommt eine Kaskade der niedrigsten Verleumdungen, die beweisen wollen, auf welche Art und Weise der jüdische Kaufmann den polnischen Bauer auswuchert. Letzter wird als unschuldiges Opfer in der Hand des jüdischen Kaufmannes dargestellt. Das alle Lied, der Jude schreibt die Preise aller erdenklichen Bedarfsartikel hinauf und bereichert sich an der Not und dem Hunger des Volkes. Der Bauer, der notorische Preistreiber, der die Kriegskonjunktur so gut auszunützen verstand, wird reingewaschen, um die Verunglimpfung der Juden zu motivieren. Zum Schluß heißt es: Die polnische Gesellschaft muß dessen eingedenk sein, daß die Posener Ackerbauern gerade mit dem Getreidehandel ihren heiligen Feldzug unter der Devise „Befreiung von den Juden" begannen, wo doch dies schädliche Element vor einem halben Jahrhundert dort genau so die Oberhand gewonnen wie hier. Das Gedeihen der polnischen Städte und Dörfer ist bedroht und soll denen höher stehen, als das heilige Recht Israels jene zu unterdrücken und zu knebeln. 5,000.000 poln. Mark hat die Aguda Szlume emune in Warschau bisher für den „Keren Erez Israel" gesammelt. Die Zentrale teilt mit, daß dies nur der verschwindende Anfang für einen größeren Erfolg bei geeigneter Organisation ist. Dr. Nossig hat zwecks Durchführung einer polnischjüdischen Verständigung von Volk zu Volk den Versuch unternommen, einen polnisch-jüdischen Klub zu bilden, dem bereits mehrere polnische Politiker und Intellektuelle, meist der sogenannten früheren Aktivistengruppe angehörend, beizutreten gesonnen sind. Wie verlautet, sollen die jüdischen Vertreter sich diesbezüglich sehr reserviert verhalten. Der Nachfolger des Rabbi Halpern s. 1. An Stelle des Sejm-Deputierten des allzu früh verstorbenen Rabbi Moses Halpern s. 1. ist, laut Beschluß der Lodzer Aguda am 30. Juni, Rabbiner Josef Feiner (Lodz), der als Ersatzdeputierter gewählt war, vorgerückt. Wir begrüßen den neuen Vorkämpfer für unsere gute Sache und wünschen, daß es ihm gelingen möge, die Lücke auszufüllen, welche der Tod R. Halperns verursacht hat. Besuch des Gerer Rabbi schl. in Lodz. Dem „Haderech" wird gemeldet: Großen Eindruck hat es hervorgerufen, daß der Gerer Rabbi persönlich einer Aguda-Sitzung in Lodz beigewohnt hat, in welcher wichtige Beschlüsse erbracht worden sind. Näherer Bericht "folgt. Militärfreiheit. Das Kriegsministerium hat verordnet, daß in Ostgalizien die Angehörigen der ruthenischen, deutschen und jüdischen Nationalität nicht der' Militärpflicht unterliegen. Bei dieser Befreiung von der Militärpflicht bleibt das Religionsbekenntnis gänzlich irrelevant. * Die polnische Quote. Laut den bei der polnischen Regierung eingetroffenen Berichten werden auf Gründl der neuen amerikanischen Einwanderungsbill im Laufe eines Jahres aus Polen nur 31.261 Personen nach Amerika emigrieren können. Joint. In Lemberg fand am 21. Juni eine von der medizinischen Abteilung des Joint einberufene Sanitätskonferenz statt, an der 46 Delegierte, hauptsächlich Aerzte aus allen Teilen Ostgaliziens teilnahmen. Die Konferenz, an der auch Dr. Bogen teilnimmt, wurde vom Leiter des Sanitätswesens des Joint, Dr. Plötz, eröffnet. Italien, Tropfenweise. Die „J. P. Z." meldet: Ganz allmählich gelingt es, die in Triest sich stauenden Ghaluzim nach Palästina anzutransportieren. So gelang es 25 Personen, das französische Visum zu erhalten, die sich mit dem Lastschiff „Galizia" nach Beirut einschiffen konnten. Die mit der „Helouan" am 13. Juni angelangten Kommissäre der palästinensischen Regierung haben am 14. Juni mit der Revidierung der Pässe begonnen. Sekretär Mindel amtiert täglich im Palästinaamt und legt bei der Revidierung viel Gewicht darauf, ob die Reisenden Zertifikate der Zion. Org. (?) besitzen und ob sie gute Aussicht auf Arbeitsmöglichkeit, respektive ausreichende finanzielle Mittel nachweisen können. Am 17. Juni haben sich auf der „Helouan" zirka 65 Personen nach Palästina eingeschifft, alles Leute mit Zertifikaten oder Wohlhabende. Der englische Kommissär, der selbst Jude ist und geläufig hebräisch spricht, ist fest entschlossen, nach Palästina ausschließlich Gutsituierte oder Fachleute, die unmittelbar dort Verwendung finden können, hineinzulassen. Mau hofft, daß allen in Triest harrenden Ghaluzim ihr heißer Wunsch, so rasch als möglich nach Palästina zu gelangen, erfüllt werden wird. (Siehe Deutschösterreich.) Rumänien. Die Aguda-Delegation in Siebenbürgen. Wie mitgeteilt, hat Obmann Pappenheim in Begleitung des Generalsekretärs Dr. Pollak eine Propagandareise nach Siebenbürgen angetreten. Wir erhalten vorläufig folgenden lelegraphischen Bericht aus Oradea inare: „Begeisterte Stimmung, kolossaler Empfang. Sonntag Massenmeeting." Eine zweite Depesche lautet: „Riesenmeeting glänzend ausgefallen. Oberrabbiner Fuchs, Wolf Pappenheim, Dr. Pollak begeistert akklamiert. Jugendgruppe." Aguda in Bessarabien Aus Chisinau (Kischinew) wird uns berichtet: Wir arbeiten nach bester Möglichkeit für die große Idee und die große Masse empfindet ja, daß die Wahrheit bei uns ist. Allein es wäre dringend notwendig, daß wir von den Führern der Aguda Besuch erhalten sollen. Die Zionisten arbeiten mit Riesenreklame. Jüngstens war Scherzmann aus London und Temkin aus Paris hier und die Masse hat einmal Respekt vor großen Herren aus Paris und London, die ausgerechnet nach Kischinew kommen, um sie für den Keren hajessod zu gewinnen. Für den „Keren", der darum eigentlich ein „Sod" ist, weil der „Jud" davon fehlt, fügt der Berichterstatter witzig hinzu. Immerhin wäre es sehr erwünscht, wenn wir Sukkurs von der Wiener Zentrale erhalten würden. Der Erfolg wäre die Mühe wert. Demnächst berichte ich ausführlich über die Jeschiba, welche R. Schlomo Babusc.hkin hier eröffnet hat und über das orthodoxe Gymnasium, welches unsere Aguda errichtet. Rolland Die Aktion des Oberrabbiner Onderwyzer. Die Versammlung der Oberrabbiner Hollands hat unter anderen auch die Mitteilungen von den Schritten des Oberrabbiners Onderwyzer, die dieser unternommen hat, um eine Einigung zwischen der Zion. Org. und der Agudas Jisroel herbeizuführen, entgegengenommen. Die Rabbinerversammlung erklärt mit lebhafter Befriedigung von diesen Verhandlungen Kenntnis genommen zu haben und würde es mit großer Freude begrüßen, wenn es zwischen diesen beiden Organisationen zu einer Uebereinstirnmung kommen würde. Ukraine. Todesurteil gegen Pogromisten. Die ukrainische Sowjetregierung hat 30 Pogromisten vor , das Gericht gestellt. Nach viertägiger Verhandlung sind 21 zum Tode und 9 zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Haman am Galgen. Polnischen Quellen zufolge wurde A tarn an Struk, der durch die Veranstaltung zahlreicher Judenpogrome berüchtigte ukrainische Bandenführer von den Bolschewisten gefangen genommen, zum Tode verurteilt und in Berditschew gehängt. Die erfolgreichen Operationen. Mit bezug auf die zahlreichen Meldungen der russischen Emigrationspresse, die in der letzten Zeit über erfolgreiche Aufstände und Operationen in der Ukraine und Weißrußland meldete, berichtet ein unlängst aus erwähnten Gegenden eingetroffener Jude im Rigaer „Volk", daß diese „erfolgreichen Operationen" in der Hauptsache in Judenpogromen bestanden hätten. Der an der Spitze der Banden stehende Golak hat in einer Reihe von Städten der Gouvernements Tschernigow und Hornel furchtbare Judenmässaker veranstaltet. Eine Reihe von Städtchen wurde total ausgeplündert, da es sich in der Hauptsache um eine eigentliche Räuberbande handelte. Die Bolschewisten hätten zwar einen energischen Kampf gegen diese Pogrome aufgenommen, jedoch trotz aller Ansuchen nicht gestattet, daß sich ein selbständiger jüdischer Selbstschutz organisiere. Jimerika. Misrachi-Konferenz. In New York fand während zwei Tagen bei Anwesenheit von mehr als fünfzig Delegierten unter Vorsitz von Rabbi Meier Berlin die Halbjahreskonferenz des amerikanischen Misrachi statt. Es wurden unter anderen folgende Resolutionen angenommen: Vor dem Zionistenkongreß solleein allgemeiner Misrachistenkongreß stattfinden. Alle misrachistischen Kongreßdelegierten sind eo ipso Delegierte des Misrachistenkongresses. Der Misrachi hat auf dem Zionistenkongreß die Forderung zu stellen, daß die zionistische Weltorganisation keine irgendwie geartete Unterstützung jenen Kwuzoth oder Institutionen in Palästina gewähren darf, die öffentlich die jüdische Religion verletzen. Da auf Grund der Abmachung mit dem Keren Hajessod der Misrachi nicht größere Beträge für die Bedürfnisse des Misrachi sammeln darf, wie auch infolge der allgemeinen Krise, sind die finanziellen Verhältnisse des Misrachi derart, daß er nicht , in der Lage ist, seinem Arbeitsbedürfnisse vollauf genügen zu können. Es. wurde deshalb ein besonderes Finanzkomitee eingesetzt, das nach Geldmitteln Ausschau halten soll, um dem Misrachi über diese Zeit der Be-( drängnis hinwegzuhelfen. Bedeutende Summen sollen hierfür gleich auf der Konferenz gezeichnet worden sein. Morgenthaus Angriff auf den Zionismus. Henry Morgenthau, der türkische Ex-Ambasador, hat in der „World's Work" seine Ansicht über den Zionismus geäußert. Er behauptet, daß die Bewegung eine Utopie, die sich nie verwirklichen wird, sei, eine Ausgeburt überspannter Phantasie. Er nimmt an, daß auch von England die Sache nicht ernst gemeint sei, es werde sich nicht dazu hergeben die mohammedanischen und christlichen Rechte auf Palästina der jüdischen Autorität zu unterordnen. Die Balfour- Deklaration hält er für eine Ironie und die Berufung Sir Herbert Samuels zum Kommissär von Palästina als politischen Schachzug. Die „Morning Post" erklärt sich mit dem allem sehr einverstanden.

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