Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 8 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 58 JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 Bekleidungs-Verein für arme Kinder, Dunajska- Streda (Duna-Szerdahely). Im verflossenen Jahre hat dieser segensreich wirkende Verein 65 Kinder bekleidet. Dies war mir durch Material- und reichliche ~ Geldspenden möglich. Die Einnahmen des Vereines waren Ko. 10.787-52. Ferner hat die Firma Lichtmeß & Weiner, Brünn, 30 Meter Futterstoff gespendet und alle Waren zu reduzierten Preisen geliefert. Die Firmen Brüder Stiaßny, Brünn : (Gustav Weinberger. Brünn; Barth, Raab und Fleischmann, Bratislava, spendeten Tuchwaren. An der Spitze des Vereines stehen: Josef Büschitz, Präses: Sändor Tauber. Vizepräses: Ignatz Wimmer, Sekretär: Michael Herzfeld, Kontrollor; Salamon Paschkusz, Josef Krakauer, Kassiere; Marlon Hirschler. Emil Büschitz, Adolf Breuer. Paul Wosner, Moritz Weiner, Samuel Löwy, Moritz Paschkusz. Ignatz Lewitusz, Miksa Goldstein, Franz Porgesz. Adolf Grünwald, Moritz Fleischmann, Sigmund Stern. Josef Engel, Ausschußmitglieder. In jeder Hinsicht! Die Prager Zionisten — eine Klasse für sich! — kündigen eine weißblaue Maskenredoute an, welche — nach dem Wortlaute des Kommuniques „in jeder Hinsicht den Höhepunkt der heurigen Ballsaison* bilden wird. Anmeldungen sind an das zionistische Zentralburcau, Rosengasse 24, zu richten. Das Komitee besteht aus ,den ersten Kreisen" der jüdischen Gesellschaft XVIII. Jahresbericht des Vereines „Wohltätigkeit". Diese mustergültige philantropische Institution, an welcher sämtliche jüdische Schattierungen Bratislavas Anteil nehmen, weist in diesem Jahr einen neuerlichen«Fortschritt in ihrer Entwicklung auf. Der Verein „Wohltätigkeit" gewährt zinsenfreies Darlehen an mittellose Händler und Gewerbetreibende. Die Mitgliederzahl ist in diesem Jahre von 473 auf 527, die Zahl der bewilligten Darlehen von 151 auf 167 gestiegen und der Betrag der Darlehen auf Kö 97.478-— gegen Kc" 52.tf40'— des Vorjahres. Das Budget 192Ö betrug Kö 207.908-—. Das Vermögen des Vereines macht Kc 168.735*55 aus. Der Vorstand besteht aus den Herren: Emil Popper, Präses; Adolf Reiß und Moritz Wasservogel, Vizepräses; Oskar Adler, Max Herzfeld, Schriftführer: Adolf Hermann, Kassier; Hermann Winter, Kontrollor -, Friedrich Duschinsky, Ehrenmitglied; Dr. Joset Braun, Jakob Duschnitz, Josef Fischer sen., Josef Fischer jun., Sigmund Förnheim Heinrich v. Frank], Markus Fürst, David Kraus, Josef Kaltmann, Dr. Sändor Märton, Fülöp Neumann, Sändor Neurath, Dr. Gyula Reiß, Max Reiß, Moritz Rosenbluth, Nathan Rosenzweig, Josef Schrecker, Isidor Senft, Heinrich Stahler, Arthur Steiner, Ludwig Wiener und andere, Ausschußmitglieder. Jüdische Leihbibliothek der Agudas Jjsroel in PresoT. An unsere Freunde und Gönner ergeht die höfl. Bitte, uns die Jahrgänge 908 und 911 des „Israelit* zu spenden oder zu verkaufen. Ebenso ersuchen wir alle Jugendgruppen, uns mit Geld- oder Bücherspenden zu unterstützen. Spenden sind zu senden an Frau David Müller, Preöov, Masarykowa 121. Ungarn. Chaluz-Kabaret. Das frohe Ereignis des Ghaluz- Kabaret, das wir in der vorigen Nummer mit gehöriger Würdigung avisiert haben, hat am 20. Februar in Budapest stattgefunden. Ilonka Lustig deklamierte, Lilly Kremer spielte ein kleines Lustspiel, Franz Rott und Kaiman Latabär entzückten als englische Solotänzer, Ilonka Kertesz sang die Santuzza. „Nach dem Kabaret", berichtet die wackere „Zsidö-Szemle" treuherzig, „amüsierte sich das * dankbare Publikum beim Tanze und der Schönheitskonkurrenz." Glückliches Budapester Judentum! Deutschland. Gegen das Diktat der Pariser Konferenz. Der Landesverband Bayern im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt folgende Kundgebung: „In der schweren Not, in die Deutschland durch die Pariser Beschlüsse versetzt wurde, ist Einigkeit aller Deutschen dringend geboten. Die im Landesverband vereinigten bayrischen Juden wissen sich einig mit den aus tiefem vaterländischen Gefühle hervorgegangenen Protesten gegen die Deutschland angesonnene Schmach, gegen die drohende Verknechtung seiner Bevölkerung und Erdrosselung seiner Wirtschaft. Wir lassen uns in unserem Widerstand dagegen auch nicht dadurch beirren, daß vereinzelt und unbefugt antisemitische Sonderbestrebungen in die großen Volkskundgebungen hereingetragen wurden. Um der gemeinsamen Sache willen bitten wir, alles zu vermeiden, was die Einheit und Geschlossenheit aller Deutschen stören könnte." Die Unabhängigen für den Austritt aus dem Judentum. Aus Kreisen der Unabhängigen Sozialdemokratie schreibt man dem ,Evangelischen Pressedienst", der in seiher Wochenausgabe vom 1. Februar die Nachricht wiedergegeben hatte, daß die U.S.P.D. von ihren Vertretern "in öffentlichen Körperschaften den Austritt aus ihrer Religionsgesellschaft verlange, daß jedoch diese Forderung nur gegenüber Christen, aber nicht gegenüber jüdischen Parteiangehörigen durchgeführt werde, folgendes: „Es ist zwar richtig, daß die Juden in der U.S.P.D. diesem Beschluß der Groß-Berliner Parteigruppe bisher nicht nachgekommen sind. Sobald dies aber herauskam, sind sie darüber zur Rede gestellt worden. Die Verhandlungen danüber, die zurzeit noch nicht völlig abgeschlossen sind, beweisen aufs deutlichste,, daß keine Rede davon sein kann, daß der Kampf der Berliner Arbeiterschaft nur den christlichen Religionsgesellschaften gilt. Es ist ganz sicher darauf zu rechnen, daß in der nächsten Vollversammlung der Groß-Berliner Funktionäre jener Beschluß ausdrücklich auch auf die Juden ausgedehnt werden wird." Polen. Koscb,er-Pferdefleisch. Ein jüdischer Fleischhauer in Warschau ist bei der Zufuhr von Pferdefleisch in seine Koscher-Fleischbank ertappt worden. Es hat sich herausgestellt, daß der Fleischhauer im Einvernehmen mit der koscheren Wurstfabrik K. gehandelt hat. Diese Manipulation soll bereits den ganzen Winter hindurch bestanden haben. Aguda und die Teuerung. Kürzlich fand in Lublin eine von der „Schlome Emunas Jisroel" einberufene Versammlung, zwecks Organisierung einer Hilfsaktion zugunsten der notleidenden jüdischen Bevölkerung. An der Versammlung nahmen angesehene Personen verschiedener Parteien teil. Es sprach unter anderen auch Rabbiner Jehoschia Igr, der das Elend in der jüdischen Gasse in bewegten Worten schilderte. Es wurde dann ein i2gliedriges Komitee für rasche Hilfe gewählt. Polizeiverordnung über jüdische Leichenbegängnisse. Mit Rücksicht darauf, daß bei einem jüdischen Leichenzuge in den Warschauer Gassen die Teilnehmer von Gassenbuben belästigt und ausgepfiffen wurden, verordnet der Polizeikpmmandant, daß die Polizeiorgane künftighin bei solchen Anlässen energischer einschreiten. Litauen. Dank der Rabbonini an den Central Relief. Die litauische Assifas horabbonim sendete an das „Central Relief Committee" ein Danktelegramm für seine Hilfe zum Aufbau der Jeschiwos. Die Assifo beschloß auch, die Durchführung einer Aktion zur Sammlung von Geld für den gleichen Zweck im eigenen Lande. . Rumänien. Die Regelung der Staatszugehörigkeit. Die rumänische Regierung hat die Frage der Staatsbürgerschaft in den neuen rumänischen Provinzen in Uebereinstimmung mit dem Friedensvertage von Saint Germain gelöst. Das Ministerium des Innern hat ein Dekret herausgegeben, laut welchem sämtliche ehemaligen Staatsangehörigen der österreichischungarischen Monarchie, die am 25. September ihren ständigen Wohnort in einem der Rumänien angegliederten Länder hatten, als rumänische Bürger anerkannt weiden. Rußland. Die Versorgung mit Mazzos. Der Vertreter des allrussischen jüdischen .Hilfskomitees Dr. Dubrowski äußerte sich über die Möglichkeit der Mazzos-Sendungen für Juden in Rußland und der Ukraine wie folgt: Private Personen werden keile Mazzos schicken können, wohl aber ganze Organisationen für ganze Städte und .Städtchen. Das Moskauer jüdische Hilfskommittee werde dafür sorgen, daß beim Mazzosbacken alle Gesetze des Kaschrus beobachtet werden. Es werden alle Mitte! angewendet werden, damit die Verteilung der Mazzos und des Pessach-Mehies zur richtigen Zeit erfolge. Palästina. Palästina als Cabakland. Am 1. März 1921 wird das Zigarettenmonopol in Palästina aufgehoben. Die Tatsache ist offiziell bekanntgegeben worden. Es wird damit ein türkische« Hoheitsrecht als erledigt betrachtet, noch ehe der Friedensvertrag mit der Türkei ratifiziert wurde. Tatsächlich unterstand das Monopol der Dette publique. Seine Einkünfte waren vorzugsweise französische« Gläubigern verpfändet. Verhandlungen mit dieser* Gruppe müssen also der Aufhebung des Monopols vorangegangen sein. Ueber ihren Gang und über das Inhaltliche der Vereinbarungen aber fehlen alle Nachrichten. Nur soviel steht fest, daß bei der Aufteilung der türkischen Schuld unter die Sukzessionsstaaten eine Summe der Abtretung des Monopols gelten wird. Entscheidend für diese frühzeitige Maßregel war weniger die Abneigung Englands, das Palästina vollkommen als Kolonialland betrachtete, gegen alle Monopole, als der Wunsch, in dieser außerordentlich schwierigen „Kolonie" die wirtschaftliche Initiative der Bevölkerung anzuspornen. Ein Monopol wäro ohnehin in einem Lande nicht zu halten^öas an der Beschaffung des Rohprodukts, des Tabaks, auf das Ausland angewiesen wäre. Das ist etwa die gleiche Ueberlegung, die jüngst in Schweden den sozialistischen Vorschlag eines Zigarettenmonopols zu Fall gebracht hat. Für Palästina stellen sich die Dinge vorerst so, daß es auf die mazedonischen, und kleinasiatischen Tabake angewiesen bleibt, und daß die heimische Zigarettenindustrie gegen die andrängende Konkurenz des Auslandes, besonders Aegyptens, durch ein Banderolesystem geschützt werden wird. In der Folge wird sich zeigen, ob die auf Palästina gesetzten Hoffnungen berechtigt waren. Tabak ist schon vor 15 Jahren in jüdischen Kolonien gepflanzt worden. Das Ergebnis befriedigte nicht. Fachleute schreiben die Schuld der unsachgemäßen Weiterbehandlung der Blätter zu. Die Methode der mazedonischen und südrussischen Bearbeitung und Formation war zu mechanisch auf ein Gebiet angewandt worden, dessen klimatische Verhältnisse eine prinzipielle Modifikation des Prozesses notwendig mache«. Sie hätten sich fraglos nach wenigen Jahren der Erfahrung ergeben. Aber da die R.egie als Besitzerin aller Tabake kein besonderes Interesse an der neuen agrikulfurellen Industrie hatte, so unterblieben alle weiteren Versuche. Nur hie und da züchtete eim arabischer Bauer einige Tabakpflanzen, die für seinen eigenen Gebrauch und seinen unverwöhnten Geschmack genügten. Jedenfalls war damit der Beweis erbracht, daß brauchbarer Zigarettentabak im Lande sei, und es wird bei der ungewöhnlichen Variationsbreite der palästinensischen Bodensorten und Klimate in hohem Grade wahrscheinlich, daß ein planmäßiges Vorgehen Erfolge zeitigen wird. Ein Studiensyndikat ist gegründet worden, das an etwa 30 verschiedenen Plätzen die hochwertigsten mazedonischen Sorten aussetzen wird. Mit der Bestellung des Bodens soll im Februar begonnen werden. Gelingen die Versuche, bringen sie in Analogie der palästinensischen Orangen. Bananen und Tomaten die Besonderheit der Frühreife und des Aromas, so weisen sie einen neuen Weg der wissenschaftlichen Erschließung eines Lahdes, das wie keins der östlichen Mitelmeergebiete unter der vierhundertjährigen türkischen Raubpolitik gelitten hat. („Vossiscte Zeitung") Der Vorstand der Aguda-Zentrale in Wien macht den Landtagsabgeordneten Stricker darauf aufmerksam, daß im „Hazefira" und in anderen Blättern, im Namen des Herrn Stricker die Nachricht verbreitet wird, als ob er die Mitteilung gemacht hätte, daß die Wiener Aguda-Zentrale bei der österreichischen Regierung die Ausweisung der Ostjuden verlangt hätte. Der Vorstand der Agudä hält es für unglaublich, daß ein Mann von verantwortlicher Stellung, wie Ing. Stricker, eine solche mit den Tatsachen im diametralen Gegensatze stehende. Verleumdung verschuldet hätte; ersucht aber den Landtagsabgeordneten Herrn Stricker hiemit dringend um Aufklärung. -^M^- ßeRrolog* Philipp Hofbauer s. A. Ein guter alter Name ist von dem Buche des Lebens in das Buch der Erinnerung übertragen worden. Der Name Hofbauer bedeutet hier einen Lebensinhalt der unerschütterlichen Hingabe zur alten Tradition. Auch der nunmehr Verewigte, der die Sewo towo von.^6 Jahren erreicht hat, war ein treuer Wächter der Thora und die Synagoge „Emunas Owosu in der Storchengasse, der er lange Jahre hindurch vorgestanden ist, blieb unter seiner Leitung eine Oase der Glaubenstreue in der Wüste der Großstadt. In ihm verlieren die Herren Bernhard und Moritz Hofbauer in Wien und Herr S. Hof bauer (Bratislava) den treuen Bruder. Der Verblichene hatte sich jede offizielle Trauerrede letztwillig verbeten. Verwandte und Freunde sprachen daher wenige, aber herzliche Worte des Abschieds. Es sprachen Hen Bernhard Hofbauer, der Neffe Rabbiner Flesch, Aerr Moritz Felsenburg, Herr Dr. Unterberg. Herr Hirsch und einer seiner Balbatim. rD3MD R. Bunem Paschkusz senior, s. z. 1. Die altehrwürdige Gemeinde von Dunaszerdahely ist in Trauer gehüllt. Einer ihrer Besten, Reb Bunem Paschkusz, ein Sproß der weitbekannten autochthonen Dunaszerdahelyer Familie, der Sohn des „alten Galantaer Raw", wie sein noch in der liebevolle* . Erinnerung des Volkes lebender Vater Rabbi Eleazar Paschkusz-Galanta hieß, ist uns jäh entrissen worden. Issachar und Sebulun in einer Person, hochgeachteter großer Kaufmann und gründlicher Talmudgelehrter, Socher und Bal-me-chaber, war er seit Jahrzehnten der Mittelpunkt des Szerdahelyer Judentums; strengstes traditionelles Zidkus, vornehme patriarchalische Hausführung zeichneten ihn aus. Das Leichenbegang-