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Jüdische Presse · 1921-04-15 · 13 (15.4.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
13 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JÜDISCHE PR1SSE Seite 07 volle Projekte der polnischen und der deutschen Palästinazentralen, welche insbesondere geeignet sind, die wirtschaftliche Privatinitiative anzuregen, ^ind der Londoner und respektive der Frankfurter Palästina zentrale zur Bearbeitung übergeben und worden von diesen dann veröffentlicht werden. Einstimmigkeit herrschte darüber, daß die Förderung des Keren Hajessod durch Agudisten unstatthaft sei, solange für dessen Verwaltung und Verwendung die gegenwärtig geltenden Bestimmungen in Kraft sind.* Eingehende Beratungen vertraulicher Natur fanden über die Bestimmungen des Palästinamandates und über das Bes Din in Jerusalem statt. Ueber die weiteren Beschlüsse des Zentralrates lagen hei Schluß der Rodaktion Berichte noch nicht vor. Ztonisttittag der t$cbecbo$!ou>ak<i in Brünn, lüdischer nationalrat in Prag. Von befreundeter Seite wird unserem Blatte geschrieben : Am 27. und 2«. März 1921 wurde in Brünn der zweite tschechoslowakische Zionistentng abgehalten, bei welchem zirka tiO Delegierte erschienen waren. Vorwegs auffällig war die Tatsache, daß beinahe lauter jugendliche Herren erschienen waren, während eine Anzahl von alten Parteigenossen fernegeblieben waren und auch einzelne größere Städte nicht vertreten waren, wie zum Beispiel Preßburg, von wo lediglich ein einziger Misrachi-Vertreter erschienen war. Auch der Teil der Vereinigten", die durch die Person Dr. Brod repräsentiert wird, war nicht erschienen. Wie überhaupt sich der letztere allen Arbeiten — auch im Nationalrat — seit der Zeit fernhält, da er nach einjährigem, zu jüdischen Organisationszwecken erteilten Staatsurlaub, im Pressedepartement des Innenministeriums gelandet ist. wo er sich über die Bedenken der „öffentlichen Meinung" hinwegsetzend, die letztere im offiziösen „Prager Abendblatt" selbst macht. Der zweite „Vereinigte" Dr. Singer aus Prag ist. mit seinem Schildknappen Dr. Goldstein, wie es von jüdischen „Führern" nicht anders zu erwarten ist, bereits Samstag, den 26. März mittags in Brünn eingetroffen. Interessant war der Umstand, daß die ganze Tagung sich am allerwenigsten mit rein Zionistischem befaßt hat und lediglich in eine scharf abfällige Kritik gegen das bisherige Prager Zentralkomitee ausgeklungen ist. Das neugewählte Zentralkomitee ist auch tatsächlich von Prag nach Mähr.-Ostrau verlegt worden. Den breitesten Raum nahm jedoch eine heftige und * Im Anschluß an diesen Beschluß des Zentralrates geben wir, da zahlreiche unserer Gesinnungsgenossen um Zeichnungen für den Keren Hajessod angegangen werden, nachstehend einen Abschnitt aus einem Schreiben unseres Londoner Zentr.ilburcaus bekannt, aus dem ersichtlich ist. daß der Keren Hajessod eine rein zionistische Partei-Institution ist. „Inzwischen wurden im offiziellen Organ der zionistischen Organisation ,Haolam' ausführliche Mitteilungen über die Grundstatuten des ,'Kereu Hajessod' (der aus nicht veröffentlichten <!runden an die Stelle des vor kaum einein Jahre gegründete .Keren Hageuloh' getreten ist) und dessen Verträge mit dem zionistischen .Nationalfbnds' veröffentlicht. Daraus geht bezüglich unserer religiösen Interessen hervor: 1. Die Verwaltung1 des ,Keren Hajessod' besteht ausschließlich aus Beamten und Führern der zionistischen Organisation. iHaolom Nr. 14/15, S. 16.) 2. 20 Prozent des Reinertrages des Keren Hajessod Hießen dem Nationalfonds zu (daselbst § 7 des Vertrages). 3. Das endgültige Statut des Keren Hajessod wurde von der zionistischen Or^anisationsleitung ausgearbeitet und ist bereits bei den englischen Behörden zur Genehmigung eingereicht worden. (Haolom Nr. 14/15, S. 16.) 4. Dem Keren Hajessod ist ein .Universitiitsfonds' mit allen Hechten der Stifter für den ,Keren Hajessod' angegliedert. Diesem Universitätsfonds" steht der gesamte Apparat des •,Keren Hajessod' uneingeschränkt zur Verfügung und die Propagandaredner sind verpflichtet, für den Universitätsfonds zu agitieren. Die Verwaltung des „Keren Hajessod' kann nach Gutdünken Beträge für den UniversitätBfom s bestimmen." (Haolam Nr. 16, S. 18)" Deut$cbo*terrekb. Beferat Wolf Pappenheims. Im großen Saale des Hotel Kontinental fand am 13. April das Referat des aus Palästina zurückgekehrten Herrn Wolf Pappenheim statt, über welches wir ausführlich berichten werden. » Generalversammlungdes Vereines Marpe Lanefesch. Am 28. März 1921 wurde im Saale des Restaurant Mayersohn die diesjährige Generalversammlung des Vereines Marpe Lanefesch abgehalten. Dieselbe wurde, da der Verein das 25. Jahr seines Bestandes vollendet, zur Festversammlung. Außer den zahlreich erschienenen Vereinsmitgliedern*hatten »sich Vertreter der meisten hiesigen orthodoxen Bethäuser und Vereine eingefunden. Für den Vorstand der Kultusgemeinde war Herr Dr. Freudmann erschienen. Nachdem der Vorsitzende, der Vereinsobmann Herr Philipp Fleischmann, die Versammlung eröffnet und die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Herr Vereinsrabbiner Nehemias Friedmann die,Festrede, in der er die Ziele und Aufgaben des Vereines überaus abfällige Kritik des jüdischen Nationalrates in Prag ein. Von allen Seiten wurde der Vorwurf erhoben, daß der Nationolrat viel zu wenig zionistisch tatig sei und eine Anzahl von Resolutionen vorgelegt, die in Zukunft die bedingungslose Abhängigkeit des Nationalrates von der zionistischen Organisation festlegen sollten. Der „als Gast" erschienene nichtzionistische Vizepräsident des Nationalrates Marcus Ungar nahm wohl Gelegenheit, die Herren in energischer Weise zu verwarnen, daß sie die derzeitige zionistische Mehrheit im Nationalrat nicht mißbrauchen mögen, er konnte es jedoch nicht verhindern, daß zwei Resolutionen angenommen wurden, nach welchen erstens die zionistischen Mitglieder des Nationalrates an die Beschlüsse einer Kommission gebunden sind, welche aus dem zionistischen Zentralkomitee und zwei Mitgliedern des Nationalrates (Dr. Singer und Dr. Goldstein) besteht, und an deren Beschlüsse sämtliche zionistische Mitglieder des Nationalrates gebunden sind, so daß die eine kleine Minderheit bildenden Nichtzionisten völlig macht- und einflußlos sind. Auch die zweite Resolution, die den Nationalrat verpflichtet, bei der Regierung Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache durchzusetzen (Referent bei der Schuldebatte Dr. Singer aus Prag), wird für die nichtzionistischen Herren, und speziell für die Herren Marcus Ungar und Dr. Salomon Lieben, wohl eine recht unangenehme Sache sein, da sich der Geist solcher Schulen wohl schwer mit der Vertretung orthodoxer Interessen wird vereinbaren lassen. Wir sind überhaupt neugierig, wie lange diese beiden Herren, die sich — allerdings nicht ganz mit Unrecht '— auf die schwierigen Prager Verhältnisse berufen, es mit ihrer Würde vereinbar lieh finden werden, im Nationalrat zu verbleiben, in welchem sie de facto die tüchtigsten und tätigsten Mitglieder sincl, und das Ansehen des Nationalrates nach außen repräsentieren. Auch die von politisch-organisatorischer Fähigkeit zeigende Arbeit Ungars für die „Vereinigten" — die wir allerdings nach keiner Richtung goutieren — wird wohl in Zukunft schwierig sein, wenn sich manche Kreise, die ihm bisher persönlich wohlwollend gegenübergetreten sind, werden sagen müssen: „Es tut mir vom ganzen Heizen weh, daß ich dich in der Gesellschaft sehe." (Unsererseits müssen wir hinzufügen, daß die Ur sache zu diesem Herzweh bereits seit zwei Jahren besteht, und wenn es dem Thorajudentum der Tschechoslowakei gelungen ist, sich von dem unglaublichem Terror von g-ttlosen unreifen Elementen zu befreien, so dankt es dieses der Aguda und der „J. Pr." Wir haben es von Anfang an begriffen, wie wenig Aussicht auf ein ersprießliches Zusammengehen mit diesen Herren vorhanden ist.) Kritische Rundschau. Churchill in Palästina. Alle Darstellungskünste der offiziellen zionistischen Presse täuschen nicht über die Wahrnehmung hinweg, daß der Besuch Churchills in-Palästina eher darauf berechnet war, den Arabern Beruhigung zu bieten, als den Juden. Churchill sagte mit Nachdruck, daß er an beiden Teilen der Balfour-Deklaration festhalte. Der eine Teil gelte dem jüdisch-nationalen Heime, der andere den Rechten der anderen, dem Schutze der nichtjüdischen Bevölkerung. Die Balfour-Deklaration, die ohnedies den zweifelhaftesten diplomatischen Erfolg im reichen Material der Friedenskonferenz darstellt, wurde selbst ihres Scheines als jüdischer Erfolg entkleidet und als gleichbedeutend für alle Nationalitäten Palästinas erklärt. Hingegen erhielt die jüdische Abordnung die nachdrückliche Mahnung, daß die britischen Steuerzahler die Ausgaben für das jüdische Heim nicht tragen, NACHRICHTEN. seit seiner Gründung besprach. Er knüpfte daran den Wunsch, daß es gelingen möge, dem für das Wiener jüdisch-religiöse Leben so wichtigen Vereine ein eigenes Heim zu schaffen, wozu durch Anlegung des Bethausbaufonds bereits die Vorbereitungen getroffen sind. Stürmischer Beifall folgte den inhaltreichen und formvollendeten Ausführungen. Sodann erstattete Herr Rosner den Jahresbericht, der eine übersichtliche Darstellung der 25jährigen Tätigkeit des Vereines auf allen Gebieten des jüdischen Lebens brachte. Nachdem die Vertreter der verschiedenen Vereine und der Vertreler der Kultusgemeinde dem jubelierenden Vereine die Glückwünsche und Anerkennung ausgesprochen hatten, wurde dem Vorstande das Äbsolutorium erteilt. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurden nachfolgende Herren in den Vorstand entsendet; Philipp Fleischmann, Obmann; Leopold Ulimann, Obmannstellvertreter; Max Gansl und Isak Rosner, Schriftführer; W. Augapfel, Kassier; Rudolf Bermann, Ignaz Brody, Jakob Gelles, Fischl Gottfried, Pinkas Grünhut, Elias Hermann, Wolf Pappenheim, Dr. Isidor Reiniger, B. die Juden müßten daher größere Anstrengungen machen, um die notwendigen Mittel aufzubringen. Es ist für den Ernst und für das Verantwortlichkeitsgefühl der zionistischen Amtsorgane bezeichnend, daß diese neue Enttäuschung nicht eingestanden wirM, sondern daß man den Bericht über diese Konzession an die Araber mit dem Titel überschreibl: Festhalten an der Balfourschen Deklaration! Auf englisch nennt man das head line-bluff! Wir fragen uns bei solcher Gelegenheit schmerzlich erstaunt, warum eigentlich die Jüdisch-Nationalen, die doch in der Befolgung der politischen Methoden anderer Völker das Heil suchen, niemals auf den Gedanken kommen, daß im politischen Leben jeder Mißerfolg sein Opfer haben müsse. Bei gleichen Umständen hätten bei jeder anderen Nation der Welt. Sokolow. Weizmann und andere längst demissionieren müssen. Die Balfour-Deklaration ist uns seinerzeit als der Auftakt zur Erfüllung des Baseler Programms eingerechnet worden, denn die Deklaration an sich bedeutet überhaupt nichts als das Versprechen einer Erfüllung. Was wir aber seit San Remo von London her vernehmen, ist nichts als eine Abtönung des gegebenen Versprechens. Die Mahnung, daß die britischen Steuerzahler nicht die Lasten des jüdischen Heimes tragen wollen, ist eine erschreckend ernste! Die englische Besatzung in Palästina bildet einen ansehnlichen Posten im englischen Etat, der oft genug im englischen Parlament angefochten wird. Die unglückselige Reklamepolitik Weizmanns und Sokolows hat unser Verhältnis zu den Arabern hoffnungslos vergiftet, um so mehr, als Weizmann, um sich noch vor dem Kongresse einen Erfolg zu holen, der seih verblaßtes Prestige wieder herstellen solle, neuerdings die Reklametrommel mit aller Macht rührt, wie er es vor der Londoner Konferenz aus ähnlichen .Gründen getan hat. Die Sicherheit unserer Besiedelung in Palästina ist jiur durch die englische Garnison gewährleistet. Das ist das Resultat der Weizmannschen Politik! Wir wollen den Gedanken nicht ausdenken, was aus den Juden Palästinas wird, wenn die englischen Steuerzahler nicht mehr die Last der Kosten der Truppen in Palästina tragen werden wollen! In Kleinasien, ganz unweit von Palästina, vollziehen sieh kriegerische Ereignisse, die von schwerer Tragweite für Palästina, für das in so leichtfertigerweise mit den Arabern verfeindete Judentum werden kann. In derselben Woche haben aber die „Führer" in Palästina mit pathetischen Geula-Gesten einen ganzen Baum an jener Stelle gepflanzt, wo die jüdische Universität stehen — wird. „So sieht eure ganze Arbeit aus!" Von dem staatsaufbauendem Akte der Pflanzung dieses Baumes erzählen die palästinensischen Blätter folgendes Detail. Alles war feierlich im Kreise versammelt, Churchill sollte den Baum in die Erde senken, da erwies sich die vorbereitete Grube als viel zu groß. Churchill und die Versammlung mußten warten, bis die Grube verschüttet wurde. Man bringt den vorbereiteten Baum, da bemerkt man, daß er verdorrt und nicht haltbar sei; man muß einen anderen Baum beschaffen. Rothschild wendete sich da an die zionistischen Führer und sagte ärgerlich: „So sieht eure ganze Arbeit aus." Es ist durchaus nicht wahrscheinlich, daß die Impressionen Churchills von ganz günstigerer Art gewesen sein müssen, und daß er vor die durch Weizmann geschaffende Alternative: „Hie Juden, hie Araber" gestellt, von den Erfahrungen seines Besuches bewogen, sich gegen den reißenden Strom arabischen Fanatismus werfen werde, um sich den Ruhm der Eintragung ins goldene Buch des Nationalfonds zu sichern, oder einen Hain im Jaar Austria! Wie groß und wie bedrohlich müssen die Mißerfolge der zionistischen Leitung werden, bis sich eine günstige Reaktion in dieser unverantwortlichsten aller politischen Körperschaften zeigen wird? Schirer, Herrn. Schräget, W. Warkany, Gustav Wesel. G. Cscbcctwlowakci. Die Statuten der aut. orth. jüdischen Gemeinden in der Slowakei, welche irn Vorjahre im harten Kampfe gegen den jüdischen Volksverband dennoch von der Regierung genehmigt wurden, sind nunmehr im Drucke erschienen. Vorerst ist dem offiziellen slowakischen Texte für das weitere Ausland auch eine deutsche Uebersetzung beigefügt. Tournee Wolf Pappenheims. Herr Wolf Pappenheim wird einige Orte der Slowakei besuchen, um dort über seine Eindrücke in Palästina zu referieren und zu einer größeren Anteilnahme am Aufbau Palästinas anzueifern. Spendet für die Dugendgruppe!

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