Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 17 (20.5.1921)
- Date
- 1921-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 134 JÜDISCHE PRESSE Nr. 17 K 40.000 votiert. Auch die Mitlelstandsküche der „Einheit" und die Krankenküche erhielten bedeutende Beträge. C$cDcc1>o$1owaKei. Chewra Kadischa, Bratislava. Die hiesige Chewra Kadischa hielt Sonntag, den 15. Mai 1921, eine Generalversammlung ab. Herr Vorsteher David Krauß begrüßt die Versammlung. Herr Aron Goldstein stellte die dringende Notwendigkeit der Vergrößerung des unter der Verwaltung des Vereines stehenden jüdischen Spitales fest und ersuchte um die sofortige Inangriffnahme dieser Arbeit, wozu ihm samtliche Anwesende zustimmten. Bei der darauffolgenden Neuwahl wurde die alte Leitung neuge.wählt. Aguda-Abend in Kesmark. Aus Kesmark wird uns berichtet, daß die dortige Aguda-Jugendgruppe im Saale des Tiferes Bachurim-Vereines einen Propagandaabend veranstaltete, bei welchen Herr Max Glück (Preßburg) in Vertretung des Landesverbandes der Jugendgruppen über die Aguda, die agudistische Jugendbewegung und besonders über die Erez Jisroel- Arbeit referierte. Dem Vortrag, der von gegnerischer Seite öfters gestört wurde, folgte eine lebhafte Diskussion. Dem Referenten gelang es aufklärend und werbend für die Aguda zu wirken. Ukraine. Die Anklage gegen die Ukrainischen Pogromföhrer soll von dem aus der Beilis AfTaire bekannten Advokaten Grusenberg im Auftrage des K. d. j. D. verfaßt und dem Völkerbund überreicht werden. Rumänien. Die ukrainischen Flüchtlinge in Rumänien. Take Jonescu hat während seines Aufenthaltes in Italien dem Leiter des Emigrationsbureaux erklärt, daß Rumänien die ukrainischen jüdischen Flüchtlinge gern aufnehme; es wäre zu grausam, sie zurückzuweisen. Frankreich. „A. F." gegen Jabotinsky. Die „Action Francais" greift Jabotinsky aufs heftigste an, weil er in einer Pariser Rede Frankreich des Einverständnisses mit den Jaffaer Pogromisten geziehen hatte. Das genannte Blatt verlangt, daß Jabotinsky künftighin keine Einreisebewilligung nach Frankreich erhalten solle. Protestmeeting. In Paris fand unter dem Präsidium Leo Motzkies ein Protestmeeting gegen die Pogrome in Jaffa statt und wurde ein Beileidstelegramm an die zionistische Organisation abgesendet („Worte, nichts als Worte!") England. Jüdische Psalmen. In einer Rede, worin Lloyd George die jüdisch-englischen Staatsmänner Sassoon und Alfred Mond gegen jene antisemitischen Beschuldigungen verteidigte, als ob diese einen Einfluß zugunsten Deutschlands ausüben würden, sagte er von Antisemiten sarkastisch: Am Sonntag j beten sie einige Kapitel jüdischer Psalmen und an j Wochentagen wüten sie gegen die Juden. (Das ist j billiger philosemitischer Lorbeer; die Verteidigung j des Lebens und der Sicherheit der Juden im Osten und im Orient wäre entschieden wichtiger.) Aegypten. Die sieben fetten und mageren Jahre in der ägyptischen Geschichte. Die Geschichte von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren erfährt eine überraschende Beleuchtung durch einen Hieroglyphenfund, den man vor einiger Zeit gemacht hat. Die Hieroglyphen enthalten einen historischen Bericht über die sieben Hungerjahre, die Joseph, der Bibel zufolge, aus Pharaos Traum geweissagt hatte. Die Hieroglyphen erzählen, daß der Nil sieben Jahre hintereinander das Land nicht überschwemmt hatte, so daß die Ernte vollständig fehlschlug, wodurch große Hungersnot und allgemeines Leiden im Lande entstand. Auch die Zeitangabe der Bibel stimmt mit dem Hieroglyphenbericht überein. Man hatte bisher angenommen, daß die sieben Mißwachs- und Hungerjahre etwa um 1700v.u.Z. zu Ende gegangen seien, aber diese Annahme wurde von verschiedenen Seiten stark in Zweifel gezogen. Jetzt erhält man indessen aus den ägyptischen Inschriften die Bestätigung. Nach der Bibel ist Joseph etwa im Jahre 1729 v.u. Z. nach Aegypten gekommen. Dann saß er einige Zeit im Gefängnis, bis er die beiden Höflinge des Pharao den Mundschenk und den Koch, kennen lernte. Er deutete ihnen, wie die Bibel erzählt, ihre Träume und bat den Mundschenk, ihn nicht zu vergessen, wenn es ihm wohlgehe. Und so geschah es. Wahr^ scheinlich war es im Jahre 1715 v.u.Z., als Joseph zum Pharao gerufen wurde, um ihm seinen Traum zu deuten, worauf ihm dieser die Tochter des Vizekanzlers von Heliopolis zur Frau gab. Dann ließ er in den folgenden sieben Jahren des Ueberflusses die Getreidespeicher aufführen, in denen er allen Ueberfluß an Korn sammelte. Darauf kamen die sieben Mißwachsjahre. Der ägyptische Bericht hierüber ist es, den Brugsch entdeckt hat. Nach der biblischen Erzählung endeten die sieben fetten Jahre 1708 v. u. Z., und im Jahre darauf, 1707, begaben sich die Söhne Jakobs nach Aegypten, umKorn zukaufen. 1706 v.u.Z. ließ sich die ganze Familie Jakobs in Gosen nieder, und erst 1700 v. u. Z. waren die sieben mageren Jahre zu Ende. Die biblische Erzählung und die ägyptischen Inschriften stimmen also vollkommen überein. (Offen gestanden, wir sind gar nicht überrascht, daß die Geschichte stimmt.) Liste der Gefallenen in Jaffa, Die Namen der in den Jaffaer Pogromen gefallenen Juden sind: Aberfeld Mosche, Ackermann Meir, Berlin Simcha, Brotmann Michoel, Basberg David, Brenner Jossef Ghaim, Ben David Schmerel, Finkelstein Mordechai, Geller Visok, Gasin Zwi, Itzkovitsch Aaron, Josker Awrohom, Josker Jehuda, Kowlenin Nissan, Kohen Isak, Markowitsch Herzl, Meworach Ghaim, Nigark Nathan, Ossudi Mordechai, Legal Saul, Stolar Schmuel, Schneider Awrohom, Schatz Zewi, Tager Mordechai, Tabak Visok, Tscherkoski (Mann und Frau), Vogel Jona, Votnik Jakow, Zirnig Oscher, ferner zwei Unbekannte. Boris Goldberg, der bekannte Zionistenführer, der mit dem Wiener Zionisten und Großindustriellen Jochanan Kremeneczky größere Unternehmungen gründen will, soll bei den Exzessen leicht verwundet worden sein. Wolf Schreiber s. A. Wieder hat der unerbittliche Tod eine Lücke in der Phalanx der Wiener Orthodoxie gerissen. Wolf Schreiber, ein Jere Schomajim in des Wortes bester Bedeutung, einer derjenigen, deren Hand stets offen war für jede gute Sache, deren Name bei keiner der humanitären Institutionen fehlen durfte, ist im Alter von 54 Jahren allzu früh dem Kreise seiner Familie und Freunde entrissen worden. Der Verblichene war ein Sohn Rabbi Akiba Schreiber (Papa) s. A., dessen Traditionen er mit Eifer und Hingabe in seinem Hause weiterverpflanzte. Das Leichenbegängnis zeugte von der Hochachtung, die der leider all zu früh Verstorbene in weitesten Kreisen genossen hat. Rabbiner S. Fürst beklagte in ergreifendem Hesped, den Verlust der Orthodoxie. Tiefergreifend sprach hierauf Rabbi Josef Baumgarten, ferner Rabbi Fleischmann und Herr S. Schreiber. Frau Riwka R. Eidinger, eine edle fromme Frau, ist hier im Alter von 83 Jahren gestorben. Der rühmlichst bekannte Großkaufmann Herr Nathan Eidinger verliert in der Verstorbenen seine innig verehrte Mutter. Max Pappenheim. In dieser Zeit schnöder Erfolghascherei, des von der Herrschaft des Geldes bedingten Schablonentums trifft es um so härter, daß ein Name von gutem Klang, eines solch edlen Menschen, von dem Buch derLebenden in das Buch der Erinnerung übertragen werden muß. Es ist schwer, die tiefe Wehmut, mit welcher uns sein Scheiden erfüllt, mit Worten auszudrücken. Ein Sohn des berühmten Preßburger Gemeindevorstehers Hermann Pappenheim s. 1., hat er das wahrhaft adelige Wesen des Vaters geerbt. Es wäre zu wenig gesagt, wenn sein aufopferndes Streben um den jüdischen Schulverein, seine hingebungsvolle Beteiligung an jedem guten Werke hervorgehoben würde. Sein edles Wollen war größer als sein Können. Er war zu weich geartet, um in der Gesellschaft oder auch nur im engsten Kreise sein Ideal von Jofo thora im derech erez durchzusetzen. Aristokratisch im guten Sinne des Wortes, wie seine Erscheinung war auch sein inneres Wesen. „Die Welt ward ihm zu schwer", nennt eine talmudische Metapher das Sterben. Er starb wahrhaft an der Schwere des Lebens, die auf seine zu fein geartete Seele zu hart gedrückt hat. Herr Wolf Pappenheim verliert in ihm den geliebten Bruder. Jahr Einwanderung Rückwanderung ^VeriusU—^ Argentiniens wirtschaftliche Kräfte und ihre Entwicklung. Von Dr. B. Stichel (Buenos Aires). Seine wirtschaftliche Entwicklung hat Argentinien der starken Erzeugerkraft seines Bodens zu danken. Von den 800 Millionen ha des Flacheninhalts der Republik eignen sich 100 Millionen unmittelbar für die nckerbauliche Nutzung. 100 Millionen sind in ihrem gegenwärtigen Zustand der Viehzucht dienstbar zu machen. 100 Millionen ha ungefähr sind von den Wäldern, Seen, Snlinas und Oelflächen bedeckt. Große Be- und Entwässerungsanlagen, wie sie in den Provinzen Cördoba und Sajta sowie in den Territorien Neuquen und Rio Negro teils vollendet sind, teils sich im Bau belinden, werden das zur Kultur geeignete Areal beträchtlich vergrößern und weite Gebiete von der Gunst und Ungunst der Niederschläge unabhängig machen. 1876 waren von der für den Ackerbau geeigneten Fläche zirka 600.000 ha unter Kultur genommen. 1895 waren es zirka 5 Millionen ha, 1905:12, 1908:17, 1911:20-5 und 1914:24 3 Millionen ha, und jedes Jahr bringt eine Steigerung der Anbaufläche, von der der weitaus größte Teil auf Weizen, Leiusaat, Mais, Luzerne, Hafer, der kleinere auf andere Kulturen, wie Zucker, Wein, Tabak, Baumwolle usw. entfällt. Nicht eranz so stark entwickelte sich der Viehbestand, wie folgende Zahlen zeigen: 1895 1908 1918 Rinder....... 21,700.000 29,100.000 30,800.000 Pferde....... 4,400.000 7,500.000 9,400.000 1895 1908 1918 Maulesel..... 286.000 465.000 584.000 Esel......... 198.000 285.000 345.000 Schafe....... 74,400.000 67,400.000 81,500.000 Ziegen....... 2,750.008 3.C00.000 4,600.000 In letzter Zeit ist Argentinien noch zur verstärkten Ausbeute einiger Bodenschätze, vor allem des Petroleums, geschritten. Stark entwickelt hat sich auch die Forstnutzung, weniger die Ausbeute der Fischbestände. Die Industrie steckt jedoch erst in den Kinderschuhen, da es dem Lande sowohl an Kohle als auch an Erz fehlt. An dieser Stelle hört auch die Parallele mit der großen Schwester im Norden, der amerikanischen Union, auf. Ohne Kohlen und Erze kann ein Land nie zu einer wirtschaftlichen Weltmacht emporsteigen. Das wirtschaftliche Gedeihen Argentiniens ist auf das engste mit der Einwanderung verknüpft. Die Einwanderung und Rückwanderung sowie der im Lande verbleibende Ueberschuß gestaltete sich folgendermaßen* : Jahr Einwanderung Rückwanderung ^verf^—)+) 1910 289.640 97.854 +191.786 1911 225 772 120 709 4-105 063 1912 328 408 120.260 +203 143 1913 302.047 156.829 4-145.218 1914 115.321 178.684 — 63.363 * Ohne Passagiere erster Klasse sowie ohne den Verkehr zwischen Argentinien und Uruguay. 1915 1916 1917 1918 45.290 32.090 18.064 18.701 111.459 73.348 50.995 24.075 — 66.169 — 40.358 — 32.931 — 10.374 Die starke Rückwanderung ist zum größten .Tejl.aus.der Wanderbewegung der italienischen Erntearbeiter zu erklären. In den Jahren 1913 und 1914 wurde, sie durch die schlechte Wirtschaftslage und die damit im Zusammenhang stehende Verminderung der Nachfrage nach Arbeitskräften verursacht. Während des Krieges überwog zum erstenmal seit dem Krisenjahr 1891 die Rückwanderung und nahm infolge der Einberufungen in der Republik wohnender Ausländer zum Heeresdienst sowie der geringeren Beschäftigungsmöglichkeit' großen Umfang an. Der Einwanderungsüberschuß trug zur Vermehrung der anfänglich sehr schwachen Bevölkerung bei. Um 1800 zählte die Republik nicht viel mehr als 320.000 Einwohner, 1860 l,210.0no, 1888 3,160.000, 1895 4,000 000, 1908 6,436.050, 1910 7,172.000, 1914 7,837.000 und 1918 8,282.000. Zweifellos wird die Einwohnerzahl sich weiter stark heben, jedoch noch lange wird Argentinien ein „leeres Land* bleiben, dessen Aufnahmefähigkeit noch längst nicht gesättigt ist. Das Verhältnis der Einwohnerzahl zum Flächeninhalt gibt insoferne kein richtiges Bild von der Dichte der Besiedelung, als sich die Bevölkerung immer mehr in den größeren Städten, besonders in der Hauptstadt Buenos Aires, konzentriert, die einen unverhältnismäßig großen Teil der gesamten Bevölkerungsziffer aufweisen. Außer der Bundeshauptstadt, einer modernen Großstadt, die sich nicht wesentlich von anderen Welthandelsplätzen unterscheidet, und heute schon 16 Millionen Einwohner zählt; sind zu nennen: La Plata, die erst vor wenigen Jahrzehnten gegründete Hauptstadt der Provinz Buenos Aires (140 000 Einwohner); der wichtige Hafenplatz am Piiranä, Rosario (200.000 Einwohner); der aufstrebende Hafen Bahia Bianca an der allantischen Küste; Paranä, die Hauptstadt der Provinz Entre Rios, und weiter Santa Fe, Cördoba, Tucumän, Mendoza, - Salta, Catamarca, San Juan, Santiago, San Luis, La Rioja und Jujuy, die Hauptstädte der gleichnamigen Provinzen. Ferner die Hauptstädte der Territorien, nämlich Posadas (Misihnes), Resistencia (Chaco), Formosa (Formosa), Toay (Pampa Central), Viedma (Rio Negro), Neuquen und Gonfluencia (Neuquen), Rawson (Chubut), Puerto Gallegos (Santa Cruz) und Ushuaia (Feuerland). In den Außenhandelszahlen Argentiniens spiegelt sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ihre Entwicklung in ihrer Gesamtheit wider (in $ o/s). Gesamtaußenhandel Zunahme gegen das vorhergehende Jahrzehnt 1876 85 1.164,405.851 288,846.713 82 9 °/0 1886/95 2.068,549.494 «104.143.640 77'6% 1896 1905 3.185,390.608 1.066,841.114 515% 1906/1915 7.075,626 271 3.940,235.663 125 6% Mit seiner anßerordentlich starken Ausfuhr, deren Entwicklung der Menge nach nur während der Kriegsjahre durch die Schiffsraumnot gehemmt worden ist, hat sich Argentinien den Weltmarkt erobert. Weizen, Mais, Gefrierfleisch, Wolle, Leinsaat, Häute, Talg sind die wichtigsten Exportartikel. Mit steigender wirtschaftlicher Entwicklung ist auch die Aufnahmefähigkeit seines Marktos gewachsen. Alljährlich führt die Republik in normaler Zeit für ungefähr 400 Millionen $ o/s Waren ein, darunter besonders Kohlen, Textilwaren aller Art, Maschinen, Eisen und Baumaterialien. Nach den tatsächlichen Werten, nicht nach den veralteten Werten des Zolltarifes von 1906, sondern nach dem Marktwerte gestaltete sich die Handelsbevvegung während der letzten Jahre wie folgt (in $ o/s):