Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 6 (18.2.1921)
- Date
- 1921-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. « JÜDISCHE PRESSE Seite 43 um eine Untersuchung der angeführten Fälle und üibt der Hoffnung auf Abschaffung der Uebelstände Ausdruck. 200.000 Kronon hat der Guisbesitzer Emanuel Fried in Felsö-Alap für die israelitische Gemeinde in Szekesfehervär und den dortigen israelitischen Frauenverein als Stiftung auf den Namen seiner beiden Fitem gespendet. 100.000 Kronen hat Josef Ungarleider (Gyöngyös) lür eine jüdische Schule gespendet. Rabbiner Wilhelm Krans.s. A. Im Alter von (S8 Jahren ist Donnerstag, den 3. Februar, der Obervabbiner der Debreczetier Status quo-Gemeinde nach längerem Leiden verschieden. Der Verstorbene hat .-eine Studien an der Preßburger Jeschiba absolviert, kam dann nach 'Szaszrogen, wo er eine Schule gegründet hat. Er wurde zuerst Rabbiner in Kiskunhalas und wurde im Jnhre 1891 nach DebrÖczen berufen, wo er dreißig Jahre lang mit votler Hingabe und edler Begeisterung für das Judentum gewirkt hat. Er erfreute sich der Verehrung aller Bürger ohne Unterschied der Konfession. Seinen Hingang betrauert eine zahlreiche Familie, darunter sein Sohn, der Rabbiner von Dicsö Sz. Marton, der Schwiegersohn Rabbiner Dr. Danzig Sziget. u. n. Sein Andenken wird ein gesegnetes sein. Genoral Nagy bei der „Deborah". Hie und da bellt sich der düstere Himmel des ungarischen Judentums auf. Bei der Aufnahme des 1000. Mitgliedes" des jüdischen Mädchenvereins „Deborah" in Miskolcz, welche im Rahmen eines Teeabends der Mitglieder geschah, ist auch dei Bezirkskommandant General Baron Paul Nagy erschienen. Dr. Lajos Lang hielt die Festrede. Man beschloß, ein Festalbum herauszugeben, dessen Erträgnis zu einer Stiftung auf den Namen der Präsidentin Frau Prinz verwendet werden soll. Das 1000. Mitglied, Frau Hermann Schlesinger, erhielt eine Blumenspende. Die Feier wurde mit der ungarischen Hymne geschlossen. Die „Tschuwa" der neologen Gemeinde in Budapest, Rabbiner Moses Feldmann, ist zum Roschbes-din des Drei-Rabbiner-Kollegiums gewählt. — Ferner ist eine große Kaschrus-Kommission eingesetzt, welche aus HO Delegierten aller Gemeindebezirke bestehen wird. Die Kommission wird die 95 Fleischbänke und oO Geflügelschlachtplätze unter strenger dem Schulchan entsprechenden Aufsicht stellen. Präses der Kaschrus-Kommission ist Dr. Sandor Lederer, ferner Julius Fuchs. Dr. Elias Adler, Rabbi Feld mann und Rabbi Rosenberg. Ein strengreligiöser Maschgiach wird angestellt. Hochzeit. Die Vermählung des Herrn Jakob, Sohn des Herrn Rabbiner Pollak (Väcz) mit Fräulein Helene Widder findet am 22. Februar 1921 in der orthodoxen Synagoge in der Kazinczygasse statt. (Wir gratulieren herzlich. D. R.) BkutscfoSand. Herr Dr. Siegfried Schlesinger (Wien), Dozent am orthodoxen Lehrerseminar in Kowno, hat einer Berufung an das orthodoxe Lehrerseminar in Köln Folge geleistet und sein neues Amt diese Woche bereits angetreten. Polen. Rabbiner Perlmutter an den polnischen Gesandten in Washington. Anläßlich der Meldung jüdischer Zeitungen, daß der polnische Gesandte in Washington sich geäußert habe, der Rabbiner Perlmutter sei überzeugt, daß die Judenfrage in Polen vollständig geregelt sei, richtete Rabbiner Perlmutter an den polnischen Ambassador ein Schreiben, worin er erklärt, daß er sich niemals über den Zustand der Lage der Juden in Polen in einem solchen oder ähnlichen Ausdruck geäußert habe. Unentgeltliche Abgabe von Mazzes. Der „Joint" hat für die mittellose jüdische Bevölkerung in Polen 10.000 Meterzentner Jomtow-Mehl auf Pessach bestimmt. Miuisterpräsident Witos Ubor die Stellung des Kabinetts aar Judenfrage. Einem Mitarbeiter des „Nafen Hajnt" legte Ministerpräsident Witos gelegentlich einer Unterredung eine schriftliche Erklärung vor. die die Stellung des Ministerrates zur Judenfrage darstellt und folgendermaßen lautet: .Wie ich bereits erklärte, betrachte ich die Frage der Regulierung des Verhältnisses der Juden in Polen zum polnischen Staat als eine Stnatsp.ol.wendigk.ei1, deren Aktualität und Wichtigkeit unabhängig sind vom Willen, der einzelnen Minister oder der Zusammensetzung des Kabinetts. Es handelt sich hier um die Stellung der jetzigen von mir präsidierten Regierung. Diesbezüglich kann ich ei klären, daß alle Mitglieder der jetzigen Regierung die Wichtigkeit des jüdischen Problems gebührend einschätzen. In Erkennung de]- Wichtigkeit der Kontinuierung einer energischen Aktion hat der Ministerrat noch vorige Woche einige Kabinettsmitglieder, deren IVessorts im allgemeinen die Angelegenheiten umfassen, die gegenwärtig konsequent die jüdische trage, in Polen bilden, mit der Durchführung dieser Aktion beauftragt. Es iväre verfrüht, schon heute die Einzelheiten mitzuteilen, was auch keineswegs von Nutzen wäre. Ich kann nur erklären, daß die Regierung auf praktischem Boden steht und i" geeigneter Weise, der Reihe nach, die Fragen erledigen will die in den Beratungen zutage treten, und zwar in der Weise, uau die polnisch-jüdischen Bürger keine tatsächlichen Ursachen meinzu Klagen haben. Uebrigens bezweifelt niemand unter uns die bürgerlichen Rechte der Juden, aber die Regierung, die verpflichtet ist, für tatsächliche Gleichberechtigung der Bürger zu sorgen, muß auch von Bürgern, die sich zu einer anderen Nationalität bekennen, vollständige Loyalität und guten Willen im Verhältnis zum Staate verlangen. Was die auf Amerika sich beziehenden Kragen betrifft, hin ich bezüglich dieser nicht gut informiert und müßte erst das bäuerliche Materini studieren." Schweiz. Das Schweizer Landeskomitee der Agudas Jisroel veröffentlicht folgenden Aufruf: ntXÖ -Sammlung für Wien! Dort in der großen Stadt Wien, seufzen heute noch viele tausende jüdische Familien ob Not, Hunger und Külte. Nun nahen die Pessachtage heran und es mangelt an allem, was an diesen Tagen genossen werden darf. Unzählige Familien in Wien und anderen Städten Deutschösl erreich? rechneu dies Jahr wieder auf die großzügige Unterstützung, welche ihnen im vergangenen Jahre seitens der Schweizer jüdischen Bevölkerung zuteil wurde. Glaubensgenossen! Dürfen wir diese unglücklichen Menschen in ihrer Hoffnung täuschen? Können wir unser Krlösuugsfest fröhlich begehen, während in unserer Nähe jüdische Männer und Frauen, Kinder und Greise, selbst am 3HD DV darben? Wahrlich, das kann kein jüdisches Herz über sich bringen! Da wird gewiß ein jeder mithelfen wollen, uns möglich zu machen, ihnen wenigstens die unentbehrlichen nßtö verabfolgen zu können. Wir wenden uns daher -vertrauensvoll an alle Juden in der Schweiz mit der innigsten Bitte, unsere sehr wichtige Aktion aufs Kräftigste zu unterstützen und hoffen, daß ein jeder sogleich seine Spende auf unser neues Postscheckkonto V*. 2177 einbezahlen wird. Der unauslöschliche Dank von Eltern und Kindern ist Ihnen gewiß! Zürich, im Schewath5681 (Februar 1921). Schweizer Landeskomitee der Agudas Jisroel. England, Das Executive-Kowite der Aguda. Nunmehr hat sich das Executiv-Komite der Aguda konstituiert und seine Tätigkeit aufgenommen. Präsident ist Advokat Herr J. Landau, zu Vizepräsidenten wurden der Fabrikant Wachmann und W. Schiff, zum Schriftführer Fred Lunzer, zum Schatzmeister Bankier P. Schwarzschild, und zu Beisitzern die Herren Rabbiner Dr. Jung, David Frost und Josef Weill gewählt. Die besten Wünsche aller Freunde der Thora begleiten die Wirksamkeit des Komitees. Möge der Erlbig der Größe der Aufgabe entsprechen, Aufrnf des Londoner Rabhiner-jDomite. Der Waad horabbönim von London gibt einen vom Präsidenten Dr. Jung und von den Rabbinern S. J. Bloch, H. Ferber, M. Zimmermann, M. Schwarz und Leiserowitch unterzeichneten Aufruf, der sich mit flammenden Worten gegen die Passivität der orthodoxen Juden gegenüber der Arbeit der Reformer wendet. Der Reformer Henriquez rühmt sich, daß 8000 jüdische Kinder zu seinem „Setiement" im East End gehören, wo er sie sein liberales Judentum lehrt und die orthodoxen Juden vom East End schweigen. Nur ein Milderungsgrund sei vorhanden, daß sie es nicht genug bemerken, was im East End. vorgehl. Das sei aber nur eine Verteidigung für die Vergangenheit und könne nicht für die Zukunft gelten. Der Aufruf fordert alle Juden auf, die für den „Kijum hnjahdus" arbeiten wollen, zu einer Konferenz zu kommen. Die Rabbiner werden dort darüber beraten, welche Schritte zu unternehmen seien, um die jüdischen Seelen vor deren Abtall zu retten, und einen Plan zu linden, wie die verirrten jüdischen Schafe zum Judentum zurückzubringen seien. Lucian Wolf über die Minoritätsrechte. In einem Briefe an die „Morning Post" schreibt Lucian Wolf: Das Garantieren der Minderheitsrechte sei nichts Neues. Es ist dasselbe, was die Griechen im Jahre 1830 bekommen haben. Der Unterschied besteht nur darin,, daß in den früheren Traktaten die größeren Staaten für die Minderheiten verantwortlich waren und jetzt der Völkerhund die Verantwortlichkeit garantiert. Es ist. unrichtig, wenn man behauptet, daß dadurch die souveränen Rechte des Staates gegenüber einem Teil unserer Bürger verletzt werden, denn die Minoritäten haben ihre Rechte nur als integrierender Bestandteil der herrschenden Nation und es ist schon dafür gesorgt worden, daß sie diese Rechte nicht haben, wenn sie einer anderen Nation angehören. In Polen haben die Juden die Minderheitsrechte nur als Angehörige der jüdischen Religion ebenso wie die englischen Juden als englische Untertanen jüdischen Glaubens. J rankieiclh Der Austritt Sliosbergs aus dem Komitee der Jüdischen Delegationen. Dem Begründungsschreiben entnehmen wir folgende Motive für den Rücktritt Sliosbergs: Er halte sich nicht für ermächtigt, die Interessen eines beliebigen Teiles des russischen Judentums in der gegenwärtigen Zeit in' der Weise zu vertreten, wie das K. d. J. D. sich befugt erklärt, die Interessen des Judentums überhaupt zu vertreten. Das Bestreben des Komitees, sich in eine j permanente, alle Territorien umfassende politische j Repräsentation des ganzen Judentums zu verwandeln, könne er weder aus formalen Erwägungen, noch seinem Wesen nacli als regelrecht, anerkennen. Ein ferneres Verbleiben im Bestände des Komitees wäre eine wissentliche regelwidrige Aneignung der Würde eines Volkspräsentanten. Zum Schlüsse drückt Sliosberg seine tiefgefühlte Bewunderung für die selbstverleugnende Arbeit Sokolows (?) und Motzkins aus, die die Dankbarkeit der ganzen Judenheit verdiene. In seinem Antwortschreiben gibt Sokolow seinem Bedauern über den Rücktritt Sliosbergs Ausdruck und stellt fest, daß das K. d. J. D. sich keineswegs als permanente Institution betrachte, sondern eine solche erst schaffen will. Er ersucht Slionsberg um seine Mitwirkung an den Arbeiten des K. d. J. D., wenn nicht als Mitglied des Komitees, so doch wenigstens als Mitglied der jüdischen Kommission. Sliosberg hat den Vorschlag angenommen. jffmtrika. Verwertung der Johnson-Bill durch den Senat. New York, 10. Februar. Die Einwanderungskommission des Senates hat der Johnson-Bill, die ein Verbot, der Einwanderung, außer für nahe Verwandte, für die Dauer eines Jahres bezweckte, nicht zugestimmt und schlägt vor, daß, konform dem Vorschlage Dilingham (s. „J. P. Z." Nr. 124) ab 1. April die Einwanderung aus den verschiedenen fremden Staaten zahlenmäßig beschränkt werde, und zwar mit 5 Prozent der in Amerika bereits sich befindenden Angehörigen dieser einzelnen Staaten. Misrachi. Auf der am 18. und 19. Jänner in New York stattgefundenen Sitzung des Großen Exekutivkomitees des amerikanischen Misrachi wurde hauptsächlich die Stellung des Misrachi zur demnächst bevorstehenden A. G. Sitzung behandelt. Es wird verlangt, daß die zionistische Leitung endlich einen festen prinzipiellen Beschluß fa/Je, daß jedevon den Ziunisten irgendwie unterstützte Institution nicht gegen die jüdische Tradition verstoßen dürfe. Eine rege Agitation für den „Nachließ wurde beschlossen und der Plan, eine Gesellschaft mit einem Kapital von mindestens 50.000 Dollar zu gründen, gutgeheißen, die Boden in Palästina erstehen uud auf Ratenzahlungen weiter veräußern soll. Der bekannte Automobilfabrikant Ford ist in Geldschwierigkeiten geraten und sucht eine Anleihe von 75 Millionen Dollar aufzunehmen. Das bedeutende „Wallstreet Journal" verweist bei dieser Gelegenheit auf die von Ford geführte antisemitische Propaganda, die ihm die Aufbringung der Anleihe in Wallstreet bedeutend erschweren dürfte. Palästina. Die Versöhnungspolitik des Oberkommissärs von Palästina. Um die Versöhnung der verschiedenen in Palästina lebenden Elemente zu fördern, hat der Oberkommissär Sir Herbert Samuel kürzlich Arif-el-Arif zum Subgouyerner von Jenin eingesetzt, Arif-el-Arif war einer der arabischen Hauptagitatoren in der Periode, die zu den Märzunruhen 1920 in Jerusalem führten. Er floh damals, vor den Gerichten und wurde in Abwesenheit zu'10 Jahren Gefängni's verurteilt. Als der Oberkommissär Transjordanien besuchte, wurde er amnestiert. (Z, K.) Emir Feysul hat . im Namen seines Vaters, des Königs von Hedschas, bei der englischen Regierung gegen ' das britische Mandat in Palästina Protest eingelegt. Dieses Mandat wird als zu früher erteilten Zusicherungen Englands in Widerspruch stehend bezeichnet. Ein Delegierter der polnischen „Szlome Emune Jisroel" ist in Jerusalem eingetroffen, der als Abgesandter zahlreicher Kaufleute und Handwerker die Möglichkeiten des Landes studieren will. Es ist Hoffnung vorhanden, daß die polnische Regierung die Ausfuhr der Maschinen, die die Mitglieder der Aguda nach Palästina bringen wollen, gestatten wird. Talmudausgabe. Wie der „Doar Hajom* berichtet, wandte man sich, an unseren Landsmann Rabbiner Salomon Ahron Wertheimer, daß er die Leitung der geplanten Drucklegung eines neuen großen Talmuds in Jerusalem in die Hand nehmen möge. Man hofft, daß man mit dem Drucke noch in diesem Jahr wird beginnen können. Erklärung. Mit tiefstem Bedauern vernehmen wir, daß der in der „Jüdischen Presse" Nr. 24/40 erschienene von Kosice datierte Artikel in gewissen Kreisen irrtümlich dahin aufgefaßt 'wurde, als enthielte er einen versteckten Angriff gegen den in allen Kreisen der Orthodoxie größtes Ansehen genießenden greisen Oberrabbiner mbw p'3 iWtt iTltt pttH von Neutra, oder gegen die dortige altehrwürdige Gemeinde. Wir erklären mit größtem Nachdruck und vorbehaltlos, daß uns nichts ferner lag und ferner gelegen sein konnte, als diese falsche Auslegung, da weder der greise als Hort der Orthodoxie allbekannte Oberrabbiner KtD'W noch die stets bewährte orthodoxe Gesinnung der Gemeinde irgendwie angetastet werden sollte. Die Red. der „Jüd. Presse" für die Slowakei.