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Jüdische Presse · 1921-02-04 · 4 (4.2.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
4 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 JÜDISCHE PRESSE Seite 27 NACHRICHTEN. Deutsehoiurreicb. Wölf Pappenheims Palästinareise. Einern jahrzehntelange gehegten sehnlichsten Wunsche. Erez Isroel zu sehen Folge leistend, hat Herr Wolf Pappenheim sich entschlossen, selbst die Delegation nach Palästina, nach dem heiligen Lande, zu führen. Dieser Entschluß war rasch gefaßt und ebenso rasch ausgeführt. Herr Pappenheim führt eine Gruppe von Jereim im reiferen Alter, welche aus eigener Erfahrung die wirtschaftlichen Verhältnisse in Erez Israel studieren wollen, als Schrittmacher für eine spätere größere Gruppe von Jereim aus unserer Gegend, die sich in Palästina niederlassen wollen. Dienstag abends fand eine Vollsitzung des Agudaausschusses statt, in welcher Herr Wolf Pappenheim über seine Reise referierte und verschiedene Anregungen entgegennahm. Zum Schlüsse richtete Herr Thumim ein äußerst eindrucksvolles Abschiedswort an den abreisenden Präsidenten und drückte die Hoffnung aus, daß diese Reise für das glaubenstreue Judentum in Erez Isroel von bleibender Bedeutung sein werde. Bei der Abreise, welche Mittwoch abends vom Südbahnhof stattgefunden hat, hat sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das dem verehrten greisen Führer lebhafte Ovationen bereitete. Im Wartesaal richtete Rabbiner Baumgarten eine ergreifende Ansprache an Herrn Pappenheiin. der ebenso bewegt erwiederte. Am Perron sprach noch Herr Thumim in tief bewegender Weise. Unter brausenden Zurufen und endlosem Tücherschwenken setzte sich der Zug in Bewegung. Die Abschiedsszene machte auf das ganze Reisepublikum, das sich spontan an den Kundgebungen beteiligte, tiefen Eindruck. Die besten Wünsche aller Freunde der Aguda und Erez Isroels begleiten den Herrn Pappenheim auf seinem Weg nach Jeruscholajim. Die erste Sitzung des Wiener Kultusvorstandes bestand aus überlangen Reden der Jüdischnationalen Dr. Ehrlich, Stricker und Dr. Platschek, so daß die zweieinhalbstündige Sitzung keine größere Arbeit leisten konnte als die einstimmigen Beschlüsse, die Anträge wegen der Wahlreform und Steuerreform einer Kommission zu überweisen. Der Antrag der Jüdischnationalen, die Oeffentlichkeit der Sitzungen zu beschließen, wurde abgelehnt und der Gegenantrag des Herrn Pappenheim, diese Frage an die Kommission zu überweisen, angenommen. Wir kommen auf diese Sitzung noch ausführlicher zurück. Eine sehr ernste Frage. Wo bleibt die Ritualkommission des Joint? Ueb ernimmt sie die Garantie für die Ritualität der in den Küchen des Joint verabreichten Mazzoth oder nicht? Pie religiös lebende Bevölkerung Wiens hat das Recht, auf diese Frage promptest Antwort zu erwarten. Wohlgemerkt, die Frage geht nicht an den Joint, sondern an die Ritualkommission des Joint. (Vergleiche die Publikation über die Mittelstandsküchenangelegenheit.) Auch in bezug darauf fragen wir: Deckt die Ritualkommission des Joint diese Publikation oder nicht? Existiert diese Ritualkommission überhaupt? Ist es ihre Schuld, daß sie so gar nicht in Aktion tritt? Und wenn nicht, warum wurde die Oeffentlichkeit über die Ohnmacht des fiktiven Daseins der Ritualkommission nicht aufgeklärt. Hochzeit. Dienstag, den 25. Jänner 1921, fand in der Adas Jisroel-Synagoge die Trauung des Herrn Bernardo Braun (Fiume) mit Fräulein Charlotte, Tochter der Frau Mira Blau (Budapest) statt. Das Hochzeitsdiner fand im Restaurant New York statt. Beim Diner sprachen Herr Rabbiner Fürst, die Onkel der Braut, Abraham und Karl Freudiger und Dr. Abrahamson. Für wohltätige Zwecke wurden bedeutende Summen gespendet. — Im Hochzeitsberichte der vorigen Nummer soll es statt R. David Thumim richtig heißen R. David Halberstamm. Eröffnung der Mittelstandsküche. Dienstag, den 1. Februar, wurde die unter Aufsicht des Herrn Rabbiner S. Fürst stehende strengrituelle Mittelstandsküche (II., Malzgasse 12) eröffnet. Der große Zuspruch beweist, welchem Bedürfnisse diese Institution entsprochen hat, mit deren Gründung die Initiatoren ein lobenswertes Werk geschaffen haben. Chamischo-ossor. Der Elternrat der Vereins-Volksschule mit dem Oeffentlichkeitsrecht, Wien, II., Malzgasse 16, welcher der Anstalt ein hohes Interesse entgegenbringt, hat den 15. Schewat zum Anlaß genommen, um den Zöglingen wieder eine Freude zu bereiten, indem er jedem Kinde ein Päckchen, Aepfel, Nüsse und Feigen enthaltend, verabreichen ließ. Hiebei intervenierten in gewohnter Liebenswürdigkeit die Damen Tili Backenroth und Frida Gruber. Der Lehrer der vierten Klasse hielt an seine Schüler eine Ansprache, in welcher er dieselben aufforderte, dem Elternrate den Dank für die vielen Beweise der Zuneigung durch Fleiß und sittliches Betragen darzutun und auf diese Weise dazu beizutragen, daß die Anstalt stets eine Musterschule genannt werde. Adolf Fried. Kantorenwahl. Herr Oberkantor Alter ist im Bethamidrasch Talmud Thora Wien akzeptiert worden und hat mit 1. Februar die Stelle bezogen. Adas Jisroel (Schiffschal). Die Gastwirtschaft des Herrn Samuel Mayer9ohn, II., Taborstrafle 24 a, steht unter der rituellen Aufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel. Tempel- und Bethausdiener-Verein. Die am 16. Jänner 1921_ im Saale des Industriellen-Cafe I., Concordiaplatz 5, stattgefundene konstituierende Generalversammlung des Verbandes der Tempel- und Bethausdiener in Wien wies nachdrücklichst auf die unhaltbare wirtschaftliche und soziale Lage ihrer Mitglieder hin und bebt zur Beleuchtung derselben insbesondere folgende Punkte hervor: 1. Die fixen Bezöge emes Tempel- oder Bethausdieners betragen derzeit K 200--- bis 800'— monatlich. Wahrlich*dies sieht mehr einem Trinkgeld als einem Gehalte ähnlich. Dieser Betrag reicht kaum aus, für eine kleine Familie einen Tag bescheiden leben zu können. Das sogenannte Nebeneinkommen, und wenn wir dieses im Durchschnitt sogar mit K 60*— pro Tag einschätzen, reicht nicht .einmal aus, bei den heutigen, jeden Tag wahnsinnig steigenden Preisen die rayonierten Lebensmittel für eine Woche zu decken. Wir verlangen eine ihren Leistungen entsprechende Bezahlung, die ihnen die Befriedigung ihrer allernotwendigsten Lebensbedürfnisse ermöglicht. 2. Bezüglich. des DefinitivurtD^rder Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung stehen alle Tempel und Bethausvereine außerhalb des Gesetzes. Wir erflehen nachdrücklichst Anspruch darauf, was dem letzten Angestellten das Gesetz zubilligt, auch uns zu gewähren. Bezüglich des Definitivum wünschen wir einen Kollektivvertrag. Die derzeitigen Trauungstaxen betragen für den Tempeldiener den geradezu lächerlichen Betrag von K 6*— bis 12-—. Wir wünschen im Hinblick darauf, daß die ganzen physischen Arbeiten ausschließlich auf dem Tempeldiener lasten, daß die Taxen entsprechend und einheitlich geregelt werden mögen. 4. Wir halten es für unsere Pflicht, schon heute darauf hinzuweisen, daß es — die wir im Dienste des Kultus stehen — unmöglich erscheint, den religiösen, bezw. rituellen Anforderungen des Pessach nachzukommen, wenn nicht eine außerordentliche Hilfe uns zuteil wird. 5. Zur Beratung und Durchführung dieser unserer gerechten Forderungen schlagen wir vor: Die Einberufung einer Enquete, in welcher Vorsteher, Mitglieder und Angestellte aller Kategorien vertreten wären und die Beschlüsse für alle Tempelvereine bindend sein sollen. Ke 6 prozentig-en österreichischen Schatzscheine. Die Stücke der Gprozentigen österreichischen Staatsschatzscheine, welche die Fiuanzverwaltung ausgegeben hat, um der wachsenden Geldübertlulung und. deren schädlichen Folgen entgegenzuwirken, sind nunmehr fertiggestellt und können bei allen Postämtern und Geldinstituten bezogen werden. Diese Schatzscheine haben bekanntlich eine Laufzeit von sechs Jahren, werden al pari ausgegeben, können aber zu jeder Zeit für den ersten Tag des der Kündigung nachfolgenden vierten Kalendermonates gekündigt werden. Die Rückzahlung erfolgt hierauf abzugsfrei zum vollen Nennwerte samt Zinsen.. Mit diesem Schatzcheine gelangt man eigentlich in den Besitz von verzinslichen Noten, welche vielleicht die Anziehungskraft besitzen werden, um auch aufgesparte Banknoten aus dem Verkehr herauszuholen, den Umlauf m Banknoten zu verringern und damit den endlichen Abbau der ungeheuerlich belastenden Teuerung herbeizuführen. Eine Zeichnung auf diese Schatzscheine findet nicht statt. Sie sind jederzeit bei allen Anstalten zu haben und die Art der Anleihe ist eine dauernde Einrichtung, die auch in anderen Staaten besteht, damit überschüssige Gelder in vorteilhafter Weise veranlagt werden können. Im Bedarfsfall sind diese Schatzscheine leicht zu realisieren, indem sie bei jedem Postamte leicht gekündigt werden können. C$cDecDo$lowakei. Die orthodoxe Landeskanzlei bei Minister Miöura. Donnerstag, den 6. Jänner, erschien eine Deputation der orthodoxen Landeskanzlei beim Minister Dr. Miöura, um ihn anläßlich des bürgerlichen Jahreswechsels zu beglückwünschen. Die Deputation bestand aus den Herren Oberrabbiner Weber, Präses der Landeskanzlei, Vizepräses Oberrabbiner Hirschler und in Abwesenheit des Oberrabbiners Schreiber schloß sieh Herr David Kraus, Präses der Kultusgemeinde, der Deputation an. Präses Weber sagte in seiner Begrüßungsrede unter anderem: Das abgelaufene Jahr war reich an aktuell gewordenen schwerwiegenden Fragen, deren, Lösung einen großen Schritt nach Vorwärts auf dem Wege zur Konsolidierung der tschechoslowakischen Republik bedeutet, wa*s nicht zum geringsten Teil aucli ein Verdienst Euerer Exzellenz ist. Als die Vertreter der Kultusgemeinden sind wir Euer Exzellenz zu tiefem Danke verpflichtet, für die wohlwollende Behandlung unserer konfessionellen Angelegenheiten. Infolge Intervention des Ministeriums ist die Kongrua der jüdischen Seelsorger endlich erledigt, der notwendige Nachtragskredit ist bereits angesprochen und wird in den nächsten Tagen von der Nationalversammlung bewilligt werden. Große wichtige Probleme harren auch im neuen Jahre dringender Lösung. Möge nun der Allgütige Euer Exzellenz Kraft und Ausdauer, Frische und Gesundheit geben, damit Sie sich ungestört und unverdrossen den schwierigen Aufgaben widmen und noch lange Zeit im Dienste der Oeffentlichkeit zum Heile dieses schönen Landes und zum Wohle aller Bürger ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses wirken können. Der Minister dankte für die freundliche Begrüßung und wiederholte die bereits bei einer anderen Gelegenheit gegebene Erklärung, daß er auf dem Boden der vollständigen Gleichberechtigung aller Bürger stehe und stets darauf bedacht sein wird, daß in seinem Ministerium danach gebandelt werde. Im weiteren Verlaufe der Audienz lenkte Präses Weber die Aufmerksamkeit des Ministers auf die Lizenzenfrage mit der Bemerkung, wenn den Juden massenhaft die Lizenzen entzogen würden, eine Masse Arbeitsloser entstehen könnte, die weder der Judenheit noch dem Staate erwünscht sein könne, und bat den Minister, diese Angelegenheit schonend zu behandeln. Der Minister erwiderte: Mit der Ordnung der Lizenzen ist eine aus mehreren Mitgliedern bestehende "Kommission betraut worden. Dieser Kommission wurde die strenge Weisung gegeben, ihre Entscheidungen vom Glaubensbekenntnis des Lizenzinhabers nicht beeinflussen zu lassen. Maßgebend vielmehr muß sein die Existenzmöglichkeit des Betreffenden und soll derselbe nicht brotlos gemacht werden. Sollten in dieser Richtung Ungerechtigkeiten vorkommen, so möge man sich vertrauensvoll'an das Ministerium wenden, daß die Revision anordnen und Remedur zu schaffen bestrebt sein wird. — Die Deputation nahm diese Erklärung des Ministers mit Dank entgegen und begab sich hierauf zum Herrn 2upan Källay, den Präses Weber in kurzen markanten Worten begrüßte. Herr &upan Källay dankte für die Begrüßung und gab der Ueberzeugttng Ausdruck, daß nur durch die moralische und wirtschaftliche Kräftigung aller Kreise und aller Schichten, worunter er, selbstverständlich auch die .faden verstehe, kann die Erstarkung* der Republik am raschesten erwartet werden. Nach Erledigung einiger konfessioneller Angelegenheiten verabschiedete sich Herr'Källay von jedem einzelnen Mitglied der Deputation. Hochzeit. Mittwoch, den 9. Februar, findet in Stupava (Stampfen) die Hochzeit des Fräulein Hilda, Tochter des Oberrabiner Herrn M. S. Herzog, mit Herrn Alexander F r i e d m a'n n statt. (Wir gratulieren herzlich D. R.) Jesehiba-Mensa in Surany. Die unter der Leitung des hochgelehrten Oberrabbiners Meir. Frey stehende Jeschiba, welche durch die kriegerischen Ereignisse stark gelitten hat, konnte Dank der vom Gentral- Relief-Committee gesendeten Geldmittel, die zur Erhaltung der Bachurim nötigen Mittel ergänzen und hat nunmehr eine Mensa errichten können. Chamischo-ossor in Presov. Die hiesige Jugendgruppe der Agudas Jisroel veranstaltete Sonntag abends ein sowohl moralisch, als auch materiell überaus gelungenes Ghamiso-osor-bischwat;-: Fest. Es waren die hervorragendsten Gemeinde^ mitglieder und Talmide chachomim anwesend. Auf dje Begrüßungsansprache des Herrn Julius Holländer antwortete Herr Lazar Fonfeder, Präses der Ortsgruppe, in einer sehr geistreichen Rede, in welcher er die Kämpfe der Aguda nach Rechts und nach Links auseinandersetzte. In einem formvollendeten, gediegenen Vortrag sprach hierauf Herr David Müller, an den dem Chamischo-ossor zu entnehmenden Lehren anknüpfend, vom „Wurm, der sich in unseren Lebensbaum eingefressen hatte". Es sprachen noch Reb Simcha Lenezy Herr Safamon Guttman u. a.. köstliche diwre toro. Nachher wurden die fünfzehn schir-hamalous gesungen.. Neben diesen geistigen Genüssen war auch fürs Physisch* reichlich gesorgt. Kurz, das Fest hatte schöne „Früchte" gezeitigt und die Teilnehmer entfernten sich in gehobener Stimmung. Ungarn. Joint-Kindergarten. Ein besonders rühmenswertes Werk bedeutet die Gründung des jüdischen Kindergartens durch den Joint, eine Institution, deren Initiatoren und treibende Kraft Frau Sara Lindenbaum ist. Am 9. Jänner fand die feierliche Eröffnung statt, bei welcher Frau Lindenbaum schöne Worte über die Bedeutung der Erziehung des jüdischen Jündes sprach. 230 Kinder erhalten^da gute Verpflegung und streng religiöse Erziehung. Ehrenpräsident ist v. Polnay, Präsident Abraham v. Freudiger. Die Leitung des Instituts versieht in unermüdlicher Weise Frau Sara Lindenbaum. Hazofe. Die hebräische Zeitschrift des Rektors des Budapester (neol.) Seminars Ist wieder erschienen. Verbot. Im Verordnungsblatt des ungarischen Post- und sTelegraphenamtes wird unter dem 3. Jänner 1921 mitgeteilt, daß die Post Korrespondenzen mit hebräischen Schriftzeichen, gleichviel ob hebräisch* oder jüdisch, nicht weiterbefördert. Polen. Versorgung mit Masaos. Am 19. Jänner 1921 fand in der Lodzer Gemeinde eine Beratung wegen der Mazzos-Angelegenheit statt. Die gewählte Kommission erstattete Bericht über ihre Tätigkeit. Da die Gemeinde nicht in der Lage ist, die Mazzo-Aktion zu finanzieren, wandte sich die Delegation an einige Lodzer Großindustrielle und Kapitalisten. Die Bemühungen der Delegation hatten Erfolg und man hofft, einen Betrag

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