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Jüdische Presse · 1921-02-25 · 7 (25.2.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
7 (25.2.1921)
Date
1921-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 JÜDISCHE PRESSE Seite 49 mi$racbi «na flpda ist die Spitzmarke, unter welcher I. Fr. seine Betrachtungen an die zwei Organisationen knüpft. Immerhin sind es keine objektiven Betrachtungen, wie es jedem ehrlichen Juden erwünscht wäre. Wir kennen Herrn I. Fr. von dem ungekürzen Jakob Friedmann her, der uns seit der „Schande", die er ebenfalls in der „Morgenzeitung0 gegen die Organisationverbrochen hat, gegenwärtig ist. Nun müssen wiederum die „widerlichen Getthoindividuen" herlaalten. Es wäre dies ein recht amüsantes Geschäft, wenn nur Gehässigkeit und Verdächtigung aus dem Aufsatz über Misrachi und Aguda zu uns „erbärmlichen Getthogewächsen sprechen wollte, denn, das muß man zugeben, die Gehässigkeit des I. Fr. hat. eine erquickende Frische der Gassenjungen. Bedenklicher ist es aber diesmal, wo I. Fr. zum ersten Male nicht nur gehässig, sondern auch lehrhaft auftritt. Um die Unrichtigkeit unseres Standpunktes klarzulegen, belehrt er uns und bringt für seine These Beweise, vor allem ein Beispiel aus dem Leben gegriffen: Selbst der frömmste Jude fragt nicht nach der Gesinnung des Rechtsanwaltes, den er zu einer schwierigen Gerichtsverhandlung braucht, sondern rielmehr nach dessen juridischen Fähigkeiten." L. Fr. scheint als Freund bedeutend unangenehmer zu sein, als als Feind. W i r sind wohl ehrliche und offene Gegner des Zionismus, aber wir erblicken in ihm eine geistige Dichtung, eine Weltanschauung, die seit 20 Jahren den grandiosen Versuch macht, die Judenheit auf Grundlagen zu stellen, die uns mit der überlieferten Auffassung des Judentums schlechthin nicht in Einklang gebracht werden können. Es blieb Herrn I. Fr. vorbehalten, in den Zionisten bloß Advokaten zu sehen, die wohl ohne Mandat den Prozeß des jüdischen Volkes vertreten, aber umso größere Expensnoten präsentieren. Es scheint dieses Beispiel Herrn 1. Fr. auch nicht ganz beweiskräftig zu sein, deshalb scheint er nicht nur aus dem Leben, sondern auch aus der Lehre einen Beweis zu bringen. Selbstverständlich logisch wäre der Beweis nur dann, wenn aus dem zitierten Vers Exodus 18/25 und aus dem zitierten Kommentar von Rabenu Obadju sicher erweisbar wäre, daß Moses tüchtige Männer erblickt hätte in Männern, die die Lehre, der er sein Leben geopfert, als nicht verbindend für das jüdische Volk betrachtet hätten. Daß man nebst der Voraussetzung, daß man diese Lehre als einziges Lebensregulativ akzeptiert, auf Tüchtigkeit geschaut hat, ist der Sinn des angezogenen Kommentars. Wenn man sich von der Lehre lossagt, wenn man unsere Thauro Hakdauscho als Nebensache, als Privatsache des Einzelnen betrachtet, so soll man sie wenigstens nicht entweihen, indem man aus ihr beweisen will, dajß'auch jene tüchtig erscheinen können, die diese Lehre als Lebenslehre nicht akzeptieren wollen. Wir werden nie eine Belehrung über jüdische Weltanschauung, eine Lehre über jüdische Ehre und Würde entgegennehmen von einer Stelle, die öffentlch, wie das die „Morgenzeitung" tut, mit Nichtachtung sich über die Heiligkeit des Schabbostages hinwegsetzt. Das gilt hauptsächlich für die redaktionelle Belehrung, die den Aufsatz einleitet. Auch dann nehmen wir keine Belehrung entgegen, wenn der Versuchgemacht wird, dies aus der Thauro Hakdauscho selbst beweisen zu wollen. Und wenn wir jetzt selbst lehrhaft auftreten wollen, so mögen wir nur bemerken : Herr I. Fr., bleiben Sie lieber bei der früheren Art der Gehässigkeit, die steht Ihnen ganz gut, aber treten Sie nicht lehrhaft auf, denn dazu muß man doch andere Qualitäten haben. Wir glauben, daß nicht nur der frömmste, sondern auch der dümmste Jude es ablehnen würde, einen Advokaten zu nehmen, der für seine Vertretung nicht nur eine gemessene Entlohnung, sondern auch das Recht in Anspruch nehmen würde, Weltanschauung, Ueberlieferung, Kindererziehung und die Erhaltung des gesamten jüdischen Lebens des Klienten gewaltsam auf Grundlagen zu stellen, die dem Vertretenen zuwider£sind. J- Kritische Rundschau. Der Coup der „V. J. P." Ende Dezember hat der nach Piestany einberufene Delegiertentag der sogenannten Vereinigten Jüdischen Parteien einstimmig den Beschluß erbracht, daß das Parteiorgan, die wunderliche „Jüdische Volkszeitung", weder jüdischnationalistische noch zionistische Propaganda machen dürfe, sondern daß es sich ausschließlich allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Fragen des Judentums gewidmet halten solle. Diesem Beschlüsse sind energische Forderungen einzelner Redner vorausgegangen, wonach die jüdisch-nationale Politik im Interesse des einheitlichen Wirkens des Gesamtjudentums gänzlich auszuschalten sei. Die gewählte Exekutive 5 hat diesem Beschluß in einer kühnen Weise zuwider gehandelt, die erst begreiflich wird, wenn man erfährt, daß diese Exekutive sich bereits mit gutem Glücke früher versucht hat, die politische Unreife ihrer Partei auf ähnliche Proben zu stellen, ohne dabei Schaden zu erleiden, und man muß daher zugeben, daß die Delegierten des letzten Parteitages nicht das Recht haben, sich betrogen zu fühlen. Denn diese Delegierten, Avelche nicht die politische Reife oder den Mannesmut besessen haben, die Exekutive der „V. J. P.« wegen der Verletzung der Beschlüsse des letzten Parteitages in Piestany vom 3. Februar 1990 zur Rechenschaft zu ziehen, durften wohl voraussetzen, daß die straflos ausgegangene Exekutive ihren neuerlichen Beschlüssen der letzten Tagung keine höhere Respektierung bezeugen würde, und die Delegierten dürften gar nicht empört sein, daß die auf das Programm der Ausschaltung der jüdisch-nationalistischen Politik gewählte Exekutive sofort nach der Tagung die radikalste jüdisch^nationalistisc^he Politik inauguriert hat. Wir versuchen es gar nicht, den Vorsitzenden der Piestanyer Tagung an seine unabweisliche Pflicht zu erinnern, den Beschlüssen der Tagung Geltung zu verschaffen; wir halten es ebenso für zwecklos, die Delegierten zu befragen, ob sie es mit der durch sie vertreten sein sollenden Ehre des Judentums, ob sie es mit ihrer Mannesehre vereinbar halten, Mitwirkende an einer Posse zu sein und ihre Kongresse, ihre Exekutive, ihr Organ zu einer Parodie bestehender politischer Formen zu gestalten, denn wir nehmen es seit Jahren wahr, daß bei der „V. J. P." der persönliche Erfolg alles gilt und jedes Mittel heiligt. Infolge des einstimmigen Beschlusses der Piestyaner Tagung, daß die Vereinigte Jüdische Partei und ihr Organ die jüdisch-nationalistische Propaganda einstellen werde, haben die leitenden orthodoxen Kreise ein Zusammengehen mit der „V. J. P.» in einzelnen sozialen oder wirtschaftlichen Fragen, ferner in allen Dingen, welche eine Verletzung der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden bedeuten, für zulässig erachtet und Verhandlungen geflogen. Die „ V, J. P.u hat dieses seit Jahren angestrebte Entgegenkommen mit einem unqualifizierbaren Mißbrauch des Vertrauens der orthodoxen Führer und ihrer eigenen Wähler honoriert. Acht Wochen nach dem Piestanyer Beschluß, daß jede jüdisch-nationalistische Propaganda einzustellen sei, hat man sich Journalisten der ., Wiener Morgenzeitung" verschrieben, die ihren bisher in der Slowakei ungekannten provokatorischen Chuzpo- Ton anschlugen, mit lautem Geschrei das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität bei der bevorstehenden Volkszähluug forderten und die Dreistigkeit besaßen, Flugzettel in den Straßen zu verteilen, daß das Bekenntnis zu einer anderen Nationalität als zur jüdischen sovieljwie die Taufe bedeute. Die kräftige religiöse Lektion, gegeben von Atheisten an orthodoxe Rabbiner, kann doch nicht als ein Mittel der Förderung der angeknüpften) Verhandlung betrachtet werden! Das Kesseltreiben gegen die Aguda. „Hazelira" tischt seinen Lesern einen neuen Scheker-Bilbul gegen die Leitung der Aguda auf. Demnach hätten die Wiener Agudistenführer dieAus Weisung der 0 s t j u d e n bei der zuständigen Behörde (sollte man es glauben?) verlangt. Als Zeuge wird Dr. Lauterbach in Gincinnati („Wer lügen will, muß woitentfernte Zeugen anführen", sagt ein satyrischer Talmudspruch) angerufen. Auf dem großen Umweg über Gincinnati hat es natürlich der Landtagsabgeordnete Stricker gehört, von welchem' es ein Kerrespondenzbureau erhielt, das die Nachricht in Amerika verbreitete, woher es „Hazefira" nahm. Auf eine diesbezügliche Anfrage aus Warschau telegraphierte das Wiener Agudabureau: „Schamlose Lüge. Wahr ist das Gegenteil, wir intervenieren eifrig und mit Erfolg für Flüchtlinge." Wir drücken die Hoffnung aus, daß es auch Lüge ist, daß Herr Stricker auf solche unwürdige, heimtückische Weise derartige Bilbulim verbreitet. Denn es wäre, wenn er solches gehört und geglaubt hätte, seine Pflicht gewesen, dagegen offen in der »Wiener Morgenzeitung" aufzutreten, VVas man nicht im eigenen Blatte zu verantworten wagt, darf ein Mann von verantwortlicher öffentlicher Stellung nicht behaupten und gar verbreiten! Es ist ja selbstverständlich, daß die Aguda keine Mauer machen will für die Elenden, die ihr leicht erworbenes Geld im Bar und Orpheum verprassen und die durch das Spalier der erbosten Menge in ihren Autos zurückgelehnt zum „Reigen" auffahren, aber an unsere herzliche werktätige Liebe zu allen unschuldig leidenden Brüdern aus dem Osten ragt die zu Wahlzwecken erheuchelte Begeisterung für Ostjudentum des Stricker-Konzerns denn doch bei weitem nicht heran. Dcutschösterrcicb. Bekehrnng oder Bestechung. Im jüdischen Viertel in Wien herrscht große Erregung über das intensive Treiben von Missionären, welche die Not und die Verzweiflung der jüdischen Massen in höchst unedler Weise auszunützen bestrebt sind. Täglich laufen bei uns Klagen darüber ein, daß arme Juden, besonders Flüchtlinge, von sehr freundlichen Herrn angesprochen werden, die sich sehr angelegentlich um ihre Lage erkundigen, ihnen einen Betrag anbieten, gleichzeitig irgend ein Traktätchen in die Hand drücken, ihnen eine weitere Unterstützung in Aussicht stellen, sie in der Wohnung besuchen, Geld und Lebensmittel verteilen und dann mit Bekehrungsversuchen anheben. Nun ist die Missionsbestrebung eine gesetzlich einwandfreie Tätigkeit — ist doch selbst im Palästinamandat die ungehinderte Arbeit der Mission garantiert — und es ist nur Sache des Judentums selbst, seine Söhne und Töchter stark und treu zu erziehen. Wir fragen aber, ob die oben geschilderte Art mit Bekehrung oder Bestechung qualifiziert werden muß. Wenn es strafbar ist, bei politischen Wahlen die Ueberzeugung durch Geldbestechung zu erkämpfen, darf es gesetzlich zulässig sein, mit Bestechung religiöse Ueberzeugungen zu korrumpieren? Wir kennen das Gesetz der Freiheit, der Meinungsäußerung, der Rede- und Preßfreiheit, das den Missionen gestattet, unsere Söhne und Töchter in ihrer mit viertausendjährigem Martyrium erhaltenen Tradition mit Wort und Schrift wankend machen zu wollen. Wir wenden uns aber empört dagegen, daß man die Not der Hungernden und Verzweifelten benützt, um mit den nicht genug zu verdammenden Mitteln der Bestechung Seelenfang zu treiben. NACHRICHTEN. „The Vienna Jewish Belief Fund" hat den Ankauf von 20.000 Kilo Mazzoth beschlossen, welche in geeigneter Weise verteilt werden sollen, worüber derzeit mit allen in Betracht kommenden Organisationen Enqueten veranstaltet werden. Von der Erkenntnis ausgehend, daß Mazzoth als Nahrungsmittel nicht genügen können, hat dieses Komitee auch ein großes Quantum Kartoffel angekauft, welche zu den Pessachfeiertagen verteilt werden sollen. Kranke Kinder nach dem Süden. Die Abteilung Wien des American Joint Distribution Gommittee hat bereits wiederholt Transporte von lupus-, knochentuberkulose- und rhachitiskranken Kindern an das Adriatische Meer, und zwar nach Triest und in die Sanatorien in Valdoltra und San Pelagio behuts Behebung beziehungsweise Linderung der für die Kinder so furchtbaren Leiden entsendet und wurden in den meisten Fällen zufolge der Einwirkung der Sonne, durch das Baden im Meere und der guten ärztlichen Behandlung und Pflege, sehr günstige Resultate erzielt, indem ein Teil der Kinder vollkommen geheilt, der andere Teil mit einer wesentlichen Besserung zurückkehrte. Die Kinder werden auf Kosten der Wiener Abteilung mehrere Monate im Sanatorium gehalten. Diesen Kindertransporten wird jeweils eine entsprechende Anzahl von Fürsorgerinnen, eine Krankenschwester und ein Arzt beigestellt und die erforderlichen Lebensmittelmengen für den Weg mitgegeben. Auch am 16. Februar 1921 abends wurde von der Abteilung Wien des American Joint Distribution Committee ein solcher Transport, diesmal nach San Pelagio abgeschickt. Mit den Kindern verbleibt im Sanatorium - eine Fürsorgeschwester der Abteilung des American Joint Distribution Gommittee, welche die Anstaltspflegerinnen bei der Behandlung der von der Abteilung Wien des American Joint Distribution Committee entsendeten Kinder unterstützt und für die Kinder aus den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln Sonderzuwendungen macht, so daß der Wartung der bedauernswerten kleinen Schützlinge der Abteilung Wien des American Joint Distribution Committee auf diese Weise erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Stellenvermittlunge- und Gewerbeförderungssektion der Agudas Jisroel. Von allen Seiten kommen der Agudas Jisroel Anmeldungen Stellungsuchender und offener Stellen zu und es gelingt regelmäßig beide Parteien in klaglosester Weise zu befriedigen. Selbstverständlich werden nur solche Posten vermittelt, wo das Schemiras Schabbos gesichert ist. Auch Leuten, die sich selbständig machen oder ihre Betriebe vergrößern wollen, wird in der entsprechenden Weise geholfen und werden hiezu — in der Erkenntnis, daß solche Zukunftsarbeit die allerwertvollste aller sozialen Hilfeleistungen ist, große Summen aufgebracht, welche überdies in den meisten Fällen von den Parteien in Raten zurückzuzahlen sind; damit dieses Kapital mehrfach in vornehmer und diskreter Weise Zinsen trage und andererseits vielen Juden, die dieses Geld nicht geschenkt nehmen wollen, die Möglichkeit geboten werde, sich eine Lebensexistenz zu schaffen. Verein „Marpe lenefesoh." In der letzten Vorstandssitzung des Vereines „Marpe lenefesch" wurde der einheitliche Beschluß gefaßt, dem Vereine Jessod hathora der „Adas Jisroel" als Mitglied mit dem Betrag von K 1200*— beizutreten. Sie höher verzinsten 8*7, igen Staatsschatzscheine. Die Nachfrage nach den 6u/ftigen Schatzscheinen hat sich in letzter Seit wieder einmal ganz Bedeutend gehoben. Nicht nur von

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