Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1921-04-15 · 13 (15.4.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
13 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2629891-2629906-2629920--0217-2631819
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

KOttati-ttiieraMa-ig do» ^etiti*alrates« Die Sitzung des Zentralrates der flguda* Jisroel in Olfen. (Offizieller Bericht.) Die Agudas jisroel weiß genau, was sie will: Das jüdische Volk zur Thora erziehen. Alles Schwanken hat aufgehört, stark ist, wer Vertrauen zu G-tt und seinen Gesetzen hat, und überzeugt ist, dem g-tt- Hchen Gesetz getreu zu sein. Die imponierende Geschlossenheit der Aguda, sie ist das Sinnbild der Zentralratssitznng in Wien. Geschlossen in Anerkennung der Thora als einzigen Souveräns des jüdischen Volkes. Die Aguda sieht ihren klaren Weg vor sich, kein anderer Gesichtspunkt darf maßgebend sein, als Herrschaft der Thora in Klall Jisroel. Alle äußeren und inneren politischen Vorteile treten hievor zurück: nicht nach Volksgunst fragt die Aguda, nur nach dem Wohl und dem Aufstieg des Volkes. Das Urteil, welcher Weg hiezu der richtige ist, haben die Thoragrößen zu fällen und nach dem Worte des Gaon von Buczacz wollen diese erst das Volk hören, was es wünscht und was es vorschlägt: nicht herrschen wollen sie, aber entscheiden, was das Gesetz verlangt. Die Entschiedenheit der heutigen Aguda schließt das Uebergangsstadium ab. An Stelle des provisorischen Komitees ist der Zentralrat getreten. Im Schwerpunkt des jüdischen Volkes zwischen dem ehemals russischen Osten, zwischen Slowakei und Deutschland hat er seinen Silz. In der Atmosphäre des religiös sich so machtvoll entfaltenden Wien, ist nunmehr der eigentliche Sitz des geschäftsführenden Ausschusses des Zentralrates. Ein Symbol der Zusammenarbeit von Osten und Westen. Hier treffen die Fäden zusammen des allweltlichen Judentums aus Erez Jisroel, Rußland, Litauen und Bessarabien, Holland, Schweiz, England und Amerika, Deutschland und Polen, Belgien und Skandinavien. Selbst das ferne Argentinien ernannte seinen Vertreter für Wien. Agudas Jisroel ist wirklich zu dem ganz Jisroel umschließenden Bande geworden. Bezeichnend ist, daß gerade der Osten die Beteiligung Frankfurts im geschäftsführenden Ausschuß verlangte. Das Präsidium des Zentralrates wird von den Thoragrößen in demselben gebildet. Ueber die weitere Fülle der positiven Arbeit, die bei der Tagung geleistet wurde, wird weiter unten gesprochen werden. Hier sei noch besonders betont, daß die Delegierten der Schlome Emune Jisroel in Polen großen Anteil an ihr genommen liaben. Endlich haben die politischen Verhältnisse es gestattet, daß dieser qualitativ* und quantitativ so wertvolle Bestandteil der Aguda in gebührender Zahl vertreten war. Leider fehlte Litauen, infolge des dort herrschenden Wahlkampfes zum Gemeindekongreß, der alle Kräfte im Lande fesselt. Neben den Führern des Chassidismus und dem auch als Thoragröße gefeierten Abgeordneten des polnischen Sejms, Rabbiner Halpern, lernte der Westen auch die markanten Persönlichkeiten der polnischen Bale Batim kennen. Mit allgemeiner Begeisterung wurde die Anregung aufgenommen, die nächste Sitzung des Zentralrates in Warschau anzuberaumen. Möge der Name Warschau in der aufsteigenden Entwicklung der Aguda einen ebenso guten Klang erhalten, wie in Wien errungen hat. Unsere Schilderung wäre unvollkommen, wollten wir nicht des sympathischen Auftretens der Führer der galizischen und tschechoslowakischen Jugendorganisationen gedenken. In der Jugend liegt die Zukunft, das freudige Bekenntnis zur Thora und der hoffnungsfrohe Betätigungstrieb, vereint mit der echtjüdischen Unterordnung unter das Wort der Führer, ist eine wertvolle Bürgschaft für die Zukunft der Aguda. Rührend und erhebend wirkte der Wetteifer der Wiener Orts- und Jugendgruppe für das Zustandekommen der Sitzung. Gastfreundschaft, wie man sie selten sieht, wurde den Auswärtigen entgegengebracht. Man fühlte sich nicht als Gast, man war zu Hause. Die selbstverständlichen Darbietungen verdienten die ebenso selbstverständliche Annahme. Wir gehören zusammen, dies Gefühl beherrschte die Gäste und Wirte. Nicht nur bei dem erhebenden Empfangsabend der Schiffschul, sondern auch an den Privattischen saßen Delegierte aus Polen und Deutschland, aus Holland und alle spürten die innere Zusammengehörigkeit. Das ist ein großes Aktivum der Aguda. Die gegenseitige Wertschätzung und Achtung der Vertreter aller Länder, alle beherrschte das eine Gefühl, wir arbeiten gemeinsam, um Agudas Jisroel, um Jisroel für die Souveränität des G-ttesrechtes bereitzustellen. * In bezug auf Organisation wurde zunächst folgende Verteilung der Kompetenzen und Geschäfte innerhalb der Aguda beschlossen: I. Exekutiv-Komitee London und Central Office of Agudas Jisroel. a) Vertretung dev Gtesamtorganisation nach außen, sowohl in der Presse wie vor Behörden. />) Schaffung und Ueberwachung der Aguda-Landesorganisationen V. in organisatorischer. 2. in finanzieller Hinsicht. A. In organisatorischer Hinsicht übt das Londoner Exekutiv-Komitee seine Befugnisse durch Vermittlung des Zentralbureaus Ost in Wien aus, soweit es sich um die östlich von Deutschland, beziehungsweise Oesterreich liegenden Länder Europas und um Erez Jisroel handelt. B. In finanzieller Hinsicht übt das Londoner Exekutiv-Komitee in allen Ländern seine Befugnisse direkt aus. Es ist also insbesondere dafür verantwortlich, daß die Ortsgruppen die ihnen obliegenden finanziellen Leistungen den Landesorganisationen gegenüber und die Landesorganisationen der Gesamtorganisation gegenüber nach den Beschlüssen des Zentralrates pünktlich erfüllen. C. Die Bearbeitung der politischen Erez Jisroel- Angelegenheiten. D. Die Initiative zur Veranstaltung von Sammlungen für Thorazwecke oder soziale Zwecke sowie von Hilfsaktionen politischer und sozialer Art. Das dem Exekutiv-Komitee der Agudas Jisroel unterstehende Bureau führt den Namen „Central Office of Agudas Jisroel". Das Budget des Central Office ist in den Gesamtvoranschlag der Agudas Jisroel einzustellen. Das Exekutiv-Komitee in London ist hinsichtlich der allgemeinen Prinzipien seiner Tätigkeit an die Beschlüsse des Zentralrates gebunden und soll sich, soweit wie technisch nur irgend durchführbar, auf dem < Wege der Korrespondenz und häufiger persönlicher Aussprachen in steter Fühlung mit dem Geschäfts-Ausschuß des Zentralrates halten. II. Zentralrat und Zcntralbureau Ost. Der Zentralrat ist die oberste Beschlußbehörde der Agudas Jisroel, tritt jedoch nach außen lediglich durch Vermittlung des Exekutiv-Komitees in London in die Erscheinung. Der Zentralrat soll jährlich einmal zu einer ordentlichen Tagung zusammenberüfen werden. Die Aufgaben des Zentralrates sind: a) Die Vorzeichnung der Richtlinien für die gesamte Tätigkeit der Agudas Jisroel. b) Die Aufstellung des Finanz-Voranschlages für die Gesamtorganisation und die von ihr betriebenen Bureaus und Sonderinstitutionen. c) Die Beschlußfassung über die Deckung des Finanzbedarfes. Der Zentralrat wählt: afcein Präsidium aus mehreren Mitgliedern, b) einen geschäftsführenden Ausschuß (G.-A.), _ e) eine Finanzkommission von drei bis fünf Mitgliedern. Von den Mitgliedern des G.-A. sollen je vier und e drei womöglich an einem und demselben Orte wohnen und alle sieben sollen in stetiger enger Fühlung miteinander arbeiten. Es ist die Aufgabe jeder der beiden Gruppen des G.-A., mit den ihnen erreichbaren Mitgliedern des Zentralrates bei wichtigen Angelegenheiten in Beratung zu treten. Die Verteilung der einzelnen Ressorts (Organisation, Propaganda, Finanzen, Politik, Chinnuch, Erez Jisroel, Presse) an geeignete Fachleute innerhalb des Zentralrates wird durch eine Zuwahl von sieben Mitgliedern des Zentralrates in den Ausschuß ermöglicht, welche an allen Sitzungen des G.-A. beiwohnen, aber als Ersatzmänner an Abstimmungen nur als Vertreter eines Mitgliedes teilnehmen können. Die Mitglieder des Präsidiums können an den Sitzungen des G.-A. stimmberechtigt teilnehmen. Dem G.-A. des Zentralrates untersteht das Zentralbureau Ost in Wien. Die Aufgaben des Zentralbureaus Ost sind folgende: 1. Die organisatorische Ueberwachung sämtlicher östlicher Landesorganisationen gemäß Ziffer I A in Vertretung des Londoner Exekutiv-Komitees: 2. die Herausgabe des „Haderech": der Betrieb der Emigrationszentrale der Agudas Jisroel; 4. die Ausführung der vorbereitenden Arbeiten zur Einberufung der Kennessio gedauloh: 5. die Ausführung der vorbereitenden Arbeiten zur Bildung des rabbinischen Rates; 6. der Betrieb der österreichischen Palästinazentrale der Agudas Jisroel: 7. die Errichtung und der Betrieb eines Jugendamtes der Agudas Jisroel. Die Finanzkommission ist dem Zentralrate für die Einhaltung des Voranschlages und die Verwaltung der Finanzen verantwortlich. Die Palästinatätigkeit, der Gesamtorganisation erstreckt sich auf vier Gebiete. a) Politische Angelegenheiten. />) Organisatorische Angelegenheiten. c) Uebersiedlungsangelegenheiten. d) Wirtschaftliche und kulturelle Arbeiten im Lande und Beschaffung und Verwaltung der hierzu notwendigen Geldmittel. Die Abteilung a) untersteht dem Exekutivkomitee in London h) Kind c) der Palästinazentrale in Wien, d) derjenigen lin' Frankfurt a. M. Hierbei ist selbstverständlich vorausgesetzt, daß jede der drei Stellen lediglich die Initiative auf den ihr übertragenen Gebieten in Anspruch nimmt, daß aber die Verwirklichung irgendwelcher Pläne namens der Gesamt-Aguda nur im Einverständnis aller Zentralen beschlossen weiden kann. Die Durchführung selbst obliegt dann wiederum derjenigen der Zentralen, die für das betreffende Arbeitsgebiet verantwortlich ist. Für das Zusammenwirken der drei Zentralen ist der G.-A. des Zentralrates verantwortlich. Jede Palästinazentrale ist verpflichtet, dem G.-A. spätestens am Ende jedes Kalendervierteljahres über die Tätigkeit, ihre Pläne und die Höhe der von ihr gesammelten und verwalteten Fonds einen genauen Bericht zu erstatten. Die Palästinazentrale jedes Landes ist berechtigt, für ihre Landesorganisation aus deren Mitteln und in deren Namen besondere Erez Israel-Arbeit zu leisten, soweit der Zentralrat nicht im Hinblick auf die Interessen der Gesamtorganisation. gegen die Ausführung Widerspruch erhebt. Es wird dein geschäftsführenden Ausschuß aufgetragen, die Verteilung der Ressorts im Laufe der nächsten zwei Wochen vorzunehmen. Der rabbinische Rat soll nach den Weisungen der anwesenden rabbinischen Größen in folgender Weise konstituiert werden. Jede Landesorganisation hat im Laufe von vier Wochen die Zahl ihrer Mitglieder anzugeben, nach derselben wird nach einein bestimmten Schlüssel festgestellt, wie viel Mitglieder jedes Land in den rabbinischen Rat zu entsenden hat. Ebenso wird der Wahlmodus jeder einzelnen Landesorganisation festgelegt, die Wahlen sind bis zum 15. Aw zu beenden. Die vorbereitende Kommission für die Konstituierung .des rabbinischen Rates setzt sich zusammen aus den Herren: Fürst (Wien), Steinberg (Brody), Schreiber (Preßburg), Arak (Buczas), Baumgarten (Wien), Dr. P. Kohn. In bezug auf die Finanzgebarung der Agudas Jisroel wurde beschlossen, daß für die Bedürfnisse der Gesamtorganisation sämtliche Landesorganisationen regelmäßig pro Kopf ihrer Einzelmitglieder folgende Mindestbeiträge aufzubringen und an die Zentralkassc abzuliefern haben: Deutschland 30 Mark, Deutschösterreich 200 Kronen, Tschechoslowakei 30 Kronen, Schweiz 4 Franken, Frankreich, Belgien 8 Franken, Holland 2 Gulden, Skandinavien 4 Kronen, Polen 10 Mark, Rumänien 20 Lei, England 5 Schilling. Die Zahlungspflicht beginnt am 1. Juli 1921. Die Landesorganisationen und die Ortsgruppen decken ihre eigenen Bedürfnisse durch Zuschläge zu diesen Minimalbeiträgen, die unverkürzt abzuführen sind; die Zuschläge bedürfen der Genehmigung des Zentralrates. Was über die Zuschläge hinaus eingeht, gehört der Gesamtorganisation. Es wurde ferner bestimmt, daß für die einzelnen Fonds zu bestimmten Zeiten Sammlungen alljährlich veranstaltet werden sollen, und zwar für Erez Israel in den Monaten Ellul und Tischri, für die soziale Tätigkeit (Emigrations- und Flüchtlingsfürsorge) von Purim bis Pessach, für den Thorafonds am Chanukah. Die Kosten für die Zentralbureaus in London und Wien werden auf die einzelnen Länder repartiert. Bemerkenswert hierbei ist, daß auch die paläsinensische Landesorganisatiori gemäß ihrem eigenen Antrag sich daran beteiligen will. In bezug auf die Amerika-Delegation wurde beschlossen, daß dieselbe in der ersten Ijarwoche ins Werk gesetzt werden soll. Diesbezügliche Informationen sind an Herrn Dr. Hildesheimer, Berlin, zu richten. An Palästinaarbeit sollen zunächst im Rahmen der oben erwähnten Organisation zunächst die Mittel aufgebracht werden für folgende Arbeitsgebiete: 1. für politische und organisatorische Arbeit, 2. für die Schaffung eines auf religiöser Grundlage ruhenden Einwanderungsdienstes, 3. zur Beschaffung von Informationsplänen und Anregungen für die wirtschaftliche Privatinitiative und ihrer Beratung im Inlande, 4. für die Unterstützung des religiösen Pflichtlebens und sozialer Investitionen. Zu der Realisierung dieser Aufgaben wurde beschlossen : I. Ein Palästinaamt der Agudas Jisroel in Erez Israel a) zur Schaffung einer Agudas Jisroel-Landesorganisation, h) zur Vertretung der Agudas Jisroel vor Behörden und der Presse, c) zur Beschaffung von Informationen. II. Eine Transportgesellschaft im Zusammenhang mit Volksküche und Schlafgelegenheiten in Jaffa. Die erforderlichen Kosten stellt die Palästinazentrale Frankfurt-Wien fest. Sie werden aus dem Keren Erez Israel der Agudas Jisroel gedeckt. Zwei wert-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.