Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 15 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 JÜDISCHE PRESSE Seite 119 franRreicft. Zentralrat der jüdischen Welthilfskonferenz. Der Pariser J.-Korrespondent der „J. P. Z." berichtet: Das Exekutivkomitee der jüdischen Welthilfskonferenz hat beschlossen, die für den 5. April nach Paris einberufene Sitzung des Zentralrates (s. J. P. Z.» Nr. 135) zu verschieben, da es einer größeren Anzahl der Mitglieder unmöglich ist, zu diesem Zeitpunkte nach Paris zu kommen. Die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder hat in ihren Antworten erklärt, daß sie,an einer Sitzung, die in einer mitteleuropäischen Stadt stattfinden würde, teilnehmen würden. Das Exekutivkomitee wird daher in einer seiner nächsten Beratungen entscheiden, ob es möglich ist, die Sitzung des Zentralrates unmittelbar nach den Osterfeiertagen in Wien oder Prag abzuhalten. Albert Thomas zur Emigrationsfrage. Laut einer Meldung des Pariser Korrespondenten des „Morning Journal" hat der französische Arbeiterführer Albert Thomas, der gegenwärtig Direktor des Arbeitsamtes beim Völkerbunde ist, der „Alliance Israelite" mitgeteilt, daß er die Emigrationsfrage vor dem Völkerbund verteidigen und dafür eintreten werde, daß eine internationale Hilfe für die Emigranten geschaffen werde. England. Die Bibel in der Hand der Missionäre. Die englische Bibelgesellschaft, die im Jahre 1804 gegründet wurde, hat die Bibel, und zwar natürlich auch das neue Testament in nicht weniger als 528 verschiedenen Sprachen und Mundarten und in 311 Millionen Exemplaren verbreitet. Im letzten Jahre allein sind achteinhalb Millionen Bibeln neu gedruckt worden. Fünf neue Sprachen in Afrika, eine für Nordkanada und eine für die Südsee-Inseln wurden zur Uebersetzung herangezogen. Die Gesellschaft verfügt über ungeheuere finanzielle Mittel, die ihr auch jetzt reichlich zufließen, denn sie nimmt für jedes Pfund Sterling, das ausgegeben wird, nur 7 Schilling ein. Ihre Vertreter, die Missionäre, setzen sich den größten Gefahren aus, um in der ganzen Welt der ihnen heiligen Sache der Bibelverbreitung und der Bekehrung zum Christentum zu dienen. Für uns Juden ist interessant eine Bemerkung in dem jüngsten Jahresbericht der Bibelgesellschaft, wonach eine o^er zwei hebräische Schulen in Palästina in letzter Zeit das neue Testament in hebräischer Sprache angekauft hätten, um es in den Klassen zu lesen. Es wäre außerordentlich wissenswert, ob diese Nachricht zutrifft und ob die in gewissen zionistischen Kreisen wahrnehmbare Tendenz, den Stifter der christlichen Religion für das nationale Judentum in Beschlag zu nehmen, wirklich die eigenartige Blüte gezeitigt hat, von der hier die englische Bibelgesellschaft spricht. Israel. Hygiene in der Bibel. Der bekannte englische Doktor und Professor der Chirurgie Sir James Cantly sprach in West-Hempster Town Hall über das interessante Thema: „Das alte Testament und die Hygiene" oder „Moses — Doktor der Medizin". Er sagte unter anderem: Mikroskopen und andere medizinische Instrumente können irren, niemals aber die Lehre Mosis, die die Gesetze, da darin enthalten sind, von langen Erfahrungen herrühren, die immer bestehen werden. Vom Propheten Samuel hören wir das erstemal, daß Mäuse und Ratten Pestilenzen mit sich bringen, während die Wissenschafter unserer Zeit erst nicht lange zu dieser Erkenntnis gelangten. James Cantly bringt noch mehrere Beweise, daß in dem alten Testamente viel wertvolle Hygiene und medizinische Wissenschaft enthalten ist. # Rußland. Hilfstätigkeit des „Joint". Ein Moskauer Radiotelegramm dementiert die Berichte, laut welchen die Geldunterstützungen des „Joint" für andere als ihre Bestimmungszwecke verwendet werden. Jüdische Bildung. Das Moskauer jüdische Bildungskommissariat entsendete einen Delegierten nach Berlin zum Einkaufe jüdischer Bücher für Sowjet- Rußland. Rlcifirufiland. Zsitlowski — Minister für nationale Minderheiten. Der jüdische Kandidat H. Samuel Zsitlowski wurde zum Minister für nationale Minderheiten der russischen Republik gewählt. Zsitlowski begibt sich demnächst nach Berlin, wo er mit Vertretern der jüdischen Gesellschaft konferieren wird. Griechenland. Unterstützung der Chaluzim. Die jüdische Gemeinde Saloniki hat einen Betrag von 10.000 Drachmen zur Unterstützung der Chaluzim bestimmt, welche über Saloniki nach Palästina fahren. Pogrom wegen einer Ritualmordbeschuldigung. Aus Adrianopel kommt die traurige Nachricht, daß dort ein Pogrom auf Juden stattgefunden hat. Die Ursache war das Verschwinden eines achtiährigen christlichen Mädchens. Da dies gerade vor Pessach geschah, tauchte gleich unter der unwissenden Menge das Märchen vom Ritualmord auf und fand rasche Verbreitung. Der Pöbel machte einen Ueberfall auf die jüdischen Gassen und plünderte die Geschäfte und Häuser der Juden. Nach dem Pogrom ist das verschwundene Mädchen unbeschädigt nach Hause gekommen. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Adrianopel hat sich zur Regierung nach Athen begeben, um von ihr Schadenersatz für die durch den Pogrom geschädigten Juden zu fordern. Palästina. Sefer „Midrasch ljuw". Rabbiner Salomon Aron Wertheimer hat in Jerusalem ein altes Sefer „Midrasch Ijuw" herausgegeben und mit Bemerkungen und einem Vorwort versehen. Dem Midrasch ist die „Maasseh haraw Kehana weßalik bene", die von einem alten Keßaw jad herrührt, beigegeben. Jüdische Emigranten aus Persien. In Haifa sind 320 jüdische Emigranten aus Persien angelangt. Zwischen ihnen befinden sich 15 Waisen und zehn über 70 Jahre alte Greise. Die Emigranten sind ganz mittellos. Baumpflanzungen in Jerusalem. In der Nähe von Jerusalem wurden in der letzten Zeit gegen 20.000 Tannen gepflanzt. Die Eonservierung der altertümlichen Gebäude. Die Regierung hat eine Kommission für die Konservierung der altertümlichen Gebäude eingesetzt. Das Damass-Tor in Jerusalem wurde auf Kosten der Pro-Jerusalem-Gesellschaft restauriert. Auch die Restauration des römischen Gemäuers an der Zitadelle (Migdal Dawid) ist nahezu vollendet. Streik der Maazo-Arbeiter. In Jaffa hat kürzlich ein Streik der Mazzo-Arbeiter stattgefunden. Nach langen Verhandlungen zwischen den Bäckern und Arbeitern ist es zu einer Verständigung gekommen, wonach die Arbeitszeit nicht weniger als 8V3 und nicht mehr als 9 Stunden betragen solle. Eine Versammlung orthodoxer Vertreter. Am 30. März hat in Jerusalem eine Beratung der orthodoxen Vertreter der Waad hazirim stattgefunden, die einen sehr stürmischen Verlauf nahm. Besonders scharf wendete man sich gegen folgende Punkte eines Zirkulars des Waad haleumi: 1. In Erziehungsangelegenheiten hat vollständige Religions- und Meinungsfreiheit zu herrschen. 2. Zu den Wahlen in die Kehillos sollen Frauen das gleiche Wahlrecht wie die Männer besitzen. 3. Der Beschluß, daß der Mischpat haschalem als eine der Hauptforderungen des Jischuw zu betrachten ist. Die Versammlung wählte eine orthodoxe Delegation, welche in ständigem Kontakt mit den orthodoxen Vertretern im Waad haleumi stehen und diesen die nötigen Instruktionen geben solle. Waren-Ein- und Ausfuhr. Laut einer amtlich herausgegebenen Statistik wurden im Dezember nach Palästina Waren aus England, Amerika, Holland, Indien und Aegypten im Werte von 539.384 Pfund Sterling eingeführt; ein Drittel der importierten Waren kommt aus England. Der Export beträgt 67.795 Pfund Sterling. Der Hauptverkehr erfolgte durch Jaffa. v Kolonistenorganisation in Galil hatachton. In Tiberia ist aut einer Versammlung von 22 Vertretern aus den Kolonien in Galil hatachton beschlossen worden, eine gemeinsame Vertretung aller Kolonien in Galil hatachton zur Verteidigung der Interessen der Kolonisten gegenüber der Regierung zu bilden. Erhöhung des städtischen Budgets in Jerusalem. Der Stadtrat in Jerusalem hat das neue Jahresbudget, das mit 1. April, anfängt, anstatt mit 33.000 Pfund im vorigen Jahre mit 50.000 Pfund angenommen. Man beabsichtigt, hohe Summen für die Ausbauung der Wasserleitung, der elektrischen Beleuchtung und für die Ausbauung der Straßen auszugeben. Die nötigen Summen gewährt die Regierung in der Form einer Anleihe. Vermittlung zwischen Rabbiner Kuk und Sonnenfeld. Ein bekannter Bucharer Rabbiner hat sich an Rabbiner Sonnenfeld mit einem Vorschlag wegen eines Ausgleichs mit den Rabbinern Kuk und Rabbi Jaakov Meir gewendet. Auch andere Rabbiner beschäftigen sich sehr mit einer Aussöhnung zwischen den beiden Seiten. Ausstellung für Palästina-Produktion. Am 5. April wurde in Jerusalem eine Ausstellung für Palästina- Produktion eröffnet. Ausgestellt wurden Klöppeleiwaren und Wollstickereien aus Nazaretti, Divane aus Jerusalem, schöne Gefäße aus Bethlehem und Gold- und Silberwaren aus Jaffa. Auch die Araber jenseits des Jordans stellten ihre artistischen Arbeiten aus. Man hofft, daß die Ausstellung -zur Vergrößerung des Exportes beitragen wird. Die Grundsteuer in Jerusalem. Die Regierungseinnahmen von der Grundsteuer in der Umgebung Jerusalems sowie vom Maasser für das Wintergetreide haben vom 1. bis 12. März 1900 Pfund Sterling betragen. 2000 Pfund-Spende. Boris Goldberg, der zusammen mit Kremenetzki sich an der Errichtung einer großen Ziegelei in Palästina betätigt, hat 2000 Pfund für die Vollendung des Baues des Technikums in Haifa gespendet. Eröffnung eines UolK$$anatorium$für jüdische EungenRranKe durch den 3oittt. Ein neuer Zweig der• J. D. C.-Krankenfürsorge. Das American Joint Distribution Gommittee hat den weitverzweigten Apparat seiner im Interesse der jüdischen Bevölkerung gelegenen Hilfstätigkeit neuerdings um eine segensreiche Institution erweitert. Bekanntlich wütet die Lungentuberkulose mit unheimlicher Grausamkeit unter der Wiener Bevölkerung. Bekannt ist auch* der Mangel an geeigneten Institutionen, die für die Ausheilung der Patienten zur Verfügung stehen. Mit Rücksicht auf die Langwierigkeit des Heilungsprozesses dieser heimtückischen Krankheit, ist die gründliche Ausheilung von Kranken, die die unerschwinglichen Preise der Sanatorien nicht bezahlen können, fast unmöglich. Bereits im vorigen Jahre hat das A. J. D. G. im Kurort Gleichenberg eine Villa gemietet, und dort in drei Turnussen je 40 erholungsbedürftige Kranke über den Sommer kostenlos verpflegt. Die Zunahme der Lungentuberkulose und die Erkenntnis, daß ihr Auftreten von allem Anfang an besonders bei jugendlichen Personen die Anfassung des Uebels an der Wurzel notwendig macht, um eine vollständige Genesung zu erzielen, haben der Leitung den Entschluß aufgedrängt, ein eigenes Heim mit vollem Sanatoriumbetrieb im Anschluß an die Krankenfürsorge des A. J. D. C. zu eröffnen. Es ist nach den seit Jänner 1921 gepflogenen Verhandlungen gelungen, einen hochgelegenen Villenkomplex in Gleichenberg, die sogenannte „Schweizern*, als Sanatorium für 40 Personen einzurichten. Am 12. April 1921 wurde der Betrieb eröffnet. Die ersten Kranken, Manner und Frauen, zum großen Teile geistige Arbeiter, reisten Montag, den 11. April 1921, abends mit der Südbahn nach Gleichenberg. Das Sanatorium wird den hochgespanntesten Ansprüchen moderner Tuberkulosenbekämpfung genügen. Die nach Süden offenen Liegehallen bieten Gelegenheit zur Abhaltung von Liegekuren; ein Laboratoriumsbetrieb steht der gediegenen ärztlichen Leitung zur Seite und es braucht erst gar nicht erwähnt zu werden, daß die Ernährung der Kranken, was ja bei der Heilung der Lungentuberkulose das Wesentlichste ist, nicht nur ausreichend, sondern reichlich, zum Teile auch durch Zuschübe aus den Wiener Lebensmitteldepots des A. J. D. G. gesichert ist. Das Sanatorium wird Winter und Sommer betrieben werden und die Behandlung je nach der ärztlichen Vorschrift auch mehrere Monate kostenlos erfolgen. Die Untersuchung und Auswahl der Kranken erfolgt in der Sektion für Krankenfürsorge des A. J. D. C. in Wien. Tm Anschlüsse an die „Schweizerei6 wurde seiteus des Joint auch das sogenannte „Felsenhaus1' in Gleichenberg erworben, das gegenwärtig für 40 lungenkranke Kinder eingerichtet wird, deren Krankheit noch im Anfangsstadium liegt. Das Kindersanatorium dürfte anfangs Mai 1921 eröffnet werden. Eine Anzahl Fürsorgerinnen werden neben der ärztlichen Leitung für die zweckdienliche Bewachung und Pflege der Kinder sorgen. R. Refoel Schapiro s. z. 1. Einen großen Verlust für das glaubenstreue Judentum bedeutet das Hinscheiden des Gaon R. Refoel Schapiro, Leiter der berühmten Jeschiwo in Wolozyn. Der Verstorbene ist im Jahre 1837 geboren und ist der Sohn des berühmten Neworedoker Gaon R. Leib Schapiro s. z. 1. Schon in der Jugend zeichnete sich R. Refoel durch seine großen Fähigkeiten aus und war bald in der ganzen Umgebung als Iluj bekannt. Als er dann Schwiegersohn des berühmten Wolozyner Gaon und Rosch Jeschiwo, des Raw Naftali Zewi Jehuda Berlin wurde, der unter dem Namen NziV bekannt war, vertiefte er seine Thorakenntnisse immer mehr, arbeitete am „Sefer hoemes«, dem Werke des Nzi'w mit und versah es mit einer großen Anzahl von Erläuterungen und Bemerkungen. Nachdem er Raw in Nowo-Aleksandrowsk und Bobrojsk gewesen war, wurde er an Stelle seines verstorbenen Schwiegervaters Raw und Rosch Jeschiwo in Wolozyn. Diesen Posten bekleidete R. Refoel Schapira bis zu seinen letzten Tagen und als der Kriegsschauplatz Wolozyn sich näherte, übersiedelte er mit einem großen Teil der Jeschiwo nach Minsk, wo er seine heilige Arbeit fortsetzte. In Minsk verblieb der Gaon auch zur Zeit der bolschewistischen Invasion. Alle Bemühungen seiner Verwandten, ihn nach Polen zu bringen, waren erfolglos. Er verblieb in Minsk bis zu seinem Tode, der am Sabbath Schemini erfolgte. Die Nachricht von seinem Ableben verbreitete" sich sehr rasch in der Stadt und rief bei der jüdischen Bevölkerung tiefe Trauer hervor. An der Lewajah nahm fast die ganze jüdische Bevölkerung teil und mehrere Rabbonim hielten rührende Hespedim. Rabbiner Jaakow Koppil Silberberg. In Warschau ist am 17. April der Rabbiner Jaakow Koppil Silberberg im Alter von 65 Jahren verstorben. Der Verstorbene war wegen seines Lerneifers und Frömmigkeit bekannt. Schon als Zwanzigjähriger hatte er Smichath-harabbanuth von verschiedenen Gaonim, darunter von den bekannten Gaonim Baal Nefesch Chaj und Baal Thoras-Chessed. Spendet für die lupdpppe!