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Jüdische Presse · 1921-06-24 · 21 (24.6.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
21 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE PRESSE Seite lfil Unser (Ueg. Von <)l>enabl>iner Koloman Weber, Präsident der orth. Landeskanzlei der Slowakei. i.-chlnB. i Und weil dem so ist. weil das solidarische Zueinanderstehen der Jereüm der ganzen Welt das Lebensinteresse für die Erhaltung der Orthodoxie in der ganzen Welt bildet, liegt es mir als Kanzleipräses der slowakischen Orthodoxie besonders am Herzen, daß die Agudas Jisroel eine solche Struktur und einen solchen Rahmen erhalte, sich zu einem solchen Programm bekenne, daß kein namhafter bm und kein echt orthodox Gesinnter, abseits von der Aguda bleiben könne, daß selbst die rigoroseste Auflassung von Orthodoxie und deren radikalste Richtung sich in der Aguda wohl fühle, damit, der Gegner nicht mit Schadenfreude auf fernstehende Autoritäten hinweisen könne, die solchergestalt das Prestige und den Einfluß der Aguda beeinträchtigen würden. Gewiß, die slowakische Orthodoxie hat gleich in ihrer ersten konstituierenden Sitzung den Anschluß an die Aguda unter Bedingungen ausgesprochen, die es garantieren, daß trotz der gegenwärtigen Verhältnisse, die in unserem Lande herrschen, die reinste und idealste Orthodoxie durch das Zusammengehen mit den orthodoxen Gruppen anderer Länder nicht im geringsten beeinträchtigt werde. Diese Garantien erhielten in der jüngsten Zeit erhöhte Bedeutung, indem die Aguda-Landsmannschaft der Slowakei sich konstituiert hat und Männer an ihre Spitze gestellt hat, deren Leitung die beste Bürgschaft für die Erhaltung des reinsten orthodoxen Prinzipes. Allein in bezug auf die Lösung der jüdischen Weltprobleme, die sich die Aguda zum Ziele gesetzt hat, scheint nicht jene Klarheit zu herrschen, die allein imstande wäre, die Bedenken der rechts und äußerst rechts Stehenden zu zerstreuen. Diese Bedenken aber müssen beseitigt werden, wenn die Aguda all die Hoffnungen erfüllen, all den Erwartungen gerecht werden soll, welche die um die Thora besorgten Jereim mit Recht fordern, um so mehr als es einen einfachen leicht gangbaren Weg hiezu gibt. Dieser Weg wäre, daß der Waad Harabonim, jener rabbinische Körperschaft, welche die Aguda in ihrer Organisation als rabbinischen Rat, als höchste Autorität in allen Fragen vorsieht, in allerkürzester Zeit zu einer Sitzung zusammenberufen werde, zu welcher Sitzung auch alle jene Gedolim, die sich bisher der Aguda noch nicht angeschlossen haben, eine herzliche Einladung erhalten sollen, in der sie gebeten werden, dort zu erscheinen und alle ihre Bedenken darzulegen, mit der Versicherung, daß denselben die weitgehendste Berücksichtigung zuteil werden solle. Solchergestalt würde dann die Aguda nach außenhin eine einheitliche Willenskundgebung der Orthodoxie der ganzen Welt darstellen. Von ganz besonderer Wichtigkeit wäre diese geschlossene Einigkeit für eine äußerst wichtige Stellungnahme, um in einer der wichtigsten prinzipiellen Fragen Klarheit zu schaffen. Einige der heiligsten Grundsätze unserer Lehre ist in den letzten Jahren durch die jungjüdischc Bewegung erschüttert worden. Unser hohes sittliches Ideal der Emuna an Bias-Moschiach ist verfälscht worden, unser Glaube an die Göula durch erhabenere ajs politische Ursachen ist verdunkelt, durch die kontinuierliche Agitation für den Aufbau Jerusalems und die Errichtung des jüdischen Staates verzerrt worden. Gegen diese Entweihung des Geula-Glaubens mußte der Waad die schärfste Verwahrung einlegen und in autoritativer Weise erklären, daß'wir nichts anderes tun dürfen und nichts anderes tun wollen, als den Jischuw ha-joschon, die Altkolonisation, auf breite Basis zu stellen, dem Jischuw ha-chodosch eine wohlwollende Haltung entgegenzubringen und nach allen Kräften zu fördern, damit die Souveränität der Thora gesichert ist. Haben wir damit den Vorwurf, daß die Aguda nur negativ und nicht schöpferisch wirke, unwirksam gemacht, so gilt es einen zweiten Vorwurf zu entkräften, den Vorwurf, daß die Orthodoxie stets die von den Völkern angebotene Rechtsgleichheit ablehne; einmal wäre es die Rezeption gewesen und jetzt das Minoritätsrecht. Wie unrichtig. Niemals hat die Orthodoxie auf ein wirkliches Recht verzichtet. Sie war nur stets nüchtern genug, um die angebotenen Scheinrechte nicht durch die Brille des Augenblickserfolges zu beurteilen, sondern unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit zu betrachten. In ihrem Wesen konservativ, kann sie sich nicht sofort für jede Neuerscheinung jeder Art begeistern, wie die fast unverantwortlichen Elemente des Judentums, und bleibt vollends der lärmenden Politik derselben ferne. Die Orthodoxie wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Ungeheuerlichkeit des jüdischen Minoritätsreehtes, weil sie die schrittweise Entrechtung der Juden daraus folgen sieht. Wir haben keinen Anlaß gesehen, ob der Balfour-Deklaration in Jubel auszubrechen und haben auch die glaubenstreuen Massen vor der bittersten Enttäuschung bewahrt. Die Zionistenführer haben in Versammlungen, in der Weltpresse den Judenstaat als errichtet und die Judenfrage als gelöst dargestellt. Die Lage der Juden hat sich indessen in der ganzen Welt böse kompliziert. Es wäre wohl Zeit, daß Agudas Jisroel auf den Plan tritt, in Erez Israel , reale praktische Arbeit leiste. Wir wollen offen und unverhohlen der englischen Regierung erklären: Wir, die Konservativen, die große Majorität des Judentums verlangen Rechte in Palästina auf Grund einer friedlichen Verständigung mit den Aiabern und den anderen dort lebenden Nationen, die uns niemand verweigern wird und verweigern darf, bis zu jener Zeit, wo die uns von G-tt durch seine heiligen Propheten in bezug auf das heilige Land gemachten Verheißungen in Wirklichkeit umgesetzt werden. Uliener Calinuil Cbora Schule. (IT., Malzgasse 16.) Es bleibt eine unwidersprochene Tatsache, daß die wichtigste, schwerwiegendste und heiligste Aufgabe für ein jüdisches Gemeindewesen das Schulwesen bildet. — Seit 80 Jahren besteht in Wien diese einzige, jüdische, streng religiöse Volksschule, die Tausende von Kindern mit glänzenden Erfolgen zu glaubenstreuen, bewußten und wissenden Juden erzog. Es ist anerkannt — von den besten Schulmännern ausgesprochen — daß keine Wiener Schule bessere Lehrerfolge und Erziehungsresultate aufzuweisen hat und auch die hygienischen Einrichtungen entsprechen im neuerbauten Schulgebäude den modernsten Ansprüchen. — Trotz alledem ist diese segensreiche Institution, die, wenn sie nicht schon längst bestünde, mit allen Machtmitteln geschaffen werden müßte, zur Armenschule herabgewürdigt worden. Darf und muß dies so sein und bleiben? Müssen soziale Unterschiede auch schon in der Schule der frühen Kindheit triumphierenden Einzug halten? Besuchet doch einmal diese geächtete Schule, die im Herzen der Leopoldstadt liegt, verfolget den Lehrplan, beobachtet die Lehrmethoden, überzeuget euch, mit welcher Gewissenhaftigkeit der religiöse Geist darin schaltet und waltet, wie so ganz anders, wie in anderen Schulen, der Religionsunterricht aufgefaßt wird, wie alle Feiertage würdig gefeiert, werden, wie frühzeitig der Schüler in den Pflichtenkreis des gesetzestreuen Judentums eingeführt wird. Hier wird nicht Religion gelehrt, wie es sonst der Stundenplan für einzelne Stunden in der Woche vorschreibt, sondern iiier pulsiert lebendige Religiosität, hier waltet echter Thorageist, befreiend und aufklärend von allen Skrupeln und Zweifeln, die sonst so leicht Schulkinder erfassen und niederdrücken. Hier gibt es keine religiösen Unterschiede; je frömmer und g-ttgefälliger die Haltung der einzelnen Schüler, um so mehr Lob und Anerkennung wird dafür gezollt. Dieser sich gegenseitig anfeuernde Eifer wird durch keine Spötterei und Mißachtung gehemmt oder getrübt. Und wenn die Glocke den Schluß des profanen Unterrichtes verkündet, dann beginnt eist „das Lernen" des Talmuds, das dem Geiste der Kleinen Wunderkräfte verleiht. Besuchet so eine Gemorahstunde und lauschet überrascht und begeistert, was diese Kleinen schon wissen, wie sie es verstehen, zu tragen und zu antworten, und wie diese klugen Kinderaugen dabei leuchten und funkeln. Hier muß jede nörgelnde Kritik verstummen, jedes Wort der Einwendung auf den Lippenersterben.... In eurer Hand liegt es, diesem Schulwerk das Gepräge zu geben, in eurer Macht liegt es, diese Schule zum Mittelpunkte unserer Gemeinde zu machen und zu dem Instrumente auszugestalten, welches uns so dringend nottut. Nicht der Vorstand, der sein Möglichstes tut, nicht der Lehrkörper, der sein Bestes gibt, ist dazu allein berufen und befähigt, sondern die Eltern der schulbesuchenden Kinder. — Am 1. Juli beginnen die Einschreibungen für das nächste Schuljahr; wer seine Kinder liebt, ihre jüdische Entwicklung und Zukunft gesichert Avissen will, vertraue sein Kind dieser erprobten und bewährten Erziehungsanstalt an. Je mehr Kinder aus unseren Kreisen diese Schule besuchen werden, um so ausgeprägter wird der Stempel sein, den dieses Lehrhaus als „unsere Schule" tragen soll. 0. N. Der Gerer Rabbi sch. I. und Sir Samuel. Zwei Dokumente, aus verhängnißschwerer Zeit beschäftigen die jüdische Presse. Der Brief, den der Geier Rabbi sch. 1. im „Jud" über seine Eindrücke in Erez Isroel veröffentlicht und die Rede Sir Samuels, welche das Debacle der Weizmann-Politik — wenn das überhaupt Politik genannt zu werden verdient — besiegelt. Der Gerer Rabbi zeigt sich da in seiner vollen Größe eines über die Parteimauern ragenden Thoraführers. Er ist sich der Wirkung seines Wortes bewußt und legt daher jedes W'ort auf die Wage der Wahrheit. Begeisterte Worte für das Leben in Erez Isroel, eindringliche Mahnung — tiefgehender als die jungzionistische Phrase — für Erez Isroel zu leben sind die leitenden Motive. Er geißelt scharf das Treiben der zionistischen Parteiorgane und ihre lügenhaften Verdrehungen. Ueber „Dinge, die offenbar werden, lügt kein Mensch" zitiert der Rabbi den Talmud, die Zionisten hören eben augenscheinlich „in der Hitze des Kampfes auf, Mensch zu sein". Rabbiner Kuck erfährt in diesem Brief hohe Genugtuung für ungerechte Angriffe und der Gerer Rabbi rügt darüber die eigenen von ihm kräftigst unterstützten Parteiorgane „Jud" und „Haderech". Das erhebt ihn auch schon politisch hoch über seine Gegner. Er mahnt die Orthodoxen in Palästina, ihren persönlichen Kampf zu unterdrücken, wodurch die Aguda in Palästina sehr viel Anhänger gewinnen werde. Der Rabbi wollte auf der Heimreise den Reiser Rabbi sch. 1. besuchen und ihn für die Aguda gewinnen, da er von Herrn David Schreiber erfahren hat. daß der Belser Rabbi kein Gegner der Aguda sei und es nur für besser finde, wenn auch ein Unparteiischer den Standpunkt der Jereim vertrete. Die Eonn des hebräisch geschriebenen Briefes, der in drei Artikeln in den Nummern 1 fi. 21 und 27 des „Jud" (Warschau) erschienen ist. hat ihre besondere Eigenart durch zahlreiche kurz und scharf gegebene halachische und homiletische Erörterungen. Peinliche Gewissenhaftigkeit ist der charakteristische Zug des Briefes. * * Das dunkle Gegenstück dieses Briefes ist die genugsam bekannte Rede Samuels. Sir Samuel ist. englischer Staatsbeamter und seine unabweisliehe Pflicht ist, englische Interessen zu vertreten. Jeder ehrlich und vernünftig Denkende sagte sich bei seiner Ernennung, daß den Arabern, die mehr, stärker und einiger als wir sind, damals wohl die nachdrücklichste Garantie gegeben worden ist. daß Samuel keine jüdische Politik machen werde. Jeder ehrlich und vernünftig Denkende wußte, daß die Balfour-Deklaration das lächerlichste Dokument der Kriegs-Diplomatie, der nichtswürdigste scrap of paper war. daher sind die bitteren Ausbrüche des „JeAvish Chronicle" gegen die englische Regierung, welche das Blatt des Betruges bezichtigt, ungerecht. Nicht England hat uns betrogen, sondern die zionistische Leitung. England hat ehrlich die Interessen Englands vertreten, das Aktionskomitee hat aber nicht die jüdischen Interessen vertreten, sondern die eigenen persönlichen. Ist es nicht unerhört, daß das verantwortliche Haupt, noch in der siebenten Woche nach der Katastrophe in Jaffa, im Wonnetaumel Amerika bereist, um sich von bestellten Komitees feiern zulassen, anstatt sofort am 2. Mai von Amerika nach der Stelle seiner Pflicht zu eilen! Man weiß doch jawohl, was Weizmanns Mission in Amerika ist: seine Wiederwahl am Karlsbader Kongreß zu sichern, sich drüben ein eigenes Bureau zu errichten, das sichere Kongreßdelegierte liefert. Dieser sonderbare Coriolan darf aus Amerika seiner Mutter berichten : Zion ist verloren, aber dein Sohn ist gerettet! Tasttag in Palästina. Sowohl Rabbi Chili in Sonnenfeld n. j. als auch die anderen Rabbiner haben einen allgemeinen Fasttag für den 20. Siwan (ein altjüdischer Gedenktag) verordnet. Im Aufrufe heißt es unter anderem: Ein Tag der Buße, des Gebetes und der Wohltätigkeit mag er werden, ein Tag des Bitten und des Flehens, aufzuschreien zum Himmel über dieses Unglück, über den Niedergang der Ehre der Thora, der Ehre unserer Religion und über die Entweihung Seines heiligen Namen. Zum Schluße werden auch die jüdischen Gemeinden im Ausland gebeten, den Fasttag zu halten. Jedenfalls sollte jeder warmfühlende Jude eine Ablösung zu wohltätigen Zwecken am 20. Tarn us (20. Juni) sp en den. Rabbiner Meir Z. 3ung (Contfon) bw Eine tieferschütternde Trauerbotschaft macht uns das Herz erbeben, das noch die unvernarbte Wunde aufweist, die der plötzliche Tod des großen Raw von Lodz ihm geschlagen hat. Auch Rabbi Meir Z. Jung ist nicht mehr! Drei Namen, sagen unsere Weisen, hat der Mensch. Einen, den ihm die Eltern in die Wiege legen, einen, den er sich selbst beilegt und einen, den ihm die Menschen geben. Meir ist der teuere Dahingeschiedene von seinem Vater genannt worden, der damit den Wrunsch in den Namen legte, eine Leuchte in Israel zu erziehen. Aber wie oft schlägt die heiligste Absicht und die beste Erziehung fehl und das Kind legt sich, selbständig geworden, einen anderen Namen bei. Aber unser großer Meir hat sich, auf dem Scheidewege der Jugend angelangt, nicht anders heißen wollen, nicht als ein anderer leben wollen, als ein Meir, einer, dessen Lebensaufgabe darin besteht, Licht, das große Lieht der Thora — en or elo Thora — in Israel zu verbreiten. Aber selbst die beste Erziehung und der beste Wille des Mannes selbst können oft an Umständen und an der Ungunst der Verhältnisse scheitern. Aber unser Rabbi Meir hat auch zum dritten Male den großen Ehrennamen des Meir seitens seiner Mitmenschen errungen. Wenn wir den Bilanzstrich unter diesem großen, edlen

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