Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 22 (1.7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 170 (Tokaj), Kohn (Csorna), Fellner (Beled), Benedikt (Szombathely). Stern (Fuldes). Löwy (Boldogasszony), Rosenbaum (Kisvärda) und Altmann (Mezöcsäth), ferner 30 Laienmitglieder. Präses Adolf Frankl eröffnet die Sitzung und entwarf ein Bild der verhängnisschweren Ereignisse der letzten sieben Jahre. Er schildert die Verwüstungen, welche der Krieg im ethischen und besonders im religiösen Leben des Judentumes hervorgebracht hat und hebt besonders die Zerstörung, welche die Kommune, welche nicht blos das materielle Eigentum, sondern auch die sittlichen Schütze konfiszieren wollte, resultiert hat. Er schildert den schweren Verlust der jüdischen Wissenschaft den man durch den Verlust der Jeschibas in Galanta, Preßburg, Szatmar, Künsdorf. Huszt u. a. erlitten hat. Diese und noch etwa 50 kleinere Jeschibas waren die Vcsten Israels in der Vergangenheit. Er beantragt, daß in Ungarn neue Jeschibas gegründet werden sollen, und daß den Bachurim durch reichliche Unterstützung ein sorgenfreies Studium ermöglicht werde. Präses geht nun auf die Frage des Anschlusses an die Aguda-Weltorganisation über und beantragte, daß sich die ungarische Orthodoxie zuerst neu organisieren müsse, um dann als eine kompakte Einheit den Anschluß an die Aguda auszusprechen.''. Er hebt besonders den Punkt des Agudaprogrammes hervor, in Palästina selbständige, auf streng konservativer Basis begründete Kolonien zu schaffen und appelliert an die ungarische Orthodoxie, schon jetzt diese Aktion durch Beisteuer zum Keren Erez Jisroel zu fördern. Er beantragt ferner das statutengemäße 100-gliedrige Komitee zu wählen. Die ausgezeichnete Darstellung des Präses wurde mit Spannung angehört und die Anträge nach kurzer Debatte angenommen. Man beschloß nach den Jomim towim eine große Landesversaramlung einzuberufen, an welcher diese Beschlüße durchgeführt, werden. Siebenbürgen. Die Aguda in Siebenbürgen. Obmann Pappenheim und Dr. Joel Pollak sind nach Oradeamare (Nagyvarad) abgereist, um die Aguda-Sache in Siebenbürgen zu organisieren. Deutschland. Seltsamer Unglücksfall. In Harnuthsachsen (Hessen) wurde der zehnjährige Sohn des Malermeisters Linker vermißt. Man fand den Knaben schließlich auf dem israelitischen Friedhof erschlagen unter einem umgestürzten Grabstein, an dem er sich vermutlich zu schaffen gemacht hat. Ehen jüdischen Rechtes in Deutschland. Das Bayrische Oberste Landesgericht hat jüngst einen Beschluß erlassen, der wegen seiner praktischen Bedeutung in weitesten juristischen Kreisen Aufsehen erregt hat und vom Justizministerium durch Veröffentlichung im Staatsanzeiger zur Kenntnis der Standesämter gebracht wurde. Talbestand und Entscheidungsgründe sind kurzgefaßt folgende: Die Beschwerdeführerin S. P. und ihr Ehemann sind mosaischer Religidn und litauische (früher russische) Staatsangehörige. Ihre Ehe wurde am 30. Juli 1919 von dem Rabbinat M. nach jüdischem Ritus durch Erteilung des Scheidebriefs geschieden. Die Beschwerdeführerin beabsichtigt nun, sich mit dem polnischen Staatsangehörigen Sch. D. in M. zu verehlichen und hat deshalb bei dem Standesamt M. den Antrag gestellt, das Aufgebot zu erlassen. Das Standesamt hat dies mit Hinblick auf § 1309 B. G. B. mit Art. 80 E. G. B. G. B. abgelehnt, da die deutschen Gesetze nur eine gerichtliche Scheidung der Ehe kennen und deshalb die Scheidung durch das Rabbinat M. nicht als für die Erlassung des Aufgebots zu einer neuen Ehe genügend anerkannt werden könne. Das gemäß § 11, Absatz 3 P. St. G„ angerufene Amtsgericht und das für die eingelegte Beschwerde zusländige Landgericht haben dem Standesbeamten beigepflichtet, ebenso als letzte Instanz das Oberste Landgericht. Wesentlich sind die folgenden vom Obersten Landgericht festgelegten Rechtssätze: „Die Frage, ob eine in Deutschland durch Ausübung einer geistlichen Gerichtsbarkeit vorgenommene Ehescheidung als bürgerlich rechtswirksam erachtet werden kann, ist ganz allgemein und namentlich auch für Ausländer ohne Rücksicht auf irgend ein religiöses Bekenntnis zu verneinen. Von einer rechtsgültig vollzogenen Auflösung der Ehe durch Scheidung könnte hier sonach selbst dann nicht gesprochen werden, wenn die Scheidung dem in Betracht kommenden ausländischen Recht vollkommen entsprechen würde und ihre Rechtsgültigkeit von der hierzu berufenen ausländischen Regierung anerkannt wäre. (Israelit. Farn.) Amerika. Schiffsgesellschaften verantwortlich für die Einigrantenzahl. Der Generalkommissar Husband, teilt mit, daß die Schiffsgesellschaften dafür haftbar gemacht werden, daß sie nicht mehr Emigranten transportieren als die gesetzliche Quote ausmacht und haben die Schiffsgesellschaften die zurückgewiesenen Emigranten auf eigene Kosten zurück zu führen. Kein Zionistenpräsident. Die Zionistenkonvention in Gleveland hat nach der Abdankung von ßrandeis und Mack überhaupt kein Präsidium gewählt, sondern nur ein Verwaltungskomitee, an deren Spitze der Generalsekretär Louis Lipsky steht. Dieser Umstand charakterisiert zur , Genüge die Gewaltsamkeit der ganzen Mache Weizmanns. Es ist keine verantwortliche Persönlichkeit in Amerika zu finden, die diese Politik mit ihrem Namen deckt. 2000 jüdische Emigranten stehen im New-Yorker Hafen. Wie die „New-Yorker Zeit" meldet, hat die Einwanderungsbehörde 10.000 Emigranten, darunter 2000 Juden, die Einwanderung verweigert. Die Stimmung der Emigranten ist eine verzweifelte. Die „Hias" hat sich telegraphisch nach Washington um Einlaß der Zurückgehaltenen gewendet. Der General- JfJDISCHE PRESSE kommissär des PJinwanderungsamtes gibt zu. daß schon die erste Woche des neuen Einwanderungsgesetzes ein trauriges Resultat ergeben hat. Speziell Italiener leiden stark darunter. Er sehe nur den einen Ausweg, daß die Leute bis Juli im Hafen bleiben und der Ueberfluß der Juni-Quote eingerechnet werde in die Juli-Quote. England. Fünfzigjähriges Jubiläum der Anglo Jewisch- Association. Am 16. pto. fand im Trocadero in London ein Festbankelt der A. J. A. statt, bei welchem Sir Claude Montefiore, Sir Alfred Mond und Rabbiner Dr. Gaster anwesend waren. Montefiore sagte: Alle, die Schma Isroel sagen, seien Brüder. Die A. J. A. sei dazu da, damit glückliche Juden den unglücklichen helfen sollen. Sir Mond appelliert um Einigkeit, in der Frage des Aufbaues Palästinas. Dr. Gaster rühmt Rumänien, welches seine alten Sünden gutzumachen bestrebt ist und liberal regiert. Rußland. Paßbewilligungen für zionistische Delegierte. Der Londoner „Zeit" wird telegraphiert: Die Sowjetregierung hat 30 zionistischen Delegierten die Ausreise erlaubt, darunter dem berühmten hebräischen Dichter Bialik, Tschernichowski, Rownitzki und Kleinmann. Die Genannten sind bereits in Konstantinopel eingelangt. Antibolschewistischo jüdische Zentrale. Die „Zeit" meldet: Ein antibolschewistisches jüdisches Komitee operiert mit Erfolg in der Ukraine. Das Hauptquartier ist in Brussilow neben Berditschew. Die Sowjetregierung hätte 1 Million Rubel auf die Ergreifung des Komitees ausgesetzt. Falsche Nachricht. Die Nachricht, daß Rabbi Ghaim-Baranowitsch von den Bolschewisten ermordet wurde, war falsch. Der Rabbi ist jüngstens heil nach Baranowitsch zurückgekehrt. Sokolow blufft weiter. „The Jewish Times" veröffentlicht, ein Interview mit dem aus Palästina kommenden Sokolow. Sokolow ist entzückt, er behauptet noch immer, Messias Zeiten heraufbeschworen zu haben. Er sagt wörtlich: „Auf jenem Orte, von welchen Jesaias prophezeit hat, daß alle Völker hinaufziehen werden, sehen wir schon die Verwirklichung der Weissagung. (!) Es ziehen Vorsteher von allen Völkern, Priester in verschiedenen Kleidungen, Konsilien aller Regi.erungen, hochgestellte Personen und Prinzen — alle diese Deputationen der verschiedenen Staaten und Religionen sagen schon: Konstituierung des mährischen Landesverbandes. Den Bemühungen des Oberrabbiners Nürnberger (Ungarisch-Brod) ist es zu verdanken, daß der Aguda-Gedanke auch in Mähren und Schlesien Wurzel geschlagen hat. Sonntag, den 3. Juli 1921 findet in Brünn die konstituierende Sitzung des Aguda-Komitees für Mähren und Schlesien statt. Die Agudas-Jugendgruppe Bratislava entfaltet auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit eine nachahmenswerte Rührigkeit. Besonders die Förderung des Limud hathora ist das erstrebenswerteste Ziel unserer Gruppe. Rabbiner Hirschler leitet nach wie vor in seiner rühmlichst bekannten Art den Kiduschin Schiur, der jetzt während der Sommermonate von 5—6 Uhr morgens abgehalten wird. Herr J. Glück, ein Schüler des Hunsdorfer Gaon s. A., lernt allabendlich Brochaus vor und "bietet durch sein gründliches Können seinen zahlreichen Zuhörern Gelegenheit zum „Lernen" im echten, unverfälschten Sinne. Bei seinem am Schabbos stattfindenden Pirke-Owass-Vorträgen erfreut uns Herr Glück durch die geistreiche Art seines Magiddus-Vortrages. — Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge leistet die hiesige Jugendgruppe ebenfalls Anerkennenswertes. Nr. 22 „Lechu wenaale el bet haschem," zum High Comis sioner. Sie müssen pich bücken und beugen vor ihm sie wissen alle, daß der erste Mann in Jeruscholajim ein Jude ist. (!) Die Ursache der arabischen Erregung ist — sagt Sokolow — Israel Zangwill, der die Expatriierung der Araber verlangt hat. Man kann den Arabern diese Rede nicht mehr aus den Kopf schlagen. (S'gleich! Also Zangwill ist schuld, daß die von Weizmann uud Sokolow gelieferte Geula noch nicht abgewickelt werden konnte.) Ein Fundamentalwerk der Talmudliteratnr. Wie Prof. Ludwig Blau in der „Deutschen Literaturzeitung" mitteilt, erscheint eine vorzüglich gearbeitete Konkordanz der Mischna. Das gesamte Quellenmaterial wird nun in einwandfreier Form dargeboten und damit ein einzigartiges Mittel der talmudischen Studien geschaffen. Den Herausgebern der in Jerusalem erscheinenden Konkordanz steht ein internationales Fachkomitee zur Seite, dessen Ehrenpräsident der Oberkommissär Palästinas Sir Herbert Samuel ist; die wissenschaftliche Leitung liegt in den Händen des Jerusalemer Rabbiners J. Horowitz. „Mischna und Talmud", so charakterisiert Blau die Bedeutung des Wertes, dürften in Zukunft dem theologischen wie dem antisemitischen Streit für immer entrückt und Gemeingut der allgemeinen Wissenschaft werden. Eine Original-Menorah. Die von der jüdischen archäologischen Gesellschaft in Palästina unter der Leitung von Dr. Slouzsch in der Nähe von Tiberias gemachten Ausgrabungen, die schon sehr wertvolle Funde zutage gefördert haben, wurden nach Pessach fortgesetzt. Sie haben die Annahme von Dr. Slouzsch bestätigt, daß die Ausgrabungsstelle die im Talmud erwähnte Synagoge ist. Bei den letzten Ausgrabungen wurde ein weiterer Raum freigelegt, in dem sich verschiedene Marmorgegenstände, Inschriften, Geräte, Tafeln, Mosaiken, Säulen und anderes mehr vorfanden. Am 14. Mai wurde ferner eine richtige siebenarmige Menorah gefunden, die ganz den Beschreibungen der Menorah in der Bibel entspricht. Dr. Slouzsch äußert sich über diesen Fund wie folgt: „Dies ist der erste nationale Ritualgegenstand aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels, der in unsere Hände gelangt ist. Bis jetzt hat man die Menorah nur nach mutmaßlichen Schilderungen dargestellt. Und nun haben wir eine richtige Menorah, wie sie im Tempel gebraucht wurde. Es ist zu hoffen, daß an dieser Stelle noch weitere wertvolle Funde zu erwarten sind." Ausgrabungen in Bet Sean. Die Regierung von Palästina hat dem Universitätsmuseum von Pensylvanien die Erlaubnis erteilt, Ausgrabungen bei der Stadt Beisan vorzunehmen, dem biblischen Beth Sean östlich der Ebene Israel und zwanzig englische Meilen südlich vom See Genezareth. Die Arbeiten sollen noch in diesem Monat unter Leitung des Archäologen Fisher beginnen, der erklärt hat, er hoffe, die Ueberreste von mindestens sieben Städten ans Tageslicht fördern zu können, die nacheinander auf diesem Platze gestanden haben. Beth Sean wird im Buch der Richter als Stadt der Kanaaniter erwähnt, die die Israeliten nicht einnehmen konnten. An seinen Mauern hängten die Philister nach der Niederlage der Israeliten auf der Ebene Israel die Leichen König Sauls und seiner Söhne auf, und die Stadt scheint von den Israeliten erst zur Zeit Salamous erobert worden zu sein. Sie wurde zur griechischen Zeit Skythepolis genannt. Ihr arabischer Name ist Beisan, und zur Zeit der Kreuzzüge bildete sie einen Bezirk des Fürstentums Galiläa unter der Oberhoheit des Königsreichs Jerusalem. Es finden sich dort Ruinen eines Tempels und eines Amphitheaters, die aber noch nicht näher untersucht worden sind. Spendet füp die Jugendgruppe! eingesendet „Hagyomäny*, Tradition, Ueberlieferung, nennt sich ein in Budapest erscheinendes Blättchen, das vor Jahren von einen status quo-Rabbi redigiert wurde, dannnach einer Periode wenig rühmlicher Tätigkeit eingegangen, resp. auf dessen Sohn übergegangen. Hat nun der Vater allem Recht und aller Wahrheit zum Hohne das Blättchen „Tradition" genannt, da dasselbe alles eher, als "das althergebrachte Judentum vertreten hat, so kann der Sohn diese Zeitschrift mit vollstem Rechte „Tradition" nennen, da er die von seinem Vater ihm überlieferte Wühlarbeit gegen die Orthodoxie in pietätvoller Weise fortsetzt. Jedoch in der letzten Nummer des „Hagyomäny" wird den primitivsten Begriffen des journalistischen Anstandes in solch derber Weise ins Gesicht geschlagen, daß dies die sittliche Entrüstung, den schärfsten Tadel jedes Rech'tlichdenkenden herausfordern muß. Stein nach Stein wird aus dem Gebäude der gesitteten Erziehung und gesellschaftlichen Wohlanstundigkeit herausgerissen und allem und jedem, was sich zur Orthodoxie bekennt, an den Kopf geschleudert. In unerhört zynischer Weise wird die Orthodoxie der Slowakei herabgewürdigt und besudelt. Alle D^VTJ Q'OD'H dieses Landes werden wiederholt als die unfähigsten und unwissendsten Männer beschimpft, die den Vergleich mit der immensen talmudischen Gelehrsamkeit (höret und staunet) der neologen und status quo-Seelsorgern nicht aushalten. KALENDARIUM. $g|g9§£ Tag Sivan Juli Notizen Sonntag 27. 3. Märtyrertod R. Chananja ben Peradion — Tod R. Meir Eisenstudt 5504 Montag 28. 4. Ende der Sintfluth — Dienstag 29. 5. Erew Rosch-Chodesch — Tod R. Samuel Isser Lublin 544,2 Mittwoch 30. (i. Roscli-Chodesch Tanimus I. - Tod R. Mose Nagara Damaskus 5341 Tod R. Ahron Abu Lemberg 5403 — Massakre in Sevilla 5130 — Donnerstag Thum uz 1. 7. Roscli-Chodesch Tanimus II. Freitag 2. 8. Tekufa (Nachts'1 Uhr 30 Minuten) — Märtyrertod R. Mose Aschkenes Konstantin 5408 — Tod R. Nate Zans Dayan in Preßburg 5532 —^—--------- Sanistag 3. Korach. Haftoru: Wajomer Schumel — 4 Perek —• Josua stellt die Sonne TSCHECHOSLOWAKEI.