Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 12 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 JÜDISCHE PRESSE Seite 91 den Worten: Die jüdische Gemeinde dankt auf diese Weise für das beständige Wohlwollen der rumänischen Dynastie und ist glücklich, daß sie bei dieser Gelegenheit im Namen der Juden der Hauptstadt die Glückwünsche der Iferzen aller Juden des Landes ausdrücken könne. Die Adresse war gezeichnet von K. Herkowitseh. dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde. Dr. Feldermann, D. Silbermann und anderen Führern der Gemeinde. Außerdem hat die Bukorester jüdische Gemeinde beschlossen, einen Fonds von "»00.000 Lei auf den Namen des .jungen Lhenaars zu sammeln und alljährlich an dessen Hochzeitstage an Arme zu verteilen. Der König druckte den Delegierten warm die Hände und gab seiner Zufriedenheit mit dem Geschenke Ausdruck. Spanien. Sephardische Weltorganisation. In Madrid fand urd«T dem Vorsitze des nichtjüdischen Senators Den Angel Pulido Fernandez. der stets für die Rückkehr der sephardischen Juden nach Spanien eingetreten ist. eine Konferenz sephardischen Juden Avd\. auf der die Schaffung einer sephardischen Weltorganisation behandelt wurde. Viele sephardische Gemeinden in Amerika. Marokka und Spanien erklärten ihren Anschluß an die Konferenz. Amerika. Knigth of Colnmbas gegen den Antisemitismus. Die „New Yorker Staatszeitung" meldet: A. Flaherty, das Oberhaupt der Knigth of Columbus erklärte, daß er die 2200 Wanderredner des Verbandes in den Vereinigten Staaten und Ganada darauf hingewiesen habe, gegen die antisemitische Bewegung, die sich augenblicklich in den Südstaaten zeigen soll, scharf Stellung zu nehmen. England Die Jahreskonferenz der englischen Agudaorganisation hat folgende Herren in den Zentralrat der Aguda gewählt: Rabbiner Dr. M. D. Jung (Lundon East W. Schiff (North). Rabbi H. Ferber (West). Als Ersatzmanner wurden gewählt: E. Lunzer (London North). Joel Braun (London), G. Levy Sunderland. Palästina. Sabbatruhe für jüdische Wachleute. In Palästina wurde die Sabbatruhe für jüdische Polizisten eingeführt. Sie sind von Freitag mittags bis Sonntag früh von ihrem Dienste frei. Bahnbau zwischen Fethach Tikwo nnd Bosch el Ajin. In Pethach Tikwo ist die erste Gruppe von 24 jüdischen Arbeitern angekommen, welche Vorbereitungsarbeit für die Bahn zwischen Pethach Tikwo und Rosch el Ajin verrichten wird. Bau einer großen Mühle in Cheifa. Die Verwaltung; des Baron Rothschild hat den Bau einer großen Mühle mit modernen Mahlmaschinen in Cheifa in Angriff genommen. Das Grundkapital der Mühle beträgt 100.000 Pfund Sterling. Günstige Entwicklung der Handelskammern. In Palästina befinden sich gegenwärtig sechs große Handelskammern, welche gegen 6000 Mitglieder umfassen. Die gute Entwicklung der Handelsorganisationen werde auch eine starke Entwicklung des Handels bringen. Der High Commissioner erklärte, daß die Kaufleute gewisse Privilegien bekommen werden, um die Handelsbeziehungen mit Aegypten leichter zu gestalten. Der High-Commisioner glaubt zuversichlich, daß für den Handel Palästinas eine goldene Zeit anbreche. Emigrantonlager in Jaffa. Da die Einkehrhäuser in Cheifa und Jaffa nur 500 Emigranten fassen können, beabsichtigt die Regierung, ein großes Emigrantenlager in Jaffa zu errichten. .,Im deutschen Reich", dem Organ des Zentralvereines, schreibt Dr. Paul Nathan über den Entwurf des Mandates und schließt seine Bemerkungen mit folgenden Ausführungen: Die realen wirtschaftlichen Voraussetzungen, wie die Voraussetzungen für eine urwüchsige intellektuelle Neubetätigung sind jetzt gegeben. Sie sind gegeben, obgleich die Möglichkeit für staatliche Selbstständigkeit, seitdem das Land m den, starken Händen einer europäischen Großmacht sich befindet, in weiterer Ferne liegt als je zuvor. Die Türkei hätte möglicherweise einmal Palästina eine gewisse politische »Selbstständigkeit gewähren können: das Mandatsland Palästina wird für überblickbare Zeiten in der Hand europäischer Großmächte bleiben, nnd weil dem so ist, schrumpft der Gegensatz zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten zur Bedeutungslosigkeit zusammen: dieser Gegensatz kann nur seine Nahrung finden in veralteten Kontroversen, in nachwirkenden Rankünen, im Streit der Vergangenheit. Empfindungen aus diesen Quellen müssen alle Juden, welcher Partei sie angehören, den Laufpaß geben. Mögen immerhin auch ältere Wunden noch nicht völlig vernarbt sein. Die Gesamtheit de/ Juden der Welt kann heute der Palästinafrage gegenüberstehen, wie sie ihr gegenüberstand vor den unerfreulichen und vielfach verbitternden Auseinandersetzungen mit den Zionisten. In der Politik kann man nichts Besseres tun, als neuen Verhältnissen gegenüber zu vergessen, gründlich zu vergessen. An den Palästinaaufgaben hat der Kreis meiner Freunde und ich seit einem Vierteljahrhundert gearbeitet. Diesen Aufgaben können wir uns wieder zuwenden; denn nur eins hat sich geändert. An die Stelle schwankender politischer Voraussetzungen, die das türkische Regiment bot, ist die für absehbare Zeit fest begründete englische Herrschaft getreten. Daraus ergibt sich freilich für deutsche Juden noch eine besondere folgenschwere Wandlung. Der Ausgang des Weltkrieges würde eine speziell deutsche Kulturarbeit in Palästina zu einem frivolen Experiment machen. Die Verknüpfung des jüdischen Palästina mit der Kultur der Welt kann zwTeckmäßigerweise heute nur durch die Angelsachsen vermittelt werden. Der Weltkrieg, der in der Gegenwart über die deutschen kolonialen Bestrebungen entschieden hat, hat die Entscheidung auch auf dem engen Gebiet des jüdischen 'Palästina herbeigeführt. Je vorbehaltloser wir deutsche Juden, die wir fest und mit Bewußtsein im Deutschtum wurzeln, dies anerkennen, um so zweckentsprechender und nützlicher können wir der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu Hilfe kommen. Illusionen freilich wollen wir deutsche Juden nicht zu erregen versuchen. Die Last, für Palästina Vorsorge zu treffen, wird vor allem auf den Schultern der englischen und der amerikanischen Juden in Zukunft ruhen müssen. Deutschland und die deutschen luden sind durch den Krieg verarmt; und ein Weiteres fällt noch schwerer ins Gewicht. Es ist mir unzweifelhaft, nach allen Nachrichten, die ich aus Rußland erhalte, daß dort — vor allem im Süden von Rußland — eine wahrhaft furchtbare Katastrophe, wie sie die Weltgeschichte selten, vielleicht niemals erlebte, über das Judentum hereingebrochen ist. Wir <ind von diesem namenlosen Unglück zurzeit noch durch eine für uns undurchdringliche Mauer bewaffneter Heere getrennt; aber der Augenblick wird kommen, und der Augenblick kann nahe, vielleicht schon sehr nahe sein, wo jüdische Flüchtlinge aus dem Osten in einer Anzahl, die gar nicht abzuschätzen ist, sich nach Westen in Bewegung*setzen. Diesen Anprall wird auch Deutschland — und wir vor allem •— auszuhalten haben, und für diesen Augenblick die gebotene Hilfe zur Verfügung zu haben, ist unsere vornehmste Pflicht, wird die gebieterische Pflicht des Augenblicks sein, während das Palästina- Problem die Aufgabe von Jahrzehnten und Jahr- 'zehnten bleiben wird. Wir deutsche Juden können unsere Augen von Osteuropa heute nicht fortwenden. Unsere Sympathie aber bleibt Palästina, wo ein gemeinsames Wirken aller Juden demnächst als durchführbar erscheint. nekrolog. Frau Charlotte Werner s. A. Eine edle Frau ist dem Kreise ihrer liebenden Familie entrissen worden, eine echte Ischo chaschuwo, eine hingebungsvolle Mutter, deren nobles Herz sich auch Wohltätig- und Nächstenliebe in edler Weise kundgegeben hat. Frau-. Charlotte Werner hat ein Alter von 82 Jahren erreicht. Das ßegräbniß fand am 29. März statt. Im Hause würdigte Rabbiner Fürst in bewegten Worten die Tugenden der Verstorbenen. Die Familien Weiner und Glückselig betrauern in der Hingeschiedenen ihre geliebte Mutter. Jakob Horwitz s. A. In Pietrkow ist aml2. März 1921 R. Jakob Horwitz im Alter von 60 Jahren gestorben. Er war wegen seines Wissens und Frömmigkeit hochgeehrt und brachte sein ganzes Leben mit Thora und Awoda zu. Der Verstorbene gehörte zu den angesehensten Sprößlingen der Familie Horwitz, er war der Enkel des bekannten Gaon R. Motil Horwitz s. z. I., in dessen Hause er aufgewachsen ist. Frau Friderike Marmorek s. A. Am 27. März ist in Wien Frau Friderike Marmorek geb. Jakobsohn, die Mutter des berühmten Bakteriologen und als einer der idealen Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung bekannten Prof. Alexander Marmorek und des Redakteurs des „Neuen Wiener Journals", Dr. Schiller Marmorek, gestorben. Die edle Frau war eine würdige Repräsentantin des Hauses, das bei Freund und Gegner in hoher Achtung steht. Uortragsabtnd der Delegierten des Zentralrates in der JIguda$ 3i$roel-]tiden4griippe, Wien. Die Anwesenheit der Mitglieder des Zentralrates benützte die Jugendgruppe, um Montag, den 28. März, in ihrem Heime einen Ausspracheabend zu veranstalten, welcher einen imposanten Verlauf nahm. Der Obmann der Jugendgruppe David Baumgarten eröffnete mit einem „Boruch habo beschem haschem" und mit kurzen treffenden Worten die Versammlung und begrüßt die Erschienenen. Als erster Redner ergriff der ehrwürdige Oberrabbiner 0 n d e r w ij z e r aus Amsterdam das Wort. In geistreicher Ausführung spricht er zu den Herzen der Jugend. Er zeichnet den Unterschied zwischen dem Feuer der Jugend, welches auf dem Altar G-ttes entzündet wird und dem esch soro, dem leidenschaftlichen Feuer, welches wir oft bei nichtreligiösen Elementen begegnen. Mit Freude kann er anerkennen, das gerade in der Jugend der Agudas Jisroel G-tt Lob fast überall das Feuer der Jugend in den Dienst G-ttes und der heiligen Sache gestellt wird. Als nächster Redner spricht Rabbiner Dr. Kohn (Ansbach) in gewohnt meisterhafter Weise. Unter stürmischen Beifall begrüßt, besteigt hierauf Herr Jakob Rosenheim (Frankfurt a. Main) die Rednertribüne. Wir bringen die Rede des Herrn Rosenheim in der nächsten Nummer. Siegmund Bondi begrüßt den Zentralrat in den Räumen der thoratreuen Jugend Wiens, auf die ganz Wien mit Stolz emporblickt, namens der „Adas Jisroel*. Herr Dr. Simon (Heidelberg) zeichnet in launiger Weise den Unterschied zwischen jener Jugend, die sich zusammenfindet für Awodas Haschem und jener, die bei ihren Zusammenkünften ganz andere Ziele vor Augen hält. Lehmann (Fürth) konstatiert mit Befriedigung, daß innerhalb der thoratreuen Jugend eine Renaissance zu bemerken ist. Insbesondere in den westlichen Ländern beginnt das Thorastudium einen Aufschwung zu nehmen. Dr. H i 1 d e s h e i m e r (Berlin) meint, daß die Jugend sich zum Bewußtsein bringen muß, daß die ganze Orthodoxie schon durch das Band des Schulcham Aruch vereinigt ist, und daß die Aguda nur die Form für diese Vereinigung darstellen soll. | Dr. Nathan Birnbaum unterscheidet zwischen dem veränderlichen Zeitgeist und dem ewigen Geist des Judentums, der einmal am Sinai dem Volke Jsrael eingeimpft worden ist. Tosender Beifall lohnte den Ausführungen der Redner. Der Obmann David Baumgarten dankte den Delegierten für ihre herrlichen Ausführungen, mit denen sie die Ziele der Agudas" Jisroel, insbesonders die Aufgaben der Jugend innerhalb dieser Organisation vorgezeichnet haben, und fordert die Jugend zu tatkräftiger Mitarbeit auf. eindrücke eines Ga$te$ m großen Redeabend der Jfgudft'lugenl Von N-sch.* Der Zufall, oder vielmehr der Ruf, der mit Recht viel gepriesenen Rednerschar führte mich Montag abends in das Vereinslokal der Jugendgruppe und bot mir, dem „Nichtagudisten", einen sozusagen künstlerischen Genuß von tiefster Wirkung. Ich stehe sonst abseits von allen jüdischen Parteiungen, ja noch mehr, ich begegne ihnen mit Mißtrauen, weil ich stets das Abgleiten des Ideals in das Gebiet des persönlichen Ehrgeizes und der unduldsamen Befehdung befürchte und so das Interesse der Gesamtheit als ein Opfer innerer Zerklüftung gefährdet sehe. Und doch erfüllte mich dieser Abend mit Genugtuung, denn aus dem reichen Schatze von Gedanken und Anregungen, die er brachte, klangen zwei Leitmotive heraus, denen beizupflichten es selbst dem parteilosen Juden gewiß nicht schwer fällt. Das erste ist die Wichtigkeit des Thorastudiums, das zweite ist die Liebe zu den Brüdern, von der besonders warm und zündend Herr Jakob Rosenheim aus Frankfurt sprach. Es kann nicht genug begrüßt werden, daß immer breitere Schichten der Wiener jüdischen Jugend für das große geistige Vermächtnis geworben werden und daß sie das Beth hamidrasch allen jenen Räumen und Lokalen vorzieht, die ihre Pforten verlockend und verhängnisvoll dem Jünglinge entgegenbreiten. Das Erzübel der letzten Jahre war eben die Unbewandertheit der jüdischen Schriften ihrer Väter Väy rbl pb fljn ^Stt „Aus Mangel an Erkenntnis ging mein * Wir wiedergeben mit Vergnügen die Inipressionen, die ein Außenstehender von dem glänzenden Abend gewonnen hat.