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Jüdische Presse · 1921-05-06 · 15 (6.5.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
15 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 118 JÜDISCHE PRESSE__ Nr. 15 MÜMÜS? NACHRICHTEN. fö* mmä Dcutscb&terreicb. Die Pessachversorgung im Jahre 1921. Die erschreckend zunehmende Teuerung hat in den letzten Monaten alle Menschfreunde, die es sich zur selbstgewählten Pflicht gemacht haben, auch für die Armen zu sorgen, mit Angst und Bangigkeit erfüllt. Gar das Pessachfest, teuer im Doppelsinne des Wortes, hat diese warmfühlenden edlen Menschen mit tiefer Sorge erfüllt. Stolz wollen wir hervorheben, daß wie in jedem Jahre es auch diesmal gelungen ist, trotz aller Kümmernisse, trotz aller Schwierigkeiten es fertig zu bringen, daß keine Anstalt, keine Institution auf Pessach ihren Betrieb sperren mußte, daß kein einziger Bedürftiger in Wien unversorgt geblieben ist und daß nicht nur jene Armen, die um Hilfe angesucht haben, sondern jene, die es noch nicht über sich gebracht haben, Hilfe von Menschen anzusuchen, nicht vergessen worden sind. Die Orthodoxie hat auch auf diesem Gebiete Uebermensehliches geleistet. Das Lainzer Versorgungshaus, die in den verschiedenen Spitälern und Krankenheimen liegenden Kranken, die Einheit, Mittelstandsküche, Mensa academica judaica ritualis wurden alle dank der Opferfreudigkeit unserer Ballebattim, dank der Bereitwilligkeit der großen ausländischen Hilfsaktionen alle unterstützt. Adas Jisroel, Agudas Jisroel, das englische Hilfskomitee haben namhafte Summen den einzelnen Familien in der edelsten Form zugedacht, damit sie des Festes der Befreiung sich wirklich erfreuen können. Zu diesen Worten der Anerkennung erlauben wir uns nun einige Worte der Kritik hinzuzufügen. Wir sind überzeugt, daß alle Organisationen und'Vereine, welche dieses großzügige Hilfswerk fertig gebracht haben, ihr bestes und noch mehr geleistet haben, doch es wäre schöner, wirkungsvoller, einfacher und zielsicherer, wenn für all diese Wohlfahrtsvereine eine Zentrale existieren würde, wo alle Vereine und Organisationen unbeschadet der Autonomie und Selbständigkeitihrer Korporationen gemeinsam und einheitlich das schöne Werk geleistet hätten. Die Pessach-Aktion des American Joint Distribution Oommittee. Die Mazzotversorgung ist wie alljährlich eine neu auftauchende große Sorge derjenigen Faktoren der jüdischen Selbstverwaltung, die für die klaglose Befriedigung des rituellen Lebens verantwortlich sind. Die außerordentlich hohen Her^ Stellungskosten der Mazzot — die Backkosten ohne Mehl betrugen ungefähr K 50-— für das Kg, die Gesamtherstellungskosten bei K 200 — — hätten einen so hohen Verkaufspreis der Mazzot bedungen, daß er von den nichtwohlhabenden Schichten der jüdischen Bevölkerung, also von dem überwiegend großem Teile derselben, nicht hätte bestritten werden können. Angesichts dieser Schwierigkeiten hat sich ebenso wie im Vorjahre auoh heuer die Notwendigkeit ergeben, daß die Wiener Abteilung des A. J. D. C. die Mazzotversorgung nicht nur für die bei ihr im Bezüge der fortlaufenden Lebensmittelunterstützung stehenden Personen, sondern auch für weite Schichten der Festbesoldeten und der Mittellosen sowie für die gemeinnützigen Institutionen, Anstalten und Küchenbetriebe durchgeführt. Von den im Bezüge der fortlaufenden Lebensmittelunterstützung stehenden Personen, die außer mit Mazzot, auch unentgeltlich mit Fett und Zucker beteilt wurden, wurde nur ein Regiebeitrag von K 15*— für das Kg. und von der Gruppe der Festangestellten ein Betrag von K 50-— eingehoben. Die Aktion umfaßte zusammen weit über 42.000 Per- . sonen, wobei hervorgehoben werden muß, daß es heuer gelungen ist, die Quote mit 2 Kg für den Kopf festzusetzen. Das zur Herstellung der Mazzot erforderliche Ostermehl wurde unter ritueller Aufsicht zum Teile aus Jugoslawien, aber vor allem aus Amerika bezogen und erst in Wien verarbeitet. Außer der Ausgabe an Einzelfamilien, mußten auch die geschlossenen Anstalten bedacht werden.' Das Joint-Komitee übernahm neben der Versorgung seiner eigenen Anstalten, die Belieferung aller jüdischen Fürsorgeanstalten, Spitäler, Blinden- und Taubstummen-Institute, "Versorgungshäuser, Waisenhäuser, gemeinnützigen Küchenbetriebe, Lehrlingsheime, mit Mazzot und Osterfett. Ebenso erhielten durch Vermittlung des Krankenvereines alle rituell lebenden Patienten in den Wiener Spitälern sowie im Versorgungsheim Lainz, ferner das vom Vienna Children Milk Relief erhaltene Waisenhaus der Stiftung der Charlotte Merores Itzeles, ferner die Hochschülerküchen in Wien, die Mazzot seitens des Joint. Desgleichen erfolgte von der Wiener Abteilung aus die Versorgung eines Teiles der österreichischen Provinz mit besonderer Berücksichtigung der Festbesoldeten, der Mittellosen und der geschlossenen Anstalten. Den. durchgreifenden Plänen der Leitung ist es zu danken, daß die diesjährige Aktion völlig klaglos durchgeführt werden konnte. Jesod Hathora, Schulverein der Adass Jisroel. Am 25. April d. J. fand im eigenem Heime der Jesod Hathora, 11. Nestroygasse 11, die konstituierende Sitzung des bei der Generalversammlung gewählten neuen Vorstandes statt. Herr H.Bondi als Vorsitzender widmete dem Heimgegangenen langjährigen Obmanne Herrn Wilhelm Kritzler einen Nachruf und forderte den Vorstand auf, in seinem Sinne zu wirken und den Fortbestand des Vereines zu sichern. Die Obmannstelle bleibt aus Pietät, für den verstorbenen Obmann ein Jahr unbesetzt. Gewählt wurden als: erster Obmann-Stellvertreter Emil Kritzler; zweiter Obmann-Stellvertreter Joachim Wosner; Kassier Leopold Lederer; Schriftführer Armin Galandauer. Der Gesamtvorstand wurde in Sektionen für Finanz, Verwaltung und Unterricht eingeteilt. Bei dieser Sitzung wurde auch bestimmt, daß die Prüfung {das Verhören) der Schüler des ganztägigen Kurses über das im Wintersemester gelernte, am Samstag, den 7. Mai, präzise 3 Uhr nachmittags, im Schulgebäude II. Nestroygasse 11 stattfinden wird. Die P. T. Mitglieder, Eltern der Schüler, Gönner und Freunde der Schule werden hiezu höflichst eingeladen. Damit die weitesten Kreise sich von den besonders glänzenden Lehrerfolgen überzeugen können, wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. Die höher verzinsten 6 % igen Staatsscheine. Die jüngste Verfügung des Bundesministeriums für Finanzen, wonach die österreichischen 6 % >gen Staatsscbatzcheine, welche gegenwärtig zur Zeichnung aufliegen, eine höhere Verzinsung erreichen, im Falle sie ein Jahr lang ungekündigt bleiben, hat allerorten große Aufmerksamkeit erregt und vielfach Interesse für den Ankauf dieses Staatspapieres erweckt. In Wirklichkeit bewerben sich industrielle und Kapitalskreise sowie Angehörige des Arbeiter- und Gewerbestandes als auch des bemittelten Mittelstandes um dieses Papier, welches denn auch einen weiteren Aufstieg in der Zeichnungsziffer erzie'en dürfte. Der Umstand, daß bei einjähriger Laufzeit sich die Zinsenquote von 6 auf 6.4% erhöht, wird gewiß vielen Leuten den Anreiz bieten, freiliegende Gelder, Ersparnisse u. dgl. in der Weise zu verwenden, daß sie dafür Schatzscheine ankaufen, die jedenfalls ein sehr sicheres Anlagepapier darstellen und allezeit wieder in Geld verwandelt werden können. €$cftecl)ö$lowakei. Richtigstellung. In einer der jüngsten Nummer der „Jüdische Volkszeitung" wird in der Angelegenheit der Sonntagsruhe eine angeblich vom Vizepräses des Zentralbureaus stammende getane Aeußerung bei der Enquete zitiert, wonach er in Vertretung der orthodoxen Judenheit Slovenskos sich auf das Minoritätsrecht im Friedensvertrag bezogen hätte, woraus weitgehende Konsequenzen auf eine geänderte Stellungnahme des Zentralbureaus in bezug auf das Minoritätsrecht gezogen wurden. Behufs Richtigstellung dieser Behauptung stellen wir den Wortlaut fest, woraus deutlich hervorgeht, wie haltlos diese Behauptung und die daran geknüpfte Folgerung ist: Auf eine Bemerkung des Abgeordneten Kien, Sekretär der sozialdemokratischen Partei, warum man sich im Interesse der sabbathaltenden Judenheit denn so echauffiere, es handle sich ja bloß um ein Provisorium, während schon jetzt eine Gesetzesvorlage, die eine einheitliche Lösung vorsieht, in Unterbreitung ist, wo gewiß keine Rücksicht auf sabbathaltende Kaufleute genommen werden wird, erwiderte Oberrabbiner Hirschler, erstens sei selbst in der englischen und holländischen Gesetzgebung auf die Sabbathaltenden Rücksicht genommen, wie auch bei den Friedensverhandlungen Rücksichtsnahme auf Sabbat vom Staate gefordert wurde, was die Tschechoslowakische Regierung mit der Begründung abgelehnt hat, daß sie als liberaler demokratischer Staat schon grundsätzlich nicht dulde, daß ein Teil ihrer Bürger aus religiösen Gründen materielle Schädigung erleiden würde. Wer aus dieser Aeußerung eine Gesinnungsänderung des Zentralbureaus folgern kann,- ist uns schlechterdings unbegreiflich, umsoweniger, da in der fortsetzungsweise abgehaltenen Enquete, an der auch Oberrabbiner Weber teilgenommen hat, und Dr. Sipos mit Majorität- und Minoritätsrechte operierte, womit er solchen Widerspruch hervorrief, daß das Gelingen der ganzen Angelegenheit gefährdet erschien, Herr Oberrabbiner Weber sein tiefstes Bedauern über diese Stellungnahme und, Hervorhebung des Minoritätsprinzips ausgesprochen und mit größtem Nachdruck betont hat, daß er sich im Namen des Großteils der Judenheit Slovenkos, der Argumentation und den Beschlüssen des Handelsgremiums anschließe, Aguda in Dunajska Streda. Aus Dunajska Streda (Dunaszerdahely) wird uns berichtet, daß die dortige Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe eine sehr intensive Tätigkeit begonnen hat. Es wurde ein Kindergarten errichtet, in welchem bis jetzt bereits ,50—60 Kinder untergebracht sind, es wurde auch eine geeignete Person zur Leitung bestimmt. Die Aguda-Jugendgruppe plant nun auch die Errichtung einer Jeschiwo, da in Dunajska Streda hiefür ein besonderes Bedürfnis besteht; bereits im vorigen Jahre haben 40—50 Bachurim in Szerdahely gelernt und es ist notwendig, daß nunmehr Gelegenheit geschaffen wird. Die verdienstvolle Jngendgruppe arbeitet eifrig in deren Interesse. Neben diesen hochwichtigen für Erziehung und Hathora gewidmeten Arbeiten betreibt die Aguda propagandistisch eine intensive Tätigkeit, bei welcher die Leitung der Orts- und Jugendgruppe wetteifert und es soll gelingen, die ganze orthodoxe Jugend des Ortes midie Aguda zu gewinnen. Besonders seien hier erwähnt, von der Ortsgruppe deren Obmann, Herr Oberrabbiner, Herr Markus Petenyi und Herr Arnold Stern und die eifrige Leitung der Jugendgruppe. Verhör der Jessoda-Thora. (Bratislava.) Am 9. April fand hier das große Verhör in der Jessoda-Thora statt. Da diesen Semester durch den Neubau Lokalitäten nur zerstreut in verschiedenen „Bote- Midroschim" für die Jessoda-Thora zur Verfügung stehen konnten, ist es als besonderer Verdienst der geistigen Leiter dieses Institutes zu bezeichnen, daß die Zöglinge der nunmehr auf sechs Klassen sich erweiterten Schule, bei dem durch Sr. Ew. Herrn Oberrabbiner Rubinstein, Ew. Rab. D. Wessely und Ew. Rab. Hirschler vorgenommenen Verhör vollauf und mit glänzendem Erfolge entsprochen. Auch die durch die Aguda Jugendgruppe dort untergebrachten und versorgten Kinder (zwölf an Zahl) haben ihr Examen glänzend bestanden. Da die Jessoda-Thora mit Beginn des nächsten Semesters die thorabeflissenen Jünger schon in ihrem eigenem Bau einführen wird, wünschen wir demselben ein herzliches „Gelach urchaw al de war emes". Mensa in Trnava. Die hier seit kurzem bestehende Mensa hat dank der aufopfernden und agilen Tätigkeit der hiesigen Herren ihre segensreiche Arbeit für diesen Semester beendet und läßt sich, auf deren Tätigkeit zurückblickend, konstatieren, daß diese zur Hebung des dortigen Jeschiwalebens im besonderem Maße beigetragen hat. Es wurden täglich zirka 40 Bachurim verköstigt, bei einem Defizit von Kc 36.000-—. Um die Aufrechterhaltung derselben haben sich die Herren der Leitung, aus folgenden Herren bestehend, besondere Verdienste erworben: Josef Reich, Präses; Josef Fürst, Leiter; S.L. Schwartz, Aron Raab, S. Schick. Verwalter. Es ist dem Vereine ein gutes Gedeihen zu wünschen. , Prüfung in der Talmud-Thora. Am 9. Nissan fand in Bratislava das große Verhör der Talmud- Thora durch Sr. Ew. Herren Oberrabbiner Schreiber und Ew. Rabbiner D. Wessely statt. Die Prüfung ergab ein glänzendes Resultat und wurden 50. Knaben mit Prämien bedacht. Der Gemeindevorstand war durch Herrn David Krausz vertreten. Ungarn. Feuerstein in Jerusalem. Der bekannte, aus Budapest stammende hebräische Dichter Avigdor Feuerstein, der in russische Kriegsgefangenschaft geraten, sich seither in Rußland aufhielt, ist in Begleitung mehrer jüdischer Schriftsteller und 150 Chaluzim in Jerusalem über Konstantinopel angekommen. Polen. Die letzte Intervention. Deputierter R. Halpern s.l. intervenierte beim Warschauer Regierungskommissär wegen der Requisitionen von Bethäusern, welche sich letztens mehrmals wiederholt haben. So wurde die schon 100 Jahre existierende Mlawer Schul geschlossen. Außerdem bereite die Polizei große •Schwierigkeiten bei der Erteilung von Erlaubnissen fifr Bethäuser. Der Regierungskommissär versprach, daß bis 1. Mai keine Sperrung mehr vorkommen werde und daß die früheren Fälle revidiert werden. Es werden sich Sanitätskommisionen einfinden, die angeben werden, was zu machen sei. Litauen. Rückkehr litauischer Evakuierter. Seit dem 1. Jänner sind 12.000 litauische Heimlose aus Sowjet- Rußland zurückgekehrt. Die meisten sind Juden, die während des Krieges gezwungen wurden, das Land zu verlassen. Ein jüdisches Städtchen abgebrannt. In dem fast ausschließlich von Juden bewohnten Städtchen Merecz brach eine Feuerbrunst aus, dem 200 Häuser zum Opfer fielen. Mehr als 300 jüdische Familien sind obdachlos geworden. Antisemitische Ausschreitungen. In Litauen häufen sich immer mehr die Fälle von antisemitischen Ausschreitungen, an welchen auch Soldaten teilnehmen. Die Regierung sah sich genötigt, gegen diese Exzesse eine Verordnung zu erlassen, welche aber keine Wirkung hatte. Amerika. Hilfe für die ukrainischen Jtidon. Die Konferenz der ukrainischen Juden in Amerika hat sehr wichtige Beschlüsse betreffs Hilfe für die ukrainischen Heimlosen angenommen. Es soll ein Fonds von einer Million Dollar geschaffen und ein spezieller Fonds von 300.000 Dollar zur Unterbringung ukrainischer Kriegs- und Pogromwaisen in Palästinenser Kinderkolonien geschaffen werden. Die Sammlungen des Geldes sollen durch die ukrainisch-jüdischen Föderationen in Amerika durchgeführt werden. Ein Komitee soll sich an die amerikanische Regierung um Hilfe bei der Linderung der Leiden der ukrainischen Juden wenden und bitten, daß die geplanten Antiimmigrationsgesetze nicht durchgeführt werden. Außerdem wurde beschlossen, eine Kommission zur Untersuchung der Lage der Juden in der Ukraine zu entsenden. An Ort und Stelle wurden 650.000 Dollar gezeichnet. Erinnerungen aus dem Beilis-Prozeß. Mendel Beilis hat die Veröffentlichung seiner Erinnerung aus dem berühmten Kiewer Prozeß begonnen. Schweiz. Sabbatruhe in den Schulen. Im Züricher Bezirksrat antwortete Dr. Mossinsohn auf eine Interpellation bezüglich der Sabbatruhe in den Schulen, daß die Eltern, die wünschen, daß ihre Kinder am Samstag nicht schreiben sollen, beweisen müssen, daß sie selber die Sabbatgesetze streng befolgen.

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