Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 12 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 88 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 Wir sind wahrhaftig stolz auf unseren großen Bruder, dem High-Commissioner. J 6 h e I h a - G e 1 i I i. Die tage der Kultusbeamten in Böhmen und lftäbren* Von F. Spectator. (Vergl. Nummer 11 vom 25. März 1921.) Traurig ist es und es entbehrt gleichzeitig nicht eines gewissen tragischen Beigeschmacks, Klagelieder öffentlich anzustimmen. Allein, dies gilt in erhöhtem. Maße in diesem Falle, dies gilt besonders hinsichtlich der Not und des Eiends des Standes, der von Altersher im Judentum eine geachtete und, ich möchte fast sagen, privilegierte Stellung einnahm, dies gilt namentlich vom furchtbaren Existenzkampf, den angesichts der fast 50 fachen Verteuerung gerade der wichtigsten und zum Leben unumgänglich notwendigen Bedarfsartikel die Kultusbeamten zu führen seit Jahr und Tag genötigt sind. Mit Würde und Geduld haben sie diesen Kampf gefochten und fechten ihn auch weiter, oft und oft haben sie in verschiedenen jüdischen Blättern herzzerreißend während der langen, bangen Jahre der Kriegs- und Nachkriegszeit ihre Lage geschildert und ihre Wünsche laut werden lassen. Aber all dies half nichts. Es geschah nichts oder fast nichts zur Besserung ihrer Lage. Daher kann nur der Hoffnung Raum gegeben werden, daß jetzt endlich einmal doch Schritte unternommen und Wege eingeschlagen werden, um denen zu helfen, die keine Barmherzigkeit erflehen, sondern einzig und allein ihre gewiß gerechten Petitionen unterbreiten; vielleicht werden auch die von Schreiber dieses an dieser Stelle vor kurzem kundgegebenen Vorschlägen, wie : Schaffung einer starken Selbstorganisation aller Kultusbcamten, durch diese Entsendung einer Deputation zur Regierung. Druck auf die Gemeinden zur besseren Besoldung, Anfertigung der schwarzen Listen und Hilfe von außen, manchen Anregung geben und den Einen oder den Anderen zu gründlichem Nachdenken veranlassen. Der größte Teil der Juden unserer Länder verbindet mit dem Judentum nur Folgendes: die Zahlung des Steuerobulus. Beschämend und kennzeichnend für die leider immer mehr um sich greifende Irreligiosität ist es, daß unsere Juden nicht einmal eine, den heutigen Verhältnissen Rechnung tragende Kultussteuer zahlen, womit die Kultusgemeinden in den Stand gesetzt würden, ihren Angestellten einigermaßen zu helfen. Das wäre das einzige Opfer, das sie bringen müßten in, einer Zeit tiefsten sozialen und speziell jüdischen Elends, während andere Juden und andere Länder, allen voran das auch sonst so rührige und hilfsbereite Amerika, beispiellose Beweise der Humanität und Wohltätigkeit liefern. Trotz alledem legen unsere böhmischen und mährischen In der Erkenntnis, daß die denkenden Agudisten unserer Ortsgruppe sich nach einem ausführlichen Programm der Aguda sehnen, hat der Vorstand folgendes Programm vorgelegt, dessen Inhalt auch über die Grenzen Deutschlands hinaus allseitiges Interesse finden dürfte. I. Ortsgruppe und Weltverband. Die Ortsgruppe ist ein Glied des Weltverbandes. Das Programm der Ortsgruppe darf nur die Anwendung und Ausführung des allgemeinen Programmes des Weltverbandes unter besonderer Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse bedeuten. Das Programm des Weltverbandes erhält seine endgültige Fassung durch die Kenessijoh Gedauloh. Jede Ortsgruppe wird berufen sein, hieran mitzuwirken. Bis dahin soll das Programm der Ortsgruppe auch über Wesen und Aufgabe des Weltverbandes, wie sie sie zu verstehen glaubt, Aufschluß geben. 1. Agudas Jisroel. Agudas Jisroel will die Juden des Erdballes behufs gemeinsamer Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora umfassen. Dieses Ziel kann aber mit den rein praktischen Mitteln organisatorischer Wirksamkeit allein nicht erreicht werden. Es bedarf zu seiner Verwirklichung der Hervorhebung der Idee, aus der sich die jeweiligen Gesamtheitsaulgaben ergeben und einer geistigen Bewegung, die für diese Idee opferfreudige Hingabe erweckt. Beides leistet der Agudismus. 2. Agudismus als Idee, n) Die Gesarntlieitsaufgaben des jüdischen Volkes im Golus lassen sich nur durch nationale Selbstbesinnung im Geiste der Thora, die zugleich die Besinnung auf Ursache und Ziel des Golus bedeutet, einheitlich erfassen. So heißt Agudismus zunächst Selbstbesinnung des jüdischen Volkes im Golus auf Grundlage der Thora. Diese Selbstbesinnung fordert der Agudismus von jedem seiner Bekenner, b) Aul dem Wege dieser Selbstbesinnung lehrt der Agudismus seine Bekenner sich als Glieder der Nation G-ttes begreifen. Die jüdische Nation ist die Nation G-ttes, G-ttes unmittelbares Schüpferwerk, gleich Himmel und Erde. G-tt ist ihr Souverän, G-ttes Land ihr Land, G-ttes Recht ihr nationaler Wille. G-tt hat die jüdische Nation geschaffen, damit sie zusammen mit G-ttes Recht und G-ttes Land den G-ttesetaat bilde, in dessen Mitte G-ttes Herrlichkeit siebtbar weilen sollte, e) Auf dem Wege dieser Selbstbesinnung lehrt der Agudismus seine Bekenner Ursache und Ziel des Golus erkennen. Der Staat G-ttes ist untergegangen, weil G-ttes Nation das Land G-ttes zur Untreue gegen G-ttes Recht mißbrauchte, weil G-ttes Nation, nach der Weise politischer Nationen, an Stelle G-ttes selber herrschen wollte. G-ttes Herrlichkeit ist auf Erden heimatlos geworden. Den G-ttesstaat wieder herzustellen, ist das Ziel . des Golus. Das Golus ist der Weg der jüdischen Nation v^m G-ttesstaat zum G-ttesstaat. Der Agudismus fordert von seinen Bekennern, daß sie diesen Weg bewußt gehen. d) Auf dem Wege dieser Selbstbesinnung gelangt der Agudis- Glaubensbrüder die Hände müßig in den Schoß und glauben in den wenigen Kriegshilfsaktionen sich erschöpft zu haben. Diese ihre Teilnahmslosigkeit für das sie umgebende Elend geht sogar soweit, daß sie, was doch für die meisten gewiß nur eine Kleinigkeit wäre, nicht einmal ihren oft tief in Schulden steckenden Beamten zu einem menschenwürdigen Dasein verhelfen. Gewiß muß es zugegeben werden und ist nicht zu bestreiten, daß es viele Gemeinden in unseren Ländern gibt, die Mühe haben, das Gleichgewicht in ihrem Budget zu erhalten und die nicht auf Rosen gebettet sind. Diese sind allerdings kaum in der Lage, mehr für ihre Beamten zu leisten. Doch hätten sie in Friedenszeiten keine Beamten anstellen sollen, um nicht die schwere Pflicht zu haben, ganze Familien erhalten zu müssen, und zwar standesgemäß erhalten zu müssen. Denn es kann kein Mensch billigerweise von seinem Nächsten verlangen, daß letzterer dafür, daß er, wie bereits näher ausgeführt, oft zwei- bis dreifache Dienste leistet, hungert und dies, wie mir aus Erfahrung bekannt ist. im wahrsten Sinne des Wortes. Ein hehres Amt zu versehen und dabei sein Gehirn zu zermartern, wie man leben und sein Auskommen finden soll mit einem Gehalt, der zum sterben zu viel und zum leben unzureichend ist, ist eine sehr mißliche Sache, der auch der stärkste Organismus auf die Dauer nicht gewachsen sein kann. Daher der Appell um Abhilfe, der so eindringlich erhoben wurde, daher der Wunsch nach Regung jüdischen Mitgefühls mit armen, bedauernswerten Angestellten, mit Juden, die durch eine vis major völlig herabgekornmen sind. Und von den Juden, auch wenn sie böhmische und mährische Juden, auch wenn sie Egoisten sind, die allen Fragen, welche mit Religion und Glauben zusammenhängen, keine Beachtung schenken, erwarten wir all dies mit Zuversicht, da man doch nicht annehmen kann, daß sie auch jedes menschlichen Mitgefühls und jeder Anteilnahme bar sind. Sie würden eine schwere Gewissensschuld auf sich laden und sich ein großes Armutszeugnis ausstellen, wenn sie in dumpfem Hinbrüten ruhig zusehen würden, wie ein ganzer Stand verelendet. Es bedarf bloß eines kleinen Opfers von jedermann und schon ist damit ein großer Schritt getan: die den Kultusbcamten als Schreckgespenst auflauernde Verproletarisierung ist abgewendet. Andernfalls müßte es einem um die Zukunft des Judentums bange sein, wenn man mit Bedauern die Tatsache konstatieren müßte, daß jetzt zu einer Zeit, da infolge der Wirkungen des Krieges die Wogen des Antisemitismus uns umbranden, Juden für ihren Glaubensbruder kein Herz, kein Gefühl, keine Anteilnahme, sondern nur zugeknöpfte Taschen haben;, daß in unseren Tagen, da daß Judentum von Feinden sonder Zahl bedroht ist, Juden einander nicht helfen. Die Juden unserer Länder haben jetzt zu handeln. Mögen ihre Taten ihren ererbten Traditionen in würdiger Weise entsprechen! Ut desint vires, tarnen est laudanda voluntas. mus zu einer alle Aufgaben der judischen Nation im Golus zusammenfassenden obersten Idee: Der Agudismus fordert die Bereitstellung der Nation G-ttes und des Landes G-ttes für ihre Wiedervereinigung unter der Herrschaft des Rechtes G-ttes zum G-ttesstaat. 3. Agudismus als geistige Bewegung. Die Idee des Agudismus soll den Ausgangspunkt einer geistigen Bewegung bilden, n) Der Agudismus lenkt den Blick seiner Bekenner auf die fürchterliche Gefahr, in der die jüdische Nation der Gegenwart schwebt, eine Gefahr, die ihresgleichen kaum hatte, seit G-ttes Staat in Trümmer sank. Ob die jüdische Nation aus eigener Kraft des Golusendes sich würdig macht oder G-tles Recht in G-ttes Nation in Vergessenheit gerät — wir tragen die Verantwortung, b) Der Agudismus rüttelt die zerstreuten Glieder der Nation aus ihrem Einzeldasein wach und bürdet einem jeden von ihnen die volle Verantwortung für die Fortdauer des Golus auf. c) Die Idee der Bereitstellung zwingt ihre Bekenner zur Gewinnung neuer Bekenner. Denn nicht der Einzelne, sondern die Gesamtheit muß bereit sein. d) Die Idee der Bereitstellung stärkt Mut und Ausdauer im Golus, indem sie das unendlich erhabene Ziel des Golus zu ständigem Bewußtsein bringt, e) Die Idee des Agudismus weist G-ttes Land den ihm gebührenden Platz zu: denn nicht nur G-ttes Nation, auch G-ttes Land soll G-ttes Weckruf bereit finden. II. Aufgaben der Ortsgruppe. Die Ortsgruppe steht im Dienste der Idee des Agudismus. Sie hat diese Idee zu verbreiten und an ihrer Verwirklichung zu arbeiten. A. Verbreitung des Agudismus. 1. Persönliche Einwirkung, jt) Der Vorstand der Ortsgruppe soll grundsätzlich nur aus Personen bestehen, die überzeugte Anhänger des Agudismus sind, h) Der Vorstand hat unter den zahlreichen Mitgliedern der Ortsgruppe diejenigen zusammenzubringen, die überzeugte Anhänger des Agudismus sind. Sie bilden den Kern der Ortsgruppe. Sie betreihen die Propaganda von Person zu Person. Ihnen wird die Gewinnung weiterer Agudisten zur Pflicht gemacht, c) Der Vorstand soll die Verbindung zwischen den Agudisten der verschiedenen Ortsgruppen herstellen und pflegen. 2. Oeffentliche Verbreitung, n) Die Ortsgruppe hat die Idee des Agudismus durch Veranstaltung agudistischer Vorträge zu verbreiten. Oeffentliche Veranstaltungen der Ortsgruppe sollen ein agudislisches Gepräge tragen, b) Die Einrichtung von Lehrgängen ist in Angriff zu nehmen, in der die Idee des Agudismus als Weltanschauung systematisch nach einem Lehrplan gelehrt wird. B. Verwirklichung des Agudismus. 1. Bereitstellung des jüdischen Volkes. Die Ortsgruppe soll an der Beseitigung der Hemmnisse arbeiten, die sich der Verwirklichung des Agudismus an ihrem Orte entgegenstellen. n) Geistige Bereitstellung. Der größte Feind des Agudismus ist die Unwissenheit, a) Die Ortsgruppe hat eine Verbindung der Männer zu gründen, die sich gegenseitig verpflichten, niemals einen Tag vorühergehen zu lassen, ohne gelernt zu haben. Sie veranstaltet einmal im Jahre ein geselliges Zusammentreffen, ß) Die Ortsgruppe soll eine Verbindung der Männer herstellen, die ständig lernen können Sie treten um Pessach und Sukkaus zusammen zur gemeinsamen Besprechung einer Ruggjoh. y) Die Ortsgruppe hat eine Vereinigung derjenigen Eltern anzustreben, die sich zum Ziele setzen, ihre Söhne zu Lomdim zu erziehen. Diese Vereinigung tritt regelmäßig zusammen behufs gemeinsamer Besprechung von Erziehungsfragen. Die Ausarbeitung eines apudislischen Erziehunpsplanes soll in Angriff genommen werden. Ziel der agudistischen Erziehung ist: nsx) Aufbau einer in der jüdischen Geistes- und Gemütswelt wurzelnden jüdischen Ueberzeugung, die von den Ergebnissen der nichtjüdischen Wissenschaften, insbesondere der Bibelkritik, unabhängig ist. ßß) Abkehr von der materialistisch-kapitalistischen Auffassung unserer Zeit, wie sie sich vor allem in der Ueberschätzung der Bedeutung des Brotberufes gegenüber der Bestimmung des jüdischen Menschen zur G-ttesdienerschaft äußert, yy) Entflammung der jüdischen Seele für das Weh des Silluk Schechinah und das Hochziel des Kiruw Schechinah. 3) Die Ortsgruppe hat ihr besonderes Augenmerk auf die am Orte vorhandenen Thorastätten zu richten, e) Die Ortsgruppe hat den Gegensatz zwischen Ost- und Westjuden am Platze zu bekämpfen. Der östliche Am Haaretz und der westliche Am Haaretz worden sich selten, der östliche Ben Thauro und der westliche Ben Thauro werden sich immer verstehen. b) Sittliche;Bereitstellung. Die Gegenwart ist eine Zeit tiefsten sittlichen Verfalles. Der Abfall .von G-tt ist in zahllosen Fällen die Folge der Sittenverderbnis. Die jüdische Jugend des Ortes davor zu schützen, ist Aufgabe der Ortsgruppe. «) Die Ortsgruppe hat die Agudajugend zum Kampf gegen den außerehelichen Geschlechtsverkehr aufzurufen, ß) Die Ortsgruppe hat für die allgemeine Verbreitung der Kenntnis der einschlägigen Vorschriften des jüdischen Rechtes zu sorgen. c) Bereitstellung des Gefühlslebens. Es ist Pflicht jedes Juden, mit der ganzen Kraft seines Sehnens tagtäglich auf die Wiederherstellung des G-ttesstaates zu harren. Diese Sehnsucht neu zu beleben, ist Aufgabe der Ortsgruppe, a) Die Ortsgruppe hat ständige Lehrgänge zur Verbreitung des Verständnisses für die Kinoth zu unterhalten, ß) Für die Erkenntnis der Bedeutung und die verständnisvolle Begehung der dem Zusammenbruch des G-ttesstaates geweihten nationalen Trauertage hat die Ortsgruppe durch Wort und Schrift Sorge zn tragen, y) Die Ortsgruppe soll einen fortlaufenden Lehrgang in Traktat Sewochim einrichten. d) Organisatorische Bereitstellung. G-ttes Recht bildet aus den zerstreuten Gliedern der jüdischen Nation auch ohne das Land eine Einheit. G-ttes Recht ist niemals Parteisache. G-ttes Recht ist Herrscher in Jeschurun. a) Durch geeignete Lehrgänge hat die Ortsgruppe Verständnis für die Herrscherstellung des Rechtes G-ttes zu wecken. Sie hat dieses Rocht als geltendes Recht der jüdischen Nation zu erweisen, das die unumstößliche Konstituante jeder jüdischen Gerneinschaftsbildung ist. ß) Die Ortsgruppe hat geeignete Schritte zu ergreifen, um das Prinzip des Din Thora zur Anerkennung zu bringen. Sie soll eine Verbindung derer erstreben, die ihre Rechtsstreitigkeiten tunlichst einem jüdischen Schiedsgericht (Din Thora) unterwerfen. Sie soll auf die Organisation eines ständigen Schiedgerichtes hinwirken, y) Die jüdische Gemeinde, die unterste Verwaltungskörperschaft des G-ttesstattes, ist der teure Rest, den die jüdische Nation aus den Trümmern des G-ttesstaates gerettet hat. Sie ist Abbild von Klall Jisroel. Ihrem Gedeihen hat die Ortsgruppe ihre ganze Kraft zuzuwenden. Letztes organisatorisches Ziel der Agudas Jisroel ist die Einheit der Ortsgruppe und der jüdischen Gemeinde. Die Ortsgruppe hat dahin zu wirken, daß in die Gemeindeleitung agudistische Männer gewählt werden. Die Stärkung der rabbinischen Autorität, die zugleich die Stärkung der Autorität des Rechtes G-ttes bedeutet, ist ein Anliegen der Ortsgruppe. e) Physische Bereitstellung. Die Ortsgruppe hat sich ihres Teils die körperliche Gesunderhaltung der jüdischen Nation zur Aufgabe zu machen. Nur ein gesunder Körper kann auf die Dauer den hohen Anforderungen des Agudismus gerecht werden, a) Der materiellen Not, in der sich die Judenheit des Ostens gegenwärtig befindet, hat die Ortsgruppe volle Aufmerksamkeit zu widmen. Sie hat ein Komitee für Durchwanderer zu gründen. Sie hat sich der am Platze befindlichen Flüchtlinge anzunehmen. Bei von G-tt zu verhütenden Katastrophen" hat sie das Ihre zur Aufbringung von Geldmitteln voll und ganz zu tun. ß) Körperliche Uebungen (Schwimmen, Spaziergänge und Aehnliches) sind zn empfehlen, ohne daß sie zu sportlichen Auswüchsen führen. f) Politische Bereitstellung. Der Agudismus bringt volle Klarheit in das Verhältnis der Glieder der jüdischen Nation im Golus zu den Völkern, in deren Mitte sie als Bürger weilen. Die Weltanschauung des Agudismus soll zu allgemeinem Bewußtsein gebracht werden. Jeder Jude hat die unabweisbare Pflicht, den menschheitlichen Beruf der Nation G-ttes auch nach außen zu verwirklichen und nach abrahamitischem Vorbild zur Heiligung des Namens G-ttes unter den Völkern beizutragen. 2. Bereitstellung des Landes G-ttes. In all den vergangenen Jahrhunderten des Golus hat die jüdische Nation an der Bereitstellung des Landes G-I.tes für die einstige Erlösung gearbeitet. Nie waren die Fäden gelöst, die jeden Ort der Diaspora mit G-ttes Land verknüpfen. Diese Fäden fester zu knüpfen, ist Aufgabe der Ortsgruppe. Ziel der gesamten Tätigkeit besteht darin, aus dem Lande G-ttes wieder ein Zentrum des Rechtes G-ttes zu machen, n) Die Ortsgruppe hat dafür Sorge zu tragen, daß keine Festlichkeit in jüdischem Kreis gefeiert wird, ohne daß dem Lande G-ttes gespendet werde, b) Für die Besiedelung hat die Ortsgruppe einen Fonds zu schaffen und für seine ständige Mehrung zu sorgen, o) Die Ortsgruppe hat für die Ansiedelung von Pogromwaisen tätig zu sein. </) Die Ortsgruppe soll die Uebersiedeluug geeigneter Personen nach dem Lande anregen und fördern. III. Uebergangsbestiinniungen. Dieses Programm gilt bis zur endgültigen Festsetzung des Programmes der Agudas Jisroel durch die Kenessijoh Gedauloh. Bis dahin hat die Ortsgruppe zu erstreben, daß dieses Programm unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse das Programm aller deutschen Ortsgruppen werde und auch in der Leit-ung der Weltorganisation Berücksichtigung finde. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". ^TO^^^I^l^P^ÄW Entwurf eines Programms für die flgnda-Ortsgruppe frankfurt a* I1V