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Jüdische Presse · 1921-01-07 · 1 (7.1.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. I JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Der ungarische Kolel. Am 13. Dezember versammelte sich der neugewählte Ausschuß in Jerusalem, um für die Dauer eines Jahres ihren Vorstand zu wählen. Als Memmunim wurden gewählt die Herren Simon Hausmann, S. J. Freund. Jecheckel Zwebner. Zum Segan Herr Gh. S. Weißberg und andere. Projekt eines zentralen Bethauses für alle Kehillos bei dem Koßel Maarowi. In Jerusalem findet eine -tarke Agitation für die Idee statt, ein grandioses zentrales, allgemeines Bethaus für alle Kehillos der jüdischen Bevölkerung aufzubauen. Das Haupt dieser Initiative ist Rabbiner Alischar. Es gelang den Gouverneur Sir Herbert Samuel für diese Sache zu interessieren, welcher erklärte, daß er zuerst eine schriftliche Eingabe diesbezüglich brauche, die von den Rabbinern aller Kehillos in Jerusalem unterzeichnet sein soll. Alle Rabbiner faßten einstimmig den Beschluß, daß dieses zentrale Bethaus in der Nähe der „Koßel Maarowi" aufgebaut werden soll. Dr. Klausner, Redakteur des „Haschiloach", referierte in Jerusalem über die Wichtigkeit der hebräischen Sprache, wobei er unter anderem sagte, daß man manches von den Othodoxen lernen könnte. Diese verstünden es ausgezeichnet, das „Schemiras Schabos" zu verteidigen und opfern sich für die Heiligkeit des Schabos auf. Sie verstünden es sehr gut, den „Chillul Hakodesch" zu verhindern und verteidigen energisch alle religiösen Güter. Niemand wagt es, am Samstag öffentlich zu rauchen, doch keiner scheut sich, öffentlich in einer anderen Sprache als der hebräischen zu sprechen. Man sollte von den Orthodoxen lernen, das Loschon Hakodesch zu verteidigen. „Die hebräische Sprache", sagte Doktor Klausner weiter, „solle für uns, Loschon Hakodesch1 sein, nicht bloß wie bis jetzt in religiösem Sinne, sondern in allen Hinsichten. Sie ist unsere heilige Sprache, wir sollen für .Kenoim' sein. Unsere Losung müsse lauten: Unser Volk ist ein Volk, wenn es seine eigene Sprache hat. Unserer Sprache droht jetzt in Erez Jisroel eine Gefahr von Seiten der vielen anderen Sprachen, die die Herzen unserer Jugend anzieht. Wir müssen rechtzeitig gegen diese fremde Assimilation, welche sich in letzter Zeit bemerkbar macht, den Kampf aufnehmen." Zur Geschiebte der Uerein$-Uolk$$cbule mit dem OeffentlicbkeitsrecM (Calnind Cbora) ttJitw, II., malzga$$e 16. Von Adolf Fried. Gründer der Schule war 1854 der Hofwechsler fgnaz Deutsch; sie sollte ursprünglich nur dazu dienen, den Kindern Unterricht in der Thora, den Propheten, der Mischna und im Talmud angedeihen zu lassen. Den Namen Volksschule verdiente die Anstalt erst im Jahre 1862. Denn jetzt trat ein tüchtiger, pädagogisch gebi' ■•'••r Lehrer, Wilhelm Lowit, an die Spitze der Ai; mit ihm wirkten andere Männer hingebungsvc . <l;ra,tlei der pädagogische Schriftsteller Rudoh luchs, im Jahre 1866 bestand die Schule aus vi;:>• KUssc-n, hatte den Namen Vereins-Hauptschule \..\d wies vorzügliche Leistungen auf, so daß man druua;c<og\ las Oeffentiichkeitsrecht zu erwerben, -u,i .«laatr ltige Zeugnisse ausstellen zu können. L;> Ke . wurde der Anstalt durch Ministerialerlaß v-m tober 1867, Zahl 89,17, erteilt. In die'ser Zeit sprach sich ~,c!| il; ner Doktor L. M. Rabbinowicz aus Paiv. j.1-iv Leistungen im Hebräischen sehr lobend aus.' ob. o Rabbiner Lazar Horowitz in Wien. Im Jahre 1869 war Riil vki ' in. Bürgermeister-Stellvertreter der SL''< W?f:n,;• der Schlußprüfung anwesend und g.'ib nbr h. nderen Zufriedenheit Ausdruck. Oi-js "-"n;en Urteile schloß sich Prälat Dr. von; . In Anerkennung der Leistungen der -! . willigte der Vorstand der Wiener isrr.fii.i-' K. : :usgemeinde im Jahre 1873 eine Subvei; : n 00 Gulden, die hochherzig immer mehr - v rde, so daß sie bereits im Jahre 1911 .-a.' end Kronen betrug; überdies wendet dk: .ai' isgtmeinde der Anstalt voroohiodene Beträge m?' -Jftungen zu. Im Jahre 1870 wurde der ...ie d r Schule in „Vereins-Volksschule mit der ^iffenUi ikeitsrechte" umgewandelt. Im Jahre 1877 besuchte Pro-Wor i\ H. Graetz aus Breslau die Schule, übe* welche er sich mit folgenden Worten äußerte: . Von dem Direktorium der Talmud Thora-Volksschiile zu einer Inspektion dieser Anstalt eingeladen, bin ic.ig u . bereit, meine vollste Befriedigung über die Resulale der Prüfung auszusprechen. Von der ersten Klasse, wo du- Unterricht im Syllabieren und Lesen erst begonnen hat, bis zur rierten Klasse, in welche die Schüim eist in diesem Monat eingetreten sind, haben m?ch die Antworten wegen ihrer Präzision überrascht sowie die Lebhaftigkeit des Geistes erfreu f. Die Prüfung hat den Eindiiek auf midi gemacht, daß diese Schule den wünsch»:umwerten Plan der Kombinierung eines gründlichen .Elcrfc.jntar- und hebräischen Unterrichtes glückl' ^.;" »ealii ert." Wien, im Oktober 1877. , Dr. I Graetz. Im Jahre 1896 trat Oberlehrer Ijiüiz Low wegen Kränklichkeit von der 11 Jahre inn ren übten Leitung der Schule zurück und wirkte l;u;n noch ein Dezennium als Religionslehrer. An deiner Stelle wurde Herr Oberlehrer Jakob Kwlun zur Leitung der Anstalt berufen. Am 3. November 1907 übe.siedel; die Anstalt in das jetzige Schulhaus. Bei der fei liehen Eröffnung des neuen Schulgebäudes ergrif. der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, das Wort, um zu erklären, daß die Kultusgemeinde dieser Anstalt schon deshalb die weitgehende Unterstützung angedeihen lassen wolle, weil sie sich dessen wohl bewußt sei, daß es in erster Linie ihre Pllicht sei, eine solche Schule zu erhalten, in welcher die Schüler zu guten Juden und guten Bürgern erzogen werden. Der Bau war nach den Plänen der Architekten Theodor Schreier und J. Gießkann ausgeführt worden. Bezirksrat Edmund Melcher hatte in selbstloser Weise die Leitung sämtlicher Bauarbeiten übernommen. Die Baukosten exklusive des Grundes, der schon früher Eigentum des Vereines war, beliefen sieh auf K 244.000. Mit dem Aufschwung der Schule sind die Namen der verblichenen Vorstandsmitglieder Heinrich Berger, Dr. Josef Grünfeld, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdeniann, Dr. Gustav Kohn, Direktor Jakob Mautner und Direktor David Simon unauflöslich verbunden. Eine ihrem Andenken! Nun von der Vergangenheit zur Gegenwart! Der Vorstand, bestehend aus den Herren: Markus Bondi. Präses, Dr. Alfred Berger, Vizepräses, Professor David Kohn, Schriftführer und Kassier, Doktor Josef Bondi, Wilhelm Freistadt, Bernhard Hofbauer, Oskar Neurath, Professor Otto Simon, Hofrat Doktor Julius Schlag und Josef Weißkopf, wendet der Anstalt eine besondere Fürsorge zu. Die Schule verfügt über lichte Räume, ist mit modernen Lehrmitteln versehen, besitzt einen großen Turnsaal, Schulküche und Speisesaal, in welchem gegen hundert Kinder Mittagskost erhalten, ferner ein Schulbad und Zentralheizung. Der Unterricht, von pädagogisch geschulten Kräften erteilt, zeitigt sehr schöne Erfolge, wie dies durch die den Lehrern der Anstalt vom Bezirksschulrate und dem Vereinsvorstande zuteil gewordenen Belobungsdekrete dokumentiert ist. Vier Schulärzte, die Herren Dr. Josef Bondi, Dr. S. Bondi, Spezialarzt für innere Medizin, Doktor Erwin Pulay, Dermatologe und Dr. Isidor Reiniger, widmen der Anstalt in selbstloser Weise viel Zeit und Mühe, um das körperliche Gedeihen der Zöglinge zu fördern. Die Schule, ein wichtiger Faktor der Erziehung unserer Jugend im jüdischen Geiste, könnte aber durch Erweiterung zu einer achtklassigen Volks¬ und Bürgerschule, ferner durch Angliederung von Mädchenklassen noch viel segensreicher wirken als jetzt. Die religiöse Erziehung soll bei unseren Knaben ja nicht auf die fünf Volksschulklassen beschränkt sein, sondern während der ganzen achtjährigen Schulpflicht erfolgen, eben so notwendig ist die religiöse Bildung des weiblichen Geschlechtes. Erging doch an unseren Lehrer Moses s. A. der Auftrag: „kau ßaumar lewes jaakow we ßagid livne jisroel." — „Bös Jakow — das sind die Frauen.* Die Sidra „OJoero". ... Da senkt sich über eine Welt voll Jammer, voll Schande und Trauer eine Lichtflut voll Gnade; eine visionäre Verheißung, dem Wissendsten unter den Sterblichen in seinen letzten Gründen ungeoffenbart, gleichzeitig aber vom kindlichsten Geiste mächtig empfunden: „Und es redete die G-ttheit zu Moses und sagte ihm: Ich bin der Unnennbare. Und Ich offenbarte Mich dem Abraham, dem Jizchak und dem Jaakow als „schaffender G-ttesgeist", aber Meinen Namen, den Unnennbaren, gab Ich ihnen nicht kund." — Die g-ttliche Gerechtigkeit, aus den sittlichen Gleichgewichtsgesetzen entsproßen, kennt neben sich noch ein zweites Motiv, die Begnadigung. Elokim, ist das eherne Motiv des Gesetzes der Gerechtigkeit. Der Unnennbare ist aber das Motiv der Begnadigung. Wenn die großen Ahnen, Abraham,- Isak und Jakob, welche alle künftigen Entwicklungen unter dem Gesichtswinkel der ehernen Gesetze der Gerechtigkeit sahen, ein vierhundertjähriges Golus als Strafe der Gerechtigkeit und als notwendige Lehrzeit ermessen mußten, so war ihnen das Motiv der Barmherzigkeit, der Midas harachamim, der sich im Kuscheha-schibud auslöst, unbekannt; ihr großes Leben, das sich streng nach den Gesetzen der Gerechtigkeit regelte, mußte nie an das Motiv der Barmherzigkeit, das der sündigen Welt gegenüber in Erscheinung treten muß, appellieren. In dem Momente, wo Moses (dessen Name denselben Zahlenwert trägt [Gimmatria] wie '1 schadfiai) ebenfalls das Volk mit dem Midas hadin, dem Maßstab des Rechtsgesetzes gemessen hat, verzweifelt wahrnimmt, daß es sich immer mehr hoffnungslos davon entfernt und keine Würdigkeit der Geula zeigt, so wird ihm nun eine neue Form des Waltens g-ttlichen Ratschlusses kund : Das unnennbare, unermeßbare, undefinierbare Motiv der Gnade. Und so schritten die erhabenen Brüder, der Hohepriester und der Gesetzgeber, wie die Verkörperung der Gnade und des Gesetzes vor den Thron des Weltherrschers Pharao hin ... An den wundersamen Vers, der die heutige Sidra eröffnet und unzählige Generationen mit reiner Andacht erfüllt hat. Jcrallt sich in neuerer Zeit die kranke Seele des Zweifels und will einen Keil in die heilige Einheit der Thora treiben: Die Bibelkritik. Mag es von Männern anderen Stammes begreiflich scheinen, daß sie mit feindseliger blasphemischer Absicht das mörderische Seziermesser der Bibelkritik wetzen. Schande aber über Söhne unseres Stammes, welche entartet genug sind, um verbrecherische selbstmörderische Hand an Heiligtümer zu legen, die von allen Menschenkindern als einziges gekanntes Element der Sittlichkeit, als Krönung des Menschen zum Herrscher über das Reich der Tierwelt erkannt worden ist, und unser Schutz und unsere Ehre unter den Völkern gewesen ist und sein wird. Diese Schandtat, darf wie die Herostratie niemals einer Erwähnung, einer Polemik gewürdigt werden; nur die Erziehung im glühenden, innigen Glauben an die g-ttlichen Kräfte, die in uns walten, sei die sittliche Hygiene, die unser Lager vor der Krankheit des Unvermögens des Glaubens beschützt und uns zu Reinen zu veredeln vermag, denen alles rein ist. Der TrauenüberscbuD nacb Konfessionen in Deutschland. Von R. E. Met.* Gesamtbevölkerung: männlich 30,4.61.100, weiblich 31,259.429. Frauenüberschuß: 798.329 2-6 Prozent. A. Konfessionen mit Frauenüberschuß. 1. Evangelische: männlich 18,798.689, weiblich 19,575.959. Frauenüberschuß: 777.270 4'1 Prozent. 2. Katholiken: männlich 11,253.025, weiblich 11,287.460. Frauenüberschuß: 34.435 0*3 Prozent. 3. Israeliten: männlich 282.064, weiblich 284.935. Frauenüberschuß: 2871 1 0 Prozent. B. Konfessionen mit Männerüberschuß. 4. Andere Christen: männlich 110.366, weiblich 100.028. Männerüberschuß: 10.338 10*3 Prozent. 5. Bekenner anderer Religionen: männlich 16.956, weiblich 11.057. Männerüberschuß: 5909 — 53*5 Prozent. Wenden wir uns zunächst zu den Konfessionen mit Frauenüberschuß. Die weibliche Bevölkerung übersteigt die männliche im Reich überhaupt um 2-6 Prozent. Während aber der weibliche Ueberschuß bei den Evangelischen 4*1 Prozent beträgt, beträgt er bei den Katholiken nur 0*3 Prozent. Der Prozentsatz des Frauenüberschusses beträgt also bei den Katholiken nur rund den 14. Teil des Prozentsatzes bei den Evangelischen. Bei den Juden beträgt der Prozentsatz des Frauenüberschusses mit 1*0 Prozent nur den vierten Teil des Prozentsatzes bei den Evangelischen, aber mehr als das Dreifache ,des Prozentsatzes bei den Katholiken. Er ist bei den Katholiken anderthalbmal so groß wie im Reichsdurchschnitt, beträgt bei den Katholiken nur ein Neuntel, bei den Juden nur etwa ein Drittel des Reichsdurchschnitts. Im Gegensatz zu den drei Hauptkontingenten: Evangelische, Katholiken, Israeliten, die einen Frauenüberschuß habe n, haben die „Anderen Christen" und die „Bekenner anderer Religionen" einen Männerüberschuß. Diese beiden Kontingente bilden aber einen viel zu kleinen Bevölkerungskreis, als daß etwa angenommen werden könnte, ihr Männerüberschuß habe den Frauenüberschuß der Hauptkontingente bewirkt. Zählen die „Anderen Christen" doch nur 0-3 Prozent, die^ „Bekenner anderer Religionen" noch nicht einmal 0*05 Prozent der Bevölkerung, während die drei Hauptkontingente 99-7 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Bei kleinem Bevölkerungskreis spielen besondere Einflüsse ja leicht eine * Abhandlungen aus dem Gebiete der Sexualt'orschung l. Band, 4. Heft: Der Frauenüberschuß nach Konfessionen von R. E. May. — Beiträge zum Zahlen Verhältnis der Geschlechter von Salinenarzt Dr. Adolf Kickh. Bonn 1919, A. Marcus Sc E. Webers Verla». Einzelpreis Mk. 4.—, Vorzugspreis Mk. 3.—.

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