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Jüdische Presse · 1921-02-11 · 5 (11.2.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
5 (11.2.1921)
Date
1921-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Seite 39 hat — hielten gehaltvolle Ahsprachen. Die neue Bibliothek wird von den Rabbinen Dr. Max Weiß als Direktor und Dr. Julius Friedmann als Bibliothekskustos geleitet. Kantoren-Lehranstalt in Budapest. Um den zahlreichen Uebelständen bei der. Institution der Kantoren und Vorbeter in Budapest und in ganz Ungarn abzuhelfen, befaßt sich der . Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde mit dem lehensfähigen Plane, in Verbindung mit der schon bestehenden jüdischen Lehrerpräparandie eine Kantorenschule zu errichten. Die geplante neue Kantorschule dürfte schon in Balde eröffnet werden und die Ausbildung von Kantoren, Vorbetern und ThdraVorlesern in den Rahmen ihrer Aktion aufnehmen. Polen. Jüdische Richter wollen nicht am Samstag den Eid leisten. Der Präses des Warschauer Handelsgerichtes berief für den 29. Jänner die neu bestimmten Richter,"unter denen sich auch sechs Juden befanden, und legte ihnen den Eid vor. Stadtrat. Wiszlicki erklärte, daß wenn man einen religiösen Eid fordere, könne man nicht während der Eidleistung gegen ein religiöses Gesetz verstoßen: nach dem jüdischen Gesetze dürfe man am Samstag keinen Eid leisten, außerdem werde doch auch die Unterschrift gefordert.. Der Präses entschuldigte sich-bei den jüdischen Richtern und bat sie, am Dienstag zu kommen. Die orthodoxe Jugend in Rzeszöw. Eine rege Tätigkeit entfaltete die orthodoxe Jugend in Rzeszöw. Es wurden dort mehrere Schiurim eingerichtet, die sich eines guten Besuches erfreuen. Außerdem finden auch Diskussionen in Sugiuth ha-schaß statt. Viel tat auch die Jugenclgruppe für die dortige Talmud Thora und die Jeschiba „Ez Chajim". Kürzlich fand dort eine allgemeine Versammlung der Jugendgruppe statt, auf weicher mehrere Komit ees gewählt wurden, die sich in der Arbeit teilen. Liquidation der ^Geldsendung - Abteilung des „Joint". Auf den Beschluß der Vertreter der jüdischen Parteien und Presse für die Aufrechterhaltung der Geldsendung-Abteilung langte die Antwort .der „Joint"-Exekutive ein, welche die Liquidation der Abteilung verlangt und die Vertreter der jüdischen Parteien bittet, der Leitung des ,,Jointu-Committees in Polen behilflich zu sein und bei der Liquidation mitzuwirken. Aguda in Lublin. Kürzlich fand in Lublin eine Versammlung der „Schlorne Emune Jisroel" statt, an der das Vorstandsmitglied der „Sch. E. J.u, der Rabbi von. Radzin, der Trisker, Bialaer und Lubliner Rabbi teilnahmen. Die Versammlung, die einen glänzenden Besuch aufwies, wurde mit einer längeren Rede des Radzirier Rabbi eröffnet. „In einer Zeit," schloß er, „wo' man nur mit Organisationen rechnet und äer Einzelne ganz verschwindet, müssen sich die religiösen Juden unter der Fahne der Aguda vereinigen." Nach einer längeren Debatte wurde eine Resolution angenommen, einen Fonds von 100.000 . Mark zu schaffen, um. die Lubliner Aguda auf ein festes Fundament zu stellen. « An Ort ..und Stelle' wurden 42.000 Mark gesammelt. Unsere Bewegung in Baranowitsch. Am Gliamischo-osser bi-Schewat fand in Baranowitsch eine Gmndungsversammlung der Aguda, die massenhaft besucht war, statt. Rabbiner Jizchak Weinstein eröffnete die Versammlung mit einer .kurzen Rede. Das Referat hielt Rabbiner David Weitzel, der in einer längeren Tlede die Aufgaben der Aguda auseinandersetzte. Es wurde auch ein „TiferesBachurfm'' gegründet, in der Herr M. Goldberg vor der Arbeiterjugend „Agada" und „Ghumesch* vorträgt. Schulangelegenheit im Warschauer Stadtrat. Bei . der Behandlung der Schulfrage im Warschauer Stad tra t führte der orthodoxe Stadtrat Jakob Trockenheim aus:. Der Standpunkt des orthodoxen Judentums in dieser Frage ist, daß bei den jüdischen Kindern, insbesondere den Kindern orthodoxer Juden, der Schulzwang schon deshalb nicht angewendet werden dürfe, da sie nach dem jüdisch-religiösen Gesetz dem Samstag-Unterrichte nicht beiwohnen dürfen. Jüdische Kinder dürfen nur solche Schulen besuchen, in denen die Erziehung in jüdischer Sprache und jüdischem Geiste isf und in keinem Gegensatze zur jüdischen Tradition steht. Für das orthodoxe Judentum Warschaus ist es von dringender Notwendigkeit, die Möglichkeit zu haben, daß das Netz der bereits bestehenden jüdischen Schulen, der sogenannten „Chadorim" und „Tahnud-Thoras" erhalten werde, und daß die Ghadorim-Sclralen, welche gegenwärtig eröffnet werden, sich ungestört entwickeln können. In diesen Chadorim wird auch ein bestimmtes Maß weltlichen Wissens gelehrt, sie sollten daher mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestattet werden. Zum Schluß „brachte er den Vorschlag ein, daß die Ausarbeitung eines Projektes der allgemeinen Schulpflicht, betreffend die jüdischen Kinder einem jüdischen Schulrat zu überweisen, ist,, der demnächst geschaffen werden solle. Der Sabbat. Auf einer für Samstag, den 15. Jänner, vor dem Lemberger Appellationssenat ausgeschriebenen Verhandlung stellte der Parteienvertreter Dr. Malz unter Berufung aufs veröffentliche Zusatztraktat zum Friedensvertrag den Antrag,, mit den Verhandlungen auszusetzen, da Juden an Samstagen und Feiertagen nicht vor das Gericht zitiert worden sollen. Nach längerer Beratung gab das Appellationsgericht diesem Antrage Folge, mit der Motivierung, diese Forderung sei vollständig gerecht und nicht nur im Friedenstraktat, sondern auch in der bisherigen Gesetzgebung und toleranten Praxis begründet. Litauen. Zu den Wahlen in Litauen. In einem Gespräch zwischen eleu jüdischen Deputierten Hirschhorn und Prylucki und dem polnischen Delegierten in Wilna. Herrn Raezkiewicz. erklärten die PJrstereu, daß die Stellungnahme der litauischen Juden zu den Wahlen von der Beziehung zu den Juden in Polen abhänge. Sie wiesen hiebei auf die Notwendidkeit hin, die Beziehungen zu den Juden in Polen zu ändern. Delegierter Raczkiewicz erwiderte, daß die Frage der polnisch-jüdischen Verständigung in Warschau bereits im Gange ist, es sei daher die Abhängigkeit der Stellung der litauischen Juden zu Polen von der politischen Lage der Juden in Polen nicht begründet. Die Sejmwahlen. Prilucki und Hirschhorn, die von ihrer Studienreise aus Wilna nach Warschau zurückgekehrt, sind, berichten, daß die von der polnischen Presse verbreiteten Gerüchte, als ob ein Teil der Wilnaer jüdischen Bevölkerung sich an den Sejmwahlen zu beteiligen gedenke, unwahr seien. Auch Dr. Sehabad und Dr. Schapiro, die von der polnischen Presse als Führer dieser Bewegung bezeichnet worden waren, haben ein energisches Dementi veröffentlicht. Die -Kehillo und die Schulen. Am 12. Jänner fand eine gemeinsame Sitzung des Präsidiums der Kehillo in Wilna und der Vertreter des Z. B. K. statt, auf der beschlossen wurde, daß die Kehillo außer dem Betrage, den sie, für kulturelle Zwecke verausgabt, den Lehrern die Schulden bis zum 15. Jänner bezahlen solle und in Zukunft für die Schulen mit einer bestimmten Unterstützung zu sorgen habe. Jüdische Schulen in Kowno. In den Schulen in Kowno wurden in allen Klassen Abteilungen für Juden geschaffen, deren Unterrichtssprache jüdisch ist und in denen jüdische Lehrer unterrichten. Jüdische Bildungssektion in Wilna. Nach einer Meldung des „Orient" wird in dem Bildungsdepartement in Wilna eine spezielle jüdische Sektion gegründet werden. Jimerika. Das Joint Distribution-Committee hat ein Departement geschaffen, das sich zum Ziele setzt, den Aufenthaltsort und genaue Adressen von Angehörigen im Auslande aufzufinden." Drei Sektionen sind für die gesamte Tschechoslowakei eingerichtet. Baron James Rothschild und Frau sind am 18. Jänner in New. York eingetroffen, wo ihnen auf einem Bankett im Hotel Astor von über 1000 Personen ein grandioser Empfang bereitet wurde. Er sagte in seiner Rede: Die englisch^Regierung hat den Juden die goldene Gelegenheit gegeben, ein Volk allen Völkern gleich zu werden. Sie hat uns auch, in Palästina einen jüdischen Oberkommissär gegeben, Balfour sagte mir, die Engländer werden ihre Pflicht erfüllen, aber die Juden müßten helfen. Ich appelliere deshalb an alle Juden, England bei der Durchführung der Pläne für das jüdische Volk behilflich zu sein. Es ist jetzt keine Zeit für Spielereien mit Worten und Theorien, wir müssen die praktische Arbeit beginnen. Enthusiasmus ist wohl nötig, aber wir müssen praktische Arbeit anfangen' und Palästina auf ökonomischem und industriellem Gebiete entwickeln. Ich bin gekommen als Mitglied des Economic Gouncil, an dem die Finanziers Englands und Frankreichs interessiert sind, selbst solche, die keine Zionisten sind, und hoffe, auch das Interesse zahlreicher amerikanischer Juden für das Economic Gouncil erwecken zu können, ich bin gekommen, um Beratungen mit den führenden Zionisten Amerikas, die ich achte und schätze, zu pflegen und hoffe, daß sie bei der großen Aufgabe des Wiederaufbaues Erez Israels ihre Hilfe nicht versagen werden. . ,1. P. Z. Der" Kampf um die Sonntagsruhe in Amerika. Das Gerichtsverfahren gegen einen jüdischen •Fabrikanten, in dessen Fabriken am Samstag gefeiert und am Sonntag gearbeitet wurde, hat dem Schomrei- Sabbath einen vollen Sieg gebracht. Der aus drei Richtern zusammengesetzte Gerichtshof hat den Angeklagten freigesprochen. Im Urteil heißt es ausdrücklich, daß der Fabrikant am Sabbath feiert und daher wohl berechtigt ist, seine Fabrik am Sonntag in vollen Betrieb zu setzen. ■ Amerika gegen den Antisemitismus. 'Christliche Kreise Amerikas haben in einem Protest gegen den Antisemitismus und je/len Versuch, diese Krankheitserscheinung auch nach Amerika zu verpflanzen, Stellung genommen. Der bekannte amerikanische sozialistische Journalist, der besonders durch seine Kritik Sowjetrußland bekannt ist, John Spargo, hat im Einverständnis mit den prominentesten Amerikanern christlichen Glaubens —' die jüdischen Organisationen blieben ganz ausgeschaltet, da diese Kundgebung ohne deren Zutun veranstaltet wurde — den Protest konzipiert und die Unterschriften eingeholt. Von den 119 führenden Amerikanern, die auf dem Protest unterfertigt sind, seien nur folgende wenige erwähnt: Wilson, Taft, Kardinal Canel, Baker, Bryan, Butler, Präsident der Columbia Universität, Lansing, der junge Rooseyelt, der Dichter Frost, der Maler Gibson u. a. m. Der neugewählte Präsident Harding, der ebenfalls um seine Unterschrift angegangen worden war, schrieb an Spargo: »Ich buY-sicher, daß Sie wissen werden, weshalb ich in diesem Moment jede Oeffentlichkeit vermeiden will und nicht gewillt bin, öffentlich Stellung zu nehmen gegenüber irgendwelchem Problem. Ebenso sicher wissen Sie, daß das amerikanische Volk überzeugt ist, daß ich meine Zustimmung nicht gebe zu Dingen, die kleinlich, untolerant und unamerikanisch sind, wie die antisemitische Bewegung. Ich habe stets die Lehre der Verständigung und Freundschaft gepredigt und niemand, der daran glaubt und auf die Einheit Amerikas hofft, kann sich an e&er Bewegung beteiligen, die gegen einen Teil unseres amerikanischen Volkes gerichtet ist." Dof amerikanische Botschafter für Deutschland. Der ehemalige Botschafter der Türkei Oskar Strauß stattete dem Präsidenten Harding einen Bericht ab, der sich in eine längere politische Konferenz verwandelte. Es verlautet,-daß Mr. Straus dem Präsidenten den Wunsch der amerikanischen Judenheit unterbreitete, für die bevorstehende Bestimmung des Gesandten nach Deutschland einen jüdischen Diplomaten in Aussicht zu nehmen. Dieser Wunsch erscheint um so begründeter, als auch amerikanische Regierung gewillt ist, auf den wachsenden Antisemit tismus in Deutschland mildernd einzuwirken, (1) Nomberg —- Redakteur des New Torker „Vorwärts". Im Zusammenhang mit dem Rücktritt Nombergs als Sejm-Deputierten wird gemeldet, daß er sich nach Amerika begibt, wo er die literarische Leitung des New Yorker „Vorwärts" übernehmen soll. Rumänien. Entlassung jüdischer Beamter. Der rumänische Deputierte Grecu aus Suczawa brachte im Parlament eine Interpellation wegen der Entlassung jüdischer Beamter ein. Er fragte den Minister für Verkehr und Eisenbahnen, General Vulianu, warum er es dulde, daß man jüdische Beamte entlasse. General Vulianu erklärte, er wisse nichts davon, und versprach eine Untersuchung der Angelegenheit. „Mentuaira" schreibt, es sei noch immer nichts geschehen und die Ungerechtigkeit werde fortgesetzt. Ein wichtiges Werk der Menschenliebe. Die Ghewra-Kadischa in Oradea Mare (Nagyväräd, Großwardein) geht daran, ihr Spital um zwei Pavillons zu vergrößern, und zwar soll der eine für arme Wöchnerinnen, der andere für arme tuberkulöse Kinder bestimmt sein. An der Spitze der Aktion steht Frau R. Ullmann-Schreiber, welche bei dem großen Werke des Ghewra-Spitales auch bisher segensreich gewirkt hat. Da die vorhandenen Mittel nicht hinreichen, um diesen umfangreichen Bau zu bewerkstelligen, hofft das Komitee, von dem Joint den fehlenden Teil der Mittel erhalten zu können. Es entspricht gewiß auch den Intentionen der Juden in x\merika, wo der Kultus der Frau und des Kindes so groß ist, wenn ihre Spenden diesem heiligen Zwecke gewidmet würden. Rußland. Liquidation der Chadorim. Nach Meldungen der russischen Presse fand in Witebsk eine . fünftägige Verhandlung wegen der jüdischen Chadorim statt und wurde das Urteil veröffentlicht, welches die endgültige Liquidation aller Chadorim in Sowjetrußland bestätigt. Das Auto der ermordeten Joint-Delegierten, Friedländer und Kantor, wurde in Galizien unter dem, den übertretenen Petljura-Banden gehörenden Fuhrparke, gefunden. Der Verdacht liegt also nahe, daß Friedländer und Kantor nicht von Bolschewisten, sondern von den Scheusalen Petljuras, die schon so viel Pogrome auf dem Gewissen haben, ermordet worden sind. Tranüreicto. Jahreskonferenz der französischen Zionisten. Der Pariser. J.Korrespondent der „J. P. Z." berichtet: An der Jahreskonferenz der französischen Zionisten, die fünf Sitzungen beanspruchte, nahmen 46 Delegierte teil, wie auch eine Anzahl von Gästen, von denen Motzki-n, Zlatopolsky, Temkin-und der Vorsitzende des Frankfurter Mizrachi, Saphir, hervorgehoben seien. Das Bestreben, die zionistische Arbeit in Frankreich zu aktivieren, war allgemein bemerkbar. Die, Stimmung der Versammlung war eine scharfoppositionelle gegenüber der jetzigen Leitung. Der Vorsitzende, Dr. Marmorek, kritisierte in seiner Eröffnungsrede die Exekutive, deren sofortige Absetzung er verlangte; er forderte Aufschub aller neuen Unternehmungen, Schaffung einer Kommission zur Führung der schwebenden An-

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