Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 10 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 74 jüdisch;«: presse Nr. U mäßige Zugehörigkeif zur zionistischen Organisation! nur das Bekenntnis zum Basler Programm. Sie lehnt j jede darüber hinausgehende Forderung irgendwelcher | Art ab. Die Föderation verlangt, daß bei der Auswahl der Methoden und Maßnahmen für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas, allein die Rücksicht auf die baldige Prosperität dos heiligen Landes maßgebend sei. Die Föderation Binjan Haarez betont die Notwendigkeit und die Bedeutung der jüdischen Diaspora-Arbeit. Das Verhältnis zum Staate wird bestimmt durch die Tatsache, daß sich in jedem Staatswesen eine Verbundenheit seiner Bürger herausbildet, die in der gemeinsamen geschichtlichen Entwicklung begründet ist. In voller Würdigung der bürgerlichen Pflichten, die den Juden gegenüber dem Staate erwachsen, überläßt die Föderation die Entscheidung über Zweckmäßigkeit und Art einer | jüdischen Landespolitik den Juden der einzelnen i Länder. Die Föderation Binjan Haarez fordert Ehrj erbietung gegenüber der Ueberlieferung, dem sittj liehen Ideale unserer Religion, insbesondere fordert , sie eine Erziehung der Jugend im Geiste der Ehrfurcht und des Judentums. In das vorbereitende Komitee der Föderation werden gewählt die Herren: Prof. Dr. Karl Lewin, Prof. Dr. Gotthold Weil. Prof. Dr. Julius Gitron, Dr. Eduard Leszynski, Dr. Alfred Klee, Dr. Arthur Kollensch er, Dr. Isaac Zwirn, Dr. Gustav Witkowski, Arno Wagner, Dir. Georg Kareski. Das Bureau der deutschen Abteilung der Föderation befindet sich : Berlin W 62, Bayreutherstraße 36. Die Föderation beginnt das Werk : Für den Aufbau des heiligen Landes, für die Einheit des Gesamtjudentums, für das jüdische Volk. (Das bedeutet wohl einen Schritt zur Besserung, aber einen kleinen und unsicheren. D. R.) Talmudische Portbildungskurse. Das Rabbinerseminar zu Berlin (Artilleriestraße 31) hat talmudische Fortbildungskurse für junge Akademiker und Kaudeute errichtet, die unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Wrescliner stehen. Vorerst findet ein dreistündiger Talmudunterricht und ein einstündiger Midraschvortrag statt. Von April ab sollen die Kurse wesentlich erweitert werden. Meldungen können entweder schriftlich an das Sekretariat des Rabbinerseminars oder mündlich beim Leiter der Kurse zu den Unterrichtszeiten (Sonntag von 3 bis 4. Uhr, Dienstag abends von y49 bis 10 Uhr, Sabat von 3 bis 4 Uhr) erfolgen. Das Kuratorium des Rabbiuerseminars zu Berlin erläßt ein Preisausschreiben aus der Fritz Rau- Stiftung. Die Preisfrage lautet: „Der Höhen-(Bamoth) Kultus nach Bibel und Talmud." Der Preis beträgt 750 Mark; zur Bewerbung zugelassen sind die gegenwärtigen und ehemaligen Hörer des Rabbinerseminars. Genauere Bedingungen werden auf Wunsch vom . Sekretariat des Rabbinerseminars, Berlin, (Artilleriestraße 31) verschickt. Lokomotiven und Waggons lür Palästina. Im Unterhause wurde eine Anfrage an die Regierung gerichtet, ob man tatsächlich1 Lokomotiven und Waggons für die palästinensischen Eisenbahnen in Deutschland bestellt habe oder dies zu tun gedenke. Der Vertreter des Kolonialministers erklärte, daß eine solche Bestellung nicht erfolgt sei. Jedoch wurde seine Aufmerksamkeit auf einen nichtoffiziellen Bericht gelenkt, wonach die Administration in Palästina dies zu tun gedenke. Er habe sich diesbezüglich an den Higb-Commissioner gewendet und werde die Antwort erst nach Eintreffen der bezüglichen Unterlagen erteilen können. (Haben die deutschen Juden keinen Anteil an Palästina?) Polen. Die polnisch-jüdische Verständigung. Am 5. März wurde wieder die jüdisch-polnische Verständigungskommission eröffnet. Vorsitzender Minister Steczkowski erklärte, daß bis jetzt die theoretische Seite der Frage behandelt wurde, jetzt wolle die Regierung etwas Praktisches in dieser Hinsicht tun. Von den Ministerien nahmen teil: Skulski, Rataj, Wröblewski und Walowski als Vertreter des Ministeriums des Aeußern. Ueber die jüdischen Forderungen referierte Herr Nossig. Er stellte folgende Forderungen auf: 1. Die jüdische Gemeinde soll auf autonomer Grundlage aufgebaut werden; 2. Abschaffung aller Begrenzungen gegen Juden, welche auf Grund der zaristischen Gesetze noch existieren; 3. Aenderung des Gesetzes wegen Sonntagsruhe betreffs der Juden und Schaffung eines Referenten für jüdische Angelegenheiten. In der Debatte sprachen noch von jüdischer Seite Prylucki, Kirschbaum, Dr. Thon, Farbstein und Dr. Schipper. An der Diskussion beteiligte sich auch Minister Skulski. Man kam zum Beschlüsse, daß die jüdischen Vertreter alle ihre Forderungen vorbringen und die Regierung werde dann sehen, welche sie erfüllen könne. Sapieha über die Judenfrage. Der polnische Minister des Aeußern Sapieha empfing in London eine Delegation des „Verbandes polnischer Juden in Großbritannien8. Er sagte, die polnische Regierung schenke der Judenfrage ihre größte Aufmerksamkeit und eine spezielle Kommission arbeite zusammen mit den Vertretern der jüdischen Bevölkerung an der Erledigung der Hauptfragen der polnisch-jüdischen Beziehungen. Die polnische Regierung vertrete den Standpunkt, daß die Juden die gleichen Rechte wie alle anderen Bürger erhalten sollen: die Regierung fordere aber von den Juden, daß sie stets als loyale Bürger des polnischen Staates wirken sollen. Die Schwierigkeit der Lage werde durch die zahlreichen jüdischen Immigranten aus Ukraina und Sowjelrußland vergrößert, weil dadurch die Verproviantierung der Bevölkerung infolge des Manuels der Lebensmittel erschwert wird. Die Lage könnte besser werden, wenn die ausländischen Regierungen die Einwanderungsbeschränkungen teilweise aufheben würden. Fürst Sapieha gab dann seiner Hoffnung Ausdruck, daß da^ Judentum der ganzen Welt verstehen werde, daß die polnische Begierung alles tue. um diese Probleme zu lösen. Bestimmung des Dr. Poznanski zum Kaw. Die Warschauer jüdische Gemeinde hat den Vorschlag der Synagoge, ihren Prediger Dr. Poznanski zum Baw zu bestimmen, bei Abwesenheit einer großen Anzahl von Kultusräten angenommen. Dieser Beschluß hat bei dem größten Teil der Bevölkerung einen Sturm der -Entrüstung hervorgerufen. Die orthodoxen Kultusräte hielten eine Beratung ab und beschlossen die Durchführung dieser Bestimmung mit allen Mitteln zu verhindern. Sie wendeten sich an den Präses H. Rundstein und machten ihn darauf aufmerksam, daß, wenn die Angelegenheit nicht, geregelt werde, dies einen Massenprotest, gegen die Gemeinde hervorrufen werde. Der Präses versprach, die Sache auf den nächsten Sonntag zu vertagen. Dr. Poznanski ist Prediger in der Synagoge (Deutschen Schul), ein Schüler aus der freien und reform atorischen Hochschule des Dr. Geiger. Er wird als Gelehrter hoch geschätzt, doch seine Bestimmung zum Raw mußte bei der Orthodoxie große Entrüstung auslösen. Verbrennung des Trefo-Fleisch. Der Radziminer Rabbi hat das Fleisch der Wurstfabrik Kornblum in Warschau, in welcher Wurst aus Pferdefleisch hergestellt wird, aufgekauft. Das Fleisch wurde dann mit Petroleum begossen und verbrannt. Organisierung von koscheren Fleischläden durch die "Warschauer Aguda. Die Kaschrus-Kommission der Warschauer Aguda hat kürzlich Beratungen mit Fachmännern abgehalten und die nötigen Vorschriften für die Fleischläden, welche die Aguda organisiert, ausgearbeitet. Solche Fleischläden werden in allen Stadtteilen Warschaus organisiert werden. Sie werden nebst der Aufsicht der Aguda auch unter der Aufsicht des Rabbinats stehen. EUauen. Pessachmehl für Wilna. „Straz Litwy" meldet, daß die amerikanischen Juden 12.000 Pud Pessachmehl für Wilna und Umgebung gesendet haben. „Trybuna Zydowska." In Wilna wird in Bälde ein jüdisches Wochenblatt, „Trybuna Zydowska", in polnischer Sprache erscheinen. Die Herausgeber beabsichtigen, auch ein jiddisches Wochenblatt mit polnischer Orientierung herauszugeben. Konfiskation der „Jewrejskaja Tribuna". In Wilna wurde das Pariser Wochenblatt „Jewrejskaja Tribuna" wegen Verbreitung von Nachrichten über angebliche Judenschlächtereien der Armee Zieligowskis konfisziert. Rumänien* Das jüdische Spital in Oradeamare (Nagyvärad). Frau Sandor Ulimann leistet in der begonnenen Aktion für das . Spital wirklich Hervorragendes. Sie reiste nach Bukarest und trat dort mit den führenden jüdischen Kreisen in Verbindung. Das Joint in Bukarest wird auf Veranlassung der Frau Ulimann eine Mission nach Oradeamare senden, um die Aktion zu überprüfen und stellt im günstigen Falle 40 Prozent des nötigen Betrages zur Verfügung. Der Direktor der Steana Romana Dr. Gzentler bemüht sich in erfolgreicher Weise um die Sammlung. Die Bank Marmarosch & Blank spendete allein 40.000 Lei. Frau Ulimann und Frau Schönberger haben bisher 350.000 Lei gesammelt. Wir werden demnächst den Ausweis der Spenden veröffentlichen. Spaltung in der Klausenburger orthodoxen Kultusgemeinde. Aus Gluj (Klausenburg, Kolozsvar) kommt die befremdende Nachricht, daß in der orthodoxen Kultusgemeinde eine Spaltung eingetreten ist. Die alten Führer der Gemeinde, die Herren David Sebestyen, Moritz Tischler, Jakob Dick, die Hirsch'sche Familie, Dr. Paul Blau, Dr. Josef Sebestyen und andere haben eine Versammlung einberufen, in welcher dargelegt wurde, daß man sich dem Terror der Jüdisch-Nationalistischen nicht länger aussetzen wolle, in die in der Kädärgasse befindlichen Sephardimgemeinde eintrete und trotz aller schweren Opfer eine neue Gemeinde gründen werde. Diese Gründung ist vollzogene Tatsache und ein Aktionskomitee wurde gegründet, um die nötigen Einrichtungen zu treffen. Dieser betrübende Zustand ist, wie in Groß wardein, durch den „Sieg" der Jüdisch- Nationalistischen entstanden, als dessen erstes Resultat die Spaltung in den beiden ersten Gemeinde» Siebenbürgens zu verzeichnen ist. Der Klausenburger „Eller.zek" bemerkt hinzu: „Fs mehren sich die Anzeichen, daß die Besonnenen im Judentum diese unmöglichen Zustände nicht mehr dulden wollen. Man sieh! schon allseits ein, daß die vielen Millionen, welche die Jüdisch-Nationalistischen für ihre Zwecke gesammelt haben, viel besser für allgemein jüdische Zwecke verausgabt wären.11 Die Wahlreform und die Juden. Die Bukowinaer Zion. Org. hat an. Ministerpräsident Averescu folgendes Telegramm gerichtet: „ Die Regierung legt soeben dem Parlamente eine neue Wahlreform vor, laut welcher d'e Städte mit. den benachbarten Landgemeinden zu Wahlkreisen vereinigt werden sollen. Infolgedessen werden die Juden, die hauptsächlich in den Städten wohnen, nicht einmal die Wahlzahl erreichen, um auch nur ein einziges Mandat bei den allgemeinen Wahlen zu erlangen. Wir Juden haben aber ein großes Interesse an einer unserer Zahl und Bedeutung entsprechenden Vertretung. Wir wünschen ein Wahlrecht nach nationalen Kurien, zumindest aber verlangen wir, daß die städtischen Wahlkreise von den ländlichen gesondert werden. In der Erwartung, die Regierung wünsche es selbst, daß die Juden eine entsprechende Vertretung in Kammer und Senat haben, geben wir der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung unserem Wunsche Rechnung tragen wird." Aehnliche Proteste wurden auch aus Bukarest. Gluj, Temesvar und Kischinew überreicht. (Wenn man für Palästina dieselbe Zähigkeit und Energie anwenden würde wie um politische Karrieren. (!) England. Sir Felix Simon, der gewesene Leibarzt Eduard VII., starb 72 Jahre alt. Er stammte aus Danzig. Dem Judentum stand er teilnahmslos gegenüber. Amerika. Protest gegen die Immigrationsbill. Der Jlachnossas Orchim und Immigrant aid Society of America" hat auf seiner 12. Jahresversammlung folgende Resolution angenommen: Da durch die Immigrationsbill die Vereinigung von Ellern in Amerika mit ihren Kindern in Europa und die Einwanderung für die durch den Krieg Beschädigten unmöglich gemacht, wird gegen die unmenschliche Immigrationsbill, welche weder wissenschaftlich noch demokratisch ist, energisch protestiert. Es wurde beschlossen, falls nicht die ganze Bill zurückgezogen wird, wenigstens folgende Aenderurigen zu fordern: 1. Ermöglichung der Vereinigung von Familien; 2. gerechte Stellung zu den nationalen Minderheiten und zu den neuen und vergrößerten Ländern; 3. die Zahl der Einwanderung soll nach dem Gensus von 1920 und nicht nach dem Gensus von 1910 bestimmt werden. Das provisorische Kongreß-Komitee teilt mit, daß auf der für den 20. März nach New York einberufenen Vorkonferenz vor allem folgende Punkte zu behandeln sein werden: 1. Die Form der neuen Wahlen für die Delegierten. 2. Zeit der Wahlen. 3. Zeit des Zusammentrittes des Kongresses. 4. Programm des Kongresses. Im Zusammenhange mit Punkt 4, werden selbstverständlich auch alle jene brennenden Fragen betreffs der jüdischen Lage berührt werden, die den jüdischen Kongreß zur unbedingten Notwendigkeit machen. Man erwartet, daß an dieser Vorkonferenz, die von allergrößter Wichtigkeit sein wird, die verschiedensten aktiven jüdischen Elemente vertreten sein werden. Interview mit dem amerikanischen Admiral H. M. P. Huse. Der Vizeadmiral der amerikanischen Flotte, H. M. P. Huse, gewährte dem Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" eine längere Unterredung, von welcher wir folgende wichtige Aeußerung hervorheben, daß er die nach Amerika eingewanderten Juden als ein ganz nützliches Element betrachte, die auch gute Amerikaner geworden seien, und das sei es, worauf er die Einwanderungsfrage abstelle. Wenn die Juden, die nach Amerika einwandern wollen, als Angehörige ihrer Religion kommen und hier der Nation nach Amerikaner werden wollen, well, dann mögen sie kommen. Wenn sie aber nach Amerika als neue Nation kommen wollen, dann sei er dagegen, denn Amerika solle nicht noch mehr von neu hinzukommenden Nationen zerklüftet werden, wie von den Irländern, die so viel Lärm machen, als seien sie ganz Amerika. Die Deutschen, die Iren, die Juden und alle anderen, die aus Europa einwandern wollen, sollen hier nicht anderes sein wollen, als Amerikaner. Der Herausgeber der „J. P. Z." nahm Gelegenheit, den Admiral zu beruhigen; die Juden würden für Amerika keineswegs eine nationale Gefahr sein und wollten auch durchaus nicht einen Staat im Staate bilden. Er orientierte den Admiral über die von der Friedenskonferenz beschlossenen Minoritätenrechte für die Juden der osteuropäischen Staaten und verwies auch auf England, das die Juden als Nation anerkannt habe, ohne zu befürchten, daß die Juden dadurch in England nationale Kalamitäten herauf-