Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1921-03-11 · 9 (11.3.1921) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
9 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2629906-2629916--0183-2631781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 6ö JÜDISCHE PRESSE Nr. 9 voll ins Gewicht falle«. Es erscheint daher notwendig, dal alle Kreise, welche dazu imstande sind, sich dessen bewnflt werden, daß die überflüssig gehamsterten Noten oder sonst aufgesparten Gelder der öffentlichen Verwertung zugeführt werden müssen, sollen wir einen rationellen Abbau der Kotenüberflutung herbeiführen können. Der Ankauf vtm Schatrseheinen empfiehlt sich zu diesem Zweck ganz besonders, zumal dureh eine neuerliehe Verfügung des Bundesministeriums für Finanzen eine höhere Verzinsung in der Weise angeordnet wird, dal jene Schatzsrheine, welche langer als ein Jahr nicht der Kündigung unterworfen werden, mit einem höhoren Zinsenertrag von 0*4 % zurückgezahlt werden. Es ist gar keine Frage, dal diese höhere Verzinsung den Schatzscheinen auch viele Freunde und Abnehmer zuführen werde. C$clKcl)o$lowaket. Präsident Masaryk und der Nobelpreis. Bekanntlich wurd^Btaatspräsident Masaryk für den Friedens- Nobelpreis vorgeschlagen. Das Joint Foreign Committee in London hat nun in seiner letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, worin erklärt wird, daß die Präsidenten des Board of Deputies und der Angfo Jewish Association beauftragt werden, — mit Rücksicht darauf, daß Präsident Masaryk in der Tschechoslowakei stets eine liberale Politik geführt und auch stets den Antisemitismus bekämpft habe* — ein Schreiben an das Nobelpreiskomitee zu richten, um darin die Kanditatur Masaryks für den Friedens- Nobelpreis zu unterstützen. Der Delegiertentag der Agnda-Ortsgruppen der Slowakei ist zufolge der Einberufung des Zentralrates der Aguda für den 29. März (nach Wien) auf den 28. März verschoben und nach Trencsin-Teplitz verlegt worden. Die Lizenzfrage. Am 28. Februar erschienen in Vertretung der Zentralkanzlei der orthodoxen Kultusgemeinden der Slowakei der Präsident Oberrabbiner Kolomann Weber, Vicepräsident Oberrabbiner Simon Hirschler, sowie Sekretär Heinrich Schwartz, im Namen des Volksverbandes der Juden für die Slowakei, Präsidialmitglied G. Ster und Sekretär Dr. Sajö, in gemeinsamer Audienz beim bevollmächtigten Minister der Slowakei. Oberrabbiner Kolomann Weber wies auf die korrekte Erklärung des Ministers hin, die jer im Jänner 1921 ihm gegenüber machte, wonach bei Erteilung der Lizenzen das Glaubensbekenntnis gar keinen Einfluß ausüben könne und der Kommission, die die Lizenzen zuteilt, eine diesbezügliche Weisung gegeben wurde. Er wurde daher ersucht, die diesbezügliche Erklärung zu konkretisieren. Die Deputation überreichte dem Minister das gemeinschaftliche Memorandum beider Organisationen. Der Herr Minister hat die Frage mit der Deputation eingehend besprochen und erklärt, daß er selbes dem Ministerialrat Schlemmer übermitteln werde mit der Weisung, die gerechten Forderungen des Judentums der Slowakei mit der diesbezüglichen Generalverordnung in Einklang zu bringen und ersuchte die Erschienenen, diesbezüglich beim Ministerialrat Schlemmer vorzusprechen. Am 3. März 1921 erschienen die Obgenannten beim Herrn Ministerialrat Schlemmer, haben diese Frage eingehend beraten und schließlich auch seitens des Herrn 'Ministerialrates die Versicherung erhalten, daß die jüdischen Lizenzinhaber resp. diejenigen, die von denselben leben, volle Berücksichtigung finden werden und wurden die Herren beauftragt, die bei ihnen einlaufenden Gesuche und Beschwerden genau zu überprüfen und begutachtend der Kommission vorzulegen. Herr Oberrabbiner Weber erwähnte auch jene Lizenzinhaber, die koscheren Wein verschleißen, auch bezüglich dieser zeigte Herr Ministerialrat Entgegenkommen. Sijum. In Mildau-Sepsi fand am Purim-Koton ein Sijum-hachaß statt, an welchem mehr als 60 Mitglieder teilgenommen haben. Die Eröffnungsrede hielt der Oberrabbiner von Torna in der Synagoge in eindrucksvoller Weise. Während des Banketts sprachen Rabb. David Guttmann (Torna), Rabb. Elia Löwy (Jasso), Rabb. Samuel Tennebaum (Torna), Rabb. J. Haas (Mildau), Rabb. Joel Salzmann (Buzila), Rabb. MordechaiN.Tennebaun\(Czäny), Rabb. Salomo Tennebaum (Jasso), Rabb. Mordechai Krämer (Torna), Rabb. David Grünberg (Lanz). Die Szudas Mizwa dauerte bei ausgezeichneter Diwre Thora bis spät morgens. In* die Leitung der Chass-Chewra wurden einstimmig gewählt: Rabb. Israel Rottenberg (Mildau), Rabb. Isak Haas (Mildau), Rabb. Elia Löwy (Jasso), Rabb. Joel Salzmann (Buzila). Die Chewra hat für ihre Bibliothek Ghass und Riff angekauft. Trauung. Die Trauung des Herrn Natan Wessely, Sohn Sr. Ehrwürden Herrn Rabbinatsassessor R. David Wessely (Bratislava) mit Fräulein Regine, Tochter des Herrn Simon Strauß (Wien) findet am 15. März, 1 Uhr nachmittags, in der Schiftschul (Wien) statt. Wir warden nm Veröffentlichung felfeafer Zeile« ersaca*: P. T. leb offeriere Ihnen unter Aufsicht des Prelburgev oriho" 4oxen israelitischen Oberrabbinates aus rumänischem Steinsalz feinst gemahlenes TaffClMli nDD StP be* Abnahme von mindestens 10 Meterzentner zum Preis Ton K 240*— per 100 Kilogramm inklusive neuer Sacke. Ich ersuche Sie, mir Ihren werten Auftrag prompt m überschreiben, da ich später einlangende Ordre« nicht berücksichtigen könnte, um so mehr, als »ein Vorrat in Steinsaln zur Neige geht. HochaehtungToll Max Lelterstforf Bratislava. »Zukunft*, „Fortschritt" und der palästinensische „Haaretz*. Jüdische Kunstausstellung. Das Redaktionskomitee »Tel Awiw" veranstaltet in Lodz, im Einvernehmen mit einer Gruppe jüdischer Maler, eine jüdische Kunstausstellung, die voraussichtlich vom 15. März bis 15. April stattfinden wird. Das Präsidium,, bestehend aus Dr. Braude, Bromberg-Byfkowski und Dr. Rosenblatt ersucht in einem Aufruf alle jüdischen Künstler, betreffs eventueller Ausstellung ihrer Bilder mit dem Komitee in Verbindung z» treten. Litauen. Jugoslawen. Anerkennung der Jeschiwoth als jüdische Theologische Institute. Wie dem jugoslawischen „Jüdischen Volksblatt" aus Belgrad berichtet wird, hat das Finanzministerium im Einvernehmen mit dem Kultus- und Kriegsministerium angeordnet, daß in Zukunft jeder Theologie-Studierende den Beweis seiner Studienfortsetzung alle sechs Monate bei seiner zuständigen Militärbehörde erbringen muß. Das Zeugnis wird die Theologische Anstalt, ausstellen und muß mit den vorgeschriebenen Stempelgebühren versehen sein. Als jüdische Theologen werden die Bachurim der Jeschiwoth anerkannt, ihre Zeugnisse müssen jedoch vom Grandrabbiner Dr. Jsac Alcalay unterschrieben sein. Deutschland. Sachverständige zur Beratung der Pariser Beschlüsse» Die Deutschvölkische Arbeitsgemeinschaft München protestiert bei der Reichsregierung dagegen, daß in den Ausschuß von Sachverständigen zur Beratung der Pariser Note unter neun Mitgliedern, soweit durch die Presse bisher bekannt geworden, sieben Juden sich befinden. Ferner dagegen, daß unter den Persönlichkeiten, die nach London gehen sollen, sich drei Juden befinden. Sie verlangt, daß Deutschland bei der über unser Schicksal entscheidenden Konferenz durch Helden, und nicht durch Händler vertreten werde. (!) Büuber in der Synagoge. Ein Raubüberfall vrurde in der Synagoge der Schönebecker a. E. jüdischen Gemeinde verübt. Ein junger Mann überfiel im Hausflur des Tempels den Rabbiner Dr. Galandt, schlug ihn ins Gesicht, würgte ihn und entriß ihm die Brieftasche mit Inhalt. Er entkam unerkannt. Beleidigungsklage. Rabbiner Dr. Rosenak aus Bremen reröffentlichte eine Schrift „Wahrheit und Gerechtigkeit, ein Betrag zur Volksaufklärung", die den Zweck verfolgte, die von antisemitischer Seite gegen das Judentum erhobenen Anklagen zu entkräften. Die Schrift fand weite Verbreitung. Der „Völkische Beobachter" brachte darauf einen vom Schriftsteller Franz Prhr. t. Leoprechting verfaßten Artikel „Wahrheit, ein offener Brief an den ^Rabbiner Rosenöle", in dem den Darlegungein der Schrift entgegengetreten und dem Vertasser Heuchelei. Scheinheiligkeit, Frechheit, mangelnde Wahrheitsliebe vorgeworfen wird y der Artikel stellte in Frage, ob der Name Dr. Rosenak der wahre Name des Verfaesers sei oder nicht, es wurde der persönliche Mut Dr. Rosenak« bezweifelt. Wegen dieses Artikels stellte Dr. Rosenak gegen Freiherrn v. Leoprechting und den Schriftleiter des „Völkischen Beobachter", Hansjörg Maurer, Beleidigungsklage, die mit der Verurteilung wegen übler Nachrede zu je 100 Mark Geldstrafe endete. AEs wurde die Publikationsbefugnis im „Völkischen Beobachter" zugesprochen. Das Gericht stellte in seinen Gründen fest, daß die Beweisaufnahme nichts ergeben habe, was die Behauptung rechtfertige, daß der Privatkläger bewußt falsche Behauptungen aufgestellt habe. Die Vorwürfe seien schwer, doch sei als mildernd in Betracht zu ziehen, daß sie gebraucht worden seien bei dem Versuche, die Darlegungen der Schrift des Privatklägers zu widerlegen. Distriktsrabbiner Dr. Cohn in Icfcenhausen feierte seineu 80. Geburtstag unter innigster Anteilnahme weitester Kreise. Es waren die Vertretung der Kultusgemeinde, des Stadtmagistrats mit dem 1. und 2. Bürgermeister au der Spitze, der katholische Stadtpfarrer und eine Abordnung der evangelischen Glaubensgemeinde erschienen. Der erste Bürgermeister ließ durch einen Beamten der Ortspolizei einen prachtvollen Blumenkorb im Auftrage des Stadtrates nach einer Ansprache überreichen. Desgleichen brachte auch der Herr Stadtpfarrer seine Glückwünsche noch einmal persönlich zum Ausdruck. Der evangelische Hilfsgeistliche aus Gunzburg hatte schriftlich gratuliert. Pole«. Gegen Jiddisch. Auf Anordnung des Innenministers, wurde die vom Schulinspektor erteilte Erlaubnis auf Eröffnung einer jüdischen Volksuniversität in Czenstochau zurückgezogen mit der Motivierung, daß jede Kontrolle und Inspizierung der betreffenden Institution infolge der jiddischen Vortragssprache unmöglich sei. Illegale Zensur. Obgleich bekanntlich die Briefe der Abgeordneten keiner Zensur unterliegen, konnten die Abgeordneten Grünbaum und Thon feststellen, daß ihre aus dem Auslande eintreffenden Briefe von der Zensur geöffnet zu werden pflegen. In Beantwortung ihrer diesbezüglich an das Kriegsministerium wie auch Postministerium gerichteten Anfrage, schiebt ein jedes dieser Ministerien die. Schuld dafür dem anderen zu, so daß nicht festzustellen ist, wer tatsächlich an dieser Gesetzesverletzung die Schuld trägt. Der Leiter der Joint Zentrale für Polen, Rabb. Kowalski, ist nach Amerika zurückgekehrt. Ale provisorischer Leiter fungiert Zukier. Verbotene Zeitungen. Von weiteren laut den Lemberger Amtsblatt „Gazeta Lwowska" verbotenen Zeitungen seien erwähnt: Die amerikanischen „ Haibri", KonferenE der jüdischen Landwirte. Am 20. Februar fand in Kowno unter großer Beteiligung die Eröffnung der ersten Konferenz der jüdir sehen Landwirte. Litauens statt. Schweix. Die schweizerische Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler „Haruach" (Zürich, Geßner-Allee 52) hat mit der Herausgabe einer Anzahl von Postkarten, Werke ihrer Mitglieder enthaltend, begonnen. Die erste soeben erschienene Serie, bringt 2 Skulpturen Prof. Glicensteins, eine» Holzschnitt und eine Bleistiftzeichnung Gregoire Rabinowitchs und zwei Oelgemälde Alexander \Watins. Der Erlös der Karten, die pro Serie 2 Frcs. Kosten, fällt dem Hilfsfonds des „Haruach" zu. Aguda-Versammlung. Mittwoch den 23. Februar fand in Zürich ein Vortrag des Herrn Dr. Hoffmann aus Frankfurt a. M. statt. Redner kennzeichnete die Aufgaben, welche der Aguda in Erez-Israel erwachsen. Nach dem glänzenden Referate sprach Herr Rom (Misrachist) über die Leistungen des Misrachi in Palästina. Dr. Schaber (Zionist) drückte die Anerkennung über die Bestrebungen der Aguda in Palästina aus. Amerika. Das pogromierte Sefer-Thoio. Die „ Jewish Gazette" sohreibt: Ein pogromiertes Sefer-Thoro ist kürzlich nach New York gebracht worden. Es stammt aus einem zerstörten Bethause in der Ukraine. Die erschütterndsten Klagen, Wehrufe und Proteste des so gemarterten ukrainischen Judentums vermögen nicht so deutlich zu rufen und anzuklagen, wie diese heilige, zerrissene, getretene und von jüdischem Blute befleckte Thora. Sie klagt die bestialische BalachowUz- Soldateska nicht nur eines furchtbaren Verbrechens •gegen Juden an, sondern der größten Schandtat, die jemals an der Menschheit begangen werden konnte.. Die von G-tt dargereichte Thora, das Fundament aller Menschlichkeit, ist durch Kämpfer für die „Zivilisation" freventlieh pogromiert worden. Nichts vermag besser diese „hohe Zivilisation" zu brandmarken, als diese schreckliche Schandtat. Mazzothmehl für Wien und Bratislava. New York, 8. Februar. Der Herausgeber der „J. P. Z.a berichtet: Von den 27.000 Säcken Mazzothmehl, die das Joint Distribution Gommittee nach Europa versendet, geht heute die erste Sendung mit dem Dampfer „President *Wilson" nach Triest ab. Davon gehen 5000, die für Oesterreich bestimmt sind, nach Wien, 2000 für die Slowakei nach Bratislava, 2000 für Ungarn nach Budapest, 3000 für Deutschland nach Hamburg. Die übrigen 15.000, die für Polen bestimmt sind, gehen noch diese Woche nach Danzig ab, wovon jedoeh 3000, die für Litauen bestimmt sind, nach Wilna abgegeben werden sollen. Um das Zustandekommen dieser Sendung haben sich besonders verdient gemacht die Herren Morris Engelman, Finanzsekretär, und Leon Kamaiky, Ghairman des Zentral Relief Gommittee, und Albert Lucas, Sekretär des Joint Distribution Gommittee. Rabbiner Dr. Klein und Rabbi Margulies haben in Anwesenheit des jetzt in Amerika weilenden Oberrabbiners Samuel Reich aus Verbo und des Herausgebers der „J. P. Z." eine Inspektion der größten amerikanischen Mühle vorgenommen, »wo die Vermahlung des Mehles unter strenger Aufsicht und mit den neuesten technische» Hilfsmitteln vorgenommen wurde. Das Mehl wurde zur rituellen Aufsicht an die Adressen der orthodoxen Rabbiner Fürst (Wien), Schreiber (Bratislava) und Spitzer (Hamburg) abgesandt. (Die „Jüdische Volkszeitung8 bezeichnet diese Sendung des Joint als eine der ersten Aktionen des Rabbi Reich. Wem soll das eingeredet werden?) Protest gegen die Einwanderangsbeschränkung. Der Herausgeber der „J. P. Z.a berichtet: Am 13. Februar fand im Hippodrom das 12. Jahresmeeting „Hias* statt, das .zugleich als Protestversammlung gegen die geplante Einschränkung der Einwanderung gedacht war. Die Protestresolution, in der verschiedene Forderungen erhoben werden, wurde von den Anwesenden — über 5000 an der Zahl — einstimmig angenommen. Viele Tausende konnten wegen Platzmangel, der Versammlung nicht mehr beiwohnen. Protestreden wurden von Rabbi Stephen Wise und Masliansky gehalten. Der Präsident der tHias", Bernstein, verwies darauf, daß wahrend der letzten 40 Jahre 2,064.672 jüdische Immigranten, 8 Prozent aller Einwanderer, nach Spendet für die ]ugendgruppB!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.