Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 17 (20.5.1921)
- Date
- 1921-05-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 JÜDISCHE PRESSE Seite 133 schweren Lage das tat, was getan werden mußte — die Einwanderung stoppen, bis mit den Arabern irgend ein modus vivendi getroffen werden kann. Die jüdischen Weisen von San Remo haben auf die Sicherheitsvorrichtung des national home ganz vergessen« obwohl der ganze Nachdruck des Baseler Progran.mes auf das Wort „gesicherte" gelegt, worden ist. Wa.s aber zur Erregung der Araber notwendig war. wie sabbathianische San Remo-Feiern, demagogisch-chauvinistische Reden und Artikel, zum Schluß gar die Bluff-Szenen im Barnum & Bailey- Arrangement der Weizmannsehen Amerikareise, haben sie ehrlich besorgt. Der kommende Zionistenkongreß hat die Aufgabe, Bedingungen der Sicherheit des Lebens und des Besitzes in Palästina zu schaffen. Das Wie weiden wir ausführlicher behandeln. Klarstellung. Von R. J., ein ältestes Mitglied der Adaß Jisroel (Schifl'schul.) Acht Jahre hat es gedauert, um die Agudas Jisroel zu dem zu gestalten, was sie geworden ist, zur Organisation der traditionell gesetzestreuen Judenschaft, der fast alle bedeutenden "J'hora-Autoritäten einerseits und die hervorragendsten weltlichen Führer der Orthodoxie andererseits angehören und der die thoratreue Jugend begeistert zuströmt. Niehls Neues wollte die Aguda bedeuten, nur das Althergebrachte sollte erhalten und gefördert werden, das geistige Band aller Juden, gebildet durch das gemeinsame Bekenntnis zu dem Einig-Einzigen und durch die Zugehörigkeit zur Thora sollte in einer organischen Zusammenfassung verkörpert werden. Selbstverständlich sind überall diejenigen zu Vorkämpfern der Aguda geworden, die seit jeher ihre Kräfte dem jüdischen Gesamtwohl geweint hatten. In Wien gab es seit zirka 70 Jahren bis zum Beginne des Krieges nur eine organisierte, systematisch arbeitende, orthodoxe Gemeinschaft: die Adaß Jisroel. Die Schiffschul hat ihr Rabbinat, das für das ganze orthodoxe Wien die Haurooh versorgte, eine von aller Weit anerkannte, absolut einwandfreie Schehitah versorgte, die rituelle Aufsicht über die Mikwah führte, für.Mazzes und Koschermilch sorgte. Die Schiffschul hatte die einzige Anstalt, an der ein größeres Ausmaß von Talmudwissen der Jugend geboten wurde; die erste Religionsschule, an der nur im Geiste des Althergebrachten Unterricht erteilt wurde, wurde von der Schiffschul begründet und unter deren Ingerenz wurde eine Reihe solcher Schulen begründet. — Der Kranken verein für Koscherkost in den Spitälern, Tomech Ewjonim (unentgeltliche Ausspeisung), Einheit, sind Gründungen des Schiffschulkreises. Alle diese Einrichtungen sind Jedermann frei zugänglich, ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zur selben oder zu einer anderen Landsmannschaft. Das sei in nur in Paranthese bemerkt, weil von anderer Seite immer wieder ein Antagonismus zwischen Schiffschul und Polen erdichtet wird, zu sehr durchsichtigen persönlichen und politischen Zwecken. — Die Schiffschul war es auch, die im Rekurswege die Sabbatfreiheit der Schüler und strengjüdische Sitte beim Religionsunterricht erwirkt hat. Galt es bei den Behörden oder der Kultusgemeinde für eine Einzelperson, ein Minjan oder eine religiöse Institution zu intervenieren, so waren es fast immer die Vertreter der Adaß Jisroel, welche sich dieser Aufgabe unterziehen mußten, weil sie kein anderer besorgte. Daß die Schiffschur sich bei der Kultusgemeinde fast immer durchsetzte, geschah durch die Parole: ,,Laßt uns in Ruhe unsere Prinzipien in die Tat umsetzen, auf unsere Kosten. Laßt dort, wo ein schöner Tempel enstanden ist. die orthodoxen Juden weiter nach ihrer Art beten." — Nie hat die Schiffschul von der Gemeinde eine materielle Leistung verlangt, noch auch angenommen. Es gibt eine große Anzahl angesehener Bothäuser (beider Riten), die unbedingt zur Schiffschul hält, in Anerkennung ihrer Verdienste um die Erhaltung der Jüdischkeit und in der richtigen Erwägung, daß die Interessen der religiösen Judenschaft am Besten durch sie gewahrt sind. Wenn die.Tüdischnationalisten in der letzten Zeit, zu oft sich in Ausfällen gegen die Trennungstheorie gefallen, so haben wir durchaus nicht die Verpflichtung, uns vor diesen Herren reinzuwaschen. Die Herren seien aber darauf aufmerksam gemacht, daß sie ja selbst seit Jahren bestrebt sind, eine Trennung zwischen modernen, von ihnen Assimilanten genannten, und nationalorientierten Juden herbeizuführen. Sie scheuen nicht davor zurück, dieTseologen als vereinigte, nichtjüdische Partei zu bezeichnen und sich als die allein seligmachenden Verkörperer des Judentums hinzustellen. Da ist nun unsere Aufgabe, den Herren zu erklären, daß der Unterschied zwischen den sogenannten Assimilanten und den Nationaljuden bei weitem nicht so groß ist, wie derjenige zwischen den nichtreligiösen — nennen wir sie Assimilanten in Punkto Religion — und den bewußten Juden, die das Judentum unverfälscht, so wie wir es seit Jahrtausenden kennen, erhalten wollen. Ursprünglich war die Trennungstheorie nur in jenen Ländern verbreitet, in welchen der wütende Kampf der Modernen gegen das Echtjüdische, diese Trennungsidee geboren hat. Erst die in den letzten Jahren zutage getretene Erscheinung in der ganzen Welt, daß das Gesamtjudentuni von unreligiösen Führern inajorisiert wurde und unter dem Deckmantel einer neujüdischen Kultur fremde Ideen in die Herzen der jüdischen Jugend gepflanzt wurden, hat fast überall den Gedanken geweckt, daß eine gedeihliche Fortentwicklung des Thorajudentums eine Separation erfordern müsse. Die Agudas Jisroel hat dieses Prinzip aufgestellt, hat aber immer erklärt, daß sie bereit sei, in Fragen, bei denen eine solche Gefahr nicht besieht, mit anderen zusammenzuarbeiten. Wie vorher erwähnt, waren es in Wien die seit, jeher bewährten Kämpen für jüdische Interessen, welche sich mit Messiras Hanefesch der Aguda widmeten. Der Zufall will es, daß die früher bestorganisierte Gemeinschaft, die Adaß Jisroel, ein Askenasisches Minjan hält. Von den im Frieden hier weilenden Sephardim waren nur ganz wenige wahre Jehudim, bereit Letauwas Haklall Zeit und Kraft zu opfern. Unter den während des Krieges hieher gekommenen Flüchtlingen befinden sich viele, die daheim in Klallarbeit tätig waren. Diese schlössen sich naturgemäß der Aguda-Arbeit mit Begeisterung an, ja eine Zeitlang waren sie es fast ausschließlich, die in Wien die Aguda-Idee vertreten haben. Die Organisation des ^esetzestreuen Judentums war den zionistischen und jüdisch-nationalistischen Führern, die sich zu den Vertretern des Gesamtjudentums aufspielen wollen, immer ein Dorn im Auge und es galt nun eine Trennung unter den Charedim herbeizuführen. Kein Mittel wurde unversucht gelassen, bis endlich eines gefunden war, das eine lange .Zeit die Gefahr in sich barg, die Zersplitterung hervorrufen zu können. Die Verschiedenheit die in der Lebensführung und in den Lebensbedingungen der Juden in Galizien und denen in Wien bestand, mußte beim ersten Zusammentreffen derselben unbedingt gewisse Differenzen erzeugen; diese auszunützen, aufzubauschen und in Versammlungen, Vorträgen und Zeitschriften zu vergiften, betrachten skruppellose Parteimänner als ihre Aufgabe. Lügen und Verleumdungen waren die schlagendsten Beweise für ihre Behauptung, daß zwischen dem Osten und dem Westen eine unüberbrückbare Feindschaft bestehe. Diese systematisch betriebenen Machenschaften haben leider einigen Erfolg ergeben. Der Umstand, daß jin der Friedenszeit nur die Leiter der aus Mitteleuropäern bestehenden Adaß Jisroel sich der großzügigen Arbeit für orthodoxe NACHRICHTEN. Interessen gewidmet hatten, während die Ostjuden in Wien im orthodoxen Leben wenig hervorgetreten sind, war genug Anlaß, die Schiffschul zu einer Vereinigung „ungarischer Juden", die den Kampf gegen die galizischen und polnischen Juden auf ihre Fahne geschrieben hat, zu stempeln. . Als nun bei der Gründung der Agudas Jisroel die Führer der Adaß Jisroel sich betätigt hatten, log man, daß die zur Kräftigung der Adaß Jisroel gegründet worden wäre und die „W. Morgenzeitung" scheut nicht die Unwahrheit, daß der Hauptsitz der Bestrebungen der Agudas Jisroel einer Organisation, welche fast 2,000.000 Juden umspannt, in der Adaß Jisroel liege. Es gehört ein Mut dazu, die Agudas Jisroel mitden Wiener Lokalverhältnissen alsSchechita usw. in Verbindung zu bringen, um so mehr, als die Agudas Jisroel seit jeher vermieden hat, sich um diese Angelegenheiten zu kümmern. Die Aguda als solche hat mit dieser Lokalfrage nichts zu tun. Was die Resolution der ..Charedim" betrifft, bemerken wir, daß Kaschrus nicht mit Kundgebungen garantiert wird und Tarfus nicht mit Protesten. Es sei kurz festgelegt, daß die unter Aufsicht des Schiffschulrabbiners stehende Schcchita allgemein als streng rituell anerkannt ist. daß über die Haschgocho der Kultusgemeinde schon oft Klage geführt wurde und es wäre eine Unvorsichtigkeit, eine bewährte Haschgocho umzutauschen gegen eine andere, die eingestandenermaßen bis jetzt seine Pflicht nicht ganz erfüllt hat, aber nunmehr erklärt, in Zukunft strengere Kontrolle üben zu wollen. Es ist unsere Pflicht, falls dies in unseren Kräften steht und falls wir hiezu aufgefordert werden, an der Haschgocho und an dem Kaschrus mitzuarbeiten. Für uns aber, die wir seit jeher nur jene Haschgocho anerkannt haben, an der wir nie etwas auszusetzen halten und wo uns die, die selbe ausübenden Rabbinen eine Gewähr für deren Verläßlichkeit, bieten, kann es nur eine Parole geben .,Aufrcchterhaltung dieser Haschgocho". Wir sind dies nicht nur uns schuldig, sondern auch jenen lausenden Fremden, die alljährlich nach Wien kommen, oft wochenlang hier weilen und den Fleischgenuß nicht entbehren können. Diese werden gewiß nur der Haschgocho eines Orthodoxen Besdins Glauben schenken. Orthodoxer Rabbiner ist aber nicht derjenige Rabbiner, der in seinem privaten Lebenswandel die Thoragesetze beobachtet, sondern ein orthodoxer Rabbiner ist derjenige, dessen Rabbinatsausübung auf orthodoxer Basis geschieht und es ist eine Tatsache, daß das Wiener Besdin im Auslande nicht allgemein als orthodoxes Besdin anerkannt wird. Auf die einzelnen Punkte der Resolution brauchen whv nicht näher einzugehen, speziell auf den Satz, „daß die Schiff schul den Versuch unternimmt, aus der Haschgocho politische und materielle Vorteile herauszuschlagen" zu erwidern, wäre erniedrigend. Es ist ja allbekannt, daß fast alle Institutionen der Schiffschul passiv sind und nur durch den ungeheuren Opferwillen der Mitglieder erhalten werden. €rklärun«i. Die in mehreren Blättern verbreitete Mitteilung, als ob die Erhallung der „Jüdischen Presse" aus Mitteln der Aguda bestritten würde, ist unwahr. Die „Jüdische Presse" ist Privateigentum einer Sozietät. Der festgesetzte Beitrag, den die Aguda für ihre Veröffentlichungen in der „Jüdischen Presse" leistet, ist weitaus geringer als die gebräuchlichen Subventionen der zionistischen Partei. Gänzlich erfunden ist die Darstellung, als ob die Erhallung der „Jüdischen Presse" der Palästinasache materielle Opfer koste. Die „Jüdische Presse" nimmt im Gegensatze zu manchen zionistischen Blättern, die vom J. N. F. Subventionen beziehen, keine Gebühren für den Spendenausweis an and am allerwenigsten vom Koren Erez Jisroel. Die Rodaktion. Dtut$cI)o$fmeicft. Der Gcrcr Grohrabbincr in Ulfen. Der Gerer Ad'mur wird nach mehrwöchentlichen Aufenthalte in Palästina, Dounerstag in Wien eintreffen. Wie bereits mitgeteilt, findet zu seinen Ehren im Hotel Continental als D^S nSsp ein großer Begrüßungsabend statt. Palästina-Aktion des Rabbiner Krämer. In seinen letzten Verfügungen hat der jüngst verstorbene Rabbiner Kramer, Wien, angewiesen, die von ihm für Palästina - Flüchtlinge gesammelten Gelder der Agudas Jisroel zu übergeben. Das Kriegswaisenhaus der Aguda in Baden bei Wien, Germergasse 48, ist eröffnet worden. 30 jüdische Waisenkinder, zumeist aus der Ukraine, werden von der Aguda in Lemberg empfangen und werden nach Baden begleitet. Rechtsschutzbureau der Aguda Jisroel. Gemäß ihrem Programme, alle jüdischen Aufgaben im Geiste der Thora zu lösen, hat die Agudas Jisroel durch eine Noueinführnng größeren Stieles -einem lang entbehrten Bedürfnisse abgeholfen. Die jetzigen Häufungen ungerechte]' Behandlung von Juden, insbesondere solcher die aus Galizien und Polen eingewandert sind, lassen es als unumgänglich notwendig erscheinen, eine Institution ins Leben zu rufen, die diesen Unglücklichen nicht nur als unentgeltliche juiidische Beratungsstelle, sondern auch noch — und fachgemäße Unterstützung zur Seite steht. Es wurde daher ein Rechtsschützbureau errichtet, das jeden Dienstag von 6—7 Uhr amtiert und jedem Bedürftigem unentgeltlich zur Verfügung steht. Besonderen Dank gebührt Herrn Dr. Max Pragei, der in anerkennenswertester Weise die Leitung dieses Bureanx übernommen hat. Verein „Tomech Ewjonim" zur unentgeltlichen Ausspeisung und Unterstützung armer Glaubensgenossen, Wien, IL, Schwarzingergasse 8/13. Donnerstag, den 26. Mai 1921, präzise Vo 10 Uhr vormittags, findet im Beth-Hamidrasch Wien. IL, Große Schiffgasse 8, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes. 2. Wahl des Vorstandes und zweier Revisoren. 3. Eventuelles. — Von den Mitgliedern in der Generalversammlung zu stellende Anträge sind 3 Tage vorher dein Vorstande anzuzeigen. The Vienua Jewish Relief Fund iiat auf Veranlassung Seiner Ehrwürden des Henri Rabbiner S. Fürst für die unter seiner Aufsicht stehende Küche der Frau Anitta Müller in der Großen Mohrengasse K 100.000 und für die Mensa academica ritualis