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Jüdische Presse · 1921-01-14 · 2 (14.1.1921) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Die Olocbe. Die Sidra „Bo". „Ein gleiches Gesetz sollt ihr haben für den Einwohner und den Fremdling... es war an dem gleichen Tage, da der Ewige die Heerscharen der Kinder Israels aus Mizraim führte." Dieser Wochenabschnitt, überschrieben mit dem kleinen einsilbigen Titelworte, birgt das Geschehnis aller Geschehnisse in sich: Jezias Mizraim. Die große Aera, von welcher alles Ringen zwischen geistiger und physischer, zwischen g-ttlicher und irdischer Macht datiert; jene unvergleichlich erhabene Nacht, in welcher der Herr selbst mit flammendem Schwert alle Erstgeburtsrechte zerschlagen hat, jene wundersam geteilte Nacht, die gleichzeitig die Teilung der Menschheitsgeschichte zwischen vergangene irdische Gewaltherrschaft und dem anbrechenden Menschheitsfrühling g-ttlicher Gerechtigkeit bedeutet. Das Volk, das alle Schmerzen menschlicher1 Unfreiheit durch acht Generationen am eigenen Leibe erprobt hat, ist seither der leidenschaftliche Rufer im Streite um gleiches Recht aller im Ebenbild G-ttes erschaffenen Erdenkinder geworden. An eben demselben Tage, da der Ewige die Heerscharen der Kinder Israels aus Aegypten führte, schrieb sich mit g-ttlicher Feuerschrift das bisher verleugnete Urgesetz in das Buch der Menschheit: Ein gleiches Gesetz sollt ihr haben für den Einwohner und den Fremdling. Ueber alle engherzigen Staatsweisheiten hinweg, die in Zeiten sittlicher oder physischer Massennot sich als zwingendes Gebot des Tages darstellen will oder vdn machttrunkenen allen großen Vergangenheitsgesetzen spottenden Potentaten diktiert werden, leuchtet es wie die unvergängliche und unverdunkelbare Sternenschrift ewig auf dem finsteren Hintergrund der Zeiten: „Ein gleiches Gesetz sollt ihr haben für den Einwohner und den Fremdling.8 Denn der »Ger" zählt zu den Schutzkindern G-ttes, wie die Wittwe und das Waisenkind. „Ihr sollt lieben den Fremdling, denn ihr wäret Fremdlinge im Lande Mizraim", den reichen wie den armen Ger, wie den Mächtigen und Unmächtigen. Ein gleiches Gesetz, eine Thora umschlingt euch beide, Bürger und Fremdlinge! Wie ein g-ttliches Stichwort klinge das so alte Wort durch alle g-ttgeweihten Häuser, wo sich heute treue Söhne Israels um den heiligen Pergament versammeln, um wie aus Urim und Tumim Antwort auf die bangen Fragen der Zeit zu erhorchen. Und siehe! die große Hand, die Israel am Jamszuf sah, breitet sich schützend über die leidensvollen Häupter tausender heimberaubter Fremdlinge. Aber auch dem Ger klinge eine ernste Mahnung aus dem alten Gesetzesworte. Eine gleiche Thora, ein gleiches Gesetz. Die ethische Wertung der Thora, die gleiche Auffassung von der 'Heiligkeit des Gesetzes beherrsche den Einwohner und den Fremdling. Dem Ger, der Liebling G-ttes, obliegt die vervielfachte Pflicht, diese g-ttliche Liebe zu erwidern. Losgerissen vom Ankertau heimatlicher, väterlicher Sitte wird der Ger auch leicht Fremdling in seinem eigensten Kreise, leichte Beute der Versuchung und Verführung der Sünde. Nicht jedermann kann sich rühmen „Garti wetarjag schamarti". Schwerer ist es dem Heim-und Erwerblosen gegeben, „die Thora gleich dem Einwohner" zu heiligen. Aber „alle Kinder Israels gingen hin und taten wie Moses — der große Vater des brüderlichen Gers — sie geheißen hat." Möge diese Gedenknacht auch in diesem Belange „Gedenknacht für die Kinder Israels für alle Geschlechter" bilden! KALENDARIÜM. Tag Schewat Jänner Notizen Sonntag 7. 16. Nach Jalkut Todestag Moses — Tod Naplitali H. Schor, Rabbiners von Brisk und. Lublin 5347 Martyrertod Rabbiner Zwi Hersch Hakohens (Krakau) 544G — Tod R. Mordechai David (Dombrova) 5603. Montag 8. 17. Tod R. Benjamin Schapira, Landesrabbiner von Böhmen (Prag) 5475 — Tod R. Zwi Hersch Kroh, Neta Schaschuim, 5574 (Buczacz). Dienstag 9. 10. 18. Tod R. Abraham Thumim (Chesed l'Awrohom) 5628 Buczacz. Mittwoch 19. * Tod R. Meir Katzenellenbogen (Padua) 5325 — Tod Isak Zorfati (Jerusalem) 5482 — Tod R. Abraham (Tarnopol) 5592. Donnerstag 11. 20. Schowewim-Fasten IV. Inquisition verbrennt zahlreiche Marrannen (Sevilla) 5245 — Tod R. Juda Leb, Rabbiner in Dessau, Berlin, Lublin 5566 — Tod R. Moses Skole (Lemberg) 5568. Freitag 12. 21. Vertreibung der Juden von Portugal 5256 — Tod Dubnaer Maggid R. Nehemia 5568 — Zerstörung des alten Preßburger Friedhofes durch Hochwasser 5569 — Tod R. Josef Juska (Jassy) 5602. Samstag 13. 22. Beschalach. Sabbat Schira (Haftora, „U-Dewora") — Geburt Samson Wertheimer (Wien) 5418— Emanzipation der Juden Frankreichs 5550. Der Monat Schewat ist der elfte unter den Monaten und der fünfte im Kalender. Er hat stets nur einen Tag Roschchodesch und ausnahmslos 30 Tage. In der Bibel kommt er zum ersten und einzigen Male in Secharja (1., 7.) vor. Am 2. Schewat starb König Jannai. Als er im Sterben lag, ließ er 70 der Aeltesten gefangen nehmen und drohte, sie töten zu lassen, falls er, sterben würde. Sein edles Weib aber nahm dem toten Jannai den Ring vom Finger, sandte ihn zum Gefängniswärter, ihm bedeutend, daß der König damit die Freilassung der Aeltesten anbefohlen habe. Der 2. Schewat galt daher damals als Freudentag. Am 8. Schewat starben die Aeltesten Josuas. Am 15. Schewat ist Neujahr der Bäume. Am 22. wurde der Syre, der Götzen in den Tempel bringen wollte, getötet. Am 23. versammelten sich die Stämme zum Krieg gegen Benjamin. Am 28. zog Antiochus von Jerusalem ab und der 28. galt daher lange als Freudentag. Remo im Namen des Taschbaz schreibt, daß viele Schächter seiner Zeit im Tewes und Schewat keine Gänse schlachten wollten, es sei denn, daß sie von dem Herz der Gans etwas genossen hätten, da sonst Lebensgefahr in demselben Jahre drohe* Der Kone meint, daß dies nur im Schewat nicht geschehen solle, wo das Böse große Macht hätte. Der Schewat gilt auch sonst als unheilvoll. Der russische Jude sagt Swat ne brat. (Der Schewat ist kein [guter] Bruder.) Ebenso hieß es in Kreisen der Frommen in Preßburg, vor der ungesunden Witterung des Schewat warnend: D^p^atn by ptmn "ioDtr« m vb Zur Beruhigung der Leser sei bemerkt, daß im heurigen Schaltjahr der früherfällige Schewat sich harmloser gestaltet, und daß wir von uns doch nicht sagen wollen: Zadikim anachnu. Im übrigen möge es jedenfalls eine Mahnung zur erhöhten Zedoko sein. * „Sifsse Kohen" berichtet, daß man aus diesem Grunde von der Leber genießt; an anderen Orten von den Füßen. Nach siehe auch Türe Sohow zu Jove dea 116. In vielen Gemeinden wird dem Schächter dafür Lösegeld gezahlt. 6tb rtaatb. Die Herren, welche die hiesige' Orthodoxie beziehungsweise die Agudas Jisroel in der Kultusgemeinde vertreten, haben unter anderem die Verbesserung der religiösen Jugenderziehung in ihr Programm aufgenommen. Es sind somit drei Faktoren, Agudas Jisroel, Aguda-Jugendgruppe und die orthodoxen Vertreter in der Kultusgemeinde, die für die religiöse Bildung der Jugend im Geiste der Thora Sorge tragen; omne trinum perfectum. Wir zweifeln nicht an dem guten Willen unserer verehrten Führer und hoffen, daß diese Herren ihr ganzes Können im Dienste des Klal-Jisroel stellen werden. Trotzdem erachten wir es als Pflicht, unsere Vertreter auf folgende Beobachtungen und Anregungen aufmerksam zu machen. Die Stadt Wien ist gegenwärtig der Zentralpunkt des jüdisch-religiösen Lebens und bildet eine Brücke zwischen den Juden des Ostens und Westens. Wenn die hiesige Orthodoxie für die Erziehung der Jugend fT-flflfl IffD sorgt, genügt es nicht, die Knaben allein jüdisch zu erziehen. Es möge gleichzeitig der religiösen Mädchenerziehung ein scharfes Augenmerk zugewendet werden. Die Orthodoxie, welche dem Fange nach Seelen der jüdischen Knaben durch Errichtung von Talmud-Tbora-Schulen einen Damm setzt, ist zugleich verpflichtet, die jüdischen Mädchen vor Seelenfängerei zu schützen. Wenn wir unsere Söhne zu Jehudim erziehen, dürfen wir nicht ratlos zusehen, wie unsere Töchter zu Halbjüdinnen erzogen werden. Der Talmud-Thora-Schüler pflegt die heilige Tora und den jüdischen Geist. Im Bethause erkennt er die Majestät der »s$)y der religiösen Uebungen und Gebräuche. Das jüdische Mädchen dagegen, lernt in der öffentlichen Schule „Religion". Im günstigen Falle bekommt es dort ein Surrogat für den Unterricht der Bibel und lernt gewöhnlich diesen „Schul-Gegenstand" mit Widerwillen. Mancher patentierter Erzieher ist zuweilen mit jerobamischer Theorien und Bestrebungen ausgestattet. Für das jüdische Mädchen ist dann die nichtjüdische Geschichte seine Geschichte, die nichtjüdischen Dichter seine Dichter, die nichljüdischen Helden seine Helden, am Ende wird ihm die eigene Religion auch fremd. Durch diese verschiedenartige Erziehungsmethode verjuden wir die Knaben und entjuden — wenn dieser Ausdruck nicht zu hart ist — unsere Mädchen. Schon im Elternhause macht sich diese verfehlte Erziehung bemerkbar. Der jüdisch erzogene Knabe kann keinesfalls mit seiner anders gesinnten Schwester geistig harmonieren. Der Knabe beginnt den Tag mit ij^ J-niÖ", während seine Schwester eine Morgenhymne eines Dichters liest. Dann heiratet ein chassidisch-erzogener Bochur ein modern erzogenes pseudo-orthodoxes Mädchen. Durch diese Mischehe entsteht unter den Neuvermählten eine Zwietracht oder ein immerwährendes .Meinungs-Duell, bei welchem in der Regel der schwächere Teil als Sieger hervorgeht. Im letzten Falle können wir das Nachkriegswort gebrauchen : Wehe dem Sieger . . . und dem Besiegten . . . Die Geschichte der Vergangenheit lehrt uns unsere Zukunft fehlerfrei zu bauen; denn es heißt: quae nocent, docent. Für die Knaben sind die Talmud-Thora-Schulen offen, mithin ist ein Gebot der Stunde, für unsere Töchter jüdischreligiöse Schulen zu errichten. Die geistige und sittliche Glorie, die den gesetzestreuen Mann umstrahlt, soll auch die Stirne eines jüdischen Weibes mit ewigem Diadem schmücken. Josef Weiß. Agudas Jisroel Jugendgrnppe, "Wien. Samstag abends möW rittT© p'Wltt veranstaltete die Agudas JisroelJugendgruppe ein NDböTKlbtt für die Gemoroh- Schiur-Teilnehmer und Gäste. Der Abend brachte einen vollen moralischen Erfolg. Es wurde beschlossen, an den zwei Abenden der Woche, Dienstag und Mittwoch, y29 Uhr abends, einen für alle Gemoroh- Schiur-Teilnehmer gemeinsamen "WD Schiur, der ganz Jeschivo-mäßig geführt werden soll, zu veranstalten. An diesen Abenden entfällt der rOtt>-Schiur für Vorgeschrittene und der von den Herren Schabse Schönfeld und Siegmund Aschkenazi geleitete Gemoroh-Schiur, während der HICD Schiur für Anfänger auch an diesen Abend um 1/28 Uhr stattfindet. Als erste WD dte Dienstag, den 4. Jänner, unter zahlreicher Beteiligung vorgetragen wurde, wurde Dp *fl TO^ mD^ bn "llD^ festgesetzt. Die bindende Neuanmeldung von 30 Mitgliedern beweist die Zweckmäßigkeit des großartig gelungenen und von nun an alle 14 Tage stattfindenden fcOböTKlSö. Agudas Bachnrim- Verein, Eger (Erlau). Sonntag, den 26. Dezember 1920, fand hier die Reorganisierung des Agudas Bachurim-Vereines statt, welcher voriges Jahr seine Tätigkeit infolge der politischen Verhältnisse zeitweilig unterbrechen mußte. Programm des Vereines ist das Programm der „Agudas Jisroel". Der formelle Anschluß ist in allernächster Zeit zuwarten. Zum Ehrenpräsident des Vereines wurde Herr Moses Schreiber, Sohn des dortigen Oberrabbiners, zum Präses Herr Leopold Rosenberg gewählt. Der Ausschuß besteht aus den Herren Samuel Pollak (Vizepräses), Samuel Deutsch, Sohn des Oberrabbiners Deutsch (Komarno, Kassier und Sekretär) u. a. Für die nächste Zeit wurden vorläufig folgende Schiurim festgesetzt: Jeden Schabboth und Sonntag nachmittag Ghumisch-Raschi und Gemoroh (Gitin). Ferner findet einmal wöchentlich gesellige Zusammenkunft statt. Herr Samuel Schreiber wird demnächst als Delegierter der Wiener Aguda- Jugendgruppe nach Erlau reisen und mit dem dortigen Vorstand persönlich Fühlung zu nehmen. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Bielitz (Polnisch Schlesien). Die Leitung der Wiener Jagendgruppe erhält aus Bielitz die Verständigung, daß dort auf Initiative des Herrn Abraham Schreiber, Delegierter der Wiener Jugendgruppe eine ebensolche im Entstehen ist. Am 19. Dezember 1920 fand dort die erste Vorversammlung statt, bei der in. das provisorische Komitee u. a. die Herren D. Halberstamm (Vorsitzender), Josef Schiff (Sekretär), S. Langer (Kassier) gewählt wurden und hat dieses Komitee die Organisationsarbeiten bereits übernommen. Propagandamaterial wurde erbeten, welches bereits übermittelt wurde. Wir wünschen unserer Schwesterorganisation * eine gedeihliche Entwicklung. Aguda-Abend in Witra. Die Jugendgruppe in Nitra arrangierte jüngstens einen gut gelungenen Festabend. Nachdem Präses Weiß in schlichten Worten die Feier eröffnet hatte, sprach der Festredner Josef Königsberg aus dem Herzen kommende, ins Herz dringende Worte tiefjüdischer Ueberzeugung. Nachher sprach Herr Emanuel Dirnfeld begeistert und begeisternd über Agudaberuf und Agudaziele tiefdurchdachte Worte der Anspornung. Seine Rede konkludierte dahin, daß sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart des jüdischen Golusschicksales uns die heilige Pflicht auferlegen, die vorhandenen moralischen Energieanlagen des jüdischen Volkes auf einem Punkte zu sammeln, zu entfachen und sodann zur Erhaltung des Toraglaubens und Jims Haschern zu verwenden. Darum und deshalb müssen wir uns unter die Fahne der Agudas Jisroel-Organisation schaaren und unsere Kräfte der Förderung dieses idealen Zieles widmen. Hierauf folgte ein frugales, aber umso gemütlicheres Mal (Melawedemalke), bei welchem die erschienenen Gäste in fröhlicher Feststimmung bis zur späten Nachtstunde zusammenblieben. Der materielle Erfolg dieses Abends blieb hinter dem geistigen und moralischen weit zurück, 'trotzdem ersterer auch nicht unbedeutend ausfiel. Achtung! Wichtige Mitteilung! Der „Jlic3", Warschauer orthodoxe Tageszeitung, ist zwei Tage nach Erscheinen im Zentralbureau der Agudas Jisroel, IL, Malzgasse 12 a, zu haben. Spendenauswm. Agudas 3isro<l-3ug«n<lgruppc. Wien, II., Obere Donaustraße 69. 1. Jugendgruppe: Gesammelt bei einer Tischgesellschaft K 1475, A. Sch. 50, Herman Fürst 50, Bonyhady (Salzburg) 25, J. Barbasch 10, gesammelt durch Herrn Josef H i r s c h 1 e r: Astmann 30, Hirschler 20, Sonnenschein 10, Kostelitz 30, Ernst Weiß 10, Kondria 50, Bick (Bratislava) Kß 20, N. N. 15, N. N. 10, N. N. 10, N. N. 20, N. N. 100, N. F. 50, gesammelt durch Ludwig Tauber 162, L. Müller 20, Moses Bügeleisen 30, K. Silbiger 10, Karl Richter 10; zusammen K 2157 und Kc 20.

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