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Jüdische Presse · 1921-03-18 · 10 (18.3.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
10 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10 JÜDISCHE PRESSE Seile 73 Der 7. Adar. Der Todestag unseres großen Lehrers Moses gilt auch dem pietätsvollem Gedenken jener im Laufe des Jahres dahingeschiedenen treuen Jünger Mosche rabbenus. die seine Thora hochgehalten, entwickelt und zu Leben umgesetzt haben. Im vergangenen Jahre hat der Tod überreiche Ernte im Gefilde der Thora abgehalten. Es gingen von uns die Rabbonim ha-Geonini s. z. 1.: Rabbi B aruch Pinchas Rabbin owitz, gefeierter Raw von Skole. — Rabbi Pin chas Horowitz, Bohorod czany, Gründer der Jeschiwo, hervorragender Vorkämpfer für die Aguda. — Oberrabbiner Juda Grünwald Szatmar, ein Mann von tanaitischen Tugenden. — Rabbi Elieser Treistmann von Lodz, einer der hervorragendsten Talmudgelehrten Polens. — Der große L uba witsch er Raw R. Scholen) Ber Sehne ersohn, Lehrer der gefeierten Jeschiba, Führer der Chabad-Ghassidim. — Den Märtyrertod starb der Rabbiner von Plock, Rabbi Ghajim Spiro, der vom Feldgericht unschuldig hingerichtet wurde. Rabbi Mordechai Twerski, gefeierter Chassidim-Rabbi in Jerusalem. — Rabbiner M. L. Landau, Botosani, hervorragender Chowew Erez Isroel. — Rabbi Meir Rappaport ein Godel zu Krakau. —Der hervorragende Provinzialrabbiner Salomon Bainberge r, Hanau. — Rabbi P i n c ha sMenachem, P y 1 i c a, gefeierter Talmid- Ghacham und Zaddik. — Rabbi Israel Tab aus M o d z i c e, bedeutendes Mitglied der Aguda. — Rabbi Lazar Münz, der gefeierte Raw von Kempen. — Oberrabbiner Lieh teilst ern, Uermeny, einer der Bahnbrecher der Aguda in der Slowakei. — Oberrabbiner Schlesinger, Ragendorf, Schüler des Kesaw Sofer-el. — In diesem Zror hachajim darf auch R. B u n e m P a s c h k u c z, D un a S z e r d ah e 1 y, genannt werden, der als Kaufmann Thora in Wort und Schrift verbreitet hat. Ihr Angedenken sei gesegnet! Kritische Rundschau. „Und sie bewegt sich doch." Die „Deborah" nämlich, der zionistische Mädchenverein in Bratislava, dessen schiefgehender Maskenball Gegenstand heiterer Aufmerksamkeit der ganzen Stadt ohne Unterschied der Konfession geworden ist, wie es aus folgenden Publikationen in dem Bratislavaer Tagblatt „Preßburger Zeitung" hervorgeht: An jeden ernst denkenden Zionisten! Der zionistische Mädchenverein „Dehorah" veranstaltete im Laufe dieses Monats einen geschlossenen Maskenball. Diese Bekanntmachung, welche unter weiten jüdischen Kreisen das größte Befremden erregte, zwingt uns zu offener Stellungnahme, um jedweden Verdacht — als würden wir das Vorgehen des sich .zionistisch" nennenden Madchenvereines stillschweigend gutheißen, — zu beseitigen. Wir müssen es schon, abgesehen von religiösen Motiven, auch vom menschlich-jüdischen Standpunkte aufs entschiedenste verurteilen, wenn ein zionistischer Verein, der doch in erster Reihe der Erziehung selbstbewußter, von echt jüdischen Gefühlen beseelter Menschen dienen soll, — in diesen beispiellos ernsten Zeiten unseres Volkes, wo Hunderttausende unserer Brüder im Osten von unmenschlichen Bestien niedergemetzelt, unzählige derselben wahnsinnig, von Gras und Wurzel lebend, in den unkrain. Wäldern herumirren und Tausendein den verschiedenen Hafenstädten Europas in Barackenlagern zusammengepfercht ihr klägliches Leben fristen, — in sorglosem Vergnügungstaumel einen Ball veranstalten. Man komme uns nicht mit der Ausrede, nur auf diese Weise ist es möglich, für wohltätige Zwecke die nötigen Summen aufzubringen. Denn mit dieser Behauptung würde sich die zionistische Jugend, welche sich doch sonst so gerne als den Bannerträger jüdischer Opferfreudigkeit und Zusammengehörigkeitsgefühles rühmt, ein klägliches Armutszeugnis ausstellen, wenn sich ihre ganze zionistische Begeisterung im Besuche „jüdischer" Bälle äußern würde. Es wäre wahrlich beschämend, wenn wir für unser notleidendes Volk nichts anderes übrig hätten, als ein paar in purer Vergnügungssucht ertantzte Gnadengroschen. Speziell die „Deborah" als solche hat das mindeste Recht dazu, für sich dieses letzte Mittel der Geldaufbringung in Anspruch zu nehmen, denn unseres Wissens hat selbe noch wenig andere Mittel und Wege probiert Wenn jemand das Tun und Lassen der „Deborah" beobachtet, so wäre er zu glauben versucht, daß zionistische Tätigkeit lediglich in der regelmüßigen Veranstaltung von Maskenbällen bestehe. Wir hoffen, daß Obiges der Leitung der „ Deborah" zu denken gibt und selbe noch in letzter Stunde von der Veranstaltung des Balles absieht. Wenn aber nicht, so erwarten wir von jedem ernstdenkenden Zionisten, dem sein jüdisches Gefühl nicht leere Phrase ist, daß er zum Zeichen des Protestes vom Besuche dieser Veranstaltung absieht. Mit Zionsgruß „Kadimah", Ortsgruppe des „Zeire Misrachi1', Bratislava. Wie als Ironie veröffentlicht die „Preßburger Zeitung" anschließend folgende Notiz: E ürdenMaskenb all deszio nistischen Mädchenv e reines „Debora h", welcher Samstag abends um 9 Uhr im Regierungsgebäude abgehalten wird, zeigt sich ein sehr reges Interesse. Und mit Recht, denn es handelt sich um eine der lustigsten und gemütlichsten Unterhaltungen der Saison. Von dem reichhaltigen Programm sei nur erwähnt, daß die schönsten Masken wertvolle Preise erhalten. Wer auf eine Einladung reflektiert und bisher keine bekam, möge Tel.-Nr. 1810 j anrufen. Karten sind gegen Einladung nur noch in beschränkter Zahl im Modegeschäft B. Weiß, Masarykplatz 6, erhältlich. Es ist bezeichnend, daß Misrachi zu einen nichtjüdischen Blatte greifen muß, zur guten alten „Preßburger Zeitung", an deren Busen das Preßburger Judentum seit 152 Jahren seine Schmerzen auszuweinen pflegt, um gegen die Herabwürdigung der Prophetin Deborah zur Lady patronesse eines im Zeichen des neuen Reichtumes stehenden Tanzabendes zu protestieren. Derselbe wackere bäesi, bei dem die Karten zu dem zur ungewollten Popularität gelangten Maskenballe zu haben sind, zeichnet nämlich auch als Sitzredakteuv der unübertrefflichen „Jüd. Vkz.K; es ist nun verständlich, warum dieses Blatt, das den Anspruch erhebt, das Organ der zu drei Viertel aus Strengorthodoxen bestehenden slowakischen Judentums zu sein, kein Protest gegen eine Maskenredoute unter dem Namen der Prophetin „Deborah" aufnehmen darf. An den Misrachi sei aber die Frage gerichtet, warum er nicht die nötigen Konsequenzen zieht? Spendet für den tochiuofonds! NACHRICHTEN. Dcimcböstcrreicb. Der 7. Adar. Das glaubenstreue Judentum Wiens hat im verflossenen Jahre all zu viele treue Vorkämpfer für die unverfälschte Tradition scheiden sehen müssen. . Nochmals fliegt der trauernde Gedanke zurück zum Tage ihres Scheidens. Es seien zum Segen gedacht die Verstorbenen R. David B. Stern, Wilhelm Kritzler, Heinrich Leitner, M. A. Pollak, Gabriel Fischer, Philipp Back, Moritz Leitner (Baden) und Philipp Hofbauer. Die Sitzung des Zentralrates. Dienstag abends fand eine Sitzung des vorbereitenden Komitees statt, welches alle Maßnahmen zum Empfang derDelegierten getroffen hat. Mit besonderer Freude sieht man dem Eintreffen des Gerer Raw nj. entgegen. Bernhard Münz. Unter großer Beteiligung aus Kreisen der Kollegen und Verehrer wurde am 14. März der Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatt" zu Grabe getragen. Rabbiner Feuchtwanger hielt die Gedenkrede und Oberkantor Mätyäs versah die kantorale Funktion. Der Bethausverein „Zabner Klaus" führt einen schweren Kampf um seine Existenz. Die „Zabner Klaus" ist seinerzeit, als der Großrabbiner von Zabno hieher geflüchtet war, entstanden. Einem großen Kreise seiner Anhänger war es Bedürfnis, mit dem Rabbi ihrer Heimat zusammen nach heimatlicher Weise den G-ttesdienst zu verrichten. Selbst als der Großrabbiner in die Heimat zurückgekehrt war, blieb die Gemeinde zusammen. Der Bethausverein hat behördlich genehmigte Statuten und schließt sich der Adass Jisroel-Gemeinde an. Im September 3 920 hat das Mietamt die Lokalitäten des Bethausvereines angefordert und die Wohnung einer Marktfrau zugewiesen. Die Wohnungsnot ist freilich ein schweres soziales Problem, und es soll bei der Entscheidung des Mietamtes gar nicht daran erinnert werden, daß es tausende weite Räume oder Bureaus und dero zweifelhafte Gesellschaften in dieser Stadt gibt. Der Bethausverein begnügte sich damit, bei der Marktfrau als Aftermieter mit einem kleinen Teil der Wohnung zu existieren. Nun wird die ganze Wohnung der Frau vom Mietamte angefordert, und die Existenz der „Zabner Klaus" ist leider bedroht Der Bethausverein, der sich in der Großen Pfarrgasse 3 befindet, soll am 1. April delogiert werden. Hoffentlich gelingt es, das Mietamt von dem Wert der Erhaltung dieser Gemeinde zu überzeugen oder unserer glaubenstreuen Brüder zu einer Aktion zur Erhaltung der guten frommen „Zabner Klaus8 zu bewegen. The Vienna Jewisch Relief Fund erhielt auf Veranlassung seiner Ehrwürdeh Herrn Rabbiner Kramer eine größere Summe, um eine Pessachversorgungsstelle für alle palästinensischen Kriegsflüchtlinge einzurichten. Um die ungeheuere Not unter diesen Aermsten der Armen wenigstens in bescheidenem Maße zu lindern, verhandelt das engliche Komitee mit allen maßgebenden Institutionen, um eine Zentralisierung der von diesen geplanten Hilfswerke durchzuführen, damit auf diese Art eine einheitliche und ausgiebige Unterstützung aller palästinensischen Kriegsflüchtlinge möglich werde. Israelitischer Tempel- und Schulverein, Wien, VI, Stumpergasse Nr. 42. Sonntag, den 20. März .1921, um 10 Uhr vorm., im Vereinslokale, VI., Stumpergasse Nr. 42, XXIV. ordentliche Generalversammlung und I. außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Verifizierung des Protokolles der XXIII. ordentlichen Generalversammlung vom 28. März 1920. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Vorlage der Rechnungsabschlüsse und der Bilanz pro 1920. 4. Bericht der Revisoren. 5. Wahl der Revisoren pro 1921. 6. Statutenänderung. 7. Neuwahl von 3 Vorstandsmitgliedern mit dreijähriger Funktionsdauer. 8. Anträge. Die höher verzinsten 6 % igen Staatsschatzscheine. Wie vor kurzem gemeldet wurde, ist beim Abverkauf der 6% igen österreichischen Staatsschatzscheine schon mit 1. Jänner 1921 der Betrag von 1000 Millionen überschritten worden. Nach verläßlichen Berichten, welche von den Zeichenstellen eingelaufen sind, schreiten wir rüstig der zweiten Milliarde zu. Das Interesse für die 6 % igen Schatzscheine hat sich in letzter Zeit auch tatsächlich gehoben, und ungeachtet, der vielfachen schweren Belastungen, denen die Bevölkerung Oesterreichs ausgesetzt ist, haben jene Kreise, welche das Volksinteresse mit dem Staatsinteresse zu verbinden verstehen, den Wert der 6ü/„igen verzinslichen Schatzscheine anerkannt. Tatsächlich hebt sich die Nachfrage allerorten, zumal durch eine Verfügung des Bundesministeriums für Finanzen die Schatzscheine, welche länger als ein Jahr ungekündigt bleiben, mit einer Verzinsung von 0-4 °/n höher zurückgezahlt werden. Es stellt sich demnach die Verzinsung für 1000 Kronen Kapital, welches man in Schatzscheinen anlegt, für ein Jahr auf 6" 4 %> was gewiß einen sehr hübschen bürgerlichen Gewinn bedeutet. Wir sehen auch, daß die Kapitalskreise und Sparer in letzter Zeit für die Staatsschatz- Scheine großes Interesse zeigen und demzufolge auch große Posten dieses Staatspapieres aus dem Markte nehmen. CsclKcDoslowakci. Der 7. Adar. Die Preßburger Gemeinde gedenkt mit pietätsvoller Trauer der verlorenen treuen Stützen des glaubenstreuen Judentums: Mordechai Rosenberger, Wilhelm Grünsfeld, Leopold Pollak und R. Simcha Reißner, ihr Andenken sei gesegnet. Jessoda-Thora. Bei der kürzlich hier stattgefundenen Prüfung der Jessoda-Thora, welche die Ehrw. Herren Rabbiner D. Wessely, J. Kalisch uud S. Hirschler vorgenommen haben, ergab sich ein glänzendes Resultat, da die geprüften Zöglinge fast alle der bestandenen Prüfung vorzüglich entsprochen haben und wieder der Beweis für den besonderen Aufschwung des Institutes in den letzten Jahren erbracht wurde. Sabbat Schekolim für die Armen. Der Vorstand der Preßburger orthodoxen Kultusgerneinde beschloß, sämtliche Bethausspenden vom Sabbat Schekolim für hierortige Notleidende zu verwenden. Es wurden zirka 30.000 tschechische Kronen aufgebracht. Die Aktion stand unter der bewährten Leitung der Herren Gemeindepräses David Kraus und Vorsteher Josef Kaltmann. Ungarn. Intervention des orthodoxen Sejmklubs. Der Deputierte R. Halpern intervenierte beim polnischen Ministerpräsidenten wegen der in Budapest befindlichen Juden aus Galizien. Dieselben seien aus Ungarn ausgewiesen und der dortige polnische Konsul will ihnen keine Pässe nach Polen ausfolgen, bis sie nicht Matrikel und eine Bescheinigung des polnischen Ministeriums vorweisen. Die Juden können aber diese Dokumente nicht beilegen, da die Archive ihrer Geburtsorte zerstört sind. Hingegen wolle ihnen der Konsul Pässe nach Palästina ausfolgen. Diese Haltung sei sehr widerspruchsvoll, denn, wenn er ihnen Pässe nach Palästina ausfolge, betrachte er sie doch als polnische Bürger. Der Premierminister versprach dem Deputierten Halpern, in dieser Sache zu wirken, und bat ihn, diese Angelegenheit auch mit dem Vizeminister des Aeußern, Dombrowski, zu besprechen. Dieser versprach auch Rabbiner Halpern die Erledigung dieser Angelegenheit. Gemeindewahlen in TJjpest (Neupest). Gewählt wurden: Ignaz Sacher, Vorsteher; Viktor Katzburg, Vizevorsteher; Ignaz Malek, Karl Marmorstein, Siegmund Löffler, Goldberger, Schönberger und Josef Fischer, Ausschußmitglieder. Gemeindewahlen in der orthodox-israelitischen Gemeinde in Oradea Mare (Großwardein). Samuel Nußbaum, Präses; Salamon Fuchs, Vizepräses; Sal. Schwarz, Herrn. Freund, Ad. Ed. Rotbart, Kassier; Em. Gutfried, Kontrollor; Kaiman Markovits, David Klein, Ad. Roth, Sarn. Epstein, Tempelvorsteher; Edm. Leop. Weiß, ökonomischer Berater; Bern. Berkovics, Stiftungsverwalter; Josef Reich, Sam. Altmann, Mor. Goldstein. Isaak Sternberg, Schulstuhl Vorsteher. Die Wahl in der Debrecziner einheitlichen Chevra Kadischa schloß mit dem Siege der Orthodoxen, indem von den 31 Ausschußmitgliedern 19, von den 7 Vorstandsmitgliedern 4 Orthodoxe gewählt wurden. Dr. Sam. Gutfreund, Präses; Sam. ßernfeld, Vizepräses; Ed. Blaß, Ign. Klein, Vorstände; Sam. Grünhut, Bern. Weinberger, Verweser; Sändor Grünberger, Kassier; Si^m. Emerich, Kontrollor. Deutschland. Gründung der zionistischen Föderation Binjan Haarez. Wir erhalten folgende Mitteilung: Am 6. März 1921 beschloß eine von älteren Zionisten zahlreich besuchte Versammlung die Gründung der Föderation Binjan Haarez. Die Föderation verlangt für den Aufbau des heiligen Landes die Mitarbeit des Gesamtjudentums. Sie verlangt die Schaffung einer Organisation, die alle Juden und jüdischen Verbände, unbeschadet ihrer Stellungnahme zu Einzelfragen, in dem Gedanken für Erez Israel eint. Die Föderation verlangt als Bedingung für die gesinnungs-

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