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Jüdische Presse · 1921-01-14 · 2 (14.1.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 JÜDISCHE PRESSE Seite 18 des Bekleidungsamtes. Am Bahnhofe überwachte Herr Brody die Versorgung der Leute. Vor der Abreise fand sich Herr David Schreiber und Frau ein. welche selbst um die Plazierung der Leute und ihres Gepäckes bemüht waren. Frau Schreiber sorgte in wahrhaft schwesterlicher Weise für das ganze Arrangement. Segenswünsche wurden getauscht und der Zug rollte gegen Zion. „Haderech." Die vorzügliche hebräische Monatsschrift der Aguda hat die Administration von Zürich nach Wien verlegt. Die Redaktion liegt auch weiterhin in den bewährten Händen des Herrn Ch. J. Eiss. Die nächste Nummer wird in einigen Tagen erscheinen. Die Flüchtlingsfrage. Jüngst fand im HoT*l „Zur Post« eiue massenhaft besuchte, vom Hilfsverein für die polnischen Staatsangehörigen einberufene Versammlung stall, in der gegen die zwischen Schuldigen und Unschuldigen, zwischen sozial nützlichen und schädlichen Elementen keinen Unterschied machende Ausweisungsprnxis der Polizeibehörde Klage geführt wurde. Es wurden auch Beschwerden gegen die zionistische Partei, gegen den jüdischen Nationalrat und deren publizistische Organe Vorgebracht, weil diese — obwohl der Zionismus im Grunde nur eine Ostjudenfrage sei — ihre Pflichten gegen die Flüchtlinge nicht erfüllen und den Hilfsverein sabotieren. Schließlich wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die Regierung gebeten wird, der unmenschlichen Ausweisungspraxis Einhalt zu gebieten, da die Betroffenen, welche jedvvelchen Zusammenhang mit ihrer alten Heimat schon längst verloren haben, dadurch bei den jetzt in Polen herrschenden Verhältnissen der vollständigen Obdachlosigkeit und Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz anheimfallen würden. Die Versammlung spricht die Ueberzeugung aus, daß die bisherige Erfolglosigkeit der behördlichen Ausweisungs- und Abschaffungsmaßnahmeu nur deren Unorientiertheit und mangelnden Kenntnis der Verhältnisse zuzuschreiben ist, und verweist auf das Beispiel Deutschlands, wo die geordnete Rückwanderung der Flüchtlinge mit Hilfe der jüdischen Hilfsorganisation sich in geordneter, eines zivilisierten Staates würdiger Weise vollzieht. («Der Morgen11.) Verband der Tempel- und Bethausdiener in Wien. Sonntag, den IG. Jänner 1921, um halb 10 Uhr vormittags findet im [ndustriellee-Cafe, I. Concordiaplatz 5, die erste Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die bisherige Tätigkeit, 2. Bericht des Kassaverwalters, 3. Anträge, Interpellationen und daranschließende Debatte, 4. Aenderung der Statuten, 6. Wahl des Vorstandes. Die 6 prozentig'en österreichischen Schatzscheine. Die ■Stücke der 6prozentigen österreichischen Staatsschalzscheine, welche die Finanzverwaltung ausgegeben hat, um der wachsenden Geldüberllulung und deren schädlichen Folgen entgegenzuwirken, sind nunmehr fertiggestellt und können bei allen Postämtern und Geldinstituten bezogen werden. Diese Schatzacheine haben bekanntlich eine Laufzeit von sechs Jahren, werden al pari ausgegeben, können aber zu jeder Zeit für den ersten Tag des der Kündigung nachfolgenden vierten Kalendermonates gekündigt werden. Die Rückzahlung erfolgt hierauf abzugsfrei zum vollen Nennwerte samt Zinsen. Mit diesem Schatzcheine gelangt mau eigentlich in den Besitz von verzinslichen Noten, welche vielleicht die Anziehungskraft besitzen werden, um auch aufgesparte Banknoten aus dem Verkehr herauszuholen, den Umlauf an Banknoten zu verringern und damit den endlichen Abbau der ungeheuerlich belastenden Teuerung herbeizuführen. Eine Zeichnung auf diese Schatzscheine findet nicht statt. Sie sind jederzeit bei allen Anstalten zu haben und die Art der Anleihe ist eine dauernde Einrichtung, die auch in anderen Staaten besteht, damit überschüssige Gelder in vorteilhafter Weise veranlagt werden können. Im Bedarfsfall sind diese Schatzscheine leicht zu realisieren, indem sie bei jedem Postamte leicht gekündigt werden können. Cscftecfooslowakei. Vereinigte Minderheiten. Die „Preßburger Zeitung" meldet: Die Piestanyer Versammlung des Exekutive- Ausschusses der Vereinigten Minderheitsparteien in der Slowakei wurde, wie aus Loscncz telegraphiert wird, verboten. Ungarn. Die Affäre des Oberrabbiner Low. Wie „AI. H." meldet, ist in dem gegen den Szegeder Oberrabbiner Low anhängig gemachten Strafprozeß die Einvernahme mehrerer Budapester Zeugen angeordnet worden. Diese Beweiserhebungen beziehen sich auf die mündlichen Aeußevungen, die der holländische Journalist Georg Nypels über den im Nemzeti Ujsäg am 23. April vorigen Jahres erschienenen Artikel „Der Ungarn schmähende Oberrabbiner von Szeged" gemacht hat. Da der ausländische Journalist derzeit nicht verhört werden kann, werden die Zeugen einvernommen, die bei seinen Aeußerungeti amvesend waren: Der gewesene Ministerpräsident Karl Huszar, der Abgeordnete Stefan Milotay, der Advokat Dr. Ernst V-asek, die Journalisten Lehel K ä d a r, Desider K o s z t o 1 ä n y i, Stefan Lendvay, Ludwig Szabotcsi (Redakteur des „Egyenloseg") und der Preßchef Dr. Tibor Eckhardt. Auf Ansuchen des Szegeder Untersuchungsrichters hat der Budapester Untersuchungsrichter Dr. Bela Vasarhelyi die Zeugen für den 8. Jänner vorgeladen. Gemeindewahl in Bekescsaba. Präses Sigmund Markovics Vizepräses Mor. O'rünwald, Oekonom Max Markovics, Jakob Säbel, Kassier Ignaz Üdre. Gemeindewahl in Kiakörös. Prüses lgnaz Gottlieb, Vizepräses öalamon Szabolcs und Sandor Schwarz, Kassier Mor. Szekules, Kontrollor Rudolf Szabolcs, Oekonom Wilhelm Schwarz, Adolf Bernat. Ausschußmitglieder: Mano Schwarz, Ignaz Koos, Adolf Groß, Samuel Teichner, Adolf Szerenyi' Jakob Klein, Adolf Goldberger, Wilhelm Lebovics. ' Gemeiudewahl in Gyöngyös. Prüses Mor. Roth, Vizepräses Markus Kahan, Kassier Sandor Jungreisz, Kontrollor Mor. Pollak, Oekonom Samuel Klein jun. und Martin Kahan. Spendet für den Jeschivafonds! Pcfkn. Uebersiedlang des „Joint" nach Lnblin. Wie verlautet, hat die Leitung des -„Joint« beschlossen, die Zentrale des „Joint Distr. Com.8 für Kongreß-Polen von Warschau nach Lublin überzuführen. In Warschau bleibt nur die Abteilung für die Stadt zurück. Lohnerhöhung für die Dayanim. Auf einer Plenarsitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau wurde beschlossen, eine Kommission, bestehend aus den Herren Dawidsohn, Priwes, Kirschbraun und Rosenberg, zu bestimmen, die neue Löhne für die Dayanim festzusetzen hat. Es wurde auch beschlossen, 200.000 Mark zur Verteilung zwischen den Gemeindeangestellten als einmalige Gratifikation zu zeichnen. Versorgung mit Mazzos in Lodz. Die jüdische Gemeinde in Lodz unterhandelt mit einer Danziger Gesellschaft, welche sich verpflichten soll, Mehl auf Mazzos zu beschaffen. Außerdem wird die Gemeinde Mehl aus Amerika bekommen, welches sich auf Mk. 30 — das Pfund stellen wird. Sanitätsaktion des „Joint". Aus Amerika fährt demnächst eine Sanitäts-Expedition des „Joint8 nach Polen ab, welche aus 12 Personen mit Doktor Harry Plötz an der Spitze besteht. Ihre Aufgabe wird sein, energische Schritte zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der jüdischen Bevölkerung in Pola zu unternehmen, insbesondere in jenen Städten und Städtchen, wo die hygienischen Bedingungen sich auf einem sehr niedrigen Zustand befinden. Die Expedition verfügt über große Mitteln. Die reorganisierte Tätigkeit des „Joint". In Zusammenhang mit den Beschlüssen des „Central Relief Committee" und des „People Relief" selbständig ihre kulturellen und Erziehungs-Institutionen zu unterstützen, fand am 2. Jänner bei Dr. Bogen, Leiter des „Joint", eine jüdische Pressekonferenz statt, an der Herr Kaminer vom „Jid", Prylucki vom „Moment", Goldberg vom „Hajnt*, Rosenfeld von der „Hazfira", Seribowel von der „Arbeiter-Zeitung" und Bermann von „Das Neue Wort" teilnahmen. Herr Bogen schilderte die finanzielle Lage des „Joint", welche eine Reorganisation erfordert. Es werden jetzt vier selbständige Departements geschaffen werden, und zwar ein Departement für konstruktive Hilfe, ein Departement für Kinder-Unterstützung, Waisen, eines für Gesundheits-Verbesserung und ein Departement für Heimlose. Betreffs des Beschlusses des „Central Relief Committee" und des „People Relief" meinte Dr. Bogen, daß er sich an den Beschlüssen halten müsse, es sei jedoch zu befürchten, daß infolge der kurzen Frist für die Demobilisierung , der kulturellen Unterstützungen bjs zum 15. Jänner, sich viele kulturelle Institutionen in einer [kritischen Lage befinden werden; es wäre daher notwendig, die gefaßten Beschlüsse auf eine Zeitlang zu vertagen. Seinen Ausführungen schloß sich auch Goldberg, Vertreter der zionistischen „Hajut", an. Die übrigen Vertreter sprachen sich dagegen aus. H. Kaminer („Jid") wies auf den Grund hin, warum sich die genannten Institutionen selbständige Unterstützung beschlossen haben, weil sie gefunden haben, daß ihre kulturellen Institutionen ignoriert werden, so z. B. die Jeschiwos, Talmud-Thoras usw. Was die Befürchtung betrifft, daß manche Institutionen infolge dieser kurz bemessenen Frist leiden werden, schlage er vor, daß der „Joint" eine bestimmte Zeit, z. B. einen oder zwei Monate die bisherigen Unterstützungen weiter ausfolge, jedoch auf Rechnung ihrer Organisationen in Amerika, z. B. den orthodoxen Institutionen auf Rechnung des „Central", den Arbeitern auf Rechnung des „People". Dieser Ansicht stimmten auch die Vertreter der Arbeiterpresse zu. Kein jüdisches Kommissariat. In einigen jüdischen Zeitungen Warschaus war kürzlich die Nachricht, daß die Regierung beschlossen habe, im Ministerium des Innern ein spezielles Sekretariat für jüdische Angelegenheiten als Autonomie-Körperschaft zu schaffen. Ein Vertreter der B. VV. D. wendete sich diesbezüglich an eine führende Regierungsperson, welche erklärte, daß sich der Ministerrat, soweit ihm bekannt sei, mit dieser Frage nicht beschäftigt habe. Im übrigen könne sich der Interviewer an das Ministerium des Innern wenden. Der B. W. D.¬ Vertreter wandte sich an das Ministerium des Innern, wo er die Antwort erhielt, daß diesbezüglich ein offizielles Kommunique herausgegeben werden wird. Das Kommunique lautet, daß dem Ministerium nichts davon bekannt sei, daß die Regierung beabsichtige, ein Sekretariat für jüdische Angelegenheiten zu schaffen, wie es im „Moment" und „Nasz Kuryer" vom 4. Jänner hieß. Emigrationsnachrichten. Der „Emigrant" meldet: Das amerikanische Generalkonsulat sowie der Vizekonsul und Leiter der amerikanischen Visen-Abteilung in Warschau erklärten Herrn Delefers betreffs der Einschränkung bei der Visierung, daß diese nur infolge technisher Schwierigkeiten eingeführt worden ist und gar keine Beziehung mit dem Bill des amerikanischen Parlaments wegen Einstellung der Immigration in die Vereinigten Staaten habe. Bei der Visierung der Pässe kommen natürlich früher die näheren Verwandten, wie Kinder zu den Eltern in Betracht, es wird aber auch denjenigen vidiert, die zu weiteren Verwandten fahren, wenn es die Ümstände erfordern. Wohnrecht der ukrainischen Emigranten im Warschau. Trotz der Versprechung von Erleichterungen wegen des Wohnrechtes der ukrainischen Emigranten in Warschau werden ihnen noch immer große Schwierigkeiten gemacht. Der .Hias" intervenierte bei der betreffenden Behörde und verlangte, daß die Emigranten, welche eine Bestätigung #es „Hias* haben, im Lande verbleiben dürfen, bis sie alle ihre Emigrationsformalitäten erledigt haben. Diese Aktion hat große Aussichten auf Erfolg. Litauen. Keine Beteiligung der Juden an den Sejmwahlen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden der Wrahlkommission in Wilna, ein Verzeichnis der Kandidaten zuzuschicken, antworteten die jüdischen Organisationen, daß die Grundsätze der Wahlen, die Zeit und Bedingungen, unter denen die zeitweilige regierende Kommission die Wahlen zum Sejm durchzuführen beabsichtigt, es unmöglich machen, daß der Sejm wirklich die Stellung der Bevölkerung abspiegeln werde. Die Wilnaer jüdische Gemeinde sehe sich daher gezwungen zu erklären, daß die jüdische Bevölkerung sich an den Wahlen nicht beteiligen werde. Die Erklärung ist unterzeichnet vom Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Wilnas, dem Vorsitzenden der zionistischen Organisationen Litauens Dr. Regensburg, von Dr. Schabad, Vorsitzender der jüdischen demokratischen Partei, Kruk, Vorsitzenden des Verbandes jüdischer Händler und Handwerker, Rubinstein, Vorsitzender der Volksvereinigung und Natowil, Vorsitzender der Zeire Zion. Rumänien. Erleichterungen für jüdische Heimlose. Dank der Intervention des Rabbiner Zirelsohn gab das rumänische Ministerium des Aeußern ein Zirkular heraus, worin verordnet wird, daß den jüdischen Heimlosen, die vor den ukrainischen Pogromen geflüchtet sind, Bewilligung zur Auswanderung nach Amerika und Palästina auszufolgen sind. An das Generalsekretariat des Ministeriums für Inneres in Kischinew ergeht die Instruktion, daß den jüdischen Heimlosen Zeugnisse auf gute Aufführung in der Zeit, da sie in Rumänien waren, auszufolgen sind. Denjenigen, die nicht sogleich wegreisen können, sind Bewilligungen für dreimonatlichen Aufenthalt und wenn sie weiter im im Lande verbleiben müssen, für weitere drei Monate zu geben. Diejenigen, die dringend in eine andere Stadt zu fahren brauchen, erhalten die Erlaubnis des Präfekten auf den Zeitraum von drei Monaten. Trankreich, - Weizmanns Angestellte. Nordau schreibt im „La voix juive": Sie schreiben in Ihrem Blatte, daß ich eine Wahl im Aktionskomitee nicht angenommen hätte, weil Ussischkin gewählt worden ist. Das ist nicht richtig. Ich habe nur nicht erlaubt, meinen Namen bei Scheinwahlen zu benützen, nicht wegen irgend eines Beschlusses des sogenannten „Großen Aktionskomitees", von welchem ich bis heute nicht weiß, worin seine Tätigkeit besteht, sondern weil das zionistische Aktionskomitee zum großen Teile aus Leuten besteht, die ein Gehalt beziehen. Sie sind, nach meiner Ueberzeugung, von Dr. Weizmann gewählt, sind von ihm gänzlich abhängig und er kann sie jeden Moment ohne Grund entlassen. Natürlich können sie sich nicht erlauben, an der Leitung Kritik zu üben; trotzdem haben sie aber die Aufsicht über die Leitung und politische Tätigkeit ihres Patrones, der ihnen zu leben gibt. Sie werden begreifen, daß für mich kein Platz in einer solchen Gesellschaft ist. Dr. Nordau. Lettland. Fortschritte der Zeire Aguda-Bewegung. Die Zeire Aguda-Bewegung gewinnt in Lettland immer mehr Boden. Neben der schon seit einigen Jahren gegründeten Gruppe in Riga entstanden jetzt neue Gruppen in Dwinsk, Libau und Worklian und in Bälde werden noch Gruppen in anderen Orten gegründet werden. Bei der Rigaer Gruppe werden auch Schiurim abgehalten, außerdem wurde dort eine Schule „Tauro Weclerech Erez" gegründet, die ein umfangreiches jüdisches und allgemeines Programm hat und die einzige ihrer Art in Riga ist. Die Schule gewann in der kurzen Zeit ihres Bestandes eine große Sympathie bei der jüdischen Bevölkerung. Es lernen in ihr gegenwärtig 200 Kinder. Die Gruppe hat auch einen Vertreter in der jüdischen Gemeinde. Viel geleistet hat auch die Dwinsker Gruppe der „Zeire Agudas-Jisroel", die während der kurzen Zeit ihrer Existenz eine „Tauro Wederech Erez" und eine Jeschiwa „Ez Chajim" gegründet hat. Bei der in Dwinsk stattgefundenen Gemeindewahl brachte die Gruppe drei Kandidaten durch.

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