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Jüdische Presse · 1921-02-18 · 6 (18.2.1921) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
6 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 44 JÜDISCHE PRESSE Nr. S Zur Aufklärung. 9In bezug auf die Verhandlungen mit dem Volksverbande wird beschlossen: Das Präsidium der orthodoxen Landeskanzlei wird ermächtigt, von Fall zu Fall nach vorheriger Einholung der Zustimmung des Verwaltungsansschusses in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen mit dem Präsidium des Volks Verbandes vorzugehen. Für momentan wird ein gemeinschaftliches Vorgehen in Lizenzen und Flüchtlingsfragen gebilligt. Dieser Beschluß hat der ehestens einzuberufenden Sitzung der Landesrepräsentanz behufs nachträglicher Stellungnahme vorgelegt zu werden." Das ausführliche Protokoll folgt in nächster Nummer. Hierzu erhalten wir von der Landeskanzlei folgende offizielle Erklärung: 1. Eine prinzipielle, für alle Fälle geltende Abmachung existiert überhaupt nicht, es ist lediglich beschlossen, daß von Fall zu Fall das Präsidium der Landeskanzlei nach vorheriger Einholung der Genehmigung durch den Verwaltungsausschuß gemeinsam mit dem Präsidium des Volksverbandes vorgeht. 2. Dieses gemeinsame Vorgehen ist zunächst nur gedacht in wirtschaftlichen Fragen und in Angelegenheiten sozialer Art (zum Beispiel momentan Lizenzen- und Flüchtlingsfrage). 3. In politischen Dingen ist die Möglichkeit einer Zusammenarbeit nur für solche Fälle gedacht, in Die orth. Kanzlei der Slowakei teilt uns folgenden Auszug aus dem Protokolle der Sitzung des Verwaltimgsausschusses mit: denen infolge politischer Strömungen eine Verkürzung der bürgerlichen Rechte des Einzelnen oder der Gesamtheit droht. 4. An eine auch nur entfernte Anerkennung unserer Anschauung fremder Prinzipien kann um so weniger gedacht sein, als ja der jüdische Volksverband auf seinem letzten Deiegiertentag in Piestanv feierlichst beschlossen und proklamiert hat, daß er weder zionistische, noch jüdischnationalc Interessen zu vertreten habe. 5. Wir stehen selbstverständlich nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es in religiösen Dingen ein Zusammengehen mit heterogenen Elementen nicht gibt, und daß auch diese Abmachung in jedem einzelnen Fall an der Hand der religiösen Möglichkeit geprüft werden wird. Wir glauben, daß diese Erklärung gegenüber all den bewußten oder unbewußten Entstellungen der geschaffenen Tatsache genügen müßte. Es erscheint uns freilich sehr, sehr bedenklich, daß die dem Volksverband nahestehende Presse seitdem Piestanyer Beschluß merkwürdigerweise um so energischer zionistische und nationale Propaganda treibt. Wir hoffen, daß der Volksverband hier einmal gründlich nach dem Rechten sieht und sich so als verhandlungsfähig erweist. mmmm flguda. mmm Generalversammlung der Ag-näa-Ortsgruppe in Bratislava. Unter großer Beteiligung der hiesigen Agudaanhanger fand am 18. Februar 1921 die Generalversammlung der Agudas Jisroel- Ortsgruppe im Lokale der Mensa statt. Den Vorsitz führte Herr Benedikt. Die Anwesenden und den als Gast erschienenen Herrn Rabbiner Dr. Kohn aut's herzlichste begrüßend, schildert er in kurzen Worten die bisherige Tätigkeit der Ortsgruppe und ersucht Herrn Dr. Rosenbaum über die bisherige Tätigkeit der Aguda zu referieren. He'rr Dr. Rosenbaum führte unter anderem aus: „Wenn unsere Leistungen nicht mehr waren als die Werbung für diese Idee und dessen Vorbereitung, so haben wir schon Großes und Ersprießliches getan. — Jetzt aber beginnt die Periode der Arbeit. Das bisherige Budget für Repatriierung der Palästinenser-Flüchtlinge, Jeschiwoaktion und die Austeilung der Kleider, beträgt zirka Kc 250.000. Herr Rabbiner Dr. Kohn erklärte, daß die Aguda der Slowakei, wenn nur bloß mit der Tatsache ihrer Existenz, zur Hebung der Gesamtaguda beigetragen hat, nachdem diese glückliche Insel (in betreff der Jüdischkeit) auch für das Gesamtjudentum ausschlaggebend war. Schon die Bewerkstelligung der Agudakonferenz, die in Preßburg im Sommer vorigen Jahres stattgefunden, ist ein großes Verdienst der hiesigen Aguda. Im Referate über den Stand der Agudabewegung fortfahrend, berichtete Redner, daß in einem New Yorker Meeting für Keren erez Israel 10.000 Dollar aufgebracht wurden. Mit dem Ausspruche des Midrasch: „Als G-tt Mosche Rabenu auf seine Frage in Angelegenheit des Mischkans antwortete „affilu echod jochaLlaasauss", daß selbst einer, der.es ehrlich und aufrichtig meint — und unter diesem „Echod" jeder Einzelne inbegriffen ist, schloß Herr Dr. Kohn Beine mit großem Erfolg aufgenommene Rede. Sr. Ew. Oberrabbiner Schreiber verlieh seiner Freude Ausdruck, erklärt, daß sich sein bei der vorigen Generalversammlung geäußerte Wunsch „mi jiten wehojo lewowom ze kol hajomim" aufs herrlichste erfüllt hat. Die Leistungen der Aguda, die nicht auf der großen Pauke gesetzt werden, sondern die Oeberzeugung ihrer Tätigkeit schon selbst genügt, versinnbildlichen uns die Lehre des Mischkans. Es heißt dort „Kechol asoher ani mareh auscho esz tawnisz hnmischkon, weesz tawnisz kol keelow, wechen taaszu." Raschi lügt hinzu Jedaurausz'. Die äußere Einfachheit des Mischkan entgegengesetzt ihrem inneren herrlichen Glnnzc „wechen taaszu, ledaurans", demgemäß sollen wir uns richtqn. Die begeisterte und eindrucksvoll Ansprüche mit einem Appell ati das Publikum ergänzend, schloß unser Ew. Herr Oberrabbiner seine herrlichen deworim inin halew. Ew. Rabbiner Hirschler führte in meiner schönen Rede aus daß die Erkenntnis, daß wir bei dem Völkerbund einen Fakto'r bilden, schon genügt, um auf sicherem Boden zu schreiten. Wenn andere sagen, daß man die Jugend zu selbstbewußten Juden erziehe, so sagen wir, daß wir diese zu selbstbewußten Taurojwden heranziehen müssen. Das auf unserer Fahne geschriebene Programm und dessen ehrliche Ausführung beweist der große Fortschritt, den die Gesamtaguda in letzter Zeit erreichte. Auf dem Satze des dieswöchentlichen Wochenabschnittes — mit welchem Sr. Ew. unser Herr Oborrabiner geschlossen, sich beziehend — „wealo tecavve usw.". wenn die gedole Lora befehlen, daß „wejikchu eleoho Schemen znjisz zach', daß im Interesse der Thorn, rein leschem sebomnjim wie das Oel, gewirkt werden muß — und dieses befolgt wird, dann wird Schalhewes aulo meeleho, die Flamme der Regeisterung, von selbst emporlodern. Auf einer im Interesse der Jeschiwoaktion gerichteten Anfrage, antwortete Herr Wilhelm Kohn, daß Kc 20.000 an fünf slowakischen Jeschiboth respektive zur Aufrechterhaltung der Mensa-Institutionen, und zwar Preßburg,. Unzdorf, Galanta, Trnava und Magendorf, welche doch derzeit die ersten unserer Gegend sind, verteilt wurden. Bei der darauf folgenden Neuwahl wurde folgende Liste per Akklamation gewählt: Ehrenpräses: Sr. Ew. Oberrabbiner Schreiber; Vorstand: die Herren Heinrich Kalz, Donnebaum, Pappenheim I,' Wilhelm Kohn und D. Haberfeld; Ausschuß: Ew. Rabbiner S. Hirschler, Benedikt, Koss, Kohlmann, Sigmund Adler, M. J. Ungar, M. S. Fischer, Moses Weiß, Salamon, A. Goldstein, Springer, D. Rosenbaum, M. Stern, J. Weiß, I Fleischmann, Simon Adler, Neuhaus und D. Kastner; Revisoren: Goldberger, Josef Klein und Andor Neuschloß. Herr Donnebaum erklärte die Versammlung mit einem kurzen Schlußworte für geschlossen. AGUDA-JUGEND GRUPPE. ^guda^ugcndgruppe-CcibbibliotbcK. „Ahlu lkitabi", „Volk des Buches", Volk, das die Bibel besitzt, so wurde Israel von den Arabern genannt. „Volk des Buches" in einem weiten Sinne, Volk der Buchweisheit, des Wissens, diesen Namdh hat sich das jüdische „Volk bis heute erhalten und ihm, ererbt von den Vätern, von Neuem stets erworben, um ihn unverlierbar zu besitzen. Die jüdische Religion verlangt von ihren Bekennern das Studium der jüdischen Wissenschaft als religiöse Pflicht und nur ein jüdischer Lehrer konnte einen Satz sprechen wie diesen: „Der Ungebildete kann nimmer ein wahrhaft Frommer sein." Und so kann sich das jüdische Volk rühmen, von allen Völkern den geringsten Prozentsatz von Analphabeten zu haben und so ist in manchen Gegenden mit starker ostjüdischer Bevölkerung noch heute der Am ha'arez eine seltene Erscheinung! Und die zentrale Stellung des Studiums der Lehre im jüdisch-religiösen Leben, die ungemeine Popularität des Thorawissens innerhalb aller Schichten des jüdischen Volkes hatte auch zur Folge, daß als Auslese aus den großen Massen der Lernenden die größten Polyhistoren — was Quantität des Wissensstoffes betrifft — zweifelsohne unter den Juden zu finden waren und noch sind. Daß diese Hypertrophie des Gehirnes wol\l manche unliebsame Folge bei uns Juden zeitigte, ist freilich nicht zu leugnen! Und ob dieses geistig regsamste und produktiver Arbeit entwöhnte Volk ein neues Volksleben zu leben imstande ist, mag mit Fug bezweifelt werden!! Doch zweifelhafter dünkt mir, ob die neuen Werte nationaler und tätiger Kultur, die — gelingt schon solches Beginnen — sicherlich ein neues Volksleben schafft, ob die Werte eines „Muskeljudentums" den Verlust an Werten eines „Gehirnjudentums" — das waren wir bisher — auch halbwegs nur werden ersetzen können. Dem gläubigen .luden kann dies alles nicht erst zum Problem werden. Ihm ist, wie gesagt, Studium der jüdischen Wissenschaft in möglichst größtem Ausmaße religiöse Pflicht. Und stete habe ich zustimmend die Referate gelesen, die der Leiter der Unterrichtssektion der Aguda-Jugendgruppe in den Vollversammlungen dieser Vereinigung hielt; da er immer wieder forderte, daß das Lernen, die Lehrvorträge in den Mittelpunkt der Bestrebungen dieser Vereinigung gestellt wurden. Mag vieles noch fehlen, mag noch fehlen die Errichtung eines großzügigen jüdisch-religiösen Schulwerkes, mag besonders noch immer die Aenderung. die durchgreifende, der Methode auf sich warten lassen — was mir gerade am wichtigsten erscheint, da die bisherige Unterrichtsmethode, einer größeren Lernzeit angepaßt, nicht zum Ziele führen kann, — vieles wurde mit den bisherigen gänzlich unzulänglichen Mitteln docli schon geleistet, mehr soll — so hat's die Vereinigung sich zum Ziele gesetzt — mehr soll noch geleistet werden. Einen Schritt in dieser Richtung bedeutet die jüngst beschlossene Gründung einer jüdischen Bibliothek durch die Wiener Jugendgruppe der Aguda. Seit jeher und mehr noch in unserer Zeit der ungemein teuren Bücherpreise ist der Bestand einer solchen ein vielgefühltes Desiderat. Vielerlei und dadurch jedem etwas bietend, soll diese zu gründende Bibliothek alle Zweige der jüdischen Literatur umfassen. Reiche Geldmittel. Bücherspenden jeglicher Art sind notwendig! Jeder, dem die Bestrebungen der Jugendgruppe am Reizen liegen, möge dieses wichtige Werk fördern. „Volk des Buches" diesen Namen uns zu erhallen, wird mich diese Gründung beitragen! Dr. Siegfried S c h 1 e s i n g e r. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Wien. Vorige Woche hat sich unser verdienstvoller Obmannstellvertreter Herr Nissan Stolzberg mit Fräulein Jochebcd Horowitz verlobt. Mit ihm scheidet einer unserer eifrigsten und begeisterten Mitarbeiter aus dem Aguda-Jugendverbände. Besondere Verdienste hat sich Herr Stolzberg um das Unterrichlswesen und die soziale Fürsorge erworben. Wir wünschen ihm bei dieser Gelegenheit herzlich?! Masel tow und sind, sicher, daß er auch weiter für die Aguda-Idee erfolgreich arbeiten wird. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Baden. Die kurze, aber segensreiche Tätigkeitsdauer der AgudasJisroel- Jugendgruppe Baden beweist, neuerlich die unbedingte Notwendigkeit einer auf den Idealen Tauroh. Awandoh und Gemilus Ghassodim festfuudierten Vereinigung aller jugendlichen Kräfte, die sich nach in solchem Geiste zu leistender Arbeit sehnt. Was in Baden anfänglich unmöglich schien, hat sich in ganz kurzer Zeit als eine Einrichtung, die kein gläubiger Jude mehr missen mag, bewährt und man kann es jedermann empfehlen, bei seinem Aufenthalte in Baden nicht zu vergessen, die mustergültigen Vorträge anzuhören und die Tätigkeit,aller Mitglieder, deren eifrigem Bemühen es gelingt, jedem einzelnen viel Neues und Schönes zu bieten, mit Interesse zu verfolgen. Die jugendlichen Gesinnungsgenossen solcher Provinzstädte, welche sich noch nicht zur Gründung einer eigenen Aguda-Jugehdgruppe aufschwingen konnten, werden hier ein reiches Feld der Studien finden. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Bger (Erlau). Wie der Wiener Jugendgruppe aus Eger berichtet wird, hat der dortige Agudas Bachurim-Verein in seiner letzten Generalversammlung den begeisterten Anschluß an die Agudas Jisroel-Weltorganisation ausgesprochen. - Der Erlauer Agudas Bachunm-Verein. der schon bisher unter bewährter Leitung vieles für Tau roh geleistet, hat, konnte aber bisher aus gewissen Gründen den formellen Anschluß an Agudas Jisroel nicht vollziehen. Aber immer mehr wuchs die Erkenntnis, daß eine erfolgreiche Arbeit für unsere heilige Sache nur möglich sei in vollständiger Vereinigung aller Thoratreuen, und daß jedes weitere Fernbleiben in den heutigen, 'rlem traditionellen Judentum drohenden Gefahren unentschuldbar sei. In Würdigung dieses Umstandes wurde nach längerer Debatte einstimmig der Anschluß vollzogen. Mit der Durchführung der Gründungsarbeiten wurde Herr Samuel Schreiber betraut. Dieser Anschluß ist umso bemerkenswerter, als es die erste Jugendvereinigung in Ungarn ist, die in unsere Reihen eintrat. Wir hoffen, daß die übrigen orthodoxen Jugendvereinc in Ungarn dem Erlauer Beispiel bald folgen werden. Unserer Schwesterorganisation wünschen wir eine gedeihliche Entwicklung. Pmonalia. Verlobungen. Jochehed Horowitz—Nissan Stolzberg (Wien). Sali Rosenkranz—Rnl'ael Blind (Wien), Februar. Berta Groß—Dunio Wechsler (Wien). Lotte Safran—Konrad Adolf (Wien), Februar. Klara Amreich (Wien)—Wilhelm Sternklar (Buczacz) Februar, Margit Fried—Paul Schweiber (Bratislava). Uli Schimmerling—Oskar Kluger. Hochzeiten. Martha Epstein (Reichenberg)—Wilhelm Weiß (Wien). Direktor Gustav Löbl (Wiener-Neustadt)—Liesel Silbernem (Teplitz-Schünau), 14. Februar. Silberne Hochzeit. Heinrich Giiiufel.1 und Frau Gizi Schimmerling. Geburten. Oberlehrer Max Beer (Frankfurt, Fischerfeldstraüe 4) eine Tochter. Todesfälle. Michael Stier, Trödler (Bratislava), 81 Jahre. Literatur. Eingelaufene Bücher/ Akabjah. Von Paul Lehmann. Neunte Auflage. Akabjah-Verlag, Halle a. d. ,S. Geb. Mk. 12-50. 411seele. Von Dr. Gustav Hoffmann. Ein Versuch einer Charakterisierung des Weltengeistes in der Religion des Sozialismus. Verlag für sozialistische Lebenskultur, Rostock. Preis Mk. 3-20. Blätter. Nr. 6 und 7. 7. Jahrgang. Herausgegeben vom Gruppenverband der Palästinazentrale und der. Jugendorganisation der Agudas Jisroel inDeutschlando Abonnement jährlich Mk. 5"—. 1 Ausführlichere Besprechung vorbehalten.

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