Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 21 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629928--0292-2631902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
- Riga 1× ep/1000826
- Smolensk 1× ep/1000959
OCR text
Nr. 21 JÜDISCHE PRESSE Seite 163 anderen Konfession bestehe. — Bischof Rott antwortete in Devecser dem Rabbiner Links: Der christliche Glaube beruht auf den jüdischen. Das Evangelium befehle ja, daß man die Kinder Israels ehre. Seine Kirche achtet die glaubenstreuen Juden und er verlangt stets von seinen Geistlichen, daß sie ihre Gläubigen zum konfessionellen Frieden ermahnen sollen. — Bischof Hanauer-Väcz sagt auf einer Sprengeltour in Ocsa zum Gemeindepräses Büchler: Ich verspreche, daß ich die Geistlichkeit auffordern werde Liebe und nicht Haß zu predigen: ich dulde nicht, daß sie Haß schüren. Tatsächlich ermahnte der Pfarrer dieses Ortes in seiner Pfingstpredigt zum konfessionellen Frieden. Dr. Barsi. Der bekannte Budapester Kinderarzt und ehemalige Primarius der Ofener Poliklinik, Dr. David Barsi, ist jetzt auf dem Gebiete des Mutterschutzes und der Kinderfürsorge in Jerusalem tätig. Seinen hingebungsvollen Bemühungen ist es nun laut „Doar Hajom" gelungen, am 18. Mai die erste Mütterberatungs- und Säuglingsfürsorgestelle Palästinas in Jerusalem zu eröffnen. Diese segensreiche Institution wurde unter der Aegide der Pekidim und Amarkalim und unter Mitwirkung von Damen des Jerusalemei Vereines „Eser Joldoth" ins Leben gerufen und steht unter ärztlicher Leitung Dr. Barsis. Aushilfe in Naturalien (Kinderwäsche, Kindernährmittel usw.) wurde vom Frankfurter Verein „Lemaan Zion" zugesagt. Diese Institution bildet einen weiteren Schrittt zum Ausbau einer modernen wissenschaftlichen Sozialhygiene in Palästina und wird von den Müttern aller ßevölkerungsschichten freudigst begrüßt. Deutschland. Kinderfürsorge der Aguda. Die Breslauer Ortsgruppe der Agudas Jisroel hat eine Aktion eingeleitet um 25 erholungsbedürftigen Kindern einen zweimonatlichen Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen. Die Abreise der Kinder wird bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Polen. Die Agudas-Szlome emime in Tarnow. Herr Markus Kamm, Vorstandsmitglied der Wiener Aguda, weilte Schwuos in unserer Stadt. Diese Gelegenheit haben wir benüzt, um eine Versammlung in der Talmud Thora einzuberufen. Unter dem Vorsitze des Herrn Salamon Mehr berichtete Herr Kamm über die Arbeit der Aguda. Man beschloß, die Wiener Aguda um die Entsendung eines der Führer nach Tarnow zu ersuchen, und hofft besonders, daß auch Herr Isak Thumim dahin kommen werde. Es wären viele Tausende für die Agudaidee zu gewinnen. Für die „Jüdische Presse" wurde eine erfolgreiche Propoganda eingeleitet. England. Agudas Jisroel. London, 6. Juni 1921. Auf einer öffentlichen Versammlung der Londoner Aguda wurden nach einem Referate von Dr. Leo Jung (Gleveland) folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Versammlung beschließt, der Leitung der Agudas Jisroel-Weltorganisation ihr volles Zutrauen auszudrücken für ihre energische Arbeit für Klall Jisroel in Erez Israel. Insbesondere begrüßt die Versammlung die Palästinareise des Gorer Rebben, die sie als Anfang einer segensreichen, praktischen Aufbautätigkeit der Orthodoxie in Erez Israel betrachtet. 2. Die Versammlung richtet an die englische Regierung das dringende Ersuchen, das Verbot der Einwanderung nach Erez Israel sofort aufzuheben, damit es insbesondere auch der Orthodoxie ermöglicht werde, am Aufbau des Heiligen Landes im Geiste der jüdischen Tradition mitzuhelfen. Italien. Der Papst gegen das jüdische Nationalheim. Der Papst hat ein geheimes Konsistorium abgehalten, auf dem er daran erinnerte, daß er schon einmal Gelegenheit gehabt habe, seiner Beunruhigung über die Vorgänge in Palästina Ausdruck zu geben. Weit davon entfernt sich zu verringern, haben seine Besorgnisse infolge der Tätigkeit israelitischer Elemente im heiligen Lande noch zugenommen, die aus dem durch den Krieg hervorgerufenen Unglück Nutzen ziehen. Der Papst beklagt die privilegierte und vorherrschende Stellung der Juden an einem Orte, an den sich die erhabensten Erinnerungen des Glaubens knüpfen. Er fordert die christlichen Regierungen und Völker auf, beim Völkerbunde Schritte zu unternehmen, damit die Satzungen des englischen Mandates bezüglich Palästina geprüft werden. Der „Osservatore romano" gegen den Zionismus. Das vatikanische Organ publiziert eine Korrespondenz aus Paris, in welcher alle Strömungen für und gegen den Zionismus geschildert werden, und welcher in der Ueberzeugung konkludiert, daß der Zionismus die Unterdrückung des Katholizismus in Palästina bedeuten würde. Amerika. Erleichterung. Aus einer Mitteilung des Amtsblattes geht hervor, daß der Arbeitssekretär ausnahmsweise eine Einwanderung über die durch das Gesetz festgelegte Zahl hinaus zulassen kann und daß von dieser Möglichkeit für den Monat Juni Gebrauch gemacht werden wird. Doch wird der für Juni zugelassene Ueberschuß von der gesetzlich zulässigen Zahl der Einwanderer im Monat Juli abgezogen werden. Rußland. Pogrome. Der Leiter des europäischen Büros, des New Yorker „Forward", Schiffrin. erhielt ein vom Leiter des jüdischen Kommissariates, Mereschin, gezeichnetes Radiotelegramm aus Moskau folgenden Inhaltes: Am 24. April begannen Judenpogrome im Gouvernement Hornel: der erste Pogrom fand in Krasnopol statt. Die Pogrome, die großen Umfang annahmen, wurden von antibolschewistischen Banden unter Führung von Gologa inszeniert. Pogrome fanden statt in Hornel, Podobryn, und in den Dörfer Mikulitsch, Kabylew. Nowo-Borsuk. Das revolutionäre militärische Komitee organisierte zusammen mit den lokalen Truppenteilen eine energische Aktion und es gelang, die Banden zu vernichten und die Pogromgefahr zu beseitigen. Die größte Zahl der Opfer gibt es in Riepka. Wie nachträglich gemeldet wird, fand auch in Dowrowlozna. ein Pogrom statt. Verbot. Laut dem in Minsk erscheinenden „Wecker" wurde nach einem gegen die Poale Zion durchgeführten Prozeß in Smolensk festgestellt, daß die Poale Zion als konterrevolutionäre Partei zu betrachten sind, weshalb deren Tätigkeit verboten wird. Pogromstatistik und Papiermangel. Das Moskauer sozial-jüdische Hilfskomitee hat die Statistik von Pogromen in Angriff genommen. Die Arbeit würde 70 bis 100 Millionen Rubel in Anspruch nehmen, was laut dem Berichte des Komitees kein Hindernis wäre, hingegen bereitet der Mangel an Schreibpapier große Schwierigkeiten, welche aber das Komitee dennoch zu überwinden hofft. Palästina. Eine große Schokoladenfabrik in Jaffa. Reiche Juden aus Riga sind an die Errichtung einer Fabrik für Schokolade, Bonbons und kandierte. Früchte herangetreten. Den entsprechenden Bauplatz haben sie an einem zentralen Punkte, nicht weit von Tel-Awiw, von der Gesellschaft „Geulah" erworben; es wurde bereits mit der Vorbereitung der Inangriffnahme der Baulichkeiten begonnen. Die entsprechenden Maschinen sind schon unterwegs. Laut „Haaretz" sollen gegen 1000 Arbeiter in dieser Fabrik Beschäftigung finden. TSCHECHOSLOWAKEI. Cscbccboslowakei. Jeschiwa-Sabbath. Durch die Jeschiwa-Aktion der Agudas Jisroel Landesorganisation der Slovakei. war für den 'S p"^ ein Jeschiwa-Sabbath für alle Gemeinden der Slovakei bestimmt worden und sind die Spenden laut den bereits eingelaufenen Berichten besonders zufriedenstellend. Genaue Daten liegen noch nicht vor, doch werden die Spenden baldigst, namentlich veröffentlicht. Es ist wieder der Beweis erbracht worden, daß in der Slovakei noch reges Interesse für p'TTin vorhanden ist, daß sich ein Jeder verpflichtet fühlt, für dessen Aufrechterhaltung und Unterstützung sein Schärflein beizutragen. Die löbl. Gemeindeleitungen, welche das Resultat noch nicht bekannt gegeben, mögen es baldigst der Landesorganisation der Agudas Jisroel, Bratislava. Turnergasselo—16,einsenden, beziehungsweise die eingelaufenen Beträge mittels erhaltenen Posterlagschein ehestens überweisen. Spendouausweis über die der Jeschiwa Aktion der Agudas Jisroel Landesorganisation Bratislava zugelloüenen Betrüge: Bratislava (Gioße Synagoge), David Krausz Kc 500, Max Kann 500, Fili[) Benedikt 300, Josef Kaltmann 200, Isidor Pappenheim 200, Ungar Lipot 200, B. Redlinger 240, Fopper Kälmann 200, Adolf Glaser 150, Michael Blau 100, Josef Frankl 100, Isidor Engl 100, Jakob Gansl 100, Heinrich Stahler 100, L. Drechsler 100, Abeles Miksa 100, Dr. S. Rotter 100, Fuchs Bela 100, M. Menczer 100, Beno Kunstadt 50, Izso Stahler 50, Lajos Kohlmann 50, Joszef Benger 60, Isidor Glück 50, L. Braun 50, Armin Deutsch 50, M. Wasservogl 50, S. Blödi 50, M. Rosenblüth 50, N. Adler 50, Samu Eckstein 50, Aron Schönbaum HO, Moses Weisz 80, S. Bineter 30, N. Preüburger 30, Ignatz Rosenblum 30, S. Lebensfeld 30, S. Weinreb 20, N. Schwartz 25, S. Weisz 25, A. Sclnvartzkin 20, S. Grünhut 20, A. Sebestyen 20, Mihaly Donath 20, N. Luczato 20, D. Singer 20, Sandor Reich 20, N. Rosenzweig 10, N. Feuermann 10, Abraham Bick 10, Rah. Wessely 5, J. Redlinger 5, N. Fried 5, Bethaus 3"3!"D Knill 240, zusammen Kc 4.775.— Tikun Lei schowuot. Die Aguda Jisroel Jugendgruppe veranstaltete in der Schowuotnacht ein Tikun Lei schowuot und war dort die ganze Aguda- Jugend versammelt. In einem geräumigen Lokale, fast bis aufs lelzte Plätzchen besetzt, hatten die Versammelten Gelegenheit, schöne und gediegene „Diwre Thora" durch die anwesenden Jugendlichen zu hören und haben sich besonders die Herren: Samuel Schreiber, H. Singer, Müller, Peretz, Eckstein und Wolf Weiß ausgezeichnet. Für Erfrischungen war durch die Fürsorge des Herrn Heinrich Kohlmann gesorgt und haben die Herren Isidor Pappenheim und Zsiga Rosenbaum für diesen Zwecke namhafte Spenden in Naturalien gewidmet. Luhatsovits. Dr. Ludwig Lieben aus Prag hat seine badeärztliche Tätigkeit in Luhatsovits eröffnet und ordiniert in der Villa Slansky, Hauptstraße. Ein höchst interessantsr Fall. (Glaubenswechsel mit Hindernissen.) Es gehört heute nicht zu den Seltenheiten, daß der Rabbiner den Besuch dreier Herren erhält, deren zwei die Zeugen der Erklärung des Dritten sein sollen, wonach derselbe den Glauben seiner Väter verlassen will. Der Rabbiner pflegt in solchem Falle — trotzdem er der Ueberzeugung ist, daß da Hopfen und Malz verloren — seine ihm zu Gebote stehende Redekunst anzuwenden, um den Abtrünnigen seinem Glauben zurückzuerobern, was selten gelingt. Kürzlich erschien wieder einmal ein solcher Herr beim Pöstyener Rabbiner, und zwar mit den obligaten zwei Zeugen, zwei hochachtbaren Herren. Die Erklärung wurde abgegeben und Oberrabbiner Weber machte dem Betreffenden Vorstellungen darüber, daß er die Sache wohl überlegen möge, sein Vater sei Präses vielerjüdischer Institutionen, er möge es später nicht bereuen und dergleichen. Unser Mann ward förmich gerührt und unwillkürlich platzte er heraus : „Deshalb, wenn ich auch einen anderen Glauben annehme, bleibe ich im Herzen dennoch ein guter Jude." Die Zeugen, die nichtjüdischen Glaubens waren, hatte diese offene Bekennung der Absicht des Glaubensgenossen in spe derart frappiert, daß sie Beide schleunigst das Zimmer des Rabbiners' verließen. Der aufrichtige Herr wird sich nun allenfalls andere Zeugen suchen müssen, nächstens jedoch in seinen Aeußerungen bei ähnlicher Gelegenheit vorsichtiger sein . . . („Nyitrai Ujsag") In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". Rabbiner Benedikt Katz. Am 17. Ijar, dem letzten Tage, an welchem nach der Ueberlieferung unter den Schriftgelehrten das Sterben wütete, hat es dem Allmächtigen gefallen, einen der wenigen in Prag lebenden Talmudbeflissenen, Herrn Stiftungsrabbiner Benedikt Katz, zu sich zu berufen. Wegen seines tiefgründigen talmudischen Wissens von den Kennern allgemein geachtet, übte er sein Amt als tomttf buchstäblich bis zum letztem Atemzuge aus; denn auf dem Schlachthofe hat ihn ein schwerer Anfall seines Leidens heimgesucht, dem er, kaum heimgekommen, erlag. An der Bahre des Verblichenen, der als Besitzer einer hKTn mnn Beisitzer des Prager p*T JTS war, hielt Herr Oberrabbiner Dr. Brody einen Nachruf, in welchem er das Dahinschwinden so umfassender Thorawissenschaft tief beklagte. Stiftungsrabbiner Katz war ein Schwager des so früh verstorbenen Agudaführers Oberrabbiner Dr. Jung in London. ".TD'T'm Jüdisches Emigrationskomitee in Kischinew. Unter dem Vorsitze des Dr. Jakob Kogau-Bernstein hat sich in Ghisinau (Kischinew) ein Emigrationskomitee gegründet, das mit der „Hias" in Verbindung steht. Warnung an Emigranten. (Nummer 7 der Nachrichten des Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten. Hilfsverein der deutschen Juden. Vom Reichseinwanderungsamt anerkannte gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durch- und Auswanderung.) Laut den neuen kanadischen Einwanderungsvorschriften müssen alle Passagiere, welche nach Kanada reisen, direkt von ihrem Heimatlande in einer ununterbrochenen Reise nach Kanada fahren und deshalb müssen sie auch die Schiffskarte nach Kanada bereits in ihremHerkunfts- 1 ande lösen. Ausnahmen werden nur in besonderen Fällen gemacht. In solchen Fällen muß eine Landungsgenehmigung von Gol. I. Obed Smith Superintendent