Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 3 (28.1.1921)
- Date
- 1921-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 19 Mensa, wo derzeit 45 Bachurim ausgespeist werden. Die Mensa basiert auf bedeutenden Beiträgen der hiesigen Gemeinde. Indem jedoch die Erhaltung der Mensa enorme Mittel erfordert und diese Institution im Interesse des Judentums und Hebung der Würde der Thora wirkt, so ist es unser berechtigter Wunsch, daß sich weite Kreise mit Geld- und Naturalienspenden der Mensa erkenntlich zeigen, um dem Spruche unserer Weisen im en kemach en thora gerecht zu werden. Josef Fürst. Aguda in Trnava. Die Agudas Jisroel, die seinerzeit von Ehrw. Rabbiner Kohn (Ansbach) und unserem Oberrabbiner Ungar *") gegründet wurde, entfaltet eine rege Tätigkeit. Allabendlich werden Vorträge gehalten durch die Herren Abeles. Schönfeld. Fürst. Raab, Halle und Schick. Am verflossenen rttl3n wurde ein nVJtPÜ DTÜ" gefeiert, an dem der größte Teil der Gemeindemitglieder teilnahm. Das Verkaufen des Benschen ergab K 1800-—. Es wurde wieder UV an die Mitglieder verteilt. Für das Gelingen des schönen Festes haben sich die Herren Josef Raab und S. Schönfeld bemüht. Auch eine Jugendgruppe der Aguda ist in afiler Tätigkeit. Wir Avünschen ihnen pttW pfft. F. Gemeindewahl in Lipjan (Höthärs). In den Vorstand wurden gewählt: David Händler, Präses: Israel Abraham, Vizepräses: Hermann Mandl, Tempelvorsteher; Salamon Perlstein, Kontrollor; Samu Groszwirth, Kassier. Präsidium: Adolf Mandl, Markus Herbach, Zoltan Fischgrund, Ede Teitelbaum. Heinrich Ablöser. Auch etwas. Das Ministerium des Innern in Prag hat den Vizepräsidenten des dortigen jüdischen Nationalrates, Herrn Artur Kauders, zum Mitglied der Verwaltnngskoinmission für Groß-Prag ernannt. Ungarn. Moritz Mezei, der Präsident der (neol.) israelitischen Landeskanzlei feiert seinen 85. Geburtstag in voller Rüstigkeit. Sein Ideal, die Amalgamierung mit dem Magyarentum , entschwindet am Abende seines voll reicher öffentlicher Tätigkeit immer mehr dem Bereiche der Wirklichkeit. „In Ungarn wird es nie einen Antisemitismus geben", war stets die Antwort auf alle an ihn gerichteten Zukunftsfragen. Trotz aller Kämpfe mit der Orthodoxie, welche er bereits am denkwürdigen Kongreß des Jahres 1868 geführt hat, ist er selbst beim Gegner geachtet ob seines Charakters. Mezei war eine Zeitlang Abgeordneter eines Budapester Stadtbezirkes im Parlamente und mit Koloman v. Tisza eng befreundet. Alexander Komäromi. Der bekannte jüdische Statistiker und Publizist Alexander Komäromi ist nach längerem Leiden im Budapester Rothschildspital verschieden. Komäromi war fast seit Beginn des Egyenlöseg dessen Mitarbeiter und hat sich besonders mit seinen gründlichen statistischen Arbeiten und Beiträgen um die Entwicklung des ungarischen Judentums verdient gemacht. Auch als Belletrist war Komäromi in weiteren Kreisen bekannt; besonders seine Sammlung „Unsere Festtage", in der er ■ die jüdischen Feiertage und Familienleben mit herzlichen warmen Strichen schilderte, bildeten eine beliebte Familienlektüre. Die ungarische Literatur verdankt ihm die ungarischen Uebersetzungen zahlreicher Werke Lehmanns, Zangwills, Philipsohns, Elise Orsofskis und Leopold Komperts. Als sein Verdienst kann auch die Gründung der Budapester jüdischen Gärtnereianlage bezeichnet werden, zu deren Schaffung er dem seinerzeitigen Gründer Hermann Neumann den ersten Impuls gab. Seine reichhaltige volkswirtschaftliche Tätigkeit erreichte ihren Gipfelpunkt in dem 1912 erschienenen preisgekrönten Werke „Die Teuerung". Hochzeit. Am 26. Jänner fand in Oedenburg die Trauung des Herrn Dr. Samuel Lemberger (Wien) mit Fräulein Natalie Schiff, Tochter der Frau Regime Schiff (Oedenburg)-Dr. Kreuz, statt. (Wir gratulieren herzlich.) Deutschland. Rituelle Verpflegung der Abstimmenden. Die Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlesischen Abstimmung, Breslau, beabsichtigt, in dem Bestreben, allen abstimmungsberechtigten Oberschlesiern die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, für die jüdischen Abstimmungsberechtigten auf der Reise und während des Aufenthalts im Abstimmungsgebiet auf Wunsch rituelle Verpflegung zu beschaffen. Dies geschieht von ihr in Gemeinschaft mit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, die auch während des Weltkrieges die jüdischen Soldaten und Gefangenen in vorbildlicher Weise mit ritueller Verpflegung versorgt hat. Um ein Bild zu gewinnen, über die Anzahl der Abstimmungsberechtigten, die auf rituelle Verpflegung reflektieren, werden solche Abstimmungsberechtigte gebeten, baldigst ihre Adresse und ihren Absimmungsort der Zentralstelle, Breslau, Kaiser Wilhelmplatz 20 — Tel. Ring 10223 oder der genannten Vereinigung, Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, oder einem der beiden Vorsitzenden der Schlesischen Abteilung dieser Vereinigung, Kaufmann Aron Kober, Breslau, Königsplatz 5, und Bankier Loewy, Breslau, Goethestraße 36, zu melden. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Am 28. Dezember v. J. fand im Logenhaus in Berlin die Mitglieder-Versammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Bericht des Vorsitzenden; 2. Vortrag des stellvertretenden Vorsitzenden, ftabbiner Professor Dr. Bloch: ,Worte der Erinnerung*; 3. Rechenschaftsbericht; 4. Antrag des Vorstandes auf Eintragung der Gesellschaft in das Vereinsregister; ö. Antrag auf Satzungsänderungen (Erhöhung des Jahresbeitrages, anderweitige Bestimmungen über Versendung einer Zeitschrift, vergleiche Monatsschrift 1920, S. 160); »>. Wahl des Ausschusses; 7. Eventuelle Antrüge der Mitglieder. Polen. Jüdische Handwerker - Kooperativ - Bank. In Warschau fand eine Versammlung wegen der Gründung einer K'ooperativbank für jüdische Handwerker statt. An der Versammlung nahmen Vertreter verschiedener jüdischer Handwerker-Organisationen sowie Vertreter jüdischer Finanzkreise Warschaus teil. Advokat Krakowski brachte ein Projekt vor, wonach die Bank 50.000 Aktien zu Mk. 2000 herausgeben solle, so daß das Grundkapital 100 Millionen Mark betragen wird. Anwesende Finanziers erklärten sich sogleich für gröllere Betrage und es wurde eine Kommission gewählt, die die weitere Organisierung der Bank durchführen soll. Budget für jüdische Wohltätigkeitsinstitutionen. Bei der Behandlung des Budgets für die Wohltätigkeitsabteilung im Warschauer Magistrat referierte Stadtrat Elias Kirschbaum. Nachdem er einige Verbesserungen im Budgetvorschlag vorgebracht hatte, schlug er vor, drei Millionen Mark als Unterstützung' für philanthropische Institutionen zu zeichnen, wovon eine Million Mark für jüdische Institutionen bestimmt Averden soll. Weiters schlug er vor, einen größeren Betrag für Anleihen an Handwerker und Kleinhändler zu bestimmen, wovon wieder ein Drittel den Juden gegeben werden soll. Der Vorschlag wurde angenommen. Es wurde auch auf Vorschlag Kirschbaums ein Betrag von drei Millionen Mark zum Kaufe einer Villa für ein Internat für jüdische Kinder gezeichnet. Gegen den Beschluß des „Joint". Am 16. Jänner fand beim „Joint" in Warschau . eine Beratung der Leiter des „Joint", Rabbiner Kowalski und Herrn Zucker, mit den Vertretern der jüdischen Parteien und Presse über die Lage, die durch den Beschluß desfamerikanischen „Joint", die Geldsendungabteilung zu liquidieren, geschaffen wurde. Es wurde beschlossen, 1. hinzuweisen den amerikanischen „Joint", daß die Geldsendungabteilung gegenwärtig nicht liquidieren könne und dürfe, 2. einzuberufen eine ständige Kommission von Vertretern jüdischer Gruppierungen und Fachmännern, welche die Geldsendungabteilung regulieren solle. In der Wöchnerinnenanstalt „Esras Joldos Anijos" wurde kürzlich ein Grilling geboren. Alle Kinder sind gesund und wiegen zu 4 bis 41/., Kilogramm. Der Bris Mila fand bei allen Dreien zur gleichen Stunde statt. Regierungsverordnung wegen der Schechito. Das polnische Ministerium für religiöse Angelegenheiten gab ein Zirkular betreffs der jüdischen Gemeinden heraus. Die jüdische Gemeinde ist eine rechtlich öffentliche Institution und daher der Regierung verantwortlich. Die «gesamten Einnahmen bei der Schechito müssen in die Gemeindekasse fließen, welche damit die verschiedenen Gemeindeausgaben zu decken hat. Die Schechito darf nur nach einem Tarif erfolgen, welcher von der Gemeindeverwaltung festgesetzt und vom Ministerium bestätigt ist. Der Rabbiner ist nur für die religiöse und rituelle Aufsicht der Schechito bestimmt und hat kein Recht, sich in die ökonomischen und administrativen Angelegenheiten der Schechito zu mischen. Alle russischen Schechitogesetze werden abgeschafft. Jimerika. Die jüdisch-polnischen Unterhandlungen. An den jüdisch-polnischen Beratungen in Amerika nahmen von polnischer Seite Fürst Lubomirski und der polnische Generalkonsul in New York, Stephan Grutowski, teil. Von jüdischer Seite Richter Julien Mack, Louis Marshall, Piabbiner Stephan Wise, GedaJja Bublik, Morris Rothenberg, Jakob Ginsburg, Salomon Blumgarten, Richter Gustav Hartmann und Bernhard Richards. Dr. Rosenberg verlas zuerst die Resolutionen gegeii die Pogrome, die auf der vom Kongreß zusammengerufenen Konferenz angenommen wurden. Marshall schilderte die schreckliche Lage der Juden in Polen. Er verwies auf die Leistungen der Juden in Amerika und meinte, die polnischen Juden könnten dasselbe für Polen tun, was ihre Brüder für Amerika getan haben, nur muß man in Polen eine liberalere Politik einschlagen. Er erinnerte auch an den Anteil der Juden am polnischen Aufstand im Jahre 1863 und sagte, die Juden seien Freunde Polens und die amerikanischen Juden würden gerne Polen mit allem, was sie vermöchten, helfen, es müsse aber erst den Verfolgungen ihrer Brüder in Polen ein Ende bereitet werden. Richter Mack erklärte, daß die Juden Amerikas den Schmerz jeden Teiles des jüdischen Volkes, in welchem Lande auch immer, fühlen, weil die Juden zerstreut sind und kein Land haben. Insbesondere sind die Juden Amerikas an der Lage der polnischen Juden verinteressiert, unter denen sie zahlreiche Verwandte haben. Die Juden seien von Natur ein freiheitsliebendes Volk und waren daher zufrieden mit der Befreiung Polens. Sie würden auch gerne Polen helfen, können es aber nicht, infolge der Verfolgungen, denen die Juden in Polen ausgesetzt sind. Polen müsse das durchführen, was im Friedensvertrag angenommen wurde, und den Juden das Recht auf - ihre Sprache und Eigenart gewähren, wie es in den Minderheitsrechten des Friedensvertrages vorgesehen ist. Die Rede Macks machte auf den Fürsten Lubomirski einen tiefen Eindruck, der im Laufe der Diskussion immer mehr die diplomatische Reserve aufgab. Rabbiner Wise sagte, die Frage sei nicht bloß eine jüdische Frage, denn die zivilisierte Welt könne dem nicht ruhig zusehen, was in Polen vorgeht. Wenn Polen die Achtung bei der zivilisierten Welt nicht verlieren wolle, müsse sie endlich Gesetz und Ordnung einführen. Gedalja Bublik : Die Behauptung der polnischen antijüdischen Zeitungen, die Juden seien Polens Feinde, sei lächerlich. Polen war nicht nur ein Zufluchtsort für die Juden int Mittelalter, sondern war auch und ist ein Zentrum für jüdische Kultur, und das vergrößere noch das jüdische Interesse für Polen. Im Namen der jüdischen Presse in Amerika sagte er, sie sei immer für Polens Freiheit eingetreten, und sei auch weiter dazu bereit, wenn nur die Verfolgungen aufhören und die Juden dort die volle Freiheit und Rechte bekommen, die ihnen zukommen. Als man auf die Grausamkeiten der Armee Balachowicz' zu sprechen kam, sagte Fürst Lubomirski, das sei keine polnische Armee der polnischen Regierung, sondern polnische Verbündete, die den Aufseher seines eigenen Hofes getötet haben, der Christ ist. (Richter Hartmann bemerkte hiezu, daß sie wohl gemeint haben, er sei ein Jude.) Fürst Lubomirski sagte, daß Polen an Mangel in Kultur leidet. Das Volk sei nicht gegen die Juden, nur in der Armee seien solche Elemente, die schwer zu kontrollieren seien. Als man ihn darauf hinwies, wie man gegen die jüdischen Soldaten in Jablona gehandelt hatte, zuckte der Fürst mit den Achseln, als ob er sich darüber verwunderte. Er verlas dann die Verordnungen des Kriegsministers gegen Pogrome und Ueberfälle auf Juden, worauf Marshall sagte, die Verordnungen seien gut, ihnen "sei es aber darum zu tun, daß sie auch durchgeführt werden. Die Forderungen der jüdischen Delegation waren: 1. Befehle an die polnische Armee herauszugeben, in welchen verboten wird, Juden zu vergewaltigen und ihr Gut zu zerstören. 2. Die nötigen Schritte zu unternehmen, daß diese Befehle den Offizieren und Soldaten bekannt werden. 3. Aehnliche Befehle an die zivile Bevölkerung herauszugeben und dafür zu sorgen, daß sie der ganzen Bevölkerung bekannt werden. 4. Verbot der Verbreitung von Proklamationen und Plakaten gegen Juden sowie der Agitation aller Zeitungen, die gegen Juden hetzen und Pogrome bezwecken oder sonstwie auf Beleidigung und schlechte Behandlung der Juden hinzielen. 5. Durchführung der Punkte des Friedensvertrageswegen der Minderheitsrechte und besonders derjenigen Punkte, die die politische und ökonomische Freiheit der Rasse-, Religions- und Sprachminderheiten garantieren. Kleider-Aktion des People Relief. Das People Relief Comittee in New York (Sozialistisches Hilfskomitee innerhalb des Joint) hat neuerdings eine Aktion zur Sammlung von Kleidern für die Kriegsnotleidenden in Europa begonnen. Dieses Komitee hat bereits eine Schiffsladung Kleider, welche in Detroit und Minneapolis gesammelt wurden, nach Litauen gesendet. Im Oktober ging eine zweite Ladung nach der Ukraine, gesammelt in Philadelphia und Chicago. Die Philadelphiaer Sammlung allein hatte einen Wert von einer halben Million Dollar. Ende Dezember wurde eine Sendung nach Sowjetmßland and der Ukraine verschifft, gesammelt von Clevelander Juden und in Argentinien, das allein um 100.000 Dollar Kleider schickte. Nun soll New York selbst sammeln. Vom 1. bis zum 15. Februar wird eine umfassende Propaganda für Kleidersammlung für die Ukraine, Weißrußland and Sowjetrußland entfaltet werden. Der amerikanische Misrachi sendet 11.000 Dollar nach Palästina. Dieser Betrag wurde durch einfache Mitgliedsbeiträge gesammelt, die 10, 15, 25 und 100 Dollar betragen. Theatervorstellung zugunsten einer — Talmud- Thora. Wir reproduzieren einen New Yorker Theaterzettel, der hier gewiß seltsam anmuten wird: Shylock für die Talmud-Thora in Coney Island: di Ale, wo hobben nit gehat di Meglichkait zi sehn Rudolf Schildkraut in Shylock weilen hobben a Geleggenhait zi ton dos dem Mittwoch awend, wenn der „Soicher tun Venedig" wet gespielt weren im naien Teater mit Rudolf Schildkraut in der Hoipt-Role. Die Forschteilung wert gegeben zum Benefit fun der Talmud-Thora in Coney Island (Badeort in Groß-New York), in welcher zweehundert un fufzig Kinder bekummen a moderne