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Jüdische Presse · 1921-02-04 · 4 (4.2.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
4 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 26 JÜDISCHE PRESSE Mr. 4 Komitees zu übernehmen. Der Dwinsker Gaon hat hierauf in einem warmen und eindrucksvollen Brief geantwortet, daß er bei seinem hohen Alter 1. j. „und den schweren Prüfungen, bei den er alsKohen den Hauptanteii erhalten hat, (UNTQ pbn büß Jftt) nicht imstande sei, die nötige Tatkraft zu entwickeln, er nehme die angebotene Stelle als Ehrenpräses an, wenn man glaube, daß er damit der Sache diene, die faktische Leitung möge aber Oberrabbiner Sack als jüngere aktivere Kraft übernehmen, zumal Riga die Residenz Lettlands sei; er werde aber seinen ganzen Einfluß in den Dienst der Sache stellen." Das Rigaer orthodoxe Lehrerseminar sucht nun eine leitende Person, die aus Rußland stammen soll, da ihr die Verhältnisse bekannt sein sollen und auch dann das Wohnrecht leichter zu erwirken ist. Beste Grüße aus weiter Ferne all unseren Freunden. P. S. In dem letzten Briefe aus Riga soll es nicht heißen „sozialistische Parteien", sondern „verschiedene Parteien". Courncc Dr. joel Pollak. Wie wir bereits berichtet haben, hat der Sekretär der Wiener Aguda-Zentrale vorige Woche eine Propagandatour in der Slowakei gehalten und in der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, einen großen Erfolg erzielt, der auch in guten materiellen Ergebnissen zum Ausdruck kam. Nachstehend die Einzelberichte: SpisskePohradie.JSzepesväralja, Kirchdrauf). Am 14. Jänner (raf Herr Dr. Pollak in Kirchdrauf ein, um dem Oberrabbiner Spitzer über den Stand der Bewegung in der Ostslowakei zu referieren und die wichtigsten Angelegenheiten und das zukünftige Programm durchzuberaten. Prsov (Eperjes). Am 15. Jänner sprach Herr Dr. Pollak in Prsov in einer, gutbesuchten Versammlung. Nach einer Begrüßung seitens des Vorsitzenden Herrn Eleazar Vonfelder legte der Gast in einer einstündigen Rede die Ziele und Zwecke der Aguda dar, und erzielte mit seinen klaren und eindrucksvollen Darstellungen stürmischen Beifall. Auch der anwesende Oberstadthauptmann Dr. Tomka drückte dem Redner seine Sympathien für die geschilderte Bewegung aus. Es wurde beschlossen, für alle Institutionen der Aguda eine eifrige Sammlung zu inaugurieren. Poprad. Am 16. Jänner fand in Popräd eine große Aguda- Versammlung statt, an welcher die Gemeinden aus der Umgebung teilgenommen haben. Es waren erschienen Herr Oberrabbiner Grünberg-Kesmark, Vereinsrabbiner Groß, Rabbiner K. Singer, aus Künsdorf Herr Horowitz, ferner Vertreter aus Eperjes (Holländer), Gülnitz usw. Oberrabbiner Jakob Prager (Poprid) begrüßt die Versammlung mit schönen Worten, worauf Hot Oberrabbiner Spitzer in seiner bekannten glänzenden se einen begeisternden Vortrag 'über die Aufgaben der da hielt. Großen Eindruck machte der geistvolle Kommentar Os joschir". Dr. Joel Pollak referierte hierauf in einem zenden Referat über das Wesen und die: Tätigkeit der 3a. Es gründete sich gleich eine Jugendgruppe in Popräd.?rnava (Nagy Szombat, 4Tyrnau). Am'18. Jänner weilte Dr. Pollak in unserei| Stadt, um mit unserem Oberiner, Herrn Ungar, der beSatmtlich einer der begeistertesten1 iämpfer der Aguda in der Slowakei ist, über den Ausbau Organisation zu beraten. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr foel Pollak in der AusschuJJsitzung der Aguda-Orts- und üdgruppe ein ausführliches Referat über die Tätigkeit und sten Aufgaben der Aguda. ala n. V. (Vag Sellye). Unter dem Vorsitze des Rabbinats- _____asers Herrn Rab. Ehrentreu hielt Dr. Joel Pollak hier eine Versammlung ab, über welche wir bereits in voriger Nummer berichtet haben. Nitra. Am 20. Jänner besuchte Herr Dr. Pollak die Gemeinde Nitra', um dem dortigen Oberrabbiner Katz und dessen Sohn, R. Awrohom Aron, die sich um die Verbreitung der Aguda-ldee in der Slowakei unvergängliche Verdienste erworben haben, über den Stand der Bewegung zu referieren. Die Beratungen über das weitere Programm der Tätigkeit haben zu einem günstigen Resultat geführt. „Feischi, ist dir was geschehen?" fragte Itzl. „Nichts, gottlob", antwortete JTeischl. „Dann wirst du Samstag gomel benschen, Schwager!" Wenn aber einmal ein Tag mit „Pech" beginnt, so bleibt es selten beim ersten Unfall. Die Verkehrsstörung hatte ein verspätetes Eintreffen auf dem Markte zur Folge und da sich im Hochsommer mit diesem Artikel nicht viel spekulieren ließ, waren sie genötigt, ihre Waren um jeden Preis loszuschlagen, welcher Umstand auf die Laune der Beiden gerade nicht günstig einwirkte: Ein Hotelier hatte eben den letzten Rest „billig" erstanden und bestimmte als Zahlungstermin den folgenden Tag. Somit mußten sie noch eine Nacht in Wien verweilen. Feischi wollte sich gerade auf den Weg in die Stadt machen, um für seine Kinder etwas mitzubringen und putzte sich eben beim Hausknecht seine etwas arg mitgenommene Fußbekleidung. Itzl betreute im Stalle die ermüdeten Einhufer. Schon wollte er sjch auch entfernen, als der Oberkellner in Begleitung eines sehr elegant gekleideten Herrn auf ihn zutrat. „Der Herr Baron läßt sich empfehlen und anfragen, wie es Ihrem Reisegefährten geht." „Suchen Sie mich?" (Er hatte nämlich die Geschichte des Unfalls schon total vergessen.) „Natürlich Sie, es war doch Ihr Reisegefährte, der heute zwischen der Heugasse und Wiedener Hauptstraße von dem Wagen des Herrn Barons hinabgeschleudert wurde." „Welchen Barons?" „Nun, des Herrn Barons Albert Rothschild." Wie ein Blitz durchzuckte es den Geist- Itzls. Daraus läßt sich Kapital schlagen und das flaue Geschäft wird wieder repariert. Ohne eine Miene zu verziehen, sagte Itzl: „Der Herr Baron scheint aber auch einen schlechten Kutscher zu besitzen. Ich fahre schon Tapolcany. Am 22. Jänner hielt Herr Dr. Pollak, der über rQU m unserer Mitte geweilt hat, einen groß angelegten Vortrag über Agudas Jisroel. Vom Gemeindepräses Gellei begrüßt, entwickelte Redner das Programm der Aguda, die alle Aufgaben des Judentums im Geiste der Thora zu lösen berufen -sei, und zwar im Rahmen einer selbständigen Organisation, in der jeder Glaubenstreue mitarbeiten muß, wenn er nicht durch seine Passivität indirekt an der Ausschaltung des Thoraprinzipes mitarbeiten wolle. Präses Gellei drückt dem Redner seinen Dank aus und versichert, daß alle in dem angedeuteten Sinne'tätig sein wollen. Surany. Sonntag, den 23. Jänner, hielt Dr. Pollak im Rahmen der Generalversammlung der Orts- und Jugendgruppe einen Vortrag über die Agudas Jisroel-Organisation, welcher einen tiefen und. wie wir hoffen, auch nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Hierauf fand die Wahl der Funktionäre der Ortsgruppe statt, und zwar wurden gewählt: Lazar Grünwald, Präses; Franz Spitzer, Vizepräses; Sigmund Weiß jun., Kassier; Albert Paskusz, Kontrollor; Edmund Trotzer, Schriftführer; Arthur Wollner, Mor. Schwarz, Ausschuß. Später fand eine Besprechung im Hause des Herrn Oberrabbiners Meir Frey statt, der, trotz seiner Inanspruchnahme durch die Jeschiba, regen Anteil an der Aguda-Organisation nimmt. \ Nove Zamky (Ersekujvar, Neuhäusl). Am 24. Jänuer hielt die hiesige Orts- und Jugendgruppe der Aguda ihre' erste Generalversammlung ab. Vorsitzender Herr Oberrabbiner Tigermann begrüßt den Gast Herrn Dr. Pollak und die Erschienenen. Nach Abwicklung der Tagesordnung fand die Wahl statt mit folgendem Resultate: Oberrabbiner Tigermann, Präses; Josef Reichfeld, Kassier; Julius Herzog. Kontrollor; Hermann Löwy, Schriftführer; Jeremias Silbermann, Isidor Feibert, Leopold Leuchter, Vorstandsmitglieder. Nachdem Oberrabiner Tigermann für die Wahl gedankt hatte, ergriff Dr. Pollak das Wort, um ein ausführliches Referat über die Tätigkeit der Agudas Jisroel zu erstatten, und erzielte mit seinen Ausführungen den besten Eindruck. , Piöstany. Am 25. Jänner fand im großen Saale des Hotel Herzog in Piestany eine große Aguda-Versammlnng statt. Die. Eröffnung geschah durch Herrn Oberrabbiner, Landespräses Koloman Weber, der. auf die Wichtigkeit der Aguda in begeisternden Worten hingewiesen hat. Nun erstattete Dr. Pollak in einem anderthalbstündigen Referate den Bericht über die Ziele und das zukünftige Programm der Aguda. Hierauf sprach Rabbiner Hirschler, der Vizepräsident der orthodoxen Landeskanzlei, über das Programm der Aguda, ferner Rabbiner Aba Herzl aus Preßburg, der in seiner mit Humor gewürzten Weise zur Abkehr von den falschen Wegen ermahnte. Die eindrucksvolle Versammlung wurde sodann mit einer Rede des Präses Weber geschlossen. Die Propagandatour des Dr. Pollak hat an und für sich ein sehr befriedigendes Resultat erzielt, aber mehr noch die erfreuliche Erfahrung, daß die Slowakei durchwegs Agudafreundlich gesinnt ist und bei einiger Werbearbeit zu den besten Gebieten der Aguda gezählt werden kann. Die flpda in Glasgow. Die Aguda-Ortsgruppe in Glasgow veranstaltete am 9/ Jänner 1921 ein. Massenmeeting, zu welchem folgende Herren eingeladen waren: Der Gaon aus Östrowo (Rabbi Meir Dan Plocki), Rabbi J. Lew aus Warschau, Dr. N. Birnbaum , und J)r. B. Feßier. Samstag, den 8. Jänner, abends, wurde zu Ehren der Gäste ein Empfangsabend veranstaltet, an welchem sich angesehene jüdische Bürger, Rabbiner, Synagogenvorsteher usw. beteiligten. Begrüßungsansprachen wurden gehalten und für den Thora- Fonds der Aguda mehrere hundert Pfund gezeichnet. Sonntag, den 9. Jänner, abends, fand »in der Great Synagogue Portland Street das Massenmeeting statt. Die Synagoge war überfüllt. Als erster Redner trat der Gaon von Ostrowo auf, der die verzweifelte Lage unserer Brüder im Osten, in religiöser und ökonomischer Hinsicht, in rührenden Worten seit meinem 10. Lebensjahre Tag und Nacht und habe noch nie einen Menschen niedergefahren. Meinem Kameraden geht es sehr' schlecht. Er klagt über große Schmerzen und wir konnten dadurch nicht nach Hause zurückreisen." „Könnte ich mit Ihrem Freunde sprechen?" „Ja, aber vorher müßte ich ihn auf Ihren Besuch vorbereiten.B Und er bereitete ihn vor. „Feischl", raunte' er ihm auf dem Korridor zu, „geh' schnell in dein Zimmer, lege dich zu Bett, jammere und stöhne, was du kannst.* „Itzl, bist du meschügge? Mir fehlt doch nichts?" „Red nix und tu, was ich dir sage, sofort. Der Wagen, der dich heute überfahren, gehört dem Baron Rothschild." „Verstehst du jetzt, du Chanimer?" Und Feischi hatte verstanden. Nach wenigen Augenblicken lagen die wenigen Kleidungstücke Feischis auf verschiedenen Plätzen des engen Hotelzimmers umher und — Feischi — im Bette. „Unter 1000 Gulden keinen Kreuzer, hörst du", sagte Itzl und ging hinunter, den Abgesandten Baron Rothschilds einzuholen. Ehe einige Minuten verstrichen und der Privatsekretär Rothschilds das Zimmer betrat, stöhnte Feischi bereits wie drei Wöchnerinnen. „Der Herr Baron läßt Ihnen zu dem Unfälle sein aufrichtiges Bedauern ausdrücken, er ließ durch' die Polizei Ihr Logis eruieren und bietet ihnen 200 Gulden Schmerzensgeld an. HolFentlich ist Ihnen doch nichts ernsteres zugestoßen." Feischi hätte schon am liebsten die Komödie beendet und die 200 Gulden im»Sacke gehabt, doch Itzl wollte nicht. Er war, mit der Summe nicht zufrieden. Ein Blick aus seinen Augen belehrt ihn. schilderte. Rabbiner J. Lew besprach die Tätigkeit der Aguda im,, Osten Europas und die Arbeit, die in Palästina geleistet werden müßte, sollte das gesetzestreue Element nicht aus Mangel an tatkräftiger Sympathie im Golus gezwungen sein, in» Kampfe für unsere heiligsten Guter die Waffen zu strecken. Rabbiner Lew, der ein hervorragender Redner ist, wurde mit einem hundertstimmigen jjJejascher" belohnt. Dr. Birnbaum, der nächste Redner, schilderte in meisterhafter Rede die weltgeschichtliche Bedeutung der jüdischen Idee und wies auf den Weg hin, den G-ttes Volk wandeln mußte. Dr. Feßier besprach die Palästinafrage, das Emigrationsproblera und die Erziehungsaufgaben der Aguda. Während des. Meetings wurden beträchtliche Beträge für den Aguda-Fonds gesammelt, die durch eifrige. Propagandatätigkeit bedeutend vermehrt wurden. Eine große Anzahl von neuen Mitgliedern traten der Ortsgruppe bei. Spendet rar me Jugendgruppe! Bublik für die freie Kolonisation« Der bekannte Misrachistenführer und Journalist Gedaija Bublik schreibt im „New Yorker Tageblatt* über die Kolonisation in Palästina. Es sei kein Zufall, daß die zionistische Partei auf diesem Gebiete so wenig oder fast gar nichts geleistet habe; denn die Kolonisation sei eine Unternehmung, die gar nichts mit Politik zu tun habe, ja diese sei sogar für sie tödlich. Hingegen sei die zionistische Organisation völlig: durchdrungen mit Politik, die sie für die Kolonisationsarbeit ganz unfähig mache. Jede Kolonisation wird bald in die politischen Streitigkeiten zwischen den Parteien „Hapoel Hazair" und „Achduth Awoda" hineingerissen, werde sogleich Ton einer politischen Atmosphäre umgeben, so daß 90 Prozent der Energie für diese*nutzlose Politik aufgebracht wird, Der Waad Hazirim trete nicht direkt mit den Leuten, für die er das Geld ausgibt, in Verbindung, sondern gebe dies erst einer politischen Partei, welche stets darauf lauert, die Administration in ihre Hände zu bekommen. Weizmann hnt ganz richtig gesagt, daß wir in Palästina Experten benötigen, die sich nicht in Politik mischen, daß sich aber die Experten bisher mehr mit Politik als mit ihrer eigenen Arbeit abgegeben haben. Das sei auch die Erklärung, warum die J. K. A., deren Administration im ganzen aus drei Personen besteht, die in keiner Zeitung genannt werden, jedoch viel mehr als der Waad Hazirim für die Kolonisation in'Erez Israel tun. Das komme nicht daher, weil die J. K. A. mehr Geld habe, sondern weil diese Kolonisatoren sind, während die Zionisten Politiker sind. Bublik meint daher, daß 'die Kolonisation auf folgende Art vor sich gehen solle. Juden, die Geld auf die Kolonisation geben können, sollen sich vereinigen und Land kaufen. Jede Stadt in Amerika könne sich eine eigene Kolonie schaffen, oder es können sich mehrere Städte vereinigen und zusammen Land kaufen. Dadurch werde dem jüdischen Leben in Amerika ein reicher Inhalt gegeben. Um das Steigen der Preise zu verhindern, können die Einkaufe durch ein zentrales Amt besorgt werden. Das Volk solle diese Kolonisation auf eigene Initiative durchführen. Es sei nicht zu befürchten, daß die Juden Amerikas, die für alles selbst sorgen, wie zum Beispiel für das Bauen von Bethäusern, die Schaffung . von Talrnud-Thoras und anderen Institutionen, für Zion nichts tun werden. Es sei ein großer Irrtum, wenn man glaubt, daß alles durch die zionistische Organisation gehen müsse und das Volk nur das Geld geben solle. Die amerikanischen Juden hätten das Recht, Kolonien in Palästina zu schaffen, ohne sich dazu erst die Bewilligung des „Waad Hazirim" einzuholen. Man schlage sich aus dem Kopf, daß die zionistische Vertretung in Palästina alles in ihrer Hand haben müsse und sonst niemand etwas tun dürfe. Möge die zionistische Organisation, schließt Bublik, ihre Politik und Zänkereien weiter betreiben, w.enn sie nichts Besseres zh tun versteht, aber das jüdische Volk verlasse sich nicht aal' sie, sondern verrichte selbst die heilige Arbeit in Palästina. keine Antwort zu erteilen und frisch darauf weiter zu lamentieren. Als der Sekretär die Resultatlosigkeit seiner Mission einsah, entfernte er sich, kehrte jedoch nach zwei Stunden in Begleitung eines Herrn zurück, welchen er als Dr. K., den Hausarzt des Herrn Barons vorstellte. Letzterer untersuchte nun den jammernden Feischi, fand aber außer, einigen Hautabschürfungen absolut nichts. Als sich der Arzt entfernte, kam der Sekretär noch einmal zurück, näherte sich dem Bette Feischis und sprach: „Hören Sie, lieber Freund, auf einen guten Rat. Der Herr Baron ist bereit, obwohl Ihnen nach Aussage des Arztes fast nichts fehlt, 500 Gulden Schmerzensgeld anzubieten. Nehmen Sie Vernunft an und akzeptieren Sie diese großmütige Entschädigung. " „Ich akzeptiere unter 1000 Gulden keinen Kreuzer", war die Antwort Feischis. „Dann habe ich hier nichts mehr zu suchen, betreten Sie den Klageweg." Und so geschah es auch. Feischi ließ sich vom Polizeiarzte untersuchen, ein visum repertum ausstellen und als nach sechs Wochen die Verhandlung vor dem Bezirksgerichte Leopoldstadt stattfand, wurden ihm harte 17 Gulden Schmerzensgeld und Heilkosten zugesprochen und — ausgezahlt. Umsonst war dann alles Laufen und Bitten. Ein Angestellter des Bankhauses in der Renngasse antwortete jhm ganz kategorisch: „Der Herr Baron ist ein Kavalier und Wohltäter, doch unterstützt er nur Leute, die Bescheidenheit leinen.* So endete Feischis Prozeß mit Rothschild. Und wie es gewöhnlich zu sein pflegt, daß, wer den Schaden hat, alch für den Spott nicht zu sorgen braucht, mußte es sich Feischi bis an sein Lebensende gefallen lassen, wenn man ihn hänselte: „Der Feischi ist ein großer Mann, 'er hat sng.-ir mit Rothschild Prozeß geführt."

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