Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 7 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 JÜDISCHE PRESSE Nr. 7 leistet, darüber fehlt jede Berechnung, jede Uebersicht." Diese Privatspenden und Unterstützungen sind vielleicht noch höher einzuschätzen, da sie in der Regel in die richtigen Hände gelangen, was hinsichtlich der großen Hilfsaktionen nicht immer zutrifft. Und damit berühren wir den peinlichsten Punkt dieser amerikanischen Hilfe. Denn, ebenso wie die Helfer und Spender uneingeschränktes Lob verdienen, ebenso läßt die Art. der Verteilung der Hilfsgelder fast immer vieles zu wünschen übrig. Die edlen Intentionen der Geber werden oft seitens der Verteiler zur Karrikatur verunstaltet, nicht blos mit dem bureaukratischen System, mittels welchem die Aktionen geführt werden, sondern auch mit dem — sagen wir es offen heraus — unjüdischen Geist, der sich in der Regel hiebei offenbart. Zedocko muß mit dem Herzen verteilt werden und nicht blos mit dem Bleistift in der Hand — das war altjüdische Maxime. Auch unsere Brüder in Amerika halten sich daran. Sie haben dort das „Vereinigte Hilfskomitee", den „Joint", gegründet, um die Hilfstätigkeit zu konzentrieren, in der Annahme, es werde bei der Verteilung der Hilfsgelder, Lebensmittel usw. ebenso zu gehen. Es ist bezeichnend, daß jetzt hinsichtlich der Hilfe für die sogenannten kulturellen Zwecke bereits eine Trennung der einzelnen Komitees eintreten mußte, da diesbezüglich viele Ungehörigkeiten vorzukommen pflegten. Darunter hatten in erster Reihe di* Glaubenstreuen zu leiden, die seitens der nach außenhin rührigeren radikalen Elemente immer zurückgesetzt wurden. Wer die Verhältnisse in Wien, in Polen, in Litauen usw. etwas näher kennt, der weiß, daß das Gros der Hilfsbedürftigen sich aus den Kreisen der Orthodoxie rekrutiert, da diese durch die Ereignisse am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden und auch im allgemeinen die Majorität im Judentum bilden. Wer die Verhältnisse in Amerika kennt, der weiß, daß auch dort das Gros der Spender der Glaubenstreue angehört. Wäre es nicht recht und billig, daß man hinsichtlich der Leitung der Hilfsaktionen an Ort und Stelle die Glaubenstreuen entsprechend heran ziehe? Es geschieht aber gerade das Gegenteil. Die Verhältnisse liegen in Wien wie in Warschau und anderwärts gleich, wir wollen aber an dieser Stelle bloß von Wien sprechen. Von den 36 Mitgliedern des Joint-Kpmitees sind blos 6 Vertrauensmänner der Orthodoxie. Aber auch im Ausmaße ihrer Zahl erhalten sie keinen Einfluß auf die Leitung, die geradezu autokratisch waltet. Das Komitee wird einfach Monate hindurch nicht einberufen, die Herren „Direktoren" betrachten die Komiteemitglieder ganz einfach als Statisten, welchen man einmal im Jahre irgend einen nichtssagenden, entsprechend frisierten „Rechenschaftsbericht" zur „Genehmigung" unterbreitet. Die Rituaikommission wird überhaupt nicht einberufen, selbst dann nicht, wenn eine rituelle Frage auftaucht, die, wie jüngst beim Speiseöl, die jüdische OÖffentlichkeit in Aufregung versetzt. Diese Angelegenheit soll an dieser Stelle nicht näher behandelt werden, möglich, daß der Paussek des „Joint" autorativer ist als der andere, der ein „Machmir" war — aber das einfachste wäre ja die Uebergabe der Angelegenheit an die Ritualkommission, die dazu berufen ist, in derartigen Dingen die Entscheidung zn fällen. Das geschieht aber nicht, weil man eben die Autorität dieser Kommission nicht allzu stärken von der Masse der Demonstranten erfüllt, die sich wie ein schwarzer Strom in den Madison-square ergoß. Auch von der 23. Straße und der 4. Avenue herauf zogen unabsehbare Massen auf den Platz. Fahnen mit englischer und yiddischer Inschrift, Rednertribünen und langsam kurbelnde Kinoapparate ragen darüber hinaus. „Nieder mit den Munitionsfabriken!" „Nieder mit dem Krieg!" „Reis sollen Tscheines (Chinesen) essen!" ist mit weithin sichtbaren Buchstaben zu lesen. Dort wettert ein cholerischer Irländer von der Tribüne, an der anderen Ecke eine unglaublich temperamentvolle russische Sozialistin mit furiosen Gesten gegen den Krieg. „Revolusch'n!" gellt hie und da eine Weiberstimme inzwischen. Abends ist der ganze Zug schon in allen Kinotheatern zu sehen. Die späten Abendausgaben berichten Bedenkliches über die Stimmung der Massen. Gemüseladen werden weiter geplündert, die Polizei ist nachsichtig. Man kann in New York niemals wissen, was aus dem Wüten der desparaten Weiber wird. Wird es morgen eine belachte Farce geworden sein, ein Sujet für den Tagesbericht des Filmreporters, oder das erste Grollen eines großen geschichtlichen Gewitters, wie der Zug der Weiber nach Versailles? Die Behörde beruft da ein Committee ein, das wegen dem Abbau der Lebensmittelpreise beraten und handeln soll. Die Führer der Unzufriedenen werden natürlich hineingewählt. Das wirkte gleich kalmierend. Zudem bröckelten die Preise unter dem Eindruck der Exzesse bedeutend ab; etwa zur Hälfte der Steigerung. Fifty-fifty. Jeder fünfzig Prozent, ist die weise Ausgleichsmethode der Amerikaner. Es gab doch wieder billigere Zwiebeleier und french fried potatoes und andere Sensationen. Das Committee tagte und tat was ein Committee zu tun hat: es bereitete der Teuerungsfrage ein Begräbnis erster Klasse. < will. War die Wahl also bloße Augenauswischerei? Die Klagen über das bureaukratische System bei der Wiener Abteilung des „Joint" sind allerdings nicht blos religiöser Natur. Auch vom allgemeinmenschlichen Gesichtspunkte wird bitter Klage geführt. Wir wollen hier auf die Vorwürfe, gegen die eigentliche Leitung nicht näher eingehen. Aber dort, wo derartige Beschwerden fortgesetzt erhoben werden — sehr oft leider mit Recht — muß Remedur geschaffen werden. Es geht nicht an, in derartigen Hilfsaktionen Personenkultus einreißen zu lassen. Die Beschwerden müssen von autorativer Seite geprüft und wenn begründet, rücksichtslos Ordnung gemacht werden. Die großen Hilfsaktionen sind nicht zum Wohle oder im Interesse von Jechidim geschaffen worden. Auch bezüglich der amerikanischen Hilfsgelder, die der Einzelne dem Einzelnen zugehen läßt, werden die edlen Intentionen der Spender allzu oft mißbraucht. Bei Ueberweisung durch Bankinstitute erhält der Empfänger nur selten den vollen überwiesenen Betrag. Valutaschwankungen, Manipulationsgebühren usw. Averden ins Treffen geführt, um die Ueberweisungen zu kürzen, wobei es wenig darauf ankommt, ob diese Manipulationen in Amerika oder in Wien vor sich gehen. Geldsendungen in geschlossenen Briefen haben die Spezies der „Briefspolierer" gezüchtet, die es besonders auf die amerikanischen Briefe abgesehen haben. Man hat es da gewissermaßen mit einer Hydra zu tun, der fortgesetzt neue Köpfe erwachsen, so oft einer abgeschlagen wird. Je mehr Brieispolierer unschädlich gemacht werden, desto mehr Nachfolger erhalten sie. Auch diesbezüglich müßte Abhilfe getroffen werden. Hätte man nicht über die Wiener Abteilung des „Joint" so viel zu klagen, könnte man diesen mit der Auszahlung der Ueberweisungen betrauen, ähnlich wie dies in Polen der Fall ist. Wie die Dinge nun einmal liegen, wäre dies nicht zu empfehlen. Die armen Leute, die von Verwandten einige Dollars erhalten, sollten nicht Sekkaturen und Beleidigungen ausgesetzt werden. Aber bei einigem guten Willen wird sich ein Modus finden lassen, um da Abhilfe zu schaffen. Es hat keinen Sinn, die Unzukömmlichkeiten hinsichtlich der amerikanischen Hilfe länger stillschweigend zu dulden. Unsere Brüder in Amerika, die aus vollem Herzen geben, sollen wissen, wie mit ihrem Gemilas-Chassadim manipuliert wird. Es geht nicht an, jüdischen Rachmanus ins Gegenteil zu verwandeln. Es ist die Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, hier wie in Amerika, dafür zu sorgen, daß maCIÖ rrHU .TÜflÖ sein soll. J. K r e p p e 1. Das memoranaum (Ur Stnlrftlkaitslti üer orthodoxen Gemeinden der Slowakai an den englischen Hrieg$mini$ter.* Euere Exzellenz! Der unter der Ueberschrift „Zionismus gegen Bolschewismus" von der Feder Euerer Exzellenz im „Sunday Herald" vom 8. Februar erschienene Artikel, der die durch den Weltkrieg zutage getretenen Neuerscheinungen im Zusammenhange mit dem Judentum einer gründlich durchdachten Studie unterzieht, und in allen jüdischen Zeitungen wiedergegeben wurde, hat bei allen denkenden Juden im allgemeinen und denjenigen, die sich mit jüdischen Angelegenheiten berufsmäßig befassen müssen, im besondern, den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck hervorgerufen. Als Präsident der orthodoxen Judenheit der Slowakei in die letztere Kategorie gehörend, möge es mir gestattet sein, auf den von Euerer Exzellenz mit solch tiefem Ernst und solch gründlicher Sachlichkeit behandelten Gegenstand näher einzugehen und auf einige Momente, die die von Ew. Exzellenz bezeichneten Aufgaben des Zionismus zu unterstützen geeignet sind, die Aufmerksamkeit zu lenken und schließlich auf Grund meiner Ausführungen eine dringende Bitte im Namen der orthodoxen Judenheit Ew. Exzellenz ehrfurchtsvoll zu unterbreiten. Ich darf es ohne von einer Seite Widerspruch befürchten xu müssen, offen aussprechen, daß die gesamte Judenheit dar Diaspora in allen Ländern und zu allen Zeiten eine starke und tief empfundene Sympathie für die englische Rasse gehegt hat; das englische Volk gehörte immer zu denjenigen Nationen, die dem Judentum unter allen Umständen Gerechtigkeit widerfahren ließen, wo immer auf dem Erdenrund, Juden gekränkt wurden, blickten sie vertrauensvoll nach England und Amerika, jenen zwei großen Heimstätten englisch sprechender Zunge, und nicht selten gelang es dem Einschreiten derselben, den verfolgten Juden Rettung zu bringen und ihren schmerzvollen Leiden Heilung zu schaffen. Und in dieser krisenhaften Zeit für das Gesamtjudentum ist es Ew. Exzellenz, ein englischer Kriegsminister, der einen Teil seiner kostbaren Zeit dem Studium der Lösung des jüdischen Problemes widmet, und nach einem Mittel sucht, das dem leider allseits den Juden zur Last gelegten Bolschewismus für die Judenheit sowohl wie auch für die Welt unschädlich machen könnte. Dieser Umstand sichert Ew. Exzellenz im erhöhten Maße die Sympathie und Geneigtheit eines jeden Juden und diese gibt mir die Zuversicht, daß die Bitte, die ich im Namen der orthodoxen Judenheit an Ew. Exzellenz zu richten mir erlaube, eine geneigte Aufnahme finden wird. Vorerst möchte ich die in dem psychologisch sehr lehrreichen Aufsatze erwähnte Behauptung, daß der Zwiespalt zwischen dem Guten und Bösen, der sich unaufhörlich in der menschlichen Brust abspielt, bei niemand die Stärke erreicht, wie bei der jüdischen Rasse, mit Ew. Exzellenz Erlaubnis dahin berichtigen, daß die jüdische Rasse zum Teil infolge der Subtilität der jüdischen Seele, vielleicht auch infolge des von Euerer Exzellenz so offen anerkannten gesteigerten Intellekts auf die weltbewegenden EreigViisse früher reagiert als die weniger subtilen Rassen und Völker. * Gegenüber gewollten oder ungewollten Mißdeutungen der Haltung der slowakischen Orthodoxie in der Palästinafrage veröffentlichen wir das bereits vor einem Jahre abgesendete MemÄrandum der orthodoxen Landeskanzlei. Bevor noch ein weltumgestaltendes Geschehnis seine Tolle Wirkung getan, spürt und empfindet das empfindsamere jüdisehe Wesen die Reizung und Folgen dieses Geschehnisses, um lieb je nach den Ursachen und Wirkungen demselben in eine aufbauende oder destruktive Richtung drängen zu lassen. Der viereinhalb Jahre währende Weltkrieg mit seinen verheerenden Nachwirkungen und seinen jeder Sittlichkeit hohnsprechenden Begleiterscheinungen hat bei jenem Teil der Juden, der, wie der Artikel feststellt, den Glauben der Ahne« aufgegeben, den Hang zu einem Hasse gegen die Besitzende» und einer unmöglichen Besitzgleichheit früher als bei ander» hervorgerufen. Der Anblick eines nie dagewesenen Massenelends, hat bei den auf außerordentliche Erscheinungen rasch reagierenden Juden, die, wie Ew. Exzellenz betonen, aus ihrer» Gedanken alle Hoffnungen aufs Jenseits verbannt, einen reflektorischen Reiz bewirkt, der dieselben früher als andere in die Arme des die bestehende Weltordnung umstürzenden Bolschewismus getrieben. Es ist aber gewiß, daß, wenn der Weltkrieg noch eine Zeit gedauert hätte, der bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Jammer die ganze Welt aus den Fugen gerissen, das Nervensystem aller vom Weltbrand in Mitleidenschaft gezogenen Völker derart zerrüttet hätte, daß die frühere festgefügte Gesellschaftsordnung im Bolschewismus aufgegangen wäre. — Es ist daher ein Werk des auf alle bedeutenden Vorkommnisse früher reflektierenden jüdischen Geistes, daß die Menschheit auf die drohende Gefahr rechtzeitig aufmerksam gemacht und naclt Mitteln der Abwehr und Verteidigung, bevor es noch zu spät war, sich umsehen konnte. Ew. Exzellenz finden nun den besten und sichersten Sehuiz gegen den die vitalsten Interessen der Menschheit schädigenden bolschewistischen Kommunismus in der Errichtung des zionistischen Staates und plaidieren in Ihrem interessante« Artikel für die Förderung und Kräftigung aller hierauf gerichteten Bestrebungen, mit den beherzigenswerten Worten: „Es ist deshalb von allergrößter Wichtigkeit, jede stark ausgeprägte jüdische Bewegung zu festigen und zu entwickeln, die von diesen fatalen Verbindungen wegführt und das wäre der Zionismus, der im jetzigen «Moment so große Bedeutung für die ganze Welt hat." Ich möchte diesem viel Wahrheit beinhaltendem Ausspruch nicht widersprechen, vielmehr nur ergäuzen mit der Bezeichnung des Rahmens, in dem sich der Zionismus bewegen müßte, wenn er tatsächlich als wirksames Mittel bei der Unschädlichmachung des Bolschewismus mithelfen soll. Dieser Rahmen wäre das Fundament, die Granitbasis des geplanten zionistischen Staates, nach der tiefsten Ueberzeugung jedes glaubenstreuen Juden — daß alle Juden verpflichtende Religionsgesetz sei; es müßten alle dort zu schaffenden Einrichtungen auf solche Grundlage gestellt werden, daß der religiöse Jude sie ohne Gewissensskrupel benützen könne. Ew. Exzellenz stellen es wiederholt fest, daß die bolschewistisch angehauchten Juden zumeist Atheisten sind, oder solch« die dem Glauben der Ahnen untreu geworden, und in der Tat führt der Weg vom Judentum zum Bolschewismus über die schlüpfrige Bahn des Atheismus und setzt die Ausmerzung jedes sittlich religiösen Empfindens voraus. Das religiöse Bemußtsein muß völlig aus der Gedankenwelt eines Mensche« geschwunden sein, erst dann könne die bolschewistische Ideologie in derselben ihren Einzug halten. Wenn nun die Errichtung des jüdischen Staates ein mächtiges Bollwerk gegen den Kommunismus schaffen soll, so ist die Voraussetzung, daß derselbe so konstituiert sein muß, daß in demselben den religiösen Gefühlen Raum gegeben und die Schwächung dieser Gefühle unmöglich gemacht werden. Das jüdische Volk ist während seines mehrtausendjährigen Bestandes in erster Reihs als religiöses Gemeinwesen, als konfessionelle Vereinigung anerkannt gewesen, was von anderen Völkern und Rassen nicht gesagt werden kann. So gibt es zum Beispiel keine spezifisch englische Religion, wie auch vo« einer besonderen französischen deutseben oder tschechische« Konfession keine Rede sein kann. Als sich die angelsächsische Rasse ihre Staatsform begründete, war dies nicht an ein bestimmtes Religionsbekenntnis gebunden, die jüdische Rasse hingegen, die unter den flammenden Worten der göttliche» Offenbarung am Sinai „Ich bin der Ewige, dein G-tt" zum Volke wurde, hat damit als unverrückbare Basis seines Volkstums die jüdische Religion erhalten, von der es niemals abweichen kann, ohne das innerste Wesen seines Volkstums a» zerstören, Der Aufbau des jüdischen Staatswesens, ohne das die Institutionen auf religiöser Grundlage beruhen, hieße aus dem jüdischen Staate die jüdische Religion ausschalten, und wäre dies nicht nur eine Vergewaltigung des Gewissens aller gesinnungstreuen Juden, es wäre dies auch eine historische Unwahrheit; ein Bruch mit der Vergangenheit und geschichtlich» Inkonsequenz, was aber im Interesse der schließlichen allseitigen Anerkennungen vermieden werden sollte, zumal der projektierte Aufbau einer jüdischen Heimstätte auf dem geweihten Ahnenboden Palästinas geschehen soll, der auf Grund des historischen Rechtes gefordert wird. Am allerwenigsten aber würde das angestrebte Ziel, die Bekämpfung der bolschewistischen Gefahr, durch die vou Euerer Exzellenz empfohlene Kräftigung der zionistischen Bewegung erreicht werden, dessen organische Zusammensetzungdas jüdische Sittengesetz und die religiöse Ethik entbehren müßte. Wollen es daher Ew. Exzellenz nicht als Aufdringlichkeit ansehen, vielmehr als den Ausdruck einer um die Zukunft seines Volkes tief besorgten jüdischen Seele werten, wenn ich es wage mit der Bitte gerade an Ew. Exzellenz heranzutreten, der Dolmetsch der Wünsche des historischen gesetzestreuen Judentums zu sein, mit Ew. Exzellenz gewichtigten Stimme an berufener Stelle Englands, das zur Freude und Beruhigung aller Juden das Mandat über Palästina erhalten soll, es durchzusetzen, daß bevor über das Schicksal Palästinas entschieden wird, die Aguda Jisroel-Zentrale als Vertreterin der gesetzestreuen Judenschaft der Welt gehört und ihre vollberechtigten Forderungen Berücksichtigung linden, selbstredend bei weitestgehender Schonung der Gefühle aller nichtjüdischen Völker. Jede andere Lösung des Palästina-Problems würde weder die erhoffte Beruhigung in der Welt, noch die erwartete Zufriedenheit im Judentum herbeiführen. Angesichts eines wiedererstandenen, aber irreligiösen Jerusalem, würde die altjüdische zweitausendjährige Trauer ob der Zerstörung sich noch vertiefen, würden die Tränen noch reicher fließen. Ich bin daher sicher, daß die großen englischen Staatsmänner die bei allen ihren weltumgestaltenden staatenbildenden Taten der Humanität und wahren Menschenliebe Raum gegeben, bei dem Aufbau eines neuen jüdischen Heimes an einen sehnlichst geäußerten Wunsch der glaubenstreuen Judenheit nicht achtlos vorübergehen kann. Genehmigen Ew. Exzellenz den Ausdruck ganz besonderen Wertschützung und Ergebenheit Oberrabbiner Koloman Weber, Präses. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse".