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Jüdische Presse · 1921-01-14 · 2 (14.1.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Briefe über luden und Judentum. V. Hebräisch oder Loschaun-hakaudesch? Lieber Freund! Du bist ungehalten über die Vorgänge in Jerusalem. Gelegentlich einer von der Orthodoxie gegen den öffentlichen Ghilul-Schaboß in den Arbeiterküchen reranstalteten Protestversammlung wollten die Versammelten eine hebräische Rede des Rabbiners Kuk nicht anhören und zwangen ihn, jiddisch zu reden. Du kannst dir die Gründe für ein solches Vorgehen gar nicht erklären. Wie denn, im heiligen Lande soll man gegen Hebräisch und für Jiddisch remonstrieren und dies nicht etwa poale-zionistische Jiddischisten, sondern orthodoxe Juden, welche doch wissen müßten, daß die hebräische Sprache eine heilige Sprache ist und in unserem Schrifttum auch diesen Namen führt.- Loschaun-hakaudesch stand im alten Judentum immer sehr hoch, fromme Männer pflegten an Sabbaten nur hebräisch zu sprechen, alle Gebete sind hebräisch, das religiöse Schrifttum ist hebräisch und unter den Segnungen der messianischen Zeit wird auch die Wiederauflebung des Hebräischen genannt, das von allen Völkern als „Safah berurah" gesprochen werden wird. Und nun wagen es fromme Juden, die Wortführer des religiösen Judentums, einen rabbinischen Redner zum Schweigen zu bringen, weil er auf heiligem Boden hebräisch sprechen will und zwingen ihn, zur Sprache des Golus Zuflucht zu nehmen. Das heißt doch, wie du dich ausdrückst, die Logik auf den Kopf gestellt. So schwer es nun einem Juden fallen muß, eine religiöse Demonstration gegen Hebräisch zu verteidigen, so leicht ist es aber, das Vorgehen der zitierten Versammlung als gerechtfertigt zu finden. Du mußt zunächst wissen, daß zwischen Loschaunhakaudesch und dem, was man heute Hebräisch nennt, ein gewaltiger Unterschied liegt. Unsere Weisen haben längst davor gewarnt, die Etikette einer Flasche als bare Münze zu nehmen, sondern sich erst den Inh'alt näher anzusehen. Es gibt Momente, wo die herrlichste Flasche Essig enthält. Dasselbe gilt auch in unserem Falle. Warum wurde diese Sprache „heilig" genannt? Etwa ihrer Grammatik wegen, ihres Klanges, ihres Rhythmus oder ihres Typenbildes? Nein, nichts von alldem. Die Sprache war heilig ihres Geistes wegen, dessentwillen, daß in dieser Sprache der Ewige mit unseren Patriarchen gesprochen hat, daß in ihr die heilige Thora geschrieben war, in ihr der königliche Sänger seine herrlichen Psalmen dichtete, in ihr unsere Propheten ihre unverjährbaren Weisheiten und Prophezeihungen verkündeten, in ins die Geistesheroen des jüdischen Volkes dachten und schrieben. Deswegen, aber nur deswegen, ward das Hebräische zum Loschaun-hakaudesch, deswegen galt sie als heilig, deswegen kam jeder Silbe dieser Sprache ein heiliger Wert zu, deswegen war sie die Sprache der Sabbate und Festtage, der Gebete und der Semirot. Deswegen ward auch das Alphabet heilig. Was hat das heutige Hebräisch mit all dem zu un? Das ganze Wesen der modernen hebräischen Deutscftostweicb. Mazzothversorgungsstelle für Wien und Oesterreich. Die Beschallung von Mazzoth für das Pessachfest 1921 wird, wie in den Vorjahren, nur durch Bestellung im Auslande möglich sein. Im Hinblicke auf die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten und auf die durch den Stand unserer Valuta bewirkte bedeutende Höhe der von der Mazzothversorgungsstelle vorauszulegenden Beträge ist es erforderlich, daß einerseits die Anmeldungen zum Mazzothbezuge unverzüglich geschehen, anderseits eine Vorausbezahlung seitens der Parteien erfolge. Es ergeht deshalb an alle jene Personen, welche auf den seinerzeitigen Mazzothbezug reflektieren, die Aufforderung, binnen längstens 14 Tagen die Anmeldung ihres Bedarfes bei den unterzeichneten Stellen entweder mündlich oder schriftlich vorzunehmen und dortselbst den entfallenden Betrag zur Gänze vorauszubezahlen. Der Preis eines Kilogrammes Mazzoth dürfte sich auf ungefähr K 200-— stellen. Verspätete Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Anmeldestellen für den Mazzothbezug: I., Seitenstettengasse 4, XV., Turnergasse 22, XVI., Hubergasse 8, XVIII., 'Schopenhauerstraße 39, XXI., Holzmeistergasse 12, Israelitische Kultusgemeinde Wien; „Agudas Jisroel", II., Malzgasse 12; „Adas Jisroel", IL, Große Schiffgasse 1; „Machsike Hadas", „ Agudas Charaedim", IL, Schiffamtsgasse 20. The Vienna Jewish Relief Committee. Wie erinnerlich, weilte im Sommer Mr. Strowe aus London in Wien, um im Auftrage des Vienna Relief Fund an Ort und Stelle Studien vorzunehmen und die nötigen Vorarbeiten zu treffen, um den notleidenden Juden in Oesterreich Hilfe zu leisten. Zu diesem Zwecke nominierte er unter dem Präsidium des Herrn Prof. David Kohn ein aus allen in Betracht Literatur ist eine Entweihung der Heiligkeit dieser Sprache! Da kann der Spruch der Weisen gelten: „Ghawiwa hojsso lifne hakodausch boruch hu, ela schehechsilu be auwde kauchowim" (die Altäre waren dem Ewigen, gelobt sei er, lieb, als aber die Heiden sich derselben bemächtigt haben, durften die Juden auf Altäre nicht mehr opfern). Das altjüdische „Iwri onauchi8 galt als jüdisches Erkennungszeichen, heute gilt es gewissermaßen als Symbol, daß man nicht mehr Jude im alten Sinne ist. Vielfach wird eben das Wort „Iwri onauchi" als Erkennungszeichen dafür verwendet, daß man kein Jehudi ist. Jehudi ist heute der religiöse Jude, Iwri der moderne Hebraist, dem die Sprachfloskeln alles sind. Und nun stelle dir den Zustand vor, daß man die hebräische Sprache zu einem Agitationsmittel herabgewürdigt hat, daß man Leute dazu zwingt, hebräische Reden anzuhören, obzwar sie den Ausführungen nicht ganz folgen können, nur um zu demonstrieren, daß man eben Hebräer ist, daß man sogar manche Redner zwingt, sich Gewalt anzutun und ihre Gedanken in einer sprachlichen Zwangsjacke zum Ausdruck zu bringen, nur um die „Lebendigkeit" des Hebräischen zu dokumentieren. Daß man auf diese Weise das Hebräischsprechen gewissermaßen als Merkmal der Zugehörigkeit zum Judentume proklamiert, was soviel bedeutet, daß jeder, der noch nicht so weit ist oder der es verschmäht, das Heilige auf diese Weise herabzuwürdigen, kein vollwertiger Jude ist. Stelle dir nur all das lebhaft vor und du wirst begreifen, daß diejenigen, die mit Leib und Seele Juden und keiner speziellen Etikette bedürftig sind, sich gegen diese Methoden verwahren wollen und müssen. Das, was bei der zitierten Versammlung vor sich ging, war keine Demonstration gegen Hebräisch, es war nur der Ausdruck des Widerwillens gegen die Entweihung der heiligen, Sprache, die im Dienst hohler Schlagworte gestellt wird, es war ein Protest dagegen, daß man sich mit der Hilfe der Sprache als Alljude brüsten kann, obwohl man öffentlich mechailel Schabes und auchel Trefaus ist. Es war ein Protest dagegen, daß man in öffentlichen Versammlungen, wo Teilnehmer verschiedener Schichten anwesend sind, deren Kenntnis der hebräischen Sprache nicht immer feststeht, ohne Rücksicht auf das Verständnis der Zuhörer sprechen soll, nur weil die Herren vom Waad-Hazioni dies als Prinzip proklamiert haben. Rabbiner Kuk, der dem Verlangen der Versammlung Rechnung trug und seine Rede in Jiddisch fortgesetzt hat, würde dies kaum getan haben, wenn er den Inzident als eine Demonstration gegen die hebräische Sprache aufgefaßt hätte. Die ganze Sache hatte mit dem Problem „hebräisch oder jiddisch8 nichts zu tun, es handelte sich um die Frage „Hebräisch oder Loschaun-hakaudesch". Die Frage, ob die Benützung einer anderen Sprache als Hebräisch im jüdischen Leben zulässig ist, soll hier nicht näher behandelt werden. Verwiesen mag aber darauf werden, daß dies in unserer Geschichte oft üblich war, daß schon vor 2000 Jahren das Aramäische bei den Juden stark verbreitet war, daß die Geonim und ihre Nachfolger einen Teil kommenden Kreisen zusammengesetztes Komitee, das die notwendigsten Bedürfnisse prüfen und die Durchführung allfälliger Arbeiten übernehmen sollte. Ganz besonderes Gewicht legte er auf die von uns unermüdlich im Zusammenhange mit sozialen Institutionen wiederholte Forderung, aus demokratischen Gründen jede einzelne Aktion unter die Leitung des Rabbinates zu stellen, welches jedem Juden die nötige Gewähr für Kaschrus gibt, damit nicht leider der so oft konstatierte Fall eintrete, daß Juden aus religiösen Bedenken auf solche Begünstigungen verzichten müssen. In richtiger Erkenntnis dessen forderte Mr. Strowe, daß alle Institutionen, die von Geldern dieses Fonds errichtet oder subventioniert werden, unter der Aufsicht des Schiffcchulrabbinats oder der von ihm anerkannten rabbinischen Autorität stehe. Die Zusammensetzung des hiesigen Komitees flößt sowohl in dieser wie auch in ökonomischer und verwaltungstechnischer Hinsicht vollste Beruhigung ein. Das Komitee besteht, aus den Damen: Martha Bondi, Anitta Müller, Henny Schreiber, Lea Türk! und den Herren: Doz. Dr. Max Eisler, Samuel Glückselig, Prof. David Kohn, Franz Neumann, Julius Steinfeld, Alfred Stroh. Als erste Rate langte dieser Tage zirka 1V2 Millionen Kronen ein und das Komitee nahm sofort die Arbeiten auf. Gleich bei der ersten Sitzung wurde die Subventionierung des Waisenhauses in Baden, der Volksküche in Baden, der Talmud Thora-Schule und der zu gründenden Miltelstandsküche der Einheit mit namhaften Beträgen zum Beschluß erhoben. Ganz besonderer Dank gebührt von seiten der thoratreuen Judenheit den englischen Herren, deren Bemühungen es augenscheinlich gelingen wird, die bei allen ausländischen Hilfsaktionen notorischen Mängel, insbesondere in ritueller Hinsicht zu bannen und eine Musterorganisation zu schaffen. ihrer Werke arabisch geschrieben haben usw. Dal der sogenannte Jargon im Laufe der Jahrhunderte einen fast jüdischen Charakter angenommen hat und den Namen „jiddisch" erhielt, was nicht einmal dem Aramäischen und Arabischen zuteil wurde, daß dieser Jargon die Juden im Osten vor der Assimilation nach deutschem, französischem und italienischem Muster bewahrt hat, daß in dieser Sprache eine religiöse Frauenliteratur geschaffen wurde, die ihresgleichen sucht — daß also der fanatische Kampf der Nationalisten gegen das Jiddische weit übers Ziel schießt, mag auch das Bestreben berechtig! sein, im heiligen Lande das Hebräische zur Umgangssprache der Juden auszugestalten. Hebräisch ist und bleibt die alleinige Nationalsprache der Juden, nur muß es ein Loschaun-hakaudesch sein, wie das Land heilig ist und wir, die Juden, ein Am-kodausch sind. Dann, aber nur dann, wird Hebräisch die Konkurrenz der Golnssprachen nicht zu fürchten haben und keinen fanatischen Kampf gegen diese führen müssen. Nebenbei bemerkt, das Russische und Französische wird seitens der Nationalisten in Palästina ziemlich toleriert — für das Englische haben sie heute die Ausrede, es sei die offizielle Landessprache — nur gegenüber dem Jiddischen wird so streng vorgegangen, vielleicht deswegen, weil das die Sprache der religiösen Juden in Osteuropa ist — der Kampf gegen das Jiddische ist vielleicht im Grunde genommen ein Kampf gegen das religiöse Element im heiligen Lande. Man kann daher die Haltung der Glaubenstreuen im heiligen Lande begreifen, wenn sie sich in der Form zui Wehr setzen, daß sie gleichzeitig mit dem Remonstrieren gegen die Entweihung des heiligen Landes auch dagegen Verwahrung einlegen, daß Hebräisch das alleinige Kriterium für, die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke wäre. Die hebräische Sprache ist jedem religiösen Juden als die Nationalsprache des jüdischen Volkes heilig. Aber gerade deswegen wird gegen die Herabwürdigung derselben zum Werkzeug einer Parteiagitation Stellung genommen, wie nicht minder dagegen, daß sie aufboren soll, Loschaun-hakaudesch zu sein. Das darf und wird nie geschehen. Mit dem Wiederaufleben des unverfälschten Judentums wird auch die heilige Sprache ihre Jugendfrische wieder erleben. €i$*nfeil$pätte. Die Assimilanten sind die Drückeberger des Judentums. Abraham und Lot hätten miteinander in brüderlicher Eintracht gelebt; nur ihre Hirten konnten nicht miteinander auskommen. Niemand ist so schwer für Zion zu begeistern wie der — Zionist. Alle wahren Ideale sind Strahlen der Sonne der g-ttlichen Liebe. Je mehr sie sich von ihrem Mittelpunkte entfernen, desto mehr entfernen sie sich auch von einander und desto mehr verlieren sie an Licht und Warme. Jüdischer Volksverband! ... Aerzte und Poliliker wissen, wie gefährlich schlechtsitzende V e r h iL nde sind. Repatriierung der Palästina-Flüchtlinge. Am 3. Jänner ging der in der vorigen Nummer avisierte Transport von Palästina-Flüchtlingen von Wien- Südbahnhof ab. Unter den 35 Personen, welche den Weg naeh dem heiligen Lande antraten, sind 21 aus Palästina und die übrigen von Polen und Rußland Geflüchtete. Die letzteren sind zumeist ausgebildete Arbeiter und Handwerker und wurden mit größeren Subventionen versehen. Die bewährte Leitung der Palästinazentrale der Aguda, besonders die Herren Rabbiner Baiimgarten, Wolf Pappenheim, A. H. Hornstein, David Schreiber, Rabbiner Friedmann-Gzortkow und nicht zuletzt der in dieser Sektion unermüdlich tätige Herr Brody hat die schwierige Aufgabe erfüllen können, bei der so hohen Valuta des Pfunds und des Lira die Heimkehr und die Unterstützung einer neuen Gruppe von Flüchtlingen zu bewerkstelligen. Es sei hier nochmals die außerordentlich aufopfernde Weise des Herrn Brody hervorgehoben, der viele Stunden des Tages mit Information und Versorgung der Flüchtlinge sowie Verkehr mit den Behörden verbringt, mühevolle, oft auch undankbare Aufgaben, die er mit Lust und Liebe erfüllt. Am Tage der Abreise wurden unter den Abreisenden Lebensmittel verteilt, die kleinen Kinder erhielten Kondensmilch, welche auf Intervention des Herrn Brody durch Herrn Dr. Scherzer vom Joint verabreicht wurden. Wir müssen hier auch den besten Dank dem Herrn Joint-Direktor Wechsler und den Herren Sekretären Dr. Melles, Dr. Sokal, Dr. Scherzer, Dr. Neumann und Dr. Hecht für ihre Mithilfe bei der Repatriierung der Flüchtlinge aussprechen. Ebenso sei dem Herrn Stationsstellvertreter der Südbahndirektion für sein Entgegenkommen und dieUeberlassung von Waggons und sonstige Erleichterungen an dieser Stelle gedankt, ebenso Herrn Dr. Krauthammer, Leiter NACHRICHTEN.

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