Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 11 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 11 JÜDISCHE PRESSE Seite 81 Delegiertemag der Jlgudas ü$rael°Ort$gruppen der Slowakei in Trencsin Teplitz am Montag, den 18. Adar seheni 5681 (28. März 1921). Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die bisherige Tätigkeit der provisorischen Leitung. 2. Referat über Agudas Jisroel. 3. Referat über Erez Jisroel-Arbeit. 4. Berichte der einzelnen Gruppen. 5. Referat über die Jeschiwo-Aktion. 6. Gründung der Landesorganisation. Der Jlauda-Cag in der Slowakei. Ein Sammelruf ist an die Treuesten der Treuen, an die geistlichen und weltlichen Führer der Orthodoxie in der Slowakei ergangen, mitzuschaffen an Rat und Tat, wie die Thora im Wirbelsturme der Zeiten neuerdings auf unerschütterliche Grundvesten gestellt, Avie ihre Autorität gegenüber den gewissenlosen Versuchen einer streberischen Jugend, an Stelle der Herrschaft der Thora ein fremdes Ideal zu setzen „Idole, die nicht kannten und gar nicht erwogen Eure Vorfahren", mit Erfolg verteidigt werden könne. Selbst die erhabenste Idee kann in diesen Zeitläuften, wo oft die Masse und nicht der Geist allein entscheidet, nicht der Mittel der Organisation und der Propaganda entraten. Die Festigung und die Erweiterung derAguda-Organisation in der Slowakei ist ein Hochziel, das der Bemühungen der Gedolim und ihrer weltlichen Mitarbeiter wert und würdig ist. Nicht allein das glaubenstreue Judentum der Slowakei, sondern auch ihre Mitkämpfer in allen Ländern der Diaspora richten hoffnungsvolle Blicke auf die Tagung der Aguda in der Slowakei. Ihr Erfolg wird ein frohes Ereignis für alle Getreuen der Thora in der Welt sein, ihre geoffenbarte Begeisterung wird neubelebend auf den ganzen Organismus der. Aguda wirken, und ihre Leistungen das Ganze stärken. Aus den kleinen Opfern und Mühen schafft eine große Organisation Mächtiges und Unvergängliches. Aber gerade darum darf sich Niemand der Mitarbeit am heiligen Werke entziehen. Wenn irgend wo und irgend wann Hilleis Wort von Wahrheit und Wirkung war, so ist es für die Thoratreuen der Jetztzeit: Im lo achschow emossa? Deutscftosttrmcft. fiilf$Komitec für die ukrainischen TIücMlfage und Pogromopfer. Ein entsetzlicher Notschrei dringt an unser Ohr. Infolge der furchtbaren Verfolgungen in der Ukraine sind unzählige Familien brot- und obdachlos geworden. Tausende und Abertausende von Witwen und Waisen sind ihres Ernährers beraubt. Tausende and Abertausende von Waisen stehen ohne Vater und Mutter am Rande des Hungertodes. Es ist leider nicht die geringste Aussicht vorhanden, daß irgend ein Staat der europäischen Welt diesen armen Vertriebenen eine Heimstätte gewährt. Augenzeugen berichten uns von der entsetzlichen Situation, in der sich diese Menschen befinden. Sie entbehren buchstäblich alles. Sie haben keine Kleider, um sich zu bedecken, es ist ihnen keine Möglichkeit gegeben, auch nur das notwendigste an Nahrung sich zu kaufen. Diese Situation legt uns die Pflicht der Hilfe umso ernster ans Herz, als diese Armen seinerzeit, als Galizien so furchtbar unter der Kriegsnot litt, in einer außerordentlich vornehmen Weise ihren Glaubensgenossen zu Hilfe kamen. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß alles, was in Galizien sich einer irgendwie erträglichen Existenz erfreut, dies der damaligen Hilfsbereitschaft der Ukrainer zu danken hat. Wir wenden uns deshalb an unsere Glaubensgenossen mit der innigen Bitte, uns die Möglichkeit zu geben, wenigstens in etwas der Notlage der ukrainischen Flüchtlinge zu steuern. Es handelt sich buchstäblich — wir wiederholen es — um die Errettung von Hungersnot. Es handelt sich darum, armen guten Kindern wenigstens die Möglichkeit der Lebensfristung zu gewähren. Es handelt sich darum, armen verzweifelten Müttern das letzte zu ersparen, den Hungertod ihrer Kinder mitanzusehen. Wir bitten im Namen des Allmächtigen, stellen Sie sich diese Situation klar vor Augen und denken Sie daran, daß Sie durch Ihre Gabe Menschenleben retten. Das Bewußtsein der Größe dieser Tat wird 7. Regelung des Finanzgebarens. 8. Wahl der Zentralleitung, Bestimmung des Sitzes des Zentralbureaus. 9. Wahl von drei Personen In den Zentralrat der Aguda in Wien. 10. Etwaige Anträge. Proteste gegen die Wahl Dr. Poznan$ki$ zum Raw. Am Samstag fanden in Warschau nebst den Protesten in einer großen Anzahl von Bethäusern vier große Protestversammlungen in den Sälen der Aguda-Zentrale, der Meßiwto, der Großen Schul, dem Eisernen Tor und in Serdiners Schul statt, die einen Besuch von Zehntausenden aufwiesen. In den Versammlungen sprachen die orthodoxen Kultusräte. Einige Redner wiesen auf die Haltung der Vertreter des Handwerkervereines, in dem auch große Massen orthodoxer Handwerker organisiert sind. Es wurden Protestresolutionen angenommen, die der Gemeindeverwaltung bei der Plenarsitzung am Sonntag überreicht wurden. Am Sonntag fand in Warschau zur Unterstützung der Delegation, die die am Samstag gefaßten Protestresolutionen gegen die Bestimmung Dr. Poznanskis zum Raw zu überreichen hatte, eine Demonstration von zirka 20.000 Personen statt. Es herrschte eine erregte Stimmung und kurze, aber scharfe Reden wurden gehalten. Immer wieder ertönten die Rufe: „Nieder mit der Assimilation!", „Nieder mit der Reform!" usw. Die Demonstranten drangen bis zur Tür des Hauptsekretariats. Einige Kultusräte forderten, daß die Sitzung nicht eröffnet werde, bis die Demonstranten auseinandergegangen wären. Als die Delegierten gewahr wurden, daß ein Teil der Kultusräte danach strebe, daß die Sitzung nicht zustande komme, damit der Beschluß wegen der Bestimmung Poznanskis in Kraft bleibe, erklärten sie, daß sie für den ruhigen Verlauf der Demonstration garantieren; wenn aber die Verwaltung die Versammelten unbedingt auseinandertreiben wolle, so möge sie sich an das Polizeikommissariat wenden. Die Kultusräte erklärten, daß sie sich eines solchen Mittels nicht bedienen wollen. Es erschien aber dennoch bald ein großes Aufgebot von Wachmännern, es hat aber keiner von den Kultusräten gewagt, den Wachmännern Direktiven zu erteilen. Auf Anraten der orthodoxen Kultusräte forderten die Delegierten die NACHRICHTEN. Sie für das Opfer, um das wir Sie bitten, reichlich entschädigen. Die Genugtuung, solch bittere Tränen trocknen zu helfen, wird Sie gewiß veranlassen, unserer Bitte reichlichste Erfüllung zuteil werden zu lassen. Für das ukrainische Hilfskomitee: Rab. Dr. Pinchas Kohn, Rab. H. A. Fried mann, Rab. Ber Friedmann, Rab. N. Friedmann, Rab. Abraham Heschel, Isak J. Thum im, Lippe Tür kl, Samuel Nissenbaum, Mendel Feigenbaum, (Lemberg). Der 7. Adar. Der traditionelle Sajin-Adar-Hesped in der Schiffschul verlief diesmal in besonders eindrucksvoller Weise. In bewegter und bewegender Weise gedachte Rabbiner S. Fürst dei Verluste, welche die Glaubenstreuen Wiens erlitten haben und nochmals zogen die Geister der edlen Thoraführer vor den ergriffenen zahlreichen Andächtigen vorüber. Im zweiten Teile der Rede, die in überlieferter Weise der Zukunft gilt, wies Sr. Ehrwürden mit schöner Homiletik darauf hin, daß unsere Jugend uns darum verloren geht, weil wir selbst indolent und matt unseren Pflichten nachkommen. In dem Satze kol ha-nechscholim achrecho, bedeutet achrecho: Die Nachkommen. Die Nachkommen werden vom Amalekgeist darum leicht überwunden, weil weato ojef we-jogea, weil wir selbst ermattet sind in unserer Pflicht. Die eindrucksvolle Deroscho schließt mit eindringlicher Ermahnung zum Kampfe um die Jugend. Der Bojaner Großrabbiner über die Aguda. Gelegentlich des Aufenthaltes des Großrabbiner von Bojan (Czernowitz) in Wien haben die Herren Isak Thumini und Akiba Schreiber den Großrabbiner besucht und mit ihm die Arbeit der Aguda in Gzernowitz besprochen. Der Bojaner Großrabbiner hält die Arbeit für die Aguda für ungemein wichtig. In Gzernowitz, wo der Oberrabbiner Rosenfeld ohnedies mit den anwachsenden Aufgaben überlastet ist, konnte bisher trotz aller Sympathie für die Aguda keine rechte Tätigkeit entwickelt werden. Da aber Versammelten zum Auseinandergehen auf, was in vollster Ruhe geschah. Bei der Sitzung brachte Advokat Seidemann einen Kompromißvorschlag ein, wonach Dr. Poznanski zum Rabbiner für den äußeren Bezirk bestimmt wird, welcher auch das Recht hat, Trauungen in der Synagoge zu vollziehen und alle religiösen Angelegenheiten der Synagogemitglieder zu erledigen. Die orthodoxen Räte erklärten, daß sie sicli zuerst mit dem orthodoxen Komitee ins Einvernehmen setzen müssen. Damit wurde diese Sitzung geschlossen. Palästina Arbeit der Aguda in Litauen. Man schreibt, uns aus Kowno: In der letzten Zeit entwickelt die Organisation „Zeirei Jisroel" eine energische und intensive Tätigkeit auf dem Gebiete der Palästina-Arbeit. Beim Zentralkomitee wurde ein „Palästina-Amt" gegründet, das die Arbeiterkräfte aus allen Schichten des orthodoxen Judentums Litauens um sich konzentriert. Die Hauptaufgabe des Palästina-Amtes ist der Transport der Ghalüzim nach Palästina. An alle Ortsgruppen und Vorsteher der Orthodoxie aller Richtungen wurden Zirkulare, die Gründung orthodoxer Ghaluzimgruppen mit dem Namen „Chaluzei Jisroel" betreffend, erlassen. Gleichzeitig wurden die Statuten der Ghalüzim und die Methode ihrer Ausbildung veröffentlicht. In Kowno und anderen Orten ist die Gründung von Chaluzei Jisroel-Gruppen bereits im Zuge. Um die Organisierung und Ausbildung der Chaluzim herbeizuführen und ihren Abtransport nach dem heiligen Lande zu ermöglichen, wurde ein Chaluzei Jisroel-Fonds gegründet. Das Palästina-Amt beschloß, an den Purimtagen eine Geldsammlung, durch Blumentage, größeren Geldzeichnungen und Synagogenspenden, zugunsten des Chaluzei Jisroel-Fonds zu veranstalten, und zu diesem Zweck erscheint in den nächsten Tagen ein Aufruf an die jüdische Bevölkerung. Es sind bereits die nötigen Schritte erfaßt worden, welche zum Unterbringen der Chaluzim in einer Farm, wo sie die Landarbeit erlernen sollen, führen. Um über den Zustand und die Bedingungen der Einbürgerung in Palästina Auskunft zu erJhalten, setzte sich das" Palästina-Amt mit verschiedenen ausländischen Zentralen, welche die Chaluzim-Angelegenheiten fördern, in Verbindung, um eine gemeinsame Aktion zu erzielen. Herr Ing. Stricker dementiert in einer Zuschrift an den Aguda-Vorstand die Behauptung1 des „Hazeflra", als ob er die Wiener Aguda-Leitung beschuldigt hätte, daß diese von der Kegierung die Ausweisung der Ostjuden verlangt hätte. bald noch eine neue rabbinische Kraft für Czernowitz gewonnen wird, hofft der Raw, daß es nun den vereinten Kräften gelingen wird, der großen Pflicht der Unterstützung der Aguda gerecht zu werden. Die Mittelstandsküoho der „Einheit". Eine von humanem Geiste zeugende und der Not der Zeit Rechnung tragende Einrichtung ist jüngst von dem durch sein umsichtiges und wohltätiges Wirken rühmlichst bekannten Präsidenten des Vereines »Einheit" Herrn Bernhard Hofbauer und seinen Kollegen im Vorstande ins Leben gerufen worden. Der allgemeinen Ausspeiseküche des genannten Vereines ist eine solche für den Mittelstand ange- -gliedert worden. Was ein solches Werk in gegenwärtiger Zeit für die Mittelständler, die durch die herrschende Teuerung am härtesten getroffen sind, bedeutet, kann lebhaft empfunden und braucht nicht erst gesagt zu werden. Von der Sorge, wie für sich beziehungsweise seine Familie ein ausreichendes, gutes und kräftiges Mittagsmahl zu angemessenem Preise beschaffen zu können, durch die nun geschaffene Mittelstandsküche befreit zu sein, betritt der Gast mit stillem aber innigem Danke für die Schöpfer des Werkes und der so tüchtigen Leiterin Frau Strauß, den gastlich so schön eingerichteten Speisesaal, woselbst er sich sowohl durch das ihm dargebotene wie auch durch die sorgfältige und aufmerksame Bedienung befriedigt und heimisch fühlt. Möge es dem auf das Wohl seiner Mitmenschen und Stammesgenossen stets bedachten Präsidenten Hofbauer und den ihm zur Seite stehenden Mitgliedern im Vorstande noch lange gegönnt sein zum Nutzen und Frommen derselben wirken zu können. Ein Gast. Wohltätigkeits - Akademie der Mädchengruppe Wien. Mit großem Interesse wird (in den Kreisen der orthodoxen Mädchen und Frauen, der Mittwoch, den 30. März, im Saale des Wiener kaufmännischen Vereines, Johannesgasse 4, stattfindenden Wohltätigkeits-Akademie entgegengesehen. Diese Veranstaltung, ein ausschließlicher Damenabend, steht unter der Leitung der Klaviervirtuosin Angela Engel und wird ein distinguiert künstlerisches Programm aufweisen. Um die Leitung und Arrangement des