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Jüdische Presse · 1921-05-06 · 15 (6.5.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
15 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 15 JÜDISCHE PRESSE Seite 117 folgte das vielhundertköpfige Publikum der hochinteressanten, doch zuweilen betrübenden Schilderungen über die momentane Lage in Erez Jisroel, Worte, mit ungekünstelter Einfachheit, welche nur der Wahrheit eigen sind. Auf Grund praktischer Beispiele bewies Redner das unrichtige Arbeitssystem und Bureaukratismus der anderen Organisationen und gab andererseits praktische Weisungen und Anleitungen für die reale Erez Jisroel Arbeit der Aguda. Tosender Beifall lohnte den mehr als eine Stunde währenden Vortrag. Hatte nun schon dieser das Publikum zur ernsten Betrachtungen über das Erez Jisroel Problem angeregt, so war die darauffolgende Drosche des Kirchdraufer Raw von geradezu zündender Wirkung. In von heller Begeisterung flammenden Worten warnte er die Jereim davor, die Hände in den Schoß legend, das heilige Land den Entheiligenden zu überlassen. Seine packenden Gleichnisse und der wunderbare oratorische Schwung versetzte das Publikum in Extase. Beide Reden trugen viel zur Hebung der Aguda bei und blieb auch der materielle Erfolg nicht ans. Beim drauffolgenden Bankette, das den hohen Gästen zu Ehren veranstaltet wurde, wurden für den Keren Erez Jisroel KC. 3150.— gespendet. Außer diesen Betrag spendete die hiesige Jugendgruppe bereits Kö. 700.— für den Keren Erez Jisroel. Das Benschen wurde für Kc. 280.— versteigert. * * * In Bratislava hielt Herr Wolf Pappenheim am 27. April im großen Komitatshaussaale vor einem tausendköpfigen Publikum aus allen Ständen und Schichten ein glänzendes Referat, über dessen Verlauf wir demnächst ausführlich berichten werden. 'ÄÄ^^^^t^^fe^Ä^ In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". P^^^PW^PiW^^^W Stimmungsbild aus Heu-Rumänien. Von B. Fr. Die weltumwälzenden Ereignisse der letzten Jahre hatten auch das Judentum Siebenbürgens aus seiner Lethargie erweckt. Dem Zaudern der Führer ist es jedoch zuzuschreiben, daß die Bewegung in unrichtige Bahnen gelenkt wurde. Während einige zionistisch gesinnte junge Leute rasch zur Tat griffen und durch die Gründung des Organes „Uj kelet" sich einen Einfluß auf die Masse erworben, hatten die führenden Persönlichkeiten der Orthodoxie es verabsäumt, im richtigen Momente einzugreifen. So konnte die zionistische Idee Wurzel fassen nicht nur bei den Massen der Assimilanten — die durch die Ereignisse in Ungarn wankend wurden — sondern auch in gesetzestreuen Kreisen. Als endlich der Kongreß der orthodoxen Gemeinden nach langer Erwartung zusammentrat — konnte mangels an vorbereitender Arbeit die Idee der „ Aguda" nicht gleich durchdringen. Dazu kam die Reserve der Chassidim rabbis gegenüber der Idee der Aguda. Außerdem fühlte man stark das Fehlen eines gutredigierten orthodoxen Organes. All diese Umstände trugen dazu bei, daß während der Zionismus in Siebenbürgen immer mehr ßoden gewann, die Idee der Aguda wieder langsam Wurzel schlug. Heute bedarf es einer energischen und zielbewußten Aktion, um die Kräfte der Orthodoxie zu sammeln. Traurig ist, daß im Lager der Orthodoxie selbst verschiedene Schattierungen und Parteien einander gegenüberstehen. Abgesehen von der vereinzelt dastehenden Person des Klausenburger Rabbiners — der offen für den Zionismus eintrat — sind alle orthodoxen Rabbiner Siebenbürgens darüber einig, daß der Zionismus Gefahren für das orthodoxe Judentum in sich birgt. Wenn alle Rabbiner einmütig zu dem Entschlüsse kämen, für die Idee der «Aguda Israel" einzustehen, könnte vielleicht der Kampf gegen die jüdischen Nationalisten mit Erfolg aufgenommen werden — wie es das lebendige Beispiel der tschechoslowakischen Judenheit zeigt. So aber nützen unsere Gegner die Zersplitterung unserer Kräfte aus — und stiften oft Unheil zwischen Rabbiner und Gemeinden. Die Folgen davon sind sehr traurige. Die Rabbiner befinden sich oft in sehr schiefen Situationen — was für ihr Wirken sehr hemmend ist. Der Kewod hatoroh ist in Siebenbürgen sehr untergraben. Es müßte eine zielbewußte Aktion eingesetzt werden, um das irregeführte Volk aufzuklären, und für die Idee der Aguda zu gewinnen. Es müßten einige gewandte Volksredner eifrige Agitation betreiben. Die Grundlagen für die Organisation sind in einigen Städten Siebenbürgens bereits gelegt. In Großwardein, Szatmär, Torda usw. ist der Boden bereits präpariert. Es ist Aufgabe der Zentrale, in Wien die Arbeit in Angriff zu nehmen — und für Ausbau der Organisation zu sorgen. Wir erwarten diese Maßnahmen mit Zuversicht und erhoffen davon ein Aufleben des jüdischen Gewissens, das die herrlichsten Früchte zeitigen wird. Das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsaligelegenheiten (Hilfsverein der Deutschen Juden) hat seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Als besonderer Sekretär für das Zentralbureau f. j. A. ist Herr Dr. Nathan ben Nathan angestellt. Die Arbeit des Zentralbureau besteht in der Regulierung der Emigration, die durch Deutschland geht, in der Beratung von Auswanderern und der Auskunftserteilung an Organisationen, in einer syste- "flfrätföehetf' '!Ä.üs<v%haiBrerfärsörge " unter möglichster Zusammenfassung aller Tätigkeiten, die mit der Auswanderung zusammenhängen. Die Mitarbeit aller Organisationen ist willkommen. Die Zentrale ist in Berlin, Steglitzerstraße 12. Nebenstellen sind in Hamburg, Ferdinandstraße 14, und in Bremen, Düsternstraße 7, bereits vorhanden. Weitere Nebenstellen werden an den Grenz- und Haupteisenbahnknotenpunkten, soweit nötig, eröffnet werden. Verhandlungen mit den Schiffahrtsgesellschaften und den auswärtigen jüdischen Organisationen sind aufgenommen worden. Das Zentralbureau wird, wie vor dem Kriege, ein Korrespondensblatt herausgeben, das Informationsmaterial über die Auswanderung enthält und außerdem die Presse mit Nachrichten über Emigrationsangelegenheiten versehen. Rabbiner Dr. Chalfan über die Emigration nach Argentinien. Der argentinische Rabbiner Dr. Chalfan äußerte sich unlängst, er glaube, daß demnächst eine stärkere Immigration aus Osteuropa nach Südamerika eintreten werde. Gegenwärtig befinden sich dort gegen 200.000 Juden, welche die vollsten Freiheiten genießen und das progressive Element im Lande sind. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in Argentinien beschäftigt sich mit Landarbeit und die Kolonien der J. K. A. befinden sich, dank ihrer Arbeit in einem sehr guten Zustand. Dr. Chalfan sagte auch, daß die argentinische Regierung und der argentinische Präsident bereit sind, die jüdische Einwanderung nach Argentinien zu unterstützen. Verordnungen über die Einreise von Ansiändern in Brasilien. Die brasilianischen Einwanderungsämter haben folgende Verordnungen erlassen: Das brasilianische Gebiet dürfen nicht betreten: 1. Krüppel aller Art, Blinde, Geisteskranke, Bettler und Infektionskranke; 2. Frauen mit unmoralischer Aufführung; 3. Personen, die über 60 Jahre alt sind. Alle Oberwähnten, mit Ausnahme der Infektionskranken und der im Punkt 2 angeführten, können die Einreisebewilligung erhalten, wenn sie nachweisen können: 1. daß sie über einen Betrag verfügen, der für ihren Lebensunterhalt ausreicht; 2. daß sie in Brasilien Verwandte haben, die für sie sorgen wollen und das auch bestätigen. Aus Brasilien können alle Ausländer ausgewiesen werden, die sich im Verlaufe ihres fünfjährigen Aufenthaltes in Brasilien herausgestellt haben: 1. als politisch verdächtig, sei es auch für einen anderen Staat; 2. daß sie versucht haben, durch illegale Mittel eine religiöse oder'politische Richtung im Lande einzuführen; 3. als gefährlich für die öffentliche Ordnung und nationale Sicherheit; 4. als von einem andenen Staate wegen Mord, Diebstahl usw. Verfolgte. Diejenigen Ausländer, die von Brasilien ausgewiesen .wurden und vor Aufhebung der Strafe ins Land zurückgekehrt sind, werden zu zwei Jahren Gefängnis und Abschaffung nach Ablauf der Strafe verurteilt. Konferenz wegen der Emigrationsfrage in London. Am 10. April hat in London eine Konferenz von 24 jüdischen Institutionen stattgefunden, an welcher hervorragende Persönlichkeiten wie Rabbiner Dr. Jung als Vertreter der Aguda, Lucian Wolf, Dr. Jochelmann, Salzmann, Pilichowski und andere teilgenommen haben. Salzmann sagte in seiner Rede, viel wichtiger als die Frage der Emigranten, welche durch England reisen, sei die Frage als Ganzes; denn für jene werde schon irgendwie gesorgt werden, außerdem gehören die Emigranten, welche bereits in England angekommen sind, zu den Glücklichsten. Trauriger steht es um die 50 Prozent des jüdischen Volkes, die heute gar nicht wissen, wohin sie fahren sollen. Gegen 100.000 Emigranten warten jetzt inPolen, Ukraine, Rußland, Beßarabien und anderen Ländern, wo es um sie viel trauriger bestellt ist. Wichtig ist die Rettung der Tausenden von Juden und Kindern aus der Ukraine, die auswandern müssen. Andere Redner vertraten den Standpunkt, daß, bevor man zur Ordnung der allgemeinen Emigrantenfrage trete, denjenigen Emigranten geholfen werden müsse, die über England zu reisen gezwungen sind. Lucian Wolf führte unter anderem aus, daß die Frage der Transemigration in England bloß ein Teil des jüdischen Emigrationsproblems ist und daß sie auch bis jetzt von der großen jüdischen Organisation nicht ignoriert worden ist. Es werde noch eine Konferenz stattfinden, die sich mit den Mitteln zur Lösung der Frage beschäftigen werde. Diese Fragen werden auch jetzt von der großen Organisation behandelt. Er sei auch dafür, daß ein Komitee geschaffen werde, welches mit anderen nahestehenden Organisationen zusammenarbeiten solle. Rabbiner Dr. Jung als Vertreter der Agudas .Jisroel sprach über die Wichtigkeit der Konferenz und inwiefern das neu zu schaffende Komitee imstande sein wird, den Durchwanderern zu helfen. Diese benötigen nicht nur materielle und juridische Hilfe, sondern auch moralische. Man solle dafür sorgen, daß die Durchwanderer koscher speisen können. Es wurde dann folgende Resolution angenommen: Die Konferenz der Delegierten der Bethäuser, Vereine und Institutionen ist der Meinung, daß es notwendig ist, ein zentrales Komitee der jüdischen Körperschaften zu schaffen, welche an der Hilfe für jüdische Emigranten und Transemigranten interessiert sind. Die Delegierten werden aufgefordert, ein Komitee zu wählen, welches mit den bestehenden Komitees und Institutionen an der Schaffung eines zentralen Komitees mitarbeiten solle. In das Komitee wurden gewählt: Rabbiner Dr. Jung, Mr. Beitlin, Morris Mayer, L. Pilichowski, N. Lazarus, A. Tarla, Joschkowitsch, Frau Dr. Mowschowitsch, D. Stieber und Kalmonsohn. Verordnung über Affidavit. Laut einer Meldung der „Top-Wahrheit" hat das amerikanische Immigrationsamt in Washington beschlossen, daß auch Frauen Affidavits zu ihren Verwandten in Europa schicken dürfen. Falls der Mann ein Affidavit zu einer Verwandten der Frau schickt, muß das Dokument auch von der Frau unterfertigt sein. üolkswirtscbaft. Konversion der Prioritäten der Kaachan-Oderberger Eisenbahn. Anf Grund der in der Generalversammlung vom 4. .März 1921 gefaßten Beschlüsse wurden sämtliche in den bisherigen Verlosungen noch nicht verlosten Obligationen der Kaschan-Oderberger Eisenbahn mit der Maßgabe verlost, daß Bie vom 1. Juli bozw. 1. September 1921 au in ungarischen Kronen zu dem Umrechiinngsschlüssel: 1 Gulden ö. W. Silber 2ungarische Kronen, 1 Mark d. R. W. 1'24ungarische Kronen und 1 Krone rl ungarische Krone bei den Kuponeinlsöungsstellen rückgezahlt werden. Alle Besitaer der so verlosten Teilschuldverschreibun<!en sind jeiloch berechtigt, auf die Rückzahlung zu verzichten und ihre Teilschuld verschrei bungen auf tschechoslowakische Währung umzuwandeln, und zwar unter Zugrundelegung des Wertverhältnisaes: 1 Gulden ö. W. Silber 2 tschechoslowakische Kronen, 1 Mark d. R. W. l*/4 tschechoslowakische Kronen und 1 Krone 1 tschechoslowakische Krone sowohl für das Nominale als für die Verzinsnng und Tilgung. Mit dem Zeitpunkte der durchseführten Konvertierung übernimmt die tschechoslowakische Republik die Bürgschart für die Verzinsung und Tilgung der sodann auf tschechoslowakische Währung lautenden Stücke und verpflichtet sich, im Falle der Verstaatlichung der Kaschau-Oderberger Eisenbahn, die zu diesem Zeitpunkte noch nicht getilgten Titres zur Selbst- und Alleinzahlnng zu ubernehmen. Behufs Geltendmachung diese« Konvertierungsreehtes sind die Teilschuldverschreibungen in der Zeit vom 1. Mai bis inklusive 30. Juni 1921 bei einer der nachstehend angeführten Konvertierung;«- stellen bei sonstigem Verluste de» Konvertierungsreohtes einzureichen, und zwar in Wien: bei der Anglo-Oesterreichischen Bank, dem Wiener Bank-Verein, der Allgemeinen Österreichischen Boden-Credit-Anstalt, der Centraibank der deutschen Sparkassen, der OesterreichiBohen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, der Allgemeinen Depositenbank, der Niederösterreicliischen Escompte-Gesellschafr, der Oesterreichischen Län'lerbank, der Wiener Lombard- und Escomptebank, der Bank und Wechselstuben-A.-G. „Merkur", S. M. v- Rothschild, der Union-Bank, der Allgemeinen Verkehrabank und der Ziynoatenska banka, Filiale Wien. Außerdem bestehen Einreichungsstellen in Budapest, Prag, Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Dresden, Hamburg, Leipzig, München, Zürich, Amsterdam, Rotterdam, Krakau, Agram, Arad, Klansenburg, Temesvar und Hermannstadt. Alle näheren Mitteilungen enthält die in der „Wiener Zeitung" vom 1. Mai 1921 veröffentlichte ausführliche Originalkundmachung, welche bei sämtlichen Einreichungsstellen kostenlos erhältlich ist. 80. April 1921. Die sechsundfünfzigste ordentliche Generalversammlung der Allgemeinen österreichischen Boden-Credlt- Anstalt findet am 21. Mal 1921, um 12 Uhr mittags, in Wien, I., Teinfaltstraße Nr. 8, statt. Verhandlungsgegenstände: a) Bericht des Vorstandes; 6) Bericht der Zensoren; c) Beschlußfassung über die Gesellschaftsrechnungen und die Verwendung des Gewinnes; d) Beschlußfassung über die Ermächtigung des Verwaltungsrates zur Erhöhung des Aktienkapitals von 150 Millionen auf 210 Millionen Kronen durch Ausgabe von 200.000 Aktien a IC 800 Nominale sowie zur Festsetzung der Modalitäten dieser Emission; e) Beschlußfassung über Statutenänderungen (Art. 10, 11, 26); f) Wahl von Verwaltungsräten; g) Wahl eines Zensors. In dieser Generalversammlung sind jene Herren Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens 14 Tage vor dem Zusammentreten derselben, daher bis längstens 6. Mai 1921, fünfzig Aktien nebst Coupons bei der Kasse der Gesellschaft in Wien (L, Teinfaltstraße Nr. 8) deponieren. Zur Vermählung unseres Vorstandsmitgliedes Fräulein Lola Schiff gratuliert herzlichst die Aguda-Mädchengruppe. •"-ijnj'p-min ni&^n In der Bösinger T\"T\ werden noch vier bis fünf Kinder aus besseren Häusern aufgenommen. Für erstklassigen Unterricht in HWÖ und ■pfl, wie auch für Verpflegung in gut jüdischen Familien wird bestens gesorgt. Die rm-Leitung. Anmeldungen sind (bis 4. Ijar) zu richten an Rabbiner Schill, Pezinek bei Preßburg. Vom Vorstande des Machsike Hadass, Brünn. Konkurs. Für unsere orthodoxe Bethausgemeinde wird ein streng orthodoxer, junger Rabbiner mit allgemeiner Bildung, guter Redner, femer ein SctlOChet mit Zeugnissen von orthodoxen Rabbinern, der zugleich Baaltefila und Baalkore sein kann, gesucht. Der Vorstand des Vereines Machsike Hadass Brünn. Protokollierter Essigf abriks - Einrichter und Leiter auf Abonnement, garantiert 80 Prozent Ausbeute. Gegründet im Jahre 1884. Lazar Weiß, Galanta (Slowakei).

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