Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 18 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 JÜDISCHE PRESSE Seite 141 Herren Salomon Langer und David Halberstam ist es gelungen, die gesamte gesetzestreue Jugend unserer Schwesterstädte Bielitz-Biala unter dem Banner der Aguda Jisroel zu vereinigen. Die erste Tätigkeit der Jugendgruppe war die Einrichtung von Schiurim. und zwar ein Abendnnd ein Morgenschiur. Diesen Erew Pessach wurde in der Jugendgruppe Kiduschin beendet. Infolge zahlreichen Besuches und auf Wunsch vieler Mitglieder wurde für diesen Sernester der Lehrplan erweitert, und zwar wurde ein Schiur erew gittin von ß bis 8 Uhr abends und ein Schiur boker, nedorim und ran, beide unter Leitung des Herrn Wolf Rapaport, eingerichtet. Außerdem wurde ein Schiur pilpuli für verschiedene Sugjes haschass eingerichtet. Vor einigen Tagen hat Sr. Ehrw. Herr Rabb. Aron Halberstam unserem Schiur erew beigewohnt und seine Zufriedenheit über den Limud und die rasche Entwicklung unserer Gruppe ausgesprochen, welche fPttfnjD zur Erziehung unserer Jugend beruach Isroel sabo sehr viel beitragen wird. Auch für jüngere Kinder wurde durch Gründung einer „B"-Gruppe Sorge getragen, um sie nach Austritt aus der Talmud Thora von fremden Einflüssen fernzuhalten, und für die „Aguda" zu erziehen. Ferner hat die hiesige Jugendgruppe eine Organisation- und Propagandakommission unter Leitung des Herrn Salomon Langer (der bekanntlich bei der Gründung der holl. Landesorganisation des „Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel" sich sehr verdient gemacht hat) gebildet, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, hierorts und in den benachbarten Ortschaften den „Agudas Jisroel "-Gedanken zu propagieren, und die „Thoratreuen" für den Zusammenschluß in dieser Organisation zu gewinnen. Vor einiger Zeit hielt unsere Jugendgruppe eine Generalversammlung ab, die sehr stark besucht war. Der Vorsitzende des provisorischen Komitees Herr David Halberstam begrüßte die Anwesenden und erteilte Herrn Gh. Schuldiener das Wort. An Hand von Zitaten aus Talmud und Agada erweist der Redner die Sehnsucht und die Liebe des jüdischen Volkes für Erez Israel und das uns al pi din thora die Pflicht auferlegt, an dem Wiederaufbau des heiligen Landes auf Grundlage der nilft mitzuarbeiten. Als zweiter Referent spricht Herr Markus Langer. Redner erklärt den Zweck und die Aufgaben der Agudas Jisroel und richtet dann einen^flammenden Appell an die Jugend, sich von unseren Gegnern nicht verführen zu lassen, sondern treu zu bleiben der Tradition unserer Väter, ihr altes reines „Thora-Ideal" ungetrübt in ihren Herzen zu bewahren, und mitzuwirken an den heiligen Aufgaben der Agudas Jisroel. Bei der darauffolgenden Wahl wurde ein aus elf Personen bestehender Vorstand gewählt, und zwar David Halberstam, Vorsitz; Salomon Langer, Vizevorsitzender; Gh. Schuldiener, Markus Langer, Sekretäre; Saul Rapaport, Kassier, und sechs Beisitzende, die sich in verschiedenen Arbeitssektionen verteilen. B. E. Die Wolosiner Jeschiba. Im „Jud" wird der Vorschlag gemacht, am 14. Sivan, dem 100. Todestag des Gründers R. Ghaim Wolosinen, mögen dessen zusammenkommende Enkel und Urenkel, wie die Gemeinde seiner Verehrer ihr Schärflein dazu beitragen, die berühmte Jeschiba wieder aufzubauen. Litauen. Die Gemeindewahlen in Litauen. Aus Kowno wird uns telegraphiert: Das Resultat der am Chol hamoed stattgehabten Kehilla-Wahl in ganz Litauen ist für die Orthodoxie glänzend zu nennen. Trotz der unlauteren zionistischen Agitation, die mit dem demagogischen Schlagwort „Verrat der Aguda" zu operieren versuchten, ist im ganzen Lande eine orthodoxe Mehrheit gewählt worden. In Kowno allein ist ein Zuwachs von sechs Kandidaten gegen vorige Wahl erreicht worden. Die orthodoxe Arbeit schreitet günstig weiter. Wir geben eine jüdische Wochschrift heraus, von welcher bereits zwei Nummern erschienen sind. Rumänien. Die ukrainischen Juden in Rumänien. Wir haben bereits von der erfolgreichen Intervention des Rabbi Zirelsohn berichtet, zu Folge deren die rumänischen Behörden den geflüchteten ukrainischen Juden rumänische Pässe zur Weiterreise ausstellten. Welche segensvolle Tragweite diese Intervention hatte, geht aus einem Berichte aus Bukarest hervor. Gegen Winterende kamen in Bukarest 30.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in unsagbar traurigem Zustande an. Sie waren aller Mittel beraubt und fast nackt. Die Bukarester Juden haben sich da ein unvergeßliches Verdienst erworben. Es wurden sogleich 3 '/2 Millionen Lei gesammelt. Die Bankfirma Marmarosch Blanc, &Co. hat täglich 100.000 Lei für die Ausspeisung der Flüchtlinge hergegeben. Der Joint, dessen edle Tendenzen keinen besseren Vertreter als Dr. Fildermann finden konnten, hat ebenfalls 3 Millionen Lei votiert. Die Stadtverwaltung von Bukarest hat den Flüchtlingen für die ganze Dauer des Aufenthaltes Tee und Brot verabreicht. Die Flüchtlinge wollten nach Argentinien auswandern, stießen aber auf den Widerstand der argentinischen Behörde. Die rumänische Regierung bemühte sich — und mit Erfolg — die Erlaubnis der Einwanderung durchzusetzen. Ein Lichtblick in der erschütternden Leidensgeschichte der ukrainischen Juden! Möge dieses Beispiel bei den Juden aller Länder Nachahmung finden und möge in allen Ländern die Judenfrage gegenüber diesen Unglücklichsten der Unglücklichen ausgeschaltet werden. Besuch des Generalstabschefs Oberst Negulescu im jüdischen Spital in Oradea-Mare. Wir. haben bereits Mitteilung gemacht über die großangelegte Aktion der jüdischen Frauen in Großwardein, an deren Spitze Frau Ignatz Junggreis und Frau Therese Ullmann stehen, welche sich zum Ziele gesetzt hat, die Erweiterung des Spitals und Neuaufbau einiger dringend notwendiger Pavillons zu ermöglichen. Die Aktion ist noch nicht beendet und wir können schon heute auf das glänzende Resultat hinweisen, daß bis heute 450.000 Lei aufgebracht wurden. Das hiesige Spital ist in ganz Transsylvanien die einzige jüdische Institution, welche mit staatlichem Oeffentlichkeitsrecht versehen ist, dieselbe steht unter Leitung der Ghewra Kadischa. Die Regierung hat ihr größtes Wohlwollen gegenüber dem Spitale an den Tag gelegt und hat weitgehendste Unterstützung gewährt. Am 16. Mai wurde dasselbe mit einem Besuch des Generalstabschef Golonel Negulescu beehrt, der alle kulturellen und humanitären Aktionen bereitwilligst fördert. Derselbe wurde in Vertretung der Ghewra Kadischa vom Präses Zucker, Vizepräses Gellis, Herrn Freund und Präsidentin des Spitalvereins Frau Therese Ullmann, sowie von den Vorsteherinnen Frau Wiener und Frau Radö begrüßt und empfangen. Generalstabschef des Jägerkorps Negulescu und seine Begleitung besuchten, von allen Aerzten begleitet, sämtliche Krankensäle und gaben ihrer vollsten Zufriedenheit und Anerkennung über die mustergültige Leitung des Spitales, sowohl mündlich als schriftlich, im Gastbuche des Spitales Ausdruck. F. L. Die polnische Delegation. Die Herren Tobia Bialer und H. Staransky, welche in der Delegation des Gerer Rabbi sch. nach Erez Jisroel gereist sind, sind auch nach der Abreise des Gerer Rabbi in Erez Jisroel zurückgeblieben, um die begonnene Arbeit fortzusetzen. Spendet für die üugendgnippe! Konstituierung der Candesrepräsentanz der Aguda in der Slowakei. Kreisen hiesiger Juden stark empfunden wurde; das Fehlen eines Barmizwah-Kurses, wo die Jünglinge zur Barmizwah vorbereitet werden. Nun ist auch diesem Uebel seit dieser Woche abgeholfen, da im Rahmen der Jesod hatora ein Barmizwah-Vorbereitungskurs eröffnet wurde, in welchem die Jünglinge unter bestbewährter Leitung zur Barmizwah vorbereitet werden. Anmeldungen von Schülern hiezu werden täglich zwischen 2 bis 5 Uhr nachmittags, II.. Nestroygasse 11, entgegengenommen. Errichtung einer Handelsschule der Jesod hatora. Da nun für die jüdische Erziehung unserer Jugend, für Knaben uud Mädchen, gesorgt wurde, der Ausbau unserer Jesod hatora in bezug auf Thora lernen, sicher keinen Wunsch mehr übrig läßt, ist nun die Errichtung einer Handelsschule durch die Jesod hatora, im Rahmen der Jesod hatora, beabsichtigt und sind die diesbezüglichen Verhandlungen mit Behörden und bewährter Lehrkräfte so weit gediehen, daß die berechtigte Hoffnung vorhanden ist, daß diese Schule in allernächster Zeit eröffnet werden kann. Es wird dies den Ellern sicherlich sehr willkommen sein, weil dadurch nicht nur während des Unterrichtes, ein dem Judentum schädlicher Geist ihre Kinder in keine Gefahr mehr bringen werde, sich von der Thora zu entfernen, sondern es wird auch dadurch ihren Kindern die Möglichkeit geboten, trotz Besuches der Handelsschule, den weit größten Teil des Tages, dem gründlichen Studium der Thora, sich in althergebrachter Weise zu widmen. Jessod Hathora, Wien. In entgegenkommender Weise hat der Vorstand desBeth-Hamidrasch „Thora ez Ghaim" beschlossen, die gesamten Thoraspenden am letzten Samstag der „Jessod Hathora", Schulverein der Adas Jisroel, zu widmen. Dank der nie versagenden Opferfreudigkeit unserer Baale Batim konnte der „Jessod Hathora" der schöne Betrag von über K. 50.000 überwiesen werden. Bethausverein „Gemilas Chesed". Der Vorstand des Bethauses, XVI., Thelemangasse 8, hat beschlossen, die gesamten Thoraspenden am vergangenen Samstag der dort untergebrachten „Talmud Thora" zu widwen. Es wurden für diesen Zweck der ansehnliche Betrag von über K 12.000 gespendet. Dr. Samuel Deutsch, Kurarzt in B a d e n, eröffnet in seinem Hause, Wassergasse 14, eine Pension mit Koscher- Kost. Schöner große! Garten. Geeignet für Sanatoriumbedürftige. Ungarn. Zangwill gegen den Antisemitismus in Ungarn. Die Londoner „Zeit" teilt mit, daß Zangwill eine Einladung der ungarischen Friedensgesellschaft erhalten hat, an ihrem 25jährigen Jubiläum teilzunehmen. Zangwill hat eine ablehnende Antwort geschickt und gibt als Motiv „den Krieg gegen die Juden" an, der in Ungarn geführt wird. Zangwill erinnert, daß Ungarn einmal die Juden außerordentlich gut behandelt und sich damit gute Patrioten und Freunde im Auslande erworben habe. Zangwill weist auf die Verdienste des Lord Reading hin, als Beweis was Juden leisten können, wenn man sie liberal behandelt. Deutschland. Androhung kräftiger Strafen. Das bayerische Ministerium des Innern hat infolge der von uns in voriger Woche gemeldeten skandalösen Vorkommnisse bei einem Vortrage des Rabbiners Dr. Barwald in der hiesigen Gesellschaft „Gnosis" die Polizeibehörde abermals angewiesen, die antisemitische Bewegung besonders zu beachten und ihren Auswüchsen kräftig entgegenzutreten. Wenn die Verhinderung solcher Vorkommnisse nicht möglich sein sollte, dann müsse jedenfalls alles getan werden, um durch kräftige Strafen die Lust zu solchen Ausschreitungen zu unterdrücken. Polen. Jugendgruppe in Bielitz-Biala. Die hiesige Agudas Jisroel-Jugendgruppe, welche vor einigen Monaten gegründet wurde, hat sich G. s. d. außerordentlich gut entwickelt. Dank der Organisationstätigkeit der Am 8. Ijar fand im Saale der oith. Bürgerschule in Bratislava die konstituierende Sitzung der Landesrepräsentanz der Aguda statt. Die Beteiligung war eine sehr rege. Vorsitzender Rabbiner Katz (Nitra) eröffnet die Versammlung und begrüßt Herrn Oberrabbiner Schreiber als Obmann des Rabbinerkomitees und den Präsidenten der orth. Landeskanzlei Oberabbiner Weber sowie Herrn Wolf Pappenheim, Präses der Wiener Aguda-Zentrale. Vorsitzender entwirft ein klargezeichnetes Bild von den Aufgaben, welche der Aguda angesichts der schwierigen Probleme, vor welche die Zeit uns gestellt hat, harren und skizziert die Mittel und Wege, welche die Aguda hiezu wählen muß. Redner versichert, daß die Aguda in allen Fragen im Einvernehmen mit der orthodoxen Landeskanzlei handeln werde. Vizepräses Oberrabbiner Ungar (Trnava) begrüßt die Versammlung und überbringt die Begrüßung des Galantaer Raw Duschinsky. Oberrabbiner Schreiber (Bratislava) dankt für die Begrüßung, beglückwünscht die Aguda zur Wahl des Herrn Rabbiner Aron Katz als Präses, der als alter Vorkämpfer der Aguda wohl die beste Garantie für das Aufblühen der Aguda bedeute. Redner betont die Wichtigkeit der Betätigung für den Klall Jisroel, besonders in der Jetztzeit. Besonders jetzt, wo der Jüdischkeit so mannigfache Gefahren drohen, ist es unumgänglich notwendig, daß die Orthodoxie in festgefügten Banden vereinigt zur Tat schreite. Isidor Pappenheim (Bratislava) verliest sodann das Protokoll des Trencin-Teplitzer Delegiertentages und referierte über die Beschlüsse des Zentralrates. Oberrabbiner Hirschler (Modor) referiert ebenfalls über die Sitzung des Zentralrates und geißelt mit scharfen Worten die lügenhaften Berichte der gegnerischen Presse. Er findet es eigentümlich, daß die Partei, welche Erez Jisroel als ihr Ideal angibt, sich nicht freut, wenn eine solche Hilfe geboten wird, wie sie die Aguda leisten kann. Wolf Pappenheim hält dann ein einstündiges Referat über seine Palästinareise, das sich im Wesentlichen mit den bereits publizierten Referaten