Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 14 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629921--0229-2631832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 JÜDISCHE PRESSE Seite 107 Die Wiener Zeittratratssitzung* Unseren Mitteilungen über die Sitzung des Zentralrates fügen wir noch die am Sonntag und Montag — nach Abschluß unseres Berichtes — gefaßten wichtigsten Beschlüsse an. Finanzen. 1. Zur Deckung des unmittelbaren Finanzbedarfes des Zentralbureaus wird eine einmalige außerordentliche Umlage auf die Landesorganisasionen beschlossen, die zu einem Drittel sofort, zu zwei Drittel am 1. Juli zahlbar ist. 2. Die Leitung hat Vorkehrungen zu treffen, daß vom 1. Juli ab sämtliche Landesorganisationen den für die Gesamtorganisation bestimmten, für jedes Land besonders festgesetzten Mindestbeitrag unverkürzt an die Zentralkasse abführen. Die Landesorganisationen und Ortsgruppen haben ihre eigenen Bedürfnisse ausschließlich durch Sonder zu schlüge zu den Mindestbeiträgen zu decken. 3. Für die sachlichen Aufgaben der Agudas Jisroel sollen die Mittel durch regelmäßige Opfertage und -Wochen, die gleichzeitig in allen Ländern stattfinden, aufgebracht werden. Hierfür sind die Elul- Tischri-Zeit (Erez Israel), Chanuka (Thorafonds) und Pur im (Wirtschaftsfonds) in Aussicht genommen. J e s c h i w o s. Zu dem Beschlüsse der Preßburger Tagung bezüglich der Subventionierung von Jeschiwos, stellt, der Zentralrat unter Zustimmung der Rabbinen fest, daß dieser Beschluß in keiner VVeise eine Stellungnahme zu den rabbinischen Lehranstalten der westlichen Länder bedeute, wie es überhaupt der Grundsatz der Agudas Jisroel ist, die Verantwortung für die Institutionen der einzelnen Länder den Landesorganisationen und ihren rabbinischen Autoritäten anheimzugeben. Der Preßburger Beschluß zielte vielmehr lediglich darauf hin, die verhältnismäßig geringen Mittel der Gesamtaguda den talmudischen Hochschulen des Ostens zu sichern, die sich ganz dem Studium der Thora hingeben. Rabbinischer Rat. Der geschäftsführende Ausschuß des Zentralrates wird beauftragt, im Namen des vorläufigen Rabbinischen Rates sämtliche Landesorganisationen aufzufordern, unter Angabe der Zahl ihrer Mitglieder Vorschläge darüber zu machen, in welcher Weise die betreffende Landesorganisation ihre Vertreter in den rmnPl Wlfc zu wählen beabsichtigt. Es wird alsdann die Zahl der jedem Lande zustehenden Vertreter bestimmt und der Wahlmodus, falls keine erheblichen Gegenbedenken bestehen, jedem Lande nach seiner Art genehmigt werden. Die Wahl sämtlicher Vertreter in dem fTlTÖ muß bis zum 15. Aw vollendet sein. Jeder Landesorganisation bleibt es überlassen, ob sie in den H'H'Ö nur Rabbiner oder auch hervorragende Kapazitäten aus Nichtrabbinerkreisen entsenden will. Politische Erez Israel-Frage. Der Zentralrat erachtet es in einem Augenblick von geschichtlicher Bedeutung für seine Pflicht, in politischer Hinsicht zur Palästina frage folgendes zu erklären : „Artikel 4 des Entwurfes zum Palästinamandat, durch den eine einzelne Partei innerhalb der Judenheit, die zionistische Organisation, als Jewish Agency anerkannt wird, widerspricht den Grundsätzen allseitiger Gerechtigkeit und ist insbesondere nicht geeignet, das von der Mandatarmacht angestrebte Ziel der Heranziehung aller am Aufbau Erez Israels interessierten Kreise zu fördern. Der Zentralrat hält daher im allseiligen Interesse die Umbildung der im Entwürfe vorgesehenen Jewish Agency für erforderlich, derart, daß der durch die ,Agudas Jisroel' repäsentierten Orthodoxie die Möglichkeit gegeben wird, ihrer geschichtlichen Aufgabe gemäß, an dem Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Erez Israel im Geiste der religiösen Ueberlieferung und des jüdischen Religionsgesetzes mitzuwirken." Palästina -Delegation. Um über die obgenannten überaus wichtigen Fragen eine richtige Entscheidung treffen zu können, hat der Zentralrat beschlossen, daß die Palästina- Delegation, welche nach Erez Jisroel fährt und an deren Spitze der Rabbi ans Gorra Kalvarin steht, an Ort und Stelle den ganzen Komplex der Fragen nach allen Richtungen hin genau studieren möge und hierüber dem G.-A. wie früher Bericht erstatte. Keren-HajessodundAufbauarbeit. Auf Anfrage mehrerer Landesorganisationen erklärt der Zentralrat die Förderung des Keren Hajesod durch Agudisten auf Grund der für Verwaltung und Verwendung dieses Fonds geltend6n Bestimmungen für unstatthaft. Er fordert die Exekutive der Agudas Jisroel vielmehr auf, alles aufzubieten, um das vom Zentralrat aufgestellte Programm zu positiver selbständiger Arbeit auch auf wirtschaftlichem Gebiete (siehe hierüber die Mitteilungen in voriger Nummer) in Erez Israel in möglichst umfassender Weise zu verwirklichen. "PDDjHs yvi"» nsnyfc rpKTip na riDiaö möizn n^D :ns Der Delegiertetttag der Hguda in der Slowakei, Zum ersten Male haben sich die gewählten Vertreter der agudistischen Landesorganisation versammelt, um einen Rückblick auf das vollbrachte Werk der Vergangenheit und einen Ausblick auf künftighin erwachsende Aufgaben zu bieten. Die Aktiven der Bilanz des abgelaufenen Tätigkeitsjahres bestehen in den edelsten Werten der Erhaltung des Thorastudiums und der mit brüderlicher Liebe geübten Wohlfahrtspflichten. Mag der frivole Spott, der dem wahren jüdischen Geiste entfremdeten unberufenen Juclentumsbeglücker, den Wert, des ersten Gebotes der Aguda, des Thorastudiums herabsetzen; wir wiederholen es, was vor 2000 Jahren gesagt wurde und wohl noch in ebensolcher künftigen Zeitfrist gesagt werden wird: we-talmud thora keneged kulonv Die Agudas Jisroel in der Slowakei hat einen guten Teil der Jugend wieder für das Studium der Thora erobert. Diese Jugend bildet die Kerntruppe des Judentums, sie bildet die Essenz jüdischen Geistes; aus dem Thorajudentum quillt alle jüdische Begeisterung und Opferwilligkeit. Selbst all das, was andere thorafremde jüdische Organisationen an opferwilligen Führern hervorgebracht haben, sind selbst Kinder oder Enkel der Thora, in denen oft atavistisch der Geist des in Thora lebenden Großvaters weiterwirkt. Die Verhandlungen flössen im Geiste der gegenseitigen Achtung und der Ehrfurcht vor den Führern. „Kein Eindringen, kein Austritt, kein Geschrei ist in unseren Wegen8, mag sich die Aguda rühmen. Erfreulich und bezeichnend ist der Umstand, daß der alte bahnbrechende Vorkämpfer für die Aguda Rabbi Katz in rückhaltsloser Anerkennung seiner Verdienste und Fähigkeiten zum Präses der Aguda- Landesorganisation gewählt wurde, eine neue Illustration zum alten Spruche es wohew bessofo! „Kämpfe zwischen G-ttesfürchtigen enden in Liebe." Diese schöne Manifestation der vom Bande der Thora in ungetrübter Freundschaft und gegenseitiger Achtung vereinigten Versammlung wird den Teilnehmern den Impuls zu einer weiteren erhöhten Tätigkeit im Dienste der großen Sache verleihen. Der Delegiertentag in trenesin teplitz. Als Einberufer der Tagung eröffnet Herr Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf) mit schönen Tliorawoiten die Tagung und fleht G-ttes Segen auf die Beratungen herab. Haberfeld (Bratislava.) schlägt für die Leitung der Versaminlund Herrn Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf), Oberrabbiner Reich (Trencinban), Oberrabbiner Friedrich (Homona) und vier Schriftführer vor. Oberrabbiner Herzog (Stupava) referiert über die bisherige Tätigkeit der provisorischen Leitung der Agudas Jisroel. Er hebt die großen Schwierigkeiten hervor, welche sich den eifrigen Aguda-Arbeiten entgegengestellt haben, aber es gelang schließlich doch in Fortsetzung und Ausweitung der Machsike Hadass-Bewegung den Agudas Jisroel-Gedanken in der Slowakei zu verbreiten. Allmählich gründete sich Ortsgruppe nach Ortsgruppe, besonders im Kreise der Jugend. Als Vorkämpier für die Idee wirkten Rabb. Abraham Aron Katz (Neutra) und sein treuer Mitarbeiter Oberrabbiner Lichtenstein (Uermeny), der leider heute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Er glaubt, daß die Bewegung weitere Fortschritte machen wird und wünscht, daß besonders der Arbeitskreis der damalige Machsike Hadass die Beaufsichtigung und Kontrollierung der Ritualien aus dem Arbeitsprogramm nicht ausgeschaltet werden sollen. 'Daher schließt er sein Referat mit dem positiven Antrag, daß eine spezielle Ritualkommission eingesetzt werde, welche alle seinerzeitigen Aufgaben der Machsike Hadass übernimmt. (Angenommen.) Vorsitzender Oberrabbiner Spitzer beantragt die Wahl einer Kommission behufs Vorlegung eines Statutenentwurfes. Die Statuten sollen während der Nachmittagstagung zur Beratung vorgelegt werden. Als Mitglieder der Statutenkommission wurden Herr Oberrabbiner Hirschler (Modra), Oberrabbiner Fürst (Cuz), Dr. Roseubauin (Bratislava), Müller (Presov), Spitzer (Neutra), Dr. Pollak (Wien) gewählt. Oberrabbiner Ungar (Trnava) beantragt, Begrüßungstelegramme an das Zentralbureau London und Wien, die Organisationslandeskanzlei Bratislava und Rabbiner Katz (Neutra) abzusenden. Der Antrag wird angenommen. Oberrabbiner Hirschler hält nun sein Referat über Agudas Jisroel. Er knüpft seine Ausführungen an die Bemerkung der Talmudweisen, zum jesajanischen Verse VVehojo emunas iteocho chausen jeschuaus chochmo wodaas, in denen er die einzelnen Aufgaben der Agudas Jisroel schildert, die Erziehungsfrage (die Jugenderziehung, Schiurim.-Einrichtung, Mädchenerziehung), soziale Fürsorge (Waisenhäuser), ferner Emigrationsf'rage, Arbeitsvermittlung, Schomre Schabbos, zuletzt die Gesinnungstüchtigkeit, die alle unsere Mitglieder durchdringen soll. Der Gedanke der Agudas Jisroel gipfelt in der Betonung, daß es bloß ein einziges jüdisches Volk gibt, welches die historische Kontinuität mit dem Sinaitage durch das Sinaigesetz bis zum heutigen Tage aufrechterhalten hat und trotz aller Versuche, das jüdische Volk auf eine andere Grundlage zu stellen, noch heute den unbeugsamen Willen bekundet, den jüdischen Volkskörper auf der Grundlage des Sinaigesstzes zusammenzufassen und aufrechtzuerhalten. Nach dem mit großem Beifall autgenommenen Referat stellt Oberrabbiner Reich (Oslan), unterstützt von Oberrabbiner Fürst (Cuz), den Antrag, jenen Teil der Ausführungen des Referenten, welcher sich auf soziale Fürsorge, besonders auf Errichtung von Waisenhäusern zur Aufnahme der Pogromopfer aus dem Osten, als Aufruf ah die einzelnen Gemeinden ergehen zu lassen, in denen die besondere Wichtigkeit und Dringlichkeit der Waisenversorgung zum Ausdruck gebracht wird. (Angenommen.) Heinrich Weiß (Neutra) möchte vor allem den Ausbau der Ortsgruppen anstreben, sonst werden die Träger unserer Arbeit fehlen und die schönsten und besten Ideen werden verloren gehen aus Mangel an organisierten Arbeitskräften. Friedtnarn (Presov) erblickt auch in der organisatorischen Arbeit die momentan dringlichste Aufgabe und bittet, mit. Rücksicht, daß die Ostslowakei breite orthodoxe Massen birgt, auf die Verbreitung der Aguda-Idee in der Ostslowakei besonderes Gewicht zu legen. Oberrabbiner Spitzer erklärt, daß diesem Wunsch Rechnung getragen werden wird. Oberrabbiner Friedrich (Homona) erwartet von der Verbreifung der Aguda-Idee gleichzeitig die Erstarkung' des Thorageistes, der leider immer mehr und mehr aus dem Herzen der Jugend verdrängt wird. Er erblickt in den einzelnen Ortsgruppen die Pioniere der Thora-ldee und daher wünscht er, daß alle entschlossenen Vorkämpfer für den Geist und Gehalt, unserer Thora sein sollen. Er glaubt, daß wenn nun die Aguda- Ortsgruppen so ausgebaut werden, so wird der Aguda-Gedanke rasch auch in der Ostslowakei Fuß fassen, denn es sind heute nur mehr bloß wenige, die von der Wichtigkeit, Dringlichkeit und der Heiligkeit der Aguda-Idee nicht, fiberzeugt wären. Redner beantragt, Präsident Masaryk zu begrüßen. (Angenommen.) Herr Zahnarzt Dr. Ehrmann (Frankfurt) übermittelt vor allem die Grüße des deutschen Gruppenverbandes der Agudas Jisroel und geht auf sein Thema ein, indem er die traurige Lage Israels, beziehungsweise des religiösen Lebens in Erez Israel schildert. Als unerschütterliche Vorkämpfer für die thoratreue Judenheit wirken dort Herr Oberrabbincr Sonnenfeld und Diskin und mit ihrer Unterstützung vollzog sich bis jetzt die Arbeit, welche die einzelnen Landesorganisationen, aber besonders die deutsche Palästinazentrale im Einverständnis mit den Pekidim und Amarkilim (Amsterdam) geleistet haben. Die Hauptarbeit wurde für die Erhaltung der einzelnen Schulwerke und Thoraanstalten geleistet, die selbstverständlich alle mit Zustimmung des Bethdin der aachkenasischen Gemeinde gewirkt haben. Heute ist nun notwendig, die Arbeit in gesteigertem Maße fortzusetzen und sie bedeutend auszuweiten. Vor allem sind drei wichtige Momente zu berücksichtigen. Zunächst muß Agudas Jisroel bestrebt sein, in Erez Israel für die Idee der Agudas Jisroel zu werben, das heißt die dort noch boruach haschem die Majorität Jcreim zusammenzulassen, damit ihr Wille im öffentlichen Leben in Erez Israel auch zum Ausdruck komme; zweitens müssen die Schulwerke, die bis jetzt in unserem Sinne geleitet wurden, aufrechterhalten und neue ins Leben gerufen werden. In diesem Zusammenhange ist notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Existenz des selbständigen Bethdin. wie es heute von Rabbiner Ghaim Sonnenfeld und Rabbiner Diskin besteht, gesichert werden. Drittens ist es heute unsere Aufgabe, .lischuv Erez Israel, den Aufbau Erez Israels mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern. Alle diese Momente erfordern große Geldopfer, aber man muß nur zur Tat schreiten, der Erfolg kommt bald nach. Diese Erfahrung haben sie in Deutschland gemacht, wo sie durch die Rausch Chaudesch-Abgaben auf Grundlage von Maser sehr große Erfolge erzielt haben und es ist schon heute zur Pflicht geworden, bei den Mitgliedern der Agudas Jisroel diese Maasserpflicht pünktlich von Monat zu Monat zu erfüllen. Es ist daher notwendig, daß auch hier jede Ortsgruppe auf diesem Gebiete ihre Pflicht, tut. Zu einheitlicher Leitung der Palästinaarbeit ist selbstverständlich notwendig, daß eine Palästinalandeszentrale geschaffen werde. Ueber die Kompetenzen der einzelnen Landeszentralen wird sicherlich der Zentralrat, der in diesen Tagen in Wien tagt, entscheiden und daher erübrigt sich hier über das Thema des längeren auszusprechen. Er erachtet es nicht für seine Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß Agudas Israel mit der breiten Palästinaarbeit durchaus nicht die Absicht hat, den Jischuv Hajoschon und die Einnahmsquellen der alten Siedlung irgendwie zu schmälern. Wir wollen ja unsere Palästinaarbeit als harmonischen Aufbau des alten Jischuv aufgefaßt wissen. Nachdem Herr Dr. Ehrmann noch praktische Vorschläge und Entwürfe für die Palästinaarbeit dem Delegiertentag vorgelegt hat, schließt er sein inhaltsreiches und mit großem Interesse aufgenommenes Referat, womit auch die Vormiltagssitzung zu Ende ging. (Fortsetzung folgt.) Das Kabbinat der ifraclitiscben Kultusgemeinde und seine Umgestaltung Die Wiener israelitische Kultusgemeinde ist eine Einheitsgemeinde. Selbstverständlich nur den Statuten nach, denn de facto bestand seit den ersten Versuchen einer Reform eine selbstständige orthodoxe Gemeinde. Wenn es auch in Wien nie so weit gekommen ist, daß die Einheit der Gemeinde nach aussenhin zerschlagen wurde, so hat Adass Jisroel (Schiffschul) es unter den schwierigsten Verhältnissen verstanden, ihren Mitgliedern und jenen in Wien, die trotz des Großstadtlebens unerschütterlich treu festhielten an den Satzungen unserer heiligen Lehre und Tradition, das zu bieten, was eben eine jüdische Gemeinde von jeher ihren Mitgliedern zu bieten hat. So wie die Kultusgemeinde, so war auch das Rabbinat derselben eine einzige Körperschaft, die wohl nach aussen hin volle Autorität genoß, aber nach innen, da es nicht auf streng konservativen Grundlagen stand, von der orthodoxen Gemeinde und von strenggläubigen Juden nicht in Anspruch genommen wurde. Gerade das Gegenteil traf beim Bethdin von der Schiffschul zu, das nach Innen die höchste Autorität war. Das Rabbinat (Bethdin) der Schiffschul war nicht mit allen vom Staatsgesetz verlangten Attributen ausgestattet, so daß jene rabbinischen Akte und Entscheidungen, die einen vom Staate gewünschten und anerkannten Charakter haben müssen, von diesem Rabbinate nicht vollzogen werden konnten und somit waren die strenggläubigen Juden Wiens gezwungen, falls sie solche Entscheidungen benötigten, in den Nachbarländern ein ihnen entsprechendes Rabbinat aufzusuchen. Selbstverständlich hat der Krieg, der alles Morsche