Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 3 (28.1.1921)
- Date
- 1921-01-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 JÜDISCHE PRESSE Mr. 3 Prof. W., daß er nach seiner Rückkehr aus Palästina das Seinige tun würde, um zu versuchen, dies zu erreichen, wenn durch Agudas Jiaroel oder auf deren Veranlassung an die Leitung der zionistischen Weltorganisation der Wunsch hierzu zur Kenntnis gebracht werde. Der Oberrabbiner erklärte, dal er das Seinige dazu beitragen werde, um zu versuchen, nach Möglichkeit eine Einigkeit zu erwirken. Es spricht, jedenfalls viel für das Vertrauen, das Herr Oberrabbiner Onderwijzer in die fahrenden Kreise des Zionismus setzt. Seltsam nur klingt es, daß die Aguda, die wahrhaftig (Sokolow kann es bezeugen) es an solchen Schritten anno 1918 nicht hat fehlen lassen, als Bittender auf die Bühne geführt werden soll. Die zionistische Organisation weiß sehr wohl, daß für ein jüdisches Palästina Tat und Bewußtsein der Orthodoxie nicht entbehrt werden kann. Ob die Aguda in einer ihrer Würde entsprechenden Form sich zu diesen Verhandlungen bereit finden läßt, mögen die berufenen Faktoren entscheiden. Heute nur eine bescheidene Bemerkung. Der Sirenengesang, daß seitens der Leitung nichts geschieht, was dem Religionskodex widerspricht, hörten wir schon oft. Nur will es uns nicht besagen, daß das im Aether schwebende Abstraktum — die Leitung — noch so gar keinen Widerhall in dem Konkreten — den Leitern — gefunden hat. Denn es widerspricht sehr dem Religionskodex, wenn die Propaganda für den Zionismus immer wieder zu einem Ansturm gegen die Anhänger des Religionskodex ausartet. Ist die Leitung eine Leitung, so muß sie zunächst einmal diesem Unfug steuern. Die erste Vorbedingung für derartige Verhandlungen wäre unter anderem die Schaffung einer entgifteten Atmosphäre. Spektator. Paul Sandors HcujahrsartiHcl. Im Nachfolgenden veröffentlichen wir einen Auszug des bemerkenswerten Neujahrsartikels des ungarischjüdischen Parlamentariers Paul Sandor. Wenn unsere Anschauungen in mancher Beziehung auseinandergehen, müssen wir doch darauf hinweisen, daß ein Bild eines ganzen Mannes sich in diesem Artikel klar wiederspiegelt. „Als Kaufmann bin ich gewohnt, zum Jahresschluß eine Bilanz aufzustellen. Aus einer Bilanz wird in der Regel ersichtlich, wie hoch das Vermögen ist. Ein sorgsamer Geschäftsmann forscht aber auch nach den Fehlern, die er im Laufe des Jahres begangen hat, um daraus eine Lehre zu ziehen und im kommenden Jahre die Ausmerzung dieser Irrtümer anzustreben. Ein gutes jüdisches Sprichwort sagt: „Wer keine Dummheit begehen kann, dem nützt auch die Klugheit nichts.* — Fehler begeht also der gebrechliche Mensch immer — die Hauptsache ist nur, daß die Zahl der Fehler geringer sei, als die der klug vollführten Handlungen. Jetzt, da ich als Politiker meine Tagebuchnotieningen dieses fürchterlichen Jahres durchblättere, die Ereignisse und Resultate des Jahres 1920 durchdenke, sehe ich mit Entsetzen, was für einen Weg ich durchschritten habe. Sonderbar: bisweilen kommt es mir vor, als hätte ein mir gänzlich fremder Mensch, ein anderer'Mensch all das durchgemacht, wozu das Schicksal mich auserlesen hat. Ich stelle die Bilanz des Jahres auf und wünsche festzustellen: die mächtige Hand unseres G-ttes hat uns in Gnaden bewahrt, hat sein auserwähltcs Volk, das Judentum, gerettet, das nunmehr schon zwei Jahrtausende die Zielscheibe der Verfolgung der Völker ist. Er hat das ungarische Judentum gerettet, das sich hinsichtlich der Nationalität unerschütterlich als ungarisch bezeichnet, das, die religiöse Auffassung anderer achtend, seine eigene Religion auch dann für heilig hält, wenn sie mit einem Martyrium verbunden ist oder uns auch das Leben kostet. G-tt«ist einzig! Der Allmächtige sei für seine unendliche Gnade gesegnet!" . . . „Nein, meine lieben Glaubensgenossen, es ist nicht an uns gelegen: Wir haben in diesem Jahre zur Besserung unseres Schicksales nichts getan! Wir waren und sind feige, ebenso feige und tatenlos wie das ganze Bürgertum unter der bolschewistischen Herrschaft! Nicht ich habe das Judentum verteidigt — ich habe bloß unsere Wahrheit nachgewiesen. Den anständigen christlichen Bürgern Ungarns gebührt das Verdienst, die eingesehen haben, was dieses gräßliche Spiel für unser Vaterland bedeutet, was für Gefahr es für unser Land birgt. Doch halten wir Einkehr, meine jüdischen Brüder! Hüten wif uns, zu Haß und Neid Grand zu geben. Es gibt auch unter uns Schuldige und ich halte hauptsächlich jene für schuldig, die sich dem Altar des goldenen Kalbes zugewendet haben. Die Geldgier, die Sucht nach Geld hat einige die jüdischethische Basis, die Religionsmoral der jüdischen Vergangenheit, die weisen Lehren der geläuterten jüdischen Moral vergessen lassen! Daß auch unter den Andersgläubigen viele so gehandelt haben? Das enthebt Euch nicht, Ihr gebrechlichen Irregegangenen! Vergesset nicht, daß der Jude sich besser betragen muß, daß der Jude mehr wissen, fleißiger, ehrlicher, patriotischer sein muß, als andere. Ihr h ä t t,e t wissen müssen, daß die Verirrungen einiger hundert Juden dem ganzen Judentum zur Last geschrieben werden und zur Schmälerung der Rechte des ganzen Judentums führen können. Ihr wenigen rasch Reichgewordenen, sehet Ihr nicht, was Ihr heraufbeschwört? Was es bedeutet, wenn Ihr in Autos fahret, das Geld verschleudert, auffallend ausgebet und alles begehet, damit Eure Gattin je auffallender den Reichtum ihres Mannes zeige? Ihr Bar-Ritter, Ihr zügellos Schwelgenden: glaubet Ihr, daß all dies nicht gesehen, daß all dies nicht gegen das NACHRICHTEN. Gesamtjudentum, fegen die unschuldigen und verelendete« jüdischen Massen ausgebeutet wird? Jawohl: wegen sol«her „Herren" mulf die Gesamtjudenechaft le;den! Ich glaube das Recht zu besitzen, in solcher Form hier die Wahrheit zu sagen, — mögen die Irregangenen daraus Belehrung schöpfen! Nur mit der Erkennung der Wahrheit vermögen wir Uebel auszumerzen, nur so, auf gesellschaftliche* Wege können wir auf jene einen Druck ausüben, die mit ihre» Handlungen und Unterhaltungen unseren Feinden Waffen im die Hand geben. Wir bleiben unverändert treu unserem Glauben, bleiben unveränderlich treue und begeisterte ungarische Juden! Möge die Bila»z des angebrochenen Jahres den flagranten Beweis dafür bieten. Und wir lassen uns durch Tadel und Verfolgungen nicht stören. In den Stunden der Erbitterung aber denken wir an das Wort des alten Weisen: „Je heftiger man uns verfolgt, desto fester wird unsere Moral". Infolge der Verfolgung achten wkmit gesteigerter Aufmerksamkeit darauf, aus unseren Seele» das auszureden, was unserer Verfolgung zur Grundlage diene» kann. Die Verfolgung wandelt sich nur zu unserem Vorteile! So werde es auch. Unsere Vaterlandsliebe, unsere Religiosität, unsere Achtbarkeit, unser Fleiß, unsere Ausdauer mögen sich vervielfältigen, unsere Fehler durch die Verfolgung dahinschwinden. Dann „wird die Bilanz des künftigen Jahres eine bessere sein als die heurige". €i$cnfcil$pänc. Der Prophet und der Dollar gelten nichts im eigene» Vaterlande. * * Natürlich spricht derjenige am salbungsvollsten, der mit allen Salben gerieben ist. Die unglücklichste Liebe ist die Liebe zum jüdischen Volke — sie wird nie erwidert^ das kranke Golusvolk liebt nur den, der es maltraitiert. Der Führer muß wie der Thermometer, welcher die dem groben Sinne nicht wahrnehmbare Grenze zwischen Kälte und Wärme anzeigt, das peinlichste Feingefühl für die Grenzen von Gut und Böse lehren. Was ist der Unterschied zwischen den Methoden der Aguda und der M.......? Jene kämpft mit den Waffen der Messora, diese mit den Waffen der Messira. Mitteilung. Zufolge neuerlicher Erhöhung der Druckpreise sind wir genötigt den Preis des Abonnement für Oesterreich, Polen und Ungarn auf K 200*— zu erhöhen. Die Administration. Dcut$cbö$terrcicb. „The Yienna Jewish Relief Fund" hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die zu eröffnende Mittelständsküche der „Einheit" monatlich mit einem größeren Betrag zu unterstützen, um die durch Entziehung der Ritualaufsicht in der bestehenden Mittelstandsküche des „Joint" entstandene empfindliche Lücke raschestens auszufüllen. Weiters übernimmt sie den Ausbau der Krankenküche, die in letzter Zeit fürchterlich gelitten hat. Außerdem bedachte sie die „Frauenhilfe der Adas Jisroel" mit einer einmaligen Subventionierung von K 25.000. An die Talmud- Thora-Schule, dem für alle Schulen Wiens mustergültigen Institut, zahlte sie K 230.000 aus. Den gleichen Betrag erhielt das Waisennaus der Aguda in Baden und K 115.000 die dortige Volksküche. Die Beratungen werden fortgesetzt und können wir schon jetzt mit vollster Genugtuung feststellen, daß sich unsere jüngst ausgesprochenen Hoffnungen verwirklichen. Beth Hamidrasch Talmud Thora, Wien, II., Malzgasse 16. Freitag, den 28. Jänner, beim Abendgottesdienst und Samstag, den 29. Jänner, beim Vormittagsgottesdienst wird im obigen Bethaus Herr S. Alter auf Probe vorlesen. Hochzeit. Sonntag, den 16. Jänner, fand die Trauung des Herrn Isidor Kritzler mit Fräulein Elly Glückselig, Tochter des Herrn Samuel Glückselig und Frau Gisela, geb. Weiner in. der Adaß Isroel-Schul statt. Das Hochzeitsdiner wurde im Hotel „Bayrischer Hof" gegeben, bei welcher Gelegenheit namhafte Beträge für wohltätige Zwecke gesammelt wurden. — Sonntag, den lt>. Jänner, fand die Trauung der Tochter des hochverehrten Rabbiners von Altstadt Fräulein R. Malka Jeruchim mit Herrn R. David Thum im in der Adaß-Jisroel Schiffschul statt. Die Sudas-Mizwa fand in den schönen Räumlichkeiten des Restaurant Meyersohn nach alter, guter chassidischer Sitte statt. Sensationell wirkten unter anderem, die Charifus-Vorträge der beiden neunjährigen Enkel des Altstädter Raw n. j. Nathan Jeruchim und Nathan Thumim. Dem gefeierten Altstädter Raw kamen bei dieser Gelegenheit zahlreiche Kundgebungen der Verehrung zu. Außer dem Familienkreise und dem Kreise der Chassidim haben auch die Vorsteher der Schiffschulgemeinde und der Aguda bei der Hochzeitsfeier teilgenommen. Die Aguda wurde da ihres Namens gerecht und schlang ein enges Band der Freundschaft zwischen Chassidim und Aschkenasim, zwischen Ost und West. Berufsjubiläum. Der langjährige verdienstvolle Mitarbeiter der Firma Jakob Neurath, Herr Leopold Hirsch, Obmann des Thalmud-Thora-Bethausvereines, feierte sein 50jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar wurde aus Anlaß seines langjährigen v verdienstvollen Wirkens von* seinen Chefs und Ämtskollegen geehrt und erhielt vom Gremium der Kaufmannschaft die große goldene Verdienstmedaille. Verlobung. Herr Gustav Pappenheim, Sohn des Präsidenten der Wiener Aguda-Zentrale, Herrn Wolf Pappenheim, hat sich mit Fräulein Hanna, Tochter des Herrn Gottlieb Goldschmidt (Halberstadt), Leiter des Ortsgruppenverbandes der Aguda in Deutschland, verlobt. (Wir gratulieren zu diesem wahren Agudas-halewowos. D. R.) „Haderech." („Der Weg", die hebräische Monatsschrift der Aguda-Weltorganisation) erscheint vom 15. Schwat an in Wien. Die erste Nummer enthält an leitender Stelle einen Artikel (Eiß-Zürich) La wodat Agudas Israel, ferner einen Bericht Haassiffa hagedola be'London — Ha-aguda we-ha-misrachi — Hazofe ma milel (haraw J. S. Dworz) Jozifun- Keschenuw — Beolomenu — Schiwas ha-jeschiwat ha-Slobodka-ith — Michtowim me-Jeruschalajimha — Jeruschalmi — Kowno — Keschinuw — Antwerpen — Sereth — Buenos Ayres — Zfat. Einzelnummer in Oesterreich, Ungarn, Polen K 10, fürs übrige Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Abonnement K 120 jährlich. Ausland wie oben. Chamischo-ossor-Feier. Der Marpe-lenefesch-Verein hielt am 28. Jänner im Rahmen einer Chamischo - ossor-Feier einen Kommers, hei welchem natürlich die traditionellen 15 Obatarten nicht gefehlt haben. Rabbiner Friedmann hat die Bedeutung des Tages in eindrucksvoller Weise dargelegt. Für den humoristischen Teil sorgte Herr Dukes. C$cbecbo$lowakei. Tournee Dr. Joel Pollak. Der Sekretär der Aguda- Zenträle Herr Dr. Joel Pollak hat, der Einladung verschiedener Aguda-Gruppen Folge leistend, eine Vortragstournee abgehalten, das sich zu einem großen Erfolge der Aguda-Idee in der Slowakei gestaltet hat. V e r s a m m 1 u n g i n S a 1 a v. V. (V ä g J e 11 y e). Mittwoch, den 19. Jänner, fand in Sala v. V. eine gutbesuchte Propagandaversammlung für die Aguda statt. Von dem Vorsitzenden herzlichst begrüßt, legte Dr. Joel Pollak in einer einstündigen, von Beifall unterbrochenen Rede die Notwendigkeit des Anschlusses an die Aguda dar. Unter dem Eindrucke der ausgezeichneten Rede schloßen sich beinahe sämtliche Gemeindemitglieder an. Die provisorische Leitung der Agüda-Gruppe in Sala v. V. haben die Herren Kaiisch und Donath übernommen. Herr Frommer, Sekretär der Bratislavaer Aguda-Zentrale, war um die Gründung der Jugendgruppe bemüht die sich binnen kurzem konstituieren wird. Vortrag des Herrn David Schreiber. Eine außerordentlich eindrucksvolle Aguda-Versammlung hat in Bratislava im Festsaale der orthodoxen Kultusgemeinde stattgefunden. Auf Einladung der Gemeinde und der Aguda-Leitung hielt Herr David Schreiber vor einem großen Publikum, das auch die Nebenräume füllte, zuerst einen gediegenen Charifus- Vortrag, um hierauf in einer von echtem Jiras Schomajim und Begeisterung für die Thora hakedoscha durchglühten Maggidus-Vortrag die Versammlung für die Aufgaben des thoratreuen Judentums zu begeistern. Redner entwirft einen erhebenden Ausblick über das Palästina-Ideal der Aguda, das in dem vollendeten Aufbau des sittlich-religiösen Gedankens der Thora hakedoscha besteht. Der Vortrag hinterließ einen bleibenden Eindruck auf das Publikum, in'welchem der Vorstand der Gemeinde und der Korporationen sich eingefunden hatten. „Tiferes Bachurim" in Torna. Der Jugendverein „Tiferes Bachurim" in Torna, der noch vorigen Sommer gegründet worden war, jedoch infolge politischer Umstände erst im Herbst seine Tätigkeit beginnen konnte, führte hier eine Reihe von Schiurir* ein. Täglich wird hier zwei Stunden am Abend Chumosch uud Gemoro sowie andere Thorafächer gelernt. Gelegentlich der Beendigung von „Brochos<! wurde am 1. Jänner ein Festessen „Melawe demalko" veranstaltet, das einen glänzenden Verlauf nahm. Es sprachen Herr Bernat Brisik, David Guttmann und die Leiter des Vereines, Josef Guttmann, Gebrüder Lichtmann und Samuel Brisik, die zum weiteren Thorastudium aneiferten. Dem Herrn Bernat Biisik drückt der Verein den verbindlichsten Dank für die unentgeltliche Ueberlassung des Lokals aus. Thorastudium in Kosice. Endlich ist auch in Kosice die Orthodoxie erwacht und beginnt nun ihre Tätigkeit mit der Pflege des Thorastudiums. Dank einigen rührigen, bewußten Orthodoxen gelang es, wöchentlich einen Schiurim Chumosch und Raschi einzurichten. Vortragender ist Herr Ludwig Wiesenberg, der sich durch sein großes Wissen besonders auszeichnet. Der Schiur erfreut sich eines gute» Besuches und es ist zu hoffen, daß der wahrhaft jüdische Geist hier immer mehr an Boden gewinnen wird. L. K. Gründung einer Mensa in der Jeschiba, Trnava. Seit vier Jahren erhält die hiesige Gemeinde ein« Jeschiba, die alljährlich im Wachsen begriffen ist, indem von weiten Gegenden Talmudjünger dem Rufe unseres allgeschätzten, frommen und gelehrte» Herrn Oberrabbiner folgen. Der Anregung unseres Herrn Oberrabbiners zufolge, gründete sich ein«