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Jüdische Presse · 1921-03-11 · 9 (11.3.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
9 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr.-fl JÜDISCHE PRESSE Stäke «7 Amerika gekommen seien, davon im vergangenen Jahr* 65.000. von denen mehr als 91 Prozent zu ihren nächsten Verwandten gekommen wären. Die Frauen hilden mehr als 40 Prozent der allgemeinen indischen Einwanderung, die Kinder über M Prozent. Nur 12 Immigranten wurden zurückgewiesen, jedoch keiner von ihnen wegen Unmoralität. Kriminalverbrechen oder Radikalismus, was am besten beweise, daß die Juden trotz aller Drartgsalierungen in Europa auf hoher moralischer Stufe stehen und ein ausgezeichnete.- Einbürgerungselement abgeben, im Jahresbericht wurde des weiteren erwähnt, daß die „Hias" jetzt 121.480 Mitglieder zähle. 21.000 mehr als letztes Jahr. Zion Commonwealth. Im Auftrage der „Zion Commonwealth" begeben sich demnächst Frau Mary lY!s und Pyter Schweitzer nach Palästina, um dort oineii größeren Bodenkomplex für die „Zion Commonwealth" zu erwerben. Der Präsident der „Zion ('.ommonwealthv Rosenblatt, hat einen Plan ausgearbeitet, um auf diesem Hoden nach dem Muster di r Gartenstädte Englands einige Gartendörfer erstehen zu lassen. Schiff Parkway. Zu Ehren Jakob Schiffs wurde beschlossen, die Delancy Street (eine typische Judengasse) in „Schiff Parkway" umzunennen. Lilian Wald. Wie verlautet, soll Harding auch eine Frau mit einem Ministerposten in seinem künftigen Kabinett betrauen, und zwar die durch ihre charitative Tätigkeit bekannte Lilian Wald, eine ludin. Alma Heddin, die Schwester Sven Heddins, widmet in ihrem soeben bei Brockhaus erschienenen Buche „Arbeitsfreude", worin sie über ihre Erfahrung bei den amerikanischen Wohlfahrtseinrichlungen berichtet. Lilian Wald ein eigenes Kapitel, worin sie diese als Zierde ihrer Rasse bezeichnet. Hnngftriao society. In der Hungarian Society in der 12« th Street, Lenox Avenue hielt der Herausgeber der .,Jüdischen Preßzentrale Zürich", Oskar Grün, am i?. Februar auf Einladung des Präsidenten vor mehreren hundert Mitgliedern, eine äußerst beifällig aufgenommene Rede über die Aufgaben, die er im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Interesse der Juden Zentraleuropas gemeinsam mit Oberrabbiner Samuel Reich aus Verbo in Amerika zu vollbringen hoffe. Nachdem er einen kurzgefaßten, ^jdoch gründlichen Bericht über die Lage der Juden % Zentraleuropa erstattet hatte, wies er in temperamentvoller Rede auf die Notwendigkeit hin, daß die in Amerika lebenden Juden in engem Kontakt mit den Juden ihrer Heimatländer stehen und ihnen moralisch beistehen müßten, besonders den Juden jener Länder, in denen sie Bedrückungen ausgesetzt sind. Man müsse auch eine wirtschaftliche Kooperation herstellen, um die wirtschaftliche und soziale Position der Juden ihrer Heimatländer zu festigen. Armer Ford! Der europäische Manager der Ford- Kompagnie, Anderson, hat seinen Rücktritt erklärt, da die von Ford geführte antisemitische Propaganda ihm den Abschluß von Geschäften erschwere. Waisenaktion. Bei einer am 3. Februar in Montreal stattgefundenen Konferenz der Exekutive des Ukrainischen Waisenkomitees wurde beschlossen, sogleich Delegierte nach Europa zu entsenden, um die zweihundert Waisenkinder, deren Einreise von der Regierung gestattet worden ist, nach Kanada herüberzunehmen. Cirkei. Ermordung des jüdischen Polizeichefs in Bagdad. Aus Bagdad wird gemeldet, daß der zweite Chef der Polizei in Bagdad und Präsident des jüdischen Nationalrates Salman Rüben Achia ermordet worden ist. Der Mörder überfiel Achia in der Abenddämmerung, als er sich vom Bureau nach Hause begab. Der Ermordete war 21 Jahre alt und hatte seine hohe Stellung dank seinen großen Fähigkeiten erlangt. Er zeichnete sich stets als treuer Jude aus. An dem Leichenbegängnisse nahmen mehr als 10.000 Personen teil. Der „Kuntres", Organ der Achduth Haawodah, wurde infolge eines Artikels Dr. Syrkins, betitelt „Pontius Pilatus", der gegen den Gouverneur von Jerusalem, General Storrs, Stellung nahm, für einen Monat von den Behörden verboten. Dr. Slousch. Einer Einladung der zionistischen Organisation in Alexandrien folgend, begab si«h Dr. Slousch am 15. Februar für einige Woshen nach Aegypten, um dort Vorträge über die Ausgrabungen in Palästina zu halten. Möbelfabrik. Kazan aus Amerika hat mit einem Kompagnon aus Dänemark mit der Errichtung einer Möbelfabrik für Hausgegenstände, Fenster und Türe* begonnen. Die Fabrik hat, ohwohl die notwendigen Maschinen aus Deutschland noch, nicht eingetroffen sind, bereits ihre Arbeiten begonnen. Die Möbel werden viel billiger sein, als die aus Europa eingeführten und infolge ihrer Schönheit und Anpassung an die palästinensische Eigenart jede Konkurrenz mit Europa aufnehmen können. Polizeischule. Am 1. Februar wurde in Jerusalem unter Leitung von Major Montefiore eine Polizeischule eröffnet, die vorderhand von 50 best, qualifizierten Polizisten besucht wird. Im Laufe der Zeit sollen die Polizisten des Landes zwecks höherer Ausbildung diese Schule durchmachen. EMIGRATIONSWESEN. Das polnische Kriegsministerinm erinnert die Behörden daran, daß man Juden im Stellungspflichtigen Alter, die dauernd nach Palästina oder Amerika emigrieren wollen, keine Schwierigkeiten bereiten soll. (Es handelt sich um Leute, die von einem unbegrenzten Urlaub, respektive Aufschub Gebrauch machen. Temporäre Ausreisen sind Männern im Stellungspflichtigen Alter nicht gestattet.) Die Holland-Amerika-Linie will durch Einführung koscherer Küchen auf den Schiffen den Juden das Reisen mit diesen Schiffen angenehmer machen. Um Ausgaben zu sparen, soll die ganze 3. Klasse koscher gespeist werden, da von diesen Passagieren zirka 90 Prozent immer Juden sind. Schiffslinie Daniig-Jaffa. Laut einer Meldung der polnischen Telegraphenagentur, wird eine holländische Schiffsgesellschaft in Amsterdam demnächst einen direkten Schiffsverkehr zwischen Danzig und Jaffa errichten. Ans Italien. Dr. Beilinson, der im Auftrage des Exekutivkommitees der jüdischen Welthilfskonferenz die italienischen Häfen besuchte, durch die die Emigration der jüdisch-ukrainischen Auswanderer geht, berichtet, daß es unmöglich sei, die Gesaratzahl der Neapel Passierenden festzustellen, da dort nur jene bleiben, die kein Geld zur Weiterreise besitzen. In Neapel müssen sie oft mehrere Monate verbringen, bis sie das von ihren Verwandten in Amerika erwartete Geld erhalten. Die meisten Auswanderer gehen nach Argentinien, kleinere Teile nach New York oder Brasilien. Alle haben die Pogrome durchgemacht, in denen sie fast stets nahe Verwandte verlören haben, und keinem ist es gelungen, sein Vermögen zu liquidieren. Es handelt sich .meist um Frauen, Kinder und junge Mädchen. Das bestehende Hilfskomitee könne nur eine tägliche Unterstützung von 5 Lire gewähren, die für den dortigen Aufenthalt knapp ausreichen. Dagegen fehle es an Unterstützung für die Erraöglichung der Weiterfahrt und können selbst Personen, die Geld mitbrachten und denen nur ganz geringe Summen zur Weiterfahrt fehlen, dieselben nicht auftreiben. Laut Statistik der „Hias" sind im Jänner 12.794 jüdische Immigranten auf 33 Schiffen aus Osteuropa in Amerika eingetroffen. Simon Reisner s. A. Erschüttert vernehmen die glanbenstreuen Kreise der Slowakei und alle, die den außerordentlich charaktervollen Mann kennen gelernt haben, die Nachricht von dem allzu frühen Hinscheiden des edlen, von selten inniger Frömmigkeit beseelten Preßburger Kaufmannes und Ben.-Thora R. Simcha Reisner. In dem schönsten Mannesalter von 38 Jahren ist er inmitten seines edlen Schaffens für die Interessen des wahren Judentums dem Kreise seiner Familie und seiner ihn bewundernden Freunde entrissen worden. Er war Vorstandsmitglied der Jeszode Hathoia und mehrerer Talundvereine, denen er sich mit seltener Hingabe widmete. Eine außerordentlich große Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse zeugte von der großen Verehrung, dfe der Hingeschiedene genossen hat. Rabbi Samuel Donath sprach als Erster erschütternde Worte des Schmerzes über den frühen Verlust, den die Oeffentlichkeit erlitten hatte. Hierauf würdigte Oberrabbiner Schreiber in bewegten Worten das edle Leben, das so frühzeitig abgeschlossen wurde. Nun sprach Oberrabbiner Duschinsky-Galanta, der Schwager des Verstorbenen, von den edlen Vorzügen des Verblichenen Worte der Liebe und des Schmelzes. PQ2ttfi €i$enfeil$pätte. Vorsicht ist bei manchen von una die Urgrolmutter der Weißheit, sie erlebt selten die Geburt ihre» Sprößlings. Bs ist Blasphemie zu klagen, dafl wir wegen unserer heiligen Religion verfolgt werden; im Gegenteil, unsere Religion wird unsertwegen mLBaehtet. Wer jetzt einem anderen eine Grube gräbt, hat eine Goldgrube. Die Assimilation hält das Judentum für ein Rätsel, das aufgelöst werden muH. Man hat im Krieg die Grammatik rerlernt. Dag Gehalt gilt soviel wie der Gehalt, der Verdienst wie das Verdienst. Zur orthodoxen OJeltjugeiidbewegttitg. Bayrische gesetzestreue Jugend. — Der Teplitner Delegiertentag. Eine der schwersten Probleme der gesetzestreuen Bewegung der „Agudas Jisroel" ist vom traditionellen Standpunkte die Jugendbewegung, respektive die Jugendorganisation. Die Frage der jüdischen Jugendorganisation hatte ihre einzige Möglichkeit in der Form, wie sie „Agudas Jisroel" gelöst hat. Es ist ganz einfach jener überlieferte Standpunkt, der in dem Worte lütl Opl TPI DTO "»*Tiro 'IKSD sehr sinnig zum Ausdruck kommt. Es mag das erhabene Vorrecht der Jugend sein, dort zu wirken, wo Kraft notwendig ist im Geiste jener, die den Geist des Judentums erfaßt haben, womit aber noch nicht gesagt ist, daß es nicht in der Empfindungsweit der Jugend Momente gibt, die der reiferen Jugend begreiflich sind und wo das Alter im Zutrauen auf Jugend diesen Gefühlsregungen horchen muß, um den Wechselkontakt nicht .zu verlieren. Wir begrüßen daher mit Stolz die bayrische Jugend, die es war, die im kritischesten Momente des heimatlichen Judentums mit jugendlichem Ungestüm das zum Ausdrucke brachte, was ihr gefühlsmäßig so nahe liegt. Es ist das Gefühl der in sich noch nicht zu jener Reife gelangten Jugend, die es sich nicht erlauben darf, Kompromisse mit anderen Lebensanschauungen einzugehen, ohne Gefahr zu laufen, daß das eigene Prinzip verblasse, Sache der Alten ist es selbstredend, wenn auch unsanft, dem Drange der Jugend Halt zu gebieten oder denselben in die richtigen Bahnen zu lenken, was aber nicht hindert, den gesunden Kern auszuschälen und zu verwenden. In diesem Falle handelt es sich eben um etwas, was gerade bei der ihrer Aufgabe bewußten Jugend viel mehr empfunden wird, als bei dem gereiften in sich abgeschlossenen und der momentanen Notwendigkeit Rechnung tragendem Alter. Für uns ist es ein leuchtendes Beispiel der Selbsterkenntnis und der disziplinierten Konsequenz, daß. uns die bayrische Jugend gegeben hat. Es bleibt für uns alle unverrückbarer Grundsatz, daß keine gesetzestiwe Organisation Kompromisse schließen kann und darf, selbst dort nicht, wo es auf die momentane wirtschaftliche Konstellation günstigen Einfluß hätte. Es zeigt sich immer, daß bei Kompromissen ttDSJlS TÜÜ NIF der momentane Gewinn bei weitem nicht dem durch die Erschütterung des Prinzips verursachenden Schaden, der unwillkürlich zu einer Erschütterung des ganzen Baues führt, wettmacht. In Teplitz werden die Vertreter der slowakischen Aguda in der nächsten Zeit zur Beschreibung der Direktiven für die Partei zusammentreten, und es wird auch dort, wo die Sache wesentlich anders liegt, den Vertretern der Jugend geziemen, in gebührender Form auf durch etwaige Kompromisse entstehenden Unklarheiten aufmerksam zu machen. Die Sache liegt in der Slowakei deshalb anders, weil der Konipromis mit g^setzestreuefen Organisationen, als es die in Deutschland in Frage stehenden sind, geschlossen werden soll. Den Führern, bei denen keine persönliche Gefahr für den Fall eines Kompromisses besteht* sei es wiederholt gesagt, daß jeder Abgang auch nur um ein Haarbreit von der Basis für die Jugend, die Gefahr des gänzliehen Abrutschens birgt. Das heißt nicht Separatismus, sondern Verteidigung des bestehenden und festgegebenen Prinzips, daß nur dann die gemeinsame Basis bilden kann, wenn die Vereinigung auf Grund seiner selbst geschieht. J.-G. Aguda-Jugendgruppe Baden. Sonntag, den 27. Februar, fand im Festsaale der israelitischen'Kultusgemeinde ein Vortrag Bettelheims: „Wir und das amerikanische Judentum" statt. Vorsitzender Jakob Komet begrüßte den erschienenen Herrn Oberrabbiner Reich und den Gast mit einigen herzlichen Worten^ Bettelheim will auch hier der alten guten Tradition entsprechen und den Vortrag mit einem Bibelzitat aus dem Wochenabschnitt beginnen, als die gebotene sinnige Kundgebung, dafl wir alle echte Kraft, Erkenntnis und Richtung aus der Ethik der Thora schöpfen wollen. Das Asse lecho kehillos, kehiüoe (du sollst Versammlung und Versammlung abhalten, damit auch die späteren Geschlechter es lernen), mit welchem unsere Weisen das Titelwort Wajekhel kpmmentieren, wirkt in so wunderbarer Weise schon im vierten Jahrtausend mit wachsender Macht und solcher Unmittelbarkeit. Die echt jüdische Versammlung ist ein Erbteil Mosis (Moroscho kehillos Jaakovv). Der Reiz ihrer Intimität hat schon auf die Römer mächtig gewirkt, sie bleibt immer und überall eine Art Familienrat der Kinder Abrahams, Isaks und Jakobs über die treue, ersprießliche Verwaltung des großen Erbgutes der Thora. Als Textwort ist gegeben: „Sechs Tage sollst du arbeiten —- am siebenten Tag sollst du keine

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